Die „Backstube“ in Oslo ODER Laugenstangen, jippie!!!!

***ACHTUNG: Dieser Artikel enthält Spuren von Schleichwerbung. Fette, riesige Schleichwerbung. Und das ist Absicht. Ist mein Blog. Ich darf das.***

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@beanforest

Ich stehe sprachlos vor dem Holzregal. Greife dann zur Zange, öffne die Tüte und beginne einzupacken. Zwei reichen für den Anfang…nein, drei…na gut, vier…ok, fünf…aber nun ist Schluss! Ohhh, das da hinten sieht aber auch lecker aus…und da vorne…sind das etwa Kirschtaschen?????

Hallo, meine lieben Leser, Oslo ist seit letzter Woche ein ganzes Stück besser geworden: Es gibt eine deutsche Bäckerei!! Am Freitag um 7 Uhr hat am Frognerveien 1b die “Backstube” ihre Türen geöffnet – und die Osloaner kamen! Ich natürlich auch. Am Abend vorher las ich von diesem achten Weltwunder auf Facebook in der Gruppe “Tysker i Oslo”, also Deutsche in Oslo. Diese und andere Gruppen sind eine wahre Fundgrube an guten Tipps und Infos rund um die Stadt.

Randnotiz: Sehr zu empfehlen auch “Where in Oslo” oder “New to Oslo” oder für junge Eltern “Imobago”, die internationale Mutter und Babygruppe in Oslo und “Deutsche Krabbelgruppe”. Ich bin ja sowieso ein Fan von Facebook und diese Gruppen haben mein Leben hier in Oslo echt vereinfacht.

Ich lese also völlig begeistert, dass eine deutsche Bäckerei in Oslo eröffnet. Sehr nett schreibt Chef Felix Heinrich über sein Geschäft und lädt herzlich zum Probieren ein. Na, das musste er nicht zweimal sagen. Gleich am nächsten Tag stürmen Christian, Gesa und ich die Bäckerei in der Nähe vom Solliplatz.

“Rieeeech mal, wie das hier duftet!!!!” schwärme ich sofort. Ist die Nase schon begeistert, zieht das Auge bald nach. Da liegen echte….wunderbar braune…LAUGENSTANGEN!!! Die werden hier in Norwegen von verzweifelten Deutschen schon selber gebacken, sind bei den Norwegern völlig unbekannt und ich stürze mich sofort auf das Regal und packe gleich fünf ein – man weiß ja nie. Neben mir beäugt ein Norweger interessiert die Laugenbrezeln und lässt sich dann über diese deutsche Spezialität aufklären. Na gut, er könne das ja mal probieren, beschließt er zum Beifall der umstehenden Deutschen und packt eine Brezel ein.

Das Laugengebäck ist für mich das Highlight im Angebot der Backstube. Gern hätte ich Schwarzbrot gesehen oder Streuselkuchen, aber vielleicht kommt das noch. Auch, dass die Backstube ihre Waren nicht selber herstellt sondern von, laut Internetseite, „ausgezeichneten Bäckereien aus ganz Europa“ beliefert wird und vor Ort backt, trübte ein bisschen meine erste Begeisterung.

Aber schmecken tut es prima 🙂 Das Angebot bedient, ganz klar, die internationale Szene in Frogner – es gibt neben dem deutschen Klassiker auch französische Croissants und italienisches Foccachio. Das Publikum am Eröffnungstag war entsprechend international, eine glücklich, mehlproduktbegeisterte Menge.

Ich werde auf jeden Fall regelmäßig in der “Backstube” einkaufen, denn die Laugenstangen sahen nicht nur köstlich aus, sondern schmeckten auch so. Und selbst mein fränkischer Freund Christian war begeistert! Nächsten Samstag probiere ich dann die Laugenbrezeln…nee, das Kräuterbrot…nee, die Croissants…oder die Apfeltaschen…oder….

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Geht bitte morgen trotzdem arbeiten oder an die Uni oder zur Schule, denn obacht oder OBS, wie man in Norwegen warnt: Heute ist nicht Freitag!!! Neeein, tut mir leid, heute ist erst Dienstag! Aber der Sommer hat Oslo erreicht und mein Leben findet momentan irgendwie nur draußen statt und letzten Freitag kam ich einfach nicht zum Blog schreiben. Dafür gibt es diese Woche dann gleich zwei Artikel, bevor ich mich in die Somemrpause verabschiede.

Ich wünsche uns allen eine schöne Restwoche, wir lesen uns am Freitag oder Samstag, genießt den Sommer und lobt mal wieder Euren deutschen Bäcker um die Ecke. Meine Grüße gehen in dieser Woche an Nicht-Fußballfans, die den ganzen Zirkus nicht verstehen und an alle Fußballfans, die sich durch etwas schlappe erste Begegnungen kämpfen mussten. Ich habe es dieses Mal einfach: Norwegen ist nicht bei der EM und ich kann ganz entspannt für Deutschland jubeln! Go Schweini!

Und darauf noch eine Laugenstange!

Ha det,

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Ulrike

 

Wir gehen auf trilletur ODER Ein ökonomisches Pony begeistert Gesa!

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Wir trillen lustig durch den Wald, die Sonne scheint. So muss es bei einer trilletur sein, ikke sant? Trillen kann man zu zweit, aber auch gern in großen Gruppen. Alleine wäre es hingegen komisch. Trilletur ist eines dieser norwegischen Wörter, die ich erst kenne, seit Gesa auf der Welt ist. So wie helsestasjon, bleier, barselgruppe oder åpen barnehage. Trilletur…Na? Naaa? Naaaaaaa?

Genau, eine trilletur ist eine Wanderung oder ein Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Früher haben Martin und ich unseren Rucksack geschnürt, haben uns ein Ziel ausgesucht und sind losgewandert. Bergauf und bergab, durch Wälder, über Wiesen, auf Wanderwegen oder Trampelpfaden.

Dann kam Gesa und plötzlich stellte sich die Frage: Auf Tour – ja gern – aber geht das mit Kinderwagen?

(“Hä?? Nehmt doch eine Trage!”, höre ich Euch rufen. Zu faul, entgegne ich da. Zu schwer und überhaupt schleppe ich dann nicht nur das Kind, sondern wir müssen auch ihre ganze Ausstattung mitschleppen…nee, nee, nee. Barnevogn it is.)

Wir machten uns also auf die Suche nach Tips für Wanderungen mit Kinderwagen: “Tur med barnevogn nordmarka” fragte ich. “Trilleturer“ von Gry Støyvind Hoell, antwortete Google. Irritiert versuchte ich trilletur zu übersetzen und war bald sicher, den richtigen Begriff gefunden zu haben. Das Buch zu kaufen ging fix.

Und dann passierte erstmal gar nichts.

Ich blätterte ein paar Mal begeistert hin und her, schrieb Touren auf, die wir UNBEDINGT machen sollten…

…und dann passierte wieder gar nichts.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Ich bin ganz groß im Plan schreiben, Plan aufhängen und Plan angucken. Ich liebe Pläne. Und manchmal habe ich dann das Gefühl, genug getan zu haben. Mein Küchenorganisationsplan, beispielsweise. Großartig ist der! Und wie er da hängt! Super! – Meine Küche hingegen…)

Am letzten Wochenende hatten wir dann Familienwochenende und wollten wandern. Raus aus der Stadt, ab in den Wald, eine tolle Tour – aber bitte irgendwohin, wo ich auch Waffeln essen kann.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Eine Wanderung ohne irgendwo einzukehren, finde ich doof. Ich brauche immer ein Ziel und zwar eines mit Verköstigung!)

In unserer Zeit vor Gesa waren wir immer gern zum Ullevålseter gewandert – vom Sognsvann aus, eine Strecke, die mit Kinderwagen aber nicht möglich ist. “Ohhhh!”, schwärmte ich, “Ullevålseter…da gibt es soooo leckere Waffeln!” Ein Blick ins Trilleturbuch und bald stand fest: Jawoll, Ullevålseter, das geht auch mit Kinderwagen! Hurra!

Am Samstagmorgen ging es los und ich erlebte wieder einen Aspekt, den ich an Oslo ganz besonders schätze: Man steigt in die öffentlichen Verkehrsmittel (in diesem Fall die Busse 25 und 51) und nach knapp 30 Minuten standen wir mitten auf dem Land. Rote Bauernhäuser, Felder, Seen – Idylle pur. Die Haltestelle hieß “Hammeren” und lag genau gegenüber des Wanderwegs, der uns zum Ullevålseter (lies: zu den Waffeln) führen sollte. Ich stand erstmal wieder staunend in der ganzen Natur. Das ist das Tolle, wohnt man, wie wir, mitten in der Stadt: Das Staunen, sobald man draußen ist, ist so groß ;)!

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Frohgemut wanderten wir also los, Gesa entdeckte moosige Bäume, schlammige Pfützen, grüßte Hunde und Libellen, wir bestaunten den Wasserfall des Skjersjøflusses, pflückten Löwenzahn und mussten auf der Hälfte des Weges erstmal anhalten und nach Luft schnappen. Atemlos blickte ich in mein Tourbuch. Da stand eindeutig: “Die Berge sind am Anfang der Tour.”

Nun weiß ich dank meines Geologen-Ehemannes, dass es Millionen von Jahren dauert, bis Berge entstehen. Das Buch war von 2009. Es war also relativ unwahrscheinlich, dass diese Berge vor uns in den letzten sieben Jahre entstanden waren. Aber dass sie DA waren, daran bestand kein Zweifel. Und zwar nicht nur am Beginn der Tour. Nein, auch in der Mitte und am Ende. Eigentlich war die ganze Tour eine Berganfahrt mit Ruhemomenten.

Norweger haben einfach andere Maßstäbe. Wir schoben also einfach weiter, genossen die Natur und entdeckten bald ein rotes Holzhaus – unser Ziel!

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Ullevålseter. Es war viel los an diesem sonnigen Samstag, aber wir sicherten uns noch einen Tisch und kurze Zeit später biss ich in eine Waffel und in ein Stück Apfelkuchen.

(Na, was denn? Ich war ja schließlich bergauf gewandert – das musste belohnt werden.)

Im warmen Sonnenschein saß ich zufrieden auf meiner Bank, die Kaffeetasse in der Hand …und verschluckte mich fast, als ich am Ufer des kleinen Tümpels gegenüber ein Pony liegen sah. Ein Pony!! Lag da, einfach so, ohne Zaun drumrum. Ein Pony!!! Gesa, die gerade friedlich Kiesel in einem Eimer sammelte, fühlte sich aprupt in die Luft gehoben und galoppierte unerwartet auf Mutters Arm Richtung Huftier.

Dessen Gedanken, als es uns kommen sah, müssen gewesen sein:

“Oh neeeeeeeeeeeeeeeee!”

So guckte es wenigstens. Und dann tat es so, als würde es schlafen. Na, da hatte das Huftier seine Rechnung aber ohne Gesa gemacht. Nicht, dass sie es streichelte. Nein.

Sie schrie es an.

“Da!! Da!!! Daaaaaaaaaaaa!!!! Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!”

Ihre Begeisterung war grenzenlos. Die des Ponies nicht. Es hob den Kopf und blinzelte gelangweilt.

Gesa wurde vor Ehrfurcht stumm und musste sich setzen.

Das Pony, zufrieden mit seiner ökonomischen Wirkung (minimaler Einsatz für maximalen Ertrag) schüttelte das weiße Haupt und schlief ein.

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Nach einigen Minuten brachte ich mein immer noch überwältigtes Kind zurück zum Tisch, wo es das Pony imitierte und einschlief.

Unsere trilletur kam nun in die ruhige Phase. Vom Ullevålseter wanderten Martin und ich (mit der schlafenden Gesa im Kinderwagen) bergab Richtung Sognsvann (ja, es gab doch einen Kinderwagentüchtigen Weg!) und stiegen dort in die t-bane Richtung Zivilisation.

Schön war es und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Genießt das schöne Wetter, schwingt Euch vom Sofa in den Wald und tut was für die Laune und die Gesundheit. Ich wünsche uns allen eine gute Woche. Morgen früh klettere ich auf den Zug nach Bergen und lerne nicht nur endlich die Stadt kennen, sondern sehe auf der siebenstündigen Zugfahrt auch ganz viel Norwegen. Darüber, natürlich, mehr am nächsten Freitag. Ganz liebe Grüße gehen heute nach Lillehammer zu Anne und ihrer Familie.

Hilsen,

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Ulrike

Ein Abend bei der Biathlon-WM oder Wie geht nochmal die Marseillaise?

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Foto: Christian Erhard

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Noch bis morgen hat die Biathlon-WM Oslo in der Hand. Statt norwegischen Jubels schallt aber die französische Nationalhymne durch die Stadt, denn der französische Biathlet Martin Fourcade ist der bisher ungeschlagene Held dieser WM. Am Sonntag, dem Tag seines dritten WM-Goldes, verabredete er sich schon einmal lachend für die nächsten drei Wettbewerbe mit König Harald. Da dürfte dem norwegischen Team, trotz lachender Gesichter, der Atem gestockt haben.

Gestern holte sich der bärtige Franzose dann die vierte Goldmedaille.

Aber das sind alles Sportnachrichten, die Ihr auf jeder Nachrichtenseite nachlesen könnt.

Ich wollte auch irgendeinen Teil dieser WM erleben. Zum Wettbewerb selber wollte ich mit einer wirbeligen 1,5jährigen nicht gehen. Gesa wäre mir noch auf die Loipe gehüpft! Was dann?

Beim Stöbern auf der WM-Website dann die Lösung: Jeden Abend findet nach dem Wettbewerb die Medaillenverleihung statt. Aber nicht oben am Holmenkollen – nein, mitten in der Stadt!

Na, da wollte ich hin!

Freund Christian praktischerweise auch.

Wir verabredeten uns für Mittwochabend. Der Wettbewerb des Tages waren Einzelrennen der Frauen und wir hofften auf einen deutschen Sieg. Wäre doch toll, eine Landsfrau anzujubeln!

“LOS, LAURA!!!!” feuerte ich also die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier mittags am Fernseher an, “Go for GOOOOOLD!!!”

Aber wer – natürlich – musste sich mit fantastischen Zeiten vor unsere deutsche Goldhoffnung drängeln?

Bien sûr – die Franzosen! Wollten die jetzt wirklich ALLE Medaillen gewinnen? Gold und Silber also an Frankreich, aber, immerhin, Bronze für Deutschland! Und da ich die Dinge immer positive sehe, dachte ich in diesem Fall: Prima, dann kann ich endlich mal wieder die französische Nationalhymne singen.

(Die finde ich nämlich, trotz ihres blutrünstigen Textes, fabelhaft. Eines meiner Highlights unserer Jahre in Frankreich war es, im vollbesetzten Stade de France die Marseillaise zu singen.)

Kurz nach 19 Uhr kamen Christian und ich am Universitätsplatz an, wo Kurt Nilsen gerade sein Minikonzert begonnen hatte. Franzosen und Deutsche wippten im Takt, die Franzosen in glückseliger “Wir gewinnen AAAALLLES!”-Stimmung. Im NRK-Studio neben der Bühne bereitete sich Anne Rimmen auf die Live-Show vor.

 

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Foto: Christian Erhard

 

Cool!

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Wir knipsten alles und nichts, genossen die Stimmung und besonders den Blick durch die Bühne zum erleuchteten Schloss. Der Anblick hatte mich schon bei der Eröffnungsshow begeistert– live war es aber noch besser! Tja und dann war das Musikprogramm beendet und der Höhepunkt des Abends kam – die Medaillenverleihung! Unter Jubel der Fans war das französische Team in den Innenraum der Bühne eingeladen wurden und wir erhaschten Blicke auf das deutsche Team mit ihren grünen Teamjacken.

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Großartiges Foto: Christian Erhard :)))))

Kurze Zeit später erschienen die Sportlerinnen auf dem Bühnensteg. Vorne weg junge Norwegerinnen in bunad, die die Medaillen trugen, dann kam Laura (“LAAAAURA!!!!”) Dahlmeier, gefolgt von Anaïs Bescond und Marie Dorin Habert. Ich bin ja so fürchterlich sentimental – keine Tierdoku läuft bei mir ohne Tränen ab – und hatte schon Wasser in den Augen, bevor Laura Dahlmeier das Siegertreppchen betrat. Was hat sie sich aber auch gefreut!

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

Toll war es auch, live zu erleben, was ich sonst nur im Fernsehen sah – altbekannte Bilder aus ganz neuer Perspektive. Die Riesenleinwand vor unserer Nase übertrug die Liveshow und wir konnten uns und unsere einzelne deutsche Flagge gut sehen….naja….

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So, nun hatten auch die beiden Französinnen ihre Medaillen. Zu den Klängen der Marseillaise wanderten die Nationalflaggen an den Mästen empor.

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Die französischen Fans gaben stimmlich alles, unterstützt von einer Deutschen, die sich versuchte, an den Text zu erinnern. Falls Ihr jemals in diese Situation kommen sollte (…ich wette, Martin Fourcade holt noch zwei Medaillen…) – hier ist er:

 

Allons enfants de la Patrie,

Le jour de gloire est arrivé!

Contre nous de la tyrannie,

L’étendard sanglant est levé. (2×)

Entendez-vous dans les campagnes

Mugir ces féroces soldats?

Ils viennent jusque dans vos bras

Égorger vos fils, vos compagnes.

Auf, Kinder des Vaterlands,

Der Tag des Ruhmes ist gekommen!

Gegen uns Tyrannei,

Das blutige Banner ist erhoben. (2×)

Hört ihr auf den Feldern

Diese wilden Soldaten brüllen?

Sie kommen bis in eure Arme,

Um euren Söhnen, euren Gefährten die Kehlen durchzuschneiden.

Refrain:

Aux armes, citoyens,

Formez vos bataillons,

Marchons, marchons!

Qu’un sang impur

Abreuve nos sillons!

(2×)

Refrain:

Zu den Waffen, Bürger,

Formt eure Truppen,

Marschieren wir, marschieren wir!

Unreines Blut

Tränke unsere Furchen!

(2×)

 

Sollten die Norweger gewinnen, singen wir alle:

Ja vi elsker dette landet

Melodie: Richard Nordraak
Text: Bjørnstjerne Bjørnson

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem, –
elsker, elsker det og tenker
på vår far og mor
og den saganatt som senker
drømme på vår jord.

Norske mann i hus og hytte,
takk din store Gud!
Landet ville han beskytte,
skjønt det mørkt så ud.
Alt hva fedrene har kjempet,
mødrene har grett,
har den Herre stille lempet,
så vi vant vår rett.

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem.
Og som fedres kamp har hevet
det av nød til seir,
også vi, når det blir krevet,
for dets fred slår leir.

  • Ja wir lieben dieses Land

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Lieben es und denken
an unseren Vater und Mutter
und an die Nacht der Sage,
die Träume auf unsere Erde niedersenkt.

Norweger in Haus und Hütte,
danke deinem großen Gott,
das Land wollte er beschützen,
auch wenn es dunkel aussah,
alles wofür die Väter gekämpft haben,
die Mütter geweint,
hat der Herr still gemäßigt,
so das wir unsere Recht bekamen.

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Und wie der Kampf unserer Väter
es aus der Not zum Sieg gehoben hat,
so werden auch wir, wenn es nötig ist,
das Lager für den Frieden aufschlagen.

Ich wünsche den Norwegern eine weitere Goldmedaille. Heute haben die norwegischen Frauen Gold in der Staffel geholt – die Freude war groß. Richtige Befriedigung gäbe aber, vermute ich, erst ein Sieg gegen den WM-König Martin Fourcade. Auch wenn der sich schon mit König Harald in der Königsloge verabredet hat.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Wir sind begeistert vom Universitätsplatz nach Hause gewandert, vorbei an jubelnden Franzosen und gutgelaunten Deutschen. Ab Montag kehrt in Oslo wieder Ruhe ein, aber bis dahin genießt die Stadt es noch, Gastgeber zu sein. Meine Grüße der Woche gehen diesmal nach Hildesheim: Lislbee Lisa :), noch ganz viel Spaß beim Biathlon gucken! Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, schaltet mal die WM an und drückt die Daumen für das deutsche Team.

Ha det,

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(Laura Dahlmeier in grün und ich…ein Meilenstein in der Geschichte der Selfie-Fotografie…)

Ulrike

 

 

Überraschung beim Einkaufen ODER Wieso hat die meine Jacke an??

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@antenne.de

Oho, eine neue Käsesorte im Sortiment meines Supermarkts. *Freude!* Dann stutze ich: Wieso fällt mir das eigentlich auf? Willkommen in Norwegen – dem Land der (manchmal) begrenzten Möglichkeiten.

Hallo, liebe Leser, schön, dass wir uns hier heute wieder treffen. Natürlich bieten sich in Norwegen unendlich viele Möglichkeiten – nur was das Einkaufssortiment angeht, leben wir hier etwas hinter dem Mond. Geringe Auswahl hat natürlich seine Vorteile, z.B. geht das Einkaufen schneller: Anstatt unentschlossen vor 37 Nudelsorten zu stehen, packe ich die Sorte in den Korb, die ich immer kaufe. Gleiches gilt für andere Warengruppen.

Bei Bekleidung hat das eingeschränkte Warenangebot beispielsweise zur Folge, dass (gefühlt) jedes zweite Kind mit der gleichen Wintermütze wie Gesa herumläuft oder jede (gefühlte) dritte Frau mit meiner Winterjacke durch den Winter kommt. Anfangs dachte ich noch: “Was für Nachmacher – einer kauft es und alle kaufen hinterher!!” aber nein, es gab einfach nicht so viele Modelle zur Auswahl.

Norwegen beschützt seinen Markt und seine eigenen Marken durch teilweise horrende Einfuhrzölle sehr gut vor zuviel Produkten aus dem Ausland. Und die norwegischen oder skandinavischen Produkte sind hier, wenn nicht günstiger, so doch wenigstens genauso teuer wie beispielsweise in Deutschland. Dafür schaffen es aber manche Marken oder Produktsorten gar nicht erst auf den norwegischen Markt. Unvergessen die absurde Erhöhung des Einfuhrzolls auf Käse: Erbost darüber, seinen Kunden keinen französischen Köse anbieten zu können, verwies ein Osloer Käsehändler den für Zölle zuständigen Minister kurzerhand aus seinem Laden.

Richtig bewusst wird mir das kleinere Angebot immer erst wieder in Deutschland oder auf einer harry tur nach Schweden. Da stehe ich dann mit großen Augen vor Kühlregalen voller Joghurt, Joghurt und nochmals Joghurt; packe (gefühlte) 100 Schokoladentafeln ein – in 100 VERSCHIEDENEN Geschmacksrichtungen; kann mich beim Duschgel ebensowenig entscheiden wie beim Tee und lande schließlich in der Käseabteilung und bin erledigt. – Naja, so ungefähr, aber alle Osloaner mit Einwanderungshintergrund werden mich verstehen.

Aber nun wollen wir mal nicht übertreiben: Alles, was man zum Leben braucht, gibt es hier in Oslo. Und viel mehr. Es ist eben nur etwas übersichtlicher im Angebot. Aber dafür fällt mir eben SOFORT auf, wenn es im Supermarkt eine neue Käsesorte gibt.

Und die wandert dann auch umgehend in meinen Korb!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Wir haben nach vielen Besuchen und Beratungen unsere Kindergartenwunschliste an die Stadt Oslo geschickt. Nun hoffen wir, dass Gesa einen Platz in einem der vier Kindergärten bekommt. Danke an dieser Stelle an alle Lieben, die uns bei der Suche geholfen haben – in Nah und Fern!

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche mit viel Spaß und netten Begegnungen, Sonne und guter Laune. Öffnet in Eurem Supermarkt mal wieder die Augen – toll, was es alles zu kaufen gibt!

Ha det bra,

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Ulrike

 

Ein Morgen im Postamt… ODER Was ist ein fossekall?

Ich kann mich nicht genau erinnern, wie es in Deutschland ist – in Norwegen ist ein Postamt auf jeden Fall eine Mischung aus Schreibwarenladen, Buchgeschäft und Dienstleistungsunternehmen. Was praktisch ist. Geht man blöderweise, so wie ich, an einem Montagmorgen zur Post, kann man die lange Wartezeit mit Lesen verbringen. Und kauft am Ende ein Buch, das endlich alle Geheimnisse lüftet…

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Da stehe ich also letzten Montag in einem Pulk briefsendungswilliger Menschen und langweile mich ein bisschen. Bedient wird gerade die Nummer 37. Puuh, ich habe 48. (In Norwegen muss man ja fast überall Nummern ziehen. Eine feine Sache, erspart es doch unsoziales und blaue Flecke verursachendes Rempeln.)

Ich blicke mich im Postamt um, bewundere erneut die Kämmfrisur des einen Angestellten, dem es mit ein paar strategisch gutgelegten Strähnen gelingt, seine kleine Glatze zu kaschieren. – Ein Stand mit Büchern sieht interessant aus. Hin da! Hm. Ein Strickbuch für Wischlappen. Eines für Socken. Ein Aufklappbuch über Dinosaurier. Ein Kinderbuch über Norwegen…

Oho.

“Norwegen – lustige und nützliche Fakten über unser Land!” prangt mir entgegen.

Meine Neugierde ist geweckt.

Anne B. Bull-Gundersen (was für ein Name) und Carina Ståhlberg zeigen, so der Klappentext, in einfachen Sätzen und Bildern ihr Norwegen. Einfache Sätze und Bilder – mein Buch, ganz klar. Mal sehen, was ich alles schon weiß über Norwegen.

Gleich auf der ersten Seite eine Wissenslücke. Ein dreifarbiger Vogel mit norwegischer Flagge im Mund ist abgebildet. „Norges nasjonalfugl“ steht unter der Zeichnung. Mehr nicht. Tja, was ist denn der norwegische Nationalvogel???? Ich blättere nach einer Lösung, aber das Buch lässt mich im Stich. Ich google “norsk nationalfugl”.

Aha! Der 1963 durch Abstimmung bei NRK gewählte norwegische Nationalvogel ist der fossekall.

Der was?

Jetzt google ich also “norwegischer Nationalvogel” und endlich weiß ich: Es ist die Wasseramsel.

Warum, wieso, weshalb werde ich später klären. Ich bin gerade mal auf Seite 1 des Buches und habe bereits Probleme, na prima! Weiter geht es durch die Seiten. Norwegische Geografie wird erklärt (wow, die insgesamte Küstenlänge samt Fjorden und Buchten beträgt….na, was denkt Ihr?….25.000 Kilometer!), Fischfang, Ölproduktion. Ich erfahre, dass in Norwegen über vier Millionen Hühner leben und der älteste Baum eine Tanne im Buskerud ist. Sie ist 485 Jahre alt. Wow, oder?

Weiter geht es mit Wasserkraft und einer unauffälligen Werbung für kvikk lunsj, die jeder Norweger ut på tur dabei hat. Norwegen hat fünf Millionen Einwohner (und vier Millionen Hühner…) und der Lieblingsmädchenname in 2008 war Linnea. Schöner Name!

Es gibt viel zu lesen in dem kleinen Buch, viele lustige Zeichnungen und unterhaltsame Fakten der Kategorie “Dinge, die man nicht wissen muss, die ich mir aber bestimmt merken werde!“ Vieles weiß ich schon, vieles noch nicht – wusstet Ihr beispielsweise, dass die Sprayflasche und der Tripp-trapp-Stuhl norwegische Erfindungen sind?

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Jaha!

Mein Auge fällt auf einen Text über Karamellkäse und ich fühle mich verstanden: “Siden brunost ikke ligner på andre oster, er det mange utlendinger som ikke forstår hva det er.” Genau, Ausländer gucken Brunost an und denken: “Häh?” In diesem Moment entscheide ich mich, das Buch zu kaufen. Befriedigt mit meinem Fund drehe ich mich zum Schalter. Bald müsste ich mit Nummer 48 an der Reihe sein. Bedient wird gerade….

Nummer 52!!!

Naja, ziehe ich eben einen neuen Zettel und lese weiter im Buch. Da stand, das Norwegen Kamele exportiert??!!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Nein, ich bekomme keine Werbegelder norwegischer Buchverlage, aber manchmal empfehle ich Euch gerne Bücher, die ich hier in Oslo finde. Und nicht nur Bücher: Wer gerne auf unterhaltsame Art mehr über norwegische Geografie lernen möchte, für den ist vielleicht das Spiel “Norge rundt” eine gute Idee. So eine Art Deutschlandreise – nur in Norwegen.

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche, entdeckt ein neues Buch, genießt ein altes und habt viel Spaß. Allen, denen es nicht gut geht, schicke ich ein Lachen hier aus Norwegen, haltet die Ohren steif! – Welche Bücher über oder aus Norwegen könnt Ihr empfehlen? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Ha det bra,

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Ulrike

Slapp av, det ordner seg! ODER In der (norwegischen) Ruhe liegt die (norwegische) Kraft…

Ich stehe mit meinem übervollen Einkaufskorb an der Supermarktkasse, stecke der quengeligen Gesa ein Stück Banane in den Mund, gucke gleichzeitig auf mein Handy und stelle fest: Ich bin zu spät. Ich hasse es, zu spät zu sein. Und nun fängt die Frau vor mir auch noch ein Gespräch mit dem Kassierer an. HALLO!!! Ich habe es eilig, ich muss los, der Korb ist schwer und überhaupt… Ich beginne wie ein Hampelmann zu zappeln. Gesa lacht – na, wenigstens etwas. Ich erzähle ihr, dass wir in Eile sind, dass der Korb schwer ist und dass ich wirklich gerade ungeduldig werde. Plötzlich sagt eine Stimme hinter mir: „Slapp av, det ordner seg.“ Beruhige dich, das wird schon.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Norweger lassen sich nicht hetzen, das habe ich in den letzten drei Jahren gelernt. Sie lassen sich vom Leben nicht aus der Ruhe bringen, sondern begegnen den alltäglichen Unwegsamkeiten mit einer positiven Lebenseinstellung: Det ordner seg. – Das regelt sich. Das ordnet sich. Das wird schon. Positive Menschen leben gesünder, erklärt mir das Internet und belegt das mit „zahlreichen wissenschaftlichen Studien“. Das klingt nicht professionell, aber mit ein bisschen gesundem Menschenverstand kann ich mir das selber denken. Klar, oder? Wer positiv denkt, lebt positiv. Viele der heutigen Krankheiten sind ein Resultat von zuviel Stress. Schalten wir diesen, oft selbstgemachten, Stress aus und sehen das Leben positiv, leben wir also gesünder. Ganz klar.

Die Norweger bekommen das positive Denken anscheinend in die Wiege, oder aktueller: das Stokke-Bett, gelegt. Nun frage ich mich, ob positives Denken den hohen Lebensstandard in Norwegen bewirkt hat oder umgekehrt. Fakt ist: In Deutschland fallen mir immer die griesgrämig guckenden Menschen auf. Die Stimmung ist gereizt, die Unzufriedenheit hoch. Das hat viele verschiedene, auch berechtigte, Gründe. Im Gegensatz dazu erscheinen mir die Norweger entspannt, zufrieden, ruhig und gelassen. Aber sind alle so? Oder erlebe ich hier in Frogner eben den gutverdienenden und daher entspannt lebenden Norweger?

Ich glaube nicht.

Ich glaube, dass „Det ordner seg“ keine Sache von hohem Einkommen oder ähnlichen materiellen Umständen ist. Es ist eine Lebenseinstellung. Das wird schon. Bleib ruhig. Entspann dich. Einfach mal lächeln und dann passt das schon.

Nun macht mich das als Deutsche manchmal aggressiv. Zu uns Deutschen passt eher: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Oder, noch besser: „Ordnung muss sein.“ Und so sehr ich die Norweger um ihre Mentalität beneide, so sehr kann ich doch nicht aus meiner Haut. Und werde eben ungeduldig, wenn ich an der Kasse nicht schnell genug an die Reihe komme, wenn Verabredungen und Waschmaschinen kurzfristig verschoben werden, Gäste zu spät kommen, wenn mein gut gebauter Plan nicht funktioniert, weil die Sonne scheint und die notwendig Beteiligten bereits im Park auf der Wiese liegen.

Ich arbeite wirklich an mir.

Aber es ist nicht so einfach, manchmal.

Und Ihr kennt das bestimmt: Je mehr Leute mir dann vorschlagen, positiv zu denken, ruhig zu bleiben oder einfach mal abzuschalten, umso gehetzter werde ich. Besonders hilfreich finde ich ja dann diese – für mich – aus der Hölle stammenden Zitatfotos, die so gerne in sozialen Medien geteilt werden.

So eines, z.B….

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…oder so eins…

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oder dieses hier. Mehr schaffe ich nicht, ohne Rot zu sehen:

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Schlimm, oder? Dabei sind das ja alles gutgemeinte Ratschläge. Ich bin da wohl hoffnungslos. Aber dann – dann gibt es immer wieder Situationen, in denen ich merke, wie weit ich schon gekommen bin mit meiner norwegischen Lebenseinstellung!.

Ort: Das Café im Vigelandspark.

Beteiligte: Eine norwegische Mutter mit Kind, zwei deutsche Touristen und ich.

Es sind die letzten Ferienwochen, Oslos Einwohner sind samt Familien größtenteils aus den Ferien zurück und bevölkern den Frognerpark. Spielplatz und Eis gehören zum Tagesprogramm. Das norwegische Kind darf sich ein Eis aussuchen, während sich die Mutter mit der Kassiererin über das schlechte Wetter unterhält.

Die beiden deutschen Touristen stehen kurz vor der Herzattacke.

1: „Sach mal, was dauuuuert denn da so lange? Ich glaube es ja wohl nicht.“

2: „Das Kind will ein Eis.“

1: „Ja, das sehe ich auch, dass das Kind ein Eis will. Ich bin ja nicht blind. Aber da könnte uns die Mutter ja auch mal vorlassen, wenn das Gör sich nicht entscheiden kann.“

2: „Na, hör mal! Wie redest du denn? Du kennst das Kind doch gar nicht.“

1: „Ist doch wahr! Meine Füße tun weh, ich will eine Flasche Sprudel und außerdem versteht mich hier eh keiner.“

*Ich räuspere unmerklich.*

2: „Den ganzen Tag bist du schon so gereizt. Das macht keinen Spaß.“

1: „Gereizt? GEREIZT? Ich bin keine Spur gereizt, ich verstehe nur nicht, warum es in diesem Café, das ja wohl eindeutig von vielen Touristen frequentiert wird, keine zweite Bedienung gibt. Und warum die eine dann nicht dafür sorgt, dass es hier mal ein biiiiisschen schneller vorwärts geht. Ist das jetzt zuviel verlangt, oder was? Ich bin hier schließlich im Urlaub, da kann ich wohl ein bisschen Service verlangen. Warten kann ich auch beim ALDI bei uns Zuhause.“

2: „Da musste ich noch nie warten. Da ist doch die Frau Peters an der Kasse, das ist eine ganz flinke Frau.“

1: „Das ist doch jetzt überhaupt nicht der Punkt!! – Willst du dich jetzt mit mir streiten, oder was? Toll, soo habe ich mir den Urlaub vorgestellt. Genau so. Vielen Dank.“

Ich beuge mich nach vorne und sage freundlich: „Ganz ruhig bleiben. Alles wird gut. Oder wie die Norweger sagen: Det ordner seg.“

Während „er“ mich mit ungeduldigen Augen anfunkelt, lächelt „sie“ zurück.

Im nächsten Augenblick bezahlt die Mutter und die Kasse wird frei.

Det ordner seg.

***

So, meine lieben Leser, das war es schon für heute. Bin ich mit den Deutschen zu hart ins Gericht gegangen und habe die Norweger zu sehr gelobt? Vielleicht, aber so ist das mit Stereotypen, die funktionieren am besten in Schwarz-Weiß, obwohl es immer und überall viele Grautöne gibt. Den entspannten Deutschen also ebenso wie den unentspannten Norweger. Aber eines bleibt: Positives Denken tut uns gut.

Ich wünsche Euch allen daher eine ganz positive Woche, beobachtet Euch mal selber und testet, wie positiv Ihr seid. Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an alle, die den Kopf lächelnd hoch halten, obwohl neben und in ihnen alles zusammenbricht. Ihr seid meine Vorbilder.

Ansonsten fordere ich alle, bei denen es mehr als 30 Grad warm ist, einige Grade und ein paar Sonnenstrahlen nach Oslo zu schicken. Ich will jetzt endlich Sommer!!!

Ha det bra,

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Ulrike

Das Strandbad Sørenga in Bjørvika ODER Diesmal bade ich nur meine Füße drin…..

@playmobil.de

@playmobil.de

In meinem ersten Sommer in Oslo wollte ich unbedingt ins Freibad. Gegenüber unserer Wohnung lag das Frognerbadet, DAS Osloer Freibad. Nichts wie hin da, jubelte ich und wurde dann von der Preistafel am Eingang gestoppt. 90 norwegische Kronen sollte ich bezahlen…mal ausgeschrieben NEUNZIG…das waren über 10 Euro. Für’s Freibad! Ich konnte es nicht glauben, packte meine Gummiente und meine Badelatschen und ging wieder nach Hause. Aber seitdem habe ich viel gelernt. In Oslo, da muss nämlich keiner ins Freibad. In Oslo, da geht man entweder in den See oder ins sjøbad – ins Strandbad. Davon gibt es einige in der Stadt. Kostenlos. Und seit Juni gibt es ein neues Strandbad. Das Sørengabad – ein echtes Juwel. Packt die Badehose ein und kommt mit mir mit!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Spontanität ist angesagt, will man 2015 den norwegischen Sommer erwischen. Da ist genaues Beobachten von Wettervorhersage und Wolkenbewegung angesagt, damit man im entscheidenden Moment die (natürlich schon gepackte) Badetasche an sich reißen und an den Strand flitzen kann. So wie wir am vergangenen Sonntag. Freund Christian hatte uns das neue Strandbad als Ziel vorgeschlagen. Ich war völlig ahnungslos, wo genau das sein sollte. Am Wasser, ja, danke, sooooviel wusste ich auch. Allen suchenden Osloanern oder Oslobesuchern sei also der Weg erklärt: Ab zur Oper (die findet jeder) und dann rechts an der Oper vorbei. Die neu angelegte Hafenpromenade entlang…

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…über eine schaukelnde Fjordbrücke…

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…und dann den Massen hinterher bis zum Wasser…

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@ChristianErhard

@ChristianErhard

@ChristianErhard

@ChristianErhard

Sorenga2

@ChristianErhard

Es lohnt sich auf jeden Fall. Neben einer Liegewiese und Liegeflächen auf den Holzbohlen bietet Sørenga ein Babybecken, abgetrennte Schwimmbahnen für die „sportlichen“ Schwimmer, einen Sprungturm mit Blick auf die Fjordinseln und genug Schiffe und Baukräne zur optischen Unterhaltung.  Seit Februar 2014 wurde das aus drei Teilen bestehende Strandbad im südlich von Oslo gelegenen Fredrikstad gebaut. Rund 16 Monate später erreichte das insgesamt 190 Meter lange und 4650 Tonnen schwere Konstrukt das Osloer Ziel am Neubaugebiet Bjørvika.

Die baulichen Fakten haben uns an diesem sonnengefüllten Sonntag wenig interessiert. Wir sind raus aus den Hosen und rein ins Wasser und sofort erkannte ich, warum das Frognerbad unglaubliche 10 Euro Eintritt verlangen darf: Die haben dort warmes Wasser. Statt der koseligen 25 Grad begegnete mir das Fjordwasser mit…keine Ahnung…bibber, schnatter… auf jeden Fall sehr viel weniger. Um also das norwegische Strandbad richtig genießen zu können, müssen schon tropische Temperaturen herrschen, dachte ich. Aber nach ein paar Minuten hatten sich meine Füße an die Kälte gewöhnt und ich…

Ja, meine Füße.

NATÜRLICH war ich nicht komplett drin!

Seid Ihr verrückt?

Also der Sommer 2014, der hatte es in sich mit 33 Grad, da, ja da hätte ich mich in die Fluten gestürzt.

Dieses Jahr kommt das Thermometer, wenn überhaupt, auf knappe 23 Grad – nicht warm genug für mich und den Fjord.

Gesa war drin. Mit Schwimmwindel und viel Gejuchze.

Hinterher haben wir uns auf der Liegewiese von der schüchternen Sonne trocknen lassen, Leute beobachtet, Kekse gegessen und es uns in Sørenga gut gehen lassen. Wir kommen wieder, soviel ist klar. Also Osloaner und Besucher: Lasst die Oper links liegen und kommt in das wohl schönste Strandbad, das Oslo momentan zu bieten hat.

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Und das für umsonst!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben sonnigen Leser. Ich hoffe, Ihr lest den Blog irgendwo ganz entspannt im Urlaub unter Palmen oder auf Bergen, unter dem Sonnenschirm auf dem Balkon oder im Flugzeug auf dem Weg in die Ferien. Habt eine tolle Zeit, tankt viel Sonne und lasst es Euch gut gehen!

Ha det bra,

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Ulrike

Winke winke! ODER Sommer ist die Zeit der Abschiede…

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Hier in Norwegen habe ich gelernt, Abschied zu nehmen. Das hört sich jetzt dramatischer an, als es ist. Aber nach drei Jahren, in denen immer wieder liebgewordene Menschen die Stadt verlassen, kann ich sagen: Ich bin ein Abschiedsprofi.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Beginn des Sommers ist immer auch ein Ende hier in Norwegen. Nicht einer unserer drei Sommer hat hier ohne Abschiede gestartet.

„Wie denn, was denn, es ist doch so toll in Norwegen, wo wollen die denn alle hin?“ höre ich Euch fragen.

Hier in Oslo, gerade in der deutschen, aber ich vermute auch in anderen ausländischen Gemeinden, ist der Wechsel hoch. Es gibt Menschen, die von vornherein nur für eine bestimmte Zeit in der Stadt sind. Dazu gehören deutsche Au Pairs, die nach ihrem Abitur in Deutschland Lust aufs Ausland hatten. Oder Praktikanten an deutschen Institutionen wie der Deutschen Schule oder der Deutschen Botschaft. Einige absolvieren ein soziales Jahr hier über die Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Sie alle bleiben meistens für ein Jahr in Oslo.

Dann gibt es sogenannte „Expats“, Arbeitnehmer, die von ihrer z.B. deutschen Firma für eine gewisse Zeit in eine Auslandsfiliale versetzt werden. Nach meistens vier Jahren ist auch hier ein Wechsel angesagt und die Familien kehren entweder nach Deutschland zurück oder ziehen in das nächste Land. Ähnliches gilt für die Mitarbeiter der deutschen Botschaften. Oder, wie dieses Jahr, für die Pfarrerfamilie der Deutschen Gemeinde. Nach neun Jahren gab es keine Verlängerungsmöglichkeit mehr und Familie Baur ist letzte Woche nach Stuttgart zurückgekehrt.

Dann gibt es natürlich rein persönliche Entscheidungen: Jemand hatte schon immer den Traum, nach Norwegen zu ziehen. Aber irgendwie, irgendwas und überhaupt passt es nicht. Das Heimweh ist groß, die Familie fehlt zu sehr, die Arbeitswirklichkeit hier in Norwegen gefällt nicht. Der oder die Liebste in Deutschland will vielleicht doch nicht nach Oslo nachkommen, der Katze gefällt es hier auch nicht und überhaupt ist alles komisch.

Tja und dann heißt es irgendwann, meistens eben zum Sommer: Tschüß, Oslo.

In den ersten drei Monaten musste ich mich schon von zwei sehr netten Menschen verabschieden und fand das blöd. Danach habe ich ernsthaft überlegt, neue Bekanntschaften als erstes zu fragen: „Wie lange bleibst du hier?“ um dann, bei falscher Antwort, das Weite zu suchen.

Das klappte nicht.

Irgendwann habe ich es dann akzeptiert. Das ist nun einmal so, habe ich gelernt, vor allem, wenn man sich in einer Auslandsgemeinde bewegt, wie wir eben in der deutschen Gemeinde hier in Oslo. Aber statt jetzt jedes Jahr in Tränen auszubrechen, sage ich mir: Toll, dass ich so viele verschiedene Menschen kennenlerne. OK, vielleicht verbringen wir nur ein paar Monate zusammen, aber das ist doch besser, als hätten wir uns nie getroffen.

Das hat natürlich auch Nachteile. Je öfter man sich verabschiedet, umso mehr gewöhnt man sich daran und denkt irgendwann: Ach ja, jetzt kommt diese Zeit wieder. Was nicht heißt, dass der Abschied weniger schwer fällt. Aber man ist…oder ich bin…von vorne herein distanzierter in diese neue Bekanntschaft gegangen. Und dann fällt das Abschied nehmen weniger schwer. Das ist schade – aber ich kann doch nicht jedes Jahr den Sommer mit Tränenströmen begrüßen!!!!!

Wirklich nicht!

Wie sähe man denn dann aus nach ein paar Wochen?

So aufgequollen und überhaupt!

Das ist doch nicht hübsch!

Auf jeden Fall ist das Abschied nehmen ein Teil meines Lebens hier in Norwegen geworden und ich bin froh für alle, die dieses Jahr hiergeblieben sind. Froh bin ich aber auch für die, die ich kennenlernen durfte und die nun wieder zurück in der Heimat sind.

Warten wir auf die, die jetzt kommen und alle meine Freunde hier in Oslo warne ich: Bleibt bloß hier!!!

So gut bin ich dann im Abschied nehmen doch noch nicht!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche uns allen eine sonnige Woche mit angenehmen Temperaturen, viel Lachen, wenigen Abschieden und all den Sachen, die man im Sommer so machen will. Meine speziellen Grüße gehen diese Woche an meine Blog-Kollegin Corinna vom Italien-Blog Mein Apulien mit ganz herzlichen Glückwünschen zur Geburt des kleinen Davides.

Macht es gut, bis nächste Woche,

ha det bra,

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Ulrike

Freie Fahrt für Kinderwagen ODER Oslo, was hast du gegen mich??

Seit einigen Wochen habe ich einen neuen, ständigen Begleiter: Simo, der Kinderwagen. Dank ihm muss ich unsere immer schwerer werdende Tochter nicht durch die Stadt tragen, sondern kann Gesa in sein komfortables Inneres legen und losschieben. Und dann wieder stoppen. Und wieder schieben. Ein bisschen fluchen. Wieder schieben. Stoppen. Fluchen. Schieben. Stoppen. Fluchen. Schieben. Das ist kein bisschen Simos Schuld. Oh nein. Die bittere Wahrheit ist: Oslo ist ein Alptraum für Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute mal wieder mit einem Babythema und zwar mit einem, das mich jeden Tag an den Rand des Nervenzusammenbruchs führt: Kinderwagen und Oslos Bürgersteige.

Dabei habe ich einen super Gefährten: Simo, der Kinderwagen, ist laut Werbung Sjef på fortauet und Konge på veien, Boss auf dem Bürgersteig und König auf dem Weg! JAWOLL! Habt Ihr das gehört, Osloer Bürgersteige??? BOSS und KÖNIG!!!! Und was macht Ihr mit meinem so hochherrschaftlichen Kinderwagen?? Mit dem wunderbaren Simo, der Respekt verdient und freie Fahrt??

IHR BLOCKIERT IHN!

Und mich.

Ständig.

Um diesen Vorwurf zu verdeutlichen lade ich Euch, liebe Leser, ein, mich auf einem unserer typischen Wege zu begleiten. Von unserer Wohnung in der Sorgenfrigata zum Frogner Gesundheitszentrum am Solliplatz. Dort wird Gesa jeden Donnerstag gewogen. Laut Google Maps ist die Strecke 1,8 Kilometer lang und dauert zu Fuß 21 Minuten.

Klar.

Ohne Kinderwagen.

MIT dauert sie gefühlte fünf Stunden.

Und das liegt nicht daran, dass Simo mit seinen knapp 16 Kilo plus 5 Kilo Gesa, das also die insgesamt 21 Kilo für mich zu schwer zu schieben wären…oh nein! Kinder tragen und schieben stärkt die Muskeln und mittlerweile könnte ich wohl auch Sumo-ähnliche Drillinge locker lächelnd den Brocken hochschieben. Daran liegt die unendliche Wegzeit also nicht. Sie liegt an den unzähligen Hindernissen, die sich heimtückisch in Simos Weg stellen.

Oder sich werfen, im Falle der toten Elster.

Na, das war ein Morgen.

Aber weiter im Text.

Starten wir also in der Sorgenfrigata. Dass unsere Haustür so viel wiegt wie eine Herde Elefanten ist nicht die Schuld der Osloer Bürgersteige, zählt also nicht für die Strecke.

Aber gemein ist es trotzdem!

Wir befinden uns vor der Tür und biegen schwungvoll nach rechts ab auf den Bürgersteig. Nicht zuuuu weit nach rechts aber, ansonsten versinken Simos Reifen im ersten von vielen Schlaglöchern. Oslos Bürgersteige sind voll davon. Eigentlich gibt es in Oslo keine Bürgersteige, sondern nur eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern verbunden mit ein bisschen Asphalt.

Ich lenke Simo geschickt am Loch vorbei und genieße zehn Meter freie Fahrt. Dann: Ein Baum.

Nein. Falsch.

Ein BAUM.

Ich habe nichts gegen Bäume. Wirklich nicht. Ich bin zahlendes Mitglied bei NABU und Greenpeace, habe schon eine Kastanie umarmt und im Wald Urschreitherapie gemacht. Mein Freund, der Baum.

Aber…

Steht so ein Baum wie eine borkenumrandete Walküre mit Stoppschild mitten in meinem Weg, mit Wurzeln, die sich durch den Asphalt schieben und Ästen, die mir die Sicht nehmen…dann…dann…dann verspüre ich doch eine gewissen Sympathie für motorbetriebene Sägewerkzeuge. Fluchend hoppeln Simo, Gesa und ich über das Hindernis. Irgendwann werde ich hier den falschen Winkel fahren und Simo wird mit ungehemmter Kraft in den Vorgarten unserer Nachbarn kippen.

Diesmal haben wir es sicher geschafft.

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Nächster Stopp: Ein Zebrastreifen. Ähnlich wie Ampeln dienen diese Verkehrselemente dem reibungslosen Ablauf des städtischen Verkehrs. Leider sehen das nicht alle Verkehrsteilnehmer so. Manche halten sowohl rote Ampeln als auch Zebrastreifen für Elemente des eigenen Ermessens – und brettern mit voller Geschwindigkeit drüber. Erwarte ich das bei Zebrastreifen, schockt es mich doch immer wieder bei roten Ampeln. Nach dem Motto „Ich lasse mir nichts vorschreiben – von niemandem und nirgendwo!“  geben manche Auto- oder Radfahrer vor einer roten Ampel gerne noch einmal richtig Gas. Dem Fahrer des dunkelblauen Teslas, vor dessen Kotflügel uns letzte Woche nur ein gewaltiger Rückwärtssprung rettete, möchte ich an dieser Stelle sagen, was ich damals vor Schreck nicht konnte:

„Arschloch.“

Zurück am Zebrastreifen lassen wir geduldig lächelnd zwei Autos vorbei. Weiter geht es. Für die kommenden Meter haben wir freie Fahrt, überqueren die Industriegata und schieben weiter den Majorstuveien hinauf. Erklimmen den Gipfel…und treffen die ersten Regenabläufe.
Aus mir unerklärlichen Gründen enden die Regenrinnen in Oslo nicht IN der Erde, wie man das von Regenrinnen so kennt. Nein! Sie stoppen kurz vorher und hängen mit offenen Enden am Haus runter. Damit sich nun die darunterliegenden Bürgersteige nicht regelmäßig in Kneippbäder verwandeln, muss das Regenwasser in die Gosse abgeleitet werden. Und das geschieht mit Regenabläufen, ca. zehn Zentimeter breiten Vertiefungen im Bürgersteig. Unglaublich praktische Sache für Kinderwagen. Vor allem, wenn alle drei bis vier Meter so ein Ablauf auftaucht.

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Zuerst dachte ich, Simo könnte sie mit ein bisschen Schwung problemlos nehmen.

Also Vollgas und rüber!

Gesa hat noch zwei Straßen weiter gebrüllt.

Jetzt bremse ich vor jedem Regenablauf also etwas ab und setze mit viel Gefühl auf die andere Seite über. Das ist unglaublich umständlich und deshalb mein Aufruf an alle Straßeningenieure: Bitte, bitte bewerbt Euch in Oslo und TUT ETWAS!!!!!

Wir hoppeln weiter bergab. Ich erinnere mich, dass auf der linken Bürgersteigseite nach der nächsten Kurve gebaut wird. „Du Fuchs!“, lobt mich Simo, als ich auf die rechte Seite wechsle.

Dort versperrt uns ein LKW den Weg.

Ich vermute schon seit längerem, dass ich in Oslo videoüberwacht und absichtlich blockiert werde. Es kann nicht anders sein, denn eigentlich immer, wenn ich aus bestimmten Gründen auf die andere Bürgersteigseite wechsle, ist dort ein Hindernis: Ein LKW beim Ausladen, der Postbote mit seinem riesigen Brieftransportwagen, eine neue Baustelle oder eine Gruppe Jugendlicher mit pubertären Hör- UND Sehproblemen. Unzählige „Unnskyld!?“ – „Hallo?!“ – „Hei!?!“ – „HAAAAALLLLOOOOOO!!!!????“ später war ich mir damals sicher, dass Kinderwagen unsichtbar machen, bin auf die Fahrbahn geschoben und fluchend an den Jungnorwegern vorbei gehechtet. Diesmal umrunde ich also den LKW einer Brauerei. Weiter geht es bergab, vorbei an der Uranienborgkirche Richtung Oscars gate.

Nach fast drei Minuten ohne Hindernis werde ich zunehmend nervöser und blicke mich misstrauisch um. Gerade als ich die Oscars gate überquere, schießt aus dem Nichts ein Rollstuhlfahrer in meinen Weg. Nun bin ich ja ein höflicher und respektvoller Mensch. Ich biete Schwangeren meinen Platz im Bus an, halte meinem Nachbarn die Tür auf und lasse älteren Mitbürgern Vortritt an der Supermarktkasse. Für einen Rollstuhlfahrer mitten auf der Straße zu stoppen, wäre also eine meiner leichtesten Übungen. Aber ER will MIR den Weg abschneiden. Ehrlich! Nach allen verkehrsrechtlichen Erkenntnissen müsste ICH hier Vorfahrt haben und außerdem habe ich einen Kinderwagen und Simo ist schließlich der König der Wege und der Boss der Bürgersteige und ich werde schon seit mindestens einem Kilometer und zahlreichen Wochen von Zebrastreifen, Regenabläufen, Baustellen und pubertätsblinden Jugendlichen gemobbt und irgendwann reicht es mal, ich bin ja schließlich auch nur ein Mensch!!!!!!!!!!!!!!!!!

Noch als ich den Rollstuhlfahrer rasant überhole und zum Bremsen zwinge, fühle ich mich schrecklich schuldig. Ich stoppe, entschuldige mich und während er fluchend an mir vorbeifährt, lasse ich mich auf die Bank an der Ecke fallen. Gesa nutzt die Gelegenheit und ruft nach der Flasche. Ich krame in meiner Tasche nach einem glücksspendenden Schokoriegel und die nächsten Minuten verbringen wir beide mit einem Picknick. Ich überlege für einen kurzen Moment, Gesa in den Tragesack zu packen, Simo anzuketten und den Rest des Weges ohne Kinderwagen fortzusetzen.

Dann regt sich mein Kampfgeist: Ich lasse den König der Wege nicht vor den heimtückischen Bürgersteigen Oslos kapitulieren! OH NEIN! SOO NICHT! Ab mit Gesa in den Wagen, die Bremse gelockert und mit neuem Schwung ab in die Inkognitogata.

Als erstes fällt mir da eine Kastanie auf den Kopf.

Ich versuche, es nicht persönlich zu nehmen und ignoriere auch den Baukran vor der Botschaft von Südkorea. Immerhin gibt es hier keine Regenabläufe, versuche ich die Situation positiv zu sehen und schiebe grimmig durch die enge Lücke zwischen dem Zaun der italienischen Botschaft und einem schief parkenden Geländewagen. An der Ecke Inkognitogata und Colbjørnsens gate leiste ich mir ein kleines Duell mit einer Jogger-Twist-Mutter, das ich dank Masse von Simo und ungebremster Schubkraft haushoch gewinne. „Diese dreiräderigen Stadtkinderwagen sind eben nicht kampffähig“, höhnt Simo und rollt siegestrunken bergab. Wir sind auf den letzten Metern, schlängeln uns noch einmal an einer blind-tauben Pubertierenden und ihrem riesigen Koffer vorbei und biegen gegenüber des Ibsen-Museums auf die wohl schlimmste Baustelle in ganz Oslo. Den aufgerissenen Solliplass. Für einen kurzen Moment bezweifele ich, dass Simo durch die von den Bauarbeitern gelassene Lücke auf dem Bürgersteig passt, aber wir versuchen es trotzdem und – Eureka – es passt! Nun nur noch die Rampe vor dem Gesundheitszentrum hoch – natüüüürlich kommt uns eine Frau ohne Kinderwagen, Gehhilfe oder Rollstuhl entgegen und wir müssen warten. Logisch.

Dann sind wir da. Nach nur 37 Minuten.

Wie freue ich mich darauf, wenn Gesa laufen kann.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Bald kommt der Winter und die Osloer Bürgersteige verwandeln sich zu eisglatten Gefahrenquellen. Mal sehen, was Simo, Gesa und ich dann erleben werden! Euch allen wünsche ich eine Woche ohne Hindernisse, immer freie Fahrt und im Notfall gute Nerven. Die Temperaturen sinken und nicht mehr lange, bevor der Schnee kommt, vermute ich. Wir genießen die Sonne so oft wir können und freuen uns auf einen schönen Winter.

Noch. 🙂

Ha det bra,

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Ulrike

 

Pretty in Pink – muss sein??? ODER Immer her mit der Identitätskrise….

„Das ist aber ein süßer Junge“, sagt die Mutter am Wickeltisch nebenan. Ich zwinkere Gesa zu, die auch zu denken scheint: „Oho, ein süßer Junge, den gucken wir uns gleich mal an!“ – „Jawohl“, zwinkere ich zurück, „sobald du still genug hälst, damit ich die Windel festmachen kann.“ Einige Augenblicke später sind wir beide bereit und blicken uns im großen Raum der helsestasjon Frogner nach dem süßen Jungen um.

Keiner da.

Nur die Mutter von nebenan.

Und wir.

„Wie heißt er denn?“ setzt die Nebenan-Mutter nun nach und lächelt Gesa zuckersüß an.

Ich mache große Augen.

Gesa pupst.

„SIE heißt Gesa“, antworte ich.

„Ach, das ist ein Mädchen“, antwortet es nach einer kurzen Pause von der anderen Seite des Tisches, während gleichzeitig Gesas braunweißes H&M-T-Shirt mit Löwen kritisch beäugt wird. Na warte, du Tussi. Ich betrachte das fremde Baby unter ihren Händen, das gerade von der perfekt frisierten Mutter mit Goldarmband in einen rosafarbenen, plüschigen Strampler mit dreilagigen Rüschen gesteckt wird. Nach einer Weile frage ich zuckersüß:

„Und Ihr Kind? Junge oder Mädchen?“

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Die Babypause ist offiziell vorbei, was aber nicht bedeutet, dass auch die Baby-Themen vorbei sind. (NEIN!!!! Nicht den Blog löschen…ich werde auch über rein norwegische Themen schreiben… versprochen… ehrlich.. …Freunde?). Heute also als eine Art sanfter Übergang aus der Babypause in den Alltag ein Thema, das mich völlig unerwartet getroffen hat: Mädchen in Norwegen müssen rosa tragen!

Nun muss ich gleich mal klarstellen: Ich habe nichts gegen Rosa. In Maßen genossen, ist das eine wunderbare Farbe, die sich mit vielen schönen anderen Farben kombinieren lässt, sowohl als Muffindekoration als auch beim Babystrampler finde ich Rosa sehr ansprechend. Aber eben in Maßen. Wir haben zur Geburt ganz wunderschöne rosa Geschenke, Karten und Blumen bekommen. Als geschlechterspezifisches Leuchtsignal finde ich Rosa allerdings völlig daneben. Genauso daneben, wie ein Jungenzimmer mit Bob der Baumeister zu dekorieren, während das Mädchen Einhörner und Prinzessinnen bekommt. Jungen mögen Einhörner bestimmt auch. UND Prinzessinnen. Während Mädchen auch Bagger cool finden.

Nun leben wir aber im Westen von Oslo. Die helsestasjon (so eine Art offenes und kostenloses Gesundheitszentrum), wo wir zum Gesa-Wiegen waren, liegt dort ebenfalls und das Schicki-Micki-Mütter-Mantra scheint zu lauten: Was weiblich ist, trägt rosa. Punktum. Nicht nur die Kleidung ist davon betroffen. In den letzten Tagen habe ich Kinderwagen mit rosa Verdecken, rosa Babydecken und Bettwäsche, rosa Kuscheltiere, rosa Windeltaschen, rosa Schnuller und rosa Kinderwagenspielzeugketten (uhhh, Galgenraten!) entdeckt. Manchmal alles zusammen an einem Wagen. Die Mutter dazu vielleicht noch mit rosa Haarband und der Vater im rosa Oberhemd und schon ist die Zuckergussfamilie perfekt.

Mir tränen schon beim Gedanken daran die Augen.

Im Ullevål Krankenhaus begann die optische Geschlechterzuweisung bereits kurz nach der Geburt. Gesa wurde gemessen und gewogen und dann, ob sie wollte oder nicht, in eine schweinchenrosa Krankenhausdecke gewickelt. Und zwar ganz fest. Im Zimmer des Patientenhotels angekommen, wechselten wir dann die Decken. Die rosafarbene verschwand und unsere eigene, blaue Decke mit Sternen wurde benutzt. Mit welchem Erfolg? Als wir im Restaurant an Baby Alma Louise (ganz in rosa) und ihrer Mutter vorbei schoben, guckte die zu Gesa in den Kinderwagen und sagte…

Na, was wohl???

Alle zusammen!!!

„Das ist aber ein süßer Junge!“

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Die rosa Mutter von Alma Louise erklärte mir wenigstens noch, dass ja, die Norwegerinnen seien ein bisschen „over the top“, also übertrieben, mit ihrem Rosa-Tick. Sie selber könne sich da mit einbeziehen, sagte sie lachend, während Baby Alma Louise auf ihrem rosa Baby-Stirnband kaute. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Gesa und wir hier noch machen werden. Besonders gespannt bin ich auf das erste Treffen der Müttergruppe in der helsestasjon. Für diese Gelegenheit werde ich Gesa ein EXTRA fetziges T-Shirt kaufen. Ich werde davon berichten!

So, das war er nun wirklich, der erste Blog nach der Babypause. Teilt gerne wieder Eure Erfahrungen mit mir. Wie groß ist der Rosa-Tick in anderen Ländern? Welche Erfahrungen habt Ihr hier in Norwegen gemacht? Ich freue mich, von Euch zu lesen!

Nächste Woche wird der Blog wieder kulinarisch. Wir begeben uns in meine Küche und zaubern eine echte norwegische Spezialität: Farikål.

Euch allen wünsche ich bis dahin eine schöne Woche, vergesst Stereotypen, probiert mal gegen den Strom zu schwimmen und genießt den kommenden Herbst. Meine ersten wöchentlichen Grüße nach der Babypause gehen…natürlich…. an unsere wunderbare Tochter Gesa Vibeke, die unsere Herzen im Sturm erobert hat und einen Platz in unserem Leben gefüllt hat, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.

Ha det bra,

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(mit rosa/pink Accessoires am Sognsvann)

 

Ulrike