Fotosafari Oslo Teil 3: Frogner ODER Wir sprengen uns eine Tiefgarage

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Nein…das stimmt nicht…Moment mal…das kann doch nicht…ja, doch da steht es…ich drehe ab…da denkt man die ganze Zeit…und dann plötzlich…wie soll denn das gehen…es war doch mein „Hood“…hm, auf dieser Karte sieht es wieder anders aus…aber hier steht es eindeutig…Sorgenfrigata 10 A…Stadtteil: Frogner.

FROGNER?!

Guten Morgen, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es ist Freitagmorgen, der Frühling ist da, die Sonne strahlt, doch über meinem Kopf schwebt eine kleine dunkle Wolke. Da töne ich seit Wochen, wie gut uns unsere Nachbarschaft gefällt, und wie wir UNBEDINGT in Majorstuen bleiben wollten. Einen ganzen Artikel habe ich diesem Ortteil gewidmet. Und was muss ich vorgestern feststellen? Beim Checken im Internet?

(Warum mache ich das auch? Internet, völlig überbewertet, ich lebe ab sofort „Motto Mittelalter“ und lese nur noch Bücher. Jawoll. Ist doch wahr. Ist genauso wie mit der Internetsuche für Krankheiten. Da startet man „leichte Bauchschmerzen“ zu googlen und legt sich hinterher sterbebereit aufs Sofa. Internet. Überbewertet. Ihr bekommt jetzt meine Artikel jeden Monat per Post. Ging doch früher auch!!! Blödes Internet. Dumm nur: Ich bin ein Internetjunkie. Mini-Junkie. Auf eine einsame Insel würde ich nur gehen, wenn sie da Wlan hätten. Teufelskreis. Wo war ich?)

Also, was lese ich im Internet?

„Sorgenfrigata 10A, Bydel: Frogner.“

Natürlich habe ich sofort weiter recherchiert und fand zwei unterschiedliche Informationen: Manche beschreiben den Stadtteil („bydel“) Frogner als Frogner eingegrenzt von Madserut Allee im Westen, Frognerstranda im Süden, Parkveien im Osten und GANZ ENTSCHEIDEND: Frognerveien und Gyldenløves gate im Norden, MEILENWEIT entfernt von unserer Straße. Nach anderen Informationen allerdings ist Frogner eine Art Stadtbezirk, bestehend aus Teilen von Majorstuen (pah!), Briskeby, Uranienborg, Skøyen und Bygdøy und dem eigentlichen Frogner. Nun ist diese Informationsquelle leider nicht irgendein verwirrter Stadthistoriker, der die Grenzen von 1487 zugrunde legt. Es ist die hochoffizielle Seite der Stadt Oslo.

Frogner also.

Nicht, dass wir etwas gegen Frogner haben. Wir wollten da eben nur nie wohnen, weil uns das tiefste Frogner eben viel zu versnobt, reich und elitär erscheint. Ok, nun wollen wir mal nicht so tun, als sei Majorstuen der Stolz der Arbeiterklasse, aber irgendwie ist es hier ein bisschen „edgy“, gemischter, weniger konform. Dafür besitzt Frogner einige der wohl schönsten Straßenzüge in ganz Oslo.

Nun frage ich mich, ob Euch das alles eigentlich interessiert. Da werfe ich mit Begriffen und Straßennamen um mich und Ihr denkt wahrscheinlich: „Häh?“ oder „Bitte?“ (außer meine Leser in Oslo natürlich!) Ich bin also losgezogen, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt von Frogner. Dem eigentlichen Frogner. Dem exklusivsten Stadtteil Oslos. Without further ado folgt nun also eine weitere Fotosafari:

Willkommen in Frogner!

Begonnen habe ich meine Fototour auf der Grenze zwischen Briskeby, Uranienborg und Frogner. An der deutschsprachigen Gemeinde in Oslo, die ich schon so oft erwähnt, aber noch nie gezeigt habe. (Idee: Blog über Gemeinde!) Nach einem kurzen Morgenplausch mit meiner Freundin Daria, die auch gleichzeitig Gemeindesekretärin ist, ging die Safari los.

