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Die Thermometer in Oslo zeigen gerade sportliche 26 bis 31 Grad an. Das ist fein, besonders für Menschen, die die Hitze lieben. Ich allerdings überlege, mir im Frognerpark ein Loch zu buddeln, mich hineinzulegen und auf bessere Zeiten zu warten.
Hallo, liebe Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Sommer ist also da und zwar mit Karacho. Nun haben er und ich schon immer ein gestörtes Verhältnis und seine hohen Temperaturen (alles ab 24 Grad) kann er von mir aus für sich behalten. Hier in Norwegen hatten Sommer und ich bisher eine Art Waffenstillstand gelebt: Er bot mir max. 24 Grad, ich lobte seine Vorzüge.
Ohne große Vorwarnung hat der norwegische Sommer nun aber über die Stränge geschlagen. Und das gerade jetzt, wo ich schon bei frühlingshaften 20 Grad keuche wie ein Nilpferd nach dem Baden. Und nicht nur, dass der Sommer über die Stränge schlägt: Die Menschen ziehen mit. Gestern jubelte es in den sozialen Medien ob meiner Aussage, dass Oslo sich in Madrid oder Athen verwandelt hatte und wahnwitzige 31 Grad bot: „Toll! Super! Prima! Ich komme! Warum jetzt, ich bin gerade nicht da! Endlich Sommer! Ich liebe Hitze!“ schlug es mir entgegen und ich fühlte mich augenblicklich unverstanden und ungeliebt.
Nun, es ist heiß, da tendiert frau zu übertriebenen emotionalen Momenten. Und nicht nur frau, oder? Nach der brutalen Heimsuchung in Belo Horizonte durch die deutsche Elf kühlten sich die geschockten Brasilianer mit ihren eigenen Tränen, Torkeeper Julio Cesar riss es fast wieder beim anschließenden TV-Interview und das lautstarke Heulen der entsetzten Fans erstickte den deutschen Jubel. Auch das Spiel Ecuador-Kolumbien erinnerte mehr an eine schlechte Seifenoper als an gestandenen Männersport. Aber vielleicht wurde bei dieser so unerwartet unerwarteten WM das Ausschütten von Tränenflüssigkeit wirklich zum Kühlen benutzt und sollte das so sein, dann kann ich das verstehen, ich könnte bei den tropischen Verhältnissen hier in Norwegen auch heulen.
Was aber tun in Oslo an Tagen wie diesen, wo die Nächte keine Abkühlung bringen und jede Busfahrt zum Höllentrip wird? In den Norden wandern, solange bis es kühler wird? Laut Wetterdienst müsste ich bis zu den Lofoten wandern, wo mich wunderbare 15 Grad erwarten. Das schon angekündigte Loch im Park buddeln oder in den Keller ziehen? Die kühlenden Angebote der Stadt nutzen?
Der letzte Gedanke hört sich vernünftig an. Wie kann sich der hitzegestresste Mensch in der norwegischen Hauptstadt das Leben also erträglicher gestalten?
1. Kühlendes Nass (extern): Oslo besitzt ein Freibad am Frognerpark, das außer zwei Becken und einem Sprungturm nicht viel bietet, dafür aber 90 NOK/100 NOK (Wochenende) Eintritt kostet (ja, das sind grob 12,- Euro…). Wer das Geld sparen will, springt an einem der vielen öffentlichen Strände in den Fjord oder in einen der zahlreichen Seen. Ganz neu und chic ist der Badeplatz am Astrup Fearnley Museum in Tjuvholmen, fast direkt in der Innenstadt. Mit Blick auf Bygdøy, das Rathaus und die Festung kann man sich hier in die Fluten stürzen. Mehr Natur bieten die Badeplätze am Songsvann (super mit der T-bane Linie 6 erreichbar) oder am Bogstadvannet. Mit den Fähren 92, 93 und 94 lassen sich unter anderem die Fjordinseln und Strände Hovedøya, Langøyene oder Gressholmen anfahren. Einfach am Hauptbahnhof, gegenüber des Ruter-Turms, den Bus 60 nach Vippetangen nehmen und dort angekommen auf eine der Fähren springen. Bus Nr. 30 oder die eigenen Füße bringen erhitzte Körper nach Bygdøy, wo man sich entweder am Strand von Huk oder an Paradisbukta (der Paradiesbucht) abkühlen kann. Und wenn das alles zu weit erscheint: Einfach die Füße in den Springbrunnen im Frognerpark stecken. Das ist nicht gern gesehen, kühlt aber herrlich ab!
