London und Oslo – Ein (nicht ganz gerechter) Vergleich

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London ist eine der tollsten Städte, die ich kenne. Ich meine, Halloo?, London hat so viele Theater, dass ich mindestens vier Monate lang jeden Abend ein anderes besuchen könnte, ohne mich zu wiederholen. Naja, falls ich Tickets bekäme, denn DAS ist nicht immer leicht. Da ähneln sich London und Oslo – ausverkaufte Vorstellungen sind keine Seltenheit.

Hallo, meine lieben internationalen Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Vier Tage London – in Kurzfassung: Grandios! Aber es war auch schön, wieder zurück nach Oslo zu kommen. Die Unterschiede zwischen den beiden Städten könnten größer nicht sein, doch Obacht, es gibt auch Gemeinsamkeiten und wer glaubt, dass London im Vergleich immer die Nase vorn hat, der sollte sich an selbige fassen und erneut nachdenken. Es folgt also, ein (möglichst gerechter) Vergleich. In zehn Kategorien werde ich meine ganz persönlichen Erfahrungen gegenüberstellen, das kann totaler Nonsens sein, aber das ist ja nun mal mein Blog und ich darf das! Und natürlich ist es fast unmöglich, eine 600.000-Einwohner-Stadt mit einer 8-Millionen-Einwohner-Metropole zu vergleichen, aber ich mache es trotzdem. Jawoll! Für empörte Proteste oder begeisterten Zuspruch steht Euch das Kommentarfeld zur Verfügung! 🙂 Los geht’s also – Oslo vs. London!

1. Königshaus: Queen Elisabeth vs. König Harald

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Selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste (Therapieerfolge im Kampf gegen ausgeprägte Klatsch- und Tratschsucht und Gefallen an Königshäusern sind bei mir bisher nicht zu vermelden). Beginnen wir beim Schloss: So hübsch das norwegische Schloss auch inmitten von Bäumen gelegen ist; auch wenn es gerade einen funkelnagelneuen Vorhof bekommen hat; auch wenn man als Besucher fast an die Tür klopfen kann, bevor ein freundlicher Soldat sich nähert – alles nichts gegen Buckingham Palace. Hier, wo die ganze Welt live dabei ist, wenn sich auf dem königlichen Balkon geküsst wird oder wenn Blumenmeere vor den Toren liegen – hier weht ein royaler Wind. Als ich mit vielen anderen Touristen vor dem haushohen schwarzen Metallzaun stehe, frage ich mich für einen Moment, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, aber der Moment geht so fix wie er gekommen ist.

So beeindruckend der Palast ist, so unnahbar wirken seine Bewohner. Die norwegische Königsfamilie hingegen gilt als volksnah, was allerdings auch daran liegen kann, dass sie vom Volk eingesetzt und daher auch vom selbigen abgesetzt werden könnte. Da stellt man sich besser gut…. Klatsch und Tratsch bieten beide Häuser, ich gehe jetzt nicht ins Detail, keine Sorge. Der Vergleich der beiden Regenten fällt leicht: Elisabeth ist eine toughe Lady, die sich seit 60 Jahren von nichts unterkriegen lässt und Corgies liebt. Harald fläzt sich schon mal auf dem Stuhl bei der Verleihung des Friedensnobelpreises und segelt gern. (Was heißt hier, das sind komische Kriterien??????)

Meine Stimme geht an Elisabeth und insgesamt die britische Monarchie und deren Zentralvertretung in London. Das war einfach.

London – Oslo 1:0

2. Transport: Tube vs. T-Bane

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Auch wenn in London vieles zu Fuß gemacht werden kann, kommt der Besucher doch nicht daran vorbei, die Tube (sprich: tjuub), die Londoner U-Bahn, zu benutzen. Und DAS ist ein Abenteuer. Das System an sich ist simpel genug und ähnelt dem in allen anderen Städten: Es gibt verschiedene Linien, hier in Oslo haben sie Nummern, in London heißen sie u.a. Central Line oder District Line, Hammersmith&City oder Piccadilly. Unser Hotel lag in der Nähe von gleich zwei Stationen: Bayswater und Queensway. Die letztere ist Teil der Central Line und brachte uns in nur wenigen Minuten in die Innenstadt. In London wie in Oslo gibt es aufladbare Plastikkarten, die das Papierticket ersetzen und sehr praktisch sind. Die Londoner Oyster-Card liegt nun also hier in Oslo und wartet auf ihren nächsten Einsatz. So weit, so gut und so ähnlich sind sich die beiden Städte. Aber dann kommt der riesige Unterschied: Die T-Bane ist eine angenehme, saubere Transportmöglichkeit mit Sitzplätzen. Die Londoner Tube ist ein Stresscontainer. Eine Sardinenbüchse auf Schienen. Eine Zumutung! Zu viele Passagiere wollen in zu wenig Waggons transportiert werden, es wird geschubst und gedrängelt und geschubst und gedrängelt. Und das bei den höflichen Briten! Der Punkt geht in diesem Fall ganz eindeutig nach Oslo!

London – Oslo 1:1

3. Vegetarisches Essen

Heaven is a place on earth, war unser erster Gedanke im Manna, einem wunderbaren Restaurant im Londoner Stadtteil Primrose Hill. Da gab es vegetarische Würstchen mit Fenchelkartoffelmus, Kroketten aus Peperoni-Cashew-Käse oder Artischockenherzen gefüllt mit Ricotta. Eine ganze Speisekarte voller vegetarischer Köstlichkeiten – und das war nur eines der zahlreichen rein vegetarischen Restaurants in der Stadt. Anstatt wie immer zum Inder zu gehen oder zu Khrishnas Cuisine hatten wir in London eine Auswahl von mindestens zehn Restaurants. Da fühlt man sich doch gleich als normaler Mensch und nicht als Aussatz der fleischessenden Gesellschaft. UND geschmeckt hat es auch noch im Manna! Empfehlung an alle, die in London abends nett essen gehen wollen: Fahrt in den Norden und genießt die nette Atmosphäre.

London – Oslo 2:1

4. Kultur: National Gallery vs. Nationalgaleriet

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Muss ich natürlich aufführen, obwohl der Vergleich hier schon fast ungerecht ist. Aber dann auch wieder nicht, schließlich brüstet sich Oslo an mehr als einer Gelegenheit damit, das neue New York oder London zu sein. Im Kulturbereich kann ich dem ein entschiedenes „Nein!“ entgegensetzen. Die Anzahl und Qualität der Theater allein reicht dafür schon aus. Die norwegische Nationalgaleriet würde auf eine Etage der National Gallery passen, von den architektonischen Highlights der britischen Hauptstadt ganz abgesehen. Wo in London die Luft kreativ vibriert, weht in Oslo ein kreativer, aber provinzieller Frühlingshauch.

London – Oslo 3:1

5. Preise

Ich habe Hunter Gummistiefel gekauft für 500 NOK!!!! In London! 500!!!! Das verstehen jetzt nur die Leser aus Oslo, wo diese beliebten Plastikschuhe für sagenhafte 1500 bis 1700 NOK über den Ladentisch gehen. Und das ist nur ein Beispiel für das Ungleichgewicht zwischen Preisen in Norwegen und …. naja, allen anderen Ländern eigentlich. Oslo wurde erneut zur teuersten Stadt der Welt gekürt. In London einkaufen zu gehen, das war schon ein Urlaub an sich. Auf einmal haben Dinge wieder angemessene Preise. Es geht gar nicht so sehr darum, dass wir in Norwegen sehr viel mehr verdienen als in anderen Ländern. Es geht darum, dass die Flasche Mineralwasser in Oslo 2,- Euro kostet und die Salatgurke auch. Mit einem norwegischen Gehalt im Ausland zu leben, das wäre klasse!

London – Oslo 4:1

6. Bevölkerung

Zurück in Oslo hatte ich nach vier Tagen zum ersten Mal wieder das Gefühl durchatmen zu können. Platz um mich herum zu haben. In London ist immer irgendwo irgendwer. Ich finde das am ersten Tag absolut wunderbar, lasse mich gern mitreißen im Menschenstrom und habe das Gefühl, meinen Energiespeicher aufzutanken in dieser sich bewegenden Menschenmasse. Danach beginnt es mich zu stören. Am liebsten hätte ich immer, ganz in Dirty Dancing-Manier, gerufen: „Das hier ist mein Tanzbereich und das ist deiner, du kommst nicht in meinen und ich nicht in deinen.“ Oxford Street in London war eines unserer ersten Ziele – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Menschen auf einem Haufen gesehen hatte. Und alle sind in Bewegung und alle haben es eilig. Hier in Oslo „ta vi det med ro“, wir lassen es ruhig angehen. (Obwohl viele Norweger nichts von ihrer hektischen Großstadt halten, es kommt eben immer auf die Perspektive an.) Hier bleibt man mal auf der Straße stehen, um sich zu unterhalten, hier kann man über die Karl Johan bummeln, ohne dauernd angerempelt zu werden und selbst in der täglichen Rush Hour sind die T-Bane-Eingänge passierbar. Allerdings ist die Bevölkerung in London auch unterschiedlicher als in Oslo. Gerade hier im Westen der Stadt herrscht Konformität, aber auch beim Besuch der Innenstadt ähneln sich die Menschen. In London ist alles durcheinander: Punker, Rentnerin mit rosa Haaren, Geschäftsmann im teuren Anzug, ein Priester und eine junge Mutter sitzen mir gegenüber in der U-Bahn und diese Vielfältigkeit macht die Stadt spannend. Aber sie ist einfach zu voll. Deswegen ein klarer Punkt für Oslo!

London – Oslo 4:2

7. Umgangsformen

In der vollen Londoner U-Bahn tritt mir ein Mann auf den Fuß, dreht sich sofort um und entschuldigt sich. Ich gucke ihn mit großen Augen an. Im Hotel öffnet man mir die Tür ins Restaurant und im Britischen Museum kommt ein junger Mann zurück, der mir die Tür vor der Nase hat zufallen lassen, öffnet sie und lächelt entschuldigend. Ich bekomme es bei so viel gutem Benehmen fast mit der Angst zu tun. Hier in Oslo ist das anders. Immer noch habe ich nicht genau verstanden, warum, Janteloven hin oder her. Für mich ist und bleibt es unhöflich, eine Tür zufallen zu lassen oder seinen Sitzplatz nicht anzubieten, obwohl eine ältere Dame neben mir steht. Vielen Norwegern fällt das gar nicht auf, oder sie empfinden höfliche Gesten als aufdringlich. In London hatte ich endlich wieder das Gefühl, in der, für mich, normalen Welt zu sein.

London – Oslo 5:2

8. Lebensgefühl

Der elektrische Schock in London hat zwei Tage angehalten, danach habe ich die Stadt als anstrengend empfunden. Klar, wir waren auch fast 14 Stunden täglich unterwegs sind von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gewandert und von Café zu Café. Im Hyde Park konnten wir Luft schnappen und den Trubel vergessen und vor Picassos Sonnenblumen zu stehen war genauso ein wunderbarer Moment, wie den Gottesdienst in der St. Paul’s Cathedrale mitzuerleben. Aber hier in Oslo fühle ich mich besser, gesünder irgendwie, auch wenn das eine komische Beschreibung ist – vielleicht versteht es ja irgendwer? Es ist immer ein Unterschied, Tourist oder Einwohner zu sein, klar, aber ich denke, ich würde in London länger brauchen, um mich einzugewöhnen als hier in der gemütlichen Stadt am Fjord.

London – Oslo 5:3

9. Sport

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Ich sage nur: Wimbledon. WIMBLEDON! W I M B L E D O N !!!!!!! Würden wir in London wohnen, könnte ich mein alljährliches Sport-Highlight live sehen! In Oslo finden die norwegischen Tennismeisterschaften jährlich auf einer Anlage am Frognerpark statt. London bietet außerdem Premier League Football mit Chelsea und Arsenal UND, für Martin besonders wichtig, die NFL (National Football League, USA), veranstaltet immer mal wieder Spiele in der britischen Hauptstadt. Ob die Londoner selber viel Sport machen, weiß ich nicht, ich habe kaum wen gesehen. Ganz im Gegensatz zu Oslo, wo man geradezu überrannt wird von Joggern, Skiläufern oder Radfahrern. In Oslo wird sich gerne und viel bewegt und bald überträgt sich der Sportwahn auch auf die unsportlichsten Kreaturen wie mich zum Beispiel. In dieser Kategorie bin ich unentschieden und gebe beiden Städten einen Punkt. Tollen Sport zu gucken oder selber machen – da fällt die Wahl schwer.

