Ein typisches Picknick im Park ODER Wer hat die Lumpen mitgebracht?

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Die Sonne hat es bis nach Oslo geschafft – Hipphipphurrah! Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen zu entdecken, passiert, was jedes Jahr passiert: Das Outdoor-Leben beginnt. Biergärten und Restaurantterrassen, Wiesen und Strände, Balkone und Veranden sind plötzlich so bevölkert, als gäbe es kein Morgen mehr (und bei dem norwegischen Wetter ist das auch gar nicht verkehrt). Das rasige Grün im Frognerpark verschwand letzten Sonntag unter sonnenhungrigen Körpern.

Doch was braucht ein echter Norweger für den perfekten Sonntag im Park?

Hallo, meine lieben sonnigen Leser, der schönste Monat des Jahres hat begonnen und sehr vielversprechend dazu. Bis auf 22°C ist das Thermometer schon geklettert – Hochsommer in Oslo. Packt also Eure Fahrradtaschen oder ähnliches und macht Euch auf in den Park. Unbedingt dabei sein müssen:

1. Engangsgrill

Ökologisch fragwürdig, gehört dieser plastikfolienverpackte Einmalgrill doch zur Standardausrüstung für einen Nachmittag im Park. Die schwarze, rechteckige Packung ist in verschiedenen Größen in jedem Supermarkt für wenig Geld zu erstehen. Folie ab, Drahtgestell ausklappen, die Kohlen in der Aluschale anfeuern und los geht der Grillspaß. Effizient gepackt, passen 10 bis 12 kleine Würstchen auf die Grillfläche, an den beißenden Geruch der vorbehandelten Kohlen gewöhnt man sich auch irgendwann. Am nächsten Morgen begrüßen gebrauchte, ordentlich gestapelte Aluschalen die Parkbesucher neben den riesigen Mülleimern. Auf den Rasenflächen zeugen braune Brandstellen von Grillunfällen. Aber trotz aller Kritik: Ohne Engangsgrill fehlt was beim Picknick im Park.

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2. Pølser und Lumpen

Bei meinem ersten Picknick im Park in 2012 antwortete mir meine Freundin Daria auf die Frage, wo denn Christian, ihr Mann, sei: „Der holt noch schnell Lumpen.“ Ich war unglaublich irritiert, traute mich aber nicht zu fragen, wofür er Altkleider zum Grillen brauchte, und schwieg stille. Kurze Zeit später lernte ich, dass „Lumpen“ kleine Teigfladen sind, in die die Pølser (Würstchen) gewickelt werden. Dieses Outdoor-Nationalgericht, garniert mit getrockneten Zwiebeln und Ketchup, darf auf keinem Picknick fehlen. (Natürlich gibt es vegetarische Würstchen zu kaufen. Macht aber kaum jemand.) Das Essen ist nicht nur entsetzlich nährstoffarm, sondern auch äußerst günstig. Und das ist in Norwegen wirklich selten.

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3. Beste Freunde, Partner, Kommilitonen, Familie, Kindergartenbuddies, Schulfreunde…

Niemand geht allein zum Grillen in den Park. Logisch! Von der romantischen Zweierverbindung am Plastikgrill bis zum ausufernden Familienfest das zwei Wiesen einnimmt, ist im Park alles vertreten. Schnell lassen sich die Touristen (auf Bänken mit Fotoapparat) von den Einheimischen (auf Rasen mit Würstchen) unterscheiden. Was aber tun gerade oder auf längere Zeit sozial alleinstehende Menschen mit Wunsch nach Grillgut? Die „wedding crasher“-Methode könnte angewendet werden: Scheinbar selbstverständlich packt man die eigene Decke samt Engangsgrill an den äußeren Rand eines großen Familienpicknicks und robbt langsam näher. Strahlendes Winken über die Menge, familiäres Nicken nach allen Seiten und schon ist man mittendrin in der ahnunglosen Familiengruppe. Bei romantischen Zweiergrillgruppen ist von dieser Methode abzuraten.

4. Wikingerschach

Hier in Norwegen als „Kubb“ bekannt. An mir geht die Faszination für dieses Rasenspiel komplett vorbei, was vielleicht auch daran liegt, dass ich grottenschlecht im Stöckchenwerfen bin. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an und versuchen durch gezielte Würfe, stehende Holzstäbe in ca. fünf Meter Entfernung umzuwerfen. Sind alle Holzstäbe am Boden muss der große Holzblock in der Mitte erlegt werden. Die Mannschaft, die das als erster schafft, ist Sieger. Kein sonniger Sonntag ohne Wikingerschach im Park! Und besonders viel Spaß macht es, wenn man die vermaledeiten Stäbe auch trifft anstatt nach dem Wurf suchend im Gebüsch herumzukrabbeln.

5. Bikinioberteil, rote Latzhosen

Die Norweger sind, dessen bin ich mir mittlerweile sicher, von der Natur anders thermatisch ausgestattet als der Rest der Welt. Wo ich, bekanntermaßen kein Frösteköttel (für alle Nicht-Norddeutschen: Ein Mensch, der leicht friert), noch in Jacke und langer Hose rumlaufe, entblättern sich die Norweger bereits. Ein schüchterner Sonnenstrahl und weg mit Pullovern, langen Hosen, hin zur Freikörperkultur. Noch nie habe ich im April so viele freie Oberkörper gesehen wie im Frognerpark. Und: Nicht immer war das ein schöner Anblick! Norwegische Mädchen werfen sich in Bikinis und Shorts, während mir schon vom Hingucken Kälteschauer über den Rücken laufen. Von Mitte April bis zum 17. Mai heißt eine weitere Kleidungsalternative: Latzhose. Meistens rot, aber auch schwarz oder blau. Jawoll, die „Russ 2014“ sind da. Der diesjährige Abiturjahrgang zeigt sich noch harmlos, aber warten wir mal ab. Große Gruppe bevölkern den Park und erheben das Picknick zur neuen Lebensform.

6. Regensachen

Gut, das ist vielleicht meine pessimistische Ader, aber das Wetter in Oslo kann sich fix ändern und wer sitzt schon gern im Nassen? Andererseits habe ich im Wald auch schon Norweger beim Regenpicknick beobachtet, immer getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Im Park habe ich bei Nieselwetter allerdings noch keine standhaften Picknicker zu Gesicht bekommen. Stadtschinken, Weicheier! Ich bin trotz allem lieber vorbereitet und trage eben Regenjacke und Regenhose mit zum Grillplatz. Auch Schirme tun hier ihren Dienst.

So ausgerüstet seid Ihr bestens gewappnet für ein typisches Frognerpark-Picknick an einem gewöhnlichen Tag. Für besondere Anlässe sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und von Picknickmöbeln, über Salate, Bowlen, Lichterketten, Kerzen, Silberbesteck, Champagnerkühlern bis hin zu Strandstühlen kann alles in den Park gebracht werden.

Nur typisch, das ist es dann eben nicht mehr!

Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Das Schreiben über Picknicks hat mich hungrig gemacht, Euch auch? Okay, dann alles raus jetzt und losgepicknickt. Und macht Fotos und schickt sie mir! Das beste Picknickfoto gewinnt ein Wikingerschachspiel!! Jaha! Schickt also Eure Foto bis nächsten Freitag an ulrike_niemann@yahoo.no

Meine wöchentlichen Grüße gehen an meine Schwiegermutter Helga mit lieben Grüßen und weiterhin Gute Besserung!!!

Genießt den Mai in vollen Zügen,

Ha det,

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(Regenpicknick 2012 im Folkemuseum mit Catharina und Steffen)

 

Ulrike

 

 

Eine Seefahrt, die ist lustig ODER In Kiel kann man toll shoppen!

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Meine letzte Butterfahrt ist ziemlich lange her. 1975, schätze ich mal. Der Einzige, der mich heute noch daran erinnert, ist Kuddel, mein fast kaputt geliebter Plüschhund, ein Geschenk meines Opas auf just dieser Fahrt. Für Deutsche gibt es diese klassischen Butterfahrten dank EU ja kaum noch. Für Norweger schon!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute geht es also auf’s Schiff. Vitamin B hat uns eine Gratis-Fährfahrt mit der Color Line von Oslo nach Kiel (und zurück) beschafft – nach der „Harry Tur“ Richtung Schweden die zweite Möglichkeit für Norweger, billig im Ausland einzukaufen. Es dauert allerdings. Drei Tage müssen für den transostseealen Trip eingeplant werden. Aber es lohnt sich. Einfach mal 20 Stunden auf einem Schiff gemütlich über die Ostsee zu schippern ist erholsam.

