Das (fast) glücklichste Land der Welt ODER Willst du glücklich sein im Leben….

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„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ So steht es wahrscheinlich nicht nur in meinem Poesiealbum. Willst du glücklich sein im Leben – na, wer will das nicht? Nun ist das mit dem Glück aber so eine Sache, es ist schrecklich subjektiv und was für den einen Glück bedeutet, das hält der nächste für nicht erstrebenswert.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedersehen. Seht Ihr mich?? Ich bin die hier oben – im Schneesturm. Ja, es schneit immer noch. – Ich gewöhne mich langsam dran.

Aber zurück zum Thema. Der (über-)menschliche Drang, mit allen Mitteln glücklich zu werden, hat sich mittlerweile in ein rentables Megamillionengeschäft entwickelt: Unzählige Selbsthilfebücher mit vielversprechenden Titeln wie „Die Glückskatzen-Philosophie: Wink dem Glück und es winkt dir zurück“ oder „Wir sind alle kleine Funktürme – Ein Inspirationsprogramm“ füllen die Regale der Bücherläden. Lachyoga-Seminare und kostenpflichtige Bestellungen beim Universum versprechen Unmögliches. Glückberater bieten in Frauenmagazinen oder auf Selbsthilfe-CDs ihre Hilfe an. Glücksweisheiten gepaart mit Sonnenuntergängen verstopfen soziale Netzwerke wie Facebook.

@PetraLaschewski

@PetraLaschewski

Das Glück, scheint es, ist heute überall Thema. Neu ist die Idee, das eigene Glück zu finden, nicht. Schon der griechische Philosoph Aristoteles beschrieb, dass der Mensch durch eigenes Handeln zu seinem Glück beitragen kann und regte damit eine über 2500 Jahre dauernde Diskussion an. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 erklärt „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ (Leben, Freiheit und das Streben nach Glück) zu den Naturrechten des Menschen. 1972 ersetzte der bhutanische König Jigme Singye Wangchuck das Bruttoinlandsprodukt durch das Bruttonationalglück seiner Untertanen und verpflichtete sich zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Königreiches. Und im Jahr 2012 legte das Earth Institute, eine Fachabteilung der New Yorker Columbia University, der UN den ersten World Happiness Report vor. Ziel: Festzustellen, in welchem Land die glücklichsten Menschen leben.

Nun ratet, welches Land 2012 gewonnen hat….

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Dänemark!

Und ratet, welches Land 2013 gewonnen hat….

Dänemark!

Und nun ratet, wer auf Platz 2 im Jahr 2013 lag??? Na, na, na…..

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NORWEGEN!!!!!!!!!!! Hipphipphurrah!

Ich lebe also in dem zweitglücklichsten Land der Welt. Das ist doch mal eine Aussage, das hebt die Stimmung, da fühlt man sich gut!

Wie aber haben die schlauen Menschen von der UN und dem Earth Institut das festgestellt? Ganz einfach: Sie haben zwei Fragen gestellt, die die Befragten auf einer Skala von 0 bis 10 beantworten sollten:

1. Wie glücklich sind Sie?

2. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben insgesamt?

Denn Glück, so die Forscher, kann zwei Bedeutungen haben: Als Gefühl („Ich bin gerade so glücklich, ich könnte immerzu jubeln!“) und als rationale Beurteilung („Mein Leben ist glücklich.“) Da Menschen dazu tendieren, die Bedeutungen zu verwechseln, entschieden sich die Forscher zu den beiden oben genannten Fragen und erstellten aus den Antworten eine globale Glücksliste. Hier die Top Ten von 2012 und 2013:

2012

1. Dänemark

2. Finnland

3. Norwegen

4. Niederlande

5. Kanada

6. Schweiz

7. Schweden

8. Neuseeland

9. Australien

10. Irland

2013

1. Dänemark

2. Norwegen

3. Schweiz

4. Niederlande

5. Schweden

6. Kanada

7. Finnland

8. Österreich

9. Island

10. Australien

(Quelle: World Happiness Report 2013)

Was aber macht die Bewohner eines Landes glücklich? Warum könnte Norwegen das zweitglücklichste Land der Welt sein? (Und wer jetzt ruft: „Es gibt viel Schnee!!!“ hat verloren…) Ich habe mal ein bisschen nachgedacht und bin für mich zu folgenden Antworten gekommen:

1. Umwelt, Landschaft

Norwegen hat sauberes Wasser, klare Luft und eine grandiose Natur direkt vor der Haustür. Wasser wird hier sorgenfrei aus dem Hahn getrunken und jetzt, wo das Recycling seinen Einzug gehalten hat, wird auch der Umweltschutz eine größere Rolle spielen. In der Natur zu sein gehört zu den wichtigen, positiven Erlebnissen in Norwegen. Draußen sein macht glücklich.

2. Finanzielle Sicherheit

Durch Öl reich geworden, liegen die monatlichen Einkommen in Norwegen heute mit ca. 30% über dem weltweiten Standard, so die OECD-Statistik. Jobs, besonders in staatlichen Unternehmen, sind fast unkündbar, drohende Arbeitslosigkeit ist keine alltägliche Sorge. Das Wiegen in finanzieller Sicherheit führt allerdings auch zu einer grandiosen Verschuldung norwegischer Haushalte. Was passiert, wenn das Öl zur Neige geht, steht in den Sternen. Der milliardenschwere Norwegische Ölfonds, seit Anfang Januar bei 611 Milliarden Euro, sorgt hier schon mal vor.

3. Positive Ausstrahlung

Die beiden oben genannten Punkte bewirken, dass Menschen in Norwegen grundsätzlich besser gelaunt sind und die positiven Seiten des Lebens genießen können. Außerdem lehnen Norweger langwierige, ausufernde Diskussionen und Rechthabereien ab. Jammern liegt ihnen fern und eine derartige Gesellschaft wirkt angenehm. (Keine Angst, es gibt auch schlechte Angewohnheiten, aber die interessieren gerade nicht.)

4. Offen für Familien

Kinder sind willkommen in Norwegen, fast schon eine gesellschaftliche Verpflichtung. Drei Kinder plus Eltern bilden in Norwegen die klassische Rama-Familie. Ihr Schutz und Wohlergehen steht weit oben in der Gesellschaftsordnung. Ein Land, das glückliche Kinder heranzieht, muss ein guter Platz zum Leben sein.

5. Toleranz

Hier ist nicht alles Gold, was glänzt. So offen Norweger auch in Fragen der Gleichberechtigung oder Homosexualität zu sein scheinen – ich bin mir nicht sicher, wie ehrlich das alles ist. Xenophobie ist anscheinend weit verbreitet, Traditionen werden hochgehalten, Nostalgie wird gefeiert und manchmal glaube ich, dass Norwegen besser von sich denkt, als es tatsächlich im Alltag ist. Aber wie gesagt: Ich bin unsicher.

6. Selbstliebe

Und das bringt mich zu einem weiteren Punkt der Kritik: Bewohner Norwegens tendieren dazu, ihr Land einfach super zu finden. Und viel besser als jedes andere Land auf der Welt ist es schon mal überhaupt. VIEL besser. VIEL bessere Menschen. VIEL bessere Natur. NATÜRLICH ist man hier glücklich. Ja, vielleicht. Aber lebt man in Norwegen wirklich glücklicher? Oder haben die Menschen in Norwegen einfach beschlossen, glücklich zu sein, weil es sich so besser leben lässt, unabhängig von den Problemen, die das Land trotz allem hat? Kann man Glück überhaupt messen? Nun ja, man kann es immerhin versuchen. Und vielleicht sagt es wirklich etwas über die einzelnen Länder und deren Bewohner aus. Aber im Endeffekt ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied, ob nun in Norwegen, Deutschland oder Togo.

Und das bringt mich zu meiner letzten Frage, diesmal an Euch: Auf welchem Platz, glaubt Ihr, liegt Deutschland? (Nicht nachgucken! Schätzen!) Und warum wohl?

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche Euch eine glückliche Woche, beantwortet die Fragen vom Earth Institute und guckt, wie glücklich Ihr seid. Und wenn da etwas nicht stimmt: Dann geht los und macht jemanden anderen glücklich, denn das, so mein Poesiealbum, ist der einzig wahre Weg zum Glück!

Ha det bra,

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Ulrike

Mein norwegisches Weihnachts-ABC oder Lila ist das neue Rot!

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Halbe Schafsköpfe, aufgeweichter Trockenfisch und lila Kerzen – verwirrt betrachte ich die (Vor-)Weihnachtsrituale in Norwegen und frage mich, warum die Norweger ausgerechnet im Dezember für ihre Sünden bestraft werden.

Hallo meine weihnachtlichen Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es ist der 23. Dezember, lille julaften in Norwegen genannt, und ich sitze relativ entspannt am Schreibtisch, obwohl noch einiges zu tun ist für unser diesjähriges julfest. Wir sind das erste Mal über Weihnachten in Oslo und ich will mehr wissen über norwegische Weihnachtsbräuche, Weihnachtslieder, Weihnachtsessen und und und. Und da ich ein sehr organisierter Mensch bin (wer hier lacht, fliegt raus!), packe ich nach ausführlicher Recherche mein gesammeltes Wissen in übersichtliche Form. Für Euch!

Hier nun also, ganz frisch und tannenduftend, mein norwegisches Weihnachts-ABC.

Mit Lücken. (Wer einen norwegischen Begriff, Titel, Namen etc. mit C, I, W, X oder Z kennt – bitte melden! Oder kommentieren. Oder beides… Und nein, Xylophon zählt nicht!)

Nun geht es aber wirklich los. Das norwegische Weihnachts-ABC:

A wie annen/andre juledag – so heißt „Zweiter Weihnachtstag“ auf Norwegisch.

B wie bunad – die norwegische Tracht wird natürlich auch zum Weihnachtsfest getragen. Auf dem diesjährigen Foto der Königsfamilie glänzt Prinzessin Mette-Marit in einer Hardangertracht, die Königin trägt eine bunad aus dem Telemark.

Foto: Larsen, Haakon Mosvold/ NTB scanpix

Foto: Larsen, Haakon Mosvold/ NTB scanpix

C wie – (schon die erste Lücke, wie peinlich….das Wörterbuch schlägt unter anderem vor: camping, cello und cyankalium…..passt alles irgendwie nicht. Auch wenn man sich nach übermäßiger Familiengesellschaft vielleicht über den Gebrauch von Zyankali Gedanken macht.)

D wie dans rundt juletreet – aus mir unbekannten Gründen, ich vermute heidnischen Ursprung, fassen sich die Norweger Heilig Abend an den Händen und tanzen um den Weihnachtsbaum. Und singen dazu. Nicht nur in Familien, auch in Massentanzgruppen, wie hier beim Juletrefest von 1969.

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E wie En stjerne skinner i natt – eines der beliebtesten Weihnachtslieder in Norwegen, das seit 1992 die Ohren zum Klingen und die Augen zum Leuchten bringt. Angeblich brauchte der Oslo Gospelchor noch dringend ein Lied, um die Weihnachts-CD fertig zu stellen. Tore W. Aas schreib flugs eine Melodie, Eyvind Skeie den Text – ab damit zum Chor, der schon im Studio war und was passierte? Die schnelle Notlösung wird zum Hit. En stjerne skinner i natt wird von vielen geliebt und von vielen gehasst, steht aber seitdem auf der Top-Ten-Liste norwegischer Weihnachtslieder. Ich? Ich liebe es!

F wie første juledag – der erste Weihnachtstag, traditionell eine Familienfeier, ebenso wie julaften, also Heilig Abend. Erst am zweiten Weihnachtstag wird sich mit Freunden, Nachbarn, Sportkumpeln oder wem auch immer getroffen. Wie in Deutschland. Keine Überraschung hier :).

