Eine lustige Witwe für Opa Einar ODER Norwegisch lernen mit Hindernissen

 

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Bekommt Jan seine Ingenieurausbildung in Norwegen anerkannt? Eröffnet Linn ihre Teestube in Oslo? Wie wird Opa Einar mit seinem neuen Mobiltelefon zurecht kommen? Kauft Kåre ein neues Auto, obwohl Grete dagegen ist? Gewinnt Jakobs Fußballmannschaft das nächste Match? Fragen über Fragen!

Wie soll ich denn dabei noch Norwegisch büffeln?????

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Mein erster Norwegischkurs war auf Englisch (ja, lange Geschichte) und beschrieb in 16 Kapiteln das Schicksal von Sue. Die junge Engländerin war als Touristin nach Norwegen gekommen, hatte sich verliebt, entschloss sich der Liebe wegen in Norwegen zu bleiben, fand einen Job, trennte sich von ihrem Freund, versöhnte sich mit ihm und sorgte am Ende auch noch dafür, dass ihre Schwägerin-in-Spe und deren Ex-Freund sich versöhnten. Was für ein Happy-End! Und ich war während dieses ganzen Dramas von Sprachlevel A1 (“Hei! Jeg heter Sue!”) zu Sprachlevel B1 gekommen.

Nicht so bei “Stein på Stein”. Dieses offizielle Lehrbuch der Volkshochschule mit Online-Lernaufgaben im Internet ist meine momentane Waffe zum Bezwingen der norwegischen Sprache und zum Erreichen von Level B2. So weit, so gut. Die Kapitel sind interessant, die Aufgaben lösbar, die Hörbeispiele verständlich.

Aber die menschlichen Schicksale!

In jedem Kapitel etwas Neues!

Und NICHTS wird aufgelöst!!!!

Hallo, Cappelen Verlag, was soll denn das??

In Kapitel 1 fängt das Drama an. Vier Ausländer beschreiben ihren Alltag in Norwegen, ihre Wünsche und Pläne für die Zukunft. Sonias Kinder fangen bald in der Schule an, Jan wartet auf Anerkennung seiner Ausbildung, Ella will studieren und Amir arbeitet im Pflegeheim, bis er seine Zulassung als Arzt bekommt.

Fertig. Und erhalte ich noch mehr Infos? Nein.

Im zweiten Kapitel lerne ich die Familie von Turid kennen. Sie ist geschieden und lebt mit Sohn Jakob und ihrem neuen Freund Knut zusammen. Etwas am Rand der Stadt wohnt ihr Vater Einar, der mir nicht nur aus dem Oslo der 50er Jahre erzählt sondern auch ein neues Mobiltelefon hat. Opa Einar ist manchmal einsam.

Ich würde am liebsten sofort nach Lambertseter fahren und ihn besuchen.

Richtig dramatisch kommt Kapitel 3 daher: Sorglos, wie Männer manchmal so sind, sagt Kåre am Frühstückstisch (am FRÜHSTÜCKSTISCH, ehrlich Kåre, schon verloren)….er sagt also so nebenbei zu seiner Frau: “Nå synes jeg vi skal kjøpe ny bil.” Er will also ein neues Auto kaufen. Klar, warum nicht, das macht man ja mal so nebenbei. Grete schmettert das ab. Verrückt sei er, das könnten sie sich gar nicht leisten. Es folgt eine hitzige Diskussion: Das alte Auto war schon mehrmals in diesem Jahr in der Werkstatt, argumentiert Kåre (da hat er recht, ein altes Auto kostet viel). Haha, kontert Grete, sie müssten erstmal das Bad renovieren, das sei viel dringender, dauernd laufe Wasser aus dem Becken auf den Boden (da hat sie recht, finde ich)! Sie streiten hin und her, bis Kåre den folgenschweren Satz loslässt (ach, Kåre…): “Det er bare et spørsmål om å planlegge litt bedre.” Sie müssten halt (finanziell) alles etwas besser planen.

Oh oh.