2. Kühlendes Nass (intern): In Oslo gibt es, trotz des normalerweise kurzen Sommers, viele Lokale mit Patios, wo sich die Hitze mit einem kühlenden Getränk ertragen lässt. Norweger tendieren schon die ersten Sonnenstrahlen im Februar mit einem Ute-Pils zu feiern, dem ersten Bier (Pils), das draußen (ute) genossen wird. So betrachtet, lohnt sich die Anschaffung einer Außenterrasse für jeden Wirt und ich mag drei hier in Oslo besonders gern:
– Lekter’n an Aker Brygge: Riesige Sitzkissen oder gemütliche Sitzoasen erwarten Besucher hier direkt am Wasser, wo immer eine nette Brise weht. Ja, das Publikum ist manchmal etwas snobby, aber die Yachtbesitzer und Yuppies können meine Begeisterung nicht trüben. Mit Blick auf die Festung und den Fjord sitzt man mit den Füßen fast im Wasser und findet den Sommer plötzlich viel schöner.
– Frognerseteren: Zugegeben, die Anreise mit der T-bane ist lang und der steinige Abstieg zum Lokal bei 30 Grad kein Zuckerschlecken. Aber dafür wird man mit der wohl schönsten Terrasse und dem wunderbarsten Ausblick über Oslo belohnt, den die Stadt zu bieten hat. Dazu noch ein Stück Apfelkuchen aus der hervorragenden Küche und alles ist perfekt.
– Lorry: Am Ende des Bogstadveien, direkt neben dem Literaturhaus, liegt der französisch wirkende Biergarten des britischen Lokals mit der größten Bierauswahl in Oslo. Rotkarierte Tischdecken und bunte Lichter in den Bäumen wirken wie aus Frankreich entführt und selbst die gestresste Bedienung kann mich nicht ärgern. Hier im Schatten unter einem der großen Bäume zu sitzen – das ist Sommer pur.
3. Eisdielen: Umsonst sucht der verwöhnte deutsche Gaumen in Oslo nach einem Spaghettieis oder einem Bananenflip. Die hohe italienische Gelatokunst hat es noch nicht bis nach hier oben geschafft, was wirklich ein Jammer ist! (Hier also mein Aufruf an Eisdielenbesitzer in Deutschland: Kommt nach Oslo! Wir brauchen Euch!!!) Stattdessen bieten Läden wie Seven Eleven, Deli de Luca oder Narvesen Eis am Stiel oder Softeis. Das ist bei den Norwegern sehr beliebt, aber so richtig nach Sommer schmeckt es nicht. An Aker Brygge finden sich drei verschiedene Eisstände, die Kugeln im Becher oder in der Waffel anbieten. Zwei wirklich lohnende Ausnahmen sind die Eisdiele Paradis kurz vor dem Astrup Fearnley Museum und die italienische Eisdiele Dolce Vita hinter dem Parlamentsgebäude. Kippen hier die Kunden zwar vor Begeisterung aus den Latschen, vermissen Deutsche aber die richtigen Eisbecher, die beim Besuch der Eisdiele einfach dazu gehören.
Kühlen, kühlen, kühlen lautet also die Devise und weiter auf Besserung hoffen. Liebe Osloaner, schickt mir doch Eure Lieblingsplätze der Stadt im Sommer und Tipps, wie Ihr die Hitze hier bewältigt. Ihr lieben Leser aus anderen Orten: Hat bei Euch der Sommer schon zugeschlagen und was sind Eure Tipps bei tropischen Temperaturen?
Kühlen Kopf bewahren heißt es auch am Sonntag für das deutsche Team im Finale gegen Argentinien im Maracana. Was für eine Kulisse für ein Finale!! Ich hoffe auf ein spannendes, faires und unterhaltsames Spiel, das Deutschland am Ende gewinnt. Gerne im Elfmeterschießen! Allen Fußballfans wünsche ich also einen spannenden Sonntag, allen Nicht-Fußballfans rufe ich zu: „Es ist fast geschafft!“
Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, einen schönen Urlaub oder eine wunderbare Zeit auf der heimatlichen Terrasse. Genießt den Sommer, denn ehrlich gesagt: Der Herbst kommt schneller als man denkt!
Ha det bra,

(geht schon….)
Ulrike