G wie grøt – eine Schüssel voller Milchreis begrüßt julenissen, den norwegischen Weihnachtsmann, bei seinem Besuch im Haus. Eigentlich handelt es sich hierbei um die Bestechung einer Nationalfigur, bleibt aber landesweit ungestraft.

H wie Helligtrekongersdag – bis zum 6. Januar muss das juløl, das Weihnachtsbier, ausgetrunken sein.

I wie …. Irritation ist irgendwie idiotisch. Viele Wörter gibt’s im Norwegischen mit I, aber passen tut keines. Denkt halt mal selber!

J wie julebord – Weihnachtsfeier in Firmen, Vereinen, Universitäten, die nur ein Ziel verfolgt: Betrinken bis zum Umfallen.

K wie kirkegang – an Weihnachten wird in die Kirche gegangen, für viele das erste und einzige Mal im Jahr. An julaften um 17 Uhr läuten alle Kirchenglocken das Weihnachtsfest ein. Viele Gemeinden haben eine Julenattmesse, einen Gottesdienst am Heilig Abend um 23 Uhr. In der deutschen Gemeinde feiern wir um 16 Uhr – kommt vorbei!

L wie lille julaften – am 23. Dezember wird der kleine Heilig Abend gefeiert oder sagen wir besser „gefeiert“, denn traditionell wird heute geputzt, Betten werden bezogen, letzte Einkäufe getätigt. Norwegische Geschäfte haben heute den größten Umsatz im gesamten Weihnachtsgeschäft. Martin und ich werden dazu später noch beitragen!

M wie mandel – wer die Mandel im Milchreis findet, bekommt ein julegris, ein kleines Marzipanschwein.

HALBZEIT!!!!! Könnt Ihr noch? Super, nur zwei Buchstaben haben bisher gefehlt, ist schon irgendwem etwas zu C oder I eingefallen? Auch ausgefallene Begriffe oder an den Haaren herbeigezogene Verbindungen zu Weihnachten sind willkommen!

Weiter geht’s!

N wie nisse – Es raschelt und kraschelt im Haus, und ganz magisch sind am nächsten Morgen Knöpfe angenäht, Holz gehackt oder ähnliches? Das waren die nisser, ganz klar, die Kobolde der norwegischen Sagenwelt, die sich ähnlich wie die deutschen Heinzelmännchen aufführen. Zu Weihnachten kommt in Norwegen julenissen und bringt Geschenke. Seine Belohnung: Leuchtende Kinderaugen und ein Teller Milchreis.

O wie O helga natt – ein weiteres beliebtes Weihnachtslied (eigentlich schwedisch), das ich hier vor allem aufführe, weil es a) mit O anfängt und b) ich damit meine Schwiegermutter Helga grüße :). Übersetzt heißt der Titel Oh heilige Nacht, aber darauf seid Ihr bestimmt schon selbst gekommen!

P wie pinnekjøtt – gehört zu Weihnachten in Norwegen wie Gans auf den deutschen Weihnachtstisch. Nicht, dass ICH finde, dass beide dorthin gehören! Pinnekjøtt sind getrocknete, gesalzene und geräucherte Lammrippchen, die über Nacht eingeweicht werden. Am nächsten Tag werden Birkenscheite in einen Topf gelegt und mit Wasser bedeckt, die Rippchen kommen obendrauf und das Ganze köchelt zwei Stunden vor sich hin. Zusammen mit Kartoffeln, Steckrübenmus und Preiselbeerkompott ist so für viele Norweger Weihnachten komplett. Weitere Favoriten auf norwegischen (Vor-)Weihnachtsmenüs sind lutefisk (getrockneter und dann wieder aufgeweichter Fisch), ribbe (Schweinerippe mit Kartoffeln, Sauerkraut und Dörrpflaumen) oder smalahove – und nun wird es heftig – ein Schafskopf, der dem mutigen Esser im Westen Norwegens neben die Kartoffeln gelegt wird. Wie oben  wie schon erwähnt, ist das norwegische Weihnachtsmenü teilweise nichts für schwache Mägen.

Q wie…na was wohl?…..quiz!! – Hier für alle Norwegenfreunde ein Weihnachtsquiz auf norwegisch.

R wie romjulen – Den Begriff für die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester habe ich erst kürzlich gelernt. Angeblich gehen während romjulen viele Kinder verkleidet von Tür zu Tür, singen und bekommen dafür Schokolade oder kleine Geschenke. Ich warte mal ab, was passiert. Diese Tradition heißt übrigens julebukk. Wieder was gelernt. Toll, oder!!!???

ENDSPURT!!! Seid Ihr noch da? Begriffe mit I oder C gefunden? Nein???? Ok, dann…

S wie Sølvguttene – dieser norwegische Knabenchor der Silberjungen singt am Heiligen Abend um 17 Uhr auf NRK das Weihnachtsfest ein….und das, während alle Kirchenglocken des Landes läuten. Es wird laut in Norwegen!

T wie Tre nøtter til askepott – Ja, unglaublich, aber wahr: Der tschechische Märchenfilm, der deutsche Kinder seit 1973 begeistert (entstanden als Kooperation zwischen dem tschechischen und dem DDR-Fernsehen) ist auch in Norwegen ein absolutes Muss! Wunderbarerweise läuft er hier auf Tschechisch mit norwegischer Synchronisation. DAS allein ist noch nicht wunderbar. Wirklich einmalig ist, dass man beide Tonspuren parallel hört und die die norwegischen Texte von nur einem…ich wiederhole EINEM….Schauspieler gesprochen wird. Da ertönt Aschenputtel im Bariton und ich liege unterm Tisch.

U wie Uvdal – In der Nähe der Hardangervidda liegt dieser kleine Ort, in dem die Kronprinzenfamilie ihr Weihnachtsfest verbringen wird. Das Königspaar feiert erst mit Tochter Märtha Louise, Ehemann Ari Behn, deren drei Töchtern und höchstwahrscheinlich unzähligen Engeln Weihnachten in Oslo, bevor sie zum Besuch auf die Hütte nach Uvdal aufbrechen. Wer die königlichen Familie zu Weihnachten erleben will: Das Königspaar besucht den Weihnachtsgottesdienst in der Holmenkollenkapelle am 25.12. um 12 Uhr. Die Kronprinzenfamilie geht am Heilig Abend um 16 Uhr in die Kirche in Uvdal.

V wie Vi tenner våre lykter når det mørkner – Norweger lieben Weihnachtslieder, hier sind die Top Ten (ohne Gewähr..:)…

De mest spilte julesangene

  1. En stjerne skinner i natt
  2. Det lyser i stille grender
  3. Vi tenner våre lykter
  4. Vårres Jul
  5. Himmel på jord
  6. Julekveldsvisa
  7. Romjulsdrøm
  8. Julekveld i skogen
  9. Musevisa
  10. Hei hå nå er det jul igjen

(Alle Lieder gibt es auf youtube!)

W, X, Y, Z wie …..Ich habe absolute keine Idee und dankbar für jeden Tipp!

Das war mein unvollständiges Weihnachts-ABC aus Norwegen! Hier bei uns werden wir deutsche und norwegische Traditionen lustig mischen und mit offenen Augen durch die norwegischen Weihnachtstage wandern. Wie schnell ging die Adventszeit doch wieder vorbei, ich war viel unterwegs und habe mitgenommen, was man an Weihnachtsvorfreude mitnehmen kann. Christkindlesmarkt und Adventsmusik in der deutschen Gemeinde, Adventsbesuch bei meinen Eltern und Freunden in Deutschland mit Besuch vom Celler Weihnachtsmarkt und einer schönen Adventsfeier, Krippenspiel in der Deutschen Schule, Weihnachtsmarkt in Bærums Verk und alles getoppt von einem gemütlichen, weihnachtlichen Zuhause mit eigenem, wunderbaren Weihnachtsmann.

Ich weiß, dass manche einen richtigen Horror vor Weihnachten haben. Euch könnte ich wünschen, dass die Tage schnell und schmerzfrei vorbei gehen. Lieber möchte ich Euch aber wünschen, dass Ihr in den kommenden Tagen einen Moment erlebt, der Euch wieder an Weihnachten glauben lässt.

Meine lieben Leser, Euch allen wünsche ich Fröhliche Weihnachten und drücke Euch, wo immer Ihr auch seid. Wir lesen uns wieder in einer Woche mit dem Jahresrückblick 2013!

Ha det bra og God Jul!!

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Ausstellung im Nobelpreiszentrum: Hva spiser verden? ODER Ej, wieso gibt es nur drei Sorten Joghurt im Supermarkt?

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Es gibt so Tage, da stehe ich im Supermarkt um die Ecke und denke: „Maaaaaaannn, warum gibt es denn IMMER dieselben Sorten Joghurt und Käse? – Wo ist denn hier die Abwechslung?“ oder ich klicke ungeduldig mit dem Kuli vor der Einkaufsliste, weil mir partout nicht einfallen will, was denn heute gekocht wird. Nervig finde ich diese Situationen, eingeschränkt die Auswahl an Lebensmitteln hier in Norwegen und überhaupt…dann gibt es heute eben Nudeln.

Ich bin so verwöhnt, dass die Frage gerechtfertigt ist: „Hast du sie noch alle?“

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Am letzten Donnerstag waren wonderful Ines und ich im Friedensnobelpreiszentrum (tolles Wort für Galgenraten), um die Ausstellung Hva spiser verden?/Was isst die Welt? zu besuchen. Ein Tipp an alle: Hingehen und zwar geschwind!!

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Seit dem Jahr 2000 reisten Fotograf Peter Menzel und Autorin Faith D’Aluisio durch die Welt mit nur einer Frage im Gepäck: Was habt Ihr in dieser Woche gegessen? Familien von Kalifornien bis Japan, von Grönland bis Mali öffneten ihre Küchen und präsentierten ihre Lebensmittel. Und eines kann ich Euch sagen: Da musste ich teilweise tief durchatmen. Wann habt Ihr das letzte Mal über Euer Essen nachgedacht? Was Ihr esst? Wo die Nahrung herkommt? Wie gesund das ist, was Ihr zu Euch nehmt? Was bedeutet es für die Umwelt, dass wir hier in Norwegen auch Mangos im tiefsten Dezember haben? Wie esse ich? Was esse ich? Und eine ganz spannende Frage: Wie sehr repräsentiert mein Essen mich, meine Herkunft, meine Weltanschauung und mein Verhältnis zu meinem Planeten?

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Schnell könnte man die Ausstellung  auf nur einen einzigen Aspekt schmälern: Manche haben zu viel und manche haben zu wenig. Leicht fällt das, betrachtet man eine US-Familie aus North Carolina, deren Küchenanrichte unter dem Gewicht von Chipstüten, Hamburgern, Milchflachen und Tiefkühlprodukten zusammenzubrechen droht und im Vergleich dazu eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie im Tschad, die vor drei Säcken Mehl und Körnern und einigen Schälchen mit Gemüse sitzt. Das wird einem flau im Magen, da will man helfen, da weiß man nicht wie. Aber die Ausstellung ist viel mehr: Sie zeigt ebenso viel über den Platz in dem wir leben, als auch davon, wie wir leben. Sie zeigt, welche Lebensmittel wo vorhanden sind und welche Essrituale in den einzelnen Ländern existieren. Wo wird viel Kaffee getrunken, wo mehr Tee? In welchem Land wird wie gefrühstückt? Welche Familien investieren Zeit und Liebe ins Essen, welche tauen nur Tiefkühlgerichte auf?

