Auf geht es! ODER Ein Kindergarten für Gesa Teil 2/letzter Teil

malte-hender-i-barnehage

Zuckerreduziert…alles muss beschriftet werden…erster Tag am zweiten Geburtstag…ohje, wie wird das wohl alles?…AUFREGEND…Moment, sofort Martin anrufen…aber erstmal kurz durchatmen!!! Gesa hat einen Kindergartenplatz!!

Hallo, meine lieben Leser, das waren so ungefähr die ersten Gedanken, die mir vor zwei Wochen durch den Kopf schossen. Es war Montag, 11. April, kurz nach 17 Uhr. Den ganzen Tag hatte ich auf eine Nachricht der Oslo Kommune, Stadtteil Frogner, gewartet. Schließlich war heute der erste Tag, an dem Kindergartenplätze verteilt wurden. Um 15 Uhr hatte ich dann beschlossen, dass wir anscheinend nicht in der ersten Runde dran gewesen waren. Na gut, dann warte ich eben auf den 11. Mai. Die zweite Vergaberunde.

Tja, und dann saßen Claudia und ich gemütlich vor der Deutschen Gemeinde beim Sushi-Essen und diskutierten über das Programmheft für unsere Theaterproduktion als…pling pling…eine Email sich ankündigte. Fast nebensächlich blickte ich auf mein Display – und zuckte zusammen:

“ikke-svar.oslo.kommune” schrieb mir und der Titel der Email lautete:

“Tilbud om plass for barnehage for Gesa Vibeke Niemann”

Wie von der Tarantel gestochen bin ich aufgesprungen. Und da, tatsächlich, war das Angebot für einen Kindergartenplatz in unserem auf Platz 1 gesetzten Kindergarten.

JIPPIE!!!!!!

Innerhalb weniger Minuten waren Martin, Omas und Opas, Paten und Oslopaten informiert. Ja, klaar hatten uns viele erzählt, dass wir in der ersten Runde und, natürlich, unseren Erstwunsch bekommen würden, da Gesa eben schon so steinalt ist. Aber zwischen dem was alle sagen und dem, was man so selber befürchtet, liegen ja manchmal Welten. Ich war einfach froh – und gleichzeitig ein bisschen wehmütig – irre, was man in ein paar Minuten alles gleichzeitig empfinden kann. Unsere kleine Motte, die doch eben noch winzig klein war, soll nun ab August Tag für Tag in den Kindergarten gehen. (Auch jetzt, hier am Schreibtisch kann ich das nicht ohne aufwallende Tränen schreiben – ehrlich mal, wie kitschig!)

Nun also zu den Fakten. Wir bekamen einen Vollzeitplatz im Kindergarten angeboten und man gab uns sieben Tage Zeit, diesen anzunehmen oder eben nicht. Ihr steinaltes Alter von dann 2 Jahren hatte anscheinend dafür gesorgt, dass unser Antrag mit Priorität behandelt wurde. Bevorzugt werden bei Anmeldungen immer zuerst Geschwisterkinder, dann Kinder von Angestellten des Kindergartens und dann anscheinend schon Kinder, die älter waren. Die meisten Kinder werden hier mit zwischen 12 und 15 Monaten in den Kindergarten geschickt, manche sogar noch früher. 24 Monate – echt biblisches Alter.

Wir antworteten also umgehend “Ja”, bekamen auch dieses bestätigt und damit ist die Kindergartensuche für uns beendet. Stressfrei, schnell und erfolgreich – so einfach hatte ich mir das Ganze nach einigen “Horrorberichten” nicht vorgestellt.

Am 23.8.16, ihrem zweiten Geburtstag, hat die Motte ihren ersten Tag. Natürlich erst für ein paar Stunden und zusammen mit Papa und Mama und wir hoffen, dass sie dort soviel Spaß haben wird, wie wir es ihr wünschen und wie der kleine Wirbelwind es verdient!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Mehr über uns als über Norwegen – aber vielleicht ist der Weg zum Kindergartenplatz hier auch ganz anders als in Deutschland? Erzählt doch mal! Ansonsten ist hier in Oslo die diesjährige Produktion der Kleinen Deutschen Szene sehr erfolgreich über die Bühne gegangen. Ein Projekt endet, ein neues beginnt – das ist spannend und schön! Auch ein berufliches Projekt ist am Entstehen, dazu später mehr! Ich wünsche uns allen einen tollen Start in den Mai, tanzt so hoch und lange Ihr könnt in den Wonnemonat, der sich hier in Oslo noch mit Schnee vermischt.

Wir lesen uns nächste Woche wieder!

Ha det,

WP_20160422_002

Erstes Grün im Frognerpark 🙂

Ulrike

Blogausfall wegen Theaterpremiere!

Wir lesen uns nächste Woche wieder!

Wer morgen oder Sonntag noch nichts vorhat: Wir haben noch wenige Restplätze an der Abendkasse zu verkaufen 🙂 Reservierungen werden nicht mehr angenommen – ja, so hart sind wir! 🙂

Drückt uns die Daumen für zwei unterhaltsame Theaterabende!

Plakat

A good walk spoiled? ODER Ein Vormittag beim Golf…

Edelbrun-Evolution-of-Golf-(1c)-T-skjorter

So schwer kann es ja wirklich nicht sein, beschließe ich. Schwinge den Schläger nach rechts, dann gekonnt nach links. Erwartungsvoll blicke ich in die Weite der Halle. Wo ist denn…? Ein Blick nach unten bringt Klarheit: Mein Golfball liegt noch akkurat am selben Platz. Mist!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Vor einigen Wochen entdeckte ich beim unmotivierten Rumzappen am Fernsehgerät, dass wir Viasat Golf empfangen. Ach du Himmel, war mein erster Gedanke, wie öde ist das denn?? 24 Stunden Golf, ja, genau das, was ich brauche. Martin war allerdings angetan und ich bin ja generell offen für neue Dinge, also guuut, gucken wir also mal Golf.

Gähn….

Aber nun ratet, was passierte?

Nix war mit “gäääähn”, ganz im Gegenteil. Ich fand es sogar ziemlich spannend.

(Ich gebe Euch, allen Nicht-Golfern, jetzt kurz Gelegenheit, lachend vom Stuhl zu fallen…

…Besser?…

…Braucht Ihr noch oder geht es schon?…

…Ok, nun ist es genug!)

Als erstes gefiel mir die parkähnliche Golfanlage. Große, alte Bäume, Büsche, kleine Seen…ich hätte hier sofort einen Spaziergang gemacht und mich Mark Twain angeschlossen, der sagte: “Golf is a good walk spoiled.” Ich möchte nicht wissen, wieviel Wasser verbraucht wird, um Golfplätze in, z.B. der kalifornischen Wüste zu unterhalten und hoffe auf das ökologische Verständnis heutiger Golfplatzbetreiber. Aber zurück zum Spiel. Im strahlenden Sonnenschein wanderten also mir – bis dahin – noch völlig unbekannte Sportler über eine… Wiese … und schlugen nach kleinen, weißen Bällen. Das mit mal mehr, mal weniger Erfolg.

