Vorfreude ist die schönste Freude – Teil 2

Liebe Blogleser, manchmal sollte der Tag 48 Stunden haben. Hat er leider nicht. Auch nicht in Norwegen. Dieser astronomischen Tatsache muss sich auch die schreibwilligste Bloggerin ergeben und Prioritäten setzen. Meine heißt noch bis Sonntag: THEATER! Zwei Theatervorstellungen und ein Theatergottesdienst lassen (und ließen) in dieser Woche einfach keine Zeit zum Bloggen.

Nächste Woche wird alles besser.

Oder auch nicht, denn ich werde nach unserem Theaterwochenende, nach sieben Monaten Theatergruppe, nach viel Lachen und Lernen, Stöhnen und Betonieren, Singen und Schieben meine Theatergruppe ganz schön doll vermissen. Falls ich also in ein schwarzes Post-Theater-Loch fallen sollte, verschiebt sich der Blog um eine weitere Woche.

Nur schon mal zur Vorwarnung.

Ich begrüße an dieser Stelle alle neue Abonnenten und hoffe, dass Ihr nicht gleich wieder abspringt. 🙂

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche,

vi sees!

Ha det,

Ulrike

Das ist ja so typisch! ODER Immer her mit den Vorurteilen…

goethe.de

goethe.de

Morgens, halbzehn, in Norwegen:

„Meine Güte, dass Ihr Deutschen immer alles ausdiskutieren müsst!“

BITTE?

Wer diskutiert denn hier IMMER alles aus?

Es ist doch nur so, dass man bestimmte Punkte nicht einfach im Raum stehen lassen kann. Da muss man sich positionieren, seine Meinung kundtun und kann nicht einfach NICHTS sagen. Es ist wichtig, verschiedene Standpunkte zu beleuchten und …

Ups.

Ok, ja, vielleicht diskutieren wir Deutschen ganz gerne.

Aber ist das typisch deutsch?

WAS ist typisch deutsch?

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich gebe die Frage einfach mal an Euch weiter. Gibt es typisch deutsche Angewohnheiten? Welche sind gut? Welche sind schlecht? Welche sollten wir einfach akzeptieren und darüber lachen? Für welche Eigenschaften sind wir, z.B. in Norwegen bekannt?

Viel Spaß beim Selbstbeurteilen (oder guckt auf den Nachbarn ;)…) und kritisch Betrachten.

Es freut sich auf Eure (augenzwinkernden) Kommentare,

Pünktliche Grüße!

Pünktliche Grüße!

Ulrike

Ha det!

„Der Hölle Rache kocht in meinen Seiten!“ ODER Vom Versuch, den besten Kuchen der Welt zu backen

So, liebe Ulrike, du hast also beschlossen, dir nicht von mir helfen zu lassen? Tapfer, sage ich dazu, tapfer. Und vielleicht auch ein klein bisschen naiv. Aber du hast deine Entscheidung getroffen. Du hast dich gegen mich, das karierte Kochbuch, entschieden.

Bitte.

Wenn du meinst.

Wirf meine jahrelange, ach was, JAHRZEHNTELANGE, Erfahrung ruhig über Bord und back‘ deinen Kuchen mithilfe dieser….dieser…Internetseite.

Viel.

Erfolg.

Lykke til.

***

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Was lange währt, wird endlich gut und wieder einmal heißt es: Willkommen in meiner Küche! Heute backen wir Verdens Beste – einer der klassischen, norwegischen Backspezialitäten. Wie angekündigt, habe ich diesmal ganz besonders erfahrene Hilfe – das karierte Kochbuch, zusammengestellt von Ingrid Espelid Hovig. DAS Kochbuch Norwegens.

Oh, danke, danke.

Was stimmt, das stimmt. Gut, nun aber los hier. Ich will Verdens Beste backen. Wo finde ich das denn bei dir?

Seite 642. Ich besitze auch ein Inhaltsverzeichnis, aber bitte.

