Ich lüfte ein Geheimnis… ODER Die Norwegische Staatsbürgerschaft!

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Norwegische Tracht, eine bunad. vingerlaget.no

Endlich! Mit dem Brief in der Hand hechte ich die Treppen in unserem Haus hinauf, stürme durch die Wohnungstür und rufe Martin zu: “Ich darf jetzt eine bunad tragen!” Eigentlich tragen ja nur Norwegerinnen die norwegische Tracht. Aber das darf ich jetzt auch! – Warum, wieso, weshalb, fragt Ihr Euch? Weil … ich seit  vorgestern die norwegische Staatsbürgerschaft besitze.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es gibt Entscheidungen im Leben, die fallen schwer und von denen erzählt man auch erst, wenn alles geglückt ist. So wusste niemand hier in Oslo, weder Martin noch unsere Freunde, weder Familie noch Freunde in Deutschland – also niemand – dass ich plante, meine Staatsbürgerschaft zu wechseln. Das hat von meiner Seite ein großes Maß an Disziplin und Organisation verlangt, denn die zu erledigenden Prüfungen auf dem Weg zur Norwegerin sind umfassend und manchmal schlecht geheimzuhalten.

Wie froh bin ich, nun endlich davon erzählen zu können!

Fünf Aufgaben lagen vor mir:

Die erste schien einfach. Ich sollte bei einer öffentlichen Veranstaltung die norwegische Nationalhymne singen. Feiertage gab es im Februar/März – meiner Prüfungszeit – nicht. Aber, beschlossen meine Prüfer, wir haben die Biathlon-WM! Da werden sich bei den zahlreichen Medaillenverleihungen mit zahlreichen Goldmedaillen für das norwegische Team genügend Gelegenheiten bieten. Und wirklich: am 5. März holte sich die Norwegerin Tiril Eckhoff Gold im 7,5 Kilometer Sprint. An dem Tag hatte ich aber Geburtstag und dachte, ach komm, die Norweger gewinnen noch so oft, dann gehe ich eben ein anderes Mal hin.

*räusper*

Nachdem der Franzose Martin Fourcade dann zum dritten Mal Gold gewonnen hatte, wurde ich nervös. Um meinen guten Willen zu bekunden, ging ich zur Medal Plaza und jubelte schon mal probehalber und sang  – ganz leise – die französische Nationalhymne mit. Aber das zählte natürlich nicht! War ich froh, als dann endlich die norwegischen Frauen in der Staffel Gold holten!!!!! Lauthals schmetterte ich an diesem Abend Ja, vi elsker dette landet– mit Argusaugen bewacht von meinem Prüfer Rikard Nordraak.

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Die Videoaufnahmen meiner Präsentation schickte NRK an das norwegische Außen- und Kultusministerium, deren Mitarbeiter dann im Stortinget das Material sichteten und mich, sowie andere Prüflinge, bewerteten.

Als nächstes musste ich einen Mariusgenser stricken. Meine Freude darüber war groß, denn erstens kann ich stricken und zweitens gab es keine Spezifikationen zur Größe, also strickte ich einen Pullover für Gesa. Die Prüfungskommission kritisierte die Fadenführung an manchen Stellen, war aber von Gesa IM Pullover begeistert und wertete die Aufgabe als “bestanden”.

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Danach kam der lukullische Teil – Waffeln backen. Ich übte hier Zuhause und war dann vor einigen Wochen bereit für meine große Aufgabe: An einem Sonntagnachmittag sollte ich am Sognsvann Waffeln für Wanderer und Skiläufer backen. Hier schnitt ich einigermaßen gut ab, meine Prüferin Ingrid Espelid Hovig kritisierte allerdings an manchen Waffeln die Form. Den Streit zu Beginn, als ich mit meinem Dinkel-Möhren-Zuckerfrei-Teig beginnen wollte, lasse ich jetzt einmal weg. “So etwas tut eine echte Norwegerin nicht!”, bekam ich zu hören. Aber trotz allem: Test bestanden.

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Als nächstes kam ein soziologischer Test: Ich musste ich anhand von Kleidung, Aussprache, Alkoholkonsum und Automarke erkennen, in welchem Osloer Stadtteil der- oder diejenige wohnte. Das klappte sehr gut. Nur eine engelversessende Aristokratin und eine katzenverrückte Teenagerin platzierte ich nach Vålerenga und verlor Punkte.

