Fotosafari Oslo Teil 1: Majorstuen – Wo man seinen Hund nicht lüften darf

Hastverk er lastverk, sagen die Norweger. Gut Ding will Weile haben. Dem weisen Sprichwort folgend, suchen wir schon seit längerem eine Wohnung oder ein Haus hier in Oslo und sind hin- und hergerissen zwischen Stadt und Vorstadt. Eines wird aber immer deutlicher: Wir fühlen uns wohl in unserem Viertel. Und das stelle ich Euch heute mal vor. Majorstuen.

Hallo, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, schön, dass Ihr wieder hier seid! Heute begeben wir uns gemeinsam auf Fotosafari und ich zeige Euch „our ʹhood“, unser Wohnviertel hier in Oslo. Ein grauer Novembertag ist nicht die ideale Ausgangssituation für eine Fototour, und beim Herumstreunern habe ich auch viele hässliche Ecken gefunden, aber glaubt mir: Es ist toll, hier zu wohnen. Seid Ihr bereit? Auf geht’s.

Velkommen til Majorstuen!

Oslo ist durchzogen von einer unsichtbaren Grenze entlang einer sehr sichtbaren Grenze. Die Akerselva oder Akerselven fließt von Norden zum Oslofjord und teilt die Stadt in einen östlichen und einen westlichen Teil. Das ist die rein geografische Trennung. Ähnlich wie in Paris das Rive Gauche und Rive Droite trennt den Osten und den Westen der Stadt aber mehr: Traditionen, Kultur und nicht zuletzt Geld. In Oslo spricht man von Ǿstkanten und Vestkanten, der Ost- und Westseite.

Der Westen hat traditionell etwas mehr Geld, der Osten dafür mehr Stimmung. Im östlichen Bezirk Grünerløkka tobt die Künstlerszene, in Grønland das Multikultileben. Zu den westlichen Stadtteilen gehören Frogner oder Briskeby mit herrschaftlichen Stadthäusern, exklusiven Designerboutiquen, Künstlergalerien, Frognerpark und Gourmetrestaurants.  Ein anderer westlicher Stadtteil ist seit Jahren bekannt für Nachtleben und Shopping. Majorstuen.

Ja, aber man kann hier trotzdem gut leben! *lach*

Die Lebensader des Viertels ist der Bogstadveien, die längste Einkaufsstraße Norwegens. Hier findet jeder was er sucht. Oder sie. Mehr sie, als er. Obwohl Männer auch furchtbar gern shoppen. Schauen wir uns hier also mal um.

(ich entschuldige mich schon mal bei allen Fotokennern….Manche Fotos sind wirklich gruselig)

Hier also der quasi der Beginn des Bogstadveien, gleich kommt….

…unsere Lieblingsbäckerei samt Café. Kein Wunder, dass Starbucks bisher nur eine Filiale in Oslo hat. Die norwegische Hauptstadt boomt mit anderen Kaffeeläden, von großen Ketten wie Wayne’s Coffee oder Kaffeebrenneriet über Bäckereien wie Baker Hansen oder United Bakeries. Die Kaffeerösterei von Tim Wendelboe in Grünerløkka schaffte es gerade unter die Top Ten Kaffeeplätze weltweit auf der Liste der NY Times. (Auch wenn das Ambiente etwas zu wünschen übrig lässt. Katrin und ich waren diese Woche auf Recherchetour.) Starbucks, eh? Duh. Wir mögen Baker Hansen, unser ständiger Kaffeezulieferer ist aber…

…Deli de Luca, dort gibt es auch fantastischen Orange-Rooisbos-Tee!  „Minibank“ heißen hier übrigens die Geldautomaten, die großzügig verteilt sind. Kein Wunder. Gibt ja auch schöne Geschäfte hier. Für mich gaaaanz gefährlich ist…

…Norli, mein Lieblingsbuchladen. Auf dem Foto seht Ihr auch eines der ersten Wörter, die ich im Norwegischen gelernt habe. „Tilbud“ – Angebot. Gleich gegenüber mein Lieblingsladen auf Bogstadveien. Zara? H&M? Nein, nein, die….

…Eisenwarenhandlung Hegdehaugens. Ein wunderbarer Laden, in dem man von Schulheften über Mausefallen bis zu Porzellantassen alles kaufen kann. An alle Moritzberger Freunde: Ich fühl mich immer irgendwie an „Schubi“ erinnert. Toller Laden!

Das gelbe bzw. rote Ding ist übrigens ein Auto, nur falls da irgendeine Unsicherheit bestand. Hinter dem gelben Auto ist, bei ganz genauem Hinsehen, ein blauer Punkt auf einer silberner Stange zu erkennen. Das ist eine Elektrotankstelle, die hier sehr verbreitet sind. So wie die Elektroautos. So umstritten wie ihr wirklicher Nutzen ist für mich auch das Design. Nicht mal George Clooney würde in einer derartigen Blechkiste sexy aussehen. Auf der Cool-Wall bei „Top Gear“ würde das Elektroauto noch nicht mal bei „extremely uncool“ landen. Aber weiter im Text.

Beim Bummeln fällt mir erstmals auf, wie wieviele Friseursalons hier am Bogstadveien um ihre Kunden kämpfen. Manche haben da, vermute ich, weniger gute Chancen. Ich grüße an dieser Stelle Daria, die mich auf diese wunderbaren Namen aufmerksam gemacht hat! Man hätte also am Bogstadveien die Wahl beispielsweise zwischen…


oder…

Nun ja. Es soll ja mutige Menschen geben.

