Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Heute gibt es Fårikål!

Am letzten Donnerstag im September feiert Norwegen Fårikålens Festdag. Ganz Norwegen? Nein! Eine von unbeugsamen Deutschen bevölkerte Wohnung in der Sorgenfrigata 10A leistete bislang Widerstand gegen das norwegische Nationalgericht.

Bis heute.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute wird gekocht! Und zwar stürze ich mich auf DAS norwegische Nationalgericht, das im Herbst alle Küchen, Restaurantmenüs und Supermarktregale bestimmt: Fårikål. Der Name sieht lustig aus und heißt übersetzt Schaf im Kohl.

Und mehr ist es auch nicht.

Schaf und Kohl.

Da nächste Woche der alljährliche Fårikål -Festtag ist und ich ja versprochen hatte, etwas typisch Norwegisches zu beschreiben, bot sich Fårikål an. Mein erster Gang beim Kochen von norwegischen Nationalrezepten führt, wie immer, in die Deichmanske Bibliothek hier in Majorstuen, um meine beiden Lieblingskochbücher auszuleihen.

Doch, oh Graus!!!!

Irgendein unverschämter Mensch war mir zuvorkommen und statt der breiten Buchrücken springen mir an gewohnter Stelle nur zwei Lücken im Regal entgegen. Also, das ist doch…das ist doch…HALLO!? So geht das nicht! Ich werde mir die Bücher kaufen. Beide. Morgen. Und dann kann mich die Bücherei mal. Oh, Verzeihung, das war nicht hübsch gesagt. Dabei muss ich doch auf meine Sprache jetzt achten. Egal. Desperate times call for desperate measures. In der allergrößten Not….naja und so weiter…wo war ich?

In der Majorstuen Bibliothek, genau. OHNE Buch.

Aber in der Internetwelt von heute dauert es natürlich keine Minute, bis ich unzählige Fårikål-Rezepte online gefunden habe. Ich entscheide mich für das von Wenche (oder eingedeutscht: Wencke) und versuche, mir die unglaublich umfangreiche Zutatenliste zu merken:

1 kg Lammfleisch oder Fårikålfleisch

1 kg Weißkohl

Ganze Pfefferkörner

***

Ja, das war es schon. Dann noch Kartoffeln als Beilage und fertig ist das Nationalgericht. Bin jetzt schon gespannt auf das Rezept. Ist bestimmt wahnsinnig kompliziert!!!

Statt wie üblich zu KIWI gehe ich diesmal zu REMA1000 einkaufen und frage mich, warum ich das nicht öfter mache. Vom Stil her wie das gute alte ALDI: Kultige Billigmarken bestimmen das Angebot. Die Gemüseabteilung ist ordentlich und ohne jeglichen Schimmel – eine Sache, die mich beim KIWI gegenüber immer in den Wahnsinn treibt.

Dass Fårikål Saison hat, erkenne ich auf den ersten Blick (ich Fuchs!) an den Kisten voller Weißkohl. Ein Kohlkopf mittlerer Größe wandert in meinen Einkaufskorb. So, nun Fleisch. Hm. Ich stehe vor einem Regal mit Lammbraten und Lammfilet…das kann es nicht sein. Eine norwegische Hausfrau geht an mir vorbei und legt dabei eine Packung „Fårikålkjott“ in ihren Korb. OHO! Wo hat sie das her? Ich wandele auf ihren Spuren und stehe bald vor dem richtigen Kühlregal.

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Pfefferkörner sind auch noch schnell gefunden, ab geht es zur Kasse, 140 NOK für alles zusammen, das ist günstig! Zuhause angekommen, wird das unglaublich komplizierte Rezept konsultiert. Achtung an alle zum Mitschreiben:

  1. Kohl schneiden.
  2. Fleisch und Kohl in Topf stapeln, jede Lage mit Pfefferkörnern bestücken und gut salzen.
  3. 3 dl kochendes Wasser dazu.
  4. Alles aufkochen.
  5. Auf kleiner Flamme 1,5 bis 2 Stunden köcheln lassen.

Fertig.