Und nun zum letzten Test: Erinnert Ihr Euch an die vielen Freitage, an denen der Blog nicht erschien und ich Gesa die Schuld daran gab? Das war geschwindelt.Ganz übel geschwindelt.Hier kommt nun die Wahrheit:

Ich konnte den Blog nicht schreiben, weil ich Reitstunden hatte.

Auf einem Elch.

Das war nämlich die, mich etwas erschreckende, letzte Aufgabe. 37,5 Reitstunden auf einem Elch. Nun muss man dazu wissen, dass mir schon gezähmte Pferde Respekt einflößen – von wilden Elchen mal ganz zu schweigen! Aber – wat mutt, dat mutt, wie man bei uns in der Heimat sagt (ist Deutschland jetzt eigentlich noch meine Heimat??) – also rauf auf das Tier.

Das Hirschkalb, das der Osloer Forstverband mir ausgesucht hatte, war freundlich gestimmt. Ich taufte das Kalb Henrik Ibsen, das gab mir ein gutes Gefühl. Freitag für Freitag ritten also Henrik Ibsen und ich durch die Nordmarka, genau beobachtet von Bjørnstjerne Bjørnson, dem Revierförster. Besonders das Finden von Henrik Ibsen war schwierig, hielt sich so ein junger Elch doch selten an Verabredungen. Schön war es aber dann, auf dem weichen Rücken durch die Tannen zu reiten – an schlechten Tagen auch zu galoppieren.

Henrik Ibsen und ich bauten eine Art Vertrauensverhältnis auf. Leider war sein Ende tragisch: Ich hatte ihm viel über die Deutsche Gemeinde erzählt. Eines Tages beschloss er, mich dort zu besuchen und trabte in die Stadt. Dummer, kleiner Elch…Sein Leben nahm in der Eilert Sundts gate ein zu rasches Ende.

Mein Reitprüfung hatte ich dennoch bestanden. Danke, Henrik Ibsen!

Und dann hieß es warten.

Diese Tage waren hart für mich. Gut, dass ich so ein verschwiegener und generell introvertierter Mensch bin. Als dann aber der Brief vom königlichen Herold per Pferd in die Sorgenfrigata gebracht wurde und ich den versiegelten Umschlag öffne, war alles vergessen. Ein goldener Käsehobel fiel mir entgegen und ich wußte: Jetzt bin ich Norwegerin.Ein fantastischer Tag!

Und nun? Was passiert nun?

Ob ich jetzt meinen Namen ändern sollte?

In Therese Northug? Oder in Sonja Ringnes?

Gucken wir mal.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Ich wünsche uns allen eine wunderbare erste Aprilwoche mit viel Sonne und Lachen. Hier in Oslo ist der Winter zurückgekehrt – Minus 2 Grad heute morgen, bibber! Martin reist am Montag nach Moskau und am selben Tag kommt meine Mutter nach Oslo, um mich in der fast-Premierenwoche zu unterstützen! Ist das nicht toll?! Und nächste Woche wartet dann ein ganz besonderer Blog auf Euch: Ich gehe golfen. Warum, wieso und mit wem – davon lest Ihr dann nächsten Freitag!

Ha det,

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Kari Ibsen

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15 Kommentare zu “Ich lüfte ein Geheimnis… ODER Die Norwegische Staatsbürgerschaft!

  1. Herzlichen Glückwunsch zur norwegischen Staatsbürgerschaft und einen schönen 01. April, der Dir genau so viel Lachfalten ins Gesicht zaubern soll, wir mir Dein heutiger Blog! Viele Grüße aus dem fast schon sommerlichen (12 Grad) Hagen, Katharina

    • Lachfalten sind mir die liebsten Falten, bei mir und vor allem bei meinen Lesern 🙂 Liebe Grüße nach Hagen und her mit den Temperaturen!!!!

  2. Was ist das für eine schöne Geschichte „um in den APRIL“ zu starten!!!!!! Ich habe mich köstlich amüsiert!!!! Bitte unbedingt um ein „Ulrike-reitet-Elch-Foto!! 🙂 .) 🙂

  3. ohha! Dann musst du jetzt auch Brunost essen!

    Schönen ersten April und ein tolles Wochenende. Grüß Deine Liebsten von mir 🙂

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