DANKE!!

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Hei Lena! Na, das war ja heute eine tolle Überraschung in meinem Briefkasten und an einem Tag wie heute war die Freude mehr als willkommen! Vielen herzlichen Dank für deine Karte und auch dir und deiner Familie Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

(Liebe Leser, die Lena liest den Blog und hat mal einfach so beschlossen, mir eine Weihnachtskarte zu schreiben – ist das cool oder was? Und nun wusste ich keinen anderen Weg mich zu bedanken, als hier über den Blog. Aber Ihr freut Euch vielleicht mit mir :)…)

Ha det,

Ulrike

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Norskprøve Teil 2 ODER „Bare ta det med ro!“

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Die schwarzhaarigste Frau der Welt und ich lachten uns an. Beschwingt stieg ich die Treppen runter zum Ausgang der Schule. Der schriftliche Teil war erledigt! Juchhuuuuuu! – Keine fünf Sekunden hielt die Freude, dann der Gedanke: Und morgen kommt die mündliche Prüfung.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute nehme ich Euch also mit in Raum 324 in Gebäude A der Rosenhoffschule in Oslo. Am Abend vor der Prüfung informierten mich via facebook andere Prüflingen bereits über mögliche Themen: „Braucht die Welt mehr Vegetarier?“ – „Was macht dich im Leben glücklich?“ – „Sind Norweger zurückhaltend?“ – und und und. Viel zu viele Themen, als dass ich mich irgendwie hätte darauf vorbereiten können. Meine mündliche Vorbereitung war eh mager gewesen. Was daran liegt: Ich rede nicht gern Norwegisch. Blöd, was? Es passiert mir immer noch zu oft, dass man mir auf Englisch antwortet oder das Gegenüber nachfragen muss, weil sie mich nicht verstanden haben. Das wird natürlich nicht besser dadurch, dass ich nicht rede.

Ein Teufelskreis!!!

Naja, ich habe es halt ein bisschen sportlich genommen und gedacht: „Das wird schon, im Notfall spielst du ein bisschen Theater und bringst sie zum Lachen – dann habt Ihr wenigstens Spaß in der Prüfung.“

30 Minuten zu früh stand ich vor Raum 324. Das war praktisch, konnte ich mich doch mit den anderen Prüflingen unterhalten (auf Norwegisch, klar) und das war ein bisschen wie Aufwärmen. Machen wir in der Theatergruppe auch immer, das hilft. Dann tauchte auch mein Prüfungspartner auf: Ein sympathischer Mittdreißiger aus Mexico, mit dem ich mich gleich blendend verstand. Wir beschlossen, in der Prüfung einfach eine gute Zeit zu haben. Die Tür öffnete sich und eine Prüferin, die aussah wie die stereotype Klischeelehrerin (doppelt gemoppelt hält besser), rief die nächsten Prüflinge hinein. Oh Himmel, von der wollte ich aber nicht geprüft werden. Dunkler Pagenkopf, schwarzumrandete Brille und ein verkniffenes Lächeln schmückten die im Herzen bestimmt gute Frau.

Mit meinen Theaterspäßen hätte ich bei ihr keine Chance, soviel war sicher.

Mein mexikanischer Partner und ich erzählten uns dann weiter von unseren tollen Kindern und ich wurde von Minute zu MInute nervöser. Aber dann wurden wir aufgerufen – und die Aufregung war weg. Genau wie auf der Bühne.

Gleich beim Eintreten stelle ich beruhigt fest, dass nicht der Pagenkopf sondern eine gemütliche, blonde Dame mit nettem Lächeln unsere Gesprächspartnerin war. Sie stellte sich kurz vor, wir erledigten alle Formalitäten und dann ging es los. Vorstellen sollten wir uns kurz. Ich durfte beginnen, erzählte wer ich bin, warum ich in Oslo bin und was ich hier mache.

Das ging prima, ich hatte sogar Spaß an der Sache.

„Ja, danke!“ beendete mich die Prüferin dann und forderte meinen Prüfungspartner auf, sich vorzustellen. „Aber ganz kurz, bitte.“

Huch. Hatte ich zuviel geredet???

Egal, weiter im Text. Nun bekam jeder von uns eine Frage gestellt, die wir alleine beantworten sollten. Wieder durfte ich anfangen. Meine Frage lautete: „Was ist nötig, damit man sich in einem neuen Land wohlfühlt?“

Hmpf. Die Frage lag mir irgendwie nicht und ich begann von Freunden und Hobbies zu reden, Versuchen zur Integration (in Norwegen also beispielsweise mit dem Langlauf zu beginnen) und wie wichtig es sei, die Landessprache zu sprechen. Viel heiße Luft war in der Antwort – aber es ging ja mehr darum, wie ich antwortete, weniger WAS, hoffte ich.

Dass das WAS man antwortete aber nicht ganz unwichtig war, erlebte ich, als mein mexikanischer Partner seine Einzelfrage falsch verstand. Antworten sollte er auf die Frage, welche kulturellen Ereignisse (Feiertage etc.) er in Norwegen besonders interessant fände und warum. Anscheinend hatte er aber nur verstanden, er solle etwas über die Kultur des Landes sagen. Sehr eloquent verglich er die norwegische Kultur (im Sinne von Mentalität) dann mit der mexikanischen. Und stellte dann als größten Unterschied dar, dass in Mexiko vieles eigenständig geregelt werde, während die Norweger, seiner Meinung nach, einen großen Teil der Verantwortung dem Staat überlassen. Kindergärten und Altersheime waren für ihn beispielsweise ein Zeichen von schlechter Familienmoral.