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Es ist eine Reise um die Welt, die Peter Menzel und Faith d’Aluisio uns erlauben und wir sind gerne mit ihnen unterwegs. Wir kriechen fast in die Bilder, um genauer zu erkennen, welche Lebensmittel konsumiert werden, oder um bestimmte Gemüsesorten zu bestimmen. Wir lachen über die schiere Lebensfreude einer 100jährigen Japanerin, die im Rollstuhl in der Küche ihrer Tochter neben einem Haufen Essen sitzt. Ich bekomme es bei einer australischen Familie mit der Angst zu tun: Nach der Masse von Fleisch auf ihrem Tisch zu urteilen, scheinen sie allein verantwortlich zu sein für das Aussterben bestimmter Tierarten. Und die Frage, die wir uns immer wieder stellen, ist: Essen WIR auch so viel? Wie viel essen wir eigentlich in einer Woche? Denn das war die Vorgabe: Jede Familie präsentiert die Nahrung einer Woche. Ist es möglich, dass eine norwegische Familie mit fünf Personen 21 Liter Milch pro Woche verbraucht? Eine deutsche Familie 18 Liter Saft? Und die Masse an fester Nahrung – essen wir etwa auch so viel?

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Wisst Ihr, welche Mengen Ihr pro Woche esst? Und was Ihr so esst? Ich glaube, ich esse zu ungesund. Zucker, Kohlenhydrate und unzählige Zusatzstoffe vergiften meinen Speiseplan. In der ersten Januarwoche werde ich also jeden Einkaufszettel sammeln, um Euch am Ende meine Nahrungswoche zeigen zu können. Nicht nur Euch – vor allem mir! (Die Weihnachtszeit eignet sich wirklich nicht dafür, finde ich. Gibt ja ein vöööööllig falsches Bild! Stimmt’s?) Und dann werde ich mir ein Kochbuch aus Guatemala kaufen, denn dort saß meine Lieblingsfamilie der Ausstellung. Bei Familie Mendoza wäre ich gern mal zum Essen eingeladen!

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Nach dem vielen Herumlaufen mussten wir uns mal setzen. Wie nett, dass das Nobelzentrum eine Unterhaltungsecke geplant hatte. Die fanden wir nicht nur zum Sitzen hervorragend! Holzwürfel mit Tastfächern ließen uns verschiedene Gemüse- und Obstsorten raten – unsere Favoriten waren aber die Geruchswürfel, in denen man – Nase voraus – Gewürze erkennen sollte. Ein großer Spaß! Abschließend erfuhren wir die Lieblingsgerichte verschiedener Nobelpreisträger und ich bin nun im Besitz der Rezepte von Jimmy und Rosalynn Carters Auberginenkasserollen, Shirin Ebadis Bohneneintopf und Barack Obamas Familienchili.

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„Hva spiser verden? Was isst die Welt?“ macht nachdenklich. Viele Herausforderungen, die unsere Erde heute zu stemmen hat, resultieren aus unserem Bedürfnis nach Nahrung. Nach zuviel Nahrung. Nach Nahrung, die Weltreisen unternehmen muss, um mir und meinem Körper etwas Energie zu geben. Wahnwitzige Energie wird verbraucht, um meinen 60-Kilo-Motor anzutreiben. Da sollten wir alle wirklich mal genauer drüber nachdenken.

Finde ich.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Allen in Oslo und Umgebung lege ich die Ausstellung ans Herz – im Moment ist der Eintritt sogar kostenlos. Am 10.12. wird der Friedensnobelpreis an die OPCW verliehen, gefolgt von einem abendlichen Fackelzug von Oslo S zum Grand Hotel an der Karl-Johans-Gate und einem Konzert am 11.12., dieses Jahr moderiert von Claire Danes. Teilnehmende Musiker sind unter anderem Mary J. Blige, James Blunt, Morrissey und der syrische Sänger Omar Souleyman. Eine ganz besondere Woche wird das hier in Oslo.

Ich werde auch eine ganz besonders schöne Woche haben –  in Hildesheim 🙂 Von Mittwoch zu Mittwoch fliege ich in die Heimat. Nächste Woche wird es also keinen Blog geben und wir lesen uns wieder am 13.12. Irgendwer hier abergläubisch?? 🙂 Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an Euch alle meine lieben Leser, danke, dass Ihr da seid. Ich wünsche Euch einen wunderschönen ersten Advent, genießt die Zeit, vergesst den Stress und guckt häufiger mal auf Euren Teller oder in Euren Kühlschrank und realisiert, wie gut es uns allen geht.Und dann teilt mit denen, die nichts haben.

Und wenn Ihr jetzt denkt: „Ich hab nichts.“ – dann denkt nochmal.

Ha det bra,

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Ulrike

Verrücktes aus der norwegischen Fernsehwelt ODER Was bitte ist Slow TV???

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Wehe, es meldet sich morgen jemand zwischen 10.15 und 15.00 bei mir. Da kann ich nicht, da gucke ich Fernsehen. Das Highlight des Jahres bei NRK 1: Die Schach-WM. Live.

Hallo, meine lieben verwirrten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute geht es einmal mehr um mein Lieblingsmedium und dessen Auswüchse hier im Norden. Begleitet mich also auf eine kurzweilige Reise in die Höhen (oder Tiefen?) der norwegischen Alltagskultur.

Bergensbanen, Hurtigrute und Nationale Stricknacht – Das Slow TV begeistert Norwegen

Vor einigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass der norwegische Sender NRK 1, vergleichbar mit ARD, beschlossen hat, die Schach-WM live zu übertragen. „Es ist vielleicht ein bisschen verrückt“, bewertete Programmchef Rune Haug die Idee. Ein BISSCHEN verrückt? Nein, Herr Haug, ein bisschen verrückt ist es, sich die Haare lila zu färben, Trolle zu jonglieren oder in der U-Bahn zu jodeln. Die Schach-WM zu übertragen ist VÖLLIG verrückt. – So verrückt, dass es schon fast wieder kultig ist. NRK hat Erfahrung mit ungewöhnlichen Sendeformaten: In 2009 lief auf NRK 2 die erste Folge der „minutt for minutt“ – Serie, bei der Zuschauer die populäre Bergensbanen auf ihrer Fahrt von Bergen nach Oslo begleiten konnten. Anlass für diese „verrückte Idee“ (NRK) war das 100jährige Jubiläum der beliebten Bahnstrecke. Das wirklich Verrückte war aber das Interesse der Zuschauer: Insgesamt 1,2 Millionen im In- und Ausland verfolgten die Übertragung, die von Samstag 19:55 bis Sonntag morgen 3:15 dauerte. Während dieser Zeit wurden Interviews mit dem Zugführer und mit Passagieren geführt, Bahnexperten kamen zu Wort und Zuschauer hingen fasziniert vor ihren Fernsehern, um ja keinen Moment der Reise zu verpassen.

(Erinnert Euch das an irgendwas? Genau, in Deutschland läuft so ein Programm nachts – es heißt „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ und wird als Füllmaterial genutzt. Ich stelle mir gerade vor, der NDR würde Samstagabends statt eines Krimis mit der Übertragung einer siebenstündigen Zugfahrt beginnen – was würde wohl passieren?)

Die Norweger liebten das Programm so sehr, dass im kommenden Jahr ein anderes Transportmittel verfolgt wurde: Die Hurtigrute. Diese traditionsreiche und bei Einheimischen wie Touristen beliebte Fährlinie wurde auf ihrer 134-stündigen Reise von Bergen nach Kirkenes LIVE begleitet. NRK 2 war erneut der ausführende Sender, und die Übertragung konnte am TV-Bildschirm oder per Livestream im Internet verfolgt werden – komplett mit englischen und norwegischen Kommentaren. Über 2,5 Millionen Zuschauer begaben sich per NRK mit auf die Reise und an den Häfen, entlang der Küste und auf Brücken sammelten sich Norweger und Urlauber mit Bannern und Blumen, Grüßen an die Familie und der Hoffnung, für einen kurzen Moment im Fernsehen zu erscheinen. Und selbst die königliche Familie konnte sich der Begeisterung nicht entziehen: Als die Nord-Norge nach 134 Stunden den Hafen von Kirkenes erreichte, winkte Königin Sonja zur Begrüßung von der königlichen Yacht.

Warum Slow TV?

Vielleicht gibt es in Deutschland ja ähnliche Sendungen, von denen ich einfach nichts weiß? Wie hier in Norwegen, wo ich vor einer Woche ein erneutes Highlight des sogenannten „Slow-TVs“ verpasst habe: Nasjonale Strikkenatt. Ja, Ihr übersetzt das schon richtig. Die Nationale Stricknacht. 10 Stunden lang konnten interessierte Wollfanatiker alles über Strickmuster, Schafscheren, Spinngeräte und die Geschichte des gestrickten Sockens im Allgemeinen erfahren. Ihr glaubt mir nicht? Hier ist der Beweis: Nasjonale Strikkenatt. (Internationale Leser haben wahrscheinlich keinen Zugang. Sorry. Nicht meine Schuld!) Ich danke an dieser Stelle Jeanette dafür, dass sie mich auf dieses Schmankerl hingewiesen hat. – Fernsehen der Langsamkeit ist also das Wort der Woche. Nach Slow Cinema, Slow Food und Slow Sex nun Slow TV. Die Idee ist nicht neu: Schon 1966 filmte Andy Warhol den Dichter John Giorno sieben Stunden lang beim Schlafen und in den 1980er Jahren startete im britischen Fernseher Video125, bei der Züge auf ihrer Fahrt durch England begleitet wurden (eine Idee, die dann von der Deutschen Bahn übernommen wurde). Das Konzept der Norweger ist aber so erfolgreich, dass es bereits in die USA verkauft wurde und da stellt sich doch die Frage: Warum?

Ich meine, mal ehrlich, wie spannend ist es, einen Zug oder ein Schiff zu beobachten?

Überhaupt nicht, und das scheint der Punkt zu sein. Keine Angst, ich verfalle nicht in abgenutztes Gejammer über unsere schnelllebige Zeit, blablabla. Denn würden wir nicht so schnell leben, wie groß wäre dann die Chance das Slow Food oder Slow TV Erfolg hätten? Na, eben. Auf die Kontraste kommt es an. Auf einmal hat unser Hirn nichts anderes zu tun, als aufs Wasser zu starren, oder auf die vorbeifahrende Natur. Eine Erholung! Und wir gucken sieben Stunden lang einem Zug zu, oder 134 Stunden einem Schiff und werden gaaaaanz ruhig. Ommmmmmmm. Oder beschäftigen uns 10 Stunden lang nur mit Stricken und Wolle. Oder 5 Stunden lang mit Schach.

Abschließende Gedanken zur Schach-WM und virtuelle Diskussion

Nun werden alle Schachfans wahrscheinlich seit Beginn dieses Textes ärgerlich mit den Füßen zucken, denn für sie ist Schach bestimmt eine unglaublich spannende Sportart, die ihren Platz im nationalen Fernsehen mehr als verdient hat. Mal ehrlich, schließlich wird ja auch Fußball übertragen oder…TENNIS!! Und das ist jawohl mindestens so langweilig wie….

Bitte?

…unglaublich öde und…

BITTE?

…pock pock….gäähn….

HALLO??? Das ist mein Blog und bisher habe ich hier keine fremden Stimmen erlaubt und wenn ich das eines Tages zulassen würde, wären es UNTER GARANTIE keine Anti-Tennis-Stimmen. IST DAS KLAR?

…pock…

RAAAAUS!!!!!

*schnauf*

Wo war ich? Nun also kommt die Schach-WM und ich bin gespannt. Der Grund, warum NRK sich zu dieser radikalen Programmgestaltung entschloss, hat den selben Grund, wie die plötzliche Übertragung der Frauen-Fußball-WM im französischen Fernsehen: Nationalstolz. So, wie die französischen Damen unerwartet erfolgreich am Ball waren, schiebt seit einiger Zeit Magnus Carlsen mit Geschick Figuren übers Brett. Der 22jährige Norweger ist die momentane Nr. 1 der Schachweltrangliste FIDE und seine Wertungszahl überstieg im Februar 2013 die von Schachlegende Garri Kasparow. Sein Jahreseinkommen liegt bei geschätzten 1,2 Millionen US-Dollar und dank ihm wächst das Interesse in Schach hier im Land. Mein Interesse an Schach ist gering, was auch daran liegen könnte, dass ich die Regeln nie vollständig begriffen habe. Um mal ehrlich zu sein: Ich spiele derartig schlecht Schach, dass es Partien gab, in denen sich mein König aus purer Verlegenheit ergeben hat.