London – Oslo 6:4

10. Natur

Der Hyde Park als Londons grüne Lunge ist eine schöne Abwechslung im Betongrau der Stadt. Kew Gardens und Hampstead Heath sind schöne Ausflugsziele und die englische countryside ist eine Reise wert. Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Natur zu erholen…aber…es kommt nicht an Oslo ran. Gelegen zwischen Fjord und schier unendlichen Waldgebieten, mit klaren Seen und kilometerlangen Wanderwegen ist Oslo einfach unschlagbar. Da gibt es nichts zu wollen, da gewinnt Oslo kilometerweit und wenn ich könnte, würde ich Oslo dafür glatt zwei Punkte geben.

Moment, ist doch mein Blog hier, oder?

Da kann ich machen, was ich will!!!

FREIHEIT!!!

2 Punkte für Oslos Natur. Oslo: Deux points!

Damit sieht das Endergebnis nach diesem mehr als subjektiven Vergleich wie folgt aus:

London – Oslo 6:6

Na toll, wie soll ich mich denn da entscheiden?

Muss ich ja gar nicht im Moment.

Aber vielleicht bald, denn London steht weiterhin auf der Liste unserer Wunschwohnziele. Warten wir ab, was passiert.

Das war es für heute, meine lieben internationalen Leser. Heute Abend ist Teestube und morgen Theatertag. Unser Theater-Projekt wächst und gedeiht und wird bestimmt fantastisch und deswegen schicke ich heute mal meine wöchentlichen Grüßen an eine super Gruppe, die sich voller Ideen und Spaß auf Shakespeare gestürzt hat: Astrid, Lina, Friedbert, Mandy, Erik, Christine, Christina, Isa, Birgit und Claudia. Mitte November starten wir außerdem ein Theaterprojekt an der deutschen Schule und werden mit hoffentlich lauter begeisterten Drittklässlern das diesjährige Krippenspiel einstudieren. Ich bin also mittendrin in der Kulturpädagogik – schön ist es.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, fahrt oder geht mal wieder an einen neuen Ort, begegnet Euren Ängsten (wie ich auf dem Dach von St. Paul’s) und begrüßt den tristen NOvember mit einem strahlenden Lachen: „YESvember!“

Ha det bra

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Ulrike

Besuch im Ekebergpark ODER Ist das da auch Kunst?

ekebergparken-share„Zieh dich warm an, Frognerpark – du hast echte Konkurrenz bekommen“, war mein erster Gedanke auf dem Nachhauseweg. Seit Ende September hat Oslo eine neue Attraktion – den Ekebergpark. Da mussten wir hin, ist doch klar!

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zuerst einmal bedanke ich mich für Eure positiven Reaktionen auf den Deutschland-Artikel zum 3. Oktober – das hat mich super gefreut und mir Hoffnung gemacht. Und es hat mich darin bestärkt, häufiger mal über den norwegischen Tellerrand zu blicken. Heute aber, an diesem strahlenden 11. Oktober, stürzen wir uns wieder in die norwegische Hauptstadt, die um eine Attraktion reicher ist: Den wunderbaren Ekebergpark im Osten der Stadt, in einem hügeligen Waldgebiet in der Nähe von Nordstrand.

Am Sonntag machten wir uns frohgelaunt auf den Weg. Normalerweise passiert ja meistens etwas, wenn ich für einen Blog-Artikel unterwegs bin. Mal sperren sie den Zugang zur Akerselva, dann hat das Elektroauto, das wir mieten wollten, einen Platten – aber diesmal…diesmal lief alles glatt. Die Straßenbahnlinie 19 brachte uns zur Haltestellte Sjømannskolen und damit direkt zum Haupteingang des Parks. Und nicht nur uns: Halb Oslo schien Lust auf Kunst und Natur zu haben – der Park war gerammelt voll. Das allein ist schon ein Sieg für Christian Ringnes, Immobilienmagnat, Kunstmäzen und Geldgeber des Parks. Fast 300 Millionen norwegische Kronen investierte der gebürtige Osloaner und wurde dafür scharf kritisiert. In einer Gesellschaft wie Norwegen, wo Gleichstellung eines der höchsten Ideale sein soll, werden große Finanzspenden einer einzelnen Person misstrauisch beäugt. Was wohl sein eigentliches Motiv wäre, einen derartigen Park zu ermöglichen, wurde er gefragt. – Er wolle seiner Heimatstadt ein Geschenk machen, lautete die Antwort.

Ist doch eine gute Antwort, reicht mir.

Wäre mir auch schniepsschnurzegal, was er für ein Motiv hätte – der Park ist nämlich grandios. Bergauf und bergab geht es in dem Waldgebiet, das zwischendurch immer wieder fantastische Blicke auf die Stadt und den Oslofjord bietet. Auf der Mappe des Parks sind die 31 Skulpturen verzeichnet, die es zu finden gibt. Gleich am Eingang begrüßt uns Dalis Venus de Milo aux Tiroirs und kurz danach erblicken wir die Venus Victrix von Auguste Renoir, der über Kunst sagte: „Warum sollte Kunst nicht schön sein? Es gibt genug Hässliches in der Welt.“ An einem Sandkasten entdecken wir eine kleine Statue, die ganz verloren inmitten der Menschenmassen wirkt. Reflections heißt die hübsche Statuette von Guy Buseyne und am liebsten nähme ich sie sofort mit.

Weiter geht der Weg den Berg hinauf, wir drehen uns um und werfen einen Blick über Oslo und den Fjord, weichen anderen Besuchern aus und sind, wie immer, geteilter Meinung über die Kunst, die sich uns in den Weg wirft. Ein bisschen erinnert mich der Park an den Laves-Kulturpfad in Holle, eben nur 10x so groß. Die Kombination von Natur und Kunst ist natürlich nicht neu, aber immer wieder schön. Im Gegensatz zum Frognerpark dominieren die Kunstwerke hier nicht, sie fügen sich ein in die Landschaft und überraschen. Angenehm, irgendwie.

Auf einer großen Lichtung angekommen, wundern wir uns über die Menschenmasse, die um eine Gruppe von Kiefern steht. Neugierig wandern wir näher und entdecken eine Skulptur. The couple schwingt dort oben in den Ästen. Noch scheint der Park nicht zum Programm der Touristenbusse zu gehören, denn um uns herum spricht alles Norwegisch. Weiter geht der Weg. Bergab passieren wir eine Laterne und Martin witzelt: „Ist das auch Kunst??“ – als wir plötzlich angesprochen werden. Von der Laterne. Wir bleiben irritiert stehen. Sie spricht weiter. Lachend hocken wir uns hin und lauschen am Laternenpfahl, an dem sich tatsächlich ein Lautsprecher befindet. Wir müssen ein interessantes Bild abgeben, andere Besucher beäugen uns verwirrt und ich winke fröhlich. Selber schuld, wenn sie nicht richtig hinhören. Was genau uns die Laterne erzählt, das haben wir nicht verstanden – das verschieben wir aufs nächste Mal.

Um 14h beobachten wir die Color Line, wie sie sich auf den Weg nach Kiel macht und beenden unsere erste Runde im Ekebergpark. Aber wir kommen wieder!

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Venus de Milo aux Tiroirs

Venus de Milo aux Tiroirs

Sarah Sze: Still life with Landscape

Sarah Sze: Still life with Landscape

Lichtung mit The Couple

Lichtung mit The Couple

Louise Bourgeois: The Couple

Louise Bourgeois: The Couple

George Cutts: The dance

George Cutts: The dance

Richard Hudson: Marilyn

Richard Hudson: Marilyn

Abfahrt Color Line

Blick vom Park auf Oslofjord und die Abfahrt der Color Line

Eingangsbereich mit La Grande Laveuse

Eingangsbereich mit La Grande Laveuse

Klang

Klang

Das war es schon für heute, meine lieben kunstbegeisterten Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Spaziergang und besucht den Park auch – das hat er nämlich verdient. Meine wöchentlichen Grüße gehen diese Woche an meine Eltern mit einem Hipphipphurrah zum heutigen Rosenhochzeitstag!!!! Außerdem Gratulation an die OPCW, die den Friedensnobelpreis 2013 erhält, wie das Nobelkomitee hier in Oslo heute erklärte. Was für eine Gratulationsmischung 🙂 Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, sucht mal nach Neuheiten in Eurer Stadt oder besucht einen Ort, an dem Ihr noch nie gewesen seid, habt Spaß und genießt den Herbst.

Ha det bra,

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Ulrike

Eine Flusswanderung entlang der Akerselva ODER Mit der U-Bahn nach Grönland…

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Was verfolgt man nicht alles im Leben? Man verfolgt hehre Ziele, schnöde Fußballspiele und hin und wieder die große Liebe. Ich habe einen Fluss verfolgt.

Im Team mit meiner Mutter.

Familiäres Wasser-Stalking sozusagen.

Es war ein großer Spaß.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. FALLS wir uns denn hier wieder treffen…Oder habt Ihr mir nach fast zweiwöchiger Abstinenz den Rücken zugedreht und lest stattdessen „Karibu sana – Mein Leben in Tansania“? – Nein, bestimmt nicht, schließlich ist das hier Euer Lieblingsblog und ich Eure Lieblingsbloggerin. Richtig? Los geht es also!

Flusswandern in Oslo

Wie es sich für eine anständige Hauptstadt gehört, hat Oslo einen eigenen Fluss. Nun kann sich die Akerselva nicht mit der Themse oder Seine messen, aber in Norwegen ist eh alles anders und so hat die Stadt eben einen Fluss, dessen gesamte Länge nur 8,2 Kilometer beträgt. Das tut der Liebe der Osloer aber keinen Abbruch. Eine Wanderung entlang der sprudelnden Lebensader stand schon seit Monaten auf  meiner To-do-Liste. Wie praktisch also, dass meine Mutter mit derselben Idee kam, angeregt ihrerseits von einem Buch mit Geschichten aus Oslo. Nun mussten wir nur noch überlegen, ob wir flussauf – oder flussabwärts wandern wollten. Vom Oslofjord zum Maridalsee oder umgekehrt? Schnickschnackschnuck…die Entscheidung war gefallen: Start unserer Wanderung sollte der Vaterlandspark nahe des Radisson Blu Hotels im Zentrum sein. Geplant, getan, an einem Freitagmorgen war es soweit. Akerselva, vi kommer!!!

Mit der U-Bahn nach Grönland….

Die Rucksäcke sind gepackt, Matpakke verstaut, Kameras aufgeladen und Blasenpflaster griffbereit. Ob des penetranten Bohrgetöses vor dem Kiwi-Supermarkt gegenüber lechze ich nach Ruhe und Natur. Nur weg hier! Frohgemut besteigen wir in Majorstuen die U-Bahn und juckeln bis nach Grönland.  Das liegt in Oslo direkt hinter dem Hauptbahnhof und hat weniger mit Inuits und ewigem Eis als mit Dönerständen und Multikulti zu tun. Vorbei am Goethe-Institut Norwegen wandern wir Richtung Vaterlandspark. Ein leises Gluckern dringt an unsere Ohren und: Da ist sie – die Akerselva!

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Schön ist sie, wie sie sich da so windet, vorbei an Baggern und Bauarbeitern, Kieshaufen und Zäunen. (Ich lasse jetzt mal eine extralange Denkpause, damit Ihr selber auf das folgende Problem kommt ………….) ZÄUNE??? Jawoll, große, metallene, unüberwindbare Zäune schmücken alle vier Zugänge zum Flussufer und stellen uns vor eine Frage: Und nun?

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Na das fängt ja gut an. Bauen die einfach hier so rum. Was soll denn das? WIR WOLLEN AM FLUSS WANDERN!!! – Interessiert niemanden. Wir gucken uns entschlossen an und beschließen den Zugang an einer anderen Stelle zu versuchen.

Leider haben wir keine Karte.

