Ein erstes Treffen mit Edvard Munch ODER Ich hasse Alpträume!

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Irgendwie schlafe ich in den letzten Nächten schlecht. Entweder greifen mich schwarze Riesenhunde an, ich verlaufe mich auf schier endlosen Hotelfluren oder ich stehe mit knurrendem Magen vor einem leeren Kühlschrank. (Das ist gruuuselig!!!!) Nun könnte man das analysieren.

Ja, könnte man.

Man könnte sich aber auch so richtig darin suhlen…

..und das Munch-Museum und die alptraumhafte Welt von Norwegens berühmtestem Maler besuchen. Frei nach dem Motto: Wenn schon, denn schon.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es sich um meinen ersten Besuch handelt. So sehr ich Kunst schätze – Edvard Munch reißt mich nicht vom Hocker. Na gut, aber heute Morgen war eh schon alles egal. (Ich bin mir nicht sicher, ob das der passende Ansporn war, aber ich hatte keinen anderen.)

Edvard Munch gehört neben Ibsen und Grieg zu den Fundamenten norwegischen Kulturstolzes. Anscheinend lässt sich gute Laune und ernstzunehmende Kultur schlecht vereinen, denn weder bei Munch noch bei Ibsen gibt es viel zu lachen. Das scheint aber niemanden groß zu stören und meine Meinung zählt irgendwie nicht. Das ist nicht richtig! Kunst darf unterhalten, jawohl, das muss sie sogar! Finde ich. Aber zurück zum Thema: Munch lebte von 1863 bis 1944, sein Leben und seine Kunst geprägt vom frühen Tod seiner Mutter und Schwester, psychischen Problemen und Alkoholmissbrauch. Nach abgebrochenem Ingenieurstudium widmete er sich mit aller Ernsthaftigkeit der Malerei. Seine Bilder wurden stark kritisiert, aufkommende gesundheitliche Probleme vereinfachten das Leben nicht. Doch Munch gibt nicht auf. Sein Ansehen stieg und heute wird er als Vorbereiter des Expressionismus angesehen und gefeiert.

Einen der wichtigsten Maler aller Zeiten zwei Jahre lang zu ignorieren ist frevelhaft und so steige ich um halb elf in die T-Bane Richtung Tøyen, im Osten der Stadt. Vor dem betongrauen Museum blühen die Kirschbäume. Wie schön.

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Eine kunstbegierige Gruppe sammelt sich an den noch verschlossenen Eingangstüren und eine besonders eifrige Besucherin tritt sogar probeweise mit dem Stiefel gegen die Glastür. Was an deren geschlossenem Zustand nichts ändert. Ich betrachte die rosafarbenen Kirschbäume und habe jetzt schon keine Lust auf depressive Malereien.

Ich bin aber auch schlecht drauf heute!

Nicht nur das Baby sondern auch ich gebe mir einen innerlichen Ruck. In solchen Fällen hilft nur ein Deal: Hinein mit offenem Geist und hinterher ein Stück Kuchen zur Belohnung.

Sofort geht’s mir besser.

Die norwegischen Sicherheitsbeamten haben ein Einsehen mit der kulturbegeisterten Menschenansammlung – und mir. Die Türen öffnen sich. Doch anstatt dass wir rein dürfen, tritt erst mal ein Sicherheitsbeamter heraus. Was folgt ist eine fünfminütige Einweisung in „Wie man sich in einem Museum verhält“, mit dem ausdrücklichen Verbot, den Schrei zu fotografieren und dem Hinweis, dass wir alle durch einen Sicherheitscheck müssten. Und das hat seine Vorgeschichte: Am 22. August 2004 stürmten nämlich drei bewaffnete Männer das Museum, bedrohten Wächter und Besucher, rissen die ungesicherten Gemälde Der Schrei und Madonna von der Wand und flohen. Das dieser Diebstahl etwas zu einfach ging, sahen dann auch die Verantwortlichen des Museums ein und installierten in den kommenden 12 Monaten ein Fort Knox –fähiges Sicherheitssystem.

Besser spät als nie.

Die gestohlenen Gemälde wurden übrigens zwei Jahre später von der norwegischen Polizei sichergestellt und drei Norweger im Alter von 34 bis 37 Jahren zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

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Dank dieser drei Ganoven entledige ich mich nun meines Gürtels und verstaue Jacke und Handtasche in hellen Plastikboxen, die in der Tiefe eines Röntgenapparats verschwinden. Ich werde als ungefährlich eingestuft und darf durch zwei schleusenartige Türen endlich ins Innere des Kulturtempels. Dort begebe ich mich auf die Suche nach einer Bank oder ähnlichen Sitzgelegenheit. Erstens will das mitgelieferte Programmheft studiert werden und außerdem sitze ich am Anfang gern in Museen und lasse den Raum auf mich wirken.

Nicht hier. Es gibt keine Sitzmöglichkeit.

Ich streife durch die Räume und entdecke ganz am Ende, kurz vor dem Ausgang, einen riesigen Schreibtisch mit Hockern und Büchern.

Ahhh, besser.

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Die momentane Ausstellung, durch die ich so ignorant gegangen bin, heißt Gjennom naturen (Durch die Natur) und ist eine Zusammenarbeit des Museums mit dem Naturgeschichtlichen Museum Oslo, das sich gleich gegenüber befindet. Munchs Gemälde, Zeichnungen und Lithografien werden in sechs Räumen verbunden mit Disziplinen wie Geologie, Paläontologie, Kosmologie, Zoologie und Botanik. Dafür hat das Naturwissenschaftliche Museum, das dieses Jahr 200jähriges Bestehen feiert, verschiedenste Exponate zur Verfügung gestellt. Ausgestopfte Hirsche und Bären, Fossilien und Zeichnungen treffen auf Munchs Kunst.

Ich sitze gemütlich an dem riesigen Schreibtisch und bin…

…gelangweilt.

ICH WEISS!!!!!

Shame on me!

Eine Kulturwissenschaftlerin mit Kunst als Nebenfach sitzt gelangweilt im Munch-Museum.

Es ist aber so: Ich kann Ausstellungen nicht leiden, die so kopf- und textlastig sind. So interessant ich das Konzept auch finde, es lockt mich nicht weg von meinem Hocker. Stattdessen male ich Blumen in mein Notizbuch und beobachte andere Besucher. Manche scheinen die Ausstellung auch nicht fesselnd zu finden und verlassen die Räume nach kurzer Zeit Richtung Ausgang. Ich blättere in einem der ausgelegten Bücher mit dem Titel The Art Instinct, in dem Kunst und Evolution in Verbindung gesetzt werden. Spannend. Doch plötzlich ertönt eine Stimme in meinem Kopf.

M.G. (mein Gewissen): „Halloooo!? Du bist hier wegen Edvard Munch!“

Ich: „Hmhj.“ (blätter, blätter)

M.G. schneidend freundlich: „Und – falls ich fragen darf – wie viele seiner Gemälde oder Zeichnungen hast du bereits gesehen?“

Ich (blicke mich im Raum um): „Das da. Blumenvase. Hübsch.“

M.G. gezwungen geduldig: „Meinst du nicht, dass du vielleicht noch ein paar mehr ansehen solltest?“

Ich (meinen Bauch vorschiebend): „Och, die sind ja alle so weit weg. Das ist ja anstrengend.“

M.G. kurz die Fassung verlierend: „Wirst du wohl dein Baby nicht als Ausrede nutzen??? – Jetzt reicht es mir aber. Hoch da vom Stuhl und hin zum Schrei. Und mit ein bisschen Begeisterung, wenn ich bitten darf! Zack, zack!“

Kurze Zeit später stehe ich in einem dunklen Raum und gucke auf Munchs berühmtestes Werk. Die Angst des modernen Menschen wollte der Norweger mit seinem Gemälde angeblich ausdrücken. Mich deprimiert das Motiv einfach nur, glücklicherweise habe ich neben mir einen vierjährigen Jungen, der auf seine ganze eigene Art mit dem Kunstgenuss umgeht: Nach kurzer Betrachtung lässt er sich, die gleiche Pose einnehmend, zu einem wändeerschütternden Schrei hinreißen, der mich entzückt und die Wächter in Alarm versetzt. Ich könnte das Kind knutschen. Beschwingt und gutgelaunt arbeite ich mich durch den Rest der Ausstellung und  lese beispielsweise über Munchs Verhältnis zum Leben:

„Up from my rotting corpse flowers will rise and blossom, and I will be in them – immortal.“

Ein kurzer Stop vor dem Gemälde Madonna, das Bildnis einer halbnackten Frau, das gerade einer Klasse von 13jährigen unter kunsthistorischem Aspekt erklärt wird.

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Die vernebelten Blicke der pubertierenden Jungen lassen mich am pädagogischen Effekt zweifeln. Schon wieder was zum Schmunzeln, prima. Ich umrunde die Herde ausgestopfter Tiere, betrachte die sommerlichen Bilder, die Munch in Ekely, seinem letzten Wohnort, gemalt hat …

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…– und bin am Ende der Ausstellung. Mein Gewissen gibt sich murrend geschlagen. 40 Minuten, immerhin.

Der Museumsshop bietet keine Verlockungen und um kurz nach 12 stehe ich wieder an den blühenden Kirschbäumen.

Das ist wohl, ohne Übertreibung, einer der schlimmsten Museumsberichte, der jemals verfasst worden ist. Vielleicht waren meine Alpträume gepaart mit Vorurteilen nicht die beste Kombination für einen erfolgreichen Museumsbesuch. Lasst Euch aber nicht von mir abhalten: Ist man in Oslo MUSS man das Munch-Museum einmal besucht haben. Ist einfach so. Ich kann nun einen Haken auf meiner To-do-Liste machen und das ist ja auch irgendwie befriedigend.

Hoffentlich träume ich dann heute Nacht nicht von der schreienden Munch-Figur!

Das würde ja gerade noch fehlen.

Das war es für heute, meine lieben kunstvollen Leser. Nächste Woche beginnt mein Mama-Yoga-Kurs und ich verspreche unterhaltsame Berichterstattung. Euch allen wünsche ich nur schöne Träume, dass Ihr Euch manchmal selber in den Hintern treten könnt und eine schöne Woche. Das Kubb-Spiel der letzten Woche geht an meine Freundin Barbro, die mit dem Foto eines plüschigen Picknicks den Preis mehr als verdient hat! Viel Spaß!!!

Ha det bra,

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(Herr Munch und ich… er scheint von mir so begeistert wie ich von ihm…)

Ulrike

 

 

Ein typisches Picknick im Park ODER Wer hat die Lumpen mitgebracht?

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Die Sonne hat es bis nach Oslo geschafft – Hipphipphurrah! Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen zu entdecken, passiert, was jedes Jahr passiert: Das Outdoor-Leben beginnt. Biergärten und Restaurantterrassen, Wiesen und Strände, Balkone und Veranden sind plötzlich so bevölkert, als gäbe es kein Morgen mehr (und bei dem norwegischen Wetter ist das auch gar nicht verkehrt). Das rasige Grün im Frognerpark verschwand letzten Sonntag unter sonnenhungrigen Körpern.

Doch was braucht ein echter Norweger für den perfekten Sonntag im Park?

Hallo, meine lieben sonnigen Leser, der schönste Monat des Jahres hat begonnen und sehr vielversprechend dazu. Bis auf 22°C ist das Thermometer schon geklettert – Hochsommer in Oslo. Packt also Eure Fahrradtaschen oder ähnliches und macht Euch auf in den Park. Unbedingt dabei sein müssen:

1. Engangsgrill

Ökologisch fragwürdig, gehört dieser plastikfolienverpackte Einmalgrill doch zur Standardausrüstung für einen Nachmittag im Park. Die schwarze, rechteckige Packung ist in verschiedenen Größen in jedem Supermarkt für wenig Geld zu erstehen. Folie ab, Drahtgestell ausklappen, die Kohlen in der Aluschale anfeuern und los geht der Grillspaß. Effizient gepackt, passen 10 bis 12 kleine Würstchen auf die Grillfläche, an den beißenden Geruch der vorbehandelten Kohlen gewöhnt man sich auch irgendwann. Am nächsten Morgen begrüßen gebrauchte, ordentlich gestapelte Aluschalen die Parkbesucher neben den riesigen Mülleimern. Auf den Rasenflächen zeugen braune Brandstellen von Grillunfällen. Aber trotz aller Kritik: Ohne Engangsgrill fehlt was beim Picknick im Park.

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2. Pølser und Lumpen

Bei meinem ersten Picknick im Park in 2012 antwortete mir meine Freundin Daria auf die Frage, wo denn Christian, ihr Mann, sei: „Der holt noch schnell Lumpen.“ Ich war unglaublich irritiert, traute mich aber nicht zu fragen, wofür er Altkleider zum Grillen brauchte, und schwieg stille. Kurze Zeit später lernte ich, dass „Lumpen“ kleine Teigfladen sind, in die die Pølser (Würstchen) gewickelt werden. Dieses Outdoor-Nationalgericht, garniert mit getrockneten Zwiebeln und Ketchup, darf auf keinem Picknick fehlen. (Natürlich gibt es vegetarische Würstchen zu kaufen. Macht aber kaum jemand.) Das Essen ist nicht nur entsetzlich nährstoffarm, sondern auch äußerst günstig. Und das ist in Norwegen wirklich selten.

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3. Beste Freunde, Partner, Kommilitonen, Familie, Kindergartenbuddies, Schulfreunde…

Niemand geht allein zum Grillen in den Park. Logisch! Von der romantischen Zweierverbindung am Plastikgrill bis zum ausufernden Familienfest das zwei Wiesen einnimmt, ist im Park alles vertreten. Schnell lassen sich die Touristen (auf Bänken mit Fotoapparat) von den Einheimischen (auf Rasen mit Würstchen) unterscheiden. Was aber tun gerade oder auf längere Zeit sozial alleinstehende Menschen mit Wunsch nach Grillgut? Die „wedding crasher“-Methode könnte angewendet werden: Scheinbar selbstverständlich packt man die eigene Decke samt Engangsgrill an den äußeren Rand eines großen Familienpicknicks und robbt langsam näher. Strahlendes Winken über die Menge, familiäres Nicken nach allen Seiten und schon ist man mittendrin in der ahnunglosen Familiengruppe. Bei romantischen Zweiergrillgruppen ist von dieser Methode abzuraten.