Finde ich.

Martin kommt also eines Tages mit der überraschenden Nachricht nach Hause, wir könnten quasi für umsonst nach Kiel übersetzen. Umsonst ist immer gut und Einkaufen in Kiel sowieso, gut, wir hatten nur vier Stunden Aufenthalt, aber das Shoppingcenter liegt fast direkt am Kai, da reicht die Zeit.

„Warum umsonst?“, will ich wissen.

„Die Fähre ist wohl nicht gut gebucht an dem Wochenende“, vermutet Martin.

Dementsprechend überrascht sind wir am Tag der Abreise, als sich die Menschenmassen am Fährterminal drängeln. So viele Reisende hatte ich hier jedenfalls noch nie gesehen. Aber schnurz, wir haben ja ein Ticket, eine Kabine, mir doch egal, wer da noch alles mitfährt.

Wir holen an einem der kontaktarmen, aber wenig frequentierten Automaten unsere Bordkarte. Plötzlich taucht neben uns mit einem großen Hallo Pastor Friedbert Baur auf, und erst nach einem kurzen Geplauder blicken wir auf unsere Karten.

Kabine 5816.

5 Betten.

FÜNF???

Ich gerate in leichte Panik. Wenn es, neben Clowns, etwas gibt, das ich so richtig hasse, dann ist es mein Zimmer mit fremden Menschen zu teilen. Auch mit bekannten Menschen mag ich es nicht wirklich, mal abgesehen vom innersten Familienkreis.

Fünf Betten.

„Die werden doch nicht fremde Leute in eine Kabine stecken, oder?“

„Nein!“

„Nein, genau…absurde Vermutung.“

„Ja, total.“

Kopfnicken. Schweigen. Mehr Schweigen. Gedanken schwirren durch die Köpfe.

„Ich frag mal nach.“ – „Gute Idee!“

Nein, lächelt die blonde Informationsgeberin, den Grund dafür wisse sie leider auch nicht. Vielleicht seien wir ja einfach als Paar in eine 5er-Kabine gebucht, weil die Fähre ausgebucht ist.

Genau, gute Idee.

Ich blicke mich um im vollbesetzten Wartebereich. Niemand von denen will ich als Mitbewohner haben. Ich hasse fremde Leute in meinem Zimmer fast genauso sehr wie …

„Tröööööööööt!“

….Clowns.

Eine rote Plastiknase schiebt sich in mein Gesichtsfeld, direkt gefolgt von einem kleinen, stämmigen Mann in buntgestreiften Hosen.

Ich beginne zu schwitzen.

Martin beginnt zu grinsen.

Mein Verhältnis zu Clowns und Pantomimen ist, sagen wir, schwierig. Kurz gesagt: Ich will sie verprügeln. Keine Ahnung warum. Ist einfach so. Nonverbale Darstellungskünstler leben gefährlich in meiner Nähe. Die Wut steigt mir also langsam in den Kopf, während die rote Nase mit gestreiftem Anhang immer tiefer in meine Privatsphäre dringt. Ich höre Martin zischen: „Reiß dich zusammen!“, hoffe, dass er den Clown meint, aber nein, er guckt mich warnend an, also lehne ich mich auf meinem Stuhl zurück und ergebe mich.

Ich bin Christin, Leiden ist mein Los.

Hätte ich mich mal nicht zurück gelehnt. In dem Moment, als sich meine Jacke über dem mittlerweile gut sichtbar gewölbten Babybauch öffnet, jauchzt die rote Nase entzückt auf. Sie imitiert den Begriff „schwanger“ und holt einen Ballon aus der Tasche. Hoffentlich führt verkrampftes Dauerlächeln nicht zu einer Frühgeburt, denke ich und wünsche mich weit weg. Nach einer gefühlten Ewigkeit präsentiert die Nase mir ihr Werk und ich muss grinsen. Mist, wollte ich gar nicht. Ich nehme den schwangeren Luftballonhund, die Nase verabschiedet sich und schickt mir einen leicht triumphierenden Blick zu, bevor sie sich auf die norwegischen Rentnerinnen vor mir stürzt. Martin sagt, er sei stolz auf mich. Ich bade in Gewaltfantasien.

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Aber nicht lange, denn kurz danach öffnen sich die Türen und die Massen drängen aufs Schiff. Gespannt erreichen wir die fünfte Etage und öffnen die Tür zu unserer Kabine. Oh, wow. Viel größer und….MEERBLICK!!!!!!!!!!!!!!!!!Ein Bullauge lässt Tageslicht in die Kabine und erlaubt einen wunderbaren Ausblick auf die Halbinsel Bygdøy und später das Meer. Wow!!! Ein kurzer Anruf an der Rezeption bestätigt , dass auch wirklich nur wir die 5 Betten benutzen werden und entspannt packen wir aus. Ich belege das Bett unterm Fenster. Perfekt!

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Vom Sonnendeck aus beobachten wir kurz nach 14 Uhr die Ausfahrt der Color Magic auf den Fjord und winken Oslo zum Abschied kurz zu. Die nächsten 20 Stunden verbringen wir auf dem Wasser. Womit? Bummeln, Kaffee trinken, Einkaufen, Essen, Show gucken. Ist die Fährfahrt auch umsonst, genug Geld kann man immer lassen auf dem Schiff. Da wir Fleisch und Fisch wieder auf den Speiseplan genommen haben für gewisse Zeit, lohnt sich das Grand Buffet für uns. Um 17 Uhr (richtig norwegisch) stürmen wir also hungrig den Speisesaal mit Meerblick und bleiben verblüfft vor dem Buffet stehen. Wahnsinn! Hufeisenförmig angeordnete Essensauslagen locken mit frischem Fisch, Salaten, warmen Gerichten, Brot und Käse. An der hinteren Wand zieht sich einmal durch den Raum das Dessert-Büffet. Bin ich im Himmel?????

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Wir essen und essen und essen und essen.

Und essen und essen und essen und essen.

39,90 Euro kostet das Schlaraffenland pro Person und das haben wir doppelt und dreifach weggegessen.

Wesentlicher schwerer und glücklicher verlassen wir nach knapp anderthalb Stunden das Restaurant in der sechsten Etage. Wir sind bereit für Entertainment! Die bordeigene Musicalcrew verspricht ab 19 Uhr einen Musicalabend. Wir bekommen in dem überfüllten Saal gerade noch zwei Plätze, bestellen Cocktails und warten ab.

Immerhin konnten sie singen, denke ich, als wir den Saal nach einer Stunde wieder verlassen. Mehr gibt es nicht zu sagen. Oh doch: Die Bühne war technisch echt super!

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Der Wellengang hat stark zugenommen und wir hangeln uns Richtung Kabine. Durchs Bullauge sind die weißen, wütenden Wellen gut zu erkennen. Ich schließe die Vorhänge und hoffe auf eine ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen wecken uns unsere Handys mit der Mitteilung, wir wären in Deutschland. Super!!! Schnell die vier Stunden strategisch geplant im netten Cafe auf dem Promenadendeck: Jeder drei Läden, hinterher Mittag essen, um 13.30 zurück Richtung Schiff. Passt. Punkt 10 Uhr öffnen sich die Schranken und wir betreten deutschen Boden. Kiel begrüßt uns mit grauwolkiger Gleichgültigkeit. Schnell über die Brücke, am Bahnhof vorbei und ab in den Sophienhof, die norwegerfreundliche Einkaufspassage am Hafen. Wie immer in Deutschland jubele ich über die Preise. Ab in den Buchladen. Hallo Hugendubel, schön dich zu sehen! Ich stromere durch die Regale. Ganz entspannt. Ein bisschen blättern hier, neugierig sein da und schon ist – schwupps – eine Stunde herum. Weiter geht es. Ich will „nur mal so, ist ja noch viel zu lange hin“ nach Babykleidung gucken.  Eine Stunde später verlasse ich C&A mit einer kompletten Basiserstausstattung. Für das Geld hätte ich in Oslo vielleicht die Hälfte an süßen Stramplern, Jacken, Bodies etc. bekommen. Wenn überhaupt.

Ich bin happy.

Und hungrig.

Martin auch. Im asiatischen Schnellrestaurant gibt es Gemüsetofunudeln und nach knapp drei Stunden ist unser Einkaufstrip beendet und es geht zurück auf die Fähre. Die Rückreise ist entspannter als die Hinreise, da die Ostsee sich merklich beruhigt hat. Wir gammeln ein bisschen in der Kabine, freuen uns an deutschem Fernsehen und dem Blick aus dem Fenster. Später bummeln wir noch durch die Duty-free-Läden an Bord, auch das ein Muss! Ganz per Zufall beschließen wir gerade in dem Moment einen Spaziergang an Deck, als sich die Color Magic der gigantischen Storebeltbrücke nähert. Wir sehen sie zum ersten Mal und sind beeindruckt.