Ich höre Euch schon:  „Wie denn, was denn, auf eine Wanderung ohne Karte, was ist, wenn man sich verläuft?“ – Wir wollen an einem FLUSS wandern, wie groß sind die Chancen, dass man den verliert? Größer als man denkt. Dafür weiß ich jetzt aber, wo das Hauptbüro des Deutschen Roten Kreuzes in Norwegen liegt. Jaha! Über Nebenstraßen mit mangelndem Charme arbeiten wir uns weiter Richtung nächster Brücke, um erneut enttäuscht zu werden. Wieder versperren Zäune unseren Weg zum Fluss! Ja, ist denn das zu glauben? Oslo ist im Moment eine einzige riesige Baustelle, nirgendwo hat man Ruhe und ein Gerüst wird an einem Haus abgebaut, um am nächsten Tag in ganzer Schönheit am Haus daneben zu stehen. Es wird gebuddelt und gebaggert, geschliffen und gebohrt, gehämmert und gesägt von 7 Uhr morgens bis in den späten Abend. Und nun wird mir auch noch der Zugang zur Idylle von Baggern und Zäunen verweigert!

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…und zu Fuß weiter nach Kuba!

Auf der anderen Straßenseite endlich ein aussagekräftiges Schild: Die Stadt entschuldigt sich für alle Unannehmlichkeiten, aber der Wanderweg ist erst wieder in Kuba begehbar. Gut, wandern wir also nach Kuba. Ist ja nicht so weit. Ja, in Oslo kommt die Welt zusammen, eben waren wir noch in Grönland, nun sind auf dem Weg ins warme Kuba, an dem heute Studenten einen Papierflugzeugweitflugwettbewerb veranstalten und Kinder Enten füttern. Die idyllische Wiese im Stadtteil Grünerlokka hat ihren Namen übrigens aller Wahrscheinlichkeit nach von einem kubusförmigen Gebäude, das hier einst stand.

Und wirklich – hier in Kuba ist die Akerselva plötzlich frei begehbar und fordert uns sofort auf, ihr nahe zu kommen:

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Industriegeschichte in Oslo live und in Farbe

Tiefhängende Äste,  durch die das Sonnenlicht tanzt, locken uns auf den Weg. Endlich! Wie eine Diva hat sie sich angestellt, doch nun dürfen wir an ihrer Seite bis zur Quelle wandern. Eine Wanderung durch Natur, Kultur und Industriegeschichte der Stadt. Denn hier, wo heute Theater und Galerien, Restaurants und Ateliers sind, begann in Oslo vor über 150 Jahren die industrielle Revolution. In der Mitte des 19. Jahrhunderts explodierte die Textil- und Papierproduktion in Oslo und große Fabriken ließen sich am Fluss nieder. Vilhelm Dybwads textete zu dieser Zeit:

Akerselva, du gamle og grå,
Akerselva, deg holder jeg på.
Selv om Donau er aldri så blå,
kan i skjønnhet den aldri deg nå.
Slike farger visst aldri man så,
som hvor du munner ut på skrå
i den yndige duftende vrå
mellom Nyland og H.A.H.

Dybwad beschreibt die „niemals gesehenen Farben“ und die „reizenden Gerüche“ des Flusses zwischen den Fabriken Nyland und H.A.H. Tonnen von Chemie müssen damals in die Akerselva geleitet worden sein. Nach 150 Jahren konstanter Verschmutzung setzte sich in den 1980er Jahren eine Gruppe erfolgreich für die Reinigung und Renaturierung des Flusses ein. Gerade hatte sich die Akerselva erholt, geschah in November 2011 eine Katastrophe: 6000 Liter Chlor vernichteten alles Leben im Fluss. Oset, eine Firma für Wasserbehandlung am Trinkwassersee Maridalsvannet, war schuld an diesem Umweltdesaster. Der Fluss ist heute auf dem Weg der Erholung.

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Ein Tosen erreicht unsere Ohren und bald stehen wir vor dem größten der insgesamt 20 Wasserfälle entlang des Flusses, dem Wasserfall bei Mølla. Das Wasser rauscht an uns vorbei und springende Tropfen sorgen für angenehme Abkühlung. Wir beschließen, eine Pause zu machen und entdecken gleich neben dem Fluss ein wunderbares Café: Das Hønse-Lovisas-Haus beherbergte früher einen Sägemeister samt Familie und ist heute ein Kulturcafé mit Ausstellungen, Vorträgen, Kinderprogramm und köstlichen Waffeln! Wir sitzen auf den weißen Metallstühlen unter einem Baum und fühlen uns wie auf dem Land. Ein wunderbarer Platz mitten in Oslo.

Rein in die und raus mit der Natur!

Weiter geht der Weg vorbei an Industriebauten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, die restauriert und umgebaut heute Künstlern, Architekten und dem NRK als Arbeitsstätte dienen. Wir sind begeistert und knipsen unsere Kameras müde.

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Und plötzlich liegt die Stadt hinter uns. Gerade waren wir noch im Neubaugebiet Nydalen, das den Fluss in moderne Form gepackt und ins Stadtbild integriert hat, wanderten über den Hof der Kunstschule, bogen rechts ab und da….Natur pur. Die Wege werden breiter, die Akerselva wird ruhiger und unserem Wanderführer zufolge könnten wir ab jetzt mit Wasserfledermäusen rechnen. Stattdessen bietet sich uns ein anderes Naturschauspiel: Zwei Männer im Rentenalter, erschöpft vom Lauftraining, entledigen sich ihrer Kleidung und steigen in den Fluss. Meine Mutter vermutet langsam ein System, ist es doch ihre zweite Begegnung mit freihängender norwegischer Männlichkeit. Die erste war direkt nach der Ankunft kurz vor unserem Haus. Ich betone erneut, dass ich mit dem nackten jungen Mann in Lederstiefeln nichts zu tun hatte! Gerüchten zufolge war es eine Wahlwerbung der rechten Partei und kein Begrüßungskomitee der anderen Art für meine Mutter.

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Wir wandern nonchalant an den nackten Wahrheiten gen Norden. Kein Stadtgeräusch ist zu hören, hier und da begegnen uns Spaziergänger auf dem steinigen Weg. Wir halten die Hand in den Fluss und genießen die Ruhe. Idyllisch ist es hier und noch während wir das denken, biegen wir um eine Kurve und da liegt er: Maridalsvannet, der größte See Oslos. Ein gewaltiger Anblick. Und unter einer Brücke liegt die Geburtsstätte der Akerselva, dem Fluss, den wir nun nicht auf 8,2 Kilometer, aber auf einer langen Strecke gefolgt sind.

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Nach mehreren Fotos kehren wir um, werfen noch einen Blick auf das naheliegende Norsk Teknisk Museum und steigen in den Bus 25, der uns direkt bis nach Majorstuen bringt. Mit der U-Bahn nach Grönland, zu Fuß weiter nach Kuba und am Ende mit dem Bus nach Hause. Schön war es.

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Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserer Wanderung, wir hatten es auf jeden Fall und ich schicke gleich mal meine wöchentlichen Grüße an meine Mutter. Schön hatten wir es! Hier in Norwegen wird es am Montag spannend: Es wird gewählt und anders als in Deutschland scheint sich ein Regierungswechsel anzukündigen. AP-Chef und Ministerpräsident Jens Stoltenberg wird also vielleicht demnächst sein Amt an Høyre-Chefin Erna Solberg übergeben. Wer mit wem regieren will und wird scheint noch völlig offen, nur eine große Koalition scheint fraglich. Warten wir es ab. Ich werde weder hier wählen (weil ich nicht darf), noch in Deutschland (weil ich nicht will) und gehe somit völlig wahllos in den Herbst.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, genießt den kommenden Herbst oder den späten Sommer und lasst es Euch gut gehen!

Ha det bra,

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(Idylle am Honse-Lovisas Hus)

Ulrike

Oslo – Die Stadt der Verlierer oder Hilfe, wo ist mein Handtuch?

@Kristen Nicole

@Kristen Nicole

Bjarne, der graue Kater, guckt mich von jedem zweiten Baumstamm in unserer Nachbarschaft an. Er ist 13 Jahre alt, lese ich, spielt gerne, mag es zu kuscheln…und ist seit sechs Tagen nicht mehr nach Hause gekommen. Schon wieder eine Katze verschwunden – was ist nur los in dieser Stadt?

Hallo meine lieben Leser! Schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich weiß nicht, was schief läuft in Oslo. In keiner anderen Stadt habe ich bisher so viele Vermisstenanzeigen gelesen. Die Leute verlieren hier alles: Hunde, Katzen, Vögel, Schlüssel und vor kurzem hat im Frognerpark jemand sein Handtuch verloren und per Handzettel gesucht.

Mal ehrlich, ein Handtuch? Wer weiß, wo das war in der Zwischenzeit.

Nein, danke. Schüttel.

Dank moderner Technik kann eine Handzettelsuchaktion professionell wirken. Statt wie früher per Hand ein Stück Papier zu bekritzeln und an den nächsten Baum zu kleben, wird heute alles genutzt, was die Technik so bietet. Der Zettel, mit dem Bjarne gesucht wird, ist ein Farbdruck und bietet neben einem hochaufgelösten Foto und einer Telefonnummerabreißreihe auch mehrere Email-Adressen und einen QR-Code. Q what??? Ihr wisst schon, diese schwarz-weißen Quadrate, die durch ein Wunder der Technik Informationen speichern.

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Wer kann es lesen?

Ich bekomme immer Magenschmerzen, wenn ich Vermisstenanzeigen von Tieren lese, weil ich mir sofort ausmale, wie die unglücklichen Menschen zu Hause sitzen und auf die Rückkehr ihres felligen Familienmitglieds warten. Noch schlimmer ist aber die Vorstellung, dass irgendwo ein verletztes Tier liegt und nicht nach Hause kann. Und da in unserem Stadtteil andauernd Tiere verschwinden, ich also ständig an Magenschmerzen leide, frage ich mich doch zuerst: Wo ist meine Wärmflasche? Und dann: Was ist denn hier los? Liegt eine Energie über dem Stadtteil, die sich negativ auf das Mensch-Tier-Verhältnis auswirkt? Oder tendieren die Menschen in Majorstuen und Frogner dazu, sich besonders freiheitsliebende Vierbeiner anzuschaffen? Oder liegt es an ganz anderen Gründen?

Spielen wir die Möglichkeiten durch:

  • Schlechte Energie?

Blödsinn. Märtha Louises Engelschule liegt in Frogner, wir sind versorgt.

  • Freiheitsdrang?

Ok. Vielleicht. Aber warum sind die Vierbeiner so freiheitssuchend? Ist das genetisch veranlagt oder gefällt es ihnen einfach nicht da, wo sie leben? Eigentlich sind Tiere doch ganz pflegeleicht: Fressen und Aufmerksamkeit und schon ist alles gut. An ausreichender Ernährung mangelt es bestimmt nicht, aber vielleicht an Aufmerksamkeit? Tja, da würde ich auch meinen Napf packen und gehen. Knallhart. Und tschüß. Blöd ist, wenn zu einem anfänglichen Freiheitsdrang schlechte Orientierungsfähigkeiten kommen. Stellen wir uns vor, dass ein vernachlässigter Kater eines Tages entscheidet: So nicht, nicht mir mir, ich gehe! Natürlich nicht ernsthaft, weil, hey, es gibt jeden Tag zwei Mahlzeiten und manchmal wird gekuschelt und eigentlich will er nur mal zeigen, was wäre wenn….und plötzlich steht er dann in der Fremde und denkt:

Mist. Wo bin ich denn jetzt?

  • Aliens?

Verstricken wir uns nicht in lange Diskussionen, ob es sie gibt oder nicht. Fragen wir uns lieber: Was wollen Aliens in Oslo? Die Familie besuchen? Norweger wirken auf Ausländer oft fremdartig und vielleicht sind sie tatsächlich die Brücke zwischen uns und E.T.. Aber das erklärt nicht, warum Aliens hier in Frogner landen und dann ausgerechnet die Katze meines Nachbarn verschleppen. Oder brauchten sie etwa Mittages….darüber will ich gar nicht nachdenken!!!!!!!!!!! Oh nein, wie schrecklich. Dabei gibt es zwei Supermärkte in der Nähe, da hätten sie doch….