Hm.

Das Lächeln der Prüferin wurde etwas schmaler, sie wies ihn kurz darauf hin, dass er das Thema aus einem interessanten, wenn auch nicht gefragten Blickwinkel beantwortet hätte. Machte sich eine kurze Notiz und ging über zur nächsten Frage.

Oh boy, war es geschickt, Norwegen zu kritisieren? Oder kam das nur bei mir als Kritik an?

Die nächste Frage ging an uns gemeinsam. Was einen guten Arbeitnehmer ausmache, sollten wir diskutieren. Es folgte ein fröhliches Ping-Pong-Spiel, es machte Spaß, mit ihm zu diskutieren, wir gingen auf das ein, was der andere sagte, verbesserten, wenn etwas falsch lief und die Aufgabe schien gut gelöst zu sein. Die Zeit verflog! Vor der Tür wirkte der Gedanke an eine 25-minütige Prüfung noch ungeheuerlich – nun raste die Zeit nur so dahin!

Die letzte Einzelfrage für uns beide kam. Mein Gegenüber bekam die anfangs erwähnte Frage über Vegetarier – und legte eine derartig strukturierte und gutformulierte Antwort hin, dass ich fast vom Stuhl fiel. Ich hätte ihn völlig entgeistert angestarrt, lachte er hinterher und gab zu, dass sie genau dieses Thema in seiner Norwegischklasse noch kurz vor der Prüfung besprochen hätten.

Na, hatte der ein Schwein!

Ach nee, hatte der Tofu 🙂

Ich sollte, noch völlig beeindruckt ob seiner Leistung, dann die letzte Prüfungsfrage beantworten: „Sollen alle Menschen in Norwegen Stimmrecht erhalten?“

Nein.

Diese vier Buchstaben sagten alles aus, fand ich. Spaß beiseite, das Thema fand ich spannend und legte los – leicht chaotisch und gedanklich hin und her springend, aber immerhin auf Norwegisch. Auch wenn ich in meinem Enthusiasmus ein oder zwei deutsche Wörter einbaute und ein paar norwegische erfand – ich hatte Spaß und versuchte, so flüssig wie möglich zu reden. Das hatte ich nämlich in einem Blogg gelesen: Die Prüfer würden eher mal einen grammatikalischen Fehler verschmerzen als eine stockende, zähe Sprechweise.

Tja, und dann war es vorbei. Wir packten unsere Sachen, verabschiedeten uns von den beiden Prüferinnen und gingen vor die Tür. Lachten erleichtert und erzählten denen, die draußen warteten, alles wäre nur halb so schlimm.

„Ta det med ro,“ hatte man mir vor der Prüfung gesagt. Ruhig bleiben. Ja und das ist wirklich der beste Tipp. Ruhig bleiben und versuchen, Spaß zu haben.

Und im Januar sehe ich dann, ob das gereicht hat!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute und mit diesem Artikel verabschiede ich mich in die Weihnachtspause. Bestimmt melde ich mich für gute Wünsche nochmal kurz, aber der erste normale Artikel kommt am 6. Januar 2017. Bis dahin wünsche ich Euch und Euren Familien und Freunden ein Frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Danke an Euch alle fürs Lesen und Kommentieren, es ist toll, dass Ihr da seid. Meine wöchentlichen Grüße gehen also an Euch, liebe Leser, wo immer Ihr auch seid. Lasst es Euch gut gehen, wir lesen uns in 2017!

God jul og et riktig godt nytt år!

majorstuen

Ulrike (so sieht es bei uns im Viertel gerade aus, schön weihnachtlicher bondensmarked am Valkyrieplass in Majorstuen)

Norskprøve Teil 1 ODER Nur keine Panik!

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Kennt Ihr das? Da hat man so eine Eigenschaft, die irgendwie hervorsticht. Andere schütteln darüber den Kopf; häufig hat diese Eigenschaft schon zu blöden Situationen geführt. Ja und dann ist Dezember und man…also ich…nehme mir vor: “Ok, daran arbeite ich! Das wird mein guter Vorsatz im neuen Jahr! Das werde ich ändern!”

Hm.

Und dann denke ich plötzlich: “Laaaaaaaaaangweilig!!!!”

Und beschließe, dass ich nun mal eine Rampensau bin, da lässt sich leider nichts machen, ich muss mich in den Vordergrund drängeln und echauffieren, so ist das nun mal, das kann ja auch ganz unterhaltsam sein und man lebt nur einmal und ich kann ja in meinem nächsten Leben die schweigsame, nachdenkliche, kritisische Beobachterin sein. – Und deswegen schreibe ich jetzt doch über meine Prüfung, was ich eigentlich nicht machen wollte, weil wen interessiert das eigentlich wirklich und dann wiederum, ist ja immerhin mein Blog und Ihr kommt ja schließlich wieder, ist doch alles prima und nun hier also: Meine Norwegisch-Prüfung!

Hallo, meine Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Meine letzte Prüfung ist schon ziemlich lange her. Im Jahr 2003, um genau zu sein. Da saß ich im Theatersaal der Uni in Hildesheim und versuchte meine Prüfer davon zu überzeugen, dass ich irgendetwas im Studium gelernt hatte. Das klappte, auch wenn mein Theaterprofessor fast tot vom Stuhl kippte, als ich den Begriff “Katharsis” falsch erklärte.

Kann ja mal passieren.