4. Wikingerschach

Hier in Norwegen als „Kubb“ bekannt. An mir geht die Faszination für dieses Rasenspiel komplett vorbei, was vielleicht auch daran liegt, dass ich grottenschlecht im Stöckchenwerfen bin. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an und versuchen durch gezielte Würfe, stehende Holzstäbe in ca. fünf Meter Entfernung umzuwerfen. Sind alle Holzstäbe am Boden muss der große Holzblock in der Mitte erlegt werden. Die Mannschaft, die das als erster schafft, ist Sieger. Kein sonniger Sonntag ohne Wikingerschach im Park! Und besonders viel Spaß macht es, wenn man die vermaledeiten Stäbe auch trifft anstatt nach dem Wurf suchend im Gebüsch herumzukrabbeln.

5. Bikinioberteil, rote Latzhosen

Die Norweger sind, dessen bin ich mir mittlerweile sicher, von der Natur anders thermatisch ausgestattet als der Rest der Welt. Wo ich, bekanntermaßen kein Frösteköttel (für alle Nicht-Norddeutschen: Ein Mensch, der leicht friert), noch in Jacke und langer Hose rumlaufe, entblättern sich die Norweger bereits. Ein schüchterner Sonnenstrahl und weg mit Pullovern, langen Hosen, hin zur Freikörperkultur. Noch nie habe ich im April so viele freie Oberkörper gesehen wie im Frognerpark. Und: Nicht immer war das ein schöner Anblick! Norwegische Mädchen werfen sich in Bikinis und Shorts, während mir schon vom Hingucken Kälteschauer über den Rücken laufen. Von Mitte April bis zum 17. Mai heißt eine weitere Kleidungsalternative: Latzhose. Meistens rot, aber auch schwarz oder blau. Jawoll, die „Russ 2014“ sind da. Der diesjährige Abiturjahrgang zeigt sich noch harmlos, aber warten wir mal ab. Große Gruppe bevölkern den Park und erheben das Picknick zur neuen Lebensform.

6. Regensachen

Gut, das ist vielleicht meine pessimistische Ader, aber das Wetter in Oslo kann sich fix ändern und wer sitzt schon gern im Nassen? Andererseits habe ich im Wald auch schon Norweger beim Regenpicknick beobachtet, immer getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Im Park habe ich bei Nieselwetter allerdings noch keine standhaften Picknicker zu Gesicht bekommen. Stadtschinken, Weicheier! Ich bin trotz allem lieber vorbereitet und trage eben Regenjacke und Regenhose mit zum Grillplatz. Auch Schirme tun hier ihren Dienst.

So ausgerüstet seid Ihr bestens gewappnet für ein typisches Frognerpark-Picknick an einem gewöhnlichen Tag. Für besondere Anlässe sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und von Picknickmöbeln, über Salate, Bowlen, Lichterketten, Kerzen, Silberbesteck, Champagnerkühlern bis hin zu Strandstühlen kann alles in den Park gebracht werden.

Nur typisch, das ist es dann eben nicht mehr!

Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Das Schreiben über Picknicks hat mich hungrig gemacht, Euch auch? Okay, dann alles raus jetzt und losgepicknickt. Und macht Fotos und schickt sie mir! Das beste Picknickfoto gewinnt ein Wikingerschachspiel!! Jaha! Schickt also Eure Foto bis nächsten Freitag an ulrike_niemann@yahoo.no

Meine wöchentlichen Grüße gehen an meine Schwiegermutter Helga mit lieben Grüßen und weiterhin Gute Besserung!!!

Genießt den Mai in vollen Zügen,

Ha det,

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(Regenpicknick 2012 im Folkemuseum mit Catharina und Steffen)

 

Ulrike

 

 

Eine Tour durch Oslos Kaffeewelt ODER Goodbye Decaf, I am flying so high……..

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Ganz Norwegen steht unter Koffein. Laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IPSOS von 2013 trinken neun von zehn Norwegern mehrere Tassen Kaffee täglich – die unglaubliche Summe von 11 Millionen Tassen pro Tag. Kaffee gehört in Norwegen zum Basiselement des alltäglichen Lebens und allein in meiner Nachbarschaft befinden sich sechs verschiedene Kaffeeläden.

Aber die sind bald out.

Sind nämlich Läden der Second Coffee Wave.

Der Kenner bewegt sich aber in der Third Wave.

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute wird es wieder mal kulinarisch: Barista Isabella hat mich mitgenommen auf Kaffeetour durch Oslo und ich sage Euch – das war spannend. Und lustig. Und blutdrucksteigernd. Auf geht’s!

Second Wave? Third Wave? „Bidde?“ höre ich Euch fragen. Jaha, ich habe viel gelernt in der letzten Woche. Der Konsum von Kaffee wird mittlerweile in drei Phasen eingeteilt: Die erste Phase (neudeutsch: First Wave) entstand im 20. Jahrhundert so ungefähr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als es Gefrierkaffee möglich machte, das heiße Gesöff wirklich fast überall mal schnell zuzubereiten. Instant, Express, Zackzack, Wasser auf die brauen Knödel und fertig. Ab den 1970ern entstand eine neue Kaffeekultur: Inspiriert vom omnipräsenten Starbucks schossen Kaffeeketten in den kommenden Jahrzehnten aus dem Asphalt wie Pilze aus dem feuchten Waldboden. Und nicht nur die Ketten waren neu – auch ihr zungenbrechendes Angebot. Wir gewöhnten uns daran, ungefähr fünf Minuten für eine Bestellung zu benötigen: „Ich hätte gern einen Triple-Grande-Extra-Foam-No-Fat-Super-Hot-Soja Latte. – To go.“ Es gehörte Mut dazu, in einem hippen Starbucks in Berlin Mitte zu sagen: „Einen Kaffee, bitte.“

Kaffee wurde zum Sinnbild für Globalisierung und Homogenität. Mein Latte Macchiato schmeckte in Vancouver wie in Hannover und fast gaukelte mir das identische Ambiente ein Gefühl von Heimat vor. Doch in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam es zur Rebellion gegen den Immer-Gleichen-Kaffeetrend: Im amerikanischen Portland begann, etwa zeitgleich mit dem Slow-Food-Movement, die dritte Phase der Kaffeekultur. Weg von der Homogenität, zurück zu Individualität, Qualität und Handwerk. Und wie bei Renaissance-Bewegungen verpflichtend, tauchte plötzlich ein altbekanntes Utensil auf. Ein Stück meiner frühesten Kindheit, eine Erinnerung an die Küche meiner Oma: Der Porzellan-Filter.

Quelle: eBay

Quelle: eBay

„Es lebe der Brühkaffee!“ hieß das neue (alte) Motto. Weg mit den Espressomaschinen, hin zur Handarbeit. Kaffeebohnen, Kaffeemühle, Tasse, Filter, Wasserkanne – warten.

Als Isa mir bei einem Treffen von den drei Kaffeephasen erzählte und wie „in“ Brühkaffee wieder ist, konnte ich es kaum glauben. Kein Wunder: Mein Kaffeebedarf wird seit Jahren von Starbucks (außer Haus) und meiner Senseo-Kaffeemaschine Luigi (im Haus) gedeckt. Und nicht nur das: Ich nehme Milch in meinen Kaffee. Und das ist immer noch nicht das Schlimmste: Ich trinke entkoffeinierten Kaffee. Verständlich also, dass die Kaffeewelt ihre Neuheiten vor mir Bohnenbanausin versteckt hielt. Aber nun war meine Neugierde geweckt. Isas Begeisterung für Kaffee wirkte so belebend wie drei Tassen Brühkaffee und wir verabredeten uns für eine erste Kaffeetour in Oslo.

Oslo bietet, wie schon oft erzählt, an jeder Ecke einen oder mehrere Kaffeeläden. Ich wette, sie könnten am Bogstadveien, hier bei uns um die Ecke, noch zehn Läden eröffnen und jeder wäre gut besucht, ohne dass die alten Läden Kundschaft verlören. Am Samstag nach 10.30 Uhr einen Sitzplatz im Café zu bekommen, ist, außer in den Ferien, aussichtslos. Norweger und Bewohner der norwegischen Hauptstadt lieben Kaffee!

Das wusste ich also.

Was ich nicht wusste, war, wie viele unabhängige, kleine Kaffeeläden es in Oslo gibt. Wahre Kaffeeoasen,  Schlaraffenland für Kaffeeconnoisseure und Kaffeeneulinge. Isa schickte mir zur Vorbereitung eine Liste mit Vorschlägen, auf die ich ratlos starrte und nicht einen Namen kannte. Hier das Programm unserer ersten Tour unter dem Motto: Brühkaffee.

1. Mocca Kaffebar, Frogner

2. Solberg&Hansen, Mathallen, Grünerløkka

3. Tim Wendelboe, Grünerløkka

4. Chill Out, Grünerløkka

Zusammen mit Martin mache ich mich an einem Mittwochmorgen also auf den Weg Richtung Brühkaffee. Besorgt, dass mein Körper nach zwei Läden schlapp machen würde, hatten wir vereinbart, uns die Tassen (und damit das Koffein) zu teilen. Fast wären wir an dem unscheinbaren Laden in der Niels Juels gate vorbeigelaufen, hätte ich nicht zufällig durch die Scheibe und direkt auf Isa und Miriam, die Vierte im Bunde unseres Kaffeeklatsches, geguckt. Minimalismus siegt, scheint der Slogan der Mocca Kaffebar zu sein. Nichts soll ablenken vom Hauptdarsteller Kaffee. Gemütlich ist anders, bemerke ich mit Blick auf die weißgekachelten Wände. – „Was wollen wir trinken?“ lenkt Isa meinen Blick weg von den Schlachthauskacheln und hin zum Wesentlichen.  Ratlos betrachte ich die simple Karte, auf der vier Kaffeesorten samt Herkunftsland vorgeschlagen werden. Daneben eine Karte, die mir anbietet, meinen Kaffee im Woodneck, Kalita oder Chemex gebrüht zu bekommen.

Äh.

Hilfe?

Ich sage nur Senseo.

Isa übernimmt dankeswerterweise das Ruder und entscheidet sich für: Den brasilianischen Sitio da Torre im Woodneck und den kenianischen Kangocha im Kalita-Filter. Und dann beginnt etwas, das ich so seit den Küchenzeiten meiner Oma nicht mehr gesehen hatte. Es wird gebrüht. Nun gab es auch bei meiner Oma eine feste Regel: Vier gehäufte Löffel auf eine Kanne und immer nur so viel Wasser in den Filter gießen, dass das Pulver bedeckt ist. War zwar nur Pi mal Daumen, hat aber funktioniert. Nichts davon im Mocca: Der sehr nette Barista stellt als erstes die Kanne auf eine Waage. Wiegt dann exakt 21 Gramm Kaffee ab, häuft  sie in den Kalita-Filter und gießt langsam heißes (NICHT kochendes) Wasser darauf, während er gleichzeitig seine Brüh-Uhr konsultiert. Kaffee kochen in der Third Wave ist eine Wissenschaft. Jede Bohne, jede Wasserart, jeder Filter, jede Minute Brühzeit ist variabel und ermöglicht unzählige verschiedene Geschmacksmöglichkeiten.

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Ich bin fasziniert von der Hingabe und Perfektion, frage mich aber, ob ich dafür jeden Morgen Geduld hätte. (Aber was weiß ich schon…) Wir haben viel Zeit uns zu unterhalten, denn die Third Wave heißt auch Slow-Coffee-Movement: Es dauert eben, bis drei Tassen Wasser durch einen Filter mit nur drei kleinen Löchern oder einen Flanellfilter gelaufen sind. Was aber gleich da ist, ist der Geruch. Runder, reiner Kaffeegeruch. Um den Geschmack nicht zu verderben, wird weder Milch noch Zucker zum Brühkaffee angeboten, eine für mich ungewöhnliche Situation. Aber klar: Der nette Barista brüht sich hier nicht den Wolf, damit ich das wertvolle Resultat dann rücksichtslos verpansche. Im Mocca brühen, nebenbei gesagt, nicht IRGENDWELCHE Barista: Oslos Stadtmeister Rasmus Helgebostad sorgt für Kaffeegenuss im Mocca und der Schwesterbar Java. Auch die zwei von Isa ausgesuchten Filtermethoden gehören zu den momentan bekanntesten ihrer Zunft: Woodneck ist ein elegantes Glasgefäß mit hölzernem Kragen, in dessen Öffnung ein Flanell-Filter gehängt wird, der für besseren Geschmack als ein Papierfilter sorgt. Kalita erinnert an die Porzellanfilter meiner Oma, nur aus Glas. (Vorne rechts im Bild.)

Als die fertigen Kaffees in Glaskannen an unseren Tisch gebracht werden, fällt mir als allererstes auf, wie dünn der Kaffee aussieht. Blümchenkaffee würde meine Mutter das nennen – so dünn, dass man die Blümchendekoration des Kaffeegeschirrs dadurch erkennt. Zögernd nehme ich einen ersten Schluck….

Wow.

SO kann Kaffee schmecken?