In den Seitenstraßen liegt der wahre Reiz Majorstuens für mich. Für eine Wohnung in einem dieser wunderschönen, alten Häuser würde ich morden…

Naja, ihr versteht schon.

Natürlich nicht wirklich.

Macht man doch nicht.

Wegen einer so profanen Sache wie einer Wohnung.

Ehrlich.

Albern.

Obwohl…..

Guckt doch selbst, ist Majorstuen schön oder schön oder schön???? (Huch, ich stelle gerade fest, dass ich die schönen Häuser nicht fotografiert habe. Naja. Doof jetzt. Müsst Ihr Euch den Rest vorstellen!)

Majorstuen oder Majorstua, hier scheiden sich immer noch die Geister. –stuen zeugt mehr vom dänischen Erbe, -stua beinhaltet die rein norwegische Endung auf –a. Ich habe tolle dänische Freunde und bleibe bei Majorstuen. Zentral liegt der Bezirk auf jeden Fall und das ist ein unschätzbarer Vorteil. Bis auf die kleinen Fähren sind alle Verkehrsmittel Oslos vorhanden. Wir haben die Trikk, die Oslo-Variante der Straßenbahn, und…

….die T-Bane, kurz für Tunnelbane. Alle U-Bahnlinien bedienen das Verkehrskreuz Majorstuen. Super!

Das blaue T im weißen Kreis steht für T-Bane. Vorne links eine Werbung für Norwegens größte Tageszeitung „Aftenposten“, hinten rechts ein „Narvesen“, die große Kioskkette des Landes.

Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs wird ergänzt durch zahlreiche Busse…

…und wer sportlich sein will, nimmt das Oslo Sykkel:

Abgesehen vom Fahrrad ist man mit allen anderen Verkehrsmitteln in wenigen Minuten ostwärts im Stadtzentrum und in nur 15 Minuten mit Skien bepackt mitten im schönsten Waldgebiet. Daran kann man sich gewöhnen.

Auch für das literarische Wohl ist in Majorstuen gesorgt: Direkt hinter der T-Bane-Station liegt die Filiale der Deichmanske Bibliothek.

Wer nach Erlösung sucht, ist auch in Majorstuen an der richtigen Stelle. Das Hauptquartier der Heilsarmee-Korps Majorstua liegt am Kirkeveien.

Von der T-Bane-Station Richtung Heilsarmee und dann noch ein paar Schritt weiter und der Frognerpark und damit die Grenze von Majorstuen ist erreicht. Frogner beginnt. Die Häuser werden zu Villen, Botschaften tauchen auf und die Kaffeeketten weichen exklusiveren Designermöbelläden. Ich biege in den Frognerpark ab und mache mich auf den Weg nach Hause. Wo es heute abend laut werden wird, denn „Twilight“ hat Premiere im Colosseum-Kino.

(Wie funktioniert Product Placement eigentlich genau? Ich müsste mit diesem Bericht einiges verdient haben….)

Das war also eine ganz oberflächliche Führung durch einen Teil von Majorstuen. Seid Ihr noch da???? Ich hoffe, unsere kleine Tour hat Euch so gut gefallen wie mir. Es gibt immer etwas zu entdecken, wenn man genau hinschaut und damit bleibt alles immer neu. Und das ist gut so.

Ich bin gespannt, wann unsere Suche nach einer neuen Bleibe erfolgreich sein wird, wie oft ich zwischenzeitlich noch meine Meinung zwischen Stadt und Vorstadt ändere und wo wir schließlich ankommen werden. Spannend bleibt es auf jeden Fall. Falls jemand jemanden kennt, der eine 3-Zimmer-Wohnung in einem schönen alten Stadthaus in Majorstuen vermietet, MELDET EUCH!!!! Ganz zum Schluss noch ein Foto, das mich seit unserem Einzug hier zum Lachen bringt. Wo wir Deutschsprachler mit unserem Hund Gassi gehen, machen die Norweger etwas anderes:

Ich wünsche Euch eine schöne Woche, lüftet mal wieder Euren Hund, guckt Euch genau um und überlegt, was Eure Nachbarschaft so besonders macht! Besondere Grüße gehen diese Woche an Katrin und Maik, die nächste Woche ans Ende der Welt reisen, statt mit uns Feuerzangenbowle zu trinken! Kommt heile an und, Dudes, viel Spaß!

Ha det bra,

Ulrike

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5 Kommentare zu “Fotosafari Oslo Teil 1: Majorstuen – Wo man seinen Hund nicht lüften darf

  1. Vielen Dank!
    Das ist total witzig, momentan scheint das eine „Mode“ zu sein 😉 Und ich glaube, der hier-> http://www.herzdamengeschichten.de/ ist schuld daran….

    Ich hab mich jedenfalls sehr gefreut, deinen Stadtteil kennengelernt zu haben und bin neugierig und gespannt, was wir nächste Woche erleben dürfen! :o)

  2. Ich werde sofort wieder Koffer packen und Euch besuchen (schon allein wegen „Baker Hansen“). Habe sooo viele Ecken wieder erkannt, „Fernweh“ bekommen und mich gern an unsere schönen 2 Wochen erinnert!! Mutta-Kuss (Keine Panik: Ich bleibe zu Hause!!! 🙂

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