Nach 13 Jahren Prüfungsleere stehe ich also am Mittwoch letzter Woche pünktlich um 7.45 Uhr in der Rosenhoffschule in Oslo und bin genauso nervös wie 2003. So ein Blödsinn, denke ich, was soll denn das? Um mich herum sitzen und stehen andere Prüflinge, viele Araber und Polen, Inder und Afrikaner und alle wirken ganz ruhig. Nur mir gegenüber sitzt eine junge Frau mit den schwärzesten Haaren, die ich jemals gesehen habe und kriecht fast in ihre Vokalbelliste. Die Frau behalte ich im Auge. Sie beruhigt mich irgendwie.

8 Uhr. Wir warten immer noch. Zwei junge Typen hechten aufgeregt und ganz unnorwegisch zwischen den beiden Prüfungsräumen hin und her. Na, die helfen meiner Aufregung auch nicht. Dann atme ich jetzt eben. Ein und aus, ganz ruhig. Ich will nur Level B1, wie schwierig kann das sein?

“Naja, du willst eigentlich schon B2.”

“Schnauze, atmen.”

Mein Gewissen fliegt kurz raus und im selben Moment öffnen sich die Türen und wir strömen in den Prüfungsraum, wo zahlreiche Computerbildschirme auf ihre Benutzer warten. Ich sitze bald neben einer Mutter aus Guinea, die seit vier Jahren in Norwegen ist und auch ganz ruhig wirkt. Unsere drei Bewacher…Helfer…Prüfer…erklären uns die Prozedur, wir geben Handys, Jacken und Taschen ab, unterschreiben und kaufen damit wahrscheinlich einen Staubsauger, aber das wäre mir auch egal, ich mache, was die sagen!

Um 8.15 startet die Leseprüfung. Ich werde ruhiger – das hier kann ich. Die schriftliche Prüfung besteht aus drei Teilen: Lesen, Hören, Schreiben. Lesen mag ich, die Texte sind gut zu verstehen, ich hänge bei den Begriffen “vedlikehold” und “by på noe”, baue mir einen Sinn zusammen und habe, wie ich nach der Prüfung sehe, Recht damit. Puuh. Früher als die anderen bin ich fertig, gehe aufs Klo (begleitet von einer Prüferin), setze mich dann zurück an meinen Platz und warte.

Nächster Teil: Mein Hörverständnis wird getestet. Die Art der Übungen kenne ich von norsklab.no oder von voxdemo, das macht es einfacher. Allerdings rutschen die Kopfhörer. Ich hasse Kopfhörer, hatte nie einen Walkman, Discman, ipod oder ähnliches und das rächt sich anscheinend jetzt. Ich fluche und klemme die störrischen Dinger zwischen Schulter und Ohr und lausche. Dieser Test läuft anders als die Leseprüfung: Beantwortet man hier die Fragen richtig, geht der Test immer weiter und weiter und weiter. Beantwortet man eine oder mehrere (da bin ich jetzt unsicher) Fragen aber falsch, stoppt der Test und der Prüfling ist fertig. Wie gesagt, Lesen und Hören kann ich gut, mein passiver Wortschatz ist groß, ich bleibe also sitzen, während um mich herum immer mehr Leute aufstehen und in die Pause gehen.

Und nun, liebe Rosenhoff-Schule, ein Vorschlag für kommende Prüfungen: Niemand darf den Raum verlassen, bis ALLE fertig sind. Weil – es stört gewaltig, wenn Stühle knarren und Schritte klappern und Daunenjacken rascheln, während man versucht, den norwegischen Text zu verstehen, der aus dem rutschenden Kopfhörer kommt. Ich musste am Ende der Leseprobe auch 15 Minuten warten bis alle fertig waren, das ist kein großer Deal.

Die letzte Höraufgabe habe ich also, pardon my language, verkackt, weil so viel Trubel war.

Und das hat mich echt genervt.

Man kann den Test nämlich auch nicht stoppen und warten, bis Ruhe einkehrt. Nee, nee, der läuft automatisch durch. Oder stoppt eben.

Gut, ist ja nicht so tragisch.

„Hehe, du hast dich so geärgert!“

„Quatsch, so schlimm fand ich das nicht!“

„Hahahahahahaha, doooooooch!“

„Ich habe heute schon zugegeben, dass ich eine Rampensau bin, reicht das nicht?“

„Hahahahahaha!“

Weiter im Text.

Nach der Pause dann mein Horrorteil. Schreiben. 90 Minuten habe ich Zeit für zwei Aufgaben: Zuerst soll ich mich bei der Stadt beschweren, dass sie in meiner Nachbarschaft ein Parkhaus bauen wollen (mindestens 80 Wörter). Danach habe ich die Wahl, 250-350 Wörter über ein Werbeverbot für forbrukslån (Kredit ohne Sicherheiten) zu schreiben oder über das Zulassen von technischen Hilfsmitteln bei der Norwegischprüfung.

Hallo? Ich hätte gerne neue Themen! Die hier finde ich langweilig, ätzend, menno.

Um mich rum hauen schon alle in die Tasten.

Ich habe es geahnt, Schreiben wird mein Norwegischprüfungswaterloo. Ok, jetzt geht es los. Konzentration auf ein Parkhaus. Blick auf die Tastatur.

Die hätten sie auch mal putzen können.

Ach guck, hier sind die norwegischen Extrabuchstaben schon direkt auf der Tastatur.

Ich habe Hunger.

Oh guck, ein Vogel!

Ich muss mal.

Mist, ich muss Gummistiefel kaufen.

ULRIKE! LOS JETZT! PARKHAUS!