@AlienProductions/WarnerBrosTelevision

@AlienProductions/WarnerBrosTelevision

Ich merke schon, ich komme nicht weiter in meinen Überlegungen. Im Gegenteil, es wird immer verwirrender. Statt hier über Aliens zu schwafeln, gebe ich lieber handfeste Tipps: Solltet Ihr einmal nach Oslo kommen und etwas verlieren, sei es nun ein Handtuch oder ein Haustier, dann wendet Euch vertrauensvoll an diese Stellen:

  • Hittegodskontor: Fundbüros haben sowohl die Polizei in Oslo als auch die Transportunternehmen Ruter (T-bane, Bus, Straßenbahn) und NSB (Züge). Das der Polizei ist am Grønlandsleiret 44, Ruter hat sein Fundbüro am Bahnhof Nationaltheater und alle Dinge, die in Zügen vergessen wurden, finden sich im hittegodskontor am Hauptbahnhof Oslo S.
  • FOD:  Foreningen for omplassering av dyr ist der etwas sperrige Name des lokalen Tierheims am Enebakkveien. Die erste und beste Anlaufstelle für verlorene Tiere.
  • Astarte Inspiration: In der Riddervoldtsgate 9 gibt Prinzessin Märtha Louise Kurse, damit Menschen ihrem persönlichen Engel begegnen. Vielleicht findet der ja dann das verschwundene Handtuch.

Wer sucht, der findet heißt es. Im Fall Bjarne scheint sich etwas getan zu haben, denn seit gestern sind alle Handzettel samt QR-Code von Bäumen und Straßenlaternen verschwunden. Ja und nun? Was ist denn das für eine Sache? Da fiebere ich mit und bekomme Magenschmerzen und dann verschwinden die Zettel sang- und klanglos und ich kann mir allein Gedanken machen: Sprang Bjarne eines Abends vollgefressen und befriedigt zurück auf den häuslichen Balkon, putzte sich ausgiebig und verstand die ganze Aufregung nicht? Öffnete ein Nachbar nach seinem mehrtägigen Angeltrip die Garage und hinaus wankte der bedröppelte Kater seiner Nachbarin, den er sofort nach Hause und in die Arme seines Menschen packte? Oder rief das Tierheim an und vermeldete, dass im Nachtbus ein orientierungsloser Kater ohne Ticket aufgegriffen wurde?

Ich habe keine Ahnung.

Aber ich glaube an ein Happy-End.

Ganz, ganz fest.

Das war es für heute, meine lieben Leser. Falls jemand von Euch eine Erklärung hat, warum gerade in Oslo so viele Tiere verschwinden, freue ich mich über einen Kommentar. Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an alle, die gerade im Krankenhaus liegen. Haltet die Ohren steif und die Stimmung hoch! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, verliert Eure gute Laune nicht und genießt den restlichen Sommer.

Ha det,

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Ulrike

Oslo Ghost Walk ODER Ich weiß jetzt, wo die leichten Mädchen stehen

Am Mittwochabend waren wir unglaublich mutig. Wir haben im Kafe Celsius am Christianiatorv gegessen. Und das war nicht deshalb mutig, weil das Essen dort von zweifelhafter Qualität wäre oder die Bedienung miserabel – oh nein. Das war unglaublich mutig, weil…es dort spukt!

Ein schauriges Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Heute wird es gruselig im Blog, denn ich habe am Mittwoch mit Martin, Eva und Stephan am Oslo Ghost Walk teilgenommen und kann nun nicht nur berichten, in welchem Haus in Oslo es spukt. Oh nein.

Ich weiß auch, wo die Nutten stehen.

Jaha. Das sind doch mal Infos, das muss man doch wissen, das lohnt sich bestimmt nochmal.

Zurück zum Ghost Walk.

In den letzten Wochen habe ich die Krimistadtführung von Freund Ben ins Englische übersetzt und war neugierig, ob es eine derartige Führung auch in Oslo gibt. Krimi gab’s nicht – aber Geister gibt es. Nun ist das strahlende Sommerwetter nicht ideal für eine Gruseltour („Hier in diesem Teil des Gartens – wo gerade Blumen blühen und Vögel zwitschern – hier spuuukt es gaaaanz gewaltig!“ – „Tirilii, tirilliiiii!“), aber anscheinend werden die Touren auf Englisch nur im Sommer angeboten, also hin da.

Bei 22° und strahlendem Sonnenschein treffen wir am Christianiatorv, einem Platz in der Nähe von Aker Brygge, auf Karianne, unseren Guide. Trotz ihres schwarzen Samtumhangs sieht sie wenig gruselig aus, aber wehe, wenn sie losgelassen! Aus der sympathischen blonden Frau strömen Schreckensgeschichten von Exekutionen, Galgen und einem Henker, der nach seinem Tod sein altes Terrain nicht verlassen wollte und dort nun weiterhin wohnt. In transparenter Rauchform. Direkt am Christianiatorv, im heutigen Kafe Celsius. Mitleidig betrachte ich die Gäste auf der Terrasse, die sich völlig ahnungslos der Gefahr aussetzen und vielleicht statt des Nachtischs eine paranormale Erscheinung haben werden. Aber bitte mit Sahne!

Wie die Menschen heutzutage am Christianiatorv in den Restaurants und Biergärten säßen, erzählt Karianne gutgelaunt, so wären sie vor vielen hundert Jahren auf den Platz geströmt, um zu picknicken und die gebotene Unterhaltung zu genießen: Exekutionen. Ja, damals wusste man noch zu feiern.

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Mit gemischten Gefühlen wandere ich über den Platz und folge der Gruppe zum alten Rathaus, dem Gamle Radhus, in dessen Keller früher Kerker waren. Deren unglückliche Bewohner rächen sich bis heute an allen, die ihre Gemächer betreten. Och schade, in dem heutigen Restaurant hätte ich gern mal gegessen. Aber wenn einem dann ein Geist die eiskalte Hand auf die Schulter legt? Dann doch lieber drüben im Irish Pub Dubliner in der Küche arbeiten: Dort lebt anscheinend ein wahrer Don Juan unter den Geistern, der weiblichen Angestellten in der Küche gerne mal an ihr Hinterteil fasst. Ob man einem Geist eine Ohrfeige geben kann?

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Karianne erzählt wunderbar witzig, ihre Augen rollen und der lange Vorhang fliegt nur so bei der einen oder anderen Geschichte. Auf dem Weg zum Bankplatz wundern wir uns über die Frauen, die verteilt am Bürgersteig stehen. Aber meine Aufmerksamkeit ist zu sehr von Geistern gefesselt, um wirklich darauf zu achten. In schönstem Sonnenschein erreichen wir Akershus Festung und nach Kariannes Aussagen spukt es hier an jeder Ecke. Wir sollten uns aber nicht sorgen, denn seit der Brücke, die wir überquert hätten, wären wir in Begleitung unseres Schutzgeistes.

Ach, guck.

Wie nett.

Ich gucke mich vorsichtig um, aber…

…da unten stehen auch so viele Frauen. HIER stehen die Nutten von Oslo? Ich würde gern Karianne befragen, die aber nicht wirkt, als könne sie auf eine derartige Frage Auskunft erteilen. Eva kommentiert trocken, das wäre wie in Nürnberg, da ständen die Damen auch an der Burg.

Ist das nicht toll, was Ihr hier lernt?

WIR lernen auf dem weiteren Weg, dass es in einer der wunderschönsten Ecke auf der Festung von Akershus ganz fürchterlich spukt. Nämlich hier:

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Habt Ihr schon Angst? Jaja, Ihr denkt bestimmt, wie hübsch es hier ist und kuschelig. Denkt nochmal: Hier geht „malus canis“ um – der böse Hund. (Ich hoffe, das stimmt jetzt so, Lateiner vor!) Irgendwann im Mittelalter sollten irgendwelche Götter gebauchpinselt werden, um Oslo vor dem Angriff der Schweden zu schützen. Ein Opfer musste her und da menschliche Freiwillige nicht Schlange standen, griff man sich einen ahnungslosen Hund und mauerte ihn lebendig ein.

Das fand der nun nicht so toll. Nachdem alles Kratzen und Jaulen vergeblich war, hauchte das arme Tier seinen letzten Atem und verstarb. Und dann ging es los. Als rotäugiger Riesenhund mit langen Krallen jagt er seitdem durch die Festung auf der Suche nach Rache. Wer von dem Monster gebissen wird, stirbt innerhalb von drei Monaten an einem schrecklichen Unfall. Ich bin dann mal schnell weiter, drei Monate wäre jetzt doof, wir haben gerade unseren Oktobertrip nach London gebucht.

Noch weitere Schauergeschichten strömen aus Karianne, die mittlerweile zum begehrten Fotoobjekt japanischer Touristen mutiert ist. Ich beschließe, die Festung in den Abend- und Nachtstunden von jetzt ab zu meiden und sehe Blut, Galgen und Geister an jeder Ecke des gewaltigen Mauerwerks. Gut, dass die Sonne scheint. Auf dem Weg zu unserem finalen Besichtigungspunkt klärt sich die Frage nach den Damen am Rinnstein auf: Die dünnste und blondeste der anwesenden Frauen steigt nach kurzer Diskussion und einigen Augenaufschläge in den VW eines älteren Herren, dem wohl nicht nur die Vorfreude im Gesicht steht. Auf einer Bank am Platz sitzt eine dunkelhaarige Schönheit erschöpft nach getaner Arbeit und wir diskutieren kurz die Anforderungen des Gewerbes.

Also nicht sie und ich.

Eva und ich.

Wissen wir das nun also auch und hören uns die letzte Geschichte von Karianne an, die mich für einige Zeit davon abhalten wird, Tiefgaragen zu betreten. Sogar die Ghostbuster hätten sich dort nicht hineingetraut! Ich sage nur so viel: Kommt nach Oslo, aber übernachtet nicht im First Hotel Grims. Hui-Buh!!!!!!

Nach knapp zwei Stunden ist unsere Tour zu Ende, ein toller Spaß war es! Nun haben wir vor allem eines: Hunger und Durst. Wohin, wohin? Wir wandern zurück Richtung Christianiatorv, als unser Blick auf das gelbe Haus an der Ecke fällt. Das Henkerhaus. Das Haus, in dem Lichter wie von Geisterhand an- und ausgehen, Kassen durch die Luft fliegen und Kellnerinnen erschreckt werden.

Oh lecker, die haben hier Fischsuppe!

Entschlossen blicken wir vier uns an. Who ya gonna call?

Und gehen hinein.

Auf dem Innenhof findet sich noch ein Tisch, nahe am Eingang und so werden wir unmittelbar Zeuge, wie eine Kellnerin stolpert und ihr Messer auf den Boden fällt!!!

Hui-buh!!!!!!

Ja, mehr ist dann nicht passiert. Das Essen war lecker (leider nicht für Martin, denn unser Bruscetta schwamm in Balsamico-Essig 😦 ), der Abend mild und kein Geist wagt sich in unsere Nähe. Gut, das nächste Mal gehen wir im Gamle Radhus essen, vielleicht passiert da was. Wer zweifelt, dem erscheinen sie, meinte Karianne. Warten wir es ab!

Das war es für heute meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet schaurigen Spaß an unserer Tour, guckt doch mal, ob es so eine Führung in Eurer Stadt nicht auch gibt. Plötzlich sieht man Häuser, an denen man immer achtlos vorbeiging, in ganz neuem Licht! Ich werde diesen Text jetzt gleich ins Englische übersetzten, denn eine meiner kanadischen Freundinnen und ich haben uns bei facebook wieder getroffen. Sharon ist ein Fan von Spukgeschichten und hat bestimmt viel Spaß an diesem Artikel. Damit gehen meine wöchentlichen Grüße auch nach Victoria, BC, Kanada zu Sharon: Schön, dass wir wieder Kontakt haben!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, genießt die Ferien, kommt gut ans Ziel und erzählt mir, ob Ihr an Geister glaubt oder vielleicht schon mal welche gesehen habt???

Ha det bra,

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„Who ya gonna call?“

Ulrike

Ich bin keine nationale Bedrohung, ehrlich! ODER Ein Besuch im Storting

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Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier treffen. Fast wäre daraus nichts geworden. Fast hätte ich den Nachmittag im Sicherheitsbereich des norwegischen Parlaments verbracht, wo man mich, meine politische Einstellung und meine generelle psychologische Verfassung getestet hätte.

Warum?

Aus kompletter Schusseligkeit bin ich zur Besichtigung des norwegischen Parlaments mit einem Taschenmesser in der Handtasche gegangen. Das fanden die beiden Wachmänner bei der Sicherheitskontrolle…sagen wir…ungewöhnlich.