Probeweise schiebe ich gleich einen Schluck vom kenianischen Kaffee hinterher – wow…völlig anders. Schmeckte der Brasilianer noch schwer und erdig, kommt der Kaffee aus Kenia viel fruchtiger daher. Fast schmecke ich Zitronen oder Orangen. (Und selbst jetzt, beim Schreiben, erinnern sich meine Geschmacksnerven…) Begeistert trinke ich, aber immer vorsichtig, wer weiß was das Koffein aus mir macht ;). Ich frage mich, ob sie hier auch entkoffeinierten Kaffee anbieten. Auf der Karte ist nichts zu finden, aber fragen schadet ja nicht. Der nette Barista zuckt kurz zusammen, als ich meine Frage stelle. Oh oh. Nein, entkoffeinierten Kaffee böten sie hier nicht an, der würde ihrem Anspruch nach Qualität nicht gerecht. Er deutet meine hochgeschnellten Augenbrauen richtig und fügt hinzu, er verstände natürlich, warum Kunden sich für diese Art von Kaffee entscheiden. Es sei aber so: Um Kaffee vom Koffein zu trennen, werden die Bohnen einem langwierigen chemischen Prozess ausgesetzt, der nicht nur das Koffein, sondern auch den ureigenen Geschmack der Bohnen verschwinden ließe. Dadurch sei der Kaffee qualitativ minderwertig – und deswegen in der Mocca Kaffebar nicht zu finden. Ich nicke zustimmend und gebe ganz den Anschein, als würde ich sofort die „Stoppt-die-Produktion-von-kastriertem-Kaffee“- Bewegung ins Leben rufen. Von den zehn Paketen Decaf-Pads in meinem Küchenschrank erzähle ich natürlich nichts.

Gestärkt von dieser ersten Kaffeerunde besuchen wir noch den Nachbarladen, in dem die Mocca Bar Kaffeefilter für den Hausgebrauch verkauft. Die Auswahl erschlägt mich fast und während Isa mit strahlenden Augen und viel Fachwissen von Kanne zu Kanne geht, mache ich Fotos.

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Unser Weg führt weiter nach Grünerløkka, Zentrum der Kaffeebewegung in der norwegischen Hauptstadt. Erstes Ziel: Die Mathalle, eine Art überdachter Markt mit köstlichen Bäckereien, Obst- und Fischgeschäften, einer Brauerei und – einem Kaffeeladen. Solberg&Hansen lädt uns an gemütliche Bartische mit österlicher Dekoration ein. Isa entscheidet sich für einen Kaffee aus Äthiopien, Heimatland des Kaffees, dessen Namen ich allerdings so schluderig aufgeschrieben habe, dass ich ihn jetzt…was soll das heißen??….Fude???…ich google mal schnell…nee, gibt es nicht. Mal ehrlich, Sauklaue…..

Oh, Moment!!!!

Ha! Es lebe mein Smartphone….da habe ich doch glatt die Label der beiden Kaffeesorten fotografiert…ich Fuchs!

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Wir probieren also TADE aus Äthiopien, einen fruchtigen Kaffee mit einer Note von Bergamotte. Und Armando Muñoz, einen komplexen und saftigen Kolumbianer. Zubereitet mit dem Kalita-Filter. Der afrikanische Kaffee ist köstlich und leicht vom Südamerikaner zu unterscheiden, beide schmecken komplett anders als die ersten beiden Kaffeesorten im Mocca. Ich lerne, dass Kaffee unterschieden wird nach Frische, Intensität und Süße, nach Herkunftsort, Bohnenart und Herstellungsprozess. Mein Kopf beginnt zu rauchen, mein Herz und Kreislauf sind allerdings immer noch bester Dinge. Na gut, mehr als ein paar Schlucke pro Sorte probiere ich auch nicht, die sich stapelnden Tassen geben ein falsches Bild ab.

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(Mathalle: Martin und Isa)

Am Ende versorgen wir uns beim Bäcker nebenan mit köstlichen Rundstykken (belegten Brötchen) und machen uns fröhlich kauend auf zum Kaffeemekka Oslos: Tim Wendelboe. Gerühmt in der New York Times als eine der Top Ten Kaffeeläden/Röstereien weltweit ist der Norweger in den letzten Jahren nicht nur in Oslo bekannt geworden. Der kleine Laden in der Grüners gate mit insgesamt fünf Sitzmöglichkeiten ermöglicht, so Oliver Strand von der NY Times, „…(that) every cup of coffee and every bag of beans can be executed at the highest level. In fact, all the coffee is roasted by either Tim Wendelboe or his sidekick Tim Varney, and both work shifts behind the bar. It feels like a neighborhood shop, but it’s run like a Michelin-starred restaurant.”

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Geht völlig an mir vorbei das Ganze. Ich finde den Laden kundenunfreundlich. Ich kaufe entweder einen Coffee to go oder einen Coffee not to go und wenn ich not to go kaufe, dann will ich auch einen Platz haben. Bei Tim Wendelboe gibt es aber nur die Alternative to go oder to stand, denn die fünf Stühle sind besetzt. Gut, dann stehen wir also. Hat ja auch was. Hm, irgendwie fühle ich mich hier unwohl. So, als käme gleich ein unauffällig angezogener Kaffeetester und würde mich auffordern, schwierige Fragen über Kaffee zu beantworten.  Per Aeropress, einer Presskaffeemethode ähnlich den Bodum-Kannen, wird unser Kaffee zubereitet und auf hübsch angerichteten Tabletts serviert. Der Kaffee ist köstlich, aber meine Geschmacksnerven wollen langsam nicht mehr. Außerdem kann ich nicht mehr stehen. Relativ schnell gehen wir also. Das war mein zweiter, erfolgloser Besuch bei Tim Wendelboe. Schade. Aber aller guten Dinge sind drei! Nächstes Mal kommt der Durchbruch!! Beissen wir lieber nochmal in die leckeren Brötchen!!

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Abschließen wollen wir unsere Kaffeetour durch Oslo in einem Laden für Reiseausstattung. Die Beschreibung des vietnamesischen Kaffees durch Isa hat mich schon beim ersten Zuhören gepackt und ich bin gespannt auf das Chill Out, unser für heute letztes Ziel am Markveien in Grünerløkka. (Hallo an Ines!!! Wir haben alle einmal nach Hamburg gewunken, als wir an deinem alten Haus vorbei sind…:)….) Martin verschwindet in dem vollgepackten Geschäft fast augenblicklich in der Klamottenabteilung, während Isa, Miriam und ich die Bücherecke besuchen. Reiseführer sind faszinierend und wecken augenblicklich mein Fernweh. Nach einiger Zeit reißen wir uns von den Büchern los und widmen uns der kleinen Bar im Laden. Die Wahl fällt diesmal leicht: Drei vietnamesische Kaffee, bitte – und eine heiße Schokolade. Dazu ein Schoko-Chili-Gebäckstück. Völlig versteckt befindet sich im unteren Teil des Ladens eine herrlich gemütliche Kaffeeoase mit alten Sofas, ausgelesenen Reiseführern, niedrigen Holztischen und einer Menge Atmosphäre. Wie nett!

Take that, Tim Wendelboe.

Miriams heiße Schokolade und unsere Gebäckwunder kommen als erstes. Schokolade und Chili ist eine prächtige Kombination und wir lassen es uns schmecken. Unsere Bedienung kehrt mit einem voll beladenen Tablett zurück und stellt drei Kaffeetassen vor uns ab. Interessiert betrachte ich die Konstruktion: Auf einem höheren Glas sitzt ein etwa gleichhoher Metallfilter, durch den dunkler Kaffee auf eine schmale Schicht Kondensmilch tropft. Die unterschiedlichen Dichten bewirken, dass sich die beiden Flüssigkeiten nicht verbinden – das ist Aufgabe des Trinkers. Je nachdem, wie süß man den Kaffee mag, muss im Folgenden sehr viel oder sehr wenig umgerührt werden. Vietnam und Kaffee hätte ich jetzt nicht so spontan zusammengetan, tatsächlich ist Kaffee aber die nationale Leidenschaft des Landes. Der fruchtbare Boden und ein gutes Klima erlauben die Produktion erstklassiger Kaffeebohnen, lerne ich jetzt. Mir gefällt diese Zeremonie sehr. Ich beobachte meinen Kaffee beim Durchtropfen, entferne dann den Filter und rühre vorsichtig um. Ein erster Schluck und – bumm. STARK. Sehr, sehr stark. Aber lecker. Aber stark. Aber lecker. Und süß! Mein Blutdruck und ich diskutieren für eine Weile, bis ich nachgebe und nur noch einen kleinen Schluck trinke. Miriam lacht wissend in ihre heiße Schokolade und auch Martin kämpft mit dem großen Glas. Trotzdem ein absolut gelungener Abschluss dieser Kaffeetour.

Vier unterschiedliche Orte, vier unterschiedliche Baristas – die doch eines gemeinsam haben: Liebe für Kaffee und Leidenschaft für die Kunst der Kaffeezubereitung. Mir hat sich eine ganz neue Welt eröffnet und auch, wenn ich meinen Luigi nicht entsorgen und weiterhin entkoffeinierten Kaffee trinken werde, weiß ich doch jetzt: Es gibt mehr über und von Kaffee zu lernen, zu schmecken, zu entdecken, als ich bisher ahnte. Ich freue mich auf unsere nächste Tour, die unter dem Motto „Espresso“ stehen wird. Ein ganz dickes DANKE an Isabella, die uns so fantastisch durch die Osloer Kaffeewelt geführt hat, deren Neugierde ansteckend ist und die selbst den hartgesottensten Teetrinker für Kaffee begeistern könnte.

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche Euch allen eine anregende Woche voller neuer Erlebnisse, Orte und Menschen. Bleibt neugierig und guckt über den Tellerrand. Bis zur nächsten Woche!

 

Ha det,

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(Im Chill Out)

Ulrike

 

Sehnsucht nach Frankreich… ODER Ein Abend in der Brasserie Blanche in Oslo

Frankreich

Es gibt Tage, da habe ich Sehnsucht nach Frankreich. Eigentlich komisch, denn hätte ich in den vier Jahren, die wir dort gelebt haben, einen Blog geschrieben, wäre der höchstwahrscheinlich von der französischen Regierung als „Frankreich-feindlich“ abgestempelt und ich des Landes verwiesen worden. Trotzdem: Manchmal vermisse ich das verrückte, konservative, lebensbejahende, weinliebende, sich aufregende, positive und häufig streikende Land. Statt aber in den nächsten Flieger nach Paris zu springen, habe ich mich hier in Oslo auf frankophone Spurensuche begeben. Et voilá: Das ist gar nicht so schwierig!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier treffen! Sollten sich in diesen Text merkwürdige Schreibfehler oder abrupte Themenwechsel einschleichen, bitte ich dies zu entschuldigen: Ich kreische nebenbei und das lenkt ab. Warum? Och, nicht nur, dass die Hauptstraße vor unserer Tür seit Monaten mit Schlagbohrern und Baggern bearbeitet wird, nein, nun ist auch noch die fünfte Etage in unserem Haus zur Großbaustelle geworden und es hämmert und bohrt lustig seit einigen Tagen von 8 bis 17h. Abends beginnt dann der Nachbar von nebenan mit seinen privaten Renovierungsarbeiten. Noch schlappe 2 Monate soll der fünfte Stock bearbeitet werden und um zu verhindern, dass unser Baby als Bobby-die-Baumeisterin zur Welt kommt, werde ich wohl ab Montag einen neuen Arbeitsplatz finden müssen.

Oh, himmlische Ruhe! Ist etwa schon Wochenende? Mittagspause? Stromausfall? Moment, das muss ich kurz genießen….

Aber ich schweife ab.

Zurück nach Frankreich!

Oslo hat verschiedene Angebote für Frankreichfreunde: Das Institut Français de Norvège (das französische Goetheinstitut sozusagen), in dem neben Sprachkursen auch ein interessantes Kulturprogramm angeboten wird, die französische Buchhandlung Zazie, die französische Schule René Cassin oder die Alliance Française d’Oslo, eine private Organisation zur Verbreitung der französischen Kultur.

Und dann..dann gibt es noch französische Restaurants in Oslo.

Mais oui!!!!

Es folgt also: Ulrike auf französischer Spurensuche in der Brasserie Blanche am Bogstadveien.

Ich bin schon unzählige Male an dem weißen, etwas zurückgesetzten Gebäude kurz vor der Josefines gate vorbeigegangen. Es fällt nicht weiter auf und wer nicht weiß, dass…

Ahhh, es wird weiter gebohrt…….

Ommmmmm……

…wer also nicht weiß, dass sich hinter den weißgetünchten Hauswänden ein Restaurant verbirgt, kommt auch nicht darauf. Wir hatten es auf unserer Onlinesuche per Zufall entdeckt. Das Menü liest sich köstlich, ein Tisch ist schnell gebucht und gespannt machen wir uns einige Tage später auf den Weg. Bereits im Eingangsbereich fühlen wir uns am richtigen Platz: Die niedrigen Decken mit den weißen Holzbalken und die auch innen weiß getünchten Wände wirken gemütlich. Weinflaschen in langen Regalen säumen die Wände, die Bar ist mit den Deckeln französischer Weinkisten dekoriert und die Bedienung begrüßt uns mit einem strahlenden „Bonsoir!“

Schön wäre es gewesen, aber wie viele norwegische Lokale ist auch dieses in schwedischer Kellnerhand und, wie uns die sympathische Schwedin erklärt, sie spräche leider auch gar kein Französisch. Dem Ambiente tut es keinen Abbruch. Wir werden an einen der quadratischen, braunen Tische des Restaurants geführt. Im Ofen flackert ein Feuer, auf den Tischen verbreiten dicke, weiße Kerzen Gemütlichkeit. Es sind noch drei weitere Tische besetzt, der Rest füllt sich im Laufe des Abends. Mein Wasser wird samt Eiskühler serviert, der sich hübsch neben dem Tisch macht. Gut hydriert wenden wir uns der Karte zu: Escargots gratinés servi avec des champignons, Huitres naturelles, Salade de Chèvre chaud, Langoustines grillés, Soupe à l’onion lesen sich köstlich – obwohl ich weder Schnecken noch Ziegenkäse oder Austern essen möchte. Hm, was nehmen? Mein knurrender Magen fühlt sich nach einigen Minuten Lesens ausreichend provoziert und bittet um schnellstmögliche Entscheidung der Speisenfolge. Als wäre das so einfach:  Auch die Hauptgerichte lesen sich so köstlich. Schaffe ich Vorspeise UND Hauptgericht? „Aber OUI!“ gibt sich mein Magen siegessicher, „und Nachtisch auch!!!!“ Nach mehreren, rein vegetarischen Jahren esse ich seit ein paar Wochen gelegentlich wieder Fleisch und das erleichtert nun die Auswahl erheblich. Vegetarier oder Veganer haben in Oslo weiterhin einen schweren Stand. Ich entscheide mich also für eine Zwiebelsuppe als Vorspeise, gefolgt von Choucroute – Sauerkraut mit Pellkartoffeln und selbstgemachten Würsten. Mein Lieblingsgericht aus Frankreich, daher eine schwere Prüfung für die Küche, denn es muss so schmecken wie in Frankreich, sonst werde ich knatschig. Unbeeindruckt ob des schweren Drucks, der aufgrund meiner Bestellung auf ihnen lasten sollte, dringt just in diesem Moment entspanntes Gelächter aus der Küche.