Ich habe einen echten Black out. Mein Kopf weigert sich, meine Hände streiken und ich gerate in eine gepflegte Panik.

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Um mich herum rege Aktivität. Noch 80 Minuten. In meiner gepflegten Panik greife ich zu einem Trick, den ich beim fantastischen Hanns-Josef Ortheil im Seminar Kreatives Schreiben gelernt habe: Bei Schreibblockaden tief durchatmen und dann einfach lostippen. Nicht über die Struktur nachdenken, einfach ab auf die Tasten/an die Stifte und los. Nach 5 Minuten aufhören und gucken, was passiert ist.

Tja und das mache ich dann.

Und es funktioniert.Wie immer.

Die Stadt bekommt eine Beschwerdeemail von mir zu ihrem Plan, ein Parkhaus in meiner Nachbarschaft zu bauen. Ich muss den Text sogar kürzen! Das Tolle an der Kamikaze-5-Minuten-Schreibmethode ist, dass man erstens am Ende einen langen Text hat, mit dem man arbeiten kann und zweitens ganz oft während des Schreibens Strukturen und Ideen auftauchen – man also quasi während des Schreibens den Text entwickelt.

Beflügelt von diesem ersten Schreiberfolg stürze ich mich auf die zweite Aufgabe. Ich entscheide mich für das Werbeverbot und den Kredit ohne Sicherheiten. Läuft auch ganz gut. Hinterher stelle ich leider fest, dass ich den Text NUR auf TV-Werbung bezogen habe, dabei ging es in der Frage um Werbung im Allgemeinen. Außerdem habe ich mich bei der 50-50 Chance, ob das Wort lån einen männlichen oder sachlichen Artikel hat, falsch entschieden und weiß nun, bis in alle Ewigkeit, dass es et lån heißt, nicht en lån – auch wenn ich finde, dass sich en lån besser liest.

Naja.

Die Zeit ist knapp, sehr sehr knapp – kaum habe ich den Text einmal grob Korrektur gelesen, heißt es: “Noch fünf Minuten.”

Und dann ist die schriftliche Prüfung vorbei.

Puuh.

Alle einmal ausatmen, bitte. Wir sammeln unsere Handys, Jacken und Taschen ein und gehen. Die Frau mit den schwärzesten Haaren der Welt kramt ihre Vokabelliste aus der Jackentasche und wirft sie schwungvoll in den Papierkorb.

Wir lachen uns an.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Über die mündliche Prüfung erzähle ich nächste Woche, ich muss nämlich heute noch backen und putzen und raus will ich auch, weil das Wetter gerade schön ist! Ich wünsche uns allen eine tolle Woche, einen schönen dritten Advent. Bleibt, wie Ihr seid!

An dieser Stelle ein dickes Danke an unsere Freunde Jeanette und Stephan, die sich an den Prüfungstagen (an denen Martin in Moskau war) um Gesa gekümmert haben! Danke fürs Bespaßen, zum Kindergarten bringen, vom Kindergarten holen und Spielen. Ihr seid die Besten.

Und nun geht alle raus und genießt die Sonne!

Ha det,

ullinachpruefung

Ulrike

 

Norwegische Adventsstimmung ODER På låven sitter nissen….

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Hallo, meine lieben Leser, heute nur ein winzigkleiner Blog. Warum? Erstens will ich Martin gleich vom Flughafen abholen, er war eine Woche in Moskau und ich freu mich sehr, dass er wieder nach Hause kommt – und zweitens ist morgen Adventsingen in der Deutschen Gemeinde und ich muss noch viel vorbereiten. Entschuldigt also, und ich verspreche, dass es ab nächster Woche besser wird!

Damit Ihr aber nicht ganz ohne norwegischen Einfluß in den zweiten Advent gehen müsst, kommen hier zwei der beliebtesten und bekanntesten norwegischen Weihnachtslieder für Groß und Klein: „Musevisa“ von Alf Prøysen und „På låven sitter nissen“ von Margrethe Munthe. Ihr werdet ganz erstaunt sein, hört Ihr das letzte Lied, denn die Melodie kennen wir von dem Lied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“!

Worum es im ersten Lied geht, könnt Ihr im Video, glaube ich, gut verstehen. Im Lied „På låven sitter nissen“ wird erzählt, wie der Weihnachtsgnom in der Scheune in Ruhe seine Grießbrei essen will, aber dauernd von aufdringlichen Ratten gestört wird. Dann schwingt er seinen großen Löffel und will sie vertreiben. Die Ratten tanzen lustig um ihn herum. Da springt der Gnom auf und droht damit, die Katze zu holen – und schwupps, sind die Ratten weg. Gesungen wird das Lied im Video von Fantorangen, einem der Helden aus dem norwegischen Kinderfernsehen!

Habt ganz viel Spaß beim Hören und Mitsingen (?), ich hoffe, Ihr könnt die Videos öffnen!

TEXT Musevisa:

Når nettene blir lange og kulda setter inn
så sier vesle musemor til ungeflokken sin:
Hvis ingen går i fella, men passer seg for den,
skal alle sammen snart få feire jul igjen!
ref: Heisan og Hopsan og fallerallera!
Om julekvelden da skal alle sammen være gla!
Heisan og Hopsan og fallerallera!
Om julekvelden da skal alle sammen være glad

 

Ja musemor er flittig, hun tar et stykke kull
og sverter tak og vegger i sitt lille musehull,
mens barna feier golvet og danser som en vind
og soper borti krokene med halen sin.
ref.