Aber das wird sich ab morgen alles ändern: 10.15 NRK1. Was nehme ich denn am besten mit vor den Fernseher? Popcorn? Zu gewöhnlich. Chips? Irgendwie die falsche Uhrzeit für Junkfood. Vielleicht brunchen wir einfach gemütlich vorm Fernseher und nicken bedächtig, wenn Magnus eine Figur bewegt. Wie lange dauern denn eigentlich Schachspiele? Die Live-Übertragung endet nach 4 Stunden, was, wenn das Spiel dann gerade so spannend ist und einer kurz davor ist „Uno“ zu rufen?

Nee, Moment.

„Hochzeit“ zu rufen und die Füchse fängt!!

Nee, wartet mal, Schach, das ist das mit den Figuren und den unterdrückten Bauern und da sagt man….

„Remis!“

Jawoll.

Oder so.

Ich habe ja noch ein bisschen Zeit zum Lernen.

Die wöchentlichen Grüße an….

Das war es für heute, meine lieben Leser, für mich war dieser Ausflug ein großer Spaß und ich werde Euch auf dem Laufenden halten über die Ereignisse der Schach-WM, die Ihr in Deutschland ja leider nicht live verfolgen könnt. Tut mir leid! Ansonsten ist hier alles prima, wir erwarten gespannt den ersten Haushaltsplan der neuen norwegischen Regierung und noch gespannter die ersten Schneeflocken. Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an alle, die, wie ich, keine große Lust auf Schnee haben. Seid Ihr da irgendwo???

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, haltet die Augen offen für Neuigkeiten, wechselt immer mal wieder das Tempo und vergesst nicht zu lachen.

Ha det bra,

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Ulrike

London und Oslo – Ein (nicht ganz gerechter) Vergleich

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London ist eine der tollsten Städte, die ich kenne. Ich meine, Halloo?, London hat so viele Theater, dass ich mindestens vier Monate lang jeden Abend ein anderes besuchen könnte, ohne mich zu wiederholen. Naja, falls ich Tickets bekäme, denn DAS ist nicht immer leicht. Da ähneln sich London und Oslo – ausverkaufte Vorstellungen sind keine Seltenheit.

Hallo, meine lieben internationalen Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Vier Tage London – in Kurzfassung: Grandios! Aber es war auch schön, wieder zurück nach Oslo zu kommen. Die Unterschiede zwischen den beiden Städten könnten größer nicht sein, doch Obacht, es gibt auch Gemeinsamkeiten und wer glaubt, dass London im Vergleich immer die Nase vorn hat, der sollte sich an selbige fassen und erneut nachdenken. Es folgt also, ein (möglichst gerechter) Vergleich. In zehn Kategorien werde ich meine ganz persönlichen Erfahrungen gegenüberstellen, das kann totaler Nonsens sein, aber das ist ja nun mal mein Blog und ich darf das! Und natürlich ist es fast unmöglich, eine 600.000-Einwohner-Stadt mit einer 8-Millionen-Einwohner-Metropole zu vergleichen, aber ich mache es trotzdem. Jawoll! Für empörte Proteste oder begeisterten Zuspruch steht Euch das Kommentarfeld zur Verfügung! 🙂 Los geht’s also – Oslo vs. London!

1. Königshaus: Queen Elisabeth vs. König Harald

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Selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste (Therapieerfolge im Kampf gegen ausgeprägte Klatsch- und Tratschsucht und Gefallen an Königshäusern sind bei mir bisher nicht zu vermelden). Beginnen wir beim Schloss: So hübsch das norwegische Schloss auch inmitten von Bäumen gelegen ist; auch wenn es gerade einen funkelnagelneuen Vorhof bekommen hat; auch wenn man als Besucher fast an die Tür klopfen kann, bevor ein freundlicher Soldat sich nähert – alles nichts gegen Buckingham Palace. Hier, wo die ganze Welt live dabei ist, wenn sich auf dem königlichen Balkon geküsst wird oder wenn Blumenmeere vor den Toren liegen – hier weht ein royaler Wind. Als ich mit vielen anderen Touristen vor dem haushohen schwarzen Metallzaun stehe, frage ich mich für einen Moment, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, aber der Moment geht so fix wie er gekommen ist.

So beeindruckend der Palast ist, so unnahbar wirken seine Bewohner. Die norwegische Königsfamilie hingegen gilt als volksnah, was allerdings auch daran liegen kann, dass sie vom Volk eingesetzt und daher auch vom selbigen abgesetzt werden könnte. Da stellt man sich besser gut…. Klatsch und Tratsch bieten beide Häuser, ich gehe jetzt nicht ins Detail, keine Sorge. Der Vergleich der beiden Regenten fällt leicht: Elisabeth ist eine toughe Lady, die sich seit 60 Jahren von nichts unterkriegen lässt und Corgies liebt. Harald fläzt sich schon mal auf dem Stuhl bei der Verleihung des Friedensnobelpreises und segelt gern. (Was heißt hier, das sind komische Kriterien??????)

Meine Stimme geht an Elisabeth und insgesamt die britische Monarchie und deren Zentralvertretung in London. Das war einfach.

London – Oslo 1:0

2. Transport: Tube vs. T-Bane

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Auch wenn in London vieles zu Fuß gemacht werden kann, kommt der Besucher doch nicht daran vorbei, die Tube (sprich: tjuub), die Londoner U-Bahn, zu benutzen. Und DAS ist ein Abenteuer. Das System an sich ist simpel genug und ähnelt dem in allen anderen Städten: Es gibt verschiedene Linien, hier in Oslo haben sie Nummern, in London heißen sie u.a. Central Line oder District Line, Hammersmith&City oder Piccadilly. Unser Hotel lag in der Nähe von gleich zwei Stationen: Bayswater und Queensway. Die letztere ist Teil der Central Line und brachte uns in nur wenigen Minuten in die Innenstadt. In London wie in Oslo gibt es aufladbare Plastikkarten, die das Papierticket ersetzen und sehr praktisch sind. Die Londoner Oyster-Card liegt nun also hier in Oslo und wartet auf ihren nächsten Einsatz. So weit, so gut und so ähnlich sind sich die beiden Städte. Aber dann kommt der riesige Unterschied: Die T-Bane ist eine angenehme, saubere Transportmöglichkeit mit Sitzplätzen. Die Londoner Tube ist ein Stresscontainer. Eine Sardinenbüchse auf Schienen. Eine Zumutung! Zu viele Passagiere wollen in zu wenig Waggons transportiert werden, es wird geschubst und gedrängelt und geschubst und gedrängelt. Und das bei den höflichen Briten! Der Punkt geht in diesem Fall ganz eindeutig nach Oslo!

London – Oslo 1:1

3. Vegetarisches Essen

Heaven is a place on earth, war unser erster Gedanke im Manna, einem wunderbaren Restaurant im Londoner Stadtteil Primrose Hill. Da gab es vegetarische Würstchen mit Fenchelkartoffelmus, Kroketten aus Peperoni-Cashew-Käse oder Artischockenherzen gefüllt mit Ricotta. Eine ganze Speisekarte voller vegetarischer Köstlichkeiten – und das war nur eines der zahlreichen rein vegetarischen Restaurants in der Stadt. Anstatt wie immer zum Inder zu gehen oder zu Khrishnas Cuisine hatten wir in London eine Auswahl von mindestens zehn Restaurants. Da fühlt man sich doch gleich als normaler Mensch und nicht als Aussatz der fleischessenden Gesellschaft. UND geschmeckt hat es auch noch im Manna! Empfehlung an alle, die in London abends nett essen gehen wollen: Fahrt in den Norden und genießt die nette Atmosphäre.

London – Oslo 2:1

4. Kultur: National Gallery vs. Nationalgaleriet

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Muss ich natürlich aufführen, obwohl der Vergleich hier schon fast ungerecht ist. Aber dann auch wieder nicht, schließlich brüstet sich Oslo an mehr als einer Gelegenheit damit, das neue New York oder London zu sein. Im Kulturbereich kann ich dem ein entschiedenes „Nein!“ entgegensetzen. Die Anzahl und Qualität der Theater allein reicht dafür schon aus. Die norwegische Nationalgaleriet würde auf eine Etage der National Gallery passen, von den architektonischen Highlights der britischen Hauptstadt ganz abgesehen. Wo in London die Luft kreativ vibriert, weht in Oslo ein kreativer, aber provinzieller Frühlingshauch.

London – Oslo 3:1

5. Preise

Ich habe Hunter Gummistiefel gekauft für 500 NOK!!!! In London! 500!!!! Das verstehen jetzt nur die Leser aus Oslo, wo diese beliebten Plastikschuhe für sagenhafte 1500 bis 1700 NOK über den Ladentisch gehen. Und das ist nur ein Beispiel für das Ungleichgewicht zwischen Preisen in Norwegen und …. naja, allen anderen Ländern eigentlich. Oslo wurde erneut zur teuersten Stadt der Welt gekürt. In London einkaufen zu gehen, das war schon ein Urlaub an sich. Auf einmal haben Dinge wieder angemessene Preise. Es geht gar nicht so sehr darum, dass wir in Norwegen sehr viel mehr verdienen als in anderen Ländern. Es geht darum, dass die Flasche Mineralwasser in Oslo 2,- Euro kostet und die Salatgurke auch. Mit einem norwegischen Gehalt im Ausland zu leben, das wäre klasse!

London – Oslo 4:1

6. Bevölkerung

Zurück in Oslo hatte ich nach vier Tagen zum ersten Mal wieder das Gefühl durchatmen zu können. Platz um mich herum zu haben. In London ist immer irgendwo irgendwer. Ich finde das am ersten Tag absolut wunderbar, lasse mich gern mitreißen im Menschenstrom und habe das Gefühl, meinen Energiespeicher aufzutanken in dieser sich bewegenden Menschenmasse. Danach beginnt es mich zu stören. Am liebsten hätte ich immer, ganz in Dirty Dancing-Manier, gerufen: „Das hier ist mein Tanzbereich und das ist deiner, du kommst nicht in meinen und ich nicht in deinen.“ Oxford Street in London war eines unserer ersten Ziele – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Menschen auf einem Haufen gesehen hatte. Und alle sind in Bewegung und alle haben es eilig. Hier in Oslo „ta vi det med ro“, wir lassen es ruhig angehen. (Obwohl viele Norweger nichts von ihrer hektischen Großstadt halten, es kommt eben immer auf die Perspektive an.) Hier bleibt man mal auf der Straße stehen, um sich zu unterhalten, hier kann man über die Karl Johan bummeln, ohne dauernd angerempelt zu werden und selbst in der täglichen Rush Hour sind die T-Bane-Eingänge passierbar. Allerdings ist die Bevölkerung in London auch unterschiedlicher als in Oslo. Gerade hier im Westen der Stadt herrscht Konformität, aber auch beim Besuch der Innenstadt ähneln sich die Menschen. In London ist alles durcheinander: Punker, Rentnerin mit rosa Haaren, Geschäftsmann im teuren Anzug, ein Priester und eine junge Mutter sitzen mir gegenüber in der U-Bahn und diese Vielfältigkeit macht die Stadt spannend. Aber sie ist einfach zu voll. Deswegen ein klarer Punkt für Oslo!