Oresundbrücke

Der Rest des Tages verläuft, bis auf eine kurze Begegnung mit dem Clown, stressfrei und wir fallen erschöpft in die Betten.

Da beginnt es zu hämmern.

Um 23.45 Uhr.

Direkt unter mir. Nein, neben mir. Da ich mir sicher bin, dass rechts neben mir nur noch die Ostsee wartet, bin ich irritiert.

Hämmer, hämmer.

„Irgendwelche Bauarbeiten…“, murmelt der Gatte müde.

„Um DIE Zeit?“ entgegne ich misstrauisch. Unter mir ist das Autodeck. Neben mir sind lauter Kabinen.

„Was, wenn sich wer eingesperrt hat und nicht raus kann?“

Ich sehe geschmuggelte Kinder, die verzweifelt an Rohre klopfen, um gerettet zu werden.

„Hier gibt es keine freiliegenden Rohre“, gähnt Martin, nun aber schon etwas wacher. Das Hämmern nimmt zu.

Wir gehen auf den Flur.

Hämmer, Hämmer.

Mittlerweile bin ich sicher, dass etwas passiert sein muss, die werden schließlich nicht mitten in der Nacht irgendwo umbauen, na also, sage ich doch, ist doch logisch, also ist es ein Notfall und wir müssen was tun, hinterher finden sie morgen nur noch die verdursteten Leichen verschleppter Jungfrauen und dann stehen wir da und was dann?

„Rezeption, was kann ich für Sie tun?“

„Guten Abend, Ulrike Niemann, Kabine 5816, hier ist so ein lautes Hämmern seit einiger Zeit und ich befürchte….“

„Ja, Frau Niemann, entschuldigen Sie das bitte, die Handwerker mussten dringend etwas reparieren im Restaurant auf Deck 6, die sollten aber gleich fertig sein.“

„Ah. – Dringende Bauarbeiten. Ja, natürlich, sowas hatte ich mir schon gedacht.“ (Ich höre Martin förmlich grinsen und ziehe eine Grimasse.) – „Gute Nacht.“

Na und? WÄREN es geschmuggelte, vietnamesische Zwangsarbeiter gewesen, hätten sie durch mich gerettet werden können. Jawohl. Bauarbeiten, pfff.

Viel zu schnell ist die Nacht vorbei und Norwegen begrüßt uns am nächsten Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Vorbei an graubuckeligen Fjordinseln schippern wir durch den Oslofjord und begrüßen unsere momentane Heimat nach zwei Tagen Abwesenheit.

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Uns hat es Spaß gemacht und lieber früher als später würde ich wieder aufs Schiff springen.

Nur den Clown, den können sie in Kiel lassen.

Das war es für heute, meine lieben seefesten Leser, steigt doch auch auf die Fähre und besucht uns in Oslo. Es lohnt sich! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche mit viel Frühling, guter Laune und immer was zum Lachen! Bis nächsten Freitag,

ha det bra,

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Ulrike

Ab auf die Hütte! ODER „Nein, Außenklo ist kein Problem…..“

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„Auf die Hütte“ zu fahren am Wochenende oder in den Ferien ist so richtig norwegisch. Viele Familien haben eine gemeinsame, teils generationenvererbte, Hütte am Meer oder in den Bergen, in der das norwegische Idyll des einfachen Lebens gefeiert werden kann. Die hytte gehört zu Norwegen wie Elche, Brunost und Anders Bardal. Es gibt sogar ein Lied darüber! Von den Männern, die uns „What does the fox make?“ gebracht haben – also viel Spaß!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier erneut treffen. Seit letztem Wochenende fühle ich mich ein bisschen norwegischer, habe ich doch meinen ersten Tag in einer echten hytte verbracht. Gemeinerweise für alle Teilnehmer habe ICH, aus momentanen, erfreulichen Umständen, die Nacht allerdings Zuhause verbracht und wiederhole hier die oben genannte Frage: Wer geht schon gern aufs Außenklo? Und ich präzisiere: Wer geht schon gern nachts auf Außenklo? Durch den Schnee? Unter hängenden Tannenwipfeln und ohne Licht?

Aber fangen wir von vorne an: Ich bin in dem Team, das die Teestube der deutschen Gemeinde hier in Oslo leitet. Einmal pro Monat treffen sich ca. 15 Au Pairs und Freiwillige verschiedener Organisationen im Gemeindesaal zum Reden oder Kochen oder Spielen. Und das Highlight der diesjährigen Saison sollte ein gemeinsames Hüttenwochenende werden. Gesagt, getan, das Wochenende stand fest, nun her mit der Hütte. Ich begann ab Anfang November zu suchen – gut drei Monate im Voraus – und stieß überall auf bereits ausgebuchte Hütten. Der Termin war nicht flexibel und irgendwie wollte sich halb Oslo an genau diesem Wochenende im Februar auf Tour begeben. Schließlich erinnerte ich mich an die Hütte, von der ich im Jahr davor gehört hatte. Und, juchhu! Sie war noch frei. Schwupps gebucht, Platz für mindestens 30 Leute, mitten im Wald am See, toll! OK, Außenklo, aber wie schlimm kann das schon sein?

Am letzten Freitag machte ich mich mit Simone auf den Weg, die heroisch für 15 Mädels eingekauft hatte und sich und ihr Riesenauto für den Essenstransport zur Verfügung stellte. Die Adresse war klar, das Navi gefüttert, das Wetter war trocken und wir bereit für einen Roadtrip Richtung Enebakk im Südosten Oslos. – Nun ist das mit Hütten ja so eine Sache..die liegen blöderweise nicht direkt an der Hauptstraße. Wenn man oder frau also nicht so ganz genau weiß, wo man hin soll, das High-tech-Navi beschließt, in Urlaub zu gehen und der eigene Orientierungssinn fragwürdig ist, dann….ja dann…landet man mit einem Transporter voller Essen plötzlich auf einer Einbahnstraße im tiefsten Wald und kommt nicht mehr weg. Vielleicht war unsere Haltung „Och, komm, wir fahren mal da lang!“ auch ungeeignet im verschneiten, norwegischen Wald. An dieser Stelle ein großes Kompliment an eine bekannte deutsche Autofirma mit Sitz in Stuttgart für ihren fantastisch ausgeklügelten Allradantrieb, der es erlaubt, rückwärts und berghoch durch Schnee zu fahren. Es dauert, aber es klappt.

Ich hätte ungern geschoben.

Nach erneuten, fehlgeschlagenen Versuchen, die Hütte zu lokalisieren, gaben wir meinem unfähigen Navi die Schuld. Misttechnik! Stattdessen riefen wir die Hüttenverwalterin an, die ganz erstaunt war, dass wir Probleme hatten, ihr Juwel zu finden. Wir müssten doch einfach nur an der roten Schranke halten, dann an der Landstraße 5 Minuten zu Fuß zurück wandern, dann rechts ins Gebüsch abbiegen, die steilen Stufen hoch und überhaupt: „Ist nicht schwer zu finden!“

Ja. Aber ich bin nun mal keine Fledermaus.

Nach 1, 5 Stunden Suche waren wir also endlich am Ziel. Das Auspacken des Transporters stellte uns vor eine Herausforderung, aber schließlich parkten wir mit Warnblinkanlage halb im Graben und trugen die Sachen hoch zur Hütte. – Zwei Autos hielten an, weil sie dachten, wir hätten eine Panne. Mittlerweile hatte es auch angefangen zu regnen und Simones junger Hund hatte vor Aufregung in sein Autokörbchen gepinkelt.

So viel Spaß!

Die Hütte lag mehr als idyllisch, nur wenige Minuten von einer Bushaltestelle entfernt versteckt im Wald, umgeben von Schneemassen, die in Oslos Innenstadt schon vollständig verschwunden waren. Bald führten tiefe Fußspuren von Treppe zu Haustür. Begeistert öffneten wir die Tür – und zuckten zurück. Das Wort „rustikal“ hat seitdem eine neue Bedeutung für mich. Trotz ausgeklügeltem Reinigungsplan, den wir mitsamt des Schlüssels erhalten hatte, wirkte diese Hütte, als hätte sie Wischmop und Wasser selten gesehen. Erstaunlich, denn im Eingangsbereich standen Dutzende Eimer und Feudel. Die Küche wollte nur eines: Geputzt werden. Auf dem Kühlschrank….Mäusedreck. (Entschuldigung an dieser Stelle an alle Teilnehmer…ich konnte Euch das nicht vorher sagen :)….) Aber, was sollten wir machen? Augen zu, einmal Oberflächen reinigen und her mit dem Essen. Rustikal eben!