War der Schlag schlecht, landete so ein Ball schon mal im Gebüsch oder, noch unterhaltsamer, im Wasser. Spannend war daran, wie schnell sich der Wettbewerb verändern konnte. Ein bis dahin führender Spieler spielte plötzlich an einem Loch schlechter, plötzlich misslangen Schläge, andere spielten besser – es war ein ständiges oder häufiges Auf und Ab von Erwartungen und Situationen.

Nach Martins Erklärungen und einigen Stunden TV-Erfahrung konnte ich bald mit Begriffen wie bogey, putten, iron und 2 under par etwas anfangen und hatte gelernt, dass man als (angehender) Golffan zum Beispiel Jordan Spieth kennen muss und auch die Abkürzungen PGA und LPGA. Das eine ist die professionelle Männerliga, in der anderen spielen die ladies. Unsere Abende waren plötzlich voller Golf und wir fanden das lustig.

Daran selber zu spielen, hatte ich bis dahin noch nicht gedacht: Ich bin eine bekennende couch potatoe, die, bis auf Wandern,  Sport am allerliebsten liegend beobachtet. Aber wie das Schicksal manchmal so spielt: Am Sonntag gingen wir in die Deutsche Gemeinde.

Unsere Theaterpremiere steht kurz bevor und einige Mitglieder der Kirche kamen auf mich zu und bestellten Karten oder erklärten, warum sie nicht kommen könnten.

Nett, oder?

Bald ergab sich ein Gespräch, in dem mir ein netter Kölner erklärte, er könne zur Premiere nicht kommen wegen einer Einladung.

“Dann komm doch am Sonntag”, schlug ich vor.

“Ja, nee, da geht es leider auch nicht. Ich fahre nämlich nach Schottland zum Golfen.”

RINGRINGRING!!!!!

“Du golfst????!!!!” fragte ich fasziniert. Da stand ein echter Golfer vor mir. Der mir bestimmt alle meine Fragen beantworten konnte. (Ich muss dazu erklären, dass es mich irre macht, wenn ich Regeln nicht verstehe. Ich kann es nicht ändern, es ist einfach so. – Ich bügele auch Jeans.)

In den nächsten 15 Minuten fragte ich und fragte und fragte und erfuhr, dass Peter in der Wintersaison gern das Indoor Golf Center in Oslo besuchte. – Später am Nachmittag und nach einigem Zögern schrieb ich ihm eine Email und fragte, ob er mich nicht einmal mitnehmen würde. So, just for fun. Und das tat er dann! Glücklicherweise ist ja gerade meine Mutter in Oslo und so konnte ich am kommenden Mittwochvormittag Golf spielen gehen!

(Natüüürlich habe ich vorher bei Youtube Golf-Videos geguckt, um Peter nicht vor Lachen zusammenbrechen zu lassen. Nicht, dass das geholfen hätte. Den Gedanken an muskel-, hirn- oder Handgelenkaufputschende Mittel ließ ich sofort sein – war doch mein Golfpartner ehemaliger Leiter des norwegischen Anti-Doping-Labors.)

Am nächsten Mittwoch machten wir uns auf den Weg. Das Indoor Golf Center liegt auf der Halbinsel Fornebu, nicht weit entfernt von Martins Arbeitsstelle Statoil. Besondere Kleidung sei nicht nötig, hatte Peter erklärt, nur warm solle ich mich anziehen, die Halle wäre kalt. Wir betraten also den Vorraum, in dem ein großer Golf-Shop lag und nachdem Peter Eintritt gezahlt hatte, betrat ich den Ort meiner neuen Sportkarriere. Eine riesige Halle lag vor mir, in der Norweger verschiedenen Alters und Geschlechts Bälle mal weiter und mal weniger weiter schlugen. Das war die driving range, an der Abschläge trainiert wurden. Fast alle Abschlagplätze waren besetzt – erstaunlich an einem Mittwochvormittag.

Golfblog1

Laut Norwegischem Golfverband sind über 100.000 Norweger Mitglied in einem Golfclub, von denen es 180 im Land gibt, dazu 172 Golfbahnen. Golf, so der Verband, sei eine der beliebtesten Sportarten in Norwegen.

Na, dann mal los. Peter zeigte mir einige Abschläge und erklärte, auf was ich zu achten hatte. “Sieht einfach genug aus”, dachte ich optimistisch.

War es nicht.

Erst einmal ist der Schläger viel schwerer als ich dachte.

Dann ist der Ball viel kleiner als ich dachte.

Und dann bin ich viel unsportlicher als ich dachte.

Der erste Ball blieb unbeeindruckt meiner Kraftanstregung liegen wo er war. Der zweite kullerte auf das Grün. Der dritte flog ein bisschen und rollte den Rest des Weges. Den vierten traf ich wieder nicht. Peter hielt sich tapfer. Ich beobachtete ungläubig die Rentnerin hinter mir, die die Bälle hoch und weit in die Luft schoss. “Also, so schwer kann das doch nicht….”, begann ich zu denken, und dachte mich dann: Doch, es kann so schwierig sein. Es war schwierig. Verdammt schwierig!!

Um mir einen kleinen Erfolg zu gönnen, nahm mein geduldiger Golfpartner mich mit zum Putting Green. Das erinnerte mich mehr an Minigolf und tatsächlich sollte ich nicht mehr tun, als einen Ball aus 1-3 Meter Entfernung in das Loch quasi….einzulochen.

Golfblog3

UND DAS GELANG!!!!

EUREKA!!!

Es sind die kleinen Dinge im Leben und so freute ich mich über meinen ersten Golferfolg. Aber, seien wir ehrlich: Klappt der Abschlag nicht, kommt der Ball dem Loch also gar nicht erst so nahe, braucht man auch das putten nicht zu üben. Nach einigen unterhaltsamen Versuchen, den verflixt kleinen Ball aus einer Sandkuhle, dem sogenannten bunker,  zu befreien …

Golfblog5

…kehrten wir zur Driving Range zurück.

Hier hatte sich mittlerweile eine interessante Gruppe von Spielern angesammelt: Ein mittelalter, engagierter Neuanfänger, der mithilfe seines Trainers die richtige Haltung beim Abschlag übte. Da er das noch ohne Schläger probierte, wirkte das Ganze wie eine Mischung aus Physiotherapie und Regentanz. – Daneben drosch ein vielleicht zehnjähriger Junge die Bälle derart routiniert in die Ferne, das ich ihn ganz ungläubig anstarrte. Was übrigens okay ist. Alle Driving Range –Nachbarn ließen sich auf Anfrage gerne beobachten. Neben dem Jungen schoss ein hochaufgeschossener junger Mann mit Haartolle die Bälle so, wie ich es im Fernsehen gesehen hatte. Und auch Peter demonstrierte mir beeindruckende Golfschläge.

Ich wollte das jetzt auch!!!!! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

Zum Golf scheint man aber zwei Dinge zu brauchen: Geduld und Ehrgeiz. Als mein Hirn das verstanden hatte, begann es laut zu lachen und schlug mir vor, doch jetzt zu gehen.

Aber so einfach gab ich nicht auf. 60 Bälle hatte der Automat für uns ausgespuckt und ich hatte noch einige zum Üben. Und dann, nach dem gefühlten 59. Schlag: BUUUUUUMMMM!

Ich konnte richtig merken, wie gut ich den Ball getroffen hatte. Statt zu kullern, flog er tatsächlich ein bisschen in die Höhe und sauste, wie nie zuvor, durch das Grün der Halle!!!!