Omsider kommer kvelden som alle venter på
og musefar han trekker fram en støvel uten tå,
den pynter de med spindelvev og småspiker og sånn,
og så putter de en flaskekork i hempa på’n
ref.

Og musefaren sier, nå skal vi danne ring,
la støvlen stå i midten så går vi rundt omkring.
Vi gir hverandre halen som vi kan leie i,
og en og to og tre, og så begynner vi!
ref.

 

Og julematen deres, det er ei lita nøtt,
og så et stykke dropspapir for dem som liker søtt.
Og musemor har stillet opp en fleskebit på skrå,
og den får alle sammen lov å lukte på.
ref.

Ja musebestemora er også kommet inn,
nå sitter hun og koser seg i gyngestolen sin.
Det æ’kke orntli gyngestol, d’er no‘ som alle vet,
hun sitter der og gynger på en stor potet.
ref.

Så hopper de, så danser de, så traller de en stund
til musefaren sier:“Det er best vi tar en blund.“
Og ungene de legger seg, mens pappa holder vakt,
men selv i søvne traller de i hopsatakt:
ref.

Og bestemora gjesper, og sier slik som så:
„D’er morosamt med jula for dessa som er små,
(og) hvis ingen går i fella, men passer seg for den,
skal alle sammen snart få feire jul igjen!“
ref.

På låven sitter nissen

 

Julesanger.no

 

På låven sitter nissen med sin julegrøt,

så god og søt,

så god og søt.

Han nikker, og han spiser,

og han er så glad,

for julegrøten vil han gjerne ha.

 

Men rundt omkring står alle de små rotter,

og de skotter,

og de skotter.

De vil så gjerne ha litt julegodter,

og de danser, danser rundt i ring.

 

Men nissefar han truer med sin store skje

Nei, bare se,

og kom avsted.

For grøten min vil jeg få lov å ha i fred,

og ingen, ingen vil jeg dele med.

 

Men rottene de hopper, og de danser,

og de svinser, og de svanser.

De klorer etter grøten og de stanser,

og de står om nissen tett i ring.

 

Men nissen, ja han er en liten hissigpropp,

og med sin kropp,

han gjør et hopp.

Jeg henter katten hvis dere ikke holder opp

Når katten kommer, skal det nok bli stopp.

 

Da springer alle rottene så bange,

å, så bange, å, så bange,

og de vender seg og danser noen ganger,

og på en-to-tre så er de vekk.

***

So, ich wünsche uns allen einen schönen zweiten Advent, bleibt entspannt, singt und tanzt und vergnügt Euch! Das kann ich jetzt auch wieder: Meine Prüfung ist vorbei, danke für alle Daumen! Es lief gut, fand ich, und die Ergebnisse kommen im Januar

🙂

Viele Grüße an Euch alle,

ha det,

Ulrike

ullinachpruefung

(Gestern vor der Rosenhoff Schule, ca 10 Min nach der mündlichen Prüfung, Text: „Puuuuuuuuuh!“)

Der Umgekehrte Adventskalender ODER „Jetzt nervt sie aber rum…“

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jula.no

Ich liebe Adventskalender! Jeden Tag nähert man sich mit einer kleinen Überraschung Weihnachten. Am 24. Dezember ist der Kalender leer und das große Fest beginnt. Für viele. Aber nicht für alle. Und deshalb habe ich dieses Jahr zwar einen Adventskalender mit Schokolade – aber auch einen ganz anderen.

Hallo, meine lieben Leser, keine Angst, ich verfalle jetzt nicht in weihnachtliche Sozialkritik und habe auch nicht im Sinn, Euch die Adventszeit madig zu machen. Ganz im Gegenteil: Schöner will ich sie machen!! – Seit einigen Jahren kursiert im Netz die Idee des “Umgekehrten Adventskalenders”. Umgekehrt deshalb, weil…..naaaaaaa???????

Na, los, mitdenken!

Jaaa, auch du da, die gemütlich auf dem Sofa liegt und am Lebkuchen knabbert!

Also?

“Det is ja wie inner Schule hier!”

“What the heck is wrong with her today, are we at a bootcamp or what?!”

„Das ist das Norwegischlernen, das bekommt ihr nicht!“

„Je crois, que…“

„Shut it, frog-leg.“

“Skjønner ingenting, hva vil hun???”

“Streber!”

Ruhe.

Also: Der Umgekehrte Adventskalender heißt so, logisch, weil man nicht jeden Tag etwas herausnimmt, sondern jeden Tag im Dezember etwas hineinlegt. Ganz simpel. Das kann Spielzeug sein, ein schönes Bild, eine Konservendose, eine CD, eine Packung Kekse, eine selbstgeschriebene Geschichte oder oder oder. Am 24. Dezember wird der gefüllte Adventskalender dann gespendet: An ein Armenhaus, ein Flüchtlingsheim oder an den Obdachlosen, der jeden Tag an der selben Stelle in der Stadt sitzt.  Na, das hört sich doch ganz gut an. Wer ist dabei?

Ich, ich, ich, höre ich einige rufen!! Ok, dann hier die unglaublich komplizierte Anleitung:

Was brauchen wir für diesen Umgekehrten Adventskalender?

