Lust auf Snusen ODER Eine Dose Oraltabak, bitte!

Anmerkung: Ich habe diesen Artikel gelöscht. Nicht aber ohne einige Korrekturen oder Anmerkungen aus den Kommentaren hinzuzufügen:

  • Snus enthält keine 2500 Giftstoffe.
  • Ob snusen Krebs verursacht ist nicht bewiesen.
  • Weitere Infos finden sich auf zahlreichen Snus-Seiten im Internet.

Ha det bra,

Ulrike

Jede Stimme zählt! ODER Wer liest am Feiertag schon Blog????…

…dachte ich mir….und verschiebe den Blog um eine Woche auf nächsten Freitag, der völlig feiertagslos ist. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir das.

Dafür biete ich aber etwas ganz Tolles: Ihr könnt Euch das übernächste Artikelthema aussuchen! Was interessiert Euch an Norwegen? Worüber soll ich schreiben? Stimmt einfach ab bis nächsten Freitag! Ich bin gespannt! Wer von Euch auf „…etwas ganz anderes, nämlich…“ klickt, von dem erwarte ich einen Kommentar mit gewünschtem Thema :)!

Euch allen wünsche ich einen schönen, freien Tag (falls Ihr in Deutschland seid) und ein tolles Wochenende (für alle anderen).

Ha det bra,

Ulrike

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Pretty in Pink – muss sein??? ODER Immer her mit der Identitätskrise….

„Das ist aber ein süßer Junge“, sagt die Mutter am Wickeltisch nebenan. Ich zwinkere Gesa zu, die auch zu denken scheint: „Oho, ein süßer Junge, den gucken wir uns gleich mal an!“ – „Jawohl“, zwinkere ich zurück, „sobald du still genug hälst, damit ich die Windel festmachen kann.“ Einige Augenblicke später sind wir beide bereit und blicken uns im großen Raum der helsestasjon Frogner nach dem süßen Jungen um.

Keiner da.

Nur die Mutter von nebenan.

Und wir.

„Wie heißt er denn?“ setzt die Nebenan-Mutter nun nach und lächelt Gesa zuckersüß an.

Ich mache große Augen.

Gesa pupst.

„SIE heißt Gesa“, antworte ich.

„Ach, das ist ein Mädchen“, antwortet es nach einer kurzen Pause von der anderen Seite des Tisches, während gleichzeitig Gesas braunweißes H&M-T-Shirt mit Löwen kritisch beäugt wird. Na warte, du Tussi. Ich betrachte das fremde Baby unter ihren Händen, das gerade von der perfekt frisierten Mutter mit Goldarmband in einen rosafarbenen, plüschigen Strampler mit dreilagigen Rüschen gesteckt wird. Nach einer Weile frage ich zuckersüß:

„Und Ihr Kind? Junge oder Mädchen?“

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Die Babypause ist offiziell vorbei, was aber nicht bedeutet, dass auch die Baby-Themen vorbei sind. (NEIN!!!! Nicht den Blog löschen…ich werde auch über rein norwegische Themen schreiben… versprochen… ehrlich.. …Freunde?). Heute also als eine Art sanfter Übergang aus der Babypause in den Alltag ein Thema, das mich völlig unerwartet getroffen hat: Mädchen in Norwegen müssen rosa tragen!

Nun muss ich gleich mal klarstellen: Ich habe nichts gegen Rosa. In Maßen genossen, ist das eine wunderbare Farbe, die sich mit vielen schönen anderen Farben kombinieren lässt, sowohl als Muffindekoration als auch beim Babystrampler finde ich Rosa sehr ansprechend. Aber eben in Maßen. Wir haben zur Geburt ganz wunderschöne rosa Geschenke, Karten und Blumen bekommen. Als geschlechterspezifisches Leuchtsignal finde ich Rosa allerdings völlig daneben. Genauso daneben, wie ein Jungenzimmer mit Bob der Baumeister zu dekorieren, während das Mädchen Einhörner und Prinzessinnen bekommt. Jungen mögen Einhörner bestimmt auch. UND Prinzessinnen. Während Mädchen auch Bagger cool finden.

Nun leben wir aber im Westen von Oslo. Die helsestasjon (so eine Art offenes und kostenloses Gesundheitszentrum), wo wir zum Gesa-Wiegen waren, liegt dort ebenfalls und das Schicki-Micki-Mütter-Mantra scheint zu lauten: Was weiblich ist, trägt rosa. Punktum. Nicht nur die Kleidung ist davon betroffen. In den letzten Tagen habe ich Kinderwagen mit rosa Verdecken, rosa Babydecken und Bettwäsche, rosa Kuscheltiere, rosa Windeltaschen, rosa Schnuller und rosa Kinderwagenspielzeugketten (uhhh, Galgenraten!) entdeckt. Manchmal alles zusammen an einem Wagen. Die Mutter dazu vielleicht noch mit rosa Haarband und der Vater im rosa Oberhemd und schon ist die Zuckergussfamilie perfekt.

Mir tränen schon beim Gedanken daran die Augen.

Im Ullevål Krankenhaus begann die optische Geschlechterzuweisung bereits kurz nach der Geburt. Gesa wurde gemessen und gewogen und dann, ob sie wollte oder nicht, in eine schweinchenrosa Krankenhausdecke gewickelt. Und zwar ganz fest. Im Zimmer des Patientenhotels angekommen, wechselten wir dann die Decken. Die rosafarbene verschwand und unsere eigene, blaue Decke mit Sternen wurde benutzt. Mit welchem Erfolg? Als wir im Restaurant an Baby Alma Louise (ganz in rosa) und ihrer Mutter vorbei schoben, guckte die zu Gesa in den Kinderwagen und sagte…

Na, was wohl???

Alle zusammen!!!