Nun war mir alles klar. Der Grund, warum Menschen aller Altersgruppen sich jahrelang über Golfplätze spielen, zur Driving range gehen, um stundenlang zu üben, hat nur einen einzigen Grund: Es ist ein tolles Gefühl zu merken, den Ball richtig getroffen zu haben – und dieses Gefühl will man immer und immer wieder haben. Und wenn mir das, nach einem Minierfolg, klar wurde, wie muss sich das erst anfühlen, wenn mal ein wiiirklich guter Ball gelingt?

Den Erfolg wiederholen.

So einfach ist das.

Ganz im Gegenteil zum Spielen selbst, das gar nicht einfach ist.

Ich hatte einen fantastischen Vormittag und überlege ernsthaft, Stunden zu nehmen. (Jaaa, lacht ruhig! Das ist Peters Schuld, wegen ihm hatte ich so viel Spaß beim Golfen!) Der frühe elitäre Sport scheint sich, in Norwegen sowieso, in einen halben Massensport zu aufzuweichen und wenn ich auch die professionelle Karriere ausschließen kann – Spaß kann ich immer noch haben! Und wenn ich viel übe, bleibt der Ball vielleicht auch nicht mehr bewegungslos liegen!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Es ist immer spannend, etwas Neues auszuprobieren und wer sich jetzt für Golf interessiert, kann entweder den Fernseher anmachen (die Masters sind in vollem Gang) oder mal im lokalen Golfclub vorbeigucken. Hier in Norwegen heißt das Anfängerprogramm VTG (Veien til Golf) und wird von vielen Golfclubs im Land angeboten. Und wer das Thema blöd und uninteressant fand, den frage ich: Was soll ich denn ansonsten mal ausprobieren? Schlagt mir etwas vor!

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche mit neuen Erlebnissen, viel Lachen und gutem Essen. Bedanken möchte ich mich auch noch ganz herzlich für die Glückwünsche zur neuen Staatsbürgerschaft. Toll, wenn ein Aprilscherz gelingt!! Ich versichere Euch aber: Ich bleibe deutsche Staatsbürgerin :).

Hilsen,

Golfblog4

Danke, Peter!

Ulrike Woods & Trainer 🙂

 

 

Ich lüfte ein Geheimnis… ODER Die Norwegische Staatsbürgerschaft!

kvinnebunad_bunad01

Norwegische Tracht, eine bunad. vingerlaget.no

Endlich! Mit dem Brief in der Hand hechte ich die Treppen in unserem Haus hinauf, stürme durch die Wohnungstür und rufe Martin zu: “Ich darf jetzt eine bunad tragen!” Eigentlich tragen ja nur Norwegerinnen die norwegische Tracht. Aber das darf ich jetzt auch! – Warum, wieso, weshalb, fragt Ihr Euch? Weil … ich seit  vorgestern die norwegische Staatsbürgerschaft besitze.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es gibt Entscheidungen im Leben, die fallen schwer und von denen erzählt man auch erst, wenn alles geglückt ist. So wusste niemand hier in Oslo, weder Martin noch unsere Freunde, weder Familie noch Freunde in Deutschland – also niemand – dass ich plante, meine Staatsbürgerschaft zu wechseln. Das hat von meiner Seite ein großes Maß an Disziplin und Organisation verlangt, denn die zu erledigenden Prüfungen auf dem Weg zur Norwegerin sind umfassend und manchmal schlecht geheimzuhalten.

Wie froh bin ich, nun endlich davon erzählen zu können!

Fünf Aufgaben lagen vor mir:

Die erste schien einfach. Ich sollte bei einer öffentlichen Veranstaltung die norwegische Nationalhymne singen. Feiertage gab es im Februar/März – meiner Prüfungszeit – nicht. Aber, beschlossen meine Prüfer, wir haben die Biathlon-WM! Da werden sich bei den zahlreichen Medaillenverleihungen mit zahlreichen Goldmedaillen für das norwegische Team genügend Gelegenheiten bieten. Und wirklich: am 5. März holte sich die Norwegerin Tiril Eckhoff Gold im 7,5 Kilometer Sprint. An dem Tag hatte ich aber Geburtstag und dachte, ach komm, die Norweger gewinnen noch so oft, dann gehe ich eben ein anderes Mal hin.

*räusper*

Nachdem der Franzose Martin Fourcade dann zum dritten Mal Gold gewonnen hatte, wurde ich nervös. Um meinen guten Willen zu bekunden, ging ich zur Medal Plaza und jubelte schon mal probehalber und sang  – ganz leise – die französische Nationalhymne mit. Aber das zählte natürlich nicht! War ich froh, als dann endlich die norwegischen Frauen in der Staffel Gold holten!!!!! Lauthals schmetterte ich an diesem Abend Ja, vi elsker dette landet– mit Argusaugen bewacht von meinem Prüfer Rikard Nordraak.

P1270915

Die Videoaufnahmen meiner Präsentation schickte NRK an das norwegische Außen- und Kultusministerium, deren Mitarbeiter dann im Stortinget das Material sichteten und mich, sowie andere Prüflinge, bewerteten.

Als nächstes musste ich einen Mariusgenser stricken. Meine Freude darüber war groß, denn erstens kann ich stricken und zweitens gab es keine Spezifikationen zur Größe, also strickte ich einen Pullover für Gesa. Die Prüfungskommission kritisierte die Fadenführung an manchen Stellen, war aber von Gesa IM Pullover begeistert und wertete die Aufgabe als “bestanden”.

20151119_090046

Danach kam der lukullische Teil – Waffeln backen. Ich übte hier Zuhause und war dann vor einigen Wochen bereit für meine große Aufgabe: An einem Sonntagnachmittag sollte ich am Sognsvann Waffeln für Wanderer und Skiläufer backen. Hier schnitt ich einigermaßen gut ab, meine Prüferin Ingrid Espelid Hovig kritisierte allerdings an manchen Waffeln die Form. Den Streit zu Beginn, als ich mit meinem Dinkel-Möhren-Zuckerfrei-Teig beginnen wollte, lasse ich jetzt einmal weg. “So etwas tut eine echte Norwegerin nicht!”, bekam ich zu hören. Aber trotz allem: Test bestanden.

WP_20160219_011

Als nächstes kam ein soziologischer Test: Ich musste ich anhand von Kleidung, Aussprache, Alkoholkonsum und Automarke erkennen, in welchem Osloer Stadtteil der- oder diejenige wohnte. Das klappte sehr gut. Nur eine engelversessende Aristokratin und eine katzenverrückte Teenagerin platzierte ich nach Vålerenga und verlor Punkte.

Und nun zum letzten Test: Erinnert Ihr Euch an die vielen Freitage, an denen der Blog nicht erschien und ich Gesa die Schuld daran gab? Das war geschwindelt.Ganz übel geschwindelt.Hier kommt nun die Wahrheit:

Ich konnte den Blog nicht schreiben, weil ich Reitstunden hatte.

Auf einem Elch.