Und nicht nur in der Küche geht es gutgelaunt daher: Es herrscht eine freundliche, warme Atmosphäre im ganzen Restaurant. Die kleinen Fenster des Restaurants, dessen Gebäude ursprünglich ein Pferdestall der Josefines gate 23 war, lassen die Außenwelt dort wo sie hingehört – nämlich außen. Drinnen herrscht gemütliche Vorfreude.

Bald schon kann das Fest beginnen: Meine Vorspeise ist da!

Eine grandiose Zwiebelsuppe. Der Käse ist perfekt überbacken, nicht zu stark, aber doch stark genug, dass eine braunknusprige Käseblase mitten auf der Haube entstanden ist, die sich mit leisem Knistern meinem Löffel ergibt. Unter der Haube finde ich eine dicke Scheibe Weißbrot, vollgesogen mit der süßlich-scharfen Suppe, die ich jetzt dampfend ins Licht hole. Glänzende Zwiebelringe schwimmen in der weißen Schüssel und ich versuche den perfekten Mundvoll – Zwiebelring, Brühe, Brot, Käse – auf meinem Löffel zu kreieren, was mir auch gelingt. Köstlich! Mein Magen und ich ergeben uns wohlig dem Rest der Suppe, die, das vermute ich stark, manchen als Hauptspeise reichen würde. Auf der anderen Seite des Tisches genießt Martin, ähnlich begeistert, seine gratinierten Muscheln. Wunderbar, einen Partner zu haben, der auch gerne isst. Viel und gerne und gut. Eigentlich hätten wir uns irgendwo beim Essen kennenlernen müssen….

Wir stoßen strahlend an und versichern unserer schwedischen Kellnerin, alles wäre „superb!“ Sie freut sich gleich mit. Ich finde, die besten Kellner (sagt man das überhaupt noch? Bedienung klingt komisch…) sind die, bei denen ich das Gefühl habe, als freuen sie sich über meinen guten Appetit. Die begeistert oder noch besser, anerkennend, nicken, wenn ich zwei Vorspeisen bestelle und nicht so reagieren wie etwa eine Bedienung in Frankreich vor einigen Jahren, die im Sushi-Restaurant entsetzt nachfragte, ob das etwa alles für mich sei, was ich da gerade bestellt hätte.

Nach angemessener Zeit kommt unser Hauptgang: Choucroute für mich und Truite de montaigne – Bergforelle – für Martin. Die Essen sehen so köstlich aus, dass wir für einen Moment davor sitzen und nur gucken. Das Auge isst eben mit. Meine Portion ist gewaltig und mehr als genug, Martins ist ausreichend, aber nur knapp. Das passt sich gut – ich gebe gerne ab. Dampfendes Sauerkraut mit Wacholderbeeren und Lorbeerblättern, daneben Pellkartoffeln und auf dem ganzen die selbstgemachten Würste, die ein wahres Gedicht sind. Milde gewürzt und wunderbar knackig. Ich fühle mich nach dem ersten Bissen zurück in Frankreich und nicke, das nagende Gewissen ob der Würste ignorierend, zu Edith Piafs Non, je regrette rien, das gerade leise im Raum ertönt. Außer der Musik hört man nicht viel an unserem Tisch, wir genießen in Ruhe. Ich darf ein Foto machen:

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Bald schweigt mein vorher ungeduldiger Magen stille und wir stellen uns die immer wiederkehrende Frage im Restaurant: Nachtisch – ja oder nein? In manchen Restaurants fällt die Entscheidung leicht: Dort gibt es nur Eis oder Pudding, beides esse ich nicht so gern, also, nein danke. HIER aber….ohjeohje…: Tarte tatin, Pain perdu, Fondant au chocolat, Creme brulée, Sorbet au citron – allein die Namen lassen mir (entschuldigt das Klischee) das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auf Französisch hören sich Apfelkuchen, Armer Ritter oder Schokoladenkuchen gleich noch viel köstlicher an.

Ich möchte sooo gerne.

Aber es geht nicht.

Nicht mal das klassische Pfefferminzplätzchen würde noch in mich hineinpassen.

„Hej“, protestiert mein Magen, „was ist denn mit dir los? Weichei!“

Ok, ok.

Bestellen wir also die petit four au chocolat, drei Schokoladenpralinen, die wir bei ihrer Ankunft an unserem Tisch gar nicht für den Nachtisch, sondern für die Schokolade, die den Espresso begleiten, halten. Ein bisschen Deko hätte hier Wunder gewirkt. Kaum im Mund angekommen, wächst die Begeisterung für die kleinen Kalorienbomber: Dunkle, aber trotzdem noch süße Schokolade umhüllte einen Kern aus Birnengelee – eine tolle Kombination, vor allem zum Espresso.

Ich bin selig.

Die aufmerksame, aber den ganzen Abend hindurch wunderbar unauffällige Kellnerin, bringt uns die Rechnung und wir schicken ein Kompliment in die Küche. Ich finde das eigentlich immer etwas peinlich, aber diesmal musste es sein.

Wir kommen wieder, soviel ist sicher!

Wer in Oslo auf einen gemütlichen oder romantischen Abend in französischer Atmosphäre Lust hat, sollte die Brasserie Blanche wirklich ausprobieren. Meine Sehnsucht nach Frankreich ist auf jeden Fall aufs Beste bedient worden.

Das war es schon wieder für heute meine lieben Leser! Die Handwerker haben das Feld geräumt, dafür hat nun mein Nachbar die Anlage auf volle Pulle gedreht. Langweilig wird es hier nie! Ich wünsche Euch ein störungsfreies und erholsames Wochenende, schwelgt mal wieder in Urlaubserinnerungen und holt Euch ein Stück Spanien, Italien, Frankreich oder auch Norwegen nach Hause – viel Spaß dabei. Martin und ich fahren am Sonntag mit der Fähre nach Kiel und freuen uns schon, am Montag ein paar Stücke Deutschland mit zurück zu nehmen.

Lasst es Euch gut gehen,

ha det bra,

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(nicht in der Brasserie Blanche, aber immerhin im Fransk Cafe der Nationalgalerie Oslo)

Ulrike

La Bohème an der Nationaloper Oslo ODER Herheim, ich bin dann mal weg…..

La Bohème, Mimi (Marita Solberg) Foto: Erik Berg

La Bohème, Mimi (Marita Solberg) Foto: Erik Berg

Aha, es lag also doch an mir. Nachdem ich zwei ausführliche Interviews und eine Kritik gelesen habe, scheint festzustehen: Ich bin zu dumm. Das ist eine wichtige Einsicht. Eine, die ich mir vielleicht nicht gerade nach einem Opernbesuch gewünscht hätte.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns treffen. Der Winter schleicht sich davon, der Frühling macht sich weit entfernt auf den Weg und in Oslo befinden wir uns gerade in einem grauen Zwischenstadium, das täglich Fernweh weckt. Fernweh hatte ich auch gestern Abend – ich wünschte mich fern von meinem Platz im Parkett der Nationaloper, von dem aus ich Stefan Herheims Interpretation von Puccinis La Bohème ertragen musste.

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Der Inhalt ganz grob: Paris, 19. Jahrhundert. In der ärmlichen, aber kreativen und weinlastigen Welt der Bohemiens trifft Rodolfo auf seine Nachbarin Mimi. Sie verlieben sich ineinander, doch Mimi ist krank. Rodolfo ist bald nicht mehr in der Lage, sie zu pflegen, das Paar trennt sich im Streit. Als die beiden sich nach Monaten wieder sehen, ist jede Rettung zu spät. Während Rodolfo auf den angekündigten Arzt hofft, stirbt Mimi und Rodolfo wirft sich verzweifelt über ihren toten Körper.

So weit, so herzzerreißend.

Es geht also um den Tod eines geliebten Menschen. Ein zeitloses Thema. Nur die Krankheit der Mimi, Schwindsucht oder Tuberkulose, scheint veraltet (obwohl daran auch heute noch Millionen von Menschen jährlich sterben). Stefan Herheim kommt samt Team auf eine Idee, wie sich das Publikum des 21. Jahrhunderts mehr mit der Geschichte des 19. Jahrhunderts identifizieren kann:

Aus Mimis Schwindsucht wird Krebs.

Eureka!

Und weil Krebspatienten praktischerweise ihre Haare verlieren, werden Hauptdarstellerin, Opernchor und Kinderchor unter Aufbietung aller Maskenbildnerkräfte mit Glatzen versehen, können sich so im geeigneten Moment die Perücken vom Kopf ziehen und, nach Identifikation mit dem Publikum suchend, kahlköpfig in den Saal singen.

Eureka!

Unterstützt wird der geschmacklose 21. Jahrhundert-Identifikationsversuch von einem monumentalen und teilweise überraschenden Bühnenbild (Heike Scheele), dessen steriler Krankenhausraum mit piependem EKG den Abend eröffnet. Die in La Bohème fehlende Ouvertüre wird durch eine schier unendliche Wiederholung von Herztönen ersetzt, die dazu noch in Übergröße an die Kulissenwand projiziert werden. Große Überraschung, als sie plötzlich enden…gähn….

Und dann beginnt die Verwirrung.

Ich springe ratlos zwischen Textuntertiteln und Bühnengeschehen hin und her – nichts passt zusammen. Marcello, der in der Originalfassung an einem Gemälde namens Das rote Meer arbeitet, wischt bei Herheim mit einem Feudel den roten Linoleumfußboden des Krankenzimmers, während er davon singt, einen Pharao ertrinken zu lassen. Rodolfo, schockiert und mit versteinertem Blick auf den toten Körper der Mimi starrend, antwortet, er sähe den Rauch aus Tausenden von Pariser Schornsteinen aufsteigen, während die Krankenschwester/ Musetta an der toten Mimi eine Herzmassage absolviert, die ein Mammut gekillt hätte. Libretto und Inszenierung scheinen meilenweit voneinander entfernt zu sein.

Ich schwöre: Ich habe mich bemüht! Immerhin ist das eine Inszenierung von Stefan Herheim: Gefeierter Norweger, Opernregisseur der Jahre 2007, 2008 und 2010, Träger des heiligen Bayreuth-Grals dank seiner – vom Publikum einheitlich – bejubelten Parsifal-Inszenierung von 2008 und beschäftigt an unzähligen Opernhäusern (Premiere im März 2014: Händels Xerxes an der Komischen Oper Berlin). Es muss ein Konzept hinter La Bohème stecken, dazu noch ein intelligentes, ich muss es nur finden.

In den folgenden Szenen springt die Aufführung zwischen Krankenhauszimmer des 21. Jahrhunderts und Rodolfos Dachwohnung im Paris des 19. Jahrhunderts hin und her, die beiden Räume bedingen einander, verschwimmen ohne ersichtlichen Grund. Rodolfo kommt mit Mimis Tod nicht zurecht, schlussfolgere ich, Gegenwart und Erinnerung verwischen in seinem – und damit leider auch in meinem – Geiste. Der Text passt in den seltensten Fällen zur Handlung, und wenn, dann in lächerlicher Weise: Musetta beginnt im Pariser Café einen Streit mit ihrem Ex Marcello, die Szene geht dann (warum auch immer) über in das Krankenhauszimmer und dort ergreift Musetta die Krankenakte, beschreibt sie, dem Libretto folgend, als ihre „Visitenkarte“ und legt sie aufs Krankenbett.

Höhepunkt dieses unendlich wirkenden Abends ist die kollektive Perückenabnahme der beiden Chöre, die erst Haar und Haarschleifen über den kahlen Köpfen schwenken und sich dann in eine Zombiegruppe verwandeln, die dem Film Shaun of the Dead alle Ehre machen würde.

Ich bin wütend, Martin ist wütend, der Mann rechts neben mir ist wütend und zischt in seinen Schnauzbart.

„STOP!“ höre ich Euch rufen. „Es kann nicht so schlimm gewesen sein, immerhin ist da noch die Musik!“

Ja, die Musik. – Die hatte keine Chance. Jeder kundige Musikkritiker möge mir meine Anmaßung verzeihen, über eine Opernaufführung zu schreiben, aber wo ich schon mal angefangen habe… Der ausgebildete Cellist Herheim fand die Musik als Beiwerk ganz interessant, ließ ihr aber, bis auf ein paar Ausnahmen, keine Luft zum Atmen. Ich, der Zuschauer, bin so abgelenkt von Krankenhauszimmern, Videoinstallationen, Kostümwechseln und Kahlköpfen, dass die Musik in den Hintergrund rutscht. Die Inszenierung unterstützt, fördert oder ehrt sie nicht, und die Sänger scheinen vom Geschehen auf der Bühne wie geknebelt. Besser kann ich es nicht beschreiben: Die Musik ist im Weg.