  1. Eine Idee, an wen wir spenden wollen. Sucht im Internet nach Organisationen wie Die Tafel, Adressen von Flüchtlingsheimen oder Kirchengemeinden, die Essensausgaben anbieten und klärt dort ab, ob und was gebraucht wird. Es wäre ja doof, wenn Ihr mit Eurem Kalender ankommt und müsst ihn dann wieder mitnehmen. Sobald Ihr wisst, an wen Ihr spenden wollt, wisst Ihr auch, was in Euren Kalender kommen wird. Ich, beispielsweise, möchte unseren Umgekehrten Adventskalender an das Armenhaus in Oslo spenden. Dort wird Essen benötigt. Mein umgekehrter Adventskalender wird also aus Essen bestehen.
  2. Einen Behälter für den Adventskalender: Das kann ein Pappkarton sein, in dem 24 Fächer abgeteilt sind, ein großer Korb mit hübschem Stoff, eine Stofftasche…Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Falls Ihr den Adventskalender als Familienprojekt macht, lasst die Kinder den Karton/Korb verzieren, dann macht es noch mehr Spaß, jeden Tag etwas hineinzulegen!

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3. Ab dem 1. Dezember wird der Kalender gefüllt: Entweder mit Dingen, die Ihr Zuhause habt oder geht gemeinsam einkaufen und legt das Gekaufte dann hinein. An jedem Tag darf ein anderes Familienmitglied entscheiden, was hineingelegt wird. Für alle, die den Kalender alleine machen: Wow, Ihr dürft JEDEN Tag entscheiden!

4. Am 24. Dezember nehmt Ihr den gefüllten Korb oä und bringt ihn denjenigen, die ihn brauchen. Statt also hektisch die letzten Vorbereitungen für Heilig Abend zu treffen oder sich in ein Café zu setzen und die Bescherung abzuwarten, macht Ihr Euch auf den Weg und spendet ein bisschen Freude.

Denn, und nun kommt der kitschige, aber wahre Teil, genau darum geht es doch zu Weihnachten, oder?  Wir wollen Freude geben. Aber wer hat die Freude am allerallerallermeisten nötig: Das in Liebe, Sicherheit und Spielzeug gehüllte Kind? Der gesunde, finanziell abgesicherte, nie hungernde Freund?

Die Antwort ist wie jedes Jahr dieselbe und natürlich schenken wir dem spielzeugbeladenen Kind noch mehr Spielzeug und dem nie hungernden Freund noch ein Buch und das ist ja schließlich ganz normal und überhaupt, was spielst du dich hier als Gewissensforscher auf, und das stimmt, was denke ich eigentlich, wer ich bin, aber ist doch schließlich wahr und wenn nur 1 von 5 Lesern einen umgekehrten Adventskalender macht, dann fände ich das den Hit und würde mich freuen und damit wäre meine Adventszeit 2016 schon mal gerettet und  die anderen vier Leser, die das vielleicht sentimentalen Kitsch finden und sich nicht um andere kümmern, weil sie meinen, dass sie selber eh schon genug Probleme haben, die müssen das natürlich selber wissen und die würde ich nur einmal kurz fragen: Ehrlich?

“Sag mal, heißt der Blog seit heute Neues aus Besserwisserland? Neues aus meinem Gewissen?”

“No, but could well be….jeeeeeeez.”

“Kein Wort über Norwegen heute!”

Ups, stimmt.

DOCH! Ich habe geschrieben, dass mein Umgekehrter Adventskalender an das Armenhaus in Oslo gehen wird! Damit wisst Ihr jetzt, dass es ein Armenhaus in Oslo gibt. Und fragt Euch vielleicht: Wie kann es in diesem angeblich so reichen Norwegen möglich sein, dass jeden Freitag 500-600 Menschen um warmes Essen bitten? Ja, das frag ich mich auch.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich wünsche uns allen eine schöne, besinnliche, fröhliche Adventszeit. An alle Osloaner: Am 3.12. ist ab 17 Uhr Adventssingen in der Deutschen Gemeinde. Mich könnt Ihr dort treffen und wem das nicht reicht: Erik Gøthesen spielt Klavier und gemeinsam lesen wir deutsche und norwegische Weihnachtsgeschichten und singen deutsche und norwegische Weihnachtslieder. Es gibt Punsch und Lebkuchen und alle sind Willkommen!!!!

Macht es gut, liebe Leser, bis nächste Woche,

ha det bra,

Ulrike

Willkommen in meinem Sprachzentrum! ODER „Was will DIE denn hier?“

Betyr, betydde, har betyddet…neiiiiin…har betYDD! Ligger, la, nein, lå, har ligget…Ingen drømmer om Oslo…Aftenposten…Norsklab lytte, øve 3…bør Norge tillate oljeboring utenfor Lofoten? Alle sammen: Ja, vi elsker dette landet!

Hallo, meine lieben Leser, ich hoffe, mein Deutsch reicht noch aus für diesen Blog! Momentan ist mein Hirn gefüllt mit norwegischen Texten, Verben, Adjektiven, Themen und Kinderliedern und langsam frage ich mich, wie Deutsch sich da oben noch verteidigen kann. Meine arme Muttersprache: Seit über 40 Jahren ist sie zwar Chefin im Sprachzentrum, muss aber permanent Besitzansprüche ausländischer Eindringlinge abwehren. Nach zähem, jahrelangem Kampf hat Englisch einen dauerhaften Platz erobert and nowadays is my brain able to switch zwischen these beiden languages ohne große problems. Für einige Jahre versuchte Französisch eine Teil des Zentrums zu besetzen, aber die beiden Germanen verbündeten sich gegen die Romanische, knebelten die Schöne und schubsten sie, zack, in eine dunkle Ecke.

Als Norwegisch um die Ecke kam, lehnten sich Deutsch und Englisch daher gemütlich auf ihren Hirnwindungen zurück und beachteten den Neueindringling kaum:

“Da ist ne Neue.”

“Yeah, well, whatever.”