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Ich bin irritiert, als ich lese, dass der Kohl in „båter“ geschnitten werden soll. In BOOTE? Schon sehe ich mich fluchend filigrane Wikingerschiffe aus Weißkohl schnitzen und verstehe voller Schrecken, warum das Rezept ansonsten so einfach ist.

Klar, wenn ich stundenlang an norwegischer Kohlkunst verzweifele!

Aber da ich eher grobmotorig veranlagt bin, fabriziere ich kurzerhand Kohl-Boote im Bauhausstil. Funktional. Schlicht. Rein in den Topf.

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Eines der Boote legt sich mit der Schwerkraft an, verliert, ich entdecke beim Aufheben, dass der Küchenschrank mal wieder geputzt werden sollte, erledige das schnell, entsorge den Kohl, stelle den Herd auf 3 und bin mal wieder ein Fan des Multitaskings.

Der Topf ist bis oben hin gefüllt mit Lamm und Kohl. Fertig. Herd auf Stufe 3. Küchenreh auf eine Stunde stellen. Fertig.

Von dieser unglaublichen Arbeit ganz geschafft, gönne ich mir ein zweites Frühstück. Dabei lerne ich, dass Fårikål im Juni 2014 in einer Umfrage von Landwirtschaftsministerium und IPSOS von 45% aller Befragten zu DEM norwegischen Nationalgericht erklärt wurde. So wie schon 1972 als die Radiosendung Nitimen vom NRK dieselbe Frage stellte und dabei ebenfalls die beliebte Kohlkasserolle gewann. Wann genau Fårikål zum ersten Mal auf norwegischen Tellern zu finden war, ist unbekannt. Aber dass es noch für viele Jahre zu finden sein wird, das ist sicher. Und wer nicht nur lecker essen sondern seinen Gästen auch ein bisschen passendes Programm bieten möchte, der ist auf der Fårikål-Website bestens aufgehoben. Hier finden sich neben interessanten Tischsets zum Selberausdrucken auch launige Limericks. Achtung. Hier kommt das Original:

En utgammel vær i fra Kvam

Ble solgt som det møreste lam,

Det kokte en uke,

Men smakte som ruke

Og lukten var minst like stram.

Der alte Widder verdient unser Mitleid, mein Norwegisch auch, denn es reicht nicht für eine komplette Übersetzung. Hier verlasse ich mich auf meine Leser und einen entsprechenden Kommentar.

Ein köstlicher Geruch füllt die Küche. Schnell noch Kartoffeln gekocht und schon bald sitzen wir am Tisch und probieren unseren ersten Fårikål.

SO LECKER! Und so einfach….

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***

So, das war es schon für heute aus meiner Küche. Nächste Woche beantworte ich eine Frage, die mir wiederholt gestellt wurde: „Wie ist das, in Norwegen ein Kind zu bekommen?“ In den Grundzügen so wie in jedem anderen Land, vermute ich :). Aber ein paar Unterschiede in Bezug auf Hebammen, Krankenhaus etc. gibt es natürlich. Und nach vier Wochen habe ich jetzt wahrscheinlich auch eine ganz gute Distanz zu Schwangerschaft und Geburt und kann wirklich Tipps und Infos geben. Und wenn ich schon mal dabei bin, werde ich auch gleich mit Klischees und gut gemeinten, aber falschen, Ratschlägen aufräumen. Und das heilige Thema „Stillen“ angreifen. Natürlich, wie immer, alles rein subjektiv, aber damit nicht weniger wahr ;).

Nächste Woche kommt meine Mutter zu Besuch, was nicht nur klasse ist, sondern auch den Vorteil hat, dass ich den Blog wieder in Ruhe schreiben kann. (Das ist auf alle Fälle mein Plan :)….) So wie heute, wo sich Martin gerade mit seiner quietschenden Tochter beschäftigt.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, kocht was Schönes und erzählt mir davon, genießt den Herbst und überlegt mal, wofür Ihr dankbar seid im Leben.

Ha det bra,

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(Fårikål, Ulrike und Gesa….Foto by Martin)

 

Ulrike

 

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Darf ich vorstellen? Die Steckrübe. ODER Heute wird gekocht!