„Das ist aber ein süßer Junge!“

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Die rosa Mutter von Alma Louise erklärte mir wenigstens noch, dass ja, die Norwegerinnen seien ein bisschen „over the top“, also übertrieben, mit ihrem Rosa-Tick. Sie selber könne sich da mit einbeziehen, sagte sie lachend, während Baby Alma Louise auf ihrem rosa Baby-Stirnband kaute. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Gesa und wir hier noch machen werden. Besonders gespannt bin ich auf das erste Treffen der Müttergruppe in der helsestasjon. Für diese Gelegenheit werde ich Gesa ein EXTRA fetziges T-Shirt kaufen. Ich werde davon berichten!

So, das war er nun wirklich, der erste Blog nach der Babypause. Teilt gerne wieder Eure Erfahrungen mit mir. Wie groß ist der Rosa-Tick in anderen Ländern? Welche Erfahrungen habt Ihr hier in Norwegen gemacht? Ich freue mich, von Euch zu lesen!

Nächste Woche wird der Blog wieder kulinarisch. Wir begeben uns in meine Küche und zaubern eine echte norwegische Spezialität: Farikål.

Euch allen wünsche ich bis dahin eine schöne Woche, vergesst Stereotypen, probiert mal gegen den Strom zu schwimmen und genießt den kommenden Herbst. Meine ersten wöchentlichen Grüße nach der Babypause gehen…natürlich…. an unsere wunderbare Tochter Gesa Vibeke, die unsere Herzen im Sturm erobert hat und einen Platz in unserem Leben gefüllt hat, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.

Ha det bra,

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(mit rosa/pink Accessoires am Sognsvann)

 

Ulrike

Das Gold der Arktis ist reif! ODER Auf Moltebeerjagd in Oslo…

„Willst du gelten, mach dich selten!“, lautet ein Mantra in unzähligen Liebesratgebern. Und nicht nur in der Liebe gilt dieser Grundsatz: Diamanten, intelligente Reality-Shows, Gold, sichere Arbeitsplätze, Trüffel, unkomplizierte Teenager, Sternschnuppen – sie alle sind kostbar, weil sie sich rar machen. Eine norwegische Kostbarkeit hat jetzt wieder Saison: Die Moltebeere.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Eine kleine, orange Beere steht heute im Mittelpunkt des Blogs. Bis ich hier nach Oslo kam, hatte ich von der himbeerähnlichen Frucht noch nie gehört und blickte beim Restaurantbesuch verwirrt auf Dessertangebote mit multer. Vor einigen Wochen begegnete mir die Beere dann in den norwegischen Nachrichten: Auf einer Wiese in der Finnmark berichtete eine ältere Norwegerin, dass die multer in diesem Jahr wirklich spät kämen, letztes Jahr um diese Zeit hätte sie schon alle abgeerntet.

Nun begann ich, die Beeren ernst zu nehmen. Sie mussten in den Blog, wenn ihr unpünktliches Erscheinen es schon in die Hauptnachrichten schaffte! (Obwohl das hier in Norwegen nichts bedeutet: Letztes Jahr begannen die 21h-Nachrichten mit einem Bericht über Justin Bieber...)

Voller Interesse für die orange Beere setzte ich mich also heute Morgen an den Computer. Bald war klar, dass ich auf eine echte norwegische Spezialität gestoßen war. Die nur in wenigen nördlichen Ländern auftauchende Beere wird auch „Gold der Arktis“ genannt. Sie wächst in Moorgebieten, aber auch da nur spärlich. Durch mir unverständliche Zicken der Natur kann die Moltebeere nicht kommerziell angebaut werden, und mehrere Versuche skandinavischer Wissenschaftler schlugen fehl. Ein Moltebeerfeld zu finden, es sogar auf dem eigenen Grundstück zu besitzen, gilt in Norwegen wie das Auffinden einer Ölquelle (auch wenn der finanzielle Wert sich nicht gleicht…aber immerhin). Das Wissen um öffentlich zugängliche Moltebeerpflückstellen wird als Familiengeheimnis von Generation zu Generation weiter gegeben. Aufgrund ihrer Bedeutung für die lokale Wirtschaft ist das Pflücken von Moltebeeren sogar gesetzlich geregelt.

Ehrlich!

Kein Scherz!

Paragraf 5 des friluftsloven (Freiluftgesetz) beschäftigt sich mit dem Ernten in freier Natur. Im zweiten Absatz heißt es: „For multer på multebærland i Nordland, Troms og Finnmark gjelder første ledd bare når eier eller bruker ikke har nedlagt uttrykkelig forbud mot plukking. Uavhengig av et slikt uttrykkelig forbud kan allmennheten alltid plukke multer som spises på stedet.“  Der erste Absatz, der erlaubt, dass jedermann Früchte, Blumen, Nüsse oder Beeren wild ernten darf, gilt also NICHT für bestimmte Moltebeerplätze in den Regionen Nordland, Troms und Finnmark. Hier haben die Eigentümer das Recht, ein Pflückverbot auszusprechen. Genauer gesagt ein Mitnahmeverbot, denn vor Ort dürfen die Beeren immer gepflückt und verspeist werden. Hintergrund ist wahrscheinlich der hohe kommerzielle Wert der seltenen Beere, die in den nördlichen Regionen Norwegens häufiger auftauchen als im warmen Süden.

Naja, wärmer auf jeden Fall.

So, die Beere ist gesetzlich geregelt und schafft es in die Nachrichten. Aber wie bekomme ich sie in die Finger???

Eine kurze Recherche zeigt, dass es auch in den Wäldern rund um Oslo vielversprechende Moltebeerstellen gibt. Hm. Ich bezweifle, dass eine möglicherweise erfolglose Beerensuche im Wald die beste Unternehmung für mich und meinen Kugelbauch ist. Wie aber dann kommen eine Hochschwangere und eine Moltebeere zusammen?

Auf die Art und Weise, wie wir in der Großstadt uns meistens Obst und Gemüse beschaffen.