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Aber beginnen wir am Anfang. – Es gibt Donnerstagabende, an denen ich keine Idee für den Blog am Freitag habe. Manche Wochen sind spannend, andere sind auch schön, aber eher…normal. Diese Woche beispielsweise: Wochenende in Hamburg (gehört nicht in Blog über Norwegen), ab Dienstag gearbeitet und Artikel geschrieben über Paris, sehr netten Kaffeebesuch gehabt, Essen gegangen und gestern mit meiner jüngsten Freundin rosafarbene Lilifee-Muffins gebacken.

Schön, aber nichts davon war wirklich für den Blog zu verwenden.

Ratlos saß ich also gestern Abend am Laptop. Ein Blick auf die Internetseite von VisitOslo brachte die Lösung für mein Themen-Dilemma:

Freitag, 10 Uhr, englische Führung durch das norwegische Parlament.

Bingo!!!

Reservierung war nicht möglich, Interessierten wurde geraten, sich 15 Minuten vorher am Eingang an der Akersgata einzufinden. Maximale Gruppengröße: 30. Nun ist Oslo im Juli überrannt von Touristen, die Kreuzfahrtschiffe geben sich die Anker in die Hand, die Reisebusse verstopfen die Straßen und so beschloss ich,  schon 30 Minuten früher am Parlament zu sein, um mir einen Führungsplatz (Wortspiel!) zu sichern.

Als ich um Punkt 9.30 siegessicher um die Ecke biege, stehen dort bereits 10 Leute.

Ist doch nicht wahr, wann waren die denn hier? Streber!!!

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Ich lasse meinen Blick schweifen und meine Ohren kreisen, um die Nationalität meiner Führungskollegen zu erraten: Die beiden Frauen mit Kameras vor der Brust, Turnschuhen an den Füßen und ziemlich viel Masse dazwischen – eindeutig US-Amerikanerinnen.  Die jüngere, dunkelhaarige Frau dahinter, die sich abseits der Gruppe hält…hm…groß, dunkler Teint, europäische Kleidung…Spanien? Frankreich? Europa auf jeden Fall.

Der junge Typ, der neben mir an einem Baum lehnt ist eindeutig Deutscher. Außerdem Akademiker; hat wahrscheinlich Philosophie studiert. Der blondierte Feger mit Kurzärmelhemdmann im Schlepptau: Osteuropa. Die beiden Herren mit Basecap, Wanderschuhen und Costa-Reiserucksack: Amerikaner. Das junge Paar bestehend aus rothaarigem Er und kleiner, dunkelhaariger Sie…..hm….Iren? Italiener (sie sieht italienisch aus…)? NEE! Auch Amerikaner, gerade fangen sie an zu reden und zwar in breitestem Texas-Akzent. Witzig. Mal sehen, ob ich die Nationalität von allen herausfinde. Bei dem Deutschen bin ich mir sicher. Hundert Prozent. Fehlt nur noch die Jack-Wolfskin-Hose.

Die Tür des Parlaments öffnet sich und ein Sicherheitsbeamter bittet uns herein. Holla, macht der auch die Führung?

Nein, antwortet er, die mache sein Kollege. Mit schwindendem Interesse blicke ich auf den geschniegelten Abiturienten in zu großer Jacke, der an der Wand lehnt. Nun aber erstmal durch die Sicherheitskontrolle. Sieht aus wie beim Flughafen, funktioniert genauso und auf Waffenfunde in Damenhandtaschen wird hier ebenso reagiert wie am Flughafen: Mit Interesse. Und fragend hochgezogenen Augenbrauen. Bevor sie auch nur ein Wort sagen können, legte ich los: Ehrlich, es ist ein Versehen. Ich habe immer ein Taschenmesser dabei, man weiß ja nie was so kommt und diese Handtasche habe ich seit ein paar Tagen auch immer dabei, die passt farblich so gut zu meiner…ist egal… irgendwie habe ich es eben vergessen und wirklich, glaub mir, es steckt nichts dahinter,  ich würde doch niemals…ich bin ganz harmlos und darf ich zum Schluss noch sagen….Ja, jeg elsker dette landet!

Das hat dann auch die norwegischen Sicherheitskräfte überzeugt, die mit immer größer werdenden Augen meiner gestammelten Entschuldigung zuhören und sich wahrscheinlich die Frage stellen, ob mein Mundwerk nicht die viel größere Waffe ist und weggesperrt werden sollte. Ich schweig stille und gehe zur Garderobe. Tasche und Jacke werden unter den kritischen Blicken meiner Führungskollegen verstaut. Auweia, die lassen mich nicht mitspielen. Ich werfe ein Lächeln in die Runde und zucke entschuldigend mit den Achseln. Der gutaussehende Wachmann gesellt sich zu uns.

Und bleibt in meiner Nähe, während der gesamten Führung.

Das macht der bestimmt immer.

Doch, doch.

Ich ignoriere ihn und konzentriere mich stattdessen auf den bebrillten Abiturienten, der, als warm geworden, richtig witzig ist: Um den ersten norwegischen König zu finden, erzählt er, sei eine Gesandtschaft nach Schweden gereist „on the search of some unemployed princes who wanted to be king of Norway“. Brüller! Offensichtlich gab es keinen arbeitslosen Prinz in Schweden, erst in Dänemark fand sich einer, der Zeit und Lust hatte und 1905 König Haakon wurde. Heute heißt das Landesoberhaupt König Harald, das wissen wir alle, was aber vielleicht nicht alle wissen:  Er ist der erste König, der tatsächlich in Norwegen geboren wurde. Sein Vater, König Olav, erblickte 1903 als dänischer Prinz das Licht der Welt in England. Jawoll. Habe ich so aufgeschrieben, muss stimmen.

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Weiter geht es durch die Backsteinflure des Parlaments, das mich in seiner Schlichtheit und Größe an die Stadtverwaltung in Castrop-Brauxel erinnert. Es hätte damals kein Geld zum Bauen gegeben, antwortet unser namenloser Führer auf meine Frage. Ja, im Vergleich zu anderen Parlamenten wäre das Storting eher klein.  Wie es denn in unseren Heimatländern so aussähe, fragt er in die Runde.

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Ja, der Reichstag in Berlin ist schon viel größer, antwortet der Philosoph ohne Jack Wolfskin-Hose. HA! Hab ich doch gesagt, dass der Deutscher ist! 1:0 für Ulrike! Das Weiße Haus sei auch größer, nicken die beiden Damen mit den Kameras vor der Brust und werden von ihren Landsleuten für den politischen faux pas getadelt.  Bis auf das irisch-italienische Paar hatte ich die Amerikaner also richtig einsortiert. 5:2. Die Dunkelhaarige schweigt und der blonde Feger hat die Frage anscheinend verpasst, während ihr Kurzärmelmann sie fotografierte. Euch kriege ich auch noch. Ich könnte ja einfach fragen, aber das finde ich langweilig.

Über einen weiteren Flur erreichen wir den Plenarsaal – kein Wunder, dass sie kein Geld hatten, das Gebäude größer zu bauen, denke ich, als ich die Goldverzierungen and roten Lederstühle sehe. Wer kann denn hier politisch diskutieren?

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Die Norweger anscheinend und zwar in einer weltweit fast einzigartigen Konstellation: Die Mitglieder des Parlaments sitzen nicht in Fraktionen zusammen, sondern nach Heimatprovinzen geordnet.  Alle Sitzungen sind offen für Publikum, nur einer darf nie anwesend sein: Der König. Die norwegische Verfassung verbietet dem Staatsoberhaupt den Zugang ausdrücklich. Entstanden ist diese harsche Regel in 1814, als Norwegen vom schwedischen König regiert wurde; das Verbot der Teilnahme an parlamentarischen Sitzungen sollte eine gewisse Eigenständigkeit Norwegens bewirken. Bis heute ist es übrigens auch üblich, dass die norwegische Königsfamilie bei den Regierungswahlen nicht wählt.  Es wäre der Verfassung nach erlaubt, aber sie machen es trotzdem nicht.

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Sitz des Abgeordneten aus der Provinz Nord-Trondelag

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Noch ein Foto im rotgoldenen Sitzungssaal und aus dem Fenster über die Karl Johans Gate und weiter geht es. Während ich überlege, ob ich die dunkelhaarige Frau anspreche und einfach frage, woher sie kommt, verpasse ich fast den feministischen Teil der Führung. Wir stoppen vor dem Gemälde einer Frau, die Professor McGonagall aus der Harry Potter-Serie wie eine liebliche Babysitterin erscheinen lässt.

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Obwohl das offizielle Frauenwahlrecht erst 1913 in Norwegen eingeführt wurde, durften ab 1907 bereits Norwegerinnen wählen,  die über ausreichend Grundvermögen verfügten und Steuern zahlten. Anna Rogstad, Pädagogin, Frauenrechtsaktivistin und Mitglied der Frisinnende Venstre, einer linksliberalen Partei, erregte 1911 großes Aufsehen als erstes weibliches Mitglied des Parlaments. Auf der Besuchergalerie war bei ihrer ersten Teilnahme im Parlament kein einziger Platz mehr zu finden und die Menschen drängten sich vor dem Parlamentsgebäude. Zwei Jahre später erhielten alle Norwegerinnen volles Wahlrecht. Heute sind 40% der Mitglieder des Parlaments weiblich.

Knips. (Ich überlege kurz, DOCH bei der Bundestagswahl zu wählen.)

Nach einem kurzen Besuch in der ehemaligen „zweiten Kammer“ des Parlaments (das Einkammersystem wurde 2009 eingeführt) wandern wir über die gewaltige Treppe wieder zurück in den Eingangsbereich des Gebäudes.

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Es kommt zur Wiedervereinigung von Garderobe und Besitzern, ich nehme meine taschenmesserverseuchte Handtasche an mich und sehe im Rausgehen noch, wie sich die Dunkelhaarige den Prospekt über das Parlament in Französisch nimmt. Ha! FAST richtig. Dafür gibt es trotzdem einen Punkt. Wo sind denn der blonde Feger und Kurzärmel so schnell hin? Von denen weiß ich noch gar nicht, ob sie wirklich aus Osteuropa kommen! Ich hechte zur Ausgangstür, errege wahrscheinlich erneut die Aufmerksamkeit der Wachleute, blicke nach rechts und links und sehe, wie die beiden in ein Taxi verschwinden. Ob ich…..?

Nein, die Sicherheitsleute wären bestimmt sofort hinter mir her. Und mit denen hatte ich heute wirklich schon genug Kontakt. Bleibe ich also dabei, dass es Osteuropäer waren und gebe mir noch einen Punkt.  8:2 steht es für mich. Ich kaufe mir zur Belohnung einen Kaffee und schlendere mit dem Messer in der Tasche wohlgemut und sicherheitsbewusst nach Hause.

Wo ich nun sitze und diesen Blog für Euch schreibe, meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserer Besichtigung und damit einen guten Start ins Wochenende. Meine Grüße gehen diese Woche an meine Schwägerin Gitti mit ganz, ganz lieben Wünschen..aber OHNE „Knuddeln“ :).

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, lasst es Euch gut gehen, genießt die Ferien und den Urlaub, schreibt mir eine Postkarte und kontrolliert immer, was Ihr so in den Taschen habt!

Ha det bra,

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Ulrike

Ein Souvenir aus Norwegen ODER Von Waschbärmützen, Strickpullovern und Käsehobeln

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Schon wieder der 24. Mai. Wahnsinn…..

24.???

DER VIERUNDZWANZIGSTE???

Das heißt…lass mich kurz rechnen…Mai, Juni, Juli….

In sieben Monaten ist Heiligabend!!! – Ich habe noch gar keine Geschenke!

Hallo aus Oslo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns endlich wieder treffen! Fast vier Wochen liegt der letzte Blog zurück, so eine lange Pause hatten wir ja noch nie. Unverzeihlich! Ich hoffe, es ist überhaupt jemand da, der diesen Blog jetzt liest!

Hallo?

HALLOO?????

SEID IHR DA?????????

Ich war in Deutschland und ich sage Euch: Schön war es mal wieder. Angefangen mit einer gemütlichen Fährfahrt, die uns aus dem eisigen Griff Norwegens in die fast subtropischen Temperaturen Kiels gebracht hat; weiter mit dem Wiedersehen von lieben Zwei – und Vierbeinern; dann ein kräftezehrender und mutlosmachender 10km-Lauf in Hannover mit fantastischem Unterstützungsteam; selbstgemachten Geschenken für den nächsten Winter in Norwegen; köstlichem Spargel und Sherlock Holmes; Tierparkbesuch und lukullischem Zeltabenteuer mit Lagerfeuer und super Laune und schließlich die gemütliche Fährfahrt zurück ins mittlerweile grünblühende Oslo. Danke Euch allen für eine tolle Zeit!