Das war nämlich die, mich etwas erschreckende, letzte Aufgabe. 37,5 Reitstunden auf einem Elch. Nun muss man dazu wissen, dass mir schon gezähmte Pferde Respekt einflößen – von wilden Elchen mal ganz zu schweigen! Aber – wat mutt, dat mutt, wie man bei uns in der Heimat sagt (ist Deutschland jetzt eigentlich noch meine Heimat??) – also rauf auf das Tier.

Das Hirschkalb, das der Osloer Forstverband mir ausgesucht hatte, war freundlich gestimmt. Ich taufte das Kalb Henrik Ibsen, das gab mir ein gutes Gefühl. Freitag für Freitag ritten also Henrik Ibsen und ich durch die Nordmarka, genau beobachtet von Bjørnstjerne Bjørnson, dem Revierförster. Besonders das Finden von Henrik Ibsen war schwierig, hielt sich so ein junger Elch doch selten an Verabredungen. Schön war es aber dann, auf dem weichen Rücken durch die Tannen zu reiten – an schlechten Tagen auch zu galoppieren.

Henrik Ibsen und ich bauten eine Art Vertrauensverhältnis auf. Leider war sein Ende tragisch: Ich hatte ihm viel über die Deutsche Gemeinde erzählt. Eines Tages beschloss er, mich dort zu besuchen und trabte in die Stadt. Dummer, kleiner Elch…Sein Leben nahm in der Eilert Sundts gate ein zu rasches Ende.

Mein Reitprüfung hatte ich dennoch bestanden. Danke, Henrik Ibsen!

Und dann hieß es warten.

Diese Tage waren hart für mich. Gut, dass ich so ein verschwiegener und generell introvertierter Mensch bin. Als dann aber der Brief vom königlichen Herold per Pferd in die Sorgenfrigata gebracht wurde und ich den versiegelten Umschlag öffne, war alles vergessen. Ein goldener Käsehobel fiel mir entgegen und ich wußte: Jetzt bin ich Norwegerin.Ein fantastischer Tag!

Und nun? Was passiert nun?

Ob ich jetzt meinen Namen ändern sollte?

In Therese Northug? Oder in Sonja Ringnes?

Gucken wir mal.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Ich wünsche uns allen eine wunderbare erste Aprilwoche mit viel Sonne und Lachen. Hier in Oslo ist der Winter zurückgekehrt – Minus 2 Grad heute morgen, bibber! Martin reist am Montag nach Moskau und am selben Tag kommt meine Mutter nach Oslo, um mich in der fast-Premierenwoche zu unterstützen! Ist das nicht toll?! Und nächste Woche wartet dann ein ganz besonderer Blog auf Euch: Ich gehe golfen. Warum, wieso und mit wem – davon lest Ihr dann nächsten Freitag!

Ha det,

20151204_121439.jpg

Kari Ibsen

God påske! ODER Ostern in Oslo…

God_påske,_ca_1953

“Boah, ist das ruhig!”, ist mein erster Gedanke, als ich am Donnerstagvormittag das Fenster öffne. Statt Großstadtlärm – Stille. Die Sorgenfrigata liegt verlassen unter mir, zahlreiche Parkplätze sind frei. Willkommen in der Osloer Osterruhe – die schon am Gründonnerstag beginnt!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Norwegen hat eine der längsten Osterferien weltweit – bereits Mittwoch ab 12 Uhr verabschieden sich viele in die Osterzeit. Bei einem Land, das vor einigen Jahren die Staatskirche abgeschafft hat und in dem Kirchengemeinden höhere Mitgliederzahlen angeben, als sie tatsächlich haben – in einem solchen Land also scheint die Osterzeit erstaunlich wichtig zu sein. Wird in vielen anderen Ländern noch am Gründonnerstag gearbeitet, schwingen sich die Norweger an diesem Tag ins Auto und fahren nach Schweden. Auf zur Harrytur – denn die armen Schweden müssen ja noch arbeiten und alle Geschäfte sind offen – bruhahahahahaha, lacht da das norwegische Herz.

Eingekauft wird dann in rauen Mengen, nicht nur für das Osterfest sondern für die obligatorische Tour auf die Hütte. Der Grund nämlich, warum die Sorgenfrigata leer ist und die Stadt so ruhig, liegt darin, dass die Einwohner Stadtflucht betreiben – raus aus Oslo und ab auf die Hütte. Gerne mit Skiern, denn in den Bergen liegt noch ausreichend Schnee für die eine oder andere kleine – vielleicht 30 Kilometer kurze – Skitour. „Wir wollen es ja laaangsam angehen lassen!“ Am Mittwoch schnallen also meine Nachbarn ihre Skiboxen aufs Auto, verstauen Hund, Kind, Frau und Brunost und ab geht es in die Einsamkeit – zusammen mit anderen 200.000 Stadt-Deserteuren.

Die, die nicht auf die Hütte flüchten, zieht es in den Süden. Schon am Samstagmorgen ist am Flughafen Gardermoen Hochbetrieb – mir würde dabei schon die Lust auf Urlaub vergehen.

Wir bleiben hier! Schon zum vierten Mal verbringen wir Ostern in der Stadt und genießen die Ruhe. (Wahnsinn, vier Jahre leben wir in ein paar Tagen schon in Oslo, viel ist passiert in diesen Jahren!) Statt also unsere Füße zu bräunen oder Knochen zu brechen erkunden wir neue Ecken der Stadt, freuen uns auf den Osterbrunch in der Deutschen Gemeinde und feiern den Ostermontag mit Freunden Claudia und Magnus. Ich weiß nicht, wie es Euch geht – für mich klingt das perfekt!

Ich habe zum ersten Mal seit gefühlten hundert Jahren einen Osterstrauß, inspiriert von Freundin Catharina, die uns letzte Woche zum Osteressen eingeladen hat und alles so schön osterlich dekoriert hatte, dass ich dachte: “Das will ich auch!” Norwegische Osterdekoration unterscheidet sich nicht von deutscher Deko (im Gegensatz zur Adventszeit, wo hier alle lila ist!). Tulpen und Weidenkätzchen, bunte Plastik-, Holz oder selbstgemalte Eier schmücken die Häuser.

Ein paar Dinge sind besonders in Norwegen: Påskekrim, der norwegische Osterkrimi, eine Tradition, die ich verwirrend finde. Anfang März war hier in Oslo das Krimifestival und kurz danach erschienen, passend zur Osterzeit, neue Krimis in den Buchhandlungen. Anscheinend nehmen die Norweger mit Vorliebe einen guten Krimi mit auf die Hütte. Klar, so in der Einsamkeit der Berge wirkt ein spannender Krimi gleich doppelt. Nachts liegt man zitternd unter der Hüttendecke und lauscht ängstlicht jedem Knacken der Natur.

Zu jeder ordentlichen Osterwanderung gehören, selbstverständlich, kvikk lunsj und – Orangen. Zu keiner Zeit des Jahres werden mehr Orangen gekauft und gegessen als zur Osterzeit, ob nun die mit Vitamin C gefüllten oder die mit Schokolade.

333847-5-1238974387371-n400

hellolinda.blogg.no

Ostern sind alle draußen, egal ob nun für einen Ausflug nach Bygdøy oder beim Hochgebirgsklettern. Bis Mittwoch hat dieses Jahr auch das Wetter mitgespielt und ich sah uns schon Ostersonntag auf der Picknickdecke. Aber, Pustekuchen – plötzlich fällt das Thermometer, der Frosch kauert am Boden und ich hole den Schal wieder aus dem Schrank – Minusgrade!