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Voila: Die evangelische Gemeinde deutscher Sprache in der Eilert Sundts gate.

In derselben Straße, einige Häuser weiter, hat sich vor einiger Zeit einer der wohlhabensten Männer Norwegens niedergelassen, der Familie gehört unter anderem der REMA1000-Konzern, die norwegischen Albrechts sozusagen. Nun ist das Parkangebot in Frogner nicht überwältigend gut und was macht man, wenn die Parkplätze nicht ausreichen und auch die Garagen schon voll sind?

Man sprengt sich eine Tiefgarage.

Klar, mache ich auch immer so.

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Der Verkauf dieser Villa ging 2009 durch die Medien, denn Ole Robert Reidan, Sohn des Konzernchefs, hatte einen wahren Deal errungen: Für die Hälfte des ursprünglich gefragten Preises erstand der Multimilliardär seinen neuen Familienbesitz! 50% gespart hat er und nur 39, 5 Millionen Norwegische Kronen bezahlt. Schnäppchenalarm!!!! Nur 5 Millionen Euro! (Quelle: http://www.dn.no/privatokonomi/article2539253.ece). Aus den eigentlich fünf Wohnungen entstand eine durchgehende Wohnfläche, außer der Tiefgarage wurde auch ein Fahrstuhl eingebaut. Im Januar 2013 gab es allerdings Radau: Sie warteten immer noch auf Rechnungsbegleichung der 8 Millionen Kronen, schrieb die ausführende Elektrofirma, dank derer Herr Reidan nun nicht zu Fuß die Treppen erklimmen muss, sondern den Lift benutzen kann. 8 Millionen NOK seien vielleicht für Herrn Reidan eine Kleinigkeit, für eine mittelständische Elektrofirma aber wesentlich! Die Parteien treffen sich in Kürze vor Gericht.

Nun erwartet bitte nicht zu jedem Haus in Frogner eine Geschichte, im Gegenteil, die folgenden Bilder kommen fast ohne Kommentar!

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Nach der Jagd auf wunderschöne Jugendstil-Architektur brauchte ich einen Kaffee. Ich wollte schon immer mal die Kaffeebrenneriet am Elisenberg ausprobieren, also nichts wie hin da!

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Kurze Zeit später saß ich mit einem Café Latte im Sonnenschein auf der Terrasse und beobachtete Leute. Frogner-Leute. Irgendwann fiel mir ein Muster auf. Ich begann Dinge zu notieren und kann Euch nach eingehender Studie von ungefähr 30 bis 40 Studienobjekten mitteilen, wie man sich kleiden muss, um in Frogner nicht aufzufallen.

Frognerstil

Bei Damen ist die Kombination Parka-Laufhose-Turnschuhe der Favorit, während sich die Männer in Barbour-Jacken hüllen, den Hals mit einem zerknautschten, aber teueren Halstuch umschlingen und die Füße in Chucks werfen. Die Pilotenbrille darf nicht fehlen, natürlich.

Nach dieser interessanten anthropologischen Exkursion, die ich so allerdings auch in Majorstuen hätte machen können, ging es zurück zum eigentlichen Plan: Frogner. Hier weitere Impressionen:

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Die Bjørknes-Privatschule neben der Kaffeebrenneriet…

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…nette Restaurants und Geschäfte…

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…ein Geschäft bietet Designer-Türen für IKEA-Küchen….

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…Jürgen????…..

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Café Fedora, das amerikanische Café in Oslo…

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…das Gimle Kino, ein Programmkino mit tollen Filmen. Hier waren wir zur Premiere von „Gnade“ und trafen auf Jürgen Vogel.

Auch die Nationalbibliothek und das Nobel-Institut liegen in Frogner, ebenso wie fast alle Botschaften oder Botschaftsresidenzen…

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…hier „meine“ Botschaft in der Oscars gate, auf der Grenze Uranienborg/Frogner…

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…und die Residenz des US-Botschafters.