Nun aber zurück zur Arbeit!

Wir sind doch nicht zum Spaß hier heute, oben habe ich ein aktuell bestehendes Problem beschrieben:

Nur noch sieben Monate bis Weihnachten, was soll ich schenken?

Wenn man wie wir in einem fernen, fernen, fernen Land wohnt, bietet es sich immer an, landestypische Produkte zu verschenken. Weniger an die Freunde vor Ort, das wäre wohl ein bisschen überflüssig: „Oh, toll, ein Tasche mit norwegischer Flagge. Tu‘ ich mal zu den anderen.“, als natürlich mehr für Freunde und Familie in den heimatlichen Gefilden.

(Gefilden ist ein lustiges Wort, oder? So schön alt. Ich lese gerade zum x-ten Mal „Die unendliche Geschichte“ und das Buch ist voll von schönen, gutschmeckenden, alten Wörtern und Beschreibungen. Ich rate dringend allen, die das Buch noch nie gelesen haben, das umgehend nachzuholen. Dringend! – STOP! – Also natürlich erst hier den Blog zu Ende lesen, ja? … also mal ehrlich… Der Begriff Gefilde stammt übrigens vom althochdeutschen gifildi und bedeutet: Die Gesamtheit der Felder. Toll, oder? Und hat sich bis heute irgendwie erhalten.)

Souvenirs aus Norwegen ist also das Thema des Blogs und da stellt sich natürlich die Frage: Was schenkt man wem und warum? Ich bin gestern in Oslo unterwegs gewesen und habe eine kleine Auswahl möglicher und unmöglicher Landesgeschenke zusammengestellt. Diese lassen sich thematisch untergliedern – jawoll – und zwar wie folgt:

  1. Souvenir mit norwegischer Flagge
  2. Souvenir mit dem Schriftzug „Norge“, „Norway“, „Norwegen“, oder „Norvège“, gern auch in Chinesisch oder Arabisch.
  3. Souvenir mit Flagge UND Schriftzug für liebe beschenkte Mitmenschen, die die Flagge nicht erkennen.
  4. Souvenir mit Schriftzug „Oslo“ uni-lingual (ist das ein Wort? …moment…google…google…AHA! Naja, ok. Passt schon irgendwie)
  5. Souvenir mit Schriftzug „Oslo“ und der norwegischen Flagge. Dies zur Sicherheit für die geografisch unsicheren Mitmenschen, denen man ersparen möchte bei Empfang des Geschenks zu sagen: „Oslo, toll! Nach Schweden wollte ich schon immer mal…“
  6. Königliche Souvenirs
  7. Souvenir mit norwegischen Sehenswürdigkeiten.
  8. Souvenir mit Elch.
  9. Souvenir mit Troll.
  10. Souvenir mit zwei Elchen.
  11. Souvenir mit zwei Trollen.
  12. Souvenir mit drei…….

(Das könnte jetzt endlos so weitergehen, aber mir wird schon ganz schwummerig vom vielen „Souvenir“-tippen, also kürze ich das, Euer Einverständnis vorausgesetzt, mal ab.)

In diesen zwölf…meine Güte…ZWÖLF! Kategorien gibt es dann eine massige Auswahl an Produkten. Dem unentschlossenen Geschenkesucher bieten sich: Tassen und Teller, Becher und Gläser, Mützen, T-Shirts, Sweatshirts, Unterhosen und Socken, Taschen und Beutel, Gabel, Messer, Licht, Tischsets und Kerzenleuchter, Fingerhüte und Handytaschen, Kugelschreiber, Frisbeescheiben, Angelruten, Mondraketen, Düsenflugzeuge…

Gut, ich übertreibe. Zusammengefasst:

Eine Menge Schrott.

Schrott im positivsten aller Sinne. Schrott zärtlich gemeint. Doch, ehrlich, ich habe auch schon vieles davon gekauft, einfach weil es lustig ist. Okay, Schrott ist etwas harsch. Sagen wir: Unnützer Unsinn. Der aber lustig ist.

Die nächste Kategorie von Geschenken verzichtet darauf lauthals zu zeigen: „Hier ist Norwegen!“ und hat weder Flaggen noch Schriftzeichen. Trotzdem wissen alle: „Norwegen!“ oder wenigstens: „Skandinavien!“ Hierzu gehören: Felle, Wikingerhelme, angebliche oder tatsächliche Handarbeiten aus Norwegen wie Strickmützen, Handschuhe, Filzhausschuhe, Strickpullover, Strickjacken, Strickumhänge und eigentlich alles, was man mit Wolle und zwei oder fünf Nadeln zaubern kann. Außerdem auch komplette Babyeinkleidungen mit norwegischem Muster sowie Küchentextilien und T-Shirts. Für Hartgesottene bietet sich Fellbekleidung an. Mal ehrlich: So schneidig mit einer hellbraunen Waschbärmütze samt Ohrklappen auf dem Kopf durch die heimatliche Fußgängerzone von Pirmasens oder Buxtehude zu bummeln, das hat doch was!

Nun gibt es gerade bei dieser Kategorie immense Qualitätsunterschiede. Manche Sachen haben Qualität und manche…manche eben nicht. Aber da machen es uns die Verkäufer in Oslos zahlreichen Souvenirshops wunderbar leicht und das was teuer ist, ist es meistens auch wert. Hier mal ein Tipp am Rande: Die besten Souvenirshops in Oslo sind meiner Meinung nach am Holmenkollen und „Audhild Viken“ hinter dem Rathaus. Audhild Viken hat im Untergeschoss auch eine ganzjährige Weihnachtsausstellung, die das Weihnachtshaus in Drobak nach Luft schnappen lässt.

Wer mir mal etwas Gutes tun möchte, schenkt mir eine der wunderbar gewebten norwegischen Wolldecken, die es in zahlreichen Farben und Mustern gibt. Überhaupt ist die Mustervielfalt in norwegischem Strickgut einfach nur toll. An dieser Stelle verweise ich gern wieder auf meine Liebe zu Arne&Carlos, den beiden schrägen, norwegischen Strickkünstlern, die übrigens in Deutschland sehr erfolgreich sind.

Die letzte Kategorie ist „Norwegen lukullisch“ und besteht aus Produkten wie geräuchertem Lachs, Freia-Schokolade „Et lytt stykk Norge“, Trockenfisch, Elchsalami (nein, die gibt es nicht in vegetarischer Form, sorry), getrockeneten Elchherzen oder natürlich…stööööööhnnnn….GEITOST!

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Hier ein Tipp für alle Souvenirsuchenden (obwohl, das ist Euch bestimmt schon viel eher eingefallen als mir): Kauft norwegische Lebensmittel im Supermarkt und bringt sie mit nach Deutschland oder Österreich oder in die Schweiz oder wo immer auch Euer Zuhause ist. Erstens ist das so richtig ORIGINAL und außerdem…viel preisgünstiger. Und lustiger. Irgendwie. Und wenn nicht im Supermarkt, dann kauft es im duty-free-shop am Flughafen (in den kann man in Norwegen nämlich auch VOR der Abreise, nicht erst bei der Rückkehr) oder auf der Fähre.

Wer seine Familie und Freunde gern mit norwegischem Alkohol beschenken möchte, scheint wohlhabend zu sein und kann nur eines kaufen: Linjeakvavit. Der Kümmelbranntwein wird in Sherryfässern gelagert und reift 19 Wochen lang auf Schiffen, die den Äquator überqueren. Deshalb „linje“…er hat die Linie überquert. Linjeakvavit hat rund 40% und ist so typisch norwegisch wie…Geitost.

Und, meiner Meinung nach, genauso lecker…

Meine lieben Leser, hier endet unser kurzer Gang durch die norwegischen Souvenirläden. Falls jetzt Wünsche aufgekommen sind, schickt mir eine email und ich gucke, was ich machen kann. Versprochen. Doch, klar, für Euch mache ich doch fast alles.

FAST! Geitost kaufe ich nicht!

Es gibt wirklich schöne Souvenirs, die man sich aus Norwegen mitbringen kann, aber nichts ist schöner, als selber herzukommen und einfach zu gucken und das Land zu erleben. Vielleicht nicht gerade heute: der Schnee schmilzt in Rekordgeschwindigkeit und wir brauchen bald Boote, um einkaufen zu gehen. Einige Orte sind evakuiert, unzählige Straßen und andere Transportwege sind gesperrt und zur Schneeschmelze kommen nun auch noch gewaltige Regenfälle.

Super.

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Produktausflug: schreibt mir gerne, welche Souvenis Euch einfallen und die in meiner Liste fehlen. Ich mache mich jetzt auf zu einer weiteren Theaterprobe, die Stücke fürs Hausfest am 15.6. nehmen Gestalt an! Meine Grüße gehen in dieser Woche an meine Lauf-Freundin, Teestuben-Verbündete und Theatergruppen-Begeisterte Ines, die nach drei Jahren Oslo verlässt und nach Hamburg zurückkehrt. Alles Liebe für dich, du wirst mir fehlen! Sarah Jessica rocks!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, guckt doch mal, was in Eurer Stadt typische Souvenirs sind und schickt mir ein Foto! Ansonsten habt Spaß, lockt den Sommer und für das morgige Champions-League-Finale schreibe ich etwas, dass ich fast selbst nicht glauben kann: Go FC Bayern!

Ha det bra,

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Ulrike

Fotosafari Oslo Teil 3: Frogner ODER Wir sprengen uns eine Tiefgarage

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Nein…das stimmt nicht…Moment mal…das kann doch nicht…ja, doch da steht es…ich drehe ab…da denkt man die ganze Zeit…und dann plötzlich…wie soll denn das gehen…es war doch mein „Hood“…hm, auf dieser Karte sieht es wieder anders aus…aber hier steht es eindeutig…Sorgenfrigata 10 A…Stadtteil: Frogner.

FROGNER?!

Guten Morgen, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es ist Freitagmorgen, der Frühling ist da, die Sonne strahlt, doch über meinem Kopf schwebt eine kleine dunkle Wolke. Da töne ich seit Wochen, wie gut uns unsere Nachbarschaft gefällt, und wie wir UNBEDINGT in Majorstuen bleiben wollten. Einen ganzen Artikel habe ich diesem Ortteil gewidmet. Und was muss ich vorgestern feststellen? Beim Checken im Internet?

(Warum mache ich das auch? Internet, völlig überbewertet, ich lebe ab sofort „Motto Mittelalter“ und lese nur noch Bücher. Jawoll. Ist doch wahr. Ist genauso wie mit der Internetsuche für Krankheiten. Da startet man „leichte Bauchschmerzen“ zu googlen und legt sich hinterher sterbebereit aufs Sofa. Internet. Überbewertet. Ihr bekommt jetzt meine Artikel jeden Monat per Post. Ging doch früher auch!!! Blödes Internet. Dumm nur: Ich bin ein Internetjunkie. Mini-Junkie. Auf eine einsame Insel würde ich nur gehen, wenn sie da Wlan hätten. Teufelskreis. Wo war ich?)

Also, was lese ich im Internet?

„Sorgenfrigata 10A, Bydel: Frogner.“

Natürlich habe ich sofort weiter recherchiert und fand zwei unterschiedliche Informationen: Manche beschreiben den Stadtteil („bydel“) Frogner als Frogner eingegrenzt von Madserut Allee im Westen, Frognerstranda im Süden, Parkveien im Osten und GANZ ENTSCHEIDEND: Frognerveien und Gyldenløves gate im Norden, MEILENWEIT entfernt von unserer Straße. Nach anderen Informationen allerdings ist Frogner eine Art Stadtbezirk, bestehend aus Teilen von Majorstuen (pah!), Briskeby, Uranienborg, Skøyen und Bygdøy und dem eigentlichen Frogner. Nun ist diese Informationsquelle leider nicht irgendein verwirrter Stadthistoriker, der die Grenzen von 1487 zugrunde legt. Es ist die hochoffizielle Seite der Stadt Oslo.

Frogner also.

Nicht, dass wir etwas gegen Frogner haben. Wir wollten da eben nur nie wohnen, weil uns das tiefste Frogner eben viel zu versnobt, reich und elitär erscheint. Ok, nun wollen wir mal nicht so tun, als sei Majorstuen der Stolz der Arbeiterklasse, aber irgendwie ist es hier ein bisschen „edgy“, gemischter, weniger konform. Dafür besitzt Frogner einige der wohl schönsten Straßenzüge in ganz Oslo.