Aber, das schreckt uns nicht ab! Wir freuen uns auf das Ende der Fastenzeit (Hallo, Facebook!!!!), die Ankunft des Frühlings, auf schöne Stunden mit Freunden und Bekannten, leckeres Essen und auf Gesas erste Ostereiersuche!!! Das wird ein Spaß!!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Ich werde mich Ostern an Jamie Olivers Kolibrikuchen versuchen – ein wunderschöner Frühlingskuchen, der unseren Ostertisch verzieren und köstlich schmecken soll! Drückt mir die Daumen!!!

Euch allen wünsche ich ein schönes Osterfest, genießt die freien Tage, vergesst nicht, was wir feiern und falls Ihr einen guten Krimi findet – schreibt mir davon!

Frohe Ostern oder wie man hier sagt: God påske!

WP_20160325_011[1]

 

 

Ulrike

 

Ein Abend bei der Biathlon-WM oder Wie geht nochmal die Marseillaise?

P1270946

Foto: Christian Erhard

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Noch bis morgen hat die Biathlon-WM Oslo in der Hand. Statt norwegischen Jubels schallt aber die französische Nationalhymne durch die Stadt, denn der französische Biathlet Martin Fourcade ist der bisher ungeschlagene Held dieser WM. Am Sonntag, dem Tag seines dritten WM-Goldes, verabredete er sich schon einmal lachend für die nächsten drei Wettbewerbe mit König Harald. Da dürfte dem norwegischen Team, trotz lachender Gesichter, der Atem gestockt haben.

Gestern holte sich der bärtige Franzose dann die vierte Goldmedaille.

Aber das sind alles Sportnachrichten, die Ihr auf jeder Nachrichtenseite nachlesen könnt.

Ich wollte auch irgendeinen Teil dieser WM erleben. Zum Wettbewerb selber wollte ich mit einer wirbeligen 1,5jährigen nicht gehen. Gesa wäre mir noch auf die Loipe gehüpft! Was dann?

Beim Stöbern auf der WM-Website dann die Lösung: Jeden Abend findet nach dem Wettbewerb die Medaillenverleihung statt. Aber nicht oben am Holmenkollen – nein, mitten in der Stadt!

Na, da wollte ich hin!

Freund Christian praktischerweise auch.

Wir verabredeten uns für Mittwochabend. Der Wettbewerb des Tages waren Einzelrennen der Frauen und wir hofften auf einen deutschen Sieg. Wäre doch toll, eine Landsfrau anzujubeln!

“LOS, LAURA!!!!” feuerte ich also die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier mittags am Fernseher an, “Go for GOOOOOLD!!!”

Aber wer – natürlich – musste sich mit fantastischen Zeiten vor unsere deutsche Goldhoffnung drängeln?

Bien sûr – die Franzosen! Wollten die jetzt wirklich ALLE Medaillen gewinnen? Gold und Silber also an Frankreich, aber, immerhin, Bronze für Deutschland! Und da ich die Dinge immer positive sehe, dachte ich in diesem Fall: Prima, dann kann ich endlich mal wieder die französische Nationalhymne singen.

(Die finde ich nämlich, trotz ihres blutrünstigen Textes, fabelhaft. Eines meiner Highlights unserer Jahre in Frankreich war es, im vollbesetzten Stade de France die Marseillaise zu singen.)

Kurz nach 19 Uhr kamen Christian und ich am Universitätsplatz an, wo Kurt Nilsen gerade sein Minikonzert begonnen hatte. Franzosen und Deutsche wippten im Takt, die Franzosen in glückseliger “Wir gewinnen AAAALLLES!”-Stimmung. Im NRK-Studio neben der Bühne bereitete sich Anne Rimmen auf die Live-Show vor.

 

WP_20160309_007

P1270932

Foto: Christian Erhard

 

Cool!

P1270915

Wir knipsten alles und nichts, genossen die Stimmung und besonders den Blick durch die Bühne zum erleuchteten Schloss. Der Anblick hatte mich schon bei der Eröffnungsshow begeistert– live war es aber noch besser! Tja und dann war das Musikprogramm beendet und der Höhepunkt des Abends kam – die Medaillenverleihung! Unter Jubel der Fans war das französische Team in den Innenraum der Bühne eingeladen wurden und wir erhaschten Blicke auf das deutsche Team mit ihren grünen Teamjacken.

P1270937

Großartiges Foto: Christian Erhard :)))))

Kurze Zeit später erschienen die Sportlerinnen auf dem Bühnensteg. Vorne weg junge Norwegerinnen in bunad, die die Medaillen trugen, dann kam Laura (“LAAAAURA!!!!”) Dahlmeier, gefolgt von Anaïs Bescond und Marie Dorin Habert. Ich bin ja so fürchterlich sentimental – keine Tierdoku läuft bei mir ohne Tränen ab – und hatte schon Wasser in den Augen, bevor Laura Dahlmeier das Siegertreppchen betrat. Was hat sie sich aber auch gefreut!

WP_20160309_028

P1270957

Foto: Christian Erhard

P1270958

Foto: Christian Erhard

P1270973

Foto: Christian Erhard

Toll war es auch, live zu erleben, was ich sonst nur im Fernsehen sah – altbekannte Bilder aus ganz neuer Perspektive. Die Riesenleinwand vor unserer Nase übertrug die Liveshow und wir konnten uns und unsere einzelne deutsche Flagge gut sehen….naja….

P1270959

So, nun hatten auch die beiden Französinnen ihre Medaillen. Zu den Klängen der Marseillaise wanderten die Nationalflaggen an den Mästen empor.

WP_20160309_043

Die französischen Fans gaben stimmlich alles, unterstützt von einer Deutschen, die sich versuchte, an den Text zu erinnern. Falls Ihr jemals in diese Situation kommen sollte (…ich wette, Martin Fourcade holt noch zwei Medaillen…) – hier ist er:

 

Allons enfants de la Patrie,

Le jour de gloire est arrivé!

Contre nous de la tyrannie,

L’étendard sanglant est levé. (2×)

Entendez-vous dans les campagnes

Mugir ces féroces soldats?

Ils viennent jusque dans vos bras

Égorger vos fils, vos compagnes.

Auf, Kinder des Vaterlands,

Der Tag des Ruhmes ist gekommen!

Gegen uns Tyrannei,

Das blutige Banner ist erhoben. (2×)

Hört ihr auf den Feldern

Diese wilden Soldaten brüllen?

Sie kommen bis in eure Arme,

Um euren Söhnen, euren Gefährten die Kehlen durchzuschneiden.

Refrain:

Aux armes, citoyens,

Formez vos bataillons,

Marchons, marchons!

Qu’un sang impur

Abreuve nos sillons!

(2×)

Refrain:

Zu den Waffen, Bürger,

Formt eure Truppen,

Marschieren wir, marschieren wir!

Unreines Blut

Tränke unsere Furchen!

(2×)

 

Sollten die Norweger gewinnen, singen wir alle:

Ja vi elsker dette landet

Melodie: Richard Nordraak
Text: Bjørnstjerne Bjørnson

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem, –
elsker, elsker det og tenker
på vår far og mor
og den saganatt som senker
drømme på vår jord.