Wo er denn besser planen wolle, fragt Grete. Wo wolle er denn sparen? Vielleicht am Essen? Ja?? Und dann essen sie jeden Tag fiskeboller oder wie habe er sich das vorgestellt?

(Ich kann vor Aufregung kaum an mich halten.)

Grete, bei Frauen so typisch, ich selber nehme mich da nicht aus, redet sich in Rage. Vor allem als sie erfährt, dass Kåre bereits mit der Bank über einen zusätzlichen Kredit gesprochen hat. Sie regt sich auf und endet schließlich mit: “Vielleicht brauchen wir gar kein Auto? Die Bushaltestelle ist nur fünf Minuten entfernt.”

Ohweh.

Männlicher Schock trifft auf weibliche Pragmatik.

Sie habe Angst vor steigenden Zinsen, gibt Grete schließlich zu. Und auf Kåres naiven berechtigten Einwurf, sie solle nicht alles so negativ sehen, sagt sie nur noch: “Jeg prøver å være realistisk. Noen må jo være det også I denne familien.” Sie versuche nur realistisch zu sein. Irgendjemand in der Familie müsse das ja sein.

ENDE.

ENDE?????

Wie, was, wo? Ihr könnt mich doch jetzt nicht hängen lassen. Nicht mitten im Drama!!!

Wie, lieber Cappellen Verlag, sollen Studenten dieses Lehrbuch emotional durchhalten? Ich bin erst in Kapitel 3 und schon am Ende meiner Nerven. Und DANN soll ich mich auch noch auf “nützliche Begriffe” und grammatikalische Formen konzentrieren. MIR DOCH EGAL! Ich will stattdessen, dass Jan einen Job als Ingenieur bekommt, Kåre und Grete sich vertragen und im Lotto gewinnen,  Amir als Arzt arbeiten darf und Opa Einar sich in die nette Witwe im Nachbarhaus verliebt.

So geht das doch alles nicht!! Seufzend frage ich mich: Was kann man denn nur tun, um diese offenen Geschichten zu beenden? Was? Was?? Was????

Ich hab’s!

Natürlich.

Was sonst?

Ich werde eine Fortsetzung schreiben: “Stein på Stein – Das Happy End!”

Natürlich ohne den grammtikalischen Kram drumherum! Nur persönliche Schicksale! Denn seien wir ehrlich: Wen interessiert bei all diesen menschlichen Dramen schon, wann und warum man das Perfekt benutzt? Wir wollen eine lustige Witwe für Opa Einar!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Ich büffele also fleißig für meine Norwegischprüfung im November, suche nach Jobs oder Praktikumsplätzen und finde mein neues/altes Leben am Schreibtisch noch etwas verwirrend. Gesa geht jeden Tag in den Kindergarten, der Abschied ist immer noch tränenreich – aber da bin ich hart und gehe einfach weg, was soll ich schließlich auch tun? Still ist es hier auf jeden Fall und daran muss ich mich auch wieder gewöhnen, irre, wie einem so ein kleiner, bockiger, fußaufstampfender, tanzender, lachender Wirbelwind fehlen kann. Na, nun ist ja Wochenende! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche ohne Dramen. Lernt mal wieder was Neues und schreibt mir Eure Ideen, was mit Kåre und Grete passieren soll!

Ha det,

BlogSteinpastein

Ulrike

 

 

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7 Kommentare zu “Eine lustige Witwe für Opa Einar ODER Norwegisch lernen mit Hindernissen

  1. hei ulrike.
    det er bare å glede seg til fortsettelsen av dette bildrama. Vielleicht kønnte man ein el auto vorschlagen. sowohl auto als auch badrenovierung sind ja echt norway for runaways themen. Så lure forlagsfolka er, som penser folk inn på mulige drama tidlig. kanskje du kunne tilby forlaget din fortsettelse. Hva skjedde så…. brukermedvirkning er tingen!!! Det virker som en morsom bok å lese. Vi hadde ny i norge og det var rimelig trauste greier, før internett og fjesbok. Huff. Heia for norsk lærings prosessen som liksom aldri tar slutt….