Nun frage ich mich, ob Euch das alles eigentlich interessiert. Da werfe ich mit Begriffen und Straßennamen um mich und Ihr denkt wahrscheinlich: „Häh?“ oder „Bitte?“ (außer meine Leser in Oslo natürlich!) Ich bin also losgezogen, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt von Frogner. Dem eigentlichen Frogner. Dem exklusivsten Stadtteil Oslos. Without further ado folgt nun also eine weitere Fotosafari:

Willkommen in Frogner!

Begonnen habe ich meine Fototour auf der Grenze zwischen Briskeby, Uranienborg und Frogner. An der deutschsprachigen Gemeinde in Oslo, die ich schon so oft erwähnt, aber noch nie gezeigt habe. (Idee: Blog über Gemeinde!) Nach einem kurzen Morgenplausch mit meiner Freundin Daria, die auch gleichzeitig Gemeindesekretärin ist, ging die Safari los.

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Voila: Die evangelische Gemeinde deutscher Sprache in der Eilert Sundts gate.

In derselben Straße, einige Häuser weiter, hat sich vor einiger Zeit einer der wohlhabensten Männer Norwegens niedergelassen, der Familie gehört unter anderem der REMA1000-Konzern, die norwegischen Albrechts sozusagen. Nun ist das Parkangebot in Frogner nicht überwältigend gut und was macht man, wenn die Parkplätze nicht ausreichen und auch die Garagen schon voll sind?

Man sprengt sich eine Tiefgarage.

Klar, mache ich auch immer so.

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Der Verkauf dieser Villa ging 2009 durch die Medien, denn Ole Robert Reidan, Sohn des Konzernchefs, hatte einen wahren Deal errungen: Für die Hälfte des ursprünglich gefragten Preises erstand der Multimilliardär seinen neuen Familienbesitz! 50% gespart hat er und nur 39, 5 Millionen Norwegische Kronen bezahlt. Schnäppchenalarm!!!! Nur 5 Millionen Euro! (Quelle: http://www.dn.no/privatokonomi/article2539253.ece). Aus den eigentlich fünf Wohnungen entstand eine durchgehende Wohnfläche, außer der Tiefgarage wurde auch ein Fahrstuhl eingebaut. Im Januar 2013 gab es allerdings Radau: Sie warteten immer noch auf Rechnungsbegleichung der 8 Millionen Kronen, schrieb die ausführende Elektrofirma, dank derer Herr Reidan nun nicht zu Fuß die Treppen erklimmen muss, sondern den Lift benutzen kann. 8 Millionen NOK seien vielleicht für Herrn Reidan eine Kleinigkeit, für eine mittelständische Elektrofirma aber wesentlich! Die Parteien treffen sich in Kürze vor Gericht.

Nun erwartet bitte nicht zu jedem Haus in Frogner eine Geschichte, im Gegenteil, die folgenden Bilder kommen fast ohne Kommentar!

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Nach der Jagd auf wunderschöne Jugendstil-Architektur brauchte ich einen Kaffee. Ich wollte schon immer mal die Kaffeebrenneriet am Elisenberg ausprobieren, also nichts wie hin da!

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Kurze Zeit später saß ich mit einem Café Latte im Sonnenschein auf der Terrasse und beobachtete Leute. Frogner-Leute. Irgendwann fiel mir ein Muster auf. Ich begann Dinge zu notieren und kann Euch nach eingehender Studie von ungefähr 30 bis 40 Studienobjekten mitteilen, wie man sich kleiden muss, um in Frogner nicht aufzufallen.

Frognerstil

Bei Damen ist die Kombination Parka-Laufhose-Turnschuhe der Favorit, während sich die Männer in Barbour-Jacken hüllen, den Hals mit einem zerknautschten, aber teueren Halstuch umschlingen und die Füße in Chucks werfen. Die Pilotenbrille darf nicht fehlen, natürlich.

Nach dieser interessanten anthropologischen Exkursion, die ich so allerdings auch in Majorstuen hätte machen können, ging es zurück zum eigentlichen Plan: Frogner. Hier weitere Impressionen:

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Die Bjørknes-Privatschule neben der Kaffeebrenneriet…

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…nette Restaurants und Geschäfte…

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…ein Geschäft bietet Designer-Türen für IKEA-Küchen….

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…Jürgen????…..

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Café Fedora, das amerikanische Café in Oslo…

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…das Gimle Kino, ein Programmkino mit tollen Filmen. Hier waren wir zur Premiere von „Gnade“ und trafen auf Jürgen Vogel.

Auch die Nationalbibliothek und das Nobel-Institut liegen in Frogner, ebenso wie fast alle Botschaften oder Botschaftsresidenzen…

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…hier „meine“ Botschaft in der Oscars gate, auf der Grenze Uranienborg/Frogner…

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…und die Residenz des US-Botschafters.

Hier übrigens einer meiner Lieblingsplätze in Frogner, das Foto poste ich mit „lieben Grüßen übern Park!“:

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Mein Spaziergang neigt sich langsam seinem Ende entgegen. Fast zwei Stunden bin ich durch den oberen Teil von Frogner gewandert, den unteren Teil machen wir beim nächsten Mal :). Schön ist es hier, ohne Frage und edel auch. Manchmal ein bisschen zu konform für meinen Geschmack, die häufig homogenen Häuser scheinen sich in den teilweise homogenen Bewohnern wiederzuspiegeln. Aber das ist vielleicht auch nur ein Vorurteil. Zum Schluss noch ein paar gemischte Impressionen, bevor ich mich für heute von Euch verabschiede!

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Himmel über Frogner

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Frogner – wo die Götter wohnen?

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Fürs Personal: „Kücheneingang 3a und 3b“

Das war es für heute, meine lieben Leser, ich hoffe, Ihr hattet ebensoviel Spaß an diesem Frühlingsspaziergang wie ich! Überall fängt es an zu blühen und zu knospen, vor meinem Fenster baut sich eine Taubenfamilie ein gemütliches Nest und die Tage werden endlich wärmer. Das perfekte Wetter um noch weitere Stadtteile zu erkundschaften! Das aber erst ab Mitte Mai, denn erstmal fahren wir nach Deutschland. Wer am Sonntag, dem 5.5. noch nichts vor hat: Kommt nach Hannover und jubelt mich beim 10km-Lauf an. Bei meinem momentanen Trainingsstand sind auch Träger sehr willkommen! Wie immer werden wir nicht alle besuchen können, das ist eben so, nehmt es bitte nicht persönlich! Der Blog hat ebenso Urlaub wie ich und wir freuen uns, Euch am 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, erneut zu sehen!

Bis dahin: Habt eine schöne Zeit, genießt den Frühling und lasst es Euch gut gehen! Meine besonderen Grüße gehen diese Woche an Daria, einfach nur mal so 🙂

Ha det,

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Ulrike

Justin Bieber is in town!!! ODER Warum in Oslo der Bus nicht fuhr.

thelocal.no

thelocal.no

Oslo ist auf dem Weg der Besserung. Der Busverkehr läuft normal, die Polizei widmet sich Taschendieben und Mördern, die kreischenden Mädchen sind zurück in der Schule und an Tjuvholmen können Touristen und Einwohner in Ruhe Kaffee trinken. Die Stadt hat den größten Schock des Jahres überwunden. Justin Bieber ist abgereist.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Lange habe ich überlegt, ob ich mich diesem Thema widmen soll, aber da die Nachrichten über „das Konzertereignis 2013 in Europa“, drei Justin-Bieber-Konzerte in Oslo, schon bis nach Deutschland gedrungen sind, konnte ich nicht widerstehen.

Justin Bieber also.

Gibt es irgendwen, der von dem kanadischen Jungenwunder noch nicht gehört hat? Dann hier eine Kurzbeschreibung: Justin Bieber, 19 Jahre alt, kanadischer Sänger, bekannt geworden übers Internet.

@Universal Music Norway

@Universal Music Norway

Das Problem ist: Ich kann mir so gar kein Urteil über ihn erlauben, da ich außer seinem Gesicht auf Kissen oder Unterhosen nichts von ihm weiß. ABER: Ich kann mich ja bilden. Und zwar live, jetzt hier mit Euch. Es folgt also live aus Oslo, um 12.42 Uhr Ortszeit: Ulrike hört den ersten Song von Justin Bieber. Als erstes: Youtube aufrufen…J u s …ok Youtube weiß sofort, was ich will. Ich klicke auf „Justin Bieber“. – Oh Gott, ob ich jetzt für immer und ewig im Internet gespeichert bin als Bieber-Sucher?? Hilfe! Kann man hier irgendwo eine extra Bemerkung eingeben wie: „Ich suche das aus professionellen Gründen?“ oder „Haha, nur ein Scherz!“, bitte? Nee, geht nicht. OK. Egal.

Welchen Song nehmen wir denn? „As long as you love me“ steht zur Auswahl, „Boyfriend“ oder „Beauty and a beat“. Diese Poetik. Doll. Aber ich will ja ganz offen rangehen. Der Junge sieht nach nichts aus, da muss doch wenigstens die Musik gut sein, oder? Also ich nehme……„As long as you love me“…los geht’s!

Okay.

Oh.

Ohweh.

Ohwehohwehohwehautsch.

Ich bin mir nicht sicher: Ist er vor oder nach dem Stimmbruch? Warte, 19 Jahre alt, nee das sollte erledigt sein, ok, gut, manche Männer haben eben hohe Stimmen.

Männer…kicher.

Also, mein erster Eindruck: Zähne zu weiß, Lächeln zu nett, Bescheidenheit zu gespielt, aber alles in allem – es gibt Schlimmeres. Das Video ist von den Teen Awards in Großbritannien und Justin singt unplugged und live, nur von einer Gitarre begleitet. „As long as you lo-lo-lo-lo-love me…“ und ab geht’s in die hohen Töne wie ein Affe auf die Palme. Immerhin kommt er oben an. Wo sind meine Sängerfreundinnen, wenn ich sie brauche? Für mich hört sich das ganz okay an, Pavarotti wird er nicht, aber naja wie gesagt – es gibt Schlimmeres. Lied ist sterbensöde, wechseln wir mal zum nächsten Lied auf der Liste.

„Boyfriend“.

Hm.

Oha.

Ohahahaha.

Nun rappt er.

Oho.

Oh…der TEEEEEEEXTTTTTT!!!!

„Swag, swag, swag on you/Chillin‘ by the fire while we’re eatin’ fondue”. Als Rap. Ich liege lachend auf dem Schreibtisch. Wunderbar. Wer textet das um Himmels Willen? Aber ich gebe nicht auf, aller guten Dinge sind ja drei und ich wähle nun ein letztes Lied aus, nämlich „Beauty and a beat“, einfach weil der Titel so unterhaltsam ist.

Ok, ich begreife langsam ein Muster. JB (so nennen ihn seine Fans, jahaaa, ich kenn mich aus!) startet immer mit etwas Gestöhne, was verständlich ist bei dem Text, den er gleich singen muss. Dann folgt ein bisschen „oh-ho-oh-youhou“, ein weiterer Versuch, dem Text zu entgehen. Dieser Song ist von seinem Akustikalbum und ja, ist doch ganz nett. Oder um einen Fan zu zitieren: „I am a guy (straight) and (…) his acoustic album is very good“. Jungen müssen sich also als heterosexuell deklarieren, wenn sie Justin Bieber hören. Was ein nicht ganz dummer strategischer Zug ist, denn wie kann man das Herz eines Mädchens schneller gewinnen, als die Musik ihres Idols zu kennen? Vielleicht sogar zu singen? Wie romantisch. Aber ganz ehrlich: Es gibt schlimmere Musik. Diese hier schwingt harmlos durch die Gehörgänge, manches bringt den Fuß zum Wippen,  nichts beleidigt, nichts begeistert, es ist wunderbar nichtssagend. Finde ich. Auf jeden Fall scheint es den Nerv und das Herz vieler Teenager zu treffen. Das kann Bach nicht von sich behaupten. Immerhin.