London – Oslo 4:2

7. Umgangsformen

In der vollen Londoner U-Bahn tritt mir ein Mann auf den Fuß, dreht sich sofort um und entschuldigt sich. Ich gucke ihn mit großen Augen an. Im Hotel öffnet man mir die Tür ins Restaurant und im Britischen Museum kommt ein junger Mann zurück, der mir die Tür vor der Nase hat zufallen lassen, öffnet sie und lächelt entschuldigend. Ich bekomme es bei so viel gutem Benehmen fast mit der Angst zu tun. Hier in Oslo ist das anders. Immer noch habe ich nicht genau verstanden, warum, Janteloven hin oder her. Für mich ist und bleibt es unhöflich, eine Tür zufallen zu lassen oder seinen Sitzplatz nicht anzubieten, obwohl eine ältere Dame neben mir steht. Vielen Norwegern fällt das gar nicht auf, oder sie empfinden höfliche Gesten als aufdringlich. In London hatte ich endlich wieder das Gefühl, in der, für mich, normalen Welt zu sein.

London – Oslo 5:2

8. Lebensgefühl

Der elektrische Schock in London hat zwei Tage angehalten, danach habe ich die Stadt als anstrengend empfunden. Klar, wir waren auch fast 14 Stunden täglich unterwegs sind von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gewandert und von Café zu Café. Im Hyde Park konnten wir Luft schnappen und den Trubel vergessen und vor Picassos Sonnenblumen zu stehen war genauso ein wunderbarer Moment, wie den Gottesdienst in der St. Paul’s Cathedrale mitzuerleben. Aber hier in Oslo fühle ich mich besser, gesünder irgendwie, auch wenn das eine komische Beschreibung ist – vielleicht versteht es ja irgendwer? Es ist immer ein Unterschied, Tourist oder Einwohner zu sein, klar, aber ich denke, ich würde in London länger brauchen, um mich einzugewöhnen als hier in der gemütlichen Stadt am Fjord.

London – Oslo 5:3

9. Sport

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Ich sage nur: Wimbledon. WIMBLEDON! W I M B L E D O N !!!!!!! Würden wir in London wohnen, könnte ich mein alljährliches Sport-Highlight live sehen! In Oslo finden die norwegischen Tennismeisterschaften jährlich auf einer Anlage am Frognerpark statt. London bietet außerdem Premier League Football mit Chelsea und Arsenal UND, für Martin besonders wichtig, die NFL (National Football League, USA), veranstaltet immer mal wieder Spiele in der britischen Hauptstadt. Ob die Londoner selber viel Sport machen, weiß ich nicht, ich habe kaum wen gesehen. Ganz im Gegensatz zu Oslo, wo man geradezu überrannt wird von Joggern, Skiläufern oder Radfahrern. In Oslo wird sich gerne und viel bewegt und bald überträgt sich der Sportwahn auch auf die unsportlichsten Kreaturen wie mich zum Beispiel. In dieser Kategorie bin ich unentschieden und gebe beiden Städten einen Punkt. Tollen Sport zu gucken oder selber machen – da fällt die Wahl schwer.

London – Oslo 6:4

10. Natur

Der Hyde Park als Londons grüne Lunge ist eine schöne Abwechslung im Betongrau der Stadt. Kew Gardens und Hampstead Heath sind schöne Ausflugsziele und die englische countryside ist eine Reise wert. Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Natur zu erholen…aber…es kommt nicht an Oslo ran. Gelegen zwischen Fjord und schier unendlichen Waldgebieten, mit klaren Seen und kilometerlangen Wanderwegen ist Oslo einfach unschlagbar. Da gibt es nichts zu wollen, da gewinnt Oslo kilometerweit und wenn ich könnte, würde ich Oslo dafür glatt zwei Punkte geben.

Moment, ist doch mein Blog hier, oder?

Da kann ich machen, was ich will!!!

FREIHEIT!!!

2 Punkte für Oslos Natur. Oslo: Deux points!

Damit sieht das Endergebnis nach diesem mehr als subjektiven Vergleich wie folgt aus:

London – Oslo 6:6

Na toll, wie soll ich mich denn da entscheiden?

Muss ich ja gar nicht im Moment.

Aber vielleicht bald, denn London steht weiterhin auf der Liste unserer Wunschwohnziele. Warten wir ab, was passiert.

Das war es für heute, meine lieben internationalen Leser. Heute Abend ist Teestube und morgen Theatertag. Unser Theater-Projekt wächst und gedeiht und wird bestimmt fantastisch und deswegen schicke ich heute mal meine wöchentlichen Grüßen an eine super Gruppe, die sich voller Ideen und Spaß auf Shakespeare gestürzt hat: Astrid, Lina, Friedbert, Mandy, Erik, Christine, Christina, Isa, Birgit und Claudia. Mitte November starten wir außerdem ein Theaterprojekt an der deutschen Schule und werden mit hoffentlich lauter begeisterten Drittklässlern das diesjährige Krippenspiel einstudieren. Ich bin also mittendrin in der Kulturpädagogik – schön ist es.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, fahrt oder geht mal wieder an einen neuen Ort, begegnet Euren Ängsten (wie ich auf dem Dach von St. Paul’s) und begrüßt den tristen NOvember mit einem strahlenden Lachen: „YESvember!“

Ha det bra

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Ulrike

Deutschland im Sinn haben ODER Ich rede mir mal was von der Seele…

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„Aber die Abende sind mild und mein,
von meinem Schauen sind sie still beschienen;
in meinem Armen schlafen Wälder ein, –
und ich bin selbst das Klingen über ihnen…“

So schreibt Rilke in Nenn ich dich Aufgang und Untergang in 1898. Eines meiner Lieblingsgedichte und ein einwandfreier Beweis, falls man den braucht, für die folgende Aussage: Die deutsche Sprache ist schön.

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute kommt der Blog ungewohnt patriotisch daher, was daran liegt, dass gestern meine Muttersprache kritisiert wurde und das bei mir einen Nerv getroffen hat. Außerdem stelle ich mir zum ersten Mal in unseren zehn Jahren im Ausland die Frage, ob ich bei der nächsten Bundestagswahl meine Stimme abgebe oder nicht. Und schließlich gehen meine Gedanken an alle Opfer und Helfer des schrecklichen Hochwassers und auch an die merkwürdigen Blüten, die solche Katastrophen in den Köpfen mancher Menschen treiben.

Norwegen spielt heute also mal überhaupt keine Rolle!

Ätsch!

Seit über einem Jahr geht es hier IMMMER nur um Norwegen, da können wir auch ein Mal aussetzen.

Oder?

Selbst wenn Ihr jetzt alle im Chor „Nein!“ rufen würdet…Pech! Mein Blog, meine Entscheidung! 😉

Wie es heute beispielsweise meine Entscheidung war, aus einem bestimmten Forum bei Facebook auszutreten, um gegen ein wirklich geschmackloses Cartoon zu demonstrieren (ja, ich weiß, heldenhaft!!!), das dort gestern gepostet wurde und, wie bereits erwähnt, die deutsche Sprache denunziert.  In der Zeichnung werden bestimmte Wörter in verschiedenen, überwiegend romanischen, Sprachen genannt. Der deutsche Begriff steht als Abschluss und ist begleitet von einer verzerrten Grimasse, die das Wort auszuspucken scheint. In einem der letzten ist es eine Hitlerfigur, die das Wort „Unterscheidungsvermögen“ brüllt. Dem Cartoon zufolge sehen Ausländer Deutsche als kleine Hitlerfigur, wenn diese nur den Mund aufmachen.

Brüller.

Schenkelklopfer.

Ich mach mich nass.

„Was bist du humorlos!“ musste ich mir gestern anhören. Ja, bin ich, gab ich zurück. In der Beziehung bin ich völlig humorlos. Hitlerreferenzen sind dumm und unnötig, obsolet und geschmacklos und ich bin sie einfach leid! Da gibt es mit mir nichts zu diskutieren, das ist kein schwarzer Humor, ich gewinne nicht mehr Abstand zu dieser Zeit durch Humor und nein, ich will nicht besser verarbeiten können durch Gelächter.

Man macht darüber keine Witze.

So einfach ist das.

Die deutsche Sprache schlägt merkwürdige Blüten und entwickelt sich in ungeahnte Dimensionen und ja, das französische papillon fühlt sich vielleicht schöner an im Mund als der deutsche Begriff Schmetterling. Aber ein einziges Rilke-Gedicht führt alle Behauptungen, Deutsch wäre nur eine harte und krächzende Sprache, ad absurdum.  (Für weitere Beispiele steht Euch der Kommentarbereich offen!) Hier ein Zitat vom deutschen Schriftsteller und Politiker Heinrich Laube, der im 19. Jahrhundert schrieb:  „Die Sprache einer Nation angreifen, heißt ihr Herz angreifen.“ – Vor allem, wenn dieses Herz im Ausland lebt und dort die eigene Sprache noch wertvoller erscheint als in der Heimat.

Heimat, mit dem Begriff habe ich mich in dieser Woche noch aus einem anderen Grund beschäftigt. Wie allseits bekannt und durch Frau Merkel in Gummistiefeln auch unverkennbar klar, ist dieses Jahr Bundestagswahl. Für mich die dritte Wahl, die ich im Ausland erlebe.  Die erste Wahl allerdings bei der ich überlege, ob ich wirklich teilnehmen soll.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht politikmüde oder ähnliches. Wählen zu dürfen ist für mich eine wichtige, fast heilige Angelegenheit, für die Frauen wie Olympe de Gouges seit dem 18. Jahrhundert gekämpft haben und ich fühle mich genug mit ihnen verbunden, um nicht einfach so auf mein gegebenes Recht zu verzichten!!

Andererseits lebe ich seit mittlerweile zehn Jahren nicht mehr in Deutschland und unsere Rückkehr ist zwar nicht völlig ausgeschlossen aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Ich stimme also ab über die Politik in einem Land, die mich nur sehr wenig tangiert. Nicht an der Wahl teilzunehmen, würde für mich aber noch etwas anderes bedeuten: Ein weiteres Verbindungsseil zur alten Heimat wäre durchgetrennt. Und das ist eine Entwicklung, die ich hier in Norwegen immer mehr an mir beobachte…

(Himmel hilf, soll ich mal schnell einen Witz erzählen, oder seid Ihr eh alle schon weg? Wen interessiert dieses Gababbel auch wirklich…Ist ja fürchterlich heute…ÖDE!!!! Schnell ein Witz! Also: Gehen zwei Zahnstocher im Wald spazieren. Plötzlich läuft ein Igel an ihnen vorbei. Da sagt der eine Zahnstocher zum anderen: „Sag mal, wusstest du, dass hier ein Bus fährt?“…besser?? 🙂 …)

Ja, solche Gedanken mache ich mir also und vielleicht sind die ja völlig überflüssig und einer der alten Auslandshasen schreibt nachher: „Stell dich nicht so an, geh wählen, jede Stimme zählt!“ oder ähnliches. Ich glaube, dass ich mich ganz tief drinnen schon entschieden habe. Warten wir es ab.

Abwarten und zusehen, wie ihr Hab und Gut, Erinnerungen und Schätze vom Wasser zerstört wurde, mussten in dieser Woche schrecklicherweise Hundertausende von Menschen in Europa. Freunde in Sachsen und Bayern berichten von Angst und Hoffnung, Unglauben und Vertrauen,  um dann doch aufgeben zu müssen, als sich das Wasser seinen Weg bahnt. Gleichzeitig aber steigt die Hilfsbereitschaft und das Miteinander, in fremden Kellern wird der Schlamm weggeräumt und Unbekannte werden mit Brötchen und Kaffee versorgt.

Und dann? Dann kommen irgendwelche Stammtischexperten und haben nichts besseres zu tun, als in diese Flut von Menschlichkeit und Gemeinschaft zu rufen:

„Verpflichtet die Hartz IV-Empfänger zum Schlammschieben! Die haben doch eh nix Besseres zu tun!“

Und

„Wo sind die Spendengelder aus dem Ausland für uns, häh???? Seid Ihr alles nur Schmarotzer im Ausland?? Wer sich traut, das auch zu posten, der zeigt Solidarität!!!“

Was sage ich denn dazu?