Endlich Pause.

Im Foyer ratlose, wütende, amüsierte und gleichgültige Zuschauer.

Martin und ich erschöpft auf einer Bank.

Nach einer längeren Diskussion entscheiden wir uns zu gehen.

Ich kann Euch also nicht berichten, was im zweiten Teil und den verbleibenden 90 Minuten auf der Bühne vor sich ging. Ich verlasse Vorstellungen ganz selten – erst ein Mal direkt während des Geschehens, nur zwei oder drei Mal in der Pause. Hauptsächlich, weil ich es den Künstlern gegenüber unhöflich finde, außerdem ungern aufgebe und schließlich kostet das Ganze auch Geld und im Fall von La Bohème nicht wenig. Dabei bin ich großer Fan von modernen Inszenierungen: Weg mit dem Staub jahrzehntelanger Imitationen, hin zur Aktualität und gerne darf es auch mal schräg sein, wie die wunderbare Nora-Inszenierung von Herbert Fritsch. Hier, jetzt und heute, komme ich mir vor wie das Opfer eines Regietheater-Egomanen, dem sein Publikum schnuppe ist. Und das ärgert mich aus Prinzip. Bestimmt gibt es weltweit provozierendere Inszenierungen als die von Stefan Herheim, unter Garantie steckt hinter der verwirrenden Umsetzung ein durchdachtes, intelligentes Konzept und vielleicht hätte der zweite Teil Aufschluss und Erleuchtung gegeben.

Im wunderschönen Foyer der Osloer Oper frage ich mich allerdings nur, wie viel Herheim während der Vorbereitung seines Konzepts wohl getrunken hat und ob ich es ihm einfach gleichtun sollte. Da das aufgrund meiner existierenden Hormonsituation erst im September wieder möglich sein wird, ich nüchtern aber den zweiten Teil nicht überstehen werde, entscheiden wir uns zum einzig möglichen Schritt und gehen.

Heute morgen lese ich dann ein zweiseitiges Interview mit Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach, der in langen Sätzen das Konzept der La Bohème-Inszenierung erläutert. Vom Publikum wünsche er sich: „Wir wollen in einer konstruktiven Weise irritieren, so dass die Zuschauer sich Gedanken machen und hoffentlich begreifen, dass nichts per Zufall geschieht sondern aufgrund eines intelligenten Konzepts.“

Niemann, Sechs, Setzen.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Die Osloaner fordere ich auf, sich das Stück selbst anzusehen, alle anderen können sich hier einen Eindruck verschaffen. Ich freue mich auf Eure Kommentare. Nächste Woche berichte ich an selber Stelle über die Begeisterung der Norweger, in Schweden einkaufen zu gehen. Auch wir schließen uns morgen an und fahren ins Nordby-Shoppingcenter kurz hinter der schwedischen Grenze.

Euch allen wünsche ich eine wunderschöne Woche, seid tolerant, aber lasst Euch nicht alles gefallen und feiert, wenn es denn sein muss, einen verrückten Karneval. 🙂 Mir selber und meinen ebenfalls gestressten Nachbarn wünsche ich, dass alle presslufthammerbohrenden Bauarbeiter der Baustelle gegenüber einer harmlosen, aber arbeitsunfähigmachenden Wintergrippe zum Opfer fallen. Es lebe das Adjektiv.

Ha det bra,

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Ulrike

Ab auf die Hütte! ODER „Nein, Außenklo ist kein Problem…..“

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„Auf die Hütte“ zu fahren am Wochenende oder in den Ferien ist so richtig norwegisch. Viele Familien haben eine gemeinsame, teils generationenvererbte, Hütte am Meer oder in den Bergen, in der das norwegische Idyll des einfachen Lebens gefeiert werden kann. Die hytte gehört zu Norwegen wie Elche, Brunost und Anders Bardal. Es gibt sogar ein Lied darüber! Von den Männern, die uns „What does the fox make?“ gebracht haben – also viel Spaß!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier erneut treffen. Seit letztem Wochenende fühle ich mich ein bisschen norwegischer, habe ich doch meinen ersten Tag in einer echten hytte verbracht. Gemeinerweise für alle Teilnehmer habe ICH, aus momentanen, erfreulichen Umständen, die Nacht allerdings Zuhause verbracht und wiederhole hier die oben genannte Frage: Wer geht schon gern aufs Außenklo? Und ich präzisiere: Wer geht schon gern nachts auf Außenklo? Durch den Schnee? Unter hängenden Tannenwipfeln und ohne Licht?

Aber fangen wir von vorne an: Ich bin in dem Team, das die Teestube der deutschen Gemeinde hier in Oslo leitet. Einmal pro Monat treffen sich ca. 15 Au Pairs und Freiwillige verschiedener Organisationen im Gemeindesaal zum Reden oder Kochen oder Spielen. Und das Highlight der diesjährigen Saison sollte ein gemeinsames Hüttenwochenende werden. Gesagt, getan, das Wochenende stand fest, nun her mit der Hütte. Ich begann ab Anfang November zu suchen – gut drei Monate im Voraus – und stieß überall auf bereits ausgebuchte Hütten. Der Termin war nicht flexibel und irgendwie wollte sich halb Oslo an genau diesem Wochenende im Februar auf Tour begeben. Schließlich erinnerte ich mich an die Hütte, von der ich im Jahr davor gehört hatte. Und, juchhu! Sie war noch frei. Schwupps gebucht, Platz für mindestens 30 Leute, mitten im Wald am See, toll! OK, Außenklo, aber wie schlimm kann das schon sein?

Am letzten Freitag machte ich mich mit Simone auf den Weg, die heroisch für 15 Mädels eingekauft hatte und sich und ihr Riesenauto für den Essenstransport zur Verfügung stellte. Die Adresse war klar, das Navi gefüttert, das Wetter war trocken und wir bereit für einen Roadtrip Richtung Enebakk im Südosten Oslos. – Nun ist das mit Hütten ja so eine Sache..die liegen blöderweise nicht direkt an der Hauptstraße. Wenn man oder frau also nicht so ganz genau weiß, wo man hin soll, das High-tech-Navi beschließt, in Urlaub zu gehen und der eigene Orientierungssinn fragwürdig ist, dann….ja dann…landet man mit einem Transporter voller Essen plötzlich auf einer Einbahnstraße im tiefsten Wald und kommt nicht mehr weg. Vielleicht war unsere Haltung „Och, komm, wir fahren mal da lang!“ auch ungeeignet im verschneiten, norwegischen Wald. An dieser Stelle ein großes Kompliment an eine bekannte deutsche Autofirma mit Sitz in Stuttgart für ihren fantastisch ausgeklügelten Allradantrieb, der es erlaubt, rückwärts und berghoch durch Schnee zu fahren. Es dauert, aber es klappt.

Ich hätte ungern geschoben.

Nach erneuten, fehlgeschlagenen Versuchen, die Hütte zu lokalisieren, gaben wir meinem unfähigen Navi die Schuld. Misttechnik! Stattdessen riefen wir die Hüttenverwalterin an, die ganz erstaunt war, dass wir Probleme hatten, ihr Juwel zu finden. Wir müssten doch einfach nur an der roten Schranke halten, dann an der Landstraße 5 Minuten zu Fuß zurück wandern, dann rechts ins Gebüsch abbiegen, die steilen Stufen hoch und überhaupt: „Ist nicht schwer zu finden!“

Ja. Aber ich bin nun mal keine Fledermaus.

Nach 1, 5 Stunden Suche waren wir also endlich am Ziel. Das Auspacken des Transporters stellte uns vor eine Herausforderung, aber schließlich parkten wir mit Warnblinkanlage halb im Graben und trugen die Sachen hoch zur Hütte. – Zwei Autos hielten an, weil sie dachten, wir hätten eine Panne. Mittlerweile hatte es auch angefangen zu regnen und Simones junger Hund hatte vor Aufregung in sein Autokörbchen gepinkelt.

So viel Spaß!

Die Hütte lag mehr als idyllisch, nur wenige Minuten von einer Bushaltestelle entfernt versteckt im Wald, umgeben von Schneemassen, die in Oslos Innenstadt schon vollständig verschwunden waren. Bald führten tiefe Fußspuren von Treppe zu Haustür. Begeistert öffneten wir die Tür – und zuckten zurück. Das Wort „rustikal“ hat seitdem eine neue Bedeutung für mich. Trotz ausgeklügeltem Reinigungsplan, den wir mitsamt des Schlüssels erhalten hatte, wirkte diese Hütte, als hätte sie Wischmop und Wasser selten gesehen. Erstaunlich, denn im Eingangsbereich standen Dutzende Eimer und Feudel. Die Küche wollte nur eines: Geputzt werden. Auf dem Kühlschrank….Mäusedreck. (Entschuldigung an dieser Stelle an alle Teilnehmer…ich konnte Euch das nicht vorher sagen :)….) Aber, was sollten wir machen? Augen zu, einmal Oberflächen reinigen und her mit dem Essen. Rustikal eben!

Der obere Bereich des zweistöckigen Hauses war offen mit Kamin und viel Platz, es gab sogar einen Schlafboden mit Matratzen (über deren Zustand….aber gut….), das fand ich wirklich cool. Es gab genug Holz zum Verfeuern, die elektrischen Heizungen starteten problemlos und überhaupt…“Geht schon!“ Nun aber zum Highlight: Wo war das berüchtigte Klo? 50 Meter von der Hütte sollte es sein, das könnte ja dann nur dort…warte..hier ist der Schnee echt tief..oh nee, warte, da geht es nicht lang, da hängen die Äste zu tief…hier kommt man durch….huch, superrutschig….Moment, ich halte den Ast für dich…nee, geh du zuerst…oho, es hat Licht!!!

Ja, war völlig problemlos.

Auf dem Rückweg zur Hütte durch den strömenden Regen sank meine Laune langsam auf den Nullpunkt. Dabei hatte ich mich so gefreut…Aber wisst Ihr, was hilft, wenn man selber nicht mehr begeistert ist? Dann hilft am nächsten Morgen eine Gruppe gutgelaunter Mädels, die das Rustikale auch schräg beobachten, sich aber davon den Spaß nicht verderben lassen. Das Wochenende wurde laut, lecker und witzig und meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an die Hüttentruppe und ihre coole Haltung, als sie am Sonntagmorgen ein großflächig angeknabbertes Toastbrot in der Küche fanden. War super mit Euch!

Meine nächste Hütte wird ein inliegendes Klo und fließend Wasser haben, aber dieses Wochenende war auf jeden Fall ein Erlebnis wert! – Wer die Hütte des Pfadfindervereins auch mieten möchte (Vorteil ist: Gut mit den Öffis zu erreichen und sehr günstig): Ich schicke Euch gern die email-Adresse. Andere, günstige Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich z.B. in der Ostmarkkapelle, dort können Gruppen kostenlos schlafen, wenn sie am Sonntagmorgen beim Kirchkaffee aushelfen. Wer Mitglied im DNT, dem norwegischen Wanderverein ist, hat die Auswahl zwischen unzähligen, relativ günstigen Hütten im ganzen Land und kann sich online einen Platz in einer Hütte reservieren. Hier aber Achtung: Ist die Hütte nicht komplett ausgebucht, können jederzeit fremde Wanderer dazukommen. Was kein Nachteil ist, aber man sollte es wissen. Auf der Reiseseite von finn.no werden Hütten annonciert. Viel Glück bei der Suche und viel Spaß auf der Hütte!

Das war es schon für heute, meine lieben Hüttenleser. Uns steht ein spannendes Wochenende bevor: Eine 24-Stunden-Marathon-Bibellesung in der deutschen Gemeinde mit gemeinsamem Kochen, Essen, Lesen, Zuhören und hoffentlich irgendwie wach bleiben. Wer in Oslo ist und Zeit hat: Kommt zwischen Samstag 12 Uhr und Sonntag 12 Uhr vorbei und lest für 15 Minuten – oder auch länger. Wer uns aus dem Ausland begleiten will: Es gibt Livestream…jahaaa!!! Unter http://www.justin.tv/GemeindeOslo – falls das denn alles so klappt!

Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Woche, freut Euch miteinander und verbringt mal einen Tag außerhalb Eurer Komfortzone – dann sieht nämlich plötzlich alles viel besser aus bei der Rückkehr! Bis dahin, liebe Grüße,

ha det bra

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(Immerhin ’ne Straße mitten in der Einöde!)

Ulrike

Shockheaded Peter im Norske Teatret ODER Der Abend, an dem ich fast die Bühne gestürmt hätte

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Ich liebe Theater. Auf, hinter oder vor der Bühne. Das Prickeln in der Luft, wenn sich im Theatersaal die Türen schließen. Stille. Und dann entrollt sich eine eigene Welt vor den Augen der Zuschauer. Manchmal wünschte ich zwar, sie hätte es sein gelassen, aber meistens sitze ich wie ein kleines Kind unterm Weihnachtsbaum und lasse mich begeistern. Wie letzte Woche – in Shockheaded Peter.

Hallo, meine lieben winterlichen Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es schneit. Und schneit. Und schneit, und schneit und schneit. Nachdem der Winter sich bisher ein wenig geziert hatte, schlägt er nun umso kräftiger zu und Oslo versinkt in weißer Masse. Ich tue so, als bemerkte ich nichts. Sind ja nur noch, was?, 4 Monate, dann ist schon wieder Frühling. Die Begeisterung der Neuzugereisten über die weiße Pracht kennt, im Gegensatz zu meinem Gegrummel, aber kein Ende: Fotoalben und Statusmeldungen über Schnee, Winter, Skilaufen und Schlittentouren füllen soziale Medien und ich frage mich, wo meine winterliche Begeisterung geblieben ist. Die scheint irgendwie im letzten, unendlichen Winter in meine wollene Unterhose gerutscht zu sein – und da steckt sie wohl immer noch. Ich frage mich, ob wir in den Süden auswandern sollten? Italien, wie hört sich das gerade schön an!!!! – Aber ich schweife ab.