Norske mann i hus og hytte,
takk din store Gud!
Landet ville han beskytte,
skjønt det mørkt så ud.
Alt hva fedrene har kjempet,
mødrene har grett,
har den Herre stille lempet,
så vi vant vår rett.

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem.
Og som fedres kamp har hevet
det av nød til seir,
også vi, når det blir krevet,
for dets fred slår leir.

  • Ja wir lieben dieses Land

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Lieben es und denken
an unseren Vater und Mutter
und an die Nacht der Sage,
die Träume auf unsere Erde niedersenkt.

Norweger in Haus und Hütte,
danke deinem großen Gott,
das Land wollte er beschützen,
auch wenn es dunkel aussah,
alles wofür die Väter gekämpft haben,
die Mütter geweint,
hat der Herr still gemäßigt,
so das wir unsere Recht bekamen.

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Und wie der Kampf unserer Väter
es aus der Not zum Sieg gehoben hat,
so werden auch wir, wenn es nötig ist,
das Lager für den Frieden aufschlagen.

Ich wünsche den Norwegern eine weitere Goldmedaille. Heute haben die norwegischen Frauen Gold in der Staffel geholt – die Freude war groß. Richtige Befriedigung gäbe aber, vermute ich, erst ein Sieg gegen den WM-König Martin Fourcade. Auch wenn der sich schon mit König Harald in der Königsloge verabredet hat.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Wir sind begeistert vom Universitätsplatz nach Hause gewandert, vorbei an jubelnden Franzosen und gutgelaunten Deutschen. Ab Montag kehrt in Oslo wieder Ruhe ein, aber bis dahin genießt die Stadt es noch, Gastgeber zu sein. Meine Grüße der Woche gehen diesmal nach Hildesheim: Lislbee Lisa :), noch ganz viel Spaß beim Biathlon gucken! Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, schaltet mal die WM an und drückt die Daumen für das deutsche Team.

Ha det,

WP_20160309_038

(Laura Dahlmeier in grün und ich…ein Meilenstein in der Geschichte der Selfie-Fotografie…)

Ulrike

 

 

In meiner Küche herrscht Weltgebetstag ODER Hola aus Oslo!

zre_kuba_1_1002012_1cmon_fotolia-1240x580

(zeitreisen.zeit.de)

“Was ist denn jetzt los?” fragt Ihr Euch vielleicht. “Schreibt sie plötzlich einen religiösen Kochblog…auf Spanisch?” Die Wellen schlagen hoch, das Kommentarfeld füllt sich, bis endlich die erlösende (ganz unreligiös gemeinte) Nachricht kommt: Alles bleibt wie es war.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Das Gemeindeleben der deutschen Gemeinde in Oslo ist vielfältig und seit der Ankunft des neuen Pastors auch um einige Veranstaltungen reicher. Dass ich sehr aktiv in der Gemeinde bin, ist Euch bekannt – auch wenn ich immer noch keinen Blog darüber geschrieben habe.

(Steht ganz oben auf meiner Agenda. Eine evangelische Gemeinde im Ausland kann nämlich nicht nur ein zweites Zuhause sein – sie ist auch etwas ganz anderes als eine heimatliche Kirchengemeinde.)

Eine der neuen (oder für mich neuen) Veranstaltungen ist der Weltgebetstag. Der Name spricht für sich. Jedes Jahr richtet ein anderes Land diesen Tag thematisch aus und die ausführenden Gemeinden in aller Welt feiern den Tag soz. im Namen dieses Landes. Es wird gesungen, gebetet, erzählt und…GEKOCHT!

Dieses Jahr ist das ausführende Land Kuba. Was bedeutet, dass wir morgen einen Kinderbibeltag und im Anschluss einen Gottesdienst zum Weltgebetstag haben werden, in dem es auch um Kuba geht. Nach dem Gottesdienst kommt der kulinarische Teil des Weltgebetstags: Kubanische Küche.

Lange Rede, kurzer Sinn: Statt also heute amüsant über Norwegen zu berichten, stehe ich in der Küche und koche picadillo corriente – kubanischen Hackfleischtopf und backe Orangenmuffins. Ganz norwegisch läuft im Wohnzimmer die Zusammenfassung der Biathlon-WM von heute.

20160304_150116

(unscharf…aber lecker!)

Ha! Da kommt also doch noch etwas Norwegisches in den heutigen Blog!

Seit Donnerstag läuft in Oslo nämlich die Oslo2016 – die Biathlon-WM, an der 34 Nationen beteiligt sind. Passend dazu schneit es seit drei Tagen, und das perfekte Wetter führte auch gleich zu einer Silbermedaille des deutschen Teams im ersten Wettbewerb. Die Stadt ist im WM-Fieber: Tagsüber oben am Holmenkollen und abends in der Innenstadt, wo am Universitätsplatz ab 20 Uhr die Medaillenverleihungen sind.

Aber dazu nächste Woche mehr.

Weltgebetstag und Biathlon – diese Mischung bekommt Ihr nur bei mir zu lesen 🙂

Lasst es Euch gut gehen, liebe Leser und verzeiht den (fast) nicht vorhandenen Blog dieser Woche. Vielleicht findet bei Euch auch irgendwo der Weltgebetstag statt – geht doch mal hin! Uns allen wünsche ich eine schöne Woche, wo immer Ihr seid!

Ha det bra,

20160304_150235

Moooojito!!!!

Ulrike

 

 

 

Ich habe einen an der Waffel…ODER Willkommen in meiner Küche!

dnc8ztbhhdhe9qbngsoj

kiwo.no

…und wieder sind wir ein bisschen norwegischer geworden.

Wir haben ein Waffeleisen gekauft!!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Von wegen Fjorde, Elche, Langlauf und Mette-Marit – eigentlich sollten die Norweger ein Waffeleisen auf der Staatsflagge haben. Waffeln gibt es überall. Sonntags vor dem Frognerfreibad, auf Bygdøy an der Paradiesbucht, selbst mitten auf dem zugefrorenen Fjord haben wir schon Waffeln gekauft.

Woher die Begeisterung für die sechsblätterigen Teigprodukte stammt, weiß ich nicht – aber sie ist ansteckend. Waffeln sind so vielfältig – süße Waffeln schmecken toll mit syltetøy (Marmelade) und rømme, herzhafte Waffeln sind köstlich mit skinke (Schinken) und für die gesundheitsbewussten Waffelgenießer gibt es tolle Rezepte mit Dinkelmehl und Karotten.

“Ihr habt kein Waffeleisen??!!” wurden wir entsetzt gefragt. Tja, hm, also, nee, bisher ging es auch ohne. “Ja, aber warum denn bloß???” Tja, also…das wusste ich jetzt auch nicht. Einmal bin ich gefragt worden, warum um alles in der Welt, ich keine Knoblauchpresse besitze und da konnte ich richtig gut kontern, dass das mit einem großen Messer viel einfacher ginge – aber hier, beim Waffeleisen….also, ich war sprachlos.

Dabei gibt es richtig coole Waffeleisen. Jawohl! In ROSA! Und in Traktorform!! Ja, Moods of Norway, bekanntes norwegisches Modehaus, bietet rosa Traktorwaffeleisen. Für schlappe 1195,- NOK könnten wir Teigtraktoren backen.