Beschäftigen wir uns kurz mit den weiblichen Fans, die in der letzten Woche die norwegische Hauptstadt übernommen haben. Viele kamen mit ihren Müttern, was zwar irgendwie uncool ist, aber in der Altersgruppe gesetzlich vorgeschrieben. Um ihrem Idol so nahe wie möglich zu sein, haben sich Mädchen in allen drei großen Hotels in Oslo ein Zimmer gebucht und dafür ihre Ersparnisse oder ihr Konfirmationsgeld aufgebraucht. Bereits um 7.30 Uhr morgens standen sie im strömenden Regen vor der Telenor –Arena in Fornebu, um die besten Plätze in der Halle zu bekommen. Mein Außenkorrespondent Martin berichtete live jeden Morgen davon auf seinem Weg ins nahe gelegene Statoil – Büro. Polizei und Rotes Kreuz waren in Alarmbereitschaft und kreischende Mädchen gehörten für drei Tage zum Stadtbild. Sie kamen mit Shuttlebussen aus ganz Norwegen angereist, und fürchteten sich nur vor einem: Dass das Konzert und ihre Begegnung mit JB vorüber ist.

Ohje.

Ich bin definitiv zu alt für sowas. Wie mit der Hoffnung der Mädchen, ihr Idol wirklich zu treffen, gespielt wird; wie diese Hoffnung in jedem Song, in jedem Fan-Artikel vermarktet wird; das finde ich unglaublich. Unverantwortlich. Unverschämt. Warum es funktioniert? Ich habe nicht die geringste Ahnung. (An dieser Stelle freue ich mich über Kommentare von Bieber-Fans, die mir das mal erklären!) Aber ich bin ja auch nicht 13. Wahrscheinlich steckt dahinter viel mehr, ein soziales Dilemma, ein Bedürfnis nach Nähe und Liebe und so.

Naja, oder auch nicht.

Vielleicht besitzt Justin eine magische Ausstrahlung, die Mädchen einfach in seinen Bann zieht. Ich suche mal ein Interview. Moment. Ah, da ein ganz langes Interview aus Chicago. Talkshow-Königin Oprah Winfrey interviewt Justin Bieber. Dann mal los.

Nein, geht nicht, ich muss ausschalten. Ein Interview mit Justin Bieber geführt von Oprah Winfrey ist einfach zuviel für mich. Ich lerne allerdings: JB ist der am meisten gesuchte Begriff bei Google, er hat 30 Millionen „followers“ bei twitter, verdient über 100 Millionen Dollar jährlich und all das, weil seine Mutter ein Video ihres 12jährigen Sohnes auf youtube gepostet hat. Scooter Braun, Musikagent, entdeckt die Videos, reist nach Kanada und der Rest ist Geschichte. Oprah Winfrey nennt Bieber in einem Atemzug mit Elvis, den Beatles und Michael Jackson. Der Superstar seiner Generation. Das Ausmaß seines Erfolgs ist unglaublich und so sehr ich auch versuche, mich darüber lustig zu machen: Er ist ein globales Phänomen. Mit einem verdammt intelligenten Marketingteam. Ich frage mich, wann er Zeit und Ruhe hat, die ganzen Dinge zu erleben, von denen er in höchsten Tönen singt. Fans, Medien, Manager ziehen und zerren an ihm, wollen ihn als Sexsymbol, Popstar und Verkaufsschlager. Lächeln soll er, sexy sein und immer schön die Haare schwingen und dann Texte wie „As long as you love me, we could be starving“ singen.

„You know girl, we know it’s a cruel world.“

Wohl wahr. Die Welt ist brutal im Show-Business.

Ganz tief in meinem Innern regt sich so etwas wie Mitleid. Für einen Jungen, der momentan nicht raus kann aus dieser Welt, die ihn produziert hat und nun verfolgt und googelt, kritisiert und verhöhnt, bewundert und verlacht für etwas, das er vielleicht gar nicht ist. Für einen ganz kurzen Moment…

Schon vorbei!!!

Mal ehrlich, ist doch albern, worüber will sich ein 19jähriger beschweren, den Millionen von Mädchen sexy finden, der Tonnen von Geld verdient und die ganze Welt bereist? „I am really only a normal guy, who tries to fit in“, erklärt er Oprah, die anerkennend nickt. Oh biiiiiiitte! Einfach mal wieder in Ruhe essen gehen wünscht er sich.

Na, dann komm nicht nach Oslo, Justin! Hier klappt das unter Garantie nicht. Hier stoppt sogar eine ganze Buslinie, wenn du kommst. Bleib‘ lieber in den USA, okay? Or in Canada, eh?

Mit diesen weisen Worten will ich für heute enden, meine lieben Leser. Der Versuch, Euch und mich in Popkultur zu bilden, hat Spaß gemacht. Oder? Hallo? Ist überhaupt noch wer von Euch da, oder habe ich Euch alle verjagt? Ich bin jetzt wenigstens auf dem neuesten Stand und vielleicht sollte ich mir wirklich mal ein JB-Konzert angucken, was denkt Ihr? Darüber ließe sich bestimmt wunderbar bloggen!! Vielleicht nächstes Jahr!

Euch allen wünsche ich ein tolles Wochenende und eine schöne Woche. Wir gehen morgen zur Mathalle (Essenshalle, so eine Art Markt) in Grünerlokka und freuen uns auf dänische Delikatessen. Der Rest der Woche wird ruhig, ich übersetze weiterhin die spannende Krimistadtführung von Freund Benjamin in Berlin – ein echter Spaß! Meine Grüße gehen diese Woche an meine Freundin Silvi, die sich nach ihrer Handoperation auskuriert. Halt durch!!!

Lass es Euch gut gehen bis nächsten Freitag, erforscht mal ganz neue Dinge, bleibt immer offen und begrüßt den Frühling.

Ha det bra,

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Ulrike (und Justin)

Brief an meine neue Heimat ODER 365 Tage in Oslo – Ein Rückblick

kransekake

Liebes Oslo,

wir haben heute Jubiläum. Du und ich. 365 Tage leben wir schon zusammen.

Ein ganzes Jahr.

Wow, oder?

Weißt du noch, wie wir vor einem Jahr hier ankamen? Es schneite und ich konnte es nicht fassen, denn in Frankreich hatte der Schnee schon im Dezember seine Sachen gepackt und sich verpieselt. Wir schoben unsere Koffer um den Bahnhof herum, auf der Suche nach einem Taxi. Kurze Zeit später kamen wir an Middelthunsgate 25C an. Unserem neuen Zuhause.  In der völlig leeren Wohnung haben Martin und ich uns angegrinst, froh, endlich hier zu sein.

Und dann ging es los und ich kann nur sagen, Oslo, dass du es uns leicht gemacht hast. Oder immer noch machst. Sprache, Menschen, Orte – alles war so schnell zugänglich.

Gleich in den ersten Tagen haben wir gemerkt, dass Englisch ausreicht, um sich in jeder Situation zu verständigen – na, da fiel mir ein Stein vom Herzen, das kann ich dir sagen. Schon war alles viel problemloser. Aber ich habe mich auch mit deiner Sprache angefreundet und nach wenigen Wochen kristallisierten sich aus dem „snögeldags“-Misch erste verständliche Worte heraus. Jubel!

In der ersten Woche führte mich mein Weg auch gleich in die deutsche Gemeinde, und Oslo, ich sage dir, das war eine gute Entscheidung. Ich stand etwas verloren im Gemeindesaal, wurde aber von Friedbert Baur gleich so herzlich begrüßt, dass alles gut war. Als hätte ich geahnt, dass die Gemeinde der perfekte Anlaufpunkt war, haben wir in den kommenden Monaten tolle Menschen kennengelernt. Nicht nur Deutsche. Auch Norweger, Österreicher, Dänen.   In der Gemeinde, beim Kinderbibeltag, in der Theatergruppe und in der Teestube. Viele Deutschsprachige leben hier und über die Zeit hatten wir zu manchen Kontakt. Deutscher Stammtisch, Goethe-Institut, und und und…..manche habe ich sogar hier über diesen Blog kennengelernt.

Oslo, dich zu erkunden macht Spaß. Ich weiß noch, unsere erste Tour mit der T-Bane Richtung Frognerseteren. Blick auf den Fjord, Sonnenschein und von oben ein genialer Blick über die Stadt. Also dich. Wunderschön. Bygdoy ist einer meiner Lieblingsorte geworden und im Sommer mit der Fähre  zwischen den Inseln zu fahren, ist ein großer Spaß. Deine Museen sind klein, aber nach 5 Jahren Frankreich und regelmäßigen Besuchen im Louvre und Musee d’Orsay wäre es unfair, dich mit anderen Städten zu vergleichen. Du bist eben keine Kulturhochburg, aber dafür….

HAST DU DIE KÖNIGSFAMILIE!

Oslo, ich sage dir, das war ein Jubel, als ich König Harald und Königin Sonja das erste Mal live gesehen habe. Wahrscheinlich hast du kopfschüttelnd in deine Vororte gelacht, als du die Deutsche gesehen hast, die am 17. Mai ganz aufgeregt vor dem Schloss hin- und hergesprungen ist, als sich die Türen am königlichen Balkon geöffnet haben. Aber du musst schon entschuldigen, es ist das erste Mal für mich gewesen und ich bin eben eine Klatschtante.  Am selben Ort habe ich auch das norwegische Geburtstagslied „Hurrah for deg“ gelernt, dass im Juli aus vielen Kinderkehlen Richtung Balkon gesungen wurde, um König Harald zu gratulieren. Siehst du, Monarchie bildet.

Gebildet hast du mich auch in den letzten 12 Monaten.  Oder sagen wir, erzogen. Zu mehr Ruhe. Es muss eben nicht alles hopphopp gehen und wer bin ich, dass ich mich gegen eine ganze Stadt wehren will? Machen wir die Sachen eben ruhiger.  Neue Lebensmittel hast du mir gezeigt und ja, ich mag Lefzen und NEIN, ich esse immer noch keinen Geitost, da kannst du machen, was du willst. Eines der schönsten Dinge, die du mir gezeigt hast, heißt „Winternacht in Rondane“:

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@Kemedinger2011

Ein wahres Wunder ist es, dass du mich zum Joggen gebracht hast. MICH! Das hast du sehr geschickt angefangen. Erst hast du mir die unzähligen Jogger über den Weg geschickt, die den Frognerpark stürmen, sobald das Wetter besser ist. Irgendwann kam ich mir beim Spazierengehen echt albern vor. Dann hast du mich beim Zentrumslauf zuschauen und mitjubeln lassen. Und da auf einmal: ZACK. Wollte ich laufen. Und habe durchgehalten. Auch wenn du meine und Martins Nerven in den kommenden Monaten strapaziert hast, denn, was du nicht wissen konntest: Ich bin nicht lustig, wenn ich Sport mache. Aber es wurde besser. Der erste 10km-Lauf war eine Herausforderung und du hast Ines und mich ganz schön mit deinen teilweise holperigen Waldwegen und zu engen Fußwegen geärgert. Aber trotzdem hat es Spaß gemacht. Und nun fange ich wieder an. Well done, Oslo, du hast mich sportlich gemacht!!

Also, für meine Verhältnisse.

Immerhin!

Chapeau.

Das vermisse ich oft in dir. Das Französische. Die Lebensfreude. Das „savoir vivre“. Du bist keine Genießerstadt. Du bist praktisch, bodenständig, konsumorientiert, effektiv – aber nicht romantisch oder lebensfroh. In dir kann man arbeiten und wohnen, aber das warme Lebensbauchgefühl bekomme ich, wenn ich an Paris denke.  Ma belle.

Das ist aber auch ein unfairer Wettkampf und wo Paris an Stimmung, Kultur und Lebensfreude gewinnt, gewinnst du ganz klar in:  Natur – direkt vor der Haustür! Deine umgebenden Wälder sind wunderschön, der Fjord und die Seen laden zum Baden oder Eislaufen ein und wer die Natur mag, wird sich in dir niemals langweilen.  Wie freue ich mich darauf, wenn im Frognerpark wieder die Bäume blühen und der Songsvann wieder eisfrei ist. Deine Lage ist einfach perfekt und immer wieder eine Freude!

Ich bin froh, dass ich hier lebe. Bestimmt nicht für immer, denn es gibt noch so viele Plätze auf der Welt zu erkunden, aber für den Moment sind wir hier und mögen dich.  Ich bin gespannt, was die nächsten Monate bringen. Aber für heute sei gesagt:

Oslo, lass die Korken knallen und uns anstoßen auf unser einjähriges Jubiläum!

Tusen takk, Oslo. Vi liker deg.

OsloeinJahr