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@http://www.hvordan.no/26959/hvordan-bruke-kalrot-i-matlaging

In Deutschland hat sie einen schlechten Ruf: Viehfutter, Kriegsessen, Arme-Leute-Schnitzel wird die Steckrübe genannt. In Kriegszeiten wurde aus dem eigentlichen Viehfutter eine Nahrungsalternative – manchmal die einzige, die es gab. „Früh Rübensuppe, mittags Rübenkoteletts, abends Rübenkuchen“, hieß es bereits im ersten Weltkrieg. Manche haben genug Steckrüben für drei Leben gegessen. Dabei ist die arme Rübe ganz unschuldig in schlechten Ruf geraten. Ich kann mich, in manchem Sinne glücklicherweise, nicht erinnern, jemals Steckrüben gegessen zu haben. Dann kam ich nach Norwegen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Ich habe Euch heute mal mit in die Küche genommen. Warum? Heute wird gekocht! Eine einfache, schmackhafte und günstige Steckrübensuppe brodelt auf dem Herd und es riecht schon gut.

Bevor ich also nach Norwegen kam, kannte ich die Steckrübe nur vom Hören-Sagen. Ich wusste, dass meine Mutter Steckrübensuppe liebt, mein Vater nicht. Das war es. Nun stand ich im norwegischen Supermarkt in der Gemüseabteilung einer Art gelbem Kohlrabi gegenüber und fragte mich, was das wohl sei. Mehr nicht. Kurze Frage, keine Antwort außer „Kålrot“ auf dem Schild, weitergehen. Auf meiner Suche nach typischen norwegischen Gerichten stieß ich in der folgenden Zeit immer wieder auf die lila-gelbe Rübe. Doch erst ein Besuch bei Freund Erik verschaffte mir den ersten Genuss des unbekannten Gemüses. Erik ist ein Gourmet und Kochliebhaber und zauberte aus einer Rübe, Butter und Knoblauch etwas – Kööööstliches. Ich starrte fasziniert auf die kleinen, gelben Würfel auf meinem Teller. DAS musste ich auch ausprobieren!

Gesagt, getan! Und wo lässt sich ein Kochexperiment besser aufzeichnen als hier im Blog?

Eben.

Darum also: Heute wird gekocht! Steckrübensuppe!

Zuerst gilt es, ein Rezept zu finden. Erstaunlicherweise sehe ich viele deutsche Rezepte, anscheinend sind Steckrüben in deutschen Küchen doch beliebter, als ich dachte. Keine Ahnung, wie es Euch geht, aber Rezepte ohne Fotos scheiden aus – am liebsten habe ich richtig professionelle Bilder. Aha, hier…das sieht köstlich aus, ein rustikaler Teller mit einer köstlich aussehenden Suppe, getoppt mit Croutons und Petersilie. DAS will ich auch!

Fix die Einkaufsliste geschrieben (Rezept folgt später für Euch) und ab in den KIWI gegenüber. Ich entreiße zwei Rüben ihrem Familienverband,…

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…mache sie mit ihren neuen Freunden Kartoffel und Lauch bekannt und eile zurück nach Hause. Ab in die Küche. – Für mich ist die Küche der schönste Raum der Wohnung. Der Raum, in dem ich mich am wohlsten fühle. Ort von Erfolgen und Katastrophen. Je größer die Küche, umso besser, idealerweise mit Esstisch oder gar Sofa. Aber genug philosophiert, ran an die Rübe.

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Mein Rezept schlägt vor, das Gemüse von unnötiger Schale zu befreien. Gute Idee! Das heißt in Norwegen zu allererst: Weg mit der Plastikhülle. Erledigt. Dann gilt es, zwei Steckrüben, eine Kartoffel, Lauch, zwei Zwiebeln und eine Knoblauchzehe zu putzen/schälen. Gemüse schälen ist mein persönliches Yoga. Ehrlich! Nichts beruhigt mich mehr, als einen Eimer Kartoffeln zu schälen. Die stupide, aber nützliche Arbeit mit ihren sich wiederholenden Bewegungen macht meinen Kopf frei, Gedanken laufen durcheinander, Probleme lösen sich irgendwie und ich werde ganz ruhig. Ommmmmm. Meditatives Gemüseschälen sollte ich es nennen. Klappt natürlich nur, wenn man sich Zeit lässt. Hektisches Geraspel bringt rein gar nichts und killt den Spaß am Kochen ab der allerersten Minute.