Oh, ganz einfach.

Moment, ich geh mal auf das Niveau runter….kletter, kletter, kletter…igitt, hier stinkt es aber…muffiges altes Gedankengut…so, jetzt:

RUHE!!!!

Meine lieben Leser, das alles hat mich diese Woche beschäftigt und der Blog wirkt ganz ungewohnt. Vielleicht liegt es auch an den Drogen, die ich seit Montag gegen meine dusselige Sommererkältung nehme. Das Gute an einer Sommererkältung ist, dass der Sommer da ist und das ist er: Schönster Sonnenschein lässt Oslo strahlen, lockt uns in die Parks und an den Fjord und ich hoffe, dass das Wetter auch nächste Woche hält, wenn Freundin Sabine aus Berlin zu Besuch kommt.

Das war es schon für diese Woche, ich wünsche Euch allen viel Sonnenschein, sowohl draußen als auch ganz besonders in der eigenen Seele. Kämpft für das, was Euch wichtig ist und macht den Mund auf, wenn Euch was nicht gefällt (aber bitte vorher nachdenken!). Meine Grüße und besten Wünsche gehen an dieser Woche an Hagen und seine Familie, stellvertretend für alle, die vom Hochwasser betroffen sind und an alle Helfer, die sich ebenso dem Schlamm stellen. Ihr macht mir Mut!

Ha det,

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Ulrike

Justin Bieber is in town!!! ODER Warum in Oslo der Bus nicht fuhr.

thelocal.no

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Oslo ist auf dem Weg der Besserung. Der Busverkehr läuft normal, die Polizei widmet sich Taschendieben und Mördern, die kreischenden Mädchen sind zurück in der Schule und an Tjuvholmen können Touristen und Einwohner in Ruhe Kaffee trinken. Die Stadt hat den größten Schock des Jahres überwunden. Justin Bieber ist abgereist.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Lange habe ich überlegt, ob ich mich diesem Thema widmen soll, aber da die Nachrichten über „das Konzertereignis 2013 in Europa“, drei Justin-Bieber-Konzerte in Oslo, schon bis nach Deutschland gedrungen sind, konnte ich nicht widerstehen.

Justin Bieber also.

Gibt es irgendwen, der von dem kanadischen Jungenwunder noch nicht gehört hat? Dann hier eine Kurzbeschreibung: Justin Bieber, 19 Jahre alt, kanadischer Sänger, bekannt geworden übers Internet.

@Universal Music Norway

@Universal Music Norway

Das Problem ist: Ich kann mir so gar kein Urteil über ihn erlauben, da ich außer seinem Gesicht auf Kissen oder Unterhosen nichts von ihm weiß. ABER: Ich kann mich ja bilden. Und zwar live, jetzt hier mit Euch. Es folgt also live aus Oslo, um 12.42 Uhr Ortszeit: Ulrike hört den ersten Song von Justin Bieber. Als erstes: Youtube aufrufen…J u s …ok Youtube weiß sofort, was ich will. Ich klicke auf „Justin Bieber“. – Oh Gott, ob ich jetzt für immer und ewig im Internet gespeichert bin als Bieber-Sucher?? Hilfe! Kann man hier irgendwo eine extra Bemerkung eingeben wie: „Ich suche das aus professionellen Gründen?“ oder „Haha, nur ein Scherz!“, bitte? Nee, geht nicht. OK. Egal.

Welchen Song nehmen wir denn? „As long as you love me“ steht zur Auswahl, „Boyfriend“ oder „Beauty and a beat“. Diese Poetik. Doll. Aber ich will ja ganz offen rangehen. Der Junge sieht nach nichts aus, da muss doch wenigstens die Musik gut sein, oder? Also ich nehme……„As long as you love me“…los geht’s!

Okay.

Oh.

Ohweh.

Ohwehohwehohwehautsch.

Ich bin mir nicht sicher: Ist er vor oder nach dem Stimmbruch? Warte, 19 Jahre alt, nee das sollte erledigt sein, ok, gut, manche Männer haben eben hohe Stimmen.

Männer…kicher.

Also, mein erster Eindruck: Zähne zu weiß, Lächeln zu nett, Bescheidenheit zu gespielt, aber alles in allem – es gibt Schlimmeres. Das Video ist von den Teen Awards in Großbritannien und Justin singt unplugged und live, nur von einer Gitarre begleitet. „As long as you lo-lo-lo-lo-love me…“ und ab geht’s in die hohen Töne wie ein Affe auf die Palme. Immerhin kommt er oben an. Wo sind meine Sängerfreundinnen, wenn ich sie brauche? Für mich hört sich das ganz okay an, Pavarotti wird er nicht, aber naja wie gesagt – es gibt Schlimmeres. Lied ist sterbensöde, wechseln wir mal zum nächsten Lied auf der Liste.

„Boyfriend“.

Hm.

Oha.

Ohahahaha.

Nun rappt er.

Oho.

Oh…der TEEEEEEEXTTTTTT!!!!

„Swag, swag, swag on you/Chillin‘ by the fire while we’re eatin’ fondue”. Als Rap. Ich liege lachend auf dem Schreibtisch. Wunderbar. Wer textet das um Himmels Willen? Aber ich gebe nicht auf, aller guten Dinge sind ja drei und ich wähle nun ein letztes Lied aus, nämlich „Beauty and a beat“, einfach weil der Titel so unterhaltsam ist.

Ok, ich begreife langsam ein Muster. JB (so nennen ihn seine Fans, jahaaa, ich kenn mich aus!) startet immer mit etwas Gestöhne, was verständlich ist bei dem Text, den er gleich singen muss. Dann folgt ein bisschen „oh-ho-oh-youhou“, ein weiterer Versuch, dem Text zu entgehen. Dieser Song ist von seinem Akustikalbum und ja, ist doch ganz nett. Oder um einen Fan zu zitieren: „I am a guy (straight) and (…) his acoustic album is very good“. Jungen müssen sich also als heterosexuell deklarieren, wenn sie Justin Bieber hören. Was ein nicht ganz dummer strategischer Zug ist, denn wie kann man das Herz eines Mädchens schneller gewinnen, als die Musik ihres Idols zu kennen? Vielleicht sogar zu singen? Wie romantisch. Aber ganz ehrlich: Es gibt schlimmere Musik. Diese hier schwingt harmlos durch die Gehörgänge, manches bringt den Fuß zum Wippen,  nichts beleidigt, nichts begeistert, es ist wunderbar nichtssagend. Finde ich. Auf jeden Fall scheint es den Nerv und das Herz vieler Teenager zu treffen. Das kann Bach nicht von sich behaupten. Immerhin.

Beschäftigen wir uns kurz mit den weiblichen Fans, die in der letzten Woche die norwegische Hauptstadt übernommen haben. Viele kamen mit ihren Müttern, was zwar irgendwie uncool ist, aber in der Altersgruppe gesetzlich vorgeschrieben. Um ihrem Idol so nahe wie möglich zu sein, haben sich Mädchen in allen drei großen Hotels in Oslo ein Zimmer gebucht und dafür ihre Ersparnisse oder ihr Konfirmationsgeld aufgebraucht. Bereits um 7.30 Uhr morgens standen sie im strömenden Regen vor der Telenor –Arena in Fornebu, um die besten Plätze in der Halle zu bekommen. Mein Außenkorrespondent Martin berichtete live jeden Morgen davon auf seinem Weg ins nahe gelegene Statoil – Büro. Polizei und Rotes Kreuz waren in Alarmbereitschaft und kreischende Mädchen gehörten für drei Tage zum Stadtbild. Sie kamen mit Shuttlebussen aus ganz Norwegen angereist, und fürchteten sich nur vor einem: Dass das Konzert und ihre Begegnung mit JB vorüber ist.

Ohje.

Ich bin definitiv zu alt für sowas. Wie mit der Hoffnung der Mädchen, ihr Idol wirklich zu treffen, gespielt wird; wie diese Hoffnung in jedem Song, in jedem Fan-Artikel vermarktet wird; das finde ich unglaublich. Unverantwortlich. Unverschämt. Warum es funktioniert? Ich habe nicht die geringste Ahnung. (An dieser Stelle freue ich mich über Kommentare von Bieber-Fans, die mir das mal erklären!) Aber ich bin ja auch nicht 13. Wahrscheinlich steckt dahinter viel mehr, ein soziales Dilemma, ein Bedürfnis nach Nähe und Liebe und so.

Naja, oder auch nicht.

Vielleicht besitzt Justin eine magische Ausstrahlung, die Mädchen einfach in seinen Bann zieht. Ich suche mal ein Interview. Moment. Ah, da ein ganz langes Interview aus Chicago. Talkshow-Königin Oprah Winfrey interviewt Justin Bieber. Dann mal los.

Nein, geht nicht, ich muss ausschalten. Ein Interview mit Justin Bieber geführt von Oprah Winfrey ist einfach zuviel für mich. Ich lerne allerdings: JB ist der am meisten gesuchte Begriff bei Google, er hat 30 Millionen „followers“ bei twitter, verdient über 100 Millionen Dollar jährlich und all das, weil seine Mutter ein Video ihres 12jährigen Sohnes auf youtube gepostet hat. Scooter Braun, Musikagent, entdeckt die Videos, reist nach Kanada und der Rest ist Geschichte. Oprah Winfrey nennt Bieber in einem Atemzug mit Elvis, den Beatles und Michael Jackson. Der Superstar seiner Generation. Das Ausmaß seines Erfolgs ist unglaublich und so sehr ich auch versuche, mich darüber lustig zu machen: Er ist ein globales Phänomen. Mit einem verdammt intelligenten Marketingteam. Ich frage mich, wann er Zeit und Ruhe hat, die ganzen Dinge zu erleben, von denen er in höchsten Tönen singt. Fans, Medien, Manager ziehen und zerren an ihm, wollen ihn als Sexsymbol, Popstar und Verkaufsschlager. Lächeln soll er, sexy sein und immer schön die Haare schwingen und dann Texte wie „As long as you love me, we could be starving“ singen.

„You know girl, we know it’s a cruel world.“

Wohl wahr. Die Welt ist brutal im Show-Business.

Ganz tief in meinem Innern regt sich so etwas wie Mitleid. Für einen Jungen, der momentan nicht raus kann aus dieser Welt, die ihn produziert hat und nun verfolgt und googelt, kritisiert und verhöhnt, bewundert und verlacht für etwas, das er vielleicht gar nicht ist. Für einen ganz kurzen Moment…

Schon vorbei!!!

Mal ehrlich, ist doch albern, worüber will sich ein 19jähriger beschweren, den Millionen von Mädchen sexy finden, der Tonnen von Geld verdient und die ganze Welt bereist? „I am really only a normal guy, who tries to fit in“, erklärt er Oprah, die anerkennend nickt. Oh biiiiiiitte! Einfach mal wieder in Ruhe essen gehen wünscht er sich.

Na, dann komm nicht nach Oslo, Justin! Hier klappt das unter Garantie nicht. Hier stoppt sogar eine ganze Buslinie, wenn du kommst. Bleib‘ lieber in den USA, okay? Or in Canada, eh?

Mit diesen weisen Worten will ich für heute enden, meine lieben Leser. Der Versuch, Euch und mich in Popkultur zu bilden, hat Spaß gemacht. Oder? Hallo? Ist überhaupt noch wer von Euch da, oder habe ich Euch alle verjagt? Ich bin jetzt wenigstens auf dem neuesten Stand und vielleicht sollte ich mir wirklich mal ein JB-Konzert angucken, was denkt Ihr? Darüber ließe sich bestimmt wunderbar bloggen!! Vielleicht nächstes Jahr!