Der obere Bereich des zweistöckigen Hauses war offen mit Kamin und viel Platz, es gab sogar einen Schlafboden mit Matratzen (über deren Zustand….aber gut….), das fand ich wirklich cool. Es gab genug Holz zum Verfeuern, die elektrischen Heizungen starteten problemlos und überhaupt…“Geht schon!“ Nun aber zum Highlight: Wo war das berüchtigte Klo? 50 Meter von der Hütte sollte es sein, das könnte ja dann nur dort…warte..hier ist der Schnee echt tief..oh nee, warte, da geht es nicht lang, da hängen die Äste zu tief…hier kommt man durch….huch, superrutschig….Moment, ich halte den Ast für dich…nee, geh du zuerst…oho, es hat Licht!!!

Ja, war völlig problemlos.

Auf dem Rückweg zur Hütte durch den strömenden Regen sank meine Laune langsam auf den Nullpunkt. Dabei hatte ich mich so gefreut…Aber wisst Ihr, was hilft, wenn man selber nicht mehr begeistert ist? Dann hilft am nächsten Morgen eine Gruppe gutgelaunter Mädels, die das Rustikale auch schräg beobachten, sich aber davon den Spaß nicht verderben lassen. Das Wochenende wurde laut, lecker und witzig und meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an die Hüttentruppe und ihre coole Haltung, als sie am Sonntagmorgen ein großflächig angeknabbertes Toastbrot in der Küche fanden. War super mit Euch!

Meine nächste Hütte wird ein inliegendes Klo und fließend Wasser haben, aber dieses Wochenende war auf jeden Fall ein Erlebnis wert! – Wer die Hütte des Pfadfindervereins auch mieten möchte (Vorteil ist: Gut mit den Öffis zu erreichen und sehr günstig): Ich schicke Euch gern die email-Adresse. Andere, günstige Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich z.B. in der Ostmarkkapelle, dort können Gruppen kostenlos schlafen, wenn sie am Sonntagmorgen beim Kirchkaffee aushelfen. Wer Mitglied im DNT, dem norwegischen Wanderverein ist, hat die Auswahl zwischen unzähligen, relativ günstigen Hütten im ganzen Land und kann sich online einen Platz in einer Hütte reservieren. Hier aber Achtung: Ist die Hütte nicht komplett ausgebucht, können jederzeit fremde Wanderer dazukommen. Was kein Nachteil ist, aber man sollte es wissen. Auf der Reiseseite von finn.no werden Hütten annonciert. Viel Glück bei der Suche und viel Spaß auf der Hütte!

Das war es schon für heute, meine lieben Hüttenleser. Uns steht ein spannendes Wochenende bevor: Eine 24-Stunden-Marathon-Bibellesung in der deutschen Gemeinde mit gemeinsamem Kochen, Essen, Lesen, Zuhören und hoffentlich irgendwie wach bleiben. Wer in Oslo ist und Zeit hat: Kommt zwischen Samstag 12 Uhr und Sonntag 12 Uhr vorbei und lest für 15 Minuten – oder auch länger. Wer uns aus dem Ausland begleiten will: Es gibt Livestream…jahaaa!!! Unter http://www.justin.tv/GemeindeOslo – falls das denn alles so klappt!

Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Woche, freut Euch miteinander und verbringt mal einen Tag außerhalb Eurer Komfortzone – dann sieht nämlich plötzlich alles viel besser aus bei der Rückkehr! Bis dahin, liebe Grüße,

ha det bra

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(Immerhin ’ne Straße mitten in der Einöde!)

Ulrike

Ein Ausflug nach Nesodden ODER Wo es gutes Essen gibt, da lass‘ ich mich gern nieder…

64cd718a-9e5b-495b-9e74-68454af473c1Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich mag Wanderungen, die zu einem Ausflugslokal führen. Schönes Wort, Ausflugslokal. Erstens esse ich gern, zweitens belohne ich mich gern und drittens habe ich gern ein Ziel. Ziellose Wanderungen absolviere ich daher auch nur mit Proviantrucksack, der meistens auf der Fahrt zum Ausgangspunkt schon geöffnet wird.

Aber ich schweife ab.

Hallo meine lieben Leser, die Ihr wahrscheinlich gerade am Mittagstisch sitzt, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Winter ist immer noch nicht da, aber wenn ich so nach New York gucke oder die eingefrorenen Niagarafälle im Internet betrachte, finde ich das auch nicht schlimm. Ein Vorteil des fehlenden Winters: Wanderungen ohne Ski sind noch möglich. Und deswegen nehme ich Euch heute mit auf eine kleine Tour, die wir Ende letzten Jahres unternommen haben. „Tour“ ist übertrieben…da denken Menschen aus Norwegen an kilometerlange Hüttentouren…nennen wir es Sonntagsspaziergang. Und zwar zum Hellviktangen Kulturhus auf Nesodden.

Das Wetter soll schön werden, stellten wir am Samstagabend über unsere Favoritenwetterseite yr.no fest. Lust und Zeit für einen Ausflug hatten wir. Blieb nur die Frage: Wohin? Vielleicht erst ein Stück laufen, dann nett essen? Hervorragende Idee! Irgendwo in den unorganisierten Tiefen meines Hirns regte sich eine Erinnerung. Ein Maler, den ich bei einer Theaterpremiere traf, hatte mir von einer Künstlersiedlung erzählt und einem fantastischen Restaurant, das ganze auf Nesodden, einer Halbinsel im Oslofjord. Nichts wie hin da!

Am nächsten Vormittag standen wir an Aker Brygge, wo die weißen Fähren nach Nesodden abfahren. Knapp 20 Minuten dauert die Fahrt und ist damit viel kürzer als die Fahrt mit dem Auto.

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Und viel schöner, denn im Sonnenschein über den Fjord zu schippern, ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Oslo. Die Fähre gehört zu ruter, den Osloer Verkehrsbetrieben. Nesodden liegt in Zone 2, das Ticket kostet 50 NOK pro Fahrt (70 NOK, wenn man an Bord kauft und OBS! – an Bord ist nur Bares Wahres!). Mein bald aus Koffein bestehender Mann versorgte sich mit einem Kaffee vom Bootskiosk und ich sicherte schon mal die besten Plätze an Deck.

Es war international um mich herum. Zwei französische Studenten fragten sich, wo der Schnee sei, ein deutsches Pärchen stimmte „Eine Seefahrt, die ist lustig“ (haha, ich höre Euch summen, liebe Leser) an und drei russische Männer redeten über….ja, keine Ahnung worüber. Ich kam fast in Kreuzfahrtstimmung! Nach kurzer Zeit lag Nesodden vor uns und eine überraschend große Gruppe von Menschen erwartete uns am Kai. Ein aufgeregter Schäferhund jodelte neben mir in den höchsten Tönen und wollte nichts als runter von diesem schaukelnden Ding. Beim Aussteigen latschte er mir noch gehörig auf den Fuß und erreichte, schwer an der Leine ziehend, das sichere Land. Armer Hund! Schließlich standen auch wir auf Nesodden, zum ersten Mal überhaupt – es gibt immer wieder was Neues zu entdecken.

Laut Internet sollten wir dem Kyststien, dem Küstenweg, folgen, der würde uns direkt zum Kulturhus führen. Zwei Richtungen standen uns zur Verfügung, wir wanderten Richtung Südosten los, ein kleines Stück an der Hauptstraße lang und schon begrüßte uns ein Kyststien-Schild. Um es gleich vorweg zu sagen: Der Weg war enttäuschend. Ich hätte ihn eher Fast-Küstenweg genannt. Meistens gingen wir zwischen, wenn auch hübschen, Häusern entlang und erhaschten über Gartenzäune einen Blick aufs Wasser. Warum? Weil alle Hausbesitzer direkten Zugang zum Wasser haben wollen. Und der öffentliche Weg deshalb HINTER  ihren Grundstücken liegt.