Wir gehen in den Supermarkt.

Aber auch das ist bei Moltebeeren nicht einfach. Mein Kiwi gegenüber hat weder frische noch gefrorene Moltebeeren im Angebot und auch im Meny bleibt meine Jagd erfolglos. Nun werde ich irritiert. Okay, her mit der allmächtigen Waffe: Dem Ultra-Supermarkt.

Dort: Nichts, nada, nothing.

Na, sag mal….

Gut, ich wende eine neue Taktik an und poste mein Begehren in einer der hilfreichsten Gruppen bei Facebook:  „Where in Oslo“. Und tatsächlich: Nach nur wenigen Minuten der Tipp, ich solle es beim Supermarkt Rimi versuchen.

Beim RIMI???? Da gehe ich ja sonst nie hin. Na gut, wir haben einen gleich um die Ecke, dann gehe ich halt mal gucken und….

EUREKA!!!!!!!!

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Dort, neben gefrorenen Brombeeren und anderen Vitaminbomben lachen mir multer entgegen. 300 Gramm des arktischen Goldes, wahrscheinlich importiert aus Finnland (in Norwegen ist die Nachfrage viel höher als das Angebot), aber egal, her damit, achja, ich wurde gewarnt, sie seien unverschämt teuer, aber was können so ein paar Beeren schon kosten und…..

IST DAS DER PREIS??????

Ich blicke entsetzt auf die plötzlich winzig erscheinende Packung in meinen Händen.

Checke nochmal das Preisschild.

110 KRONEN?????

13 EURO????

FÜR OBST?????

Und dazu noch gefrorenes, wahrscheinlich ausländisches Obst, während ich bei ambitionierter Suche in den Wäldern dieselbe Menge für umsonst haben könnte??? Und auch noch echt norwegisch???

In meinem Kugelbauch zappelt es, als wollte das Baby kurz deutlich machen: „Jawoll, los, wir beide, auf in den Wald, immer schön bücken…wirst schon sehen, was du davon hast….hihihiihihi….!“

Seufzend packe ich das gefrorene Gold in den Einkaufskorb. Wehe, die schmecken nicht!!!

Zuhause angekommen bilde ich mich weiter. Mein schon bekanntes Lieblingskochbuch „Norges Nasjonalretter“ bietet mir zwei unglaublich komplizierte Rezepte für „Multekrem“ an. Ich entscheide mich für das aus dem südlichen Trøndelag (das Bild ist hübscher) und beginne mit den unerhört schwierigen Vorbereitungen:

1. Moltebeeren auftauen.

2. Sahne schlagen.

Puuh. Eine kulinarische Höchstleistung. Kransekake zu backen war ein Witz dagegen.

Aufgetaute Beeren sind grundsätzlich nicht der Hit und ich versuche, ein paar hübsche Exemplare zu finden in der matschigen Masse. (13,- Euro…………) Eine wandert direkt in meinen Mund. Uih, sauer. Puristen lehnen das Zuckern der seltenen Beeren ab, ich finde allerdings, dass die bitter-säuerlichen Beeren ein paar Krümel Zucker gut vertragen könnten. Norweger frieren die Beeren für den Winter ein, um in den kalten Monaten eine wertvolle Vitamin-C-Quelle zu haben und früher wurde die Moltebeere wegen ihres hohen Vitamingehalts von Seeleuten als Mittel gegen Skorbut eingesetzt.

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Nach einer gewissen Auftauzeit bringe ich mein äußerst aufwändiges Rezept zum Abschluss und bald steht eine sommerlich duftende multekrem vor mir.  Traditionell wird sie gemeinsam mit krumkaker (eine Art Crepewaffel) zu Weihnachten serviert, aber mir schmeckt sie heute auf einem dünnen Pfannkuchen auch sehr gut. Die süße Sahne mit den säuerlichen Beeren auf dem Teigfladen – ganz köstlich!

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Aber – und das sehe ich ganz deutlich – der eigentliche Spaß ging hier verloren. Nämlich rauszugehen in die Natur, hoch oben in den Moorgebieten im Norden des Landes, bewaffnet mit Eimer, Gummistiefeln und einem Netz gegen die Mücken. Dann zu den bekannten und von Urgroßvater entdeckten Stellen zu wandern und die in Bodennähe orange leuchtenden Beeren zu erspähen und vorsichtig zu pflücken. Immer nach dem Prinzip: Eine in den Eimer, eine in den Mund. Nach einem sonnenreichen Tag mit der Familie die wertvolle Ernte nach Hause zu bringen und dort zu Moltebeersuppe, Moltebeermarmelade oder Moltebeerkuchen verarbeiten und einen Teil für den Winter einfrieren. Und sich im Winter an der leuchtenden Farbe und der Erinnerung an den Sommer zu erfreuen.

Das alles bieten gefrorene (und wahrscheinlich finnische) Moltebeeren nicht.

Aber immerhin hatte ich so eine erste Begegnung mit dem arktischen Gold.

Die Jagd in der freien Natur folgt dann nächstes Jahr!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Gibt es Moltebeeren in Deutschland? Niedersachsen soll einige streng geschützte Gebiete besitzen, ob man Produkte aus Moltebeeren in den Supermärkten oder Reformhäusern findet – sagt Ihr es mir!!!!

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, entdeckt etwas Kostbares oder macht Euch auf die Suche danach! Denen, die den Urlaub noch vor sich haben: Viel Spaß und erholt Euch gut! Und denen, die schon wieder im Alltag sind: Viel Erfolg und der nächste Urlaub kommt bestimmt!

Ha det bra,

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Ulrike

(Großstadtjagd. Man beachte: Moltebeeren und Blaubeeren entdeckt!)

 

 

 

 

Das Kongodorf im Frognerpark ODER In 100 Jahren ist alles vergessen?