Euch allen wünsche ich ein tolles Wochenende und eine schöne Woche. Wir gehen morgen zur Mathalle (Essenshalle, so eine Art Markt) in Grünerlokka und freuen uns auf dänische Delikatessen. Der Rest der Woche wird ruhig, ich übersetze weiterhin die spannende Krimistadtführung von Freund Benjamin in Berlin – ein echter Spaß! Meine Grüße gehen diese Woche an meine Freundin Silvi, die sich nach ihrer Handoperation auskuriert. Halt durch!!!

Lass es Euch gut gehen bis nächsten Freitag, erforscht mal ganz neue Dinge, bleibt immer offen und begrüßt den Frühling.

Ha det bra,

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Ulrike (und Justin)

Janteloven, das moralische Gesetz in Norwegen ODER Willkommen bei den Borgs?

„Petter Nordhug: Ich scheiße auf Janteloven!“ titelte das Online-Magazin abc nyheter Ende Januar.  Zwar hat die Kreativität der Journalisten viel zu diesem angeblichen Zitat des norwegischen Skiläufers beigetragen. Aber vielleicht ist doch etwas Wahres dran? Vielleicht? Das wäre ja unerhört! Ein Norweger, der das moralische Grundgesetz der Nation verachtet! Skandal!

Willkommen meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich bin nicht so ganz auf dem Damm (danke an die- oder denjenigen, dessen Viren sich in gerade munter in meinem System tummeln) und werde mich etwas kürzer fassen. Aber wie sagt man hier in Norwegen so schön: Kortfattethet er sjelen av vidd.

In der Kürze liegt die Würze.

Zurück also zu Petter und seiner fäkalen Aussage zu Janteloven, den Zehn Geboten Skandinaviens, die aber meist als Einheit betrachtet werden und im Grunde nichts anderes sagen als:

Denk bloß nicht, du bist was Besonderes.

Na, das sitzt erstmal.

In unserer ruhm-geilen Welt voller DSDS, Youtube und facebook scheint eine derartige Aussage völlig fehl am Platz. Gerade das Gegenteil ist uns wichtig: Wir SIND was Besonderes. Wir überbieten uns mit abenteuerlichen Geschichten, erlebten oder erfundenen Krankheiten, Lobtiraden vom Chef/Kollegen/Kunden, neu gekauften Autos oder smartphones, ja sogar mit Hilfeleistungen oder verteilten Freundlichkeiten versuchen wir zu konkurrieren.

Denk bloß nicht, du bist was Besonderes.

Wer gerade zustimmend nickt, sollte nochmal kurz und scharf nachdenken.

Nur vorsichtshalber.

ICH kann von MIR nur sagen:

Natürlich halte ich mich für etwas Besonderes. Hallo???? Was denn sonst?

Anscheinend bin ich dafür im falschen Land.

Vielleicht sollte ich in die USA auswandern?

Nun mal halt, ganz langsam. Bevor ich anfange, die Koffer zu packen, sollten wir uns Janteloven genauer angucken.

Das vom dänischen Schriftsteller Aksel Sandemose 1933 beschriebene Moralkonzept besteht aus zehn Geboten. Here they are:

  1. Du skal ikke troe at du er noe. – Glaube nicht, dass du etwas bist.
  2. Du skal ikke tro at du er like så meget som oss.- Glaube nicht, dass du so bist wie wir.
  3. Du skal ikke tro du er klokere enn oss.- Glaube nicht, dass du klüger bist als wir.
  4. Du skal ikke innbille deg du er bedre enn oss. – Bilde dir nicht ein, dass du besser bist als wir.
  5. Du skal ikke tro du vet mere enn oss.- Glaube nicht, dass du mehr weißt als wir.
  6. Du skal ikke tro du er mere enn oss.- Glaube nicht, dass du wichtiger bist als wir.
  7. Du skal ikke tro at du duger til noe.- Glaube nicht, dass du irgendetwas gut kannst.
  8. Du skal ikke le av oss. – Lach nicht über uns.
  9. Du skal ikke tro at noen bryr seg om deg.- Glaube nicht, dass sich irgendwer um dich sorgt.
  10. Du skal ikke tro at du kan lære oss noe. – Glaube nicht, dass du uns etwas lehren kannst.

So, das lassen wir erst mal sacken. Hurra auf das WIR! Es lebe das WIR! Ich fühle mich an die Borgs aus Star Trek erinnert. An die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking.  Mal ehrlich: Im ersten Moment hört sich das alles sehr entmutigend an. Das Janteloven fordert eine permanente Selbstkritik von mir; es unterbindet Originalität und Aus-der-Reihe-tanzen.  Es zerhackt meine Selbstachtung wie ein norwegischer Bauer sein Holz im Winter.

Auf der anderen Seite fördert es Gleichheit und Fairness. Es macht die Gesellschaft zum Zentrum, zur wichtigsten Einheit. Es behauptet, dass jeder seinen Teil tun muss, damit das Ganze funktioniert. Aber sich darauf dann nichts einbilden soll. Nicht ohne Grund sind die skandinavischen Länder Vorreiter in der Gleichberechtigung der Geschlechter. Und mancher leistungs- und profilorientierten Gesellschaft könnte ein Schuss Janteloven gut tun.

Konformität gegen Originalität. Vielleicht war das Jantelov in seiner Entstehungszeit ein Mittel zum Überleben. Wie anders sollte eine kleine Gemeinschaft funktionieren, als dass jedes Mitglied den gleichen Regeln folgte? Früher war die Familie oder das Dorf die Garantie um zu überleben.

Ich bin verwirrt.

Und irgendwie passt es auch nicht zu dem, was ich hier tagtäglich um mich herum erlebe. Hier wird geprotzt mit neuen Autos, Rädern, smartphones, dem allgemeinen Reichtum des Landes. Das nervt mittlerweile selbst die skandinavischen Nachbarn. Es wird gewetteifert im Sport und im alltäglichen Leben. Im Fernsehen laufen US-Serien, die dem Jantelov höhnisch ins Gesicht lachen. Aber vielleicht sitzt es trotzallem ganz tief drin in den Norwegern und allen, die hier länger leben.

Wer weiß, vielleicht ist es ja auch schon in mir drin??

Obwohl, nein, ich scheine mit dem Anti-Jantelov übereinzustimmen, das da lautet:

  1. Du er enestående. – Du bist einzigartig.
  2. Du er mere verdt enn noen kan måle. – Du bist mehr wert, als andere messen können.
  3. Du kan noe som er spesielt for deg. – Du kannst etwas Besonderes.
  4. Du har noe å gi andre.- Du hast anderen etwas zu geben.
  5. Du har gjort noe du kan være stolt av.- Du hast etwas gemacht, auf das du stolz sein kannst.
  6. Du har store ubrukte ressurser. – Du hast große, ungenutzte Reserven in dir.
  7. Du duger til noe. – Du bist zu etwas nutze.
  8. Du kan godta andre. – Du kannst andere akzeptieren.
  9. Du har evner til å forstå og lære av andre. – Du hast die Fähigkeit, andere zu verstehen und von ihnen zu lernen.
  10. Det er noen som er glad i deg. – Es gibt jemanden, der dich liebt.

Vielleicht ist eine Mischung beider „Gesetze“ die Lösung!

Was denkt Ihr?

Das war es schon wieder für heute, meine lieben in 7er-Gruppen erstaunt guckenden Leser. Ja, irgendwie haben die Viren den Blog heute etwas seriöser gemacht.

Tut mir ja jetzt leid.

Nächste Woche geht’s hier wieder lustiger zur Sache!! Jawoll. Dann war ich nämlich im Astrup Fearnley Museum für Moderne Kunst und bin durch eine aufgesägte Kuh gegangen. Das hört sich doch nach Spaß an.

Nun gehen die Viren und ich aber erst mal wieder aufs Sofa.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, überprüft mal Eure Moral, lasst Euch nicht unterkriegen aber fliegt auch nicht zu hoch und vergesst nicht: Ich finde Euch alle toll!

Ha det bra,

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Ulrike

Norweger…..verzweifelt gesucht! Teil 1 oder Hei, vil du være vennen min?

Eigentlich finde ich Vorsätze fürs neue Jahr unsinnig. Meistens man macht ja gute Vorsätze, bei denen klar ist: Das wird nichts. Oder man entscheidet sich für harmlose Vorsätze, deren Erfüllung jedem Pfadfinder nur ein schwaches Gähnen entlockt.

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Dabei ist die Auswahl der Vorsätze vielfältig: Nett sein zu Mitmenschen, mehr oder überhaupt Sport treiben; das Rauchen/Trinken/Spielen/Schokoladeessen/ etc. aufgeben; einen Baum pflanzen, ein Haus bauen UND ein Kind zeugen; angefangene Projekte beenden; glücklich sein.

Dieser repräsentativen Auswahl füge ich meinen guten Vorsatz für 2013 hinzu:

Ich will Norweger kennenlernen.

Ich sehe Eure Blicke, meine lieben Leser!  Ich höre Eure Stimmen! „Da lebt sie in Norwegen und will Norweger kennenlernen. Geht’s noch?“

Nein, es geht eben nicht. Norweger kennenzulernen ist nicht so einfach wie Ihr denkt. Ehrlich gesagt, habe ich mir hier in Oslo ein fast vollständig Norweger-freies Umfeld geschaffen. Am Samstag bei unserer Einweihungsparty fiel es mir auf: Außer den zehn deutschen Freunden saßen dort zwar zwei wunderbar nette Dänen….von Norwegern aber keine Spur. In den letzten Tagen verbrachte ich meine Zeit abwechselnd in der deutschen Gemeinde, dem deutschen Goetheinstitut und der deutschen Schule, kurz unterbrochen von einer Verabredung mit einer deutschen Freundin, die mich, dem Thema verhaftet, zu deutschen Käsespätzle einlud.

Das letzte Mal, dass ich so viel Deutsch gesprochen habe war in…Deutschland.

Ich übertreibe. NATÜRLICH habe ich auch Kontakt zu Norwegern. Gerade eben sprach ich mit Jens am Telefon.

Er ist Kundenberater beim Stromversorger NorgesEnergi und sehr nett.  Und dass, obwohl ich kein Abo wollte. Außerdem habe ich täglich Kontakt mit Stine, meiner freundlichen Kassiererin im Kiwi-Supermarkt und Kira, die Bibliothekarin in der Deichmanske Bibliothek plaudert immer wieder nett mit mir.

Aber niemand von denen würde ich zu meiner Einweihungsparty einladen! (Und selbst wenn, würden sie kommen?)

Nun stellt sich die Frage, woher dieses Norwegerfreie soziale Umwelt kommt. Ich habe so meine Vermutungen:

  1. Ich arbeite von Zuhause aus oder in der deutschen Gemeinde. Beide Orte sind überwiegend frei von Norwegern (vor allem unsere Wohnung, außer Hausmeister Björn muss etwas reparieren).
  2. Das Goetheinstitut, die deutsche Schule oder die deutsche Gemeinde sind ein Zuhause in der Ferne: Alle, die sich dort treffen sprechen die gleiche Sprache, haben dieselbe oder eine ähnliche Kultur, viele Anknüpfungspunkte und gemeinsame Geschichten. Dort zu sein fühlt sich so schön sicher an. (Dieser Absatz ist allen gewidmet, die sich über die Ghettobildung von Immigranten in, z.B., Deutschland beschweren. Wer das noch nie erlebt hat, kann es nicht im Geringsten verstehen und noch weniger verurteilen.)
  3. Huch, ich bin heute so ernst.
  4. Entschuldigung.
  5. Schnell ein Witz.
  6. Treffen sich zwei Rühreier, sagt das eine: „Hach, ich bin heute ganz durcheinander.“
  7. (Über den lache ich seit 5 Tagen.)
  8. (Ja, ich hab einen einfachen Humor. Lucky me.)
  9. Also zurück zu den Gründen, warum ich keine Norweger kenne.
  10. In Oslo bieten sich unzählige Angebote auf andere Ausländer zu treffen, die sich in Oslo niedergelassen haben und verstehen , wie es sich anfühlt, im Ausland zu leben. Gerade hier in Frogner und Majorstuen wimmelt es von Europäern und Amerikanern, hier findet man englische Pubs und amerikanische Cafés, hier kann man mexikanischen Totentag feiern und Halloween.
  11. Und nun zum entscheidenden Grund: Ich versuche nicht stark genug, Kontakt mit Norwegern zu bekommen. Dabei bin ich so neugierig auf ihre Kultur, ihre Sprache und Geschichte, ihre Ansichten zu Gott und der Welt. Aber eine ernsthafte Suche hat noch nicht stattgefunden.