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Das war irgendwie nicht so toll. ABER: Am Ende sollte ja ein gutes Essen auf mich warten, da verzeihe ich vieles! Weiter also durch die Wohngebiete, ein bisschen Klettern durch vertrockenete Bachtäler und schließlich in der Ferne, an einer Landzunge: Das Hellviktangen Kulturhus. Ein weißes Holzhaus, zwei Etagen, mit großer Terrasse und Grünflächen bis ans Wasser. Hin da! Kurz bevor wir uns verlaufen konnten, wies ein riesiger schwarzweißer Kater, der aus einem Pippi-Langstrumpf-fähigen Haus gewandert kam, uns den richtigen Weg. Ein Schild bestätigte seine Angaben.  Bald standen wir vor dem Kulturhus und ich habe mich sofort verliebt.

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Es war voll an diesem Sonntagmittag, aber wir hatten Glück: Ein Paar verließ seinen Platz, fast direkt nachdem wir angekommen waren. Ein Tisch am Fenster, perfekt. Neben Kunstausstellungen, Konzerten und Buchbasaren bietet Küchenchefin Bente Westergaard auch Kochkurse an. Grønn Gourmet will zum Kochen mit ökologischen Lebensmitteln inspirieren. Für heute gab es die Wahl zwischen zwei vegetarischen Gerichten: Gefüllte Auberginen und Kürbissuppe mit Ingwer. Die Suppe brodelt auf einer Wärmeplatte in einem großfamilienfreundlichen Topf direkt am Buffet und meine Entscheidung fiel schnell. Bald standen vor uns auf dem geschrubbten Holztisch zwei dampfende Teller. Dazu selbstgebackenes Brot.

Kurz gesagt: Es war köstlich. Die Suppe ganz unerwartet scharf, aber nach der ersten Überraschung löffelten wir, als ob es kein Morgen gäbe. Nie würde ich mit soviel Ingwer kochen, und fragte mich, warum eigentlich nicht, denn es schmeckte einfach super. UND ist gesund. Die großen weißen Suppenteller sahen auf dem dunklen Holztisch simpel, aber doch chic aus und diese schlichte Eleganz zog sich durch den ganzen Raum. Ich bin ätzend penibel, was Restaurants angeht, und habe meistens etwas auszusetzen. Das ist gar nicht arrogant gemeint, aber fleckige Tischdecken, künstliche Blumen, „Wir-wollen-gern-können-aber-nicht-Eleganz“, Lieblosigkeit oder Fertigsaucen ärgern mich nun mal im Restaurant. Wen nicht?

Im Hellviktangen hatte ich nichts zu meckern. Satt und zufrieden genoss ich die Aussicht auf den Fjord. Der Raum war voll, eine Großfamilie feierte am Tisch neben uns und gerade musste Oma (vielleicht ihr Geburtstag) in verschiedene Handys lachen. Gegenüber unterhielten sich zwei Elternpaare mit jungen Kindern auf Englisch über ihre Silvesterpläne, während eine ältere Frau langsam von Bild zu Bild durch den Raum wanderte und sich begeistern ließ von der Kunst.  Die Stimmung war entspannt, familiär und positiv.

Hier kommen wir wieder hin!“ beschlossen wir auf dem Rückweg.

Das war es schon für heute, meine lieben Leser! Angeblich soll der Winter kommen nächste Woche, warten wir es mal ab. Euch allen wünsche ich, Schnee hin oder her, eine tolle Woche, kommt an im neuen Jahr, viel Spaß und Erfolg, bei was Ihr auch immer vorhabt! Wir lesen uns wieder am nächsten Freitag! Bis dahin,

ha det bra,

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Ulrike

London und Oslo – Ein (nicht ganz gerechter) Vergleich

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London ist eine der tollsten Städte, die ich kenne. Ich meine, Halloo?, London hat so viele Theater, dass ich mindestens vier Monate lang jeden Abend ein anderes besuchen könnte, ohne mich zu wiederholen. Naja, falls ich Tickets bekäme, denn DAS ist nicht immer leicht. Da ähneln sich London und Oslo – ausverkaufte Vorstellungen sind keine Seltenheit.

Hallo, meine lieben internationalen Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Vier Tage London – in Kurzfassung: Grandios! Aber es war auch schön, wieder zurück nach Oslo zu kommen. Die Unterschiede zwischen den beiden Städten könnten größer nicht sein, doch Obacht, es gibt auch Gemeinsamkeiten und wer glaubt, dass London im Vergleich immer die Nase vorn hat, der sollte sich an selbige fassen und erneut nachdenken. Es folgt also, ein (möglichst gerechter) Vergleich. In zehn Kategorien werde ich meine ganz persönlichen Erfahrungen gegenüberstellen, das kann totaler Nonsens sein, aber das ist ja nun mal mein Blog und ich darf das! Und natürlich ist es fast unmöglich, eine 600.000-Einwohner-Stadt mit einer 8-Millionen-Einwohner-Metropole zu vergleichen, aber ich mache es trotzdem. Jawoll! Für empörte Proteste oder begeisterten Zuspruch steht Euch das Kommentarfeld zur Verfügung! 🙂 Los geht’s also – Oslo vs. London!

1. Königshaus: Queen Elisabeth vs. König Harald

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Selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste (Therapieerfolge im Kampf gegen ausgeprägte Klatsch- und Tratschsucht und Gefallen an Königshäusern sind bei mir bisher nicht zu vermelden). Beginnen wir beim Schloss: So hübsch das norwegische Schloss auch inmitten von Bäumen gelegen ist; auch wenn es gerade einen funkelnagelneuen Vorhof bekommen hat; auch wenn man als Besucher fast an die Tür klopfen kann, bevor ein freundlicher Soldat sich nähert – alles nichts gegen Buckingham Palace. Hier, wo die ganze Welt live dabei ist, wenn sich auf dem königlichen Balkon geküsst wird oder wenn Blumenmeere vor den Toren liegen – hier weht ein royaler Wind. Als ich mit vielen anderen Touristen vor dem haushohen schwarzen Metallzaun stehe, frage ich mich für einen Moment, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, aber der Moment geht so fix wie er gekommen ist.

So beeindruckend der Palast ist, so unnahbar wirken seine Bewohner. Die norwegische Königsfamilie hingegen gilt als volksnah, was allerdings auch daran liegen kann, dass sie vom Volk eingesetzt und daher auch vom selbigen abgesetzt werden könnte. Da stellt man sich besser gut…. Klatsch und Tratsch bieten beide Häuser, ich gehe jetzt nicht ins Detail, keine Sorge. Der Vergleich der beiden Regenten fällt leicht: Elisabeth ist eine toughe Lady, die sich seit 60 Jahren von nichts unterkriegen lässt und Corgies liebt. Harald fläzt sich schon mal auf dem Stuhl bei der Verleihung des Friedensnobelpreises und segelt gern. (Was heißt hier, das sind komische Kriterien??????)

Meine Stimme geht an Elisabeth und insgesamt die britische Monarchie und deren Zentralvertretung in London. Das war einfach.

London – Oslo 1:0

2. Transport: Tube vs. T-Bane

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Auch wenn in London vieles zu Fuß gemacht werden kann, kommt der Besucher doch nicht daran vorbei, die Tube (sprich: tjuub), die Londoner U-Bahn, zu benutzen. Und DAS ist ein Abenteuer. Das System an sich ist simpel genug und ähnelt dem in allen anderen Städten: Es gibt verschiedene Linien, hier in Oslo haben sie Nummern, in London heißen sie u.a. Central Line oder District Line, Hammersmith&City oder Piccadilly. Unser Hotel lag in der Nähe von gleich zwei Stationen: Bayswater und Queensway. Die letztere ist Teil der Central Line und brachte uns in nur wenigen Minuten in die Innenstadt. In London wie in Oslo gibt es aufladbare Plastikkarten, die das Papierticket ersetzen und sehr praktisch sind. Die Londoner Oyster-Card liegt nun also hier in Oslo und wartet auf ihren nächsten Einsatz. So weit, so gut und so ähnlich sind sich die beiden Städte. Aber dann kommt der riesige Unterschied: Die T-Bane ist eine angenehme, saubere Transportmöglichkeit mit Sitzplätzen. Die Londoner Tube ist ein Stresscontainer. Eine Sardinenbüchse auf Schienen. Eine Zumutung! Zu viele Passagiere wollen in zu wenig Waggons transportiert werden, es wird geschubst und gedrängelt und geschubst und gedrängelt. Und das bei den höflichen Briten! Der Punkt geht in diesem Fall ganz eindeutig nach Oslo!