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Es herrscht das Zeitalter der Selbstdarstellung: Dank Facebook, Twitter, YouTube oder Instagram können wir uns und unser Leben heute vor einem weltweiten Publikum ausbreiten. Und tun das auch. Millionenfach. Mit möglichst originellen Fotos, emotionalen, provozierenden oder alltäglich langweiligen Aussagen wetteifern wir um die kostbarste Währung unserer Zeit: Aufmerksamkeit. Werden wir dazu gezwungen? Im Gegenteil: Der Einblick in unser Privatleben erfolgt ganz freiwillig. Bereits 1914 kam es in Oslo zu einem Akt der Selbstdarstellung. Nur freiwillig, freiwillig war der wohl kaum: Achtzig schwarze Menschen waren Insassen eines im Frognerpark aufgebauten „menschlichen Zoos“. Jetzt, 100 Jahre später, wurde das „Kongodorf“ rekonstruiert.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Als im März diesen Jahres mit dem Bau großer Strohhütten im Frognerpark begonnen wurde, dachte ich zu allererst an kommende Dreharbeiten, dann an lustige Unterhaltung für die Festlichkeiten zum 17. Mai und wurde am Ende eines Besseren belehrt: Kunst mit politischem Hintergrund entstand vor meinen Augen. Worum ging es?

Blicken wir hundert Jahre zurück.

Oslo, 1914: Die Stadt will mit großem Pomp und Trara das 100jährige Bestehen des norwegischen Grundgesetzes feiern. Benno Singer, erfahren mit Dingen dieser Art, wird beauftragt, im Frognerpark einen Jahrmarkt mit Attraktionen aller Art zu organisieren. Neben einer Achterbahn und einem Pantomimentheater plant der geschäftstüchtige Impresario auch ein „lebendiges Dorf“ im Park. Seit der Internationalen Ausstellung in Brüssel 1897 gehörten Nachbauten afrikanischer Dörfer zu den festen, und sehr populären, Bestandteilen einer derartigen Veranstaltung. Der Kolonialismus und die europäische Dominanz von Ländern wie Belgien, Frankreich oder England schürten ein voyeuristisches Interesse am afrikanischen Kontinent. Der Originalplan, in Oslo ein „lebendiges Dorf“ mit Sami (der norwegischen Urbevölkerung) aufzubauen, wurde vom Leitungskomitee abgelehnt und so griff Singer zurück auf das schon bekannte und bewährte Programm: Das „Kongodorf“ entstand.

Vom 15. Mai bis 11. Oktober 1914, während der Rest Europas kopfüber in den Terror des 1. Weltkriegs fiel, bestaunten fast 1,4 Millionen Besucher in Oslo den sogenannten menschlichen Zoo. Achtzig schwarze Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, präsentierten sich in einheimischen Trachten zwischen „typischen“ Haushaltsgegenständen, Schmuck, Waffen und religiösen Requisiten, um ein Bild vom „echten“ Leben in Afrika darzustellen. Es wird vermutet, dass die Senegalesen Mitglieder einer durch Europa tingelnden Schauspielertruppe waren, genau bekannt ist ihre Herkunft aber nicht. Die Norweger amüsierten sich auf jeden Fall größtenteils prächtig und die Zeitung Aftenposten titelte: „So lustig!“

Karikatur von 1914

@oslobilder.no

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Zurück in die Gegenwart….

Oslo, 2014: „In 100 Jahren ist alles vergessen!“, rief der norwegische Dichter Knut Hamsun legendär dem Gericht entgegen, das ihn wegen Landesverrats verurteilen wollte. Aber ist in 100 Jahren alles vergessen? Der aus Somalia geflüchtete und in Norwegen lebende Künstler Mohamed Ali Fadlabi und der schwedische Künstler Lars Cuzner sagen: Nein. Und bewerben sich mit einem Kunstprojekt für das 200jährige Jubiläum des norwegischen Grundgesetzes. Ihre Idee: Das „Kongodorf“ im Frognerpark zu rekonstruieren. Ihre Motivation: An den norwegischen Rassismus von 1914 zu erinnern und zu fragen, was sich verändert hat. Ob sich etwas verändert hat. Oder ob einige der Ansichten von damals noch heute aktuell sind.

Unter der Schirmherrschaft von KORO (Kunst i offentlige rom) entsteht das Projekt European Attraction Limited. Über 1 Million norwegische Kronen werden den Künstlern zur Realisierung zur Verfügung gestellt. Während die Bauarbeiten im Frognerpark beginnen, beginnt auch die Diskussion in den Medien. Kontrovers, versteht sich. Während die eine Seite ein unangenehmes Detail norwegischer Geschichte vergessen will, fordert die andere die Konfrontation damit.  Die äthiopische Schauspielerin und Aktivistin Hannah Wozene Kvam erklärt gegenüber Aftenposten: „Norwegen will es vielleicht nicht vergessen, der Kongo aber ganz bestimmt!“ Beim sozialen Netzwerk Twitter empören sich die Menschen unter #someonetellnorway darüber, dass in Norwegen ein menschlicher Zoo etabliert werden soll. Erst nach einigen Tagen kommt es zur Klarstellung, dass ein Dorf mit Strohhütten zwar aufgebaut werden wird, dort aber keine Menschen leben werden.

Obwohl, so ganz von der Hand zu weisen ist die Unterstellung nicht. Gerüchten zufolge war der Plan der beiden Künstler schon, die Hütten bewohnen zu lassen. Die Ablehnung dieser Idee durch das Jubiläumskomitee erfolgte wohl aber auf dem Fuß.

Wie präsentiert sich das Kunstwerk also?

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Auf einer Wiese im Frognerpark, genau gegenüber des Kanvas-Kindergartens: Ein gewaltiges, rotes Tor mit der Überschrift „Kongolandsbyen“ (Kongodorf),  vor dem die Flaggen Norwegens und Belgiens wehen, führt die Besucher zu zehn leer stehenden Strohhütten. Vorne am Tor eine Erklärung des Projekts und das Gedicht von Knut Hamsun In 100 Jahren ist alles vergessen. (Dass ausgerechnet ein norwegischer Dichter, der Hitler und den Bau von Konzentrationslagern verteidigte, hier auftaucht, lässt mich immer noch grübeln.) Während zwei Kinder in der langgezogenen Hütte Fangen spielen, wandere ich von Hütte zu Hütte und bin ratlos.

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Beklommen soll mich der Besuch werden lassen und mir den immer noch existierenden Rassismus in Norwegen deutlich machen, las ich in VG (nur Norwegisch). Aber ist und war Norwegen wirklich rassistischer als andere europäische Länder? Die Frage bedeutet ja nicht, dass das Thema nicht hochaktuell ist und behandelt werden sollte. Sich aber ein „Kongodorf“ als Sinnbild für norwegischen Rassismus zu nehmen, das so oder in abgewandelter Form in vielen europäischen Ländern zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu finden war, ist das nicht übertrieben? Dagbladet (nur Norwegisch) schlug vor, dass sich die Besucher gegenseitig betrachten sollen, da wir heutzutage alle Teilnehmer in einem „lebendigen Dorf“ sind.

Vielleicht gibt es Besucher, die das eine oder andere empfinden beim Gang durch das öffentliche Kunstwerk. Mir fehlt ein klares Konzept und die konsequente Durchführung: Warum nicht Freiwillige in die Hütten setzen, die sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart präsentieren? Die die Fragen um Rassismus und Voyeurismus von 1914 mit denen von 2014 verbinden? DAS würde mich nachdenklich machen. Leere Hütten? Nee, leere Hütten bringen es nicht.

***

So, meine lieben Leser, das war es schon für heute. Rassismus in jeder Art darf keinen Platz in unserer Welt haben. Angst zu haben vor dem, der fremd ist; sich überlegen zu fühlen und dabei in Wahrheit unterlegen zu sein; sich mit rassistischen Kommentaren in einem der Selbstdarstellungsmedien als besonders witzig zu präsentieren…das alles ist armselig und dumm. Wünschen wir uns also weniger dumme Menschen in der Welt und ein besseres Miteinander! Und nicht nur wünschen: Arbeiten wir daran!

Ha det bra,

...ein weiterer Akt der Selbstdarstellung...

…ein weiterer Akt der Selbstdarstellung…

Ulrike

P.S. Wer sich selber ein Bild machen will: Noch bis zum 31. August kann „Kongolandsbyen“ im Frognerpark besichtig werden.

Allein unter Schafen in Neuseeland ODER Was für Auswanderer-Typen gibt es?

Ich liebe Psychotests. Von Welche Hollywood-Ikone bist du? (Antwort: Audrey Hepburn. Huch.) über Bist du eine Zicke? (Antwort, erstaunlicherweise: Ja.) bis hin zu Welcher Muttertyp bist du? (Antwort, beruhigenderweise: Ich bin für beide Geschlechter geeignet.) ist kaum ein Psychotest vor mir sicher.

Jeder hat ja so seine Laster.

Ich also Psychotests.

Das war auf jeden Fall das eindeutige Ergebnis bei Welche Laster hast du?

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich erwähne es nur noch am Rande: Ja, es ist heiß. Immer noch.

Weiter im Text.

Ich liebe also Psychotests. Beim wahllosen Surfen im Netz stieß ich heute auf einen Test bei jetzt.de, der Jugendseite der Süddeutschen Zeitung. Welcher Auswanderer-Typ bist du? Na, da bin ich doch neugierig geworden. Ran also an den Test, kurz registriert und zehn absolut dusselige Fragen später war klar: Wir müssen umziehen. Denn ich gehöre in die Kategorie: Allein unter Schafen in Neuseeland. Der Test fand heraus, dass meine Liebe zu den „Herr der Ringe“- Filmen mich dazu bringen wird, per eBay eine Schaffarm in Neuseeland zu ersteigern. Das ist insoweit besonders interessant, da es 1. überhaupt keine Frage zu den Filmen gab und ich 2. auch nie im Leben irgendeinen positiven Kommentar über selbige abgegeben hätte. Ich finde die Filme, Bücher, Hörbücher nämlich zum Gäääääähnen.

Aber wer bin ich, das Ergebnis eines Psychotests anzuzweifeln?

Eigentlich hatte ich auch erwartet zu erfahren, welcher TYP ich genau bin, wenn es ums Auswandern geht und nicht, WOHIN ich auswandern würde. Denn, und da hat der Test wenigstens in der Überschrift recht, es gibt ganz unterschiedliche Auswanderer-Typen.  Auch hier in Norwegen. Mit einem zwinkernden Auge und viel Selbstironie stelle ich Euch die drei Typen vor, die mir hier in den letzten zwei Jahren aufgefallen sind.

1. Die Brunost-Schwärmer mit Elchpatenschaft oder „Ja, vi elsker dette landet!“

VORHER: Sie lieben Norwegen seit ihrem ersten Urlaub am Fjord und haben seitdem die Wohnung im Heimatland mit rot-weiß-blauen Fahnen, Trollen und Norwegenkalendern dekoriert. Ihr Traum ist eine eigene Pension an der Westküste Norwegens mit angegliederter Hundeschlittenzucht. Norwegen ist für sie Freiheit, Naturidylle und ein einziger Traum. Irgendwann wird die Sehnsucht zu groß, die deutschen Freunde und Verwandten können das Wort Norwegen nicht mehr hören und auch der Chef verlangt mehr Konzentration auf die Jahresbilanz als auf das norwegische Kochbuch. Eine Entscheidung muss her! Nach einigen Scheiben Knäckebrot mit Brunost sind sich die Schwärmer sicher: Wir wollen nach Norwegen. Für immer! Ab jetzt werden die Wände und Möbel der Wohnung mit norwegischen Vokabeln geplastert („et bord“, „en tannbørste“, „en underbukse“), auf zahlreichen Internetseiten wird nach Jobs und Wohnungen gesucht, im nächsten Zoo schon mal eine Elchpatenschaft eingegangen. Dann geht es endlich los. Die Ankunft in Norwegen erscheint wie das Klopfen am Tor des Paradieses. Endlich da!!

IM LAND: Die Schwärmer stehen ab jetzt jeden Morgen auf und können ihr Glück nicht fassen. Alles, wirklich alles ist toll im Paradies. Und die Sachen, die mal nicht so toll sind, ach, die wiegen gar nicht so schwer. Am Wochenende sind sie nur unterwegs und verbringen ihre Zeit am Fjord, auf Bergen, in Hütten und machen Fotos, Fotos, Fotos. Sie kennen norwegische Spezialitäten besser als mancher Norweger und wissen eh nach einer gewissen Zeit mehr über Norwegen als König Harald. Was sie auch gern zum Besten geben. Sie lernen die Sprache schnell (falls sie sie nicht eh schon kannten) und integrieren sich bestens in das kleine Dorf, in das sie gezogen sind, um „den richtigen Kontakt mit richtigen Norwegern“ zu bekommen. Kontakt mit anderen Deutschen lehnen sie in den ersten Monaten ab, denn „schließlich sind wir nicht nach Norwegen gekommen, um Deutsch zu reden.“  Nach sieben Jahren in Norwegen beantragen sie die norwegische Staatsbürgerschaft, kaufen eine hytte, pflanzen einen Baum und lernen Sami.

NACHTEIL: Ein bisschen fehlt ihnen der Bezug zur Realität, denn die in Norwegen auftauchenden Probleme werden oft weggewischt. Das Paradies soll nicht beschmutzt werden!

VORTEIL: Bei den Norwegern beliebt, weil sie Norwegen ebenso lieben wie die Norweger selbst, sich gut integrieren, die Sprache lernen und regelmäßig Brunost essen. Sind glücklich und bereuen ihre Entscheidung auszuwandern, wahrscheinlich nie oder selten.

2. Die Wirtschafts-Rationalisten mit internationalen Beziehungen ODER „Well, it isn’t New York, is it?“

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VORHER: Im Ausland zu arbeiten ist für sie schon fast normal und nach einigen anderen Ländern soll jetzt mal „das komische Land im Norden mit viel Geld“ dran sein. Der norwegische Arbeitsmarkt sucht internationale Bewerber (auch wenn das nur ungern zugegeben wird), die Türen stehen also relativ offen. Die Gehälter und Zuwendungen sind großzügig, die Arbeitszeit ist dafür gering und die Lebensqualität damit hoch. Die Rationalisten sind nicht unbedingt am Land an sich interessiert, das nehmen sie halt so mit.

IM LAND: Am Anfang wird verglichen. Gerade in Oslo werden sie nicht müde zu betonen, wie provinziell die Stadt doch ist. „Aber wir mögen es hier trotzdem!“ Mit dem 13. oder 14. Monatsgehalt werden dann Trips in die große Welt unternommen. Das Interesse an Norwegen ist mäßig bis kaum vorhanden, man weiß schließlich gar nicht, wie lange man bleibt, ob es nicht irgendwo noch etwas Besseres gibt und überhaupt: Diese Sprache!!! Wer will die schon lernen, sprechen doch alle Englisch hier! Wirtschafts-Rationalisten leben meistens in der internationalen Gemeinde der größeren Städte, haben internationale Freunde, gehen höchstens mal auf ein „Freitags-Bier“ mit ihren Kollegen und fragen sich die ganze Zeit, warum sie eigentlich keinen Kontakt zu Norwegern haben. Bei manchen ändert sich das Verhalten nach einiger Zeit: Sie werden zwar keine Brunost-Schwärmer, aber nach einigen Fahrten mit der Bergenbahn, dem Kaminfeuer in der hytte und der Begeisterung am 17. Mai verspüren sie eine gewisse Begeisterung für das Land, in dem sie leben. Zögernd blicken sie in die norwegischen Zeitungen, schalten auch mal norwegisches Fernsehen ein und bestellen den Kaffee im Espresso House in der Landessprache.

NACHTEILE: Leben in ihrer eigenen, kleinen Welt und sind eher Arbeitstouristen als Einwohner. Tragen, außer Steuerzahlungen, nicht viel zur norwegischen Gesellschaft bei.

VORTEILE: Realistischer als die Schwärmer und, bei auftretendem Interesse an norwegischer Gesellschaft, gute Gesprächspartner mit klarem Blick für das Land in dem sie leben.

3. Die heimwehkranken Nostalgiker ODER „Deutschland, Deutschland über alles…“

VORHER: Sie entscheiden sich aus den unterschiedlichsten Gründen, nach Norwegen zu kommen. Vielleicht ist die Arbeitssituation in Deutschland unerträglich, vielleicht hat die Midlife-Crisis zugeschlagen, vielleicht kommt die große Liebe aus Norwegen oder vielleicht war es einfach mal Zeit für etwas Verrücktes. Auf jeden Fall hat es mehr mit ihnen selbst zu tun als mit Norwegen. Kein idealer Start, kann aber funktionieren. Oder auch nicht.

IM LAND: Hier ist alles so teuer. Man findet gar keine Freunde. Die arbeiten/reden alle so langsam. Was ist denn das für Käse…das ist doch kein Käse? Wenn ich da an Deutschland denke… Die Nostalgiker machen es Norwegen schwer. Denn, wenn sie mal ganz ehrlich wären, eigentlich finden sie es in Deutschland schön. Aber manchmal entdeckt man das eben erst, wenn man für längere Zeit fort geht. Im Ausland begeben sie sich nun in deutsche Organisationen, treffen Deutsche, reden Deutsch und finden das Leben so ganz erträglich. Unermüdlich erzählen sie aber gerne, besonders Norwegern, vom tollen Leben in Deutschland. Die Satelliten-Schüssel mit deutschem TV-Empfang ist eine ihrer ersten Anschaffungen und regelmäßige Trips nach Deutschland sind unumgänglich.

NACHTEILE: Blockieren und lassen sich selbst von knutschenden Elchen in wunderschönen Mittsommernächten am Fjord nicht oder nur schwer begeistern. Verlieren nicht nur den Blick für die Schönheiten Norwegens sondern auch für die Nachteile Deutschlands.

VORTEILE: Sie haben es wenigstens probiert! Es gehört schon Mut dazu auszuwandern. Man kann den schwersten Nostalgiefällen nur wünschen, dass sie auch genug Mut haben, um wieder zurückzugehen ins gelobte Land.

Das waren sie, meine drei Auswanderer-Typen, subjektiv zusammengestellt, wissenschaftlich nicht fundiert und gesellschaftlich vielleicht gar nicht auffindbar, denn weder das Leben noch die Menschen darin sind schwarz-weiß und viele Auswanderer, die ich getroffen habe, sind eine Mischung aus verschiedenen Typen oder – ihre ganz eigenen Typen. Habt Ihr Euch wiedererkannt (und löscht den Blog jetzt oder kündigt mir die Freundschaft????) oder jemanden erkannt, der ausgewandert ist? Seid Ihr selber bereit zum Auswandern? Fragen über Fragen, mit denen ich Euch jetzt allein lasse! Denn ich…jaha, ich…

Ich werde mich jetzt über Neuseeland und den Kauf einer Schaffarm informieren! Wenn jetzt.de schon meint, ich sei dafür geeignet…

Da fällt mir spontan noch ein Auswanderer-Typ ein: Die Nie-Ankommer ODER „Fly me to the moon…“. Das sind die, die immer auf der Reise zu sein scheinen. Die nie ankommen, wohl nie seßhaft werden. Sie sehen Norwegen als fantastische Zwischenstation und sind schon gespannt auf das nächste Land. Nachteil: Kommen nie richtig an, integrieren sich selten. Vorteile: Sehen in jedem Land gute und schlechte Seiten und gehen, wenn es ihnen nicht mehr gefällt.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an meinem soziologischen Exkurs und freue mich auf Eure Kommentare zu Auswanderer-Typen in Norwegen, Italien, Deutschland oder wo auch immer! Hier in Oslo sind die Ventilatoren ausverkauft und ich verbringe meinen Tag mit den Füßen im kühlenden Wasser und träume vom Winter. Euch allen wünsche ich eine tolle, aber vor allem KÜHLE Woche, testet mal wieder Eure Psyche und steckt Menschen nicht in zu feste Schubladen.

Und in ganz eigener Sache: In unglaublichen vier Wochen soll unsere Tochter zur Welt kommen und dann geht der Blog erstmal in Babypause. Aber manchmal halten sich Babies ja nicht so an Zeitpläne, habe ich gehört….wundert Euch also nicht, falls Ihr an einem Freitag ganz unentschuldigt nichts von mir lest. Ich melde mich dann wieder…ist doch klar!!!!!

Ha det bra,

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(…und gleich kaufe ich die Farm!)

 

Ulrike

Heiße Schmuggelware aus Norwegen ODER Sag mir, wo die Windeln sind, wo sind sie geblieben?

Geschmuggelte Drogen aus Südamerika, Waffenschmuggel in Zentralafrika oder billige Zigaretten aus Polen – das illegale Geschäft mit Waren aller Art blüht weltweit.

Auch Norwegen hat ein Schmuggelproblem.

Hier im Land sind die heißen Waren…

Windeln.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Wie ich bereits häufiger erwähnt habe, ist in Norwegen so ziemlich alles zu teuer. Die ersten Besuche im Supermarkt haben mich fast traumatisiert, schluchzend stand ich vor dem Regal mit Schokolade und wünschte mich sofort in irgendeinen ALDI oder Realkauf in Deutschland. EIN Produkt ist in Norwegen allerdings so richtig billig: Windeln. Zum Vergleich: Die 30er – Packung einer bekannten Windelmarke mit dem Zusatz „baby dry“ für Babies zwischen 4 bis 9 Kilo kostet in Deutschland zwischen 8,45 und 8,95 Euro. Das sind umgerechnet rund 75 NOK. Hier in Norwegen kostet die Packung beim KIWI-Supermarkt gegenüber aber nur…..TUUUUUUSCH……36,90 NOK. Das ist (für alle mathematisch gehemmten Leser) knapp DIE HÄLFTE! Und ich rede hier nicht von Aktionspreisen. Das ist der reguläre Preis.

Wow, oder?

Die Windeln einer schwedischen Firma, die besonders Fußballfans anspricht, sind über eine deutsche Website für 8,90 Euro zu kaufen, im KIWI gibt es sie für 29,60 Kronen, das sind rund 3,20 Euro. Und ganz extrem wird es, greift man zu KIWIs Eigenmarke – 50 Windeln für 16,90, also für knapp 2,- Euro. WIE kommt das? Alles begann im Jahre 2000: Die beiden großen Supermarktketten im Land, KIWI und Rema1000 führen den „bleiekrig“, den Windelkrieg. Die Idee ist simpel. Familien mit kleinen Kindern werden mit absurd niedrigen Preisen für dringend benötigte Windeln in den Laden gelockt. Einmal dort, hofft man, dass sie auch den restlichen Einkauf im Supermarkt erledigen. Wenn man schon mal da ist….

Besonders hart wird der Windelkrieg im Herbst, da die meisten Babies in Norwegen Ende August geboren werden. (Was weniger an kalten Novembernächten als an der zeitlichen Vergabe von Kindergartenplätzen liegt.) Im Herbst tobt also der Windelkrieg mächtiger als jemals. Manche Supermarktketten vermelden rote Zahlen in dieser Zeit, aber trotzdem beteiligen sich fast alle an den Dumpingpreisen. Ein in Europa einmaliger Produktkrieg, der dazu führt, dass nirgendwo auf dem Kontinent Windeln so billig sind wie im eigentlich teuersten Land Europas Norwegen.

Auftritt Wirtschaftstheorie.

Es nennt sich Ricardos ehernes Gesetz des Preises und geht ungefähr so (mein Wirtschaftsabitur ist schon ein paar Jahre her, ich bitte daher um Nachsicht): Ist der Preis eines Gutes niedriger als der Preis plus Transport desselben Gutes an einem anderen Ort, beginnen Leute es zu kaufen, zu verschiffen und zu verkaufen.

Auftritt Schmuggler.

In der Scheibenwelt des britischen Autors Terry Pratchett gibt es die Zunft der Diebe und Schmuggler, um die illegalen Machenschaften zu einem angesehenen Berufstand zu entwickeln. Vielleicht gibt es auch in der realen Welt einen Treffpunkt für Schmuggler…

Ein düsteres Cafe in einem verkommenen Vorort. An der Bar drei undurchsichtige Typen. Die blond toupierte Barfrau will die Stimmung etwas aufheitern.

Barfrau (lächelnd): „Na, Jungs, was schmuggelt Ihr denn heute so Hübsches?“

Schmuggler (gemeinsam): „PSSSSSSST! Bist du verrückt? Schmuggeln? WIR? Nie! Legaler Import-Export, das ist es was wir machen!“

Polizist, der gerade am Ende der Bar dienstbeflissen aufgeschreckt ist, schläft wieder ein.

Barfrau (die Augen verdrehend): „Okay, okay. Also: Welche Waren IMPORTIERT Ihr denn heute so? – Irgendetwas Nettes für mich dabei?“

Schmugg…entschuldigung…Importeur 1 (zieht lässig Schnodder hoch): „Drei Leopardpanzer heute.“

Barfrau (enttäuscht): „Och, schon wieder?“

Importeur 2 (rückt seine Kronjuwelen zurecht): „Kolumbianische Drogen.“

Barfrau (nickt): „Gehen immer.“

Importeur 3: Schweigt.

Barfrau (aufmunternd): „Georgi, und du?“

Importeur 1 und 2 kichern hämisch.

Importeur 2: „Ja, Georgi, und duuuuuuuu?“

Importeur 3 guckt mörderisch.

Importeur 1: „Na, komm, Georgiiiiiiii: Ich importiere heute……..“

Importeur 2: „W…..W…..Wi…..Wi……Winnnnnnnnn……“

Georgi (brüllt genervt): „WINDELN, okay????? W I N D E L N!“

Importeur 1 und 2 fallen lachend vom Barhocker: „Wiiihiiindeln aus Nooorwegen…….“

Barfrau (mitleidig): „Ach, Georgi, das wird schon noch….noch ein paar Jahre und du schmuggelst was Ordentliches. Bestimmt.“

Georgi (verletzt, aber nicht ohne Stolz): „Die Familien freuen sich. Alle mögen mich. Windeln sind wichtig.“

Barfrau: „So ist es, Georgi.“

Fakt ist: Die Dumping-Preise von Windeln führen dazu, dass vor allem litauische und polnische Schmuggler nach Norwegen kommen und sich hier mit Windeln eindecken, bis der Kleinlaster ächzt. Berühmtestes Beispiel ist der „Windel-Engpass von 2013“, als bei Rema1000 im ganzen Land die Windelregale von ausländischen Käufern leergeräumt wurden. An der Grenze zu Schweden entdeckten Zollbeamte Wagen voller Windelpakete im Wert von rund 50.000 NOK, knapp 6000 Euro. Statt den Preis der Windeln zu erhöhen und damit Megaeinkäufe und Schmuggel ins Ausland unattraktiv zu machen, beschränkte die Supermarktkette die Anzahl an Windelpaketen pro Person. Rieseneinkäufe seien „…kein Diebstahl und nicht kriminell,“ so ein Sprecher. „Aber sie sind ein großes Problem…sie lassen nichts mehr übrig für unsere regulären Kunden.“ Aber man kann es den Schmugglern fast nicht verdenken. Windeln, in Norwegen für rund 40 NOK eingekauft, können, laut norwegischer Zeitung Dagbladet, in Litauen für umgerechnet 120-140 NOK verkauft werden. Das lohnt sich. Und gut versteckt entfällt die bei Einfuhr zu zahlende Steuer und schon ist man der Windelkönig im Land und verdient sich eine goldene Nase!

Oder goldene Windel.

Ich werde auf jeden Fall das Windelregal bei KIWI im Blick behalten und, falls nötig, jeden Tag drei Pakete kaufen, um einen Engpass zu vermeiden. Jede vierte Packung gibt es dank der Bleiekort, der Windel-Discountkarte, übrigens umsonst. Toll!!!!!!

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Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser! Ich hoffe, dieser kleine Bildungsartikel über Norwegen hat Euch gefallen und freue mich auf Kommentare. Meine wöchentlichen Grüße sind diesmal eine Portion Abkühlung für Euch Armen in Deutschland, es scheinen tropische Temperaturen zu herrschen. Haltet durch! Hier hat der Sommer eine kurze Verschnaufpause eingelegt, das finde ich ganz ausgezeichnet. Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, guckt mal wieder nach Angeboten im Supermarkt, schmuggelt nichts außer guter Laune und esst einen großen Eisbecher für mich – ich habe Lust auf Bananenflip!!!!

Ha det bra,

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Ulrike