Sehr verlockend!

Aber, nein danke.

Die Produktauswahl in Norwegen ist manchmal begrenzt, was mich oft stört, aber in diesem Fall griff ich eben zum einzigen angebotenen Waffeleisen (DOPPELwaffeleisen!) und schon eine Stunde später lagen die ersten selbstgebackenen Waffeln goldbraun und duftend auf dem Teller.

Ha, wieder ein Haken auf unserer Liste “How to be Norwegian?” – Obwohl, wann war das eigentlich unser Ziel gewesen? HILFE, integrieren wir etwa ohne es zu merken? Schnell her mit der Bundesliga, einer Nutellastulle und der ZEIT.

Während wir also wieder ein bisschen zurückdeutschen, hier für Euch ein Rezept für köstliche Waffeln:

Vollkornwaffeln mit Möhren und Haselnüssen/Mandeln

(für 8 Waffeln)

50g Butter

1 deziliter Vollkornweizenmehl (in Norwegen misst man in Deziliter und es gibt praktische Messlöffel zu kaufen. Ein dl Vollkornmehl sind ca. 50g)

1 dl grob gemahlener Weizen

1 dl Haferflocken

2 Eier

4 dl Milch

½ Tl Backpulver

1 dl geraspelte Möhren

½ dl feingehackte Haselnüsse (ich habe Mandeln genommen, ist auch lecker!)

Die trockenen Zutaten vermischen. Butter schmelzen und mit Milch und Eiern verrühren. Milchmix zu den trockenen Zutaten gießen und zu einem klumpenfreien Teig verrühren. Am Schluss Möhren und Nüsse dazugeben.

Teig für 15 Minuten ruhen lassen.

Im Waffeleisen lecker goldbraun backen (ca. 3 Minuten).

Servieren mit Früchten, Rømme oder Eis.

Und gut zu wissen: Diese Waffeln besitzen mehr Protein und Ballaststoffe als eine Scheibe Vollkornbrot. Damit sind sie eine tolle Alternative für die Frühstücksbox!

Na, dann, an die Eisen, fertig, los!!!!!!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Vielleicht habt Ihr ja auch Appetit auf Waffeln bekommen, ich bin schon fast auf dem Weg in die Küche!

Ich wünsche uns allen eine tolle Woche, hier bei uns in Frogner kann man heute fast nur mit Eisstollen an den Schuhen vor die Tür – der Winter kann sich dieses Jahr nicht so recht entscheiden, ob er gehen oder bleiben soll. Eine Tour im Park war heute eine reine Rutschpartie. Passt also auf Euch und Eure Knochen auf, vergesst nicht zu lachen und habt viel Spaß beim Waffel backen!! – Wer sich wundert, dass ich zur Zeit auf Facebook nicht reagiere: Mein alljährliches SiebenWochenOhne-Projekt läuft noch bis Ostern. Es war die Entscheidung zwischen Facebook und Schokolade….

Ha det bra,

WP_20160219_011

 

 

Ulrike

Ein Morgen im Postamt… ODER Was ist ein fossekall?

Ich kann mich nicht genau erinnern, wie es in Deutschland ist – in Norwegen ist ein Postamt auf jeden Fall eine Mischung aus Schreibwarenladen, Buchgeschäft und Dienstleistungsunternehmen. Was praktisch ist. Geht man blöderweise, so wie ich, an einem Montagmorgen zur Post, kann man die lange Wartezeit mit Lesen verbringen. Und kauft am Ende ein Buch, das endlich alle Geheimnisse lüftet…

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Da stehe ich also letzten Montag in einem Pulk briefsendungswilliger Menschen und langweile mich ein bisschen. Bedient wird gerade die Nummer 37. Puuh, ich habe 48. (In Norwegen muss man ja fast überall Nummern ziehen. Eine feine Sache, erspart es doch unsoziales und blaue Flecke verursachendes Rempeln.)

Ich blicke mich im Postamt um, bewundere erneut die Kämmfrisur des einen Angestellten, dem es mit ein paar strategisch gutgelegten Strähnen gelingt, seine kleine Glatze zu kaschieren. – Ein Stand mit Büchern sieht interessant aus. Hin da! Hm. Ein Strickbuch für Wischlappen. Eines für Socken. Ein Aufklappbuch über Dinosaurier. Ein Kinderbuch über Norwegen…

Oho.

“Norwegen – lustige und nützliche Fakten über unser Land!” prangt mir entgegen.

Meine Neugierde ist geweckt.

Anne B. Bull-Gundersen (was für ein Name) und Carina Ståhlberg zeigen, so der Klappentext, in einfachen Sätzen und Bildern ihr Norwegen. Einfache Sätze und Bilder – mein Buch, ganz klar. Mal sehen, was ich alles schon weiß über Norwegen.

Gleich auf der ersten Seite eine Wissenslücke. Ein dreifarbiger Vogel mit norwegischer Flagge im Mund ist abgebildet. „Norges nasjonalfugl“ steht unter der Zeichnung. Mehr nicht. Tja, was ist denn der norwegische Nationalvogel???? Ich blättere nach einer Lösung, aber das Buch lässt mich im Stich. Ich google “norsk nationalfugl”.

Aha! Der 1963 durch Abstimmung bei NRK gewählte norwegische Nationalvogel ist der fossekall.

Der was?

Jetzt google ich also “norwegischer Nationalvogel” und endlich weiß ich: Es ist die Wasseramsel.

Warum, wieso, weshalb werde ich später klären. Ich bin gerade mal auf Seite 1 des Buches und habe bereits Probleme, na prima! Weiter geht es durch die Seiten. Norwegische Geografie wird erklärt (wow, die insgesamte Küstenlänge samt Fjorden und Buchten beträgt….na, was denkt Ihr?….25.000 Kilometer!), Fischfang, Ölproduktion. Ich erfahre, dass in Norwegen über vier Millionen Hühner leben und der älteste Baum eine Tanne im Buskerud ist. Sie ist 485 Jahre alt. Wow, oder?

Weiter geht es mit Wasserkraft und einer unauffälligen Werbung für kvikk lunsj, die jeder Norweger ut på tur dabei hat. Norwegen hat fünf Millionen Einwohner (und vier Millionen Hühner…) und der Lieblingsmädchenname in 2008 war Linnea. Schöner Name!

Es gibt viel zu lesen in dem kleinen Buch, viele lustige Zeichnungen und unterhaltsame Fakten der Kategorie “Dinge, die man nicht wissen muss, die ich mir aber bestimmt merken werde!“ Vieles weiß ich schon, vieles noch nicht – wusstet Ihr beispielsweise, dass die Sprayflasche und der Tripp-trapp-Stuhl norwegische Erfindungen sind?

stokke-tripp-trapp-stol

Jaha!

Mein Auge fällt auf einen Text über Karamellkäse und ich fühle mich verstanden: “Siden brunost ikke ligner på andre oster, er det mange utlendinger som ikke forstår hva det er.” Genau, Ausländer gucken Brunost an und denken: “Häh?” In diesem Moment entscheide ich mich, das Buch zu kaufen. Befriedigt mit meinem Fund drehe ich mich zum Schalter. Bald müsste ich mit Nummer 48 an der Reihe sein. Bedient wird gerade….