London – Oslo 1:1

3. Vegetarisches Essen

Heaven is a place on earth, war unser erster Gedanke im Manna, einem wunderbaren Restaurant im Londoner Stadtteil Primrose Hill. Da gab es vegetarische Würstchen mit Fenchelkartoffelmus, Kroketten aus Peperoni-Cashew-Käse oder Artischockenherzen gefüllt mit Ricotta. Eine ganze Speisekarte voller vegetarischer Köstlichkeiten – und das war nur eines der zahlreichen rein vegetarischen Restaurants in der Stadt. Anstatt wie immer zum Inder zu gehen oder zu Khrishnas Cuisine hatten wir in London eine Auswahl von mindestens zehn Restaurants. Da fühlt man sich doch gleich als normaler Mensch und nicht als Aussatz der fleischessenden Gesellschaft. UND geschmeckt hat es auch noch im Manna! Empfehlung an alle, die in London abends nett essen gehen wollen: Fahrt in den Norden und genießt die nette Atmosphäre.

London – Oslo 2:1

4. Kultur: National Gallery vs. Nationalgaleriet

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Muss ich natürlich aufführen, obwohl der Vergleich hier schon fast ungerecht ist. Aber dann auch wieder nicht, schließlich brüstet sich Oslo an mehr als einer Gelegenheit damit, das neue New York oder London zu sein. Im Kulturbereich kann ich dem ein entschiedenes „Nein!“ entgegensetzen. Die Anzahl und Qualität der Theater allein reicht dafür schon aus. Die norwegische Nationalgaleriet würde auf eine Etage der National Gallery passen, von den architektonischen Highlights der britischen Hauptstadt ganz abgesehen. Wo in London die Luft kreativ vibriert, weht in Oslo ein kreativer, aber provinzieller Frühlingshauch.

London – Oslo 3:1

5. Preise

Ich habe Hunter Gummistiefel gekauft für 500 NOK!!!! In London! 500!!!! Das verstehen jetzt nur die Leser aus Oslo, wo diese beliebten Plastikschuhe für sagenhafte 1500 bis 1700 NOK über den Ladentisch gehen. Und das ist nur ein Beispiel für das Ungleichgewicht zwischen Preisen in Norwegen und …. naja, allen anderen Ländern eigentlich. Oslo wurde erneut zur teuersten Stadt der Welt gekürt. In London einkaufen zu gehen, das war schon ein Urlaub an sich. Auf einmal haben Dinge wieder angemessene Preise. Es geht gar nicht so sehr darum, dass wir in Norwegen sehr viel mehr verdienen als in anderen Ländern. Es geht darum, dass die Flasche Mineralwasser in Oslo 2,- Euro kostet und die Salatgurke auch. Mit einem norwegischen Gehalt im Ausland zu leben, das wäre klasse!

London – Oslo 4:1

6. Bevölkerung

Zurück in Oslo hatte ich nach vier Tagen zum ersten Mal wieder das Gefühl durchatmen zu können. Platz um mich herum zu haben. In London ist immer irgendwo irgendwer. Ich finde das am ersten Tag absolut wunderbar, lasse mich gern mitreißen im Menschenstrom und habe das Gefühl, meinen Energiespeicher aufzutanken in dieser sich bewegenden Menschenmasse. Danach beginnt es mich zu stören. Am liebsten hätte ich immer, ganz in Dirty Dancing-Manier, gerufen: „Das hier ist mein Tanzbereich und das ist deiner, du kommst nicht in meinen und ich nicht in deinen.“ Oxford Street in London war eines unserer ersten Ziele – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Menschen auf einem Haufen gesehen hatte. Und alle sind in Bewegung und alle haben es eilig. Hier in Oslo „ta vi det med ro“, wir lassen es ruhig angehen. (Obwohl viele Norweger nichts von ihrer hektischen Großstadt halten, es kommt eben immer auf die Perspektive an.) Hier bleibt man mal auf der Straße stehen, um sich zu unterhalten, hier kann man über die Karl Johan bummeln, ohne dauernd angerempelt zu werden und selbst in der täglichen Rush Hour sind die T-Bane-Eingänge passierbar. Allerdings ist die Bevölkerung in London auch unterschiedlicher als in Oslo. Gerade hier im Westen der Stadt herrscht Konformität, aber auch beim Besuch der Innenstadt ähneln sich die Menschen. In London ist alles durcheinander: Punker, Rentnerin mit rosa Haaren, Geschäftsmann im teuren Anzug, ein Priester und eine junge Mutter sitzen mir gegenüber in der U-Bahn und diese Vielfältigkeit macht die Stadt spannend. Aber sie ist einfach zu voll. Deswegen ein klarer Punkt für Oslo!

London – Oslo 4:2

7. Umgangsformen

In der vollen Londoner U-Bahn tritt mir ein Mann auf den Fuß, dreht sich sofort um und entschuldigt sich. Ich gucke ihn mit großen Augen an. Im Hotel öffnet man mir die Tür ins Restaurant und im Britischen Museum kommt ein junger Mann zurück, der mir die Tür vor der Nase hat zufallen lassen, öffnet sie und lächelt entschuldigend. Ich bekomme es bei so viel gutem Benehmen fast mit der Angst zu tun. Hier in Oslo ist das anders. Immer noch habe ich nicht genau verstanden, warum, Janteloven hin oder her. Für mich ist und bleibt es unhöflich, eine Tür zufallen zu lassen oder seinen Sitzplatz nicht anzubieten, obwohl eine ältere Dame neben mir steht. Vielen Norwegern fällt das gar nicht auf, oder sie empfinden höfliche Gesten als aufdringlich. In London hatte ich endlich wieder das Gefühl, in der, für mich, normalen Welt zu sein.

London – Oslo 5:2

8. Lebensgefühl

Der elektrische Schock in London hat zwei Tage angehalten, danach habe ich die Stadt als anstrengend empfunden. Klar, wir waren auch fast 14 Stunden täglich unterwegs sind von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gewandert und von Café zu Café. Im Hyde Park konnten wir Luft schnappen und den Trubel vergessen und vor Picassos Sonnenblumen zu stehen war genauso ein wunderbarer Moment, wie den Gottesdienst in der St. Paul’s Cathedrale mitzuerleben. Aber hier in Oslo fühle ich mich besser, gesünder irgendwie, auch wenn das eine komische Beschreibung ist – vielleicht versteht es ja irgendwer? Es ist immer ein Unterschied, Tourist oder Einwohner zu sein, klar, aber ich denke, ich würde in London länger brauchen, um mich einzugewöhnen als hier in der gemütlichen Stadt am Fjord.

London – Oslo 5:3

9. Sport

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Ich sage nur: Wimbledon. WIMBLEDON! W I M B L E D O N !!!!!!! Würden wir in London wohnen, könnte ich mein alljährliches Sport-Highlight live sehen! In Oslo finden die norwegischen Tennismeisterschaften jährlich auf einer Anlage am Frognerpark statt. London bietet außerdem Premier League Football mit Chelsea und Arsenal UND, für Martin besonders wichtig, die NFL (National Football League, USA), veranstaltet immer mal wieder Spiele in der britischen Hauptstadt. Ob die Londoner selber viel Sport machen, weiß ich nicht, ich habe kaum wen gesehen. Ganz im Gegensatz zu Oslo, wo man geradezu überrannt wird von Joggern, Skiläufern oder Radfahrern. In Oslo wird sich gerne und viel bewegt und bald überträgt sich der Sportwahn auch auf die unsportlichsten Kreaturen wie mich zum Beispiel. In dieser Kategorie bin ich unentschieden und gebe beiden Städten einen Punkt. Tollen Sport zu gucken oder selber machen – da fällt die Wahl schwer.

London – Oslo 6:4

10. Natur

Der Hyde Park als Londons grüne Lunge ist eine schöne Abwechslung im Betongrau der Stadt. Kew Gardens und Hampstead Heath sind schöne Ausflugsziele und die englische countryside ist eine Reise wert. Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Natur zu erholen…aber…es kommt nicht an Oslo ran. Gelegen zwischen Fjord und schier unendlichen Waldgebieten, mit klaren Seen und kilometerlangen Wanderwegen ist Oslo einfach unschlagbar. Da gibt es nichts zu wollen, da gewinnt Oslo kilometerweit und wenn ich könnte, würde ich Oslo dafür glatt zwei Punkte geben.

Moment, ist doch mein Blog hier, oder?

Da kann ich machen, was ich will!!!

FREIHEIT!!!

2 Punkte für Oslos Natur. Oslo: Deux points!

Damit sieht das Endergebnis nach diesem mehr als subjektiven Vergleich wie folgt aus:

London – Oslo 6:6

Na toll, wie soll ich mich denn da entscheiden?

Muss ich ja gar nicht im Moment.

Aber vielleicht bald, denn London steht weiterhin auf der Liste unserer Wunschwohnziele. Warten wir ab, was passiert.