Wir waren also im Theater. Seit unserer Ankunft hier in Oslo sind wir wunderbarerweise recht häufig im Theater, was unter anderem daran liegt, dass Statoil eine monatliche Ticketverlosung hat. Dem Gewinner winken zwei Tickets zum 50%-Preis. Das ist verlockend, und so nimmt Martin jeden Monat an der Lotterie teil und bisher hatten wir oft Glück. UND gute Plätze, meistens mittig in der 7. bis 10. Reihe. Wir haben Salome und Cavalleria Rusticana in der Oper gesehen, Liv Ullmanns Inszenierung von Onkel Wanja im Nationaltheater, die Vålerenga-Fußballchronik Neste Kamp im Oslo Nye Teater und nun also Shockheaded Peter im Norske Teater.

Der englische Titel mag nicht allen etwas sagen, die literarische, deutsche Quelle kennt aber jedes Kind: Der Struwwelpeter. 1845 von Heinrich Hoffmann geschrieben und illustriert, beschreiben die einzelnen Geschichten die übertriebenen, katastrophalen Auswirkungen von schlechtem Benehmen bei Kindern. Zappelphilipp, Daumenlutscher und der Suppenkaspar sind Alpträume meiner Kindheit. 1998 entwickelte dann Julian Bleach gemeinsam mit anderen Autoren und der Band Tiger Lillies aus dem schrägen Kinderbuch ein absurd-schräges Musical. Und nach nur knapp 15 Jahren habe ich es dann auch mal gesehen! Ja, immer mit der Zeit, immer hipp, so bin ich ;).

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Oslo hat, wie schon geschrieben, zwei große Theater: Das Nationaltheater (siehe Foto) und das Norske Teatret. Verschreibt das erste sich eher den konservativen Stücken, schlägt das nur auf Nynorsk spielende Norske Teatret einen eher modernen Weg ein. Bisher haben mir hier alle Stücke gefallen, die ich gesehen habe, unter anderem Trauer muss Elektra tragen oder Über offenem Abgrund, inszeniert von meinem ehemaligen Oberspielleiter am Carrousel Theater Berlin, Uwe Cramer. Die Welt ist ein Dorf, oder? Das Problem im Norske Teatret: Ich verstehe nichts. Aber wenn man dreieinhalb Stunden im Theater sitzt, nichts versteht und trotzdem am Ende sagt: Toller Abend!, dann heißt das schon was, finde ich. Nun also Shockheaded Peter. Schon seit Wochen freute ich mich wie verrückt auf einen wunderbar, absurden Theaterabend.

Und wollte dann nach zwei Minuten gehen.

Seit Hape Kerkelings Hannilein habe ich eine Hassflecken-produzierende-Abneigung gegen erwachsene Schauspieler, die Kinder spielen. Oder gar Babies. Da wird mir anders, da könnte ich killen, da will ich nur noch weg.

Shockheaded Peter begann mit einer Gruppe von kreischenden, daumenlutschenden, sich am Po kratzenden „Kleinkindern“ in Feinrippstramplern, die sich auf der Bühne und im Zuschauerraum tümmelten. Da wurde geknickert und gepupst, gekreischt und geknutscht, während mir der Dampf langsam aus den Ohren kam. Ich merkte, wie Martin neben mir unruhig wurde, während sich die Besucher vor mir köstlich amüsierten. Wenn ich nun eines noch mehr hasse als babyspielende Schauspieler, dann sind das Zuschauer, die darüber lachen.

„Hört auf zu lachen, Ihr Idioten!“, wollte ich brüllen. Himmel, die würden auch über Mario Barth lachen.

Ich wollte weg.

Der bis dahin anscheinend blinde Regisseur hatte ein Einsehen mit mir: Die Horrorkindergartengruppe verschwand von der Bühne. Ich war auf 180, die Handtasche über der Schulter, den Körper gespannt – bereit zur augenblicklichen Flucht.

Da kam ein Elefant auf die Bühne.

Und alles wurde gut.

„Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.“ – Max Reinhardt

Es gibt diese Momente im Leben, da taucht man ein in eine fremde, absurde Welt und fühlt sich sofort verstanden. So ging es mir jetzt. Auf der Bühne entfaltete sich eine Welt, die so oder so ähnlich direkt aus meinem Kopf hätte stammen können. – Von hinten rechts fuhr eine gewaltige, meterhohe Elefantenkonstruktion auf die leere Bühne. Der monströse, graue Rüssel schwang, die dicken Füßen bewegten sich im Rhythmus der fünfköpfigen Band, bestehend aus Ukulele, Tuba und Trommeln, Ziehharmonika und Keyboard. Oben auf dem immensen Elefantenkopf eine Figur mit weißem Gesicht und schwarzem Zylinder. Im Körper des Elefanten, an Metallstangen, die sein Skelett waren, hängend: Schauspieler, Requisiten und Kostüme. Behäbig wälzte sich das wunderbare Monstrum zur Bühnenmitte – und der Spaß begann.

In den kommenden 80 Minuten explodierte die Bühne dank der großartigen Musik der Tiger Lillies, einer Mischung aus „pre-war Berlin with the savage edge of punk“ wie ein Kritiker meint. Dazu ein Zeremonienmeister, der mit Ironie, Respektlosigkeit und perfektem Timing für Pointen durch die makabren Geschichten führte. Das Publikum stand fast auf den Sitzen vor Begeisterung. Die Bühne wurde in allen technischen Möglichkeiten genutzt: Schauspieler verschwanden durch Falltüren in die Unterbühne, schwangen am Flugseil meterhoch in der Luft, „explodierten“ in gewaltigen Rauchschwaden. Dario Fo traf auf Tim Burton. Es war eine reine Freude!

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Zappelphilipp - Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Zappelphilipp – Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Der fliegende Robert - Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Der fliegende Robert – Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Nach 80 Minuten waren alle Kinder tot, Gedärme und Blutfäden verstaut, der Elefant wieder zusammengebaut und mit den letzten Tönen der Musik schob sich die Gruppe von der Bühne. Noch bevor der letzte Schauspieler im Off war, brach ein Applaussturm los.

Doch zu früh gefreut.

Denn was muss ein Stück, das mit einem, wenn auch fürchterlichen, Rahmen angefangen hat? Es muss diesen Rahmen schließen, genau. Die Horrorkindergruppe kehrte zurück, daumenlutschend, pupsend und ein letztes Lied singend.

Ich wurde zu einer gefährlichen Waffe und wäre fast auf die Bühne gestürmt, um diesem Treiben ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Meine Begeisterung schlug in Ärger um, der nur für einen Augenblick verebbte, als die wunderbaren Musiker und der Joker-Dark-Knight-Zeremonienmeister zum Applaus kamen. Aber dann begann die Musik erneut und ich ergab mich: Ließ mich besänftigen und stimmte lauthals in den Jubel der anderen Zuschauer ein. – Sollte ich mir das Stück nochmal angucken, schließe ich in den ersten und letzten zwei Minuten einfach Augen und Ohren. Um sie dann, besonders für die Musik der Tiger Lillies, wieder weit zu öffnen.

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Theaterbesuch und vielleicht findet Ihr in den nächsten Wochen auch eine Aufführung, die Euch mitreißt. Lasst es mich wissen!

Theater ist etwas Besonderes und kann Erlebnisse vermitteln, die kein anderes Medium unserer Zeit schafft. Geht doch einfach mal wieder ins Theater und lasst Euch begeistern. Und guckt nicht immer den alten, bekannten Schmarrn, sondern lasst Euch auf Neues ein. Ich wünsche Euch jetzt schon viel Spaß und bin gespannt auf Eure Kommentare. Lasst es Euch in der kommenden Woche gut gehen, genießt den Schnee (falls Ihr welchen habt), behaltet Eure gute Laune und bleibt neugierig.

Ha det bra,

Still in the spirit....

Still in the spirit….

Ulrike

Ein Abend im Sportstudio in Oslo ODER Schweinehund ade!!

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Aua.

Warum kann ich meinem Computer keine Texte diktieren?

Aua.

Warum strapaziert Tippen die Oberarmmuskeln?

Aua.

Und warum, Frage aller Fragen, habe ich mich gestern freiwillig derartig quälen lassen, dass mein Körper heute lautstark protestiert???

AUA!

Hallo, meine hoffentlich muskelungeschädigten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Als allererstes wünsche ich Euch ein wunderbares neues Jahr, mit vielen schönen Erlebnissen, positiven Begegnungen und erfüllten Wünschen und Plänen. – Ich habe einen meiner Pläne für 2014 gestern Abend in die Tat umgesetzt: Ich war im Fitnessstudio.

HA! Wie harmlos das klingt – Fitnessstudio. Dabei sollte man den drei „s“ Beachtung schenken, die heimtückisch wie ein gefährliches Reptil zischen und von der Gefahr künden, die harmlose, unsportliche Debütanten in ihren Hallen erwartet.

Seit längerer Zeit bin ich bereits Mitglied im SATS Sportstudio, dessen oranges Logo den positiven Ausschlag für meine Wahl gegeben hatte. Ja, ich bin eine Frau, ich darf das – auch bei Autos und Fußballteams zählen bei mir rein farboptische Gründe – was denn sonst? SATS also. Allein die Vorstellung, dass ich Mitglied in einem Sportstudio werde, wäre vor unserer Zeit in Oslo noch absolut lächerlich gewesen, aber wie ich bereits erwähnte, ist Oslo das Mekka der norwegischen Sportbewegung und irgendwann packt es jeden. So auch mich. Außerdem zeigt meine Waage seit einigen Monaten ein paar Kilo an, die definitiv überflüssig sind und denen wurde nun der Kampf angesagt.

Aua.

Oslo hat verschiedene Sportstudios: SATS, Elixia, Fresh Fitness, fitnessexpress, um nur einige zu nennen. Die Auswahl ist groß, die Nachfrage auch und Neulinge werden herzlich begrüßt. Totale Neulinge, wie ich, sind dabei aber anscheinend die Ausnahme.

„Du warst noch nie in einem Fitnessstudio?“

„Äh, nein.“

„Also, noch nie, in deinem ganzen Leben?“

„Ja, also nein. Nein, nie.“

(Um meine Ehre zu retten, die sich unter dem Tisch verstecken wollte, fügte ich hinzu:)

„Aber JETZT bin ich ja da!“

„Aber vorher…NOCH NIE??“

„Nope.“

„Du bist 41!“

„Ja, ich bin 41, war noch nie an irgendwelchen Geräten und wenn du hier so weiter fragst, bezweifle ich, dass sich das jemals ändern wird!!!“

Die ersten fünf Minuten meiner Gratis-Trainerstunde hatten, ohne sportliche Betätigung, meinen Blutdruck bereits in die Höhe getrieben. Während mein irritierter Trainer mein Sportprogramm am Computer zusammenstellte, blickte ich mich um.

Wow, sahen die alle sportlich aus. Durchtrainierte, schweißschimmernde junge Norweger trabten auf Laufbändern lachend vor sich hin, hingen athletisch konsequent an Sprossenwänden und stemmten Eisengewichte so lässig wie ich meine Kaffeetasse. Wo war denn hier die Anfängergruppe? Beim Skilaufen gibt es doch auch den Idiotenhügel, hier muss es doch auch so eine Art abgesperrten Bezirk…für Leute wie mich….oder….?

Nein, immer rein ins Vergnügen. Kurze Zeit später saß ich an Foltermaschine 1 zur Stärkung meiner Beinmuskeln. Vor mir ein rotgesichtiger Norweger, der bei den letzten beiden Hebungen fast in Tränen ausbrach. Kein Wunder, der stemmte 75 Kilo!!!

Ich 10.

Bildete ich mir das ein, oder sahen die Stecklöcher bei den Gewichten unter 20 Kilo jungfräulich aus? Gerade wechselte O., mein Trainer, den Stecker auf 15 Kilo, weil „es aussieht, als seien 10 Kilo zu leicht für dich.“

BOAH!!! STEEEMMM!

„Da habe ich mich wohl getäuscht.“

Ich konnte nur nicken.

Von Gerät zu Gerät arbeiteten wir uns und nach und nach nahm meine Unsicherheit ab. Niemand der anderen Besucher schien sich auch nur einen Deut für die Verrenkungen zu interessieren, die ich da vollführte. Selbst als ich im Pumpraum vor dem Spiegel zwischen lauter ernstzunehmenden Gewichtehebern meine 5 Kilo stemmte und mich weit weg wünschte – nichts, kein Blick, kein Grinsen. Toll. Nur O. schenkte mir Aufmerksamkeit und erzählte mir von irgendwelchen Muskeln, die parallel zu anderen Körperteilen liegen sollten, von Sehnen, die es zu schützen und Füßen, die es zu strecken galt. Ich nickte brav und wollte nach Hause.

O. muss das geahnt haben und strafte mich für meine fehlende Begeisterung mit Sit ups.

Ich HASSE Sit ups. Kennt Ihr die? Gemütlich liegt man auf dem Rücken und soll dann den Oberkörper heben – ohne sich abzustützen. Wozu habe ich denn zwei Arme an mir rumhängen? Die wollen auch mitspielen. Nee, dürfen sie nicht. Sagte ich schon? Ich hasse Sit ups! Oder sagen wir besser: Ich hasse es, mir selber Schmerzen zuzufügen. Mal ganz ehrlich, wer macht das gerne? Ich warte auf den Tag, wo man überflüssige Pfunde mit ganz viel Spaß und ohne jegliche Anstrengung verlieren kann (und ohne Fettabsaugen!). Einfach so beim Spazierengehen beispielsweise – das wäre doch toll. Noch besser wäre es natürlich auf dem Sofa, aber ich will mal nicht nach den Sternen greifen. Den Gedanken, sich selber quälen zu müssen, sich gar quälen zu WOLLEN, finde ich absurd.

Und verzog mein Gesicht bei der Ankündigung von Sit ups.

Nun wäre so ein persönlicher Trainer natürlich unnütz, hätte er nicht die richtige Medizin für störrische Kunden auf Lager. O., dem ich vorher mein halbes Leben erzählen musste, begann also plötzlich von Paris zu schwärmen…

„Paris!“, keuchte ich, „Ich liebe Paris!“

Sit up.

„Parles-tu français aussi? “ – „Mais oui!“

Sit up.

So sit upten und parlaverten wir uns auf Französisch durch die kommenden 15 Sit ups und am Ende war ich gutgelaunt und schon viel durchtrainierter. Fand ich. Überhaupt begann es Spaß zu machen, nachdem mein Körper langsam verstanden hatte, was ich von ihm wollte. Und er das gar nicht so übel fand.

Nach 45 Minuten fiel ich völlig unelegant auf den nächstbesten Stuhl, griff in eine der zahlreichen Obstkisten, die strategisch über das Studio verteilt standen und war ganz unglaublich stolz auf mich. O. werkelte noch an meinem Trainingsplan herum, verordnete mir 2x wöchentlich Training plus einmal „Spinning“, Indoor-Radfahren in der Gruppe.

BRÜLL!!!!!!

HAHA!!!!

INDOOR-RADFAHREN!!!!!!!!!!!!!!!!

IN!

DER!

GRUPPE!!!!!!

BRÜLL!!!

Nee, mach ich, klar.

Dienstag, 7.1. 11.15 Uhr – ich bin schon angemeldet.

Ich schleppte mich und meinen Rucksack (nächstes Mal: Schloss für die Schränke mitbringen!) zurück in den Umkleideraum, setzte mich auf eine der gepolsterten Bänke und sah mich um. Vor lauter Aufregung war vorher dafür keine Zeit gewesen. Folgende Dinge fielen mir auf:

1. Kontakt scheint unerwünscht. Im Umkleidebereich waren mindestens 15 Frauen – aber niemand unterhielt sich miteinander. Das werde ich ändern. Falls ich hinterher noch sprechen kann.

2. Manche meiner Sportkolleginnen verbringen ungefähr dieselbe Zeit an Geräten wie vorher vor dem Spiegel. Unglaublich, wie viele Arten es gibt, einen Pferdeschwanz zu binden. Zu flechten. Nein, doch lieber hochzustecken. Ich werde mir eine Perücke anschaffen müssen, um hier mithalten zu können. Nee, will ich gar nicht. Zugucken ist viel besser.

3. Kleidungsmäßig war ich auf einer Linie mit meinen Muskelfreundinnen. Die schwarze Laufhose trug ich schon beim Ankommen, lässig ergänzt von Gummistiefeln und Daunenwinterjacke. Typischer Oslo-West-Aufzug. Nur die Haare eben….

4. Die meisten hatten ihr smartphone oder den ipod dabei und Kopfhörer hingen entweder um den Hals oder waren im Ohr verstaut. Hm. Ich bin kein Fan von Music-on-the-go, besitze keinen ipod und habe ihn auch nie vermisst. Kopfhörer finde ich unkomfortabel und außerdem höre ich ja gar nicht, was andere Leute sagen, wenn ich die Dinger im Ohr habe. Hm. Och, macht nix. Zuviel Konformität ist ja auch schädlich. Wer immer wie alle anderen sein will und Angst davor hat, aufzufallen, der vergisst irgendwann, wer er selber ist und wird zu einer inhaltslosen, unauffälligen Kopie. Schade drum, denn, wie schon Monty Python wusste: „Wir sind alle Individuen!“ – „Ich nicht!“ (Kleines Triviaquiz: Aus welchem Film stammt das wunderbare Zitat?)

Mehr fiel mir auf die Schnelle nicht ein, als ich mich umsah, aber ich bin auf die nächsten Besuche gespannt. Diesmal war ich mit der Abendcrew unterwegs, ab kommender Woche werde ich aber immer vormittags sportlich sein. Erstens kann ich mir das glücklicherweise so einrichten und außerdem gefällt es mir auch besser. Mal sehen, was dann für Leute diese heiligen Hallen bevölkern werden. Für heute verabschiedete ich mich: Ich zog die blauen Schuhtüten über meine Gummistiefel, stieg, leise stöhnend, die Stufen zum Eingangsbereich hoch, entsorgte die Schuhsäcke und humpelte zum Ausgang. Der Regen hatte zugenommen. Und mit den Worten von Theaterkritiker Friedrich Luft, nachdem er aus einer Berliner Premiere kam,  klagte ich: „Auch das noch.“ Und wanderte langsam nach Hause.

So, meine lieben, hoffentlich unversehrten Leser, das war es für heute. Mein Muskelkater und ich werden aufs Sofa gehen und uns pflegen. Was hat der ganze Blog heute denn überhaupt mit Norwegen zu tun? höre ich die Kritiker fragen.

Tja.

Nicht so viel.

Obwohl: Ich war in einem norwegischen Fitnessstudio in Oslo, mit meiner norwegischen Sporthose und in Norwegen gekauften Sportschuhen und habe an norwegischen Weintrauben geknabbert.

Immerhin! Und wann immer Ihr nach Oslo kommt, oder schon hier seid und ein Fitnessstudio sucht, habt Ihr jetzt ein paar Infos dazu.

Das ist doch toll.

Das muss doch reichen!

Nächsten Montag sehen mich die Folterhallen wieder, diesmal bin ich dann auf mich allein gestellt und erinnere hoffentlich alles, was O., mein Parisliebhaber, mir erklärt hat. Ansonsten frage ich einfach einen fast platzenden Superstemmer vor mir und freue mich auf seinen Blick, wenn er meine 10-Kilo-Gewichte sieht.

Euch allen, meine lieben Leser, wünsche ich eine tolle Woche, probiert mal wieder etwas Neues aus, setzt Eure guten Vorsätze in die Tat um und kämpft gegen Euren inneren Schweinehund. Es lohnt sich! Danke an alle, die sich am Jahresrückblicks-Quiz beteiligt haben, ich war total baff, wie fix die ersten drei richtigen Einsendungen kamen. Ein großes Hipphipphurrah an Yasmin, Ute und Imke aber auch an alle anderen, die Lösungen geschickt haben. Nachdem ich das Limit auf zehn Karten hochgesetzt habe, ist jetzt noch ein Platz frei, also schickt mir Eure Lösungen!

Jeg ønsker dere et riktig godt nytt år!

Ha det bra,

Danach.

Danach. Live-Fotos wollte ich Euch ersparen. Und mir.

Ulrike

Ausstellung im Nobelpreiszentrum: Hva spiser verden? ODER Ej, wieso gibt es nur drei Sorten Joghurt im Supermarkt?

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Es gibt so Tage, da stehe ich im Supermarkt um die Ecke und denke: „Maaaaaaannn, warum gibt es denn IMMER dieselben Sorten Joghurt und Käse? – Wo ist denn hier die Abwechslung?“ oder ich klicke ungeduldig mit dem Kuli vor der Einkaufsliste, weil mir partout nicht einfallen will, was denn heute gekocht wird. Nervig finde ich diese Situationen, eingeschränkt die Auswahl an Lebensmitteln hier in Norwegen und überhaupt…dann gibt es heute eben Nudeln.

Ich bin so verwöhnt, dass die Frage gerechtfertigt ist: „Hast du sie noch alle?“

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Am letzten Donnerstag waren wonderful Ines und ich im Friedensnobelpreiszentrum (tolles Wort für Galgenraten), um die Ausstellung Hva spiser verden?/Was isst die Welt? zu besuchen. Ein Tipp an alle: Hingehen und zwar geschwind!!

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Seit dem Jahr 2000 reisten Fotograf Peter Menzel und Autorin Faith D’Aluisio durch die Welt mit nur einer Frage im Gepäck: Was habt Ihr in dieser Woche gegessen? Familien von Kalifornien bis Japan, von Grönland bis Mali öffneten ihre Küchen und präsentierten ihre Lebensmittel. Und eines kann ich Euch sagen: Da musste ich teilweise tief durchatmen. Wann habt Ihr das letzte Mal über Euer Essen nachgedacht? Was Ihr esst? Wo die Nahrung herkommt? Wie gesund das ist, was Ihr zu Euch nehmt? Was bedeutet es für die Umwelt, dass wir hier in Norwegen auch Mangos im tiefsten Dezember haben? Wie esse ich? Was esse ich? Und eine ganz spannende Frage: Wie sehr repräsentiert mein Essen mich, meine Herkunft, meine Weltanschauung und mein Verhältnis zu meinem Planeten?

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Schnell könnte man die Ausstellung  auf nur einen einzigen Aspekt schmälern: Manche haben zu viel und manche haben zu wenig. Leicht fällt das, betrachtet man eine US-Familie aus North Carolina, deren Küchenanrichte unter dem Gewicht von Chipstüten, Hamburgern, Milchflachen und Tiefkühlprodukten zusammenzubrechen droht und im Vergleich dazu eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie im Tschad, die vor drei Säcken Mehl und Körnern und einigen Schälchen mit Gemüse sitzt. Das wird einem flau im Magen, da will man helfen, da weiß man nicht wie. Aber die Ausstellung ist viel mehr: Sie zeigt ebenso viel über den Platz in dem wir leben, als auch davon, wie wir leben. Sie zeigt, welche Lebensmittel wo vorhanden sind und welche Essrituale in den einzelnen Ländern existieren. Wo wird viel Kaffee getrunken, wo mehr Tee? In welchem Land wird wie gefrühstückt? Welche Familien investieren Zeit und Liebe ins Essen, welche tauen nur Tiefkühlgerichte auf?

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Es ist eine Reise um die Welt, die Peter Menzel und Faith d’Aluisio uns erlauben und wir sind gerne mit ihnen unterwegs. Wir kriechen fast in die Bilder, um genauer zu erkennen, welche Lebensmittel konsumiert werden, oder um bestimmte Gemüsesorten zu bestimmen. Wir lachen über die schiere Lebensfreude einer 100jährigen Japanerin, die im Rollstuhl in der Küche ihrer Tochter neben einem Haufen Essen sitzt. Ich bekomme es bei einer australischen Familie mit der Angst zu tun: Nach der Masse von Fleisch auf ihrem Tisch zu urteilen, scheinen sie allein verantwortlich zu sein für das Aussterben bestimmter Tierarten. Und die Frage, die wir uns immer wieder stellen, ist: Essen WIR auch so viel? Wie viel essen wir eigentlich in einer Woche? Denn das war die Vorgabe: Jede Familie präsentiert die Nahrung einer Woche. Ist es möglich, dass eine norwegische Familie mit fünf Personen 21 Liter Milch pro Woche verbraucht? Eine deutsche Familie 18 Liter Saft? Und die Masse an fester Nahrung – essen wir etwa auch so viel?

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Wisst Ihr, welche Mengen Ihr pro Woche esst? Und was Ihr so esst? Ich glaube, ich esse zu ungesund. Zucker, Kohlenhydrate und unzählige Zusatzstoffe vergiften meinen Speiseplan. In der ersten Januarwoche werde ich also jeden Einkaufszettel sammeln, um Euch am Ende meine Nahrungswoche zeigen zu können. Nicht nur Euch – vor allem mir! (Die Weihnachtszeit eignet sich wirklich nicht dafür, finde ich. Gibt ja ein vöööööllig falsches Bild! Stimmt’s?) Und dann werde ich mir ein Kochbuch aus Guatemala kaufen, denn dort saß meine Lieblingsfamilie der Ausstellung. Bei Familie Mendoza wäre ich gern mal zum Essen eingeladen!

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Nach dem vielen Herumlaufen mussten wir uns mal setzen. Wie nett, dass das Nobelzentrum eine Unterhaltungsecke geplant hatte. Die fanden wir nicht nur zum Sitzen hervorragend! Holzwürfel mit Tastfächern ließen uns verschiedene Gemüse- und Obstsorten raten – unsere Favoriten waren aber die Geruchswürfel, in denen man – Nase voraus – Gewürze erkennen sollte. Ein großer Spaß! Abschließend erfuhren wir die Lieblingsgerichte verschiedener Nobelpreisträger und ich bin nun im Besitz der Rezepte von Jimmy und Rosalynn Carters Auberginenkasserollen, Shirin Ebadis Bohneneintopf und Barack Obamas Familienchili.

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„Hva spiser verden? Was isst die Welt?“ macht nachdenklich. Viele Herausforderungen, die unsere Erde heute zu stemmen hat, resultieren aus unserem Bedürfnis nach Nahrung. Nach zuviel Nahrung. Nach Nahrung, die Weltreisen unternehmen muss, um mir und meinem Körper etwas Energie zu geben. Wahnwitzige Energie wird verbraucht, um meinen 60-Kilo-Motor anzutreiben. Da sollten wir alle wirklich mal genauer drüber nachdenken.

Finde ich.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Allen in Oslo und Umgebung lege ich die Ausstellung ans Herz – im Moment ist der Eintritt sogar kostenlos. Am 10.12. wird der Friedensnobelpreis an die OPCW verliehen, gefolgt von einem abendlichen Fackelzug von Oslo S zum Grand Hotel an der Karl-Johans-Gate und einem Konzert am 11.12., dieses Jahr moderiert von Claire Danes. Teilnehmende Musiker sind unter anderem Mary J. Blige, James Blunt, Morrissey und der syrische Sänger Omar Souleyman. Eine ganz besondere Woche wird das hier in Oslo.

Ich werde auch eine ganz besonders schöne Woche haben –  in Hildesheim 🙂 Von Mittwoch zu Mittwoch fliege ich in die Heimat. Nächste Woche wird es also keinen Blog geben und wir lesen uns wieder am 13.12. Irgendwer hier abergläubisch?? 🙂 Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an Euch alle meine lieben Leser, danke, dass Ihr da seid. Ich wünsche Euch einen wunderschönen ersten Advent, genießt die Zeit, vergesst den Stress und guckt häufiger mal auf Euren Teller oder in Euren Kühlschrank und realisiert, wie gut es uns allen geht.Und dann teilt mit denen, die nichts haben.

Und wenn Ihr jetzt denkt: „Ich hab nichts.“ – dann denkt nochmal.

Ha det bra,

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Ulrike

Fotosafari Oslo Teil 4: Vålerenga ODER Fußball, Dialekt und Anti-Frogner-Zone

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Irgendwie bin ich fast nie im Osten der Stadt. Das hat gar keinen besonderen Grund, das ergibt sich einfach nicht. Wir kaufen hier im Westteil der Stadt ein, die meisten unserer Freunde leben hier, die deutsche Gemeinde ist hier, und und und. Der Osten ließ mich bisher immer eher kalt. Bis heute! Für diesen Blog habe ich die unsichtbare Grenze der Stadt überschritten und bin nach Vålerenga, oder, wie die Kenner sagen,  Vål’enga,  gefahren. Und Auslöser dafür war ein Theaterbesuch….

Hallo, meine lieben Leser aus Ost und West, Norden und Süden, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute nehme ich Euch mal wieder mit auf eine Reise durch Oslo – auch wenn das Wetter im Gegensatz zu den letzten Tagen novemberschmuddelig ist. Gut, dass der Stadtteil, den ich Euch vorstellen will, so viele bunte Häuser hat.

Alles begann Ende Oktober: Martin rief an und erklärte begeistert, er hätte über seine Firma Theaterkarten gewonnen. „Prima!“, rief ich. „Für welches Stück denn??“ Ja, und da lag der Hase im Pfeffer oder der Elch im Zimt. Die Karten waren für eine musikalische Revue mit dem rebellischen Titel „Neste Kamp“ (Nächster Kampf), produziert zum 100jährigen Jubiläum des Fußballclubs Vålerenga.

Oh.

Genau.

Aber wir sind ja neugierige Menschen und da wir weder das Oslo Nye Theater noch das Stück kannten oder besonders viel über den Fußballverein wussten, machten wir uns also auf den Weg – und erlebten einen Theaterabend, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Zum näheren Verständnis einige Punkte vorweg:

  • Vålerenga ist nicht nur ein Fußballverein, sondern eben auch ein Stadtteil von Oslo. Früher selbständig, heute Teil von Gamle Oslo. Der Stadtteil gehörte früher zu den ärmsten der Stadt und vielleicht trug die geteilte Armut dazu bei, dass der Zusammenhalt zwischen Hedmarksgata und Enebakkveien schon immer besonders groß war.
  • Der 1913 gegründete Fußballverein des VIF (Vålerenga Idrettsforening) ist ein Heiligtum und auch wenn die Karriere des Vereins eine Berg- und Talbahn war (und ist), verbindet er die Herzen der Menschen. „Stell dir vor, du sitzt in einem Theaterstück über Schalke“, hatte Martin mir erklärt, bevor die Show begann. Ok. ??
  • Der Osten von Oslo war früher, und ist teilweise auch heute noch, das Arbeiterviertel. Der lokale Patriotismus ist hoch und man ist stolz auf seine Herkunft. Größte Abneigung: Fuzzies aus dem Westen der Stadt, speziell aus Frogner. Ups.
  • Der Dialekt in Vålerenga ist ganz und gar anders als im Westen und beide Stadtteile ziehen gern die Aussprache des jeweils anderen ins Lächerliche. „Vindretningen skapte språkskillene i byen“, heißt es: Die Windrichtung hätte den Sprachstil der Stadt geschaffen. Seit dem 19. Jahrhundert standen die qualmenden Fabriken im Osten, dort lebten die Arbeiter und ihre Familien. Die Wohlhabenden verzogen sich in den Westen der Stadt – weit weg vom stinkenden Wind und Qualm des Arbeitermilieus. Die Sprache ist Osten ist deftiger und führt im Westen angeblich zu gerümpften Nasen. Beispiel gefällig? Wie wäre es mit einem der Schlachtrufe von Vålerenga? „Enga er tilbake, jævla bondesvin.“ Grob übersetzt: Vålerenga ist zurück, du verdammter Schweinehalter!
  • Fußball und Dialekt sind die beiden verbindenden Elemente in Vålerenga.

Nun saßen also wir beiden zugezogenen West-Städter im Oslo Nye Theater und die Show begann. Der Plot ist einfach zu erzählen: Becky, eine Journalistin aus Bestum (West-Oslo) wird nach Vålerenga geschickt, um den 100jährigen Henry Abelsen (geboren am Gründungstag des Sportvereins) zu interviewen. Von Anfang an ist der Klassenkampf deutlich: Becky redet „falsch“, ist komisch angezogen, trinkt Mineralwasser aus der Flasche und hat, das wohl das allerschlimmste, keine Ahnung von Fußball. Nach jedem Klischeewitz dröhnt der Saal vor Lachen – ich hätte so gerne mitgelacht, aber vieles ging absolut an mir vorbei. Das Happy End bekam ich aber mit: Am Ende sind die beiden Stadtteile, aka Henry und Becky, Freunde und man feiert gemeinsam 100jährigen Geburtstag! Auch das Publikum ist in Feierlaune. Und was für ein Publikum das ist! Vergesst das Bildungsbürgerpublikum oder die Bohemiens mit zerrissenen Boss-Jeans – hier sitzen Vålerenga-Fans, hier sitzen die Klanen ! Vereinsfahnen in der Hand, Vereinsschals um den Hals, viele im Trikot ihrer Lieblingsspieler und alle stolz auf ihren Verein. Es wird laut gejubelt und noch lauter mitgesungen, als von der Bühne das Lied ihres Vereins ertönt.  Am Ende der Vorstellung stehen wir alle, schwenken mit den Armen (ich völlig ahnungslos, warum eigentlich) und jubeln im Chor. Zuschauer, Darsteller und Musiker sind voneinander begeistert. Nach knapp zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Im Hinausgehen erklärt Martin mir die Erfolge und Misserfolge des Vereins genauer, während hinter uns ein älterer Herr zu seiner Frau sagt: „Ja, das war das Vereinslied, das singen sie dann auch im Fußballstadion.“

Muss ich erwähnen, dass wir vier später gemeinsam in der U-Bahn Richtung Westen saßen?

Es war ein toller Abend und ich wollte nur noch eines: Ab in den Osten, ab nach Vålerenga.

Zwei Wochen später geht es endlich los: In der Stadtteilbibliothek Majorstuen versorge ich mich mit Lesematerial und finde ein hervorragendes Buch: Vålerenga – en bydel med sjel. In einen Stadtteil mit Seele fahre ich also. Hinein in die U-Bahn Richtung Mortensrud. Nur sechs Stationen trennen den Westen vom Osten, ich verlasse die U-Bahn in Ensjø und stehe kurz Zeit später an der Etterstadgata. Velkommen in Vålerenga, ruft mir niemand entgegen – wer denn auch? Die Straßen sind menschenleer. Nun würde ich das an einem Samstagnachmittag verstehen, wenn die gesamte Nachbarschaft im Ullevålstadion Schweinehalter verflucht, aber heute ist Donnerstag. Trotzdem keiner da. Vielleicht sitzen alle beim Mittagessen, es ist 11.30, da gibt es lunsj in Norwegen.

Egal, dann mache ich mich allein auf den Weg. Es ist schwer zu beschreiben, aber das Viertel strahlt ein Gefühl aus, das ich in anderen Teilen der Stadt vermisse. Vielleicht liegt es an den Geschichten, die ich bisher schon gehört und gelesen habe oder an den gemütlichen bunten Holzhäusern, die die Straßen säumen – irgendetwas ist hier anders. Ich wandere die Vålerengagata herunter, biege in die Ingeborgsgata ab und vor mir, erhöht auf einem Hügel, liegt die Kirche des Viertels. Es gibt kaum Geschäfte hier, und meine Suche nach einem Wayne’s Coffee gebe ich bald auf. Anscheinend bin ich schon völlig verwestlicht und erwarte Kaffeeläden an jeder Ecke. Bin ich etwa schon Becky aus Bestum? Ich laufe hier rum mit meiner Kamera und fotografiere Holzhäuser, während die Bewohner mich durch die kleinen Fensterscheiben beobachten und sich über mich lustig machen? Gerade als ich eine Runde verlegen sein will,  fällt mein Blick auf einen BMW, hinter dem ein Mercedes geparkt ist und bei genauerer Untersuchung finde ich weitere Premiumwagen in den Gassen. Aha! Der erste Waynes Coffee-Shop ist nicht mehr weit, ich ahne es! 😉

Die bunten Häuser heben meine Laune und ich mache mich auf die Suche nach Vålerenga-Fahnen. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir die ganze Nachbarschaft mit Fahnen dekoriert vorgestellt. Aber nichts. Das ist ja nun schade. Vorbei an der Kirche und einem einsamen Mann auf einer Bank wandere ich gen Opplandsgata, als mir plötzlich eine Frau in einem Vålerenga-Sweatshirt samt Hund entgegen kommt! Cool, das wird ein passendes Foto, denke ich und frage freundlich (und auf Norwegisch), ob ich ein Foto machen dürfte, ich würde einen Blog schreiben über Oslo und in dieser Woche über Vålerenga. – Nun weiß ich nicht, was sie mehr verwirrt hat: Mein Norwegisch, meine Frage, mein Plan über Vålerenga zu schreiben oder meine rote Kamera, die ich schussbereit hielt. Nach einem irritierten Blick ließ sie mich auf jeden Fall stehen. Na, dann eben nicht!

Weiter ging es durch die leeren Straßen, vorbei an geschlossenen Restaurants und geöffneten Kiwi-Supermärkten, an Kindergärten in kleinen, bunten Holzhäusern und weiter zur Hauptstraße. Man merkt sofort, wenn das Viertel vorbei ist. Die Straße wird breiter, die Aussicht offener und die Holzhäuser weichen hässlichen Betonklötzen. Ich wandere den Akebergveien hinauf, stelle fest, dass ich nicht mehr weiß, wo ich bin und kehre zurück nach Vålerenga und mache mich auf den Weg nach Hause.

Viel könnte ich bestimmt noch schreiben über diesen spannenden Stadtteil, der mich an meinen Moritzberg zuhause erinnert, auch voll von Geschichte, Geschichten und stolzen Bewohnern, die sich nur „aufm Berge“ wohl fühlen. Ich werde das Buch des Geschichtsvereins Vålerenga weiter lesen und bestimmt noch mehr als einmal in den Osten zurückkehren und Euch mehr berichten. Als nächstes steht ein Eishockeyspiel auf meinem Kalender, vielleicht Vålerenga gegen Stavanger Oilers…..Ihr lest dann davon!

Zum Abschluss ein Gedicht von Kyter’n alias Wilhelm Holteberg Hansen, dem Hausdichter von Vålerenga, der sein Leben lang in der Islandsgata lebte.

Islandsgata – av Kyter‘n

Den gata jeg bor i er stille og rolig

I hele mitt liv har jeg her hatt min bolig.

(Die Straße, in der ich lebe, ist still und ruhig

Mein ganzes Leben lang hatte ich hier mein Domizil.)

Her vokste jeg opp blant et mylder av unger

Og utslitte mødre med angrepne lunger.

(Hier wuchs ich auf unter vielen Kindern

Und erschöpften Müttern mit angegriffenen Lungen.)

Og fedrene drakk for å prøve å glemme

Den bunnløse armod som rådde i hjemmet.

(Und Vätern, die tranken, um zu vergessen

Die bodenlose Armut, die zuhause herrschte.)

Ja, tidlig jeg stiftet bekjentskap med nøden

Som hjerteløs dømte så mange til døden.

(Ja, früh schon machte ich Bekanntschaft mit der Not

Die herzlos so viele in den Tod trieb.)

For mange var de som i kampen gikk under

Heroiske sjeler som levde som hunder.

(Für viele waren die, die im Kampf untergingen,

heroische Seelen, die wie Hunde lebten.)

I tankene ser jeg dem slite og streve

De ofret seg selv for at vi skulle leve!

(In Gedanken sehe ich sie kämpfen und ackern,

sie opferten sich selbst, damit wir leben können.)

Og ungene fødes og oldinger dør.

Og gata? Den ligger der stille som før.

(Und Junge werden geboren und Alte sterben.

Und die Straße? Die liegt dort so still wie zuvor.)

Meine lieben Leser aus Ost und West, aus Norden und Süden, ich höre Euch mit den Füßen scharren und sehe fast die Frage, die über Eurem Kopf steht: Fotosafari?? WO SIND DIE FOTOS????

Hier!

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Sotahjörnet (rechts Emblem vom Sportverein)

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Endlich eine Fahne!!! Ganz am Schluss entdeckt!

So, das war meine erste Tour nach Vålerenga….

Gratulation, Ihr habt das Ende der Fotosafari erreicht! Ich hoffe, sie hat Euch Spaß gemacht und Ihr begleitet mich nächste Woche wieder. Meine wöchentlichen Grüße gehen diese Woche an alle Moritzberger in meiner Heimatstadt Hildesheim: In der Bergstraße und am Krehlaberg, der Zierenbergstraße und der Elzer Straße, an der Gelben Schule und dem Entenbrunnen, der Christuskirche und Räder Emmel und und und – man ist nie wirklich weg von Zuhause, richtig?

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, seid mal wieder patriotisch, viel Glück bei neuen Jobs und alltäglichen Aufgaben, vergesst nicht zu lachen und ta det med ro!

Ha det bra,

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Ulrike