Nummer 52!!!

Naja, ziehe ich eben einen neuen Zettel und lese weiter im Buch. Da stand, das Norwegen Kamele exportiert??!!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Nein, ich bekomme keine Werbegelder norwegischer Buchverlage, aber manchmal empfehle ich Euch gerne Bücher, die ich hier in Oslo finde. Und nicht nur Bücher: Wer gerne auf unterhaltsame Art mehr über norwegische Geografie lernen möchte, für den ist vielleicht das Spiel “Norge rundt” eine gute Idee. So eine Art Deutschlandreise – nur in Norwegen.

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche, entdeckt ein neues Buch, genießt ein altes und habt viel Spaß. Allen, denen es nicht gut geht, schicke ich ein Lachen hier aus Norwegen, haltet die Ohren steif! – Welche Bücher über oder aus Norwegen könnt Ihr empfehlen? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Ha det bra,

WP_20160212_003

Ulrike

Eine Fahrt mit der Linie 31 ODER Leben am Abgrund…

bybuss_767x250

ruter.no

Mein Gegenüber und ich starren uns erschrocken an. Versuchen panisch, die nächste Stange zu erwischen. Einen Moment später werden meine 63 Kilo nach vorne geschleudert und ich lande im breiten Kreuz eines jungen Norwegers. Gesa lacht. Ich hingegen sehe vor meinem geistigen Auge mein Leben an mir vorbeiziehen. Soll es etwa hier enden? Im öffentlichen Nahverkehr der Stadt Oslo?

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Leben am Abgrund heißt in Oslo Bus zu fahren. Ich habe keine Ahnung wo Ruter, verantwortlich für den öffentlichen Nahverkehr der Stadt, die Busfahrer her bekommt – vielleicht aus einem Heim für pensionierte Stuntleute. Da sitzen die dare devils von früher, schwelgen in abgasgeschwängerten Erinnerungen und wünschen sich nur eins: Sie wollen zurück ans Steuer. Prima, dass in Oslo anscheinend jeder Busfahrer werden kann! Nichts wie hin da. Und dann sitzen sie eines Tages hinter dem Steuer der Linie 31 Richtung Fornebu und geben auf der E6 Gas. Vergessen, dass sie nicht in einem Sportwagen sitzen, sondern in einem roten Ziehharmonikabus mit geschätzten 50 Passagieren, 2 Kinderwagen und einem – jetzt – kotzenden Hund.

Egal!!! Gib Gas, ich will Spaß!!! Ab in die Kurve! Scharf bremsen an der Haltestelle! Mit Vollgas in die verkehrsberuhigte Zone!: „I feel so alive!“

Nachdem ich mich nach dem Aussteigen (lies: der Flucht) überzeugt hatte, noch am Leben zu sein, habe ich Ruter eine gepfefferte Klage auf ihre Facebookseite geschmissen. Noch auf dem Bürgersteig, vor Wut zitternd. Reaktion: Null. Naja, aber immerhin hatte ich etwas Dampf abgelassen.

Kamikaze-Busfahrer sind aber nur eine Sorte Osloer Busfahrer. Andere fahren einfach los, obwohl Fahrgäste noch an die Tür pochen. Geben auf die Frage einer Passagierin nach einer bestimmten Haltestelle die freundliche Antwort, sie solle doch in den Fahrplan gucken. Schicken eine Mutter samt Kinderwagen zurück auf den Bürgersteig, weil der Bus angeblich zu voll ist. Das findet wir drei anderen Passagier (ein älterer Herr und zwei Mütter mit Kinderwagen) überraschend. Servicewüste Oslo. Manchmal bleibt mir da die Sprache weg.

Busfahrer haben es bestimmt auch nicht leicht – nörgelnde Passagiere, schlechte Straßenverhältnisse, Zeitdruck und vielleicht auch schlechte Bezahlung machen den Beruf nicht gerade zum Zuckerschlecken. Da kann man schon mal die Laune verlieren. Klar, solche Ignoranten gibt es überall, aber die norwegische Hauptstadt scheint besonders betroffen zu sein. Im Jahr 2013 erhielt Ruter 32.000 Nachrichten seiner Fahrgäste. Der Großteil waren Beschwerden. Das finde ich bei einer Stadt mit 600.000 Einwohnern schon viel.

Aber dann fahre ich eines Morgens bei zweistelligen Minusgraden mit Gesa Richtung Kindergarten. Am Ullevaal Krankenhaus steigt noch eine Mutter mit Kinderwagen ein, der Bus füllt sich langsam, alle sind froh, aus der Kälte ins Warme zu kommen. An einer der nächsten Haltestellen steht eine Mutter mit Kinderwagen. “Die Arme”, denke ich und blicke in den vollen Bus, “die nimmt er nicht mehr mit.” Die Mutter hatte sich schon mit der Situation abgefunden und war einige Schritte zurückgetreten.

Auftritt mein Held. Der grauhaarige Busfahrer steht auf, geht auf den Bürgersteig. Wir alle fragen uns, was passiert. “Komm!” sagt er zu der erstaunten Mutter. “Du kannst doch mit deinem Kind bei der Kälte nicht draußen stehen bleiben.” Mit diesen Worten steigt er hinten in den Bus  und beginnt ein Rangiermanöver. Passagiere, Kinderwagen, Koffer und Skier werden so lange umplatziert, bis genügend Raum für die Mutter und ihren Kinderwagen ist. Nach einigen Minuten ist es geschafft und Mutter und Kind im Warmen. Als wäre nichts gewesen, klettert der Held zurück auf seinen Fahrersitz, schließt die Türen und fährt los. Wir gucken uns alle sprachlos an. Und würden am liebsten gemeinsam singen:

En bussjåfør en bussjåfør
det er en mann med godt humør
Og har han ikke godt humør
da er han ingen bussjåfør
En bussjåfør en bussjåfør
det er en mann med godt humør

Sofort nach dem Aussteigen schicke ich ein gezuckertes Lob auf die Facebookseite von Ruter. Reaktion: Null. Aber immerhin konnte ich so meine Begeisterung loswerden.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich fahre in Oslo am liebsten t-bane (Tunnelbane), also die U- bzw. S-Bahn. Da ist immer genug Platz und es geht schön schnell. Beim Blick nach draußen vermute ich, dass der öffentliche Nahverkehr ab morgen Probleme haben wird. Es schneit seit Stunden! Schnee da, Schnee weg, Schnee da, Schnee weg – so geht es hier in der Stadt seit ein paar Tagen. Der heutige Schneefall ist natürlich perfekt für dieses Wochenende, wo sich am Holmenkollen Skiläufer, -springer und –fans aus aller Welt zum alljährlichen Skifest treffen! Wir werden das Ganze vom Sofa aus beobachten, einmal waren wir live dabei, das reicht mir.

Euch allen wünsche ich viel Spaß, ob nun beim Skispringen, Karneval feiern, Reisen oder was auch immer! Genießt die Tage, sagt dem netten Busfahrer oder der netten Busfahrerin mal, dass er/sie nett war und tretet den Kamikazefahrer vors Schienenbein. Dann kann er nicht mehr Bus fahren – Problem gelöst 🙂

Hilsen,

WP_20151101_002(1)

(Familienbild in der t-bane)

 

Ulrike