Schäl, schäl, raspel, raspel. Ich liebe Gemüseschäler. Erinnert Ihr Euch an die Szene in Schlaflos in Seattle, als Meg Ryan in die Küche geht, um heimlich Radio zu hören? Sie schafft es, einen Apfel so zu schälen, dass die Schale ein langes, grünes Band wird, das wie eine Girlande auf den Teller fällt. Mein Versuch an der Steckrübe scheitert. Naja, ich bin ja auch nicht Meg Ryan. Auf jeden Fall liegt die Rübe jetzt nackt vor mir. Es riecht nach Kohlrabi und die Rübe fühlt sich auch ähnlich an. Nur die Farbe ist anders. Tatsächlich wird die Steckrübe auch Bodenkohlrabi genannt, klärt mich wikipedia auf. Weiter geht es mit Zwiebeln und der größten Art Knoblauch, die ich jemals gesehen habe.

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Zwiebeln schneiden mag nicht jeder, aber mit ein bisschen Wasser auf Messer und Gemüse geht es einfach und tränenfrei.

Toll, oder, was Ihr hier für Tipps mitbekommt?

Dabei hasse ich es, ungefragte Tipps zu erhalten. Kennt Ihr das? Ihr seid, beispielsweise, in der Küche beim Kochen und habt Zuschauer, die sich gemütlich an die Küchenfront lehnen. Und dann geht es los: „Ach, so machst du das? Ich schneide Zwiebeln ja immer anders.“ – „Hm, interessante Art, um Nudeln zu kochen.“ – „Komm, lass mich mal machen, SO geht das viel besser…“ Wie geht Ihr damit um? Ich ganz prima: Ich werde im Handumdrehen zur Furie. Meine Küche, meine Regeln, meine Art, Zwiebeln zu schneiden. Und wenn ich beschließen sollte, sie in die Höhe zu werfen und mit den Handkanten zu würfeln…meine Sache. Gutgemeinte Ratschläge sind willkommen, wenn ich danach frage. Und nur dann. Und dann bin ich sehr froh, Menschen zu haben, die ich fragen kann und die mir gerne helfen. Aber ungefragte Besserwisser brauche ich nicht. In keinem Aspekt meines Lebens, ergo auch nicht in der Küche…da wird ja die Suppe sauer!

So, alles fertig geschält und geschnippelt. Meditationsphase beendet.

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Raus mit dem mittelgroßen Kochtopf und der Butter. Schmelzen lassen und hinein mit Zwiebeln und Megaknoblauch. Hmmmmmm…gibt es einen besseren Geruch, als den von gedünsteten Zwiebeln und Knoblauch? Köstlich! Mein Chef Harry im kanadischen Restaurant hasste den Geruch – sehr ungewöhnlich für seinen Berufsstand und eine echte Herausforderung für die Küchencrew. Langsam wird der Topfinhalt glasig..hinein mit dem Rest des Gemüses. Kräftig mischen und 20 Minuten garen lassen. Ein sehr stressfreies Rezept bisher und damit sehr norwegisch, finde ich. Warum haben sich wohl gerade die Norweger der Steckrübe angenommen? Auch hier muss sie als Arme-Leute-Essen gestartet haben, aber heute gehört sie gleichberechtigt neben Broccoli, Rosenkohl oder Pilzen auf den Teller. Viele klassische Rezepte benötigen die lila-orange Rübe: Zu Weihnachten etwa Pinnekjøtt med kålrotstappe (Getrocknetes Lammfleisch mit Steckrübenpurree), Kålrotsuppe, Kålrotgrateng (Gratin). Die Steckrübe dient als Alternative zur Kartoffel. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, das ungeliebte „Viehfutter“ in so unterschiedlichen Rezepten zu probieren. Angeblich gibt es keine norwegische Küche. Unsinn, finde ich. Vielleicht muss man nur ein bisschen besser suchen. In dem wunderbaren Buch Norges nasjonalretter (Norwegische Nationalrezepte) von Starkoch Arne Brimi finden sich wunderbare Gerichte, gepaart mit einer Beschreibung der Region, aus der sie stammen.