Das war es für heute, meine lieben internationalen Leser. Heute Abend ist Teestube und morgen Theatertag. Unser Theater-Projekt wächst und gedeiht und wird bestimmt fantastisch und deswegen schicke ich heute mal meine wöchentlichen Grüßen an eine super Gruppe, die sich voller Ideen und Spaß auf Shakespeare gestürzt hat: Astrid, Lina, Friedbert, Mandy, Erik, Christine, Christina, Isa, Birgit und Claudia. Mitte November starten wir außerdem ein Theaterprojekt an der deutschen Schule und werden mit hoffentlich lauter begeisterten Drittklässlern das diesjährige Krippenspiel einstudieren. Ich bin also mittendrin in der Kulturpädagogik – schön ist es.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, fahrt oder geht mal wieder an einen neuen Ort, begegnet Euren Ängsten (wie ich auf dem Dach von St. Paul’s) und begrüßt den tristen NOvember mit einem strahlenden Lachen: „YESvember!“

Ha det bra

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Ulrike

Besuch im Ekebergpark ODER Ist das da auch Kunst?

ekebergparken-share„Zieh dich warm an, Frognerpark – du hast echte Konkurrenz bekommen“, war mein erster Gedanke auf dem Nachhauseweg. Seit Ende September hat Oslo eine neue Attraktion – den Ekebergpark. Da mussten wir hin, ist doch klar!

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zuerst einmal bedanke ich mich für Eure positiven Reaktionen auf den Deutschland-Artikel zum 3. Oktober – das hat mich super gefreut und mir Hoffnung gemacht. Und es hat mich darin bestärkt, häufiger mal über den norwegischen Tellerrand zu blicken. Heute aber, an diesem strahlenden 11. Oktober, stürzen wir uns wieder in die norwegische Hauptstadt, die um eine Attraktion reicher ist: Den wunderbaren Ekebergpark im Osten der Stadt, in einem hügeligen Waldgebiet in der Nähe von Nordstrand.

Am Sonntag machten wir uns frohgelaunt auf den Weg. Normalerweise passiert ja meistens etwas, wenn ich für einen Blog-Artikel unterwegs bin. Mal sperren sie den Zugang zur Akerselva, dann hat das Elektroauto, das wir mieten wollten, einen Platten – aber diesmal…diesmal lief alles glatt. Die Straßenbahnlinie 19 brachte uns zur Haltestellte Sjømannskolen und damit direkt zum Haupteingang des Parks. Und nicht nur uns: Halb Oslo schien Lust auf Kunst und Natur zu haben – der Park war gerammelt voll. Das allein ist schon ein Sieg für Christian Ringnes, Immobilienmagnat, Kunstmäzen und Geldgeber des Parks. Fast 300 Millionen norwegische Kronen investierte der gebürtige Osloaner und wurde dafür scharf kritisiert. In einer Gesellschaft wie Norwegen, wo Gleichstellung eines der höchsten Ideale sein soll, werden große Finanzspenden einer einzelnen Person misstrauisch beäugt. Was wohl sein eigentliches Motiv wäre, einen derartigen Park zu ermöglichen, wurde er gefragt. – Er wolle seiner Heimatstadt ein Geschenk machen, lautete die Antwort.

Ist doch eine gute Antwort, reicht mir.

Wäre mir auch schniepsschnurzegal, was er für ein Motiv hätte – der Park ist nämlich grandios. Bergauf und bergab geht es in dem Waldgebiet, das zwischendurch immer wieder fantastische Blicke auf die Stadt und den Oslofjord bietet. Auf der Mappe des Parks sind die 31 Skulpturen verzeichnet, die es zu finden gibt. Gleich am Eingang begrüßt uns Dalis Venus de Milo aux Tiroirs und kurz danach erblicken wir die Venus Victrix von Auguste Renoir, der über Kunst sagte: „Warum sollte Kunst nicht schön sein? Es gibt genug Hässliches in der Welt.“ An einem Sandkasten entdecken wir eine kleine Statue, die ganz verloren inmitten der Menschenmassen wirkt. Reflections heißt die hübsche Statuette von Guy Buseyne und am liebsten nähme ich sie sofort mit.

Weiter geht der Weg den Berg hinauf, wir drehen uns um und werfen einen Blick über Oslo und den Fjord, weichen anderen Besuchern aus und sind, wie immer, geteilter Meinung über die Kunst, die sich uns in den Weg wirft. Ein bisschen erinnert mich der Park an den Laves-Kulturpfad in Holle, eben nur 10x so groß. Die Kombination von Natur und Kunst ist natürlich nicht neu, aber immer wieder schön. Im Gegensatz zum Frognerpark dominieren die Kunstwerke hier nicht, sie fügen sich ein in die Landschaft und überraschen. Angenehm, irgendwie.

Auf einer großen Lichtung angekommen, wundern wir uns über die Menschenmasse, die um eine Gruppe von Kiefern steht. Neugierig wandern wir näher und entdecken eine Skulptur. The couple schwingt dort oben in den Ästen. Noch scheint der Park nicht zum Programm der Touristenbusse zu gehören, denn um uns herum spricht alles Norwegisch. Weiter geht der Weg. Bergab passieren wir eine Laterne und Martin witzelt: „Ist das auch Kunst??“ – als wir plötzlich angesprochen werden. Von der Laterne. Wir bleiben irritiert stehen. Sie spricht weiter. Lachend hocken wir uns hin und lauschen am Laternenpfahl, an dem sich tatsächlich ein Lautsprecher befindet. Wir müssen ein interessantes Bild abgeben, andere Besucher beäugen uns verwirrt und ich winke fröhlich. Selber schuld, wenn sie nicht richtig hinhören. Was genau uns die Laterne erzählt, das haben wir nicht verstanden – das verschieben wir aufs nächste Mal.

Um 14h beobachten wir die Color Line, wie sie sich auf den Weg nach Kiel macht und beenden unsere erste Runde im Ekebergpark. Aber wir kommen wieder!

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Venus de Milo aux Tiroirs

Venus de Milo aux Tiroirs

Sarah Sze: Still life with Landscape

Sarah Sze: Still life with Landscape

Lichtung mit The Couple

Lichtung mit The Couple

Louise Bourgeois: The Couple

Louise Bourgeois: The Couple

George Cutts: The dance

George Cutts: The dance

Richard Hudson: Marilyn

Richard Hudson: Marilyn

Abfahrt Color Line

Blick vom Park auf Oslofjord und die Abfahrt der Color Line

Eingangsbereich mit La Grande Laveuse

Eingangsbereich mit La Grande Laveuse

Klang

Klang

Das war es schon für heute, meine lieben kunstbegeisterten Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Spaziergang und besucht den Park auch – das hat er nämlich verdient. Meine wöchentlichen Grüße gehen diese Woche an meine Eltern mit einem Hipphipphurrah zum heutigen Rosenhochzeitstag!!!! Außerdem Gratulation an die OPCW, die den Friedensnobelpreis 2013 erhält, wie das Nobelkomitee hier in Oslo heute erklärte. Was für eine Gratulationsmischung 🙂 Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, sucht mal nach Neuheiten in Eurer Stadt oder besucht einen Ort, an dem Ihr noch nie gewesen seid, habt Spaß und genießt den Herbst.

Ha det bra,

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Ulrike

Eine Fjordfahrt, die ist lustig ODER Kaffeeklatsch mit Möwe

Chaos@http://info.jmu.edu/dux/files/2013/01/chaos.jpg

Chaos@http://info.jmu.edu/dux/files/2013/01/chaos.jpg

In meinem Kopf ist diese Woche ein großes Durcheinander und wahrscheinlich zitiere ich morgen bei Jettes Geburtstagsfeier Macbeth, erzähle der Theatergruppe über Volvo und schreibe den Artikel für das Autolexikon in der Geheimsprache, die bei der Kindergeburtstagsschatzsuche gesprochen wird.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Irgendwie laufe ich zur Zeit noch auf Sommer-Tempo oder bin bereits im Winterschlaf; auf jeden Fall sitze ich derzeit ständig verwirrt an meinem Schreibtisch. Nach der fast zweimonatigen Sommerpause fällt der Einstieg in den Alltag irgendwie schwer. Aber jetzt lege ich Konzentration an den Tag, Macbeth in die Ecke, und schreibe den Blog (…kurz checken…Ja, stimmt!).

Wir gehen heute ins Wasser.

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Na gut, AUFS Wasser. (Aber Ihr müsst zugeben, dass die falsche Formulierung Euer Interesse stärker geweckt hat.)