“Hört sich lustig an.”

“Sounds like your sister or nephew. Cousin maybe.”

“C’est norvegienne!”

“Halt die Klappe, Französisch, wer hat dich denn gefragt?”

“Mais…”

“Shut it, frog leg!”

“God morgen! Hvordan går det med dere?”

“—?”

“Raus!”

Aber das Norwegisch ist zäh. Und ich bin auch zäh. Gemeinsam arbeiten wir an ihrem angemessenen Platz im Sprachzentrum. Deutsch zickt zwar rum und Englisch lacht höhnisch, aber nach und nach sehen sie ein, dass die Neue bleiben wird. Und die ist auch ganz schön frech und kickt einfach mal ein englisches oder deutsches Wort aus dem Alltagssprachgebrauch. Statt “busy” bin ich plötzlich “travelt” und schmiere mir “leverpostei” statt “Leberwurst” aufs Brot.

Wie ich in einer neuen Wohnung scheint sich die Neue im Sprachzentrum gemütlich einzurichten: Hier ein paar moderne Adjektive, dort ein buntes Kinderlied, hier vorne ein norwegisches Sprichwort und wenn das Deutsch weiter rummeckert, bekommt es einen gepfefferten Fluch aus Nord-Norwegen um die Buchstaben geknallt. Gemeinsam entdecken wir norwegische Autoren (gerade: Ola Jostein Jørgensen “Ingen drømmer om Oslo”) und norwegische TV-Serien (zum Brüllen: “Side ved side” auf NRK).

Englisch wird manchmal eifersüchtig, fürchtet es doch, and not without reason, um seine dauerhafte Stellung. Aber, no worries, friend, ich spreche viel zu gern Englisch, als dass ich dich vergessen würde. Deutsch ist sich ihrer Sache sicher, zuckt nur manchmal zusammen, wenn ich mit Gesa Norwegisch spreche. Aber keine Angst, Muttersprache, von dir trenne ich mich ganz bestimmt nicht! (Jetzt, hier beim Schreiben ist sie natürlich wieder total obenauf…ich könnte allerdings…hva tenker du: Skal jeg skrive bloggen på Norsk? Or should I maybe write in english?…hihihihi, ich merke direkt, wie Deutsch zittert!!!)

Ihr seht also, in meinem Kopf ist ganz schön was los und ich bin gespannt, wie die drei sich da oben arrangieren werden, ob Französisch sich mal wieder aus der Ecke traut und ob ich nächstes Jahr vielleicht noch eine andere Sprache…

“NEIN!”

“NO!”

“NON!”

“NEI!”

…anscheinend nicht.

***

So, das war es schon für heute, liebe Leser! Ich werde zurückkehren zu meinen Aufgaben; noch zwei Wochen bis zur Prüfung, mal sehen, wie es läuft. Das Ergebnis bekomme ich erst im Januar, aber ich bin mal ganz optimistisch und drücke an dieser Stelle auch allen Mitprüflingen ganz fest die Daumen!

Morgen gibt es erstmal etwas Abwechslung: Die deutsche Gemeinde veranstaltet Samstag und Sonntag von 11/12h – 16h den jährlichen Christkindlesmarkt. Stollen, Silberschmuck, selbstgestrickte Handschuhe und viele andere Dinge werden angeboten, dazu gibt es ein riesiges Kuchenbüffet und im Keller von 13-15h die Lebkuchenwerkstatt für Kleine und Große!! Kommt zahlreich! Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal an das tolle Team hinter dem Christkindlesmarkt, die Jahr für Jahr mit viel Energie, guter Laune und Leidenschaft den Markt organisieren und durchführen. Diese Woche also die dicksten Grüße an Christel, Gisela, Edith, Angelika, Gabriele und Kerstin und an alle freiwilligen Helfer. Ihr seid super!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, meine Mutter ist noch bis Dienstag da, das ist so schön! Sammelt Eure Lieben mal um Euch und genießt die düstere Novemberzeit gemeinsam mit vielen Kerzen, viel Schokolade und viel Lachen!

Ha det,

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Ulrike

Schule ohne Noten ODER Ich dachte, ich erzähle Euch etwas Neues……

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@UliStein

Na, toll. Da finde ich ein interessantes Thema hier in Norwegen, will Euch in Deutschland damit etwas “gaaaanz Neues” erzählen und stelle fest: Pustekuchen, das kennt Ihr schon. Old news. Schnee von gestern. Schule ohne Noten – ein alter Zopf ist das!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Eigentlich wollte ich Euch heute davon erzählen, dass es hier in Norwegen bis zur 8. Klasse keine Schulnoten gibt. Stattdessen bekommen die Schüler mehr oder weniger schriftliche Bewertungen, ähnlich wie dem, was ich als Schülerin Ende der 70er-Jahre in der Grundschule bekommen habe: “Ulrike nimmt aktiv am Unterricht teil und malt sehr schön.” Naja, ein bisschen tiefgehender werden die Bewertungen hier schon sein, entscheidend ist: Es sind keine Zahlen. Die werden nämlich von vielen Experten als ungerecht und demotivierend angesehen. Erst im Übergang zur ungdomskole (ab 8. Klasse) werden die Leistungen mit Zensuren von 1-6 bewertet. Oder besser gesagt von 6 – 1, denn in Norwegen hat der Top-Schüler lauter Sechsen auf dem Zeugnis und der leistungsschwächere Schüler viele Einsen.