Hier übrigens einer meiner Lieblingsplätze in Frogner, das Foto poste ich mit „lieben Grüßen übern Park!“:

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Mein Spaziergang neigt sich langsam seinem Ende entgegen. Fast zwei Stunden bin ich durch den oberen Teil von Frogner gewandert, den unteren Teil machen wir beim nächsten Mal :). Schön ist es hier, ohne Frage und edel auch. Manchmal ein bisschen zu konform für meinen Geschmack, die häufig homogenen Häuser scheinen sich in den teilweise homogenen Bewohnern wiederzuspiegeln. Aber das ist vielleicht auch nur ein Vorurteil. Zum Schluss noch ein paar gemischte Impressionen, bevor ich mich für heute von Euch verabschiede!

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Himmel über Frogner

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Frogner – wo die Götter wohnen?

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Fürs Personal: „Kücheneingang 3a und 3b“

Das war es für heute, meine lieben Leser, ich hoffe, Ihr hattet ebensoviel Spaß an diesem Frühlingsspaziergang wie ich! Überall fängt es an zu blühen und zu knospen, vor meinem Fenster baut sich eine Taubenfamilie ein gemütliches Nest und die Tage werden endlich wärmer. Das perfekte Wetter um noch weitere Stadtteile zu erkundschaften! Das aber erst ab Mitte Mai, denn erstmal fahren wir nach Deutschland. Wer am Sonntag, dem 5.5. noch nichts vor hat: Kommt nach Hannover und jubelt mich beim 10km-Lauf an. Bei meinem momentanen Trainingsstand sind auch Träger sehr willkommen! Wie immer werden wir nicht alle besuchen können, das ist eben so, nehmt es bitte nicht persönlich! Der Blog hat ebenso Urlaub wie ich und wir freuen uns, Euch am 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, erneut zu sehen!

Bis dahin: Habt eine schöne Zeit, genießt den Frühling und lasst es Euch gut gehen! Meine besonderen Grüße gehen diese Woche an Daria, einfach nur mal so 🙂

Ha det,

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Ulrike

5 Kommentare zu “Fotosafari Oslo Teil 3: Frogner ODER Wir sprengen uns eine Tiefgarage

  1. Hei Ulrike,
    wieder sehr schön zu lesen! Das animiert gleich auch so eine Tour mal zu planen. Das wir ein amerikanisches (was hat man sich darunter vorzustellen?) Cafe haben ist mir auch neu. 🙂
    Ich bin etwas später in D (15.-22.5) und werde dich aus der Ferne anfeuern 🙂
    Lg Christian

    • Fedora ist einfach ein Treffpunkt für Amerikaner hier aus Oslo, Besitzer sind ein mexikanisch-US-amerikanisches Paar. Cupcakes und cajun chicken und maccaroni cheese sind auf dem Speiseplan, US-Feiertage werden dort gefeiert etc. 🙂 Wir gehen da mal auf einen Kaffee hin, was meinst du? 🙂

  2. Sehr, sehr interessanter Spaziergang und die Geschichte über das Millionenhaus auch. Ich hoffe, der Elektriker muss nicht schon am Hungertuch nagen, bevor der Prozess richtig losgeht.

    Viel Spaß beim Heimaturlaub! Ich drück‘ auch einfach mal von Apulien aus die Daumen. Auf dass die Träger überflüssig sein mögen! 😉
    Corinna

    • Hei Corinna, freue mich immer, von dir zu lesen! Hoffe alles geht gut mit Schule und Traumwohnung 🙂 Liebe Grüße nach Apulien und danke fürs Daumen drücken!

  3. Hallo, Hallo….
    ich will keine Kombination Parka-Laufhose-Turnschuhe tragen…..ich würde mit dir gerne einen Tee am Elisenberg genießen aber nur wenn ich in meinen rosa Kleidchen mit Schmetterlingsmotiv anziehen darf. ;D
    Schöner Bericht mit super Fotos und diese unfassbare Geldgeschichte (Kleingeld vergessen die Reichen halt gerne mal…).
    Knuddelkuss aus Salzgitter

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