Wir gehen weit, weit zurück in der Zeit. Es ist letzte Woche Dienstag. Yr.no, die norwegische Wetterseite, hatte für diesen Tag einen bewölkten, aber regenfreien Himmel angekündigt – perfekt für die Seereise, die meine Mutter und ich geplant hatten. Die wichtigste Frage lautete:

Was ziehen wir an?

„Wir sind auf dem Wasser, da wird der Wind ordentlich pfeifen.“

Diverse Kombinationen wurden erprobt und wieder verworfen, die eine schien zu sommerlich, die andere eignete sich eher für eine Expedition ins ewige Eis. Am nächsten Morgen trugen wir beide die perfekte, zwiebellagrige Seereisenkombination und machten uns auf den Weg. Direkt an Aker Brygge legen die Schiffe vom Oslo Båtservice ab, der mehrere Touren anbietet: Hop-on-hop-off zwischen Aker Brygge und Oper, eine zweistündige Fjordcruise, Abendcruises mit Musik und Krabbenbuffet und kombinierte Bus-/Schiffstouren.

Wir wollten für zwei Stunden auf den Fjord.

Der Himmel war, wie versprochen, bewölkt, aber regenfrei. Wie immer waren wir etwas früh und, auch wie immer, hatten wir Lust auf einen Kaffee. Die Wahl fiel auf Café Skansen, nur wenige Minuten entfernt von unserer Anlegestelle. Unter tiefhängenden Lindenästen fanden wir ein lauschiges Plätzchen. Während wir die Getränkekarte lasen, landete etwas Weiches mit hohem Tempo auf unserem Tisch.

Flatsch.

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Empört wandte ich meinen Blick nach oben und sah das schussbereite Hinterteil einer Möwe, die gemütlich – und um einige Gramm erleichtert – auf einem Ast saß. Wir entschieden uns für den Rückzug und wechselten an einen anderen Tisch. Das verwirrte nun den Kellner, der aber nach einem kurzen Blick das Problem erkannte und in schallendes Gelächter ausbrach. Nach einer energischen Reinigungsaktion erklärte er den Tisch zur Sperrzone und dankte uns. Wofür, war mir schleierhaft. Den Kaffee mussten wir trotzdem bezahlen.

Gestärkt wanderten wir zur gegebenen Zeit Richtung Schiffsanleger. Leider war das Segelboot für diese Tour nicht mehr im Einsatz (nur bis zum 25. August, lasen wir später), aber die kleine Fähre mit den bunten Flaggen gefiel uns auch. Typisch deutsch stellten wir uns mit als Erste in die Schlange – na, wir wollten schließlich einen guten Platz!!!! Bald wuchs die Gruppe auf 15 Personen. Deutsch war die Hauptsprache – in diesem Fall schwäbelte und sächselte man um uns herum.

Der Himmel hatte mittlerweile dem Wetterdienst, in bester Steinbrück-Manier, den Mittelfinger gezeigt und die triste Wolkensuppe in strahlendes Sonnenwetter verwandelt. Nicht ein Windhauch war zu spüren, als sich das Boot langsam in Bewegung setzte und hinaus auf den Fjord fuhr.

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Wir starteten Richtung Oper, passierten dann die größeren Fjordinseln Hovedøya und Gressholmen mit ihren bewaldeten Küsten und leeren Stränden. Das Wasser schwappte gutgelaunt an unser Boot und ich verrenkte mir den Hals, um gute Fotos zu machen. Häufig hinderte mich eine braungebrannte Hand am Erfolg. Direkt vor uns saß ein junges, turtelndes Paar und immer wenn Turtelpause eintrat, wies sie ihren Liebsten auf die Schönheiten der Umgebung hin. Der Arme muss an einer gewaltigen Sehschwäche leiden, denn es reichte nicht aus, dass sie sagte: „Oh, guck eine Insel.“ –  NEIN!!! Sie musste auch jedesmal mit dem ausgestreckten Arm und Finger drauf zeigen, und zwar genau in dem Moment, wenn ich die besagte Insel gerade im Fokus hatte und nun aber, statt einer hübschen Küstenlinie, eine Hand quer im Bild hängen hatte!!!! Und wenn sie nicht zeigte, fotografierte sie selber und rutschte in meinen Fokus.

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Ansonsten waren unsere Mitfahrer aber zivilisiert. Auch wenn sie permanent über die interessanten Kommentare unseres Guides hinwegplapperten… aber damit habe ich die perfekte Entschuldigung dafür, dass ich nicht viel mehr Interessantes zu berichten habe: Ich konnte es einfach nicht hören. – Weiter nach vorne setzen??? Bin ich narrisch, wir hatten die perfekten Plätze!!

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Wir schaukelten über das Wasser und erreicht bald Nesodden, eine Halbinsel südlich von Aker Brygge. Mit dem Auto dauert die Fahrt in die Stadt von Nesodden aus eine Stunde, weshalb die meisten Bewohner morgens und abends die Fähre benutzen, die ihre Halbinsel mit Aker Brygge verbindet. An der Westseite von Nesodden bevölkern bunte Badehäuser das Bild. Zu ihnen gibt es eine interessante Geschichte: Es war einmal eine Zeit, in der das öffentliche Baden unter Strafe verboten war. Was natürlich den Drang, öffentlich zu baden, verstärkte. Da man aber nicht die Gefahr eingehen wollte, mitten im Brustzug von der Wasserpolizei aus dem Fjord gefischt zu werden, musste eine Lösung her: Das Badehaus mit Loch im Boden. Wer es sich leisten konnte, kletterte bei schönem Wetter in sein Badehaus, entkleidete sich und ließ sich durch das Loch im Boden ungesehen in die kühlen Wellen des Fjordes gleiten. – In den 1920ern dienten die bunten Hütten dann ganz anderen Flüssigkeiten: Durch die versteckte Lage konnte während der Prohibition hier ungesehen Alkohol an Land geschmuggelt werden.

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Mittlerweile steuerte unsere Fähre die Bucht vor Sandvika an, wo ich im Winter mit Christine und Adelheid über das Eis gewandert war. Nun amüsierten sich hier Segler, und Besitzer der wunderschönen Villen am Ufer saßen entspannt in der Sonne. Im Winter lade der zugefrorene Fjord hier zum Wandern ein, erklärte unsere Führerin. (Stimmt!) Das läge zum einen daran, dass der Fjord hier von drei Inseln von Wind geschützt wird und dass der Süßwasseranteil hier sehr hoch sei. Wir winkten einer Seglertruppe zu und verließen das kleine Paradies.

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Starke Wellen begrüßten uns, als wir auf den freieren Teil des Fjordes zurückkehrten. Es war kurz nach 14 Uhr und die Color Line-Fähre auf dem Weg Richtung Kiel, das sie am nächsten Morgen um 10 Uhr erreichen wird. Kaum hatten wir uns vom Schaukeln erholt, klatschten die nächsten Wellen an den Bug: Auch die Aida hatte den Hafen verlassen und war bereit, ihre Kreuzfahrtgäste an einen anderen Ort zu bringen. Meine Güte, wie riesig die Schiffe doch sind. Wir schaukelten vorbei und winkten fröhlich. Am linken Ufer tauchte das Statoil-Gebäude auf und wir nahmen kurz Kontakt zur arbeitenden Bevölkerung, aka Martin, auf, der sofort nach uns Ausschau hielt.

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Bald erschien die bekannte Silhouette von Aker Brygge. Vorbei am Astrup Fearnley Museum kehrten wir zurück in den heimatlichen Hafen, wo wir beim Aussteigen von einer dicken Möwe beobachtet wurden. Als sie sich in die Lüfte hob, suchten wir Schutz und wagten uns erst wieder heraus, als das penetrante Tier Richtung Café Skansen davon geflogen war.

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Puuh, entkommen!

Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserer Schiffsreise. Kommt nach Oslo (oder für alle Osloraner: Kommt zur Aker Brygge) und probiert es selbst aus!

Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an Ylva Linnea und Mattis Jakob – Willkommen, Ihr neuen Erdenbürger!  Meinen seetüchtigen Lesern wünsche ich eine tolle Woche, lasst Euch mal wieder Wind um die Nase wehen, schaltet in einen anderen Gang wenn nötig und erfreut Euch am Herbst. Eine ganz besondere Sache noch zum Schluss: Meine Freundin Silvi, Fotografin aus Leidenschaft, und ich haben einen Kalender entworfen. Vielleicht gefällt er Euch! Meldet Euch, wenn Ihr mehr wissen wollt: ulrike_niemann@yahoo.no.

Bis nächsten Freitag!

Ha det bra,

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Ulrike