  2. Men det er ikke nødvendig å fortsette – kona har vunnet diskusjonen.

    „Har du tenkt vi skal spise fiskeboller hver dag??“ er ikke argumentasjon, det er en fornærmelse, til og med et fast uttrykk, mer eller mindre, for ingen vil det, rett og slett. Det er som å si „skal vi sulte?“ Et retorisk spørsmål. Det er en annen måte å si at „dette har vi ikke råd til“. Og når han ikke svarer ordentlig på det har han akseptert hennes forutsetning eller hennes oppfatning av familiens økonomi og muligheten for ny bil.

    Den neste replikken, „kanskje vi ikke har bruk for bil“ er en enda større provokasjon, tatt i betraktning at det var mannens forslag å kjøpe ny bil. Best å la være å svare på den, bare være musestille, med mindre du akkurat har fått lønnsøkning eller vunnet i Lotto, ellers kunne det bli virkelighet. Egentlig er det det siste slaget, nå har hun vunnet diskusjonen.

    Den siste („noen må jo være realistiske“) er en formalitet, en klassisk replikk i en sånn liten krangel, og nok en klisjé, et nesten fast uttrykk. Den betyr ingenting i seg selv, annet enn å slå fast at hun har makten her, ikke minst definisjonsmakten, for eksempel når det gjelder hva som er realistisk og hva som ikke er det.

    Dette er det som foregår mellom linjene. En konkret diskusjon er det ikke, egentlig, mer en maktkamp. Helt normalt…

    Å gjøre det ved frokostbordet er heller ikke så uvanlig, tror jeg. Mye viktig gjøres i forbifarten, det kommer kanskje mest an på hvilken type man er.

    • Men det er ikke nødvendig å fortsette – diskusjonen er i hvert fall foreløpig vunnet av kona.

      „Har du tenkt vi skal spise fiskeboller hver dag??“ er ikke argumentasjon, det er en fornærmelse, til og med et fast uttrykk, mer eller mindre, for ingen vil det, rett og slett. Det er som å si „skal vi sulte?“ Et retorisk spørsmål. Det er en annen måte å si at „dette har vi ikke råd til“. Og når han ikke svarer på det har han akseptert hennes forutsetning eller hennes oppfatning av familiens økonomi og muligheten for ny bil.

      Den neste replikken, „kanskje vi ikke har bruk for bil“ er en enda større provokasjon, tatt i betraktning at det var mannens forslag å kjøpe ny bil. Best ikke å svare på den, bare være musestille, med mindre du akkurat har fått lønnsøkning eller vunnet i Lotto, ellers kunne det bli virkelighet. Egentlig er det det siste slaget, nå har hun vunnet diskusjonen.

      Den siste („noen må jo være realistiske“) er en formalitet, en klassisk replikk i en sånn liten krangel, og nok en klisjé, et nesten fast uttrykk. Den betyr ingenting i seg selv, annet enn å slå fast at hun har makten, ikke minst definisjonsmakten, for eksempel når det gjelder hva som er realisme og hva som ikke er det.

      Dette er det som foregår mellom linjene. En konkret diskusjon er det ikke, egentlig, mer en maktkamp. Helt normalt…

  3. Oh je… Verhungert, mitten in der Story. Auch schlecht. Man fragt sich öfter mal doch wie die auf die Texte kommen…
    Grad auf dem Niveau A1 sind die Textw manchmal genau das Gegenteil. Total öde und die Dialoge total seltsam. Glücklicherweise ist „mein“ ‚Et år i Norge‘ diesbezüglich größtenteils recht handzahm 😉

    Dann bleib cool bei den wohl weitern Dramen im Buch – und vielleicht triffst du Opa Einar in nem späteren Kapitel ja wieder? Viel Spaß und Erfolg beim weiteren Lernen.

  4. Ich drück die Daumen für alle Deine Vorhaben und glaube gern, dass Dein Wirbelwind Dir fehlt. Meiner fehlt mir auch, sobald wir nur ein paar Stunden getrennt sind.

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