Doch das werde ich ändern. Ich werde mir neue, norwegische Freunde suchen. Oder Bekannte. Wenigstens das. Auf geht es!

Es geht dabei natürlich auch um Integration. Gelungene Integration besteht aus Annäherung, gegenseitiger Auseinandersetzung und Kommunikation, Finden von Gemeinsamkeiten und Akzeptanz von Unterschieden (behauptet wikipedia). Früher wurde gesagt, Integration bestehe aus Erwerbstätigkeit, sozialem Kontakt und Beherrschen der Landessprache. Das alles ohne die eigene kulturelle Identität aufzugeben. Da stellt sich bei uns Nomaden natürlich die Frage: Wie sehr wollen wir uns integrieren? Läuft es nicht alles prima so wie es ist?

Nee, nicht so 100%. Mein guter Vorsatz steht also fest: Ich will Norweger kennenlernen! Ich werde Euch über meine Erfolge oder Misserfolge auf dem Laufenden halten. Ist doch selbstverständlich! Mal sehen, was so passiert.

Enden möchte ich heute mit der angekündigten Geitost/Brunost-Vernichtungsaktion, die Mitte Januar im nördlichen Norwegen stattfand:  27 Tonnen des karamellisierten Höllenprodukts gingen im Brattli Tunnel am Tysfjord in Flammen auf. Fünf Tage loderte das Feuer im schwer beschädigten Tunnel. Die Kombination von Fett und Zucker führte dazu, dass der Käse „wenn er heiß genug wird fast wie Benzin brennt“, erklärte der verantwortliche Polizeibeamte Viggo Berg. Kjell Bjoern Vinje vom Norwegischen Straßenbauamt fasste seine Überraschung so zusammen: „Ich wusste nicht, dass Brunost so gut brennt.“

So.

Na, das ist ja was.

Räusper.

Hihi.

Pscht.

Hehe.

PSCHT!

Hahahahahahahaha!!!!

27 TONNEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Gut gemacht!

Der unverletzte LKW-Fahrer ist sich keiner Schuld bewusst und auch ich muss hier alle Schuld von mir weisen, aber wer immer es war:

DANKE! Mein Bruder oder meine Schwester im Geiste, ich vernehme deine Botschaft!

WEG MIT DEM BRUNOST!

Hm.

Tja.

Ob das nun ein erfolgsversprechender Ansatz ist, um Norweger kennenzulernen, wage ich zu bezweifeln…..

OH! ICH WEISS!

Ich werde nach Norwegern suchen, die KEINEN Brunost oder Geitost mögen!

Problem gelöst.

Das war es schon wieder für heute, meine lieben in 7er-Freundschaftsgruppen zusammensitzenden Leser. Morgen steht ein Kreativtag mit meiner tollen Theatergruppe auf dem Programm und am Sonntag wollen wir wieder hinaus in den Schnee. Martin hat sich Schneeschuhe angeschafft und die wollen ausprobiert werden.

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, trefft auch mal schwierige Entscheidungen, vor allem, wenn ihr wisst dass sie richtig sind ; guckt Euch um und schätzt die tollen Menschen, die in Eurem Leben sind und lacht jeden Tag aus vollem Herzen!

Ha det bra,

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Ulrike

Von olympischen Neuheiten, norwegischen Straßenverhältnissen und der Macht des Slaloms

Eine neue Sportart wird bei den kommenden Olympischen Spielen im russischen Sotchi alle Rekorde brechen: FGS. Fußgängerslalom. Im Schatten von Skilanglauf und Eisskaten entwickelte sich diese urbane Hate-Sportart im Herzen von Oslo. Auf der Karl Johans Gate. Ich bin Anwärterin auf die Goldmedaille.

Hallo Ihr lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute sollte es eigentlich um die Inhalte der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ gehen, doch aktuelle Ereignisse fordern ihren Tribut.

Ich habe eine neue Sportart erfunden. JAWOHL! Eine derartig bahnbrechende Neuigkeit muss natürlich gewürdigt werden und die Aftenposten läuft uns ja nicht weg. Nächsten Freitag gibt es bestimmt auch Nachrichten und dann kümmern wir uns darum. Nun aber zu meiner Erfindung oder vielleicht „Verbesserung“. Irgendwo hat irgendwer bestimmt die gleiche Idee gehabt. Seid Ihr bereit? Los geht’s!

FGS: Fußgängerslalom!!

Fußgängerslalom erfordert mentale Fitness, Reaktionsschnelle und die Schauspielkunst einer Meryl Streep. (Das allerdings nur im Anfangsstadium). Sie ist aus einem alltäglichen Bedürfnis heraus entstanden:

ICH MÖCHTE IN DER STADT BUMMELN UND ZWAR IN RUHE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Aber der Reihe nach:

Wie viele von Euch wissen, zieht sich die Prachtstraße der norwegischen Hauptstadt, die Karl Johans Gate, auf gut zwei Kilometern vom königlichen Schloss bis zum Hauptbahnhof Oslo S. Vom Schloss herab führt sie vorbei am Nationaltheater, Grand Hotel, Stortinget, H&M, Cubus, Domkirche, Subway bis sie an der Tigerfigur kurz vor der Bahnhofshalle endet. Im oberen Teil ist sie mit Bäumen gesäumt, im unteren mit…..

LAUTER LEUTEN, DIE WERBUNG MACHEN ODER BETTELN ODER SINGEN ODER SCHLIMMERES!!!!!

Entschuldigung.

Contenance.

ARRRRRRRRRRRRRGHHHHHHHHHHHHHHHH!

Es nimmt mich ein bisschen mit.

Einatmen.

Ausatmen.

Einatmen.

Ausatmen.

Ich bin ein Baum.

Besser.

Es ist nun seit einiger Zeit so, dass es unmöglich geworden ist, die Prachtstraße ungehindert entlang zu flanieren. Artgenossen in verschiedenen Alters- und Geschlechtsklassen haben es sich zum Ziel gemacht, mich über ihre Weltanschauung, ihre Fähigkeiten, ihre Zeitschrift zu informieren. Ein ehrenvoller Gedanke, der nur ein winziges Problem mit sich bringt:

ES KÜMMERT MICH NICHT! NICHT DIE BOHNE!! NADA! NIX! NOTHING!

Ich will weder Greenpeace beitreten, noch UNICEF-Unterstützer werden. Eine Mitgliedschaft bei Elixia-Sport ist genauso uninteressant für mich wie nepalesisches Yoga. Die Zeitschrift Folk er folk der folkloristischen Nomaden aus Rumänien kümmert mich nicht und, NEIN DANKE, ich will auch keine Aftenposten abonnieren. Operations Dagværk ist eine tolle Sache, aber ich spende NICHT 10 MAL!!!! Schön, dass der Bokhandel 50% Ermäßigung bietet und endlich, endlich, ENDLICH ein neuer Kaffeeladen in Oslo eröffnet. Alles toll, wirklich. LASST MICH IN RUHE!

Ich musste eine Lösung finden.

Erst habe ich versucht, die Karl Johans Gate zu umgehen. Dann dachte ich mir: PAH! Warum soll ich Platz machen?

Also habe ich begonnen, die aufdringlichen Artgenossen zu ignorieren. Das brachte Spannung ins Spiel. Ich ging hocherhobenen Kopfes in der Mitte der Fußgängerzone. Aus den Augenwinkeln nahm ich die feindlichen Stellungen wahr: Ein Zeitungsstand von Aftenposten. Ich legte ein mit Weltproblemen beschäftigtes Denkergesicht auf und setzte alle Zeichen auf Ignoranz. Niemand würde mich ansprechen. Ich kam den feindlichen Lagern immer näher. Würde die Maske halten? Der Wall brechen? Meryl Streep, steh mir bei……

„Hei hei, willst du eine Zeitung haben? Umsonst!“

NEIN!

Ich versuchte Ignoranz mit gesenktem Kopf, intensiv das Straßenpflaster studierend. Kurz danach kroch ich auf dem Boden herum und half der sichtlich geschockten UNICEF-Mitarbeiterin, in die ich frontal gerannt war, ihre Unterlagen vom Boden aufzusammeln.

UNNSKYLD!

Angriff ist die beste Verteidigung, beschloss ich. Mit offenem Lächeln flanierte ich die Straße entlang und wartete auf den ersten Artgenossen. AHA! GREENPEACE kam. Noch während der einführenden Worten nickte ich ihn begeistert an und erklärte, ich sei bereits Mitglied und dankbar für seine Arbeit. Das zog! Ich behauptete in den folgenenden Tagen auch Mitglied von AMNESTY, Abonnentin von K&K und Aftenposten und Unterstützerin der französischen Kultur in Norwegen zu sein.  Wirkte immer und brachte mir ein strahlendes Lächeln ein. Auf die Dauer ist diese Tour aber sehr zeitaufwändig. Von der sündigen Verlogenheit und meinem schlechten Gewissen mal ganz abgesehen.

ARGH!

Und dann entwickelte ich einen Weg, die störenden Artgenossen mit Spaß und Spannung zu umgehen: Der Fußgängerslalom war geboren!

Die Idee dahinter ist simpel, aber wie so oft: Die simplen Dinge im Leben machen am meisten Spaß!

Ich stellte mich also an den Beginn der Karl Johans Gate, auf Höhe des Nationaltheaters und scannte die Strecke: Operations Dagvaerk vorne rechts auf Höhe des Brunnens, Roma links vor Buchhandlung Tanum, Unicef-Leute zwischen dem Grand Hotel und Magazin Dressmann, Aftenposten-Stand links vor der BOK- Buchhandlung. Mein Ziel: Ungehindert von der Karl Johan links in die Akersgata einzubiegen. Ich ließ die Schultern und den Kopf kreisen, atmete tief ein und ging los. Meinen Blick immer auf die Hindernisse gerichtet. Gerade, gerade, gerade, links vorbei, gerade, gerade, gerade, scharf rechts vorbei, Schussabfahrt, knallhart rechts, leichter Streifzug („Hei, hei, vil du….“), gerade, gerade, Ziel vor Augen, links einordnen, gerade, scharf links und…..ZIIIIIIIEEEEELLLLL!!!!!!!!!!!!!

Ja und so mache ich das seitdem. Ich plane Jacques Rogge von meiner Erfindung zu informieren und bin sicher, dass Fußgängerslalom eine olympische Zukunft hat. Spaß macht es auf alle Fälle, ist sowohl im Sommer als auch im Winter spielbar und eignet sich für jede Fußgängerzone weltweit. Manchmal kann man eben Dinge nicht ändern, aber die eigene Einstellung dazu.

Probiert es aus!

Das war es schon wieder meine lieben Leser, ich hoffe, Euch angesteckt zu haben und bald im ständig wachsenden FGS-Club begrüßen zu können! Ein turbulenter Monat steht bevor mit Christkindlsmarkt, Wohnungssuche, Theatergruppe, Kinderkirche und vielem mehr. Ich freu mich darauf, wünsche uns allen eine schöne Woche, lasst Euch vom November nicht unterkriegen und trainiert FGS – es ist den Spaß wert!

Die wöchentlichen Grüße gehen heute an meine Freundin Sabine, die heute Geburtstag hat! Hipp Hipp Hurrah Bine!!!

Ha det bra,

(Tatsächliches Mitglied bei NOAH und SOS Kinderdorf)

Ulrike