Wer noch ein Geburtstagsgeschenk für mich braucht……….

Ab mit der Brühe ins Gemüse und auf kleiner Hitze für 60 Minuten köcheln lassen. Moment, wieso steht der Lauch hier noch, unangetastet in seiner Schale? Der soll wohl kaum roh…..Ein Blick ins Rezept und ich fühle mich auf französische Umleitungsstraßen versetzt: Erst sind die Hinweise ganz klar und mitten in der Buttnik lassen sie dich allein. Nun also allein mit dem Lauch. Ich sollte ihn waschen und schneiden und dann….dann wird er nicht mehr erwähnt. Ratlos blicken wir uns an. Hm. Ach, was soll’s? In die Suppe muss er ja eh, also rein damit. Ich fühle mich so kücheneloquent wie Mrs. Patmore.

Boah, war das jetzt ein geschickter Übergang??? Die ganze Zeit habe ich überlegt, wie ich meine neue Lieblingsserie in diesen Blog einbinden kann und nun das.

Brilliant.

„Wer ist Mrs. Patmore?“, höre ich Euch fragen und noch vor wenigen Wochen hätte ich auch so reagiert. Nun aber habe ich drei Staffeln und zwei Weihnachtsfolgen von Downton Abbey verschlungen und bin schlauer. In dieser wunderbaren Mischung aus Gosford Park und das Haus am Eton Place schlägt das Leben derartig erbarmungslos zu, dass die nächste Steigerung nur noch die Entführung des kompletten Hausstandes durch Aliens sein kann. Die Crawley-Familie und ihre Angestellten erwischt es seit 1914 schlimmer als die Kennedys, und das will was heißen. Die bisher teuerste TV-Produktion des BBC ist ein Straßenfeger und ich ihr neuester Fan. Und Mrs. Patmore? Sie ist die resolute Köchin von Downton Abbey, rund und rothaarig, mit harschem Ton und weichem Kern. Mit ihr würde ich gerne mal kochen.

Oho, noch 5 Minuten, dann ist das Gemüse fertig. Die Zeit rast und die Küche riecht himmlisch! Uhhhhh, mein Reh klingelt!

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Zeit für den nächsten Schritt! Kurzer Test, jawohl, alles gar. Nun die Lorberblätter suchen.

Hm.

Wie viele hatte ich eigentlich hineingetan?

2?

Wahrscheinlich, auf jeden Fall finde ich nicht mehr.

Passt schon.

Uih, wie das duftet!

Nun wird püriert!

Und nun…..PROBIERT!

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Sehr, sehr lecker! Mit vollem Bauch und wohligem Gefühl kehre ich an den Computer zurück. Ein Hoch auf die Steckrübe. Nehmt sie doch auch auf Euren Speiseplan, schließlich kann die Rübe nichts für ihre Vergangenheit. Mal sehen, was Ihr so zaubert!

Hier das Suppenrezept:

1kg Steckrüben, 2 Zwiebeln, ½ Knoblauchzehe, 150g Kartoffeln, ½ Stange Lauch, Salz, Lorbeerblätter (2?), 100g Butter, 1,5l Gemüsebrühe (ich musste hinterher noch mehr dazugeben, aber probiert selber aus), Pfeffer, Salz, Roggenbrot, saure Sahne, Petersilie.

Gemüse waschen. Rüben schälen und in Würfel schneiden. Zwiebeln schälen, fein würfeln. Knoblauch zerdrücken, Kartoffeln schälen und würfeln. Lauch in Scheiben schneiden.

100g Butter schmelzen, Zwiebeln und Knoblauch andünsten. Gemüse und Lorbeerblätter dazu und 20 Minuten auf kleiner Hitze garen.

Gemüsebrühe dazugeben, mit Salz und Pfeffer würzen, 1 Stunde köcheln lassen bei geringer Hitze. Nach 1 Stunde Topf vom Herd ziehen, Lorbeerblätter suchen und rausfischen, und Suppe sämig pürieren. Mit Gewürzen nach Geschmack abwürzen (bei mir: Curry und Pfeffer).

