BESUCH!!!

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Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Nachdem ich Euch letzte Woche einfach so ohne Gruß gelassen habe, heute wenigstens ein kurzer Gruß und Euch allen ein tolles Wochenende. Aus dem heimatlichen Hildesheim hat sich heute morgen mein Patensohn auf den Weg nach Oslo gemacht – zum ersten Mal kommt er nach Oslo und ich freue mich riesig!

Besuch aus Deutschland ist immer schön, denn plötzlich kommen Menschen nach Oslo die mich „von früher“ kennen. Die mich „Ulli“ nennen, was hier niemand tut (was auch okay ist :)…) und die mir auf einen ganz anderen Ebene vertrauter sind, als alle tollen Freunde hier. Naja, ist ja auch klar, ob man sich nun 18 Jahre kennt oder 4….das kann einen großen Unterschied machen. Ist ja logisch!

(Uihuihui, jetzt ist er gerade losgeflogen!)

Das große Sightseeing-Programm steht, der Apfelkuchen duftet, das Wetter scheint zu halten. Mir bleibt also nur noch, uns allen ein tolles Wochenende zu wünschen! Mein spezieller Wochengruß geht also heute an Jan-Niklas, hoch in der Luft via Oslo und an den lieben Rest der Familie in Hildesheim- wir machen viele Fotos, versprochen!

Nächste Woche geht es hier im Blog ums Boxen und warum Erna Solberg in den Ring gestiegen ist.

Ha det,

 

Ulrike

(Foto kommt später!)

 

Alle an die Besen! ODER Heute ist dugnad und ich kann nicht hin.

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Stell dir vor, es ist dugnad – und du kannst nicht hin.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen.  Es gibt in jeder Sprache und Kultur Begriffe, die nicht übersetzbar sind. Jedenfalls nicht hundertprozentig. “Heimat” bedeutet sehr viel mehr als nur der Platz, aus dem jemand stammt. “Torschlusspanik” ist ebenso unmöglich zu übersetzen wie “Schadenfreude” und was genau eigentlich “hyggelig” ist, wissen wohl nur die Skandinavier selbst.

Nun also dugnad. Ein typischer norwegischer Begriff. Ein Wort, das einem als Ausländer hier schon nach kurzer Zeit im Land über den Weg läuft, etwas, das alle tun und kennen. Dugnad? Laut Lexikon kommt der Begriff aus der isländisch-norwegischen Mittelaltersprache norrønt und bedeutet: Hilfe. Aha. Kurz gesagt ist ein dugnad eine Art Zusammenkunft, wo Menschen gemeinsam etwas reparieren, sauber machen oder aufräumen. Dugnads finden in Wohnblocks statt, bei Sportvereinen, Kindergärten, in Schulen oder Kirchengemeinden. Meinen ersten dugnad  hatte ich in der Deutschen Gemeinde Oslo und da das Wort dugnad in meinem Kopf das Wort bunad (Tracht) traf, dachte ich zuerst, es ist ein Fest in Tracht. Bis mir dann von einer Frau in Gummistiefeln ein Besen in die Hand gedrückt wurde.

Ein dugnad beinhaltet körperliche Arbeit drinnen oder draußen und wird geleistet von Menschen, die einer bestimmten Gemeinschaft angehören. Dabei handelt es sich um Arbeit, die man schwierig alleine durchführen kann. Und so kann es passieren, dass die Chefin der Osloer Börse mit dem serbischen Busfahrer die Kindergartenfassade neu streicht, denn beim dugnad sind alle gleich.

Naja, jetzt schieße ich vielleicht etwas über das Ziel hinaus. Verzeihung. Aber THEORETISCH wäre das obengenannte möglich.

Im Jahr 2004 veranstaltete der norwegische TV-Sender NRK eine Sendereihe mit dem Titel “Typisk norsk” und die Zuschauer sollten ur-norwegische Begriffe vorschlagen und am Ende einen Gewinner wählen. Es gewann – Ihr ahnt es schon – der Begriff dugnad. (Weitere Kandidaten waren übrigens laut Wikipedia: koselig, matpakke und – das ist jetzt nur zu verstehen, wer schon mal mit einem Norweger gesprochen hat – jah (beim Einatmen). Nicht nur wir Ausländer finden also, dass dugnad etwas typisch norwegisches ist.)

Letzte Woche war in Gesas Kindergarten dugnad. Zwei Wochen vorher erreichte mich eine Email des Elternvorstands, doch bitte den 21.9. von 16-19 Uhr freizuhalten. Ein paar Tage vorher klebten Listen am Ausgang des Kindergartens mit zu verteilenden Aufgaben: Regale sollten geputzt und verrückt werden, der Hof gereinigt, die Fenster geputzt und die große Frage am Tag vorher erreichte mich per SMS: Wer kann einen Hochdruckreiniger mitbringen?

Nun hatten wir aber folgendes Problem: Martin war in Stavanger. Gesa ist in totaler MammaPappa-Phase und gerade nicht babysitterfähig. Wie sollte ich da also beim dugnad mitmachen?  “Na, die Kinder sind dabei!” lautete die selbstverständliche Antwort der Elternvorsitzenden auf meine Frage. “Ab 16.30 haben wir auch Kinderprogramm mit Schminken und Würstchen grillen!”

Ach guck. Wieder was gelernt. Gesa könnte also mitkommen – aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es wäre zuviel für die kleine Motte den eh schon langen Kindergartentag noch um einige Stunden zu verlängern. Ich überlegte lange hin und her, entschied mich dann – mit schlechtem Gewissen – gegen den dugnad. Für Norweger vielleicht unverständlich, für Ausländer hier in Norwegen vielleicht nachvollziehbar: ich habe mir wirklich Gedanken gemacht! Wir sind die einzigen ausländischen Eltern in der Gruppe, wir sprechen Deutsch mit Gesa, ich arbeite (noch) nicht – irgendwie hatte ich das Gefühl, es wäre wichtig ein Zeichen zu setzen. Pro-Norwegen usw. Mit schlechtem Gewissen sagte ich also bei einer der Erzieherinnen ab.

“Ja, det er helt greit!” bekam ich als Antwort. Kein Problem! Ob ich vielleicht einen Kuchen backen soll oder ähnliches, fragte ich nach. “Ach, nein, das brauchst du nicht. Ehrlich, kein Problem.”

Hm.

Nun frage ich mich: Ist der dugnad doch nicht mehr so wichtig in der norwegischen Gesellschaft? Sehen wir Ausländer ihn wichtiger, als er tatsächlich ist? Kommt es darauf an, WO und von WEM er organisiert wird – wäre es also “schändlicher” nicht zum dugnad meines Wohnblocks zu gehen als im Kindergarten abzusagen? Was ist mit den Geschichten von Nachbarn, die stummer Ignoranz ausgesetzt waren, weil sie nicht zum freiwilligen…“freiwilligen“(?)… Arbeitseinsatz erschienen sind? Alles übertrieben?

Fragen über Fragen. Eigentlich schade, dass es diesmal nicht geklappt hat. Wann hat man ansonsten die Gelegenheit, die anderen Eltern und Mitarbeiter besser kennenzulernen? Und gemeinsam an etwas zu arbeiten stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl (Hallo, Galgenraten!), ikke sant? Nächstes Mal werde ich bestimmt dabei sein.

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Der  Herbst ist da und hat das letztlich noch sonnige Oslo in graue Regenwolken gehüllt. Ganz viel Sonne schicke ich heute nach Norddeutschland zu Ines und Jan – habt eine ganz wunderbare Hochzeit, wir denken an Euch!!!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, was tut Ihr für die Gemeinschaft, habt Ihr Erfahrungen mit dugnads, oder was haltet Ihr davon? Mein norwegischer Sprachbuddy und ich gehen jetzt mal lunsj essen.

Ha det bra,

max

Ulrike og Max Kattepus

 

Krankmeldung

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Hallo, liebe Leser, das Kind ist ein bisschen krank, aber noch gesund genug, um es doof zu finden, wenn ich am Computer sitze. Ich bin mittlerweile klüger und gebe gleich nach ;).

Gesa ist also heute nicht frisk som en fisk (wir würden sagen: nicht munter wie der Fisch im Wasser), aber wir hoffen, das legt sich bis Sonntag!

Euch allen ein schönes, sonniges und nicht zuuuuu warmes Wochenende. Wir lesen uns nächsten Freitag!

Ha det,

Ulrike

 

 

Sommer, nee Herbst, nee Sommer in Oslo….

@radiokiepenkerl

So, gleich geht es los. Habe ich alles eingepackt für einen Nachmittag im Park? Kurz nochmal checken: Picknickdecke, Ball, Sonnencreme, Gummistiefel, Schirm, Schneeanzug, Handschuhe. Ja, alles da, auf geht’s!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Das Wetter in Oslo spielt 2016 echt verrückt. Verlässt man das Haus morgens in sommerlicher Stimmung, kehrt man spätestens mittags frierend zurück. Oder umgekehrt. Ein heilloses Durcheinader! Mehrfach haben wir schon gedacht: “So, das war es mit dem Sommer!”, nur damit er dann am nächsten Tag wieder da war. Das ist verwirrend! Wie soll man sich denn darauf einstellen?

Ich meine, mal ehrlich: Make up your mind, Sommer! Sein oder nicht sein? Strand oder Pfütze? Das würde mir auf jeden Fall den Tagesablauf sehr erleichtern.

Allerdings bemerke ich, dass viele Norweger (und bald auch ich) dieses Hin und Her einfach ignorieren und sagen: “Es ist Sommer. Basta!” Da hüpfen die Kinder im Regen barfuß auf dem Spielplatz, da geht die Familie bei Herbstwetter ins Freibad und Eis schmeckt überhaupt schon mal IMMER. Dazu tragen wir Birkies und Shorts, Blumenkleider und Bikinis und wer im Sommer Socken anzieht ist ein Loser! Sommer ist, weil wir das sagen.

Ein sehr unterhaltsame und positive Einstellung, die Gesa und ich gern übernehmen. Wir sind allerdings noch blutige Anfänger, deshalb quillt der Kinderwagen über von Gegenständen für alle vier Jahreszeiten. Naja, das wird schon! Bis Montag dauert der Zauber noch, dann geht hier in Oslo der Alltag wieder los: Schulstart. Ende des Sommers. Ende der lockeren Tage, des Pokemon-gefüllten Frognerparks und langsamer Anfang vom Herbst.

Schade. Je länger ich in Norwegen lebe, umso mehr mag ich den Sommer. Besonders den norwegischen Sommer: Am See liegen, leichter Wind in den Birken, Sommergeruch in der Nase. Schön ist das. Nur irgendwie zu kurz.

Also, Sommer, falls du noch ein paar Tage bleiben willst, von mir aus gerne. Aber dann entscheid’ dich: Do you wanna stay or wanna go? Weil, ehrlich, ich habe keine Lust mehr, den ganzen Mist immer mitzuschleppen!!!!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an meinen Partner in Crime und Love. Ich wette, du hast beim Lesen die Augen verdreht, den Kopf geschüttelt und hast “Ich will Herbst!” gemurmelt. – Und dann schicke ich ein paar Grüße an den kleinen Sonnenschein, der nebenan seinen Mittagsschlaf hält: Heute, meine kleine Motte, war unser letzter “normaler” Tag. Nur wir beide vormittags mit unserem normalen Alltag. Ab morgen ist Oma zu Besuch, jippie!!! und ab Dienstag, deinem 2. Geburtstag, bist du ein Kindergartenkind!!!

Was hatten wir für zwei tolle Jahre, mein kleiner Lieblingsmensch! Jetzt kommt dein erster Schritt raus aus dem Nest und ich frage mich, wer tapferer sein muss… Als du gerade ein paar Tage alt warst, habe ich geschrieben: “Gesa füllt einen Platz in unseren Herzen, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.” Wahnsinn, wie lange das schon her ist. Ich hab dich trillionenfach mehr lieb als damals, meine kleine Entdeckerin. Und jetzt, los, husch, raus aus dem Nest!

Ha det bra,

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Ulrike

Ein Wochenende in Bergen ODER Sonne??? In Bergen?

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27. Mai 2016. Es muss ein Traum sein: Riesige Schneefelder vor dem Fenster, Schneeflocken fliegen gegen die Fenster und eine Gruppe Skifahrer schnallt sich das Gepäck auf den Rücken. Ich reibe mir die Augen, aber alles bleibt wie es ist. Willkommen auf der Hardangervidda – willkommen in der Bergenbahn!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum Geburtstag hatte ich ein tolles Geschenk bekommen: Ein Wochenende in Bergen. Unglaublich, aber wahr – in der berühmten Stadt an der Westküste war ich in den vier Jahren Norwegen noch nie gewesen. Nun aber sollte es sein! Von vielen Seiten hatte ich gehört und gelesen, dass der schönste Weg nach Bergen der Weg mit dem Zug sei. Knapp sieben Stunden quer durch Norwegen – das wollte ich unbedingt machen!

Heute kann ich sagen: Einmal ist genug. Versteht mich nicht falsch: Es ist super, plötzlich auf Gletscherhöhe zu sein und in eine bizarre Eis- und Schneelandschaft zu gucken. Auch reißende Ströme und Wasserfälle sind spannend – außerdem lernt man nette Leute kennen (ich in diesem Fall ein Amerikanerin auf Nordeuropatour) und hat Geschichten zu erzählen. Aber sieben Stunden sind sieben Stunden und die können echt lang sein.

Der Flug nach Bergen dauert 45 Minuten.

Nur so als Vergleich.

Im Zug hörte ich – bis auf die Durchsagen – kein Wort Norwegisch. Mein Waggon wurde von einem älteren Amerikaner dominiert, der gutgelaunt und mit viel Volumen alle und alles kommentierte, erzählte, wohin er und seine Frau reisen würden und sich auch sehr für das  Leben seiner Mitreisenden zeigte. Ob die das nun mit ihm teilen wollten oder nicht.

Meine Sitznachbarin entschuldigte sich bei mir ständig für ihren polternden Landsmann.

“He is from Florida, you know. – He means well.” (Er ist aus Florida, du verstehst schon. Er meint es nur gut.)

Andere Waggons waren komplett in deutscher Hand – das Schwabenland schien geschlossen auf Hurtigruten-Tour zu gehen. Von Kopf bis Fuß in Jack Wolfskin gekleidet, schwäbelte sich Waggon 6 Richtung Bergen. Ich hatte viel zu lachen und viel zu lauschen und kam äußerst amüsiert in Bergen an.

Dort regnete es.

Logisch.

Über das Wetter in Bergen gibt es viele Witze, wie zum Beispiel den hier: Ein Tourist fragt einen Bergenser Jungen auf der Straße: “Sag mal, regnet es hier eigentlich immer?” Darauf der Junge: “Woher soll ich das wissen? Ich bin erst 13 Jahre alt.”

Ich war auf Regen vorbereitet. Nach einem kurzen Weg durch die Innenstadt erreichte ich mein Hotel in Nähe der Tyskebryggen, einem UNESCO-geschützen Holzhausviertel und einer DER Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es war mittlerweile kurz vor 16 Uhr – aber vor Mitternacht sollte es eh nicht dämmerig werden, ich hatte also noch genug Zeit zum Sightseeing. Und die nahm ich mir dann auch. Mit der Floibahn rauf auf den Berg zur spektakulären Aussicht über die Stadt und die naheliegenden Inseln und Fjorde; über den Fischmarkt und am Hafen entlang; durch die übersichtliche Innenstadt rauf zur Johanniskirche; an die Tyskebryggen und wandern durch die engstehenden Holzhäuser mit ihren Werkstätten und Restaurants. Die Zeit flog dahin.

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Und ich war einfach so mit mir unterwegs. Das war toll! Ich liebe meine Familie und verbringe gerne viel Zeit mit ihnen oder mit Freunden – aber es war einfach mal toll, ganz allein bestimmen zu können, was ich wann, wo und wie mache. Und da mir mit mir selten langweilig ist, genoss ich diese Zeit ganz enorm.

Zurück im wunderschön restaurierten Det hanseatiske Hotel stand abends nur noch Lesen und Fernsehen auf dem Programm. (An dieser Stelle zwei Empfehlungen: Laut gelacht habe ich über die Komikerin und Musikerin Ingrid Bjørnov und ihr Programm “2012 Ouverturen” und unglaublich gerührt war ich von dem Film “Mannen fra Snåsa”, einem Dokumentarfilm über den norwegischen Heiler Joralf Gjerstad.)

Mein Zug ging am Sonntagmorgen bereits um 11.30, entsprechend früh stand ich auf, um noch die Bergen Festung zu besichtigen. Beim Frühstück traute ich meinen Augen nicht: Sonnenlicht flutete durch das Restaurant.

Sonne!

In Bergen!

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Die eng zwischen bewandeten Hügeln und Meer liegende ehemalige Hansestadt zeigte sich von ihrer Schokoladenseite – ich zückte ungläubig meine Sonnenbrille und lief am Hafen entlang Richtung Festung. Viel Spannendes gab es hier nicht zu sehen, aber ich erfuhr, dass es im Jahre 1665 “Der Kampf um Bergen” sozusagen vor meinen Füßen stattfand.

Was war geschehen?

Salopp gesagt war es ein Kommunikationsproblem: Eine Übereinkunft zwischen dem dänisch-norwegischen König Frederik III. und dem englischen König Charles II. hatte die neutrale Stadt Bergen nicht erreicht. Als eine Flotte holländischer Schiffe also Schutz im neutralen Hafen von Bergen suchte, gaben die Bergenser nicht, wie abgesprochen zwischen den Adligen, eines der Schiffe zum Überfall frei, sondern verteidigten ihre Neutralität gegen den vermeintlichen englischen Angreifer. Die englische Flotte gab sich, nach schweren Verlusten, geschlagen und Bergen verteidigte erfolgreich seine Neutralität und schützte das holländische Schiff.

Wie der König in Kopenhagen getobt hat, erfahre ich leider nicht.

Ähnlich der englischen Flotte machte ich mich nun, viel zu früh, auf den Heimweg. Mein siebenstündiger Rückweg wurde nicht nur durch eine Bergenser Skillingsbolle versüßt…

@www.seriouseats.com

…sondern auch durch Freundin Kerstin verkürzt, die witzigerweise im gleichen Zug saß.

Am Abend kam ich glücklich wieder in Oslo an. Denn, so schön es war alleine unterwegs zu sein, so schön war es auch, wieder nach Hause zu kommen.

Mein Fazit: Bergen ist absolut eine Reise wert – und zwar eine lange. Das nächste Mal will ich auf den Berg Ulrik klettern, eine Fjordtour machen, das Umland erkunden, ins Theater gehen und und und.

Dann werde ich aber unter Garantie das Flugzeug nehmen!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Der Sommer ist da, vielleicht nicht meteorologisch, aber dafür emotional. Zahlreiche Sommerfeste und Abschiede machen den Juni immer zu einem aufregenden Monat. Meine wöchentlichen Grüße gehen daher an alle, die in diesem Sommer Oslo verlassen – unter anderem Nina, David und Amelie, Sabine und Marie mit Kai und Julian, Sabine mit Lukas und Stefan! Schön, dass wir uns hier getroffen haben und alles Gute für Euch zurück in Deutschland. Ha det bra!

Der Blog und ich gehen jetzt für vier Wochen in Sommerpause. Meine lieben Leser, danke für Euer Lesen und Kommentieren – was wäre Neues aus Norwegen ohne Euch? Habt einen tollen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen, mit viel Sonne und mit ganz viel Lachen!

Ha det bra og God sommer,

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Ulrike

Geburtstagsparty für alle! ODER Herzlichen Glückwunsch, ich mag dich nicht…

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Es ist 1983. Ich bin 11 Jahre alt. Während der Stern, etwas voreilig, mit dem Fund der Hitlertagebücher prahlt und die Uferschwalbe der Vogel des Jahres ist, bin ich am Boden zerstört. Nelly (Name von der Autorin geändert), das coolste Mädchen der Klasse, feiert nämlich ihren Geburtstag ohne mich. So etwas kann eine Kinderseele ganz schön treffen. – Hier in Norwegen wäre mir das wohl nicht passiert.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Gestern hatte ich auf der Rückfahrt vom Kinderkirchenteamtreffen (Hallo, Galgenraten!) ein interessantes Gespräch. Während Gesa selig schlief, erzählte mir Annette vom norwegischen Schulsystem. Ihre beiden Kinder gehen auf norwegische Schulen. “Gleich beim ersten Elternabend, zum Beispiel,” sagt Annette, als es um Unterschiede zu deutschen Schulen geht,”…gleich beim ersten Elternabend wurde uns erklärt, dass bei Geburtstagen entweder alle Mitschüler eingeladen werden oder alle Jungen oder alle Mädchen.”

“Finde ich unmöglich”, rege ich mich auf. “Da müssen die Kinder also Mitschüler einladen, die sie nicht mögen! Wie blöd!! Geburtstagskommunismus!”

“Naja”, meinte Annette. „Dafür lernen sie, dass selbst die, die sie nicht mögen, mit Respekt zu behandeln sind.”

Und darüber denke ich seitdem nach. Ich hatte von diesem “Einladungszwang” in norwegischen Schulen schon gehört und mich immer (siehe oben) darüber aufgeregt: Die armen Kinder, die nicht bestimmen dürfen, wen sie einladen. Die armen Eltern, die plötzlich ganze Schulklassen unterhalten müssen – das geht ins Geld! – das geht an die Nerven! – was ist, wenn man nicht genug Platz hat? Und bis zu welcher Klasse geht das denn so???

Aber dann fielen mir Nelly und 1983 ein. Wie hatte ich mich geschämt, dass ich nicht eingeladen war.

War also etwas dran am norwegischen System? Den finanziellen Aufwand umgeht man beispielsweise, in dem Kinder zusammen feiern und die Eltern die Kosten teilen. Das Platzproblem umgeht man mit einer Tour und Grillparty.

Dafür wird aber kein Kind ausgeschlossen.

Stellen wir uns das einfach mal vor: Jeder erinnert sich bestimmt an das eine Außenseiterkind, mit dem niemand spielen und das erst recht niemand zum Geburtstag einladen wollte.

Habt Ihr das?

Nun stellt Euch vor, er oder sie wäre zu Eurer Geburtstagsfeier gekommen .

OH HILFE!

Ja, aber vielleicht hätte man auch plötzlich etwas Nettes entdeckt, eine Gemeinsamkeit, den Grund für das unerträgliche Verhalten.

Hm.

Ich finde das ganz schwer zu entscheiden. Auf der einen Seite ist es doch wichtig, entscheiden zu dürfen, wen oder was man mag – ein Schritt auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit. Dazu gehört für mich auch entscheiden zu dürfen, wer meinen Geburtstagskuchen isst und wer nicht.

Aber andererseits….tja, andererseits…..

Was meint Ihr?

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Der Sommer ist da und während Unwetter in Deutschland und Frankreich herrschen, schwitzen wir hier bei 27˚ Grad. Ich hoffe, Ihr seid alle sicher und im Trockenen, wo immer Ihr auch seid. Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an Stephan – danke, dass du mich morgen zu deiner Geburtstagsparty auf Hovedøya eingeladen hast. Oder…musstest du????  :))))) Meine lieben Leser: Habt ein gutes Wochenende, genießt den Sommer und schreibt mir Eure Meinung zum Thema von heute. Gern auch eigene Erlebnisse, mehr Infos oder oder oder…

Hilsen,

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Ulrike

(mein Wochenende in Bergen war übrigens toll, darüber mehr nächste Woche!)

Wir gehen auf trilletur ODER Ein ökonomisches Pony begeistert Gesa!

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Wir trillen lustig durch den Wald, die Sonne scheint. So muss es bei einer trilletur sein, ikke sant? Trillen kann man zu zweit, aber auch gern in großen Gruppen. Alleine wäre es hingegen komisch. Trilletur ist eines dieser norwegischen Wörter, die ich erst kenne, seit Gesa auf der Welt ist. So wie helsestasjon, bleier, barselgruppe oder åpen barnehage. Trilletur…Na? Naaa? Naaaaaaa?

Genau, eine trilletur ist eine Wanderung oder ein Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Früher haben Martin und ich unseren Rucksack geschnürt, haben uns ein Ziel ausgesucht und sind losgewandert. Bergauf und bergab, durch Wälder, über Wiesen, auf Wanderwegen oder Trampelpfaden.

Dann kam Gesa und plötzlich stellte sich die Frage: Auf Tour – ja gern – aber geht das mit Kinderwagen?

(“Hä?? Nehmt doch eine Trage!”, höre ich Euch rufen. Zu faul, entgegne ich da. Zu schwer und überhaupt schleppe ich dann nicht nur das Kind, sondern wir müssen auch ihre ganze Ausstattung mitschleppen…nee, nee, nee. Barnevogn it is.)

Wir machten uns also auf die Suche nach Tips für Wanderungen mit Kinderwagen: “Tur med barnevogn nordmarka” fragte ich. “Trilleturer“ von Gry Støyvind Hoell, antwortete Google. Irritiert versuchte ich trilletur zu übersetzen und war bald sicher, den richtigen Begriff gefunden zu haben. Das Buch zu kaufen ging fix.

Und dann passierte erstmal gar nichts.

Ich blätterte ein paar Mal begeistert hin und her, schrieb Touren auf, die wir UNBEDINGT machen sollten…

…und dann passierte wieder gar nichts.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Ich bin ganz groß im Plan schreiben, Plan aufhängen und Plan angucken. Ich liebe Pläne. Und manchmal habe ich dann das Gefühl, genug getan zu haben. Mein Küchenorganisationsplan, beispielsweise. Großartig ist der! Und wie er da hängt! Super! – Meine Küche hingegen…)

Am letzten Wochenende hatten wir dann Familienwochenende und wollten wandern. Raus aus der Stadt, ab in den Wald, eine tolle Tour – aber bitte irgendwohin, wo ich auch Waffeln essen kann.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Eine Wanderung ohne irgendwo einzukehren, finde ich doof. Ich brauche immer ein Ziel und zwar eines mit Verköstigung!)

In unserer Zeit vor Gesa waren wir immer gern zum Ullevålseter gewandert – vom Sognsvann aus, eine Strecke, die mit Kinderwagen aber nicht möglich ist. “Ohhhh!”, schwärmte ich, “Ullevålseter…da gibt es soooo leckere Waffeln!” Ein Blick ins Trilleturbuch und bald stand fest: Jawoll, Ullevålseter, das geht auch mit Kinderwagen! Hurra!

Am Samstagmorgen ging es los und ich erlebte wieder einen Aspekt, den ich an Oslo ganz besonders schätze: Man steigt in die öffentlichen Verkehrsmittel (in diesem Fall die Busse 25 und 51) und nach knapp 30 Minuten standen wir mitten auf dem Land. Rote Bauernhäuser, Felder, Seen – Idylle pur. Die Haltestelle hieß “Hammeren” und lag genau gegenüber des Wanderwegs, der uns zum Ullevålseter (lies: zu den Waffeln) führen sollte. Ich stand erstmal wieder staunend in der ganzen Natur. Das ist das Tolle, wohnt man, wie wir, mitten in der Stadt: Das Staunen, sobald man draußen ist, ist so groß ;)!

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Frohgemut wanderten wir also los, Gesa entdeckte moosige Bäume, schlammige Pfützen, grüßte Hunde und Libellen, wir bestaunten den Wasserfall des Skjersjøflusses, pflückten Löwenzahn und mussten auf der Hälfte des Weges erstmal anhalten und nach Luft schnappen. Atemlos blickte ich in mein Tourbuch. Da stand eindeutig: “Die Berge sind am Anfang der Tour.”

Nun weiß ich dank meines Geologen-Ehemannes, dass es Millionen von Jahren dauert, bis Berge entstehen. Das Buch war von 2009. Es war also relativ unwahrscheinlich, dass diese Berge vor uns in den letzten sieben Jahre entstanden waren. Aber dass sie DA waren, daran bestand kein Zweifel. Und zwar nicht nur am Beginn der Tour. Nein, auch in der Mitte und am Ende. Eigentlich war die ganze Tour eine Berganfahrt mit Ruhemomenten.

Norweger haben einfach andere Maßstäbe. Wir schoben also einfach weiter, genossen die Natur und entdeckten bald ein rotes Holzhaus – unser Ziel!

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Ullevålseter. Es war viel los an diesem sonnigen Samstag, aber wir sicherten uns noch einen Tisch und kurze Zeit später biss ich in eine Waffel und in ein Stück Apfelkuchen.

(Na, was denn? Ich war ja schließlich bergauf gewandert – das musste belohnt werden.)

Im warmen Sonnenschein saß ich zufrieden auf meiner Bank, die Kaffeetasse in der Hand …und verschluckte mich fast, als ich am Ufer des kleinen Tümpels gegenüber ein Pony liegen sah. Ein Pony!! Lag da, einfach so, ohne Zaun drumrum. Ein Pony!!! Gesa, die gerade friedlich Kiesel in einem Eimer sammelte, fühlte sich aprupt in die Luft gehoben und galoppierte unerwartet auf Mutters Arm Richtung Huftier.

Dessen Gedanken, als es uns kommen sah, müssen gewesen sein:

“Oh neeeeeeeeeeeeeeeee!”

So guckte es wenigstens. Und dann tat es so, als würde es schlafen. Na, da hatte das Huftier seine Rechnung aber ohne Gesa gemacht. Nicht, dass sie es streichelte. Nein.

Sie schrie es an.

“Da!! Da!!! Daaaaaaaaaaaa!!!! Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!”

Ihre Begeisterung war grenzenlos. Die des Ponies nicht. Es hob den Kopf und blinzelte gelangweilt.

Gesa wurde vor Ehrfurcht stumm und musste sich setzen.

Das Pony, zufrieden mit seiner ökonomischen Wirkung (minimaler Einsatz für maximalen Ertrag) schüttelte das weiße Haupt und schlief ein.

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Nach einigen Minuten brachte ich mein immer noch überwältigtes Kind zurück zum Tisch, wo es das Pony imitierte und einschlief.

Unsere trilletur kam nun in die ruhige Phase. Vom Ullevålseter wanderten Martin und ich (mit der schlafenden Gesa im Kinderwagen) bergab Richtung Sognsvann (ja, es gab doch einen Kinderwagentüchtigen Weg!) und stiegen dort in die t-bane Richtung Zivilisation.

Schön war es und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Genießt das schöne Wetter, schwingt Euch vom Sofa in den Wald und tut was für die Laune und die Gesundheit. Ich wünsche uns allen eine gute Woche. Morgen früh klettere ich auf den Zug nach Bergen und lerne nicht nur endlich die Stadt kennen, sondern sehe auf der siebenstündigen Zugfahrt auch ganz viel Norwegen. Darüber, natürlich, mehr am nächsten Freitag. Ganz liebe Grüße gehen heute nach Lillehammer zu Anne und ihrer Familie.

Hilsen,

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Ulrike

Rückkehrgedanken ODER In die unbekannte Heimat?

uni.de

Vor kurzem wollte ich zurück nach Deutschland. Nach Berlin oder Hannover oder ganz egal, auf jeden Fall zurück in die Heimat. Nur, weil ich eine Norwegerin mit breitem Westdialekt nicht verstanden hatte. Es genügte: Ich wollte nach Hause. Aber dann habe ich mich gefragt: Ist Deutschland denn noch das bekannte Land?

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Statt über den norwegischen Nationalfeiertag zu berichten, schreibe ich heute mal wieder über eine Frage, die bestimmt viele Auswanderer beschäftigt: Gehen wir irgendwann zurück in die Heimat?

Ich stelle mir die Frage gerne immer mal wieder. Manchmal, um einfach meine Gemütslage zu checken: „So, wie sieht es aus? Wie geht es dir? Willst du zurück nach Deutschland?“ Meistens lautet die Antwort: „Nein.“ Klar und überzeugt. Aber dann…dann stehe ich mal wieder vor einem sprachlichen, kulturellen oder intellektuellen Verständigungsproblem. Beispielsweise wusste ich nicht, was „Hotel Caesar“ war – und das ist anscheinend, als würde jemand in Deutschland die „Lindenstraße“ nicht kennen. Ich outete mich also erneut als entweder namentanzende TV-Verweigerin oder Ausländerin.

Sowas würde mir in Deutschland nicht passieren. Da sagt einer „Sendung mit der Maus“ und ich sage: „Blauer Elefant!“, einer sagt „ZDF Werbung“ – ich entgegne: „Mainzelmännchen!“, da ruft einer „Wum“ und ich rufe „Wendelin“ und schon während ich das hier schreibe fällt mir auf, dass mein deutsches TV-Wissen ungefähr von 2003 ist.

Oder noch älter.

Mein Wissen über Deutschland überhaupt. Bin ich mal ehrlich, weiß ich das meiste über meine Heimat seit 2003 nur über das Internet und jährliche Besuche, Erzählungen von Familie und Freunden, Nachrichten. Seit über 10 Jahren lebe ich nicht mehr in Deutschland, ich wähle nicht mehr, ich verliere immer mehr Verbindungspunkte in die Heimat. Und zwischen meinem Deutschland von 2003 und dem von 2016 liegen mehr als nur 13 Jahre.

Warum also trotzdem der Gedanke: „Ich will zurück.“??

Keine Ahnung!

Ehrlich, was weiß ich???

Ich kann nur Spekulationen bieten – seid Ihr bereit? Ok, here it goes:

Manchmal betrachte ich eine schlappe norwegische Wurst auf dem Grill und träume von deutschen Riesenknackern. Kulinarische Heimat.

Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, wie schwierig es sein wird, hier in Norwegen Arbeit zu bekommen, leuchtet…sagen wir mal ganz bodenständig…aus der Ferne das Licht. „Hach, in Deutschland, mit all seinen Theatern und Kultureinrichtungen wäre es soooviel einfacher für mich Arbeit zu finden.“ Heimat als Hoffnungsträger.

Manchmal, wenn ich mich mal wieder zu sehr als Ausländer fühle, ist der Gedanke an die Heimat beruhigend. Da, wo mich alle verstehen, dort, wo ich herkomme, wo ich hingehöre, wo meine Wurzeln sind. Heimat als Trostgedanke.

Aber seien wir mal ehrlich: So ein Quatsch. Wo lebe ich denn? In einem nostalgischen Deutschlandbild von 2003 – das nicht mehr der Wahrheit entspricht. Wahrscheinlich würde ich in Deutschland auch nicht mehr richtig hineinpassen, weil ich so lange im Ausland gelebt habe. Aber es passiert eben, wenn man auswandert – man verliert diese Alternative nicht aus dem Kopf – dieses „Ich könnte ja auch wieder zurück.“ Dieses „Ich habe einen Ort, zu dem ich zurückkehren könnte.“ Und das tröstet manchmal.

Was, wenn dieser Trost unmöglich ist?  Wenn es den Ort nicht mehr gibt, zu dem man zurückkehren könnte?  Wie fürchterlich herzzerreißend muss das sein.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute aus „Einsichten in das Auswandererleben“. Nicht gerade ein schenkelklopfender Wochenendspaß, was fällt mir eigentlich ein, so geht das nicht, nächste Woche wird an dieser Stelle wieder gelacht, das wäre ja gelacht, wenn es hier nichts zu lachen gäbe!

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche, egal ob Ihr in Deutschland, Norwegen oder einem ganz anderen Fleck der Erde seid! Wir haben gerade gestern unseren Deutschland-Urlaub gebucht und ich entschuldige mich jetzt schon bei allen, die wir, mal wieder, nicht sehen werden. Kommt und besucht uns in Oslo!

Hilsen,

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Ulrike

 

Schönen St. Hallvard-Tag! ODER Ein Abbild auf dem Gullideckel…

„Frohe Pfingsten“ wünscht man sich heute in der christlichen Welt. Heute am 15. Mai 2016 feiern wir hier in Oslo nicht nur Pfingsten. Es ist auch St. Hallvard Tag!

Hallo, meine lieben Leser, habt Ihr jemals das Stadtwappen von Oslo gesehen? Oder: bewusst an-gesehen? Mir ist es in den letzten vier Jahren häufig untergekommen – von Gullideckeln bis zum Kindergeldbescheid. Für alle, die es nicht kennen oder sich nicht erinnern können, hier ist es:

Man sieht darauf einen Mann mit Heiligenschein, der in der einen Hand drei Pfeile und in der anderen – nein, keine CD – einen Mühlstein hält. Unter ihm liegt eine nackte Frau. Das, in wenigen Symbolen, ist die Geschichte von Hallvard Vebjørnsson. Und bevor Ihr rätselt und versucht, Symbole zu verbinden, erzähle ich, so gut ich kann, seine unglaubliche Geschichte:

Hallvard lebte im Oslo des 11. Jahrhunderts, einziger Sohn eines Großbauerns. Eines Tages im Mai entschied er sich, eine Bootstour auf dem Fjord zu unternehmen. Während er das Boot startklar machte, kam eine junge Frau auf den Steg. Sie rannte um ihr Leben. Die junge Magd wurde von drei Männern verfolgt, die sie als Diebin verhaften wollten.

Hallvard, von edler Gesinnung, ließ die junge Frau auf sein Boot, löste die Seile und das Boot segelte hinaus auf den Fjord. Die drei Verfolger waren wenig begeistert, schnappten sich das nächstbeste Boot und begannen die Verfolgung. Sie beschuldigten Hallvard lautstark, einer Diebin zu helfen und beschossen ihn und die Frau mit Pfeilen. Beide starben auf See. Die Mörder nahmen die Leiche der Frau mit an Land. Hallvards toter Körper aber wurde auf einen Mühlstein gebunden und im Fjord versenkt.

„Fall erledigt“, dachten die Mörder.

Doch zur allgemeinen Überraschung versank Hallvards Körper nicht, sondern trieb mitsamt dem Mühlstein an Land, wo der edle Mann ordnungsgemäß begraben werden konnte. Das Volk begann ihn als Märtyrer zu verehren: Hallvard, der eine Unschuldige verteidigte und dabei sein Leben verlor. Im Jahr 1053 siedelte König Harald Sigurdssønn das Grab in die Marienkirche um und Hallvards sterbliche Überreste zogen um in einen Schrein mit Silberverzierung. Knapp 80 Jahre später fand Hallvard seine letzte Ruhe in der 1130 fertiggestellten St. Hallvardskirche.

Am 15. Mai feiert Norwegen seitdem den Heiligen Hallvard, der auch ab dem 14. Jahrhundert das Stadtwappen Oslos ziert. Wer dem Stadtheiligen heute etwas nahe sein möchte, kann die Ruinen der alten Hallvardkirche in der Altstadt von Oslo besichtigen – und vergesst nicht, nach den Gullideckeln zu gucken!

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So, das war es für heute, meine lieben Leser. Diese Geschichte ist mir heute ganz unerwartet beim Konfirmationsgottesdienst in der Deutschen Gemeinde begegnet. Danke, Georg, fürs Erzählen! Uns allen wünsche ich ein schönes Pfingstfest und allen hier in Norwegen einen wunderbaren 17. Mai! Viel Spaß bei der Parade, beim Eisessen, beim Picknicken, bei Feiern in Familie und Schulen, beim Fahnenschwenken und und und… Es ist nicht alles perfekt hier, aber ich stimme am Nationalfeiertag gerne ein in: „Ja, vi elsker dette landet!“

Hilsen,

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(Wie die Zeit vergeht: 17. Mai 2013 – und diesmal stehen wir bestimmt wieder am selben Platz zur Parade)

Ulrike

 

Blaubeeren, Russ und Einweggrills ODER Der Wonnemonat Mai in Oslo

„Ach guck, da sind sie ja wieder!“ – „Ach guck, da blüht es ja wieder!“ – „Ach guck, da schwanken sie ja wieder!“ – Ach guck, ach guck, ach guck. Im Mai müsste ich den Blog eigentlich umnennen. Nicht Neues aus Norwegen – nein, Altbekanntes aus Norwegen müsste er jetzt heißen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum vierten Mal erleben wir den Mai in Oslo und ich bemerke, wie lieb mir diese jährlichen Traditionen schon werden. So gierig wir doch heute danach sind, immer alles neu und anders und besser und ungewöhnlicher zu haben, so sehr liegt uns doch an Altbekanntem. Kotzende Abiturienten zum Beispiel. Die sind doch jedes Jahr wieder ein Schauspiel!

Seit einigen Wochen beleben die roten, blauen oder schwarzen Latzhosen wieder die Straßen von Oslo. Der diesjährige Abiturjahrgang sieht noch jünger aus als der im Jahr davor. Ansonsten ist alles wie immer: Der Springbrunnen vor dem Nationaltheater schäumt dank Russ-Seife, gefrustete Lehrer posten Bilder leerer Klassenzimmer und am Tryvann treffen sich Russe aus ganz Norwegen zur potentiell größten Russfeier des Jahres – diesmal mit echtem Schnee dank eines unverschämt späten Wintereinbruchs.

Aber es gibt auch Neuheiten von der Partyfront: Immer mehr Abiturienten verweigern sich dem Russritual. Wurden sie früher noch als Partypupser ausgelacht, scheinen sie heute immer größeren Anklang zu finden. Naja…bei Eltern und Lehrern wahrscheinlich. Ich finde es schon mutig und auch – darf man das sagen?- unnorwegisch, sich dem Gruppenzwang zu entziehen. Hut ab also an alle Russverweigerer!

Noch bis zum 17. Mai geht die Feierei, die Parade am Nationalfeiertag beendet die Partyzeit und schickt die Schulkinder zurück in die höheren Lehranstalten. Über „alkoholische Gärung“ wissen sie dann bestimmt genug.

haz.de

haz.de

Der 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag, wirft seine blau-weiß-roten Schatten schon seit mehreren Wochen durch die Stadt. Im Supermarkt bedeutet das, zu Gesas großer Freude, dass gewaltige Becher mit noch gewaltigeren Blaubeeren die Obstabteilung füllen.

Erdbeeren und Blaubeeren sind die populärste Dekoration für Kuchen oder Desserts zum syttende mai  und werden tonnenweise gekauft – selbst wenn sie so gespritzt und unnatürlich erscheinen wie die Lippen von Kim Kardashian. Schmecken tun sie trotzdem irgendwie. Also die Beeren. Die Lippen kann ich nicht beurteilen!

Dank zahlreicher Feiertage ist der Mai hier in Norwegen wirklich ein Wonnemonat. Leider hat sich der 1. Mai 2016 auf einen Sonntag verirrt, aber dafür liegen Pfingsten und der Nationalfeiertag diesmal genau hintereinander und ich frage mich, ob irgendwer im Mai überhaupt noch arbeiten geht. Wozu eigentlich – sind doch sowieso bald Sommerferien!

Der Sommer – wie freue ich mich auf ihn! Langjährige Blogleser werden meinen Weg von Sommerhasserin zu Sommerliebhaberin verfolgt haben. Norwegen hat mir zwar beigebracht: Det er ikke dårlig vær, bare dårlig klær – es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung – und so versuche ich, jeder Jahreszeit ihre schönen Seiten abzugewinnen. Aber der Sommer ist mir doch mehr ans Herz gewachsen hier oben im Norden.

(„Haha!“, lachen jetzt alle nördlich von Oslo…)

Draußen sein ohne drei Lagen Kleidung, laufen können ohne hinzufallen, im Sognsvann schwimmen und auf Hovedøya grillen gehen, Blaubeeren pflücken, Eis essen, am Bogstadvann unter rauschen Birken zu liegen… und und und….ich mag den norwegischen Sommer!

Was ich nicht mag sind Einweggrills. Die finden sich ab jetzt auch überall, ob verschweißt im Supermarkt oder stinkend und vor sich hin kokelnd im Frognerpark – sie sind und bleiben eine ökologische Unart. Und die Würstchen werden darauf auch nicht gegrillt, eher warm gemacht. Danke an alle Freunde mit großen Reserven an Nürnberger Rostbratwürstchen oder Thüringern und ordentlichen Grills!

Toll, jetzt habe ich Hunger.

Alles kehrt wieder. Klar, das ist in jeder Jahreszeit so, aber der Mai lockt uns alle raus aus unseren Stadtwohnungen und bringt uns in Feierlaune und ist dadurch irgendwie besonders. Für mich auf jeden Fall.

Same procedure as last year? – Same procedure as every year!

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So, das war es für heute meine lieben Leser! Den gestrigen Himmelfahrtstag haben Gesa und ich mit der Theatergruppe verbracht – wir sind um den Bogstadvann gewandert bei herrlichstem Sonnenschein und haben anschließend Pizza gemacht. Ein sonniger, wunderbarer, lustiger, lauter Tag – der vielleicht auch zur Tradition wird.

Uns allen wünsche ich einen wirklich wonnigen Mai mit Sonne am Himmel und im Herzen, mit Lust auf Feiern und Zeit zum Genießen. Macht das Beste draus!

Ha det bra,

Theaterdamen unterwegs :)

Theaterdamen unterwegs 🙂

 Ulrike