Seit einigen Jahren gibt es in der Politik die Debatte, Zensuren in bestimmten Fächern ab der 5. Klasse einzuführen, um so den Übergang in das volle Zensurensystem ab der 8. Klasse zu vereinfachen. Die beiden konservativen Regierungsparteien Høyre und FrP sind dafür, die liberalere AP ist dagegen und stützt sich auf Studien und Berichte des Ausbildungsministeriums. Mittlerweile dürfen Schulen und Kommunen selber entscheiden, ob sie ab der 5. Klasse in den Fächern Norwegisch und Mathematik Noten vergeben wollen – entsprechende Anträge liegen aber anscheinend lange unbearbeitet auf zuständigen Schreibtischen.

Das alles wollte ich Euch also erzählen und erwartete sowas wie: “Oh, wow!!! In Skandinavien machen die Sachen, da gibt es keine Noten, uihuihui!”

Und dann stelle ich fest (nicht das erste Mal, nebenbei gesagt), dass mein Wissen über Deutschland ungefähr von 2003 ist. Das Wissen über das Schulsystem in Deutschland scheint in den 80ern zu stecken. Als ich nämlich, nur zur Sicherheit, im Internet den Begriff “Schule ohne Noten” eingebe, überschlägt sich Google fast mit Suchergebnissen. “Die ideale Schule!” – “Schule ohne Noten 2017 an den Start!” – “Länder proben Alternativen zu Zensuren.” – “Sind Noten überflüssig?” – “Hier herrscht angstfreie Lernatmosphäre!” – “Auch in der Schule ohne Noten können Kinder viel leisten!” Ich finde Schulen, die bereits erfolgreich zensurenlos arbeiten, lerne, dass es an bayerischen Grundschulen 2015 bis zur dritten Klasse keine Zeugnisse gab, stattdessen Lernentwicklungsgespräche, Schleswig-Holstein hat die zensurenfreie Grundschule eingeführt und ich sitze vor diesen ganzen Infos und denke: Ach?

So, nun habe ich zwei Möglichkeiten: Weiter mit dem Zensurenthema, das ich eigentlich spannend finde, aber was soll ich Euch da erzählen, anscheinend sind sich Norwegen und Deutschland da mal wieder viel ähnlicher als ich dachte. Oder ich sinniere darüber, wie weit entfernt mir der deutsche Alltag ist und dass ich meine Themen nicht mehr danach aussuchen sollte, was ICH denke, was für EUCH (gerade in Deutschland) wirklich Neues aus Norwegen ist.

Keine Zensuren also.

Hm. Und schon wieder merke ich, wie weit ich von Schule gedanklich weg bin (das Thema kommt ja erst in ein paar Jahren wieder auf uns zu). Noten haben doch nie geschadet, oder? Eher angespornt, oder?

Manche (viele?) Lehrer und andere Bildungsexperten meinen aber, dass reine Notenvergabe auf Schüler demotivierend wirken kann. Dass der Gedanke “Ich bin der Beste!” ebenso schädlich sein kann wie “Ich bin der Schlechteste in Mathe!” Von äußerer und innerer Lernmotivation ist die Rede, von dem Ziel, dass Schüler lernen “wollen”, nicht lernen “sollen”. Zahlen könnten einem Schüler nicht ausreichend bestätigen, wie weit er oder sie im Lernprozess ist. Schriftliche Bewertungen hingegen würden den Schüler dort abholen, wo er oder sie sich gerade befindet und ermutigt, weiter zu machen.

Ich war überrascht, das so von Lehrern zu lesen. Schriftliche Bewertungen bedeuten in meinen Augen für sie sehr viel mehr Arbeit und Arbeit haben sie wahrscheinlich genug. Sprechen sich also Lehrer für diese Art der Bewertung aus, drückt das dem notenfreien System für mich den Stempel “gut” auf. Ich nehme es viel ernster, als wenn ich ähnliche Argumente auf den Seiten politischer Parteien lese.

Ja, was soll ich sagen, so funktioniert mein Kopf eben 🙂

Schule ohne Noten: In Norwegen wird diskutiert, ob man Noten früher einführen sollte. In Deutschland wollen immer mehr Bundesländer in bestimmten Schulformen Noten abschaffen. Spannend – mal sehen, ob sich beide irgendwo in der Mitte treffen.

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So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare zu diesem bildungspolitischen Thema! Erzählt auch gern von Euren Erfahrungen!

Hier in Oslo soll es ab heute schneien, ich bin gespannt und checke regelmäßig auf Facebook – wann erscheint das erste “SCHNEE!!!!”- oder “SNØ!!!!”-Foto? Warten wir weiter ab!

Meine wöchentlichen Grüße gehen heute in zwei Richtungen: Einmal nach Hildesheim, wo Freund Alex heute, hoffentlich schneefrei, Geburtstag feiert: Hipp hipp hurra für dich! Und dann weiter in den Osten nach Berlin zu Nichte Meli und Freund Chris: Wir freuen uns ganz doll!!! Das Paket ist unterwegs!

Uns allen wünsche ich  eine angst- und stressfreie Woche, genießt den dunklen November, den viele ja schon “Yes-vember” getauft haben, genießt ihn mit Tee und Kakao, Zimt-Orange-Schaumbädern, Lesen unter dicken Kuscheldecken, Laubschlachten im Park und und und….Euch fällt schon was ein!

Wir lesen uns nächste Woche,

bis dahin,

ha det,

Mein Zeugnis aus der 4. Klasse. Ne 1 in Mathe.....das kam nie wieder.

(Mein Zeugnis aus der 4. Klasse. Ne 1 in Mathe…..das kam nie wieder.)

Ulrike