1 Scheibe Roggenbrot würfeln und in Butter anbraten. Suppe auf Teller, mit saurer Sahne, Brotwürfeln und Petersilie toppen.

Guten Appetit! Vel bekomme!

So, das war es für heute meine lieben, nun bestimmt hungrigen, Leser! Schön, dass wir einen Freitagnachmittag gemeinsam in unserer Küche verbracht haben. Vielleicht passiert das jetzt häufiger, denn außer der Steckrübe gibt es noch mehr Dinge im norwegischen Supermarkt zu entdecken. Es bleibt spannend!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, esst lecker und gesund, probiert Neues aus und bleibt dabei, wie Ihr seid!

Ha det bra,

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Ulrike

Von ideologischen Paradoxen, Trockenfisch zu Weihnachten und Veganern mit Blutwurst-Therapie

Was ist ein Paradox? Wikipedia definiert Paradox so: „ (…) scheinbar oder tatsächlich unauflösbarer Widerspruch“. Ein Paradox ist also: Eine Vegetarierin beschreibt die norwegische Küche. Hallo meine lieben in 7er Gruppen hungrig guckenden Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Wie versprochen, widmet sich der heutige Blog der norwegischen Küche und ihren mannigfaltigen Fleisch- und Fischrezepten. Gemüserezepte sind eher selten, denn das Vegetariertum in Norwegen steckt in seinen Kinderschuhen.

Nein, das ist falsch.

Es krabbelt eher in Babysocken vor sich hin.

Das Prinzip von Gemüse als Hauptmahlzeit wird kritisch betrachtet und ich vermute, dass Vegetarier in manchen Bergdörfern als Werkzeug des Teufels angesehen und mithilfe geräucherter Rentierkeulen über die Felder getrieben werden. Der Zustand „vegan“ findet sich auf der Liste gefährlicher Krankheiten, vermute ich mal weiter fröhlich vor mich hin, und wird von Landärzten mit Blutwurst behandelt. Generell gilt: Fleisch ist geil! Es bedeutet „Wohlstand“ und Gäste werden traditionell eher mit Fleisch als mit Fisch bewirtet. Aber dies soll ja kein ideologischer, sondern ein kulturell-kulinarischer Blog werden. Auf geht’s also, vorurteilsfrei und gespannt!

Was ist typisches norwegisches Essen?

Startpunkt für meine Recherchen waren Freunde und Schulkollegen, doch deren Antworten waren nicht immer befriedigend: „Pølser! – Pizza Grandiosa! – Fish Mac?“ schallte mir entgegen. Nun gut, Pølse med lompe ist allgegenwärtig in Oslos Straßen und Kiosken ; das Würstchen im Teigfladen erfreut sich allerhöchster Beliebheit. Pizza Grandiosa ist Kult und nicht wegzudenken aus norwegischen Tiefkühltruhen. Einer unbestätigten Statistik zufolge verschlingen 5 Millionen Norweger jährlich 24 Millionen Grandiosa-Tiefkühl-Pizzen. Das lasse ich mal so stehen.

Von meinen unzuverlässigen Interviewpartnern wechselte ich zu norwegischen Restaurants. Und stieß auf ein erneutes Paradox: Norwegen/Restaurant. In Oslo gibt es Unmengen von Restaurants: Von albanischer bis zypriotischer Küche ist fast alles vertreten. Das einzige Restaurant, das in Majorstuen mit norwegischer Küche prahlte, bot Kjøttkaker und Wiener Schnitzel.

Die Deichmanske Bibliothek war mein nächster Anlaufpunkt und hier endlich wurde ich fündig: In einem kleinen Bücherregal stieß ich auf ganze sechs Bücher zur norwegischen Küche. Sechs! (Geht doch bitte mal in Eure Stadtbibliothek und zählt die Bücher über deutsche Küche. Ich vermute, Ihr kommt auf 50…mindestens….) Aber immerhin sechs Bücher! Ich entschied mich für „Norsk mat og kultur“, weil ein hübsches Bild das Cover ziert und begann zu lesen.

Ein Land über sein traditionelles Essen kennenzulernen ist kein origineller, aber wunderbar befriedigender Weg. In Theorie allerdings weniger befriedigend, aber ich bin ja noch im Anfangsstadium.  Schnell war klar: In Norwegen kommt auf den Tisch, was das Land/der Wald/das Meer zu bieten hat. Die Rezepte erzählten mir ebenso viel über die Landschaft in Norwegen wie die angefügten Bilder. Hier eine Reihe norwegischer Gerichte, die in euren Köpfen eine Bilderflut starten wird:

Elchfilet mit Pilzsauce, Lammkoteletts mit Rosmarinkruste, Dorsch mit Schnittlauchbutter, Blutpudding mit Brot, Familie Kochs Weihnachtsschinken, Mandel-Kartoffelsuppe, Gekochter Lachs mit Gurkensalat, Lammeintopf mit Weißkohl, Fischsuppe aus Vikna, Heringssuppe, Geräucherter Lammfleisch mit frittiertem Kohl, Gedeckter Apfelkuchen, Nusskuchen mit Torfbeerenkäse, Rhabarberkuchen mit Rahmsauce.

Na? Hunger?

Die norwegische Küche ist deftig und wirkt ehrlich und bodenständig auf mich. Nur dem Gemüse sollte aus seinem Beilagen-Dasein geholfen werden.

Eines der herausforderndsten Gerichte in Norwegen ist Rakfisk, knapp gefolgt von Lutefisk. Rakfisk ist eine für mehrere Monate eingelegte Forelle, die ohne weiteres Kochen nach besagten Monaten roh verzehrt wird.

Warum weiß niemand. Vielleicht als Strafe?

Lutefisk ist ein traditionelles Weihnachtsessen und besteht aus einem in Lauge eingelegten Trockenfisch, der durch die erneute Wasseraufnahme aufbläht und gummiartig wird. Glücklicherweise gibt es dazu eine Menge Aquavit. Prost und Mahlzeit! Brot darf bei keiner Mahlzeit fehlen und die Norweger lieben ihr smørbrød zum lunsj oder Frühstück. Eine der beliebtesten Varianten ist das grøvbrød, was wir wohl als Mehrkornbrot oder Vollkornbrot bezeichnen würden.  Ansonsten gilt: Fleisch und Fisch her! Kjøttkaker, Fleischkuchen, sind anscheinend ebenso beliebt wie Kjøttboller, die bei IKEA auf jedem Teller rollenden Fleischbällchen. Sild ist Hering und die Norweger lieben ihn eingelegt in verschiedene Saucen und mit Kartoffeln. Ganz Hartgesottene haben sild zum Frühstück. Lachs ist in allen Variationen beliebt und gehört zu den wohl wichtigsten Exportschlagern Norwegens.

Die Norweger lieben Nachtische und auch hier fühle ich mich immer wieder nach Saltkrokan versetzt oder in die Villa Kunterbunt. Waffeln mit Johannisbeermarmelade, Apfelkuchen mit Sahne und Zimt, Zuckerbrot und Reismehlkuchen sind nur einige der traditionellen Rezepte, die mir beim Lesen von „Norsk mat og kultur“ das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. (Und: Ja, ich weiß, dass Astrid Lindgren Schwedin ist, aber es passte sich so nett.)

Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, meine lieben Leser: Ich habe Hunger bekommen. Mal sehen, welches Rezept es heute bis auf unseren Abendbrottisch schafft! Während des Schreibens ist ein interessanter Konflikt in mir entstanden: Die Neugier auf viele der vorgestellten Rezepte versus mein Nein zu Fleisch und (größtenteils) Fisch. Was nun? Ganz einfach: Ich suche weiter. Und zwar nach norwegischen Gemüserezepten, -suppen, -aufläufen. Falls Ihr zufällig einige kennt oder findet, schickt sie mir doch bitte!

Das war es für heute, meine lieben Leser. Wir haben das kulinarische Norwegen in Theorie angekratzt, die Praxis wird folgen! Ich wünsche Euch allen ein köstliches Wochenende, bleibt neugierig, genießt den Herbst und drückt mir morgen um 14h die Daumen beim KK Mila- 10km-Lauf in Oslo.

Ha det bra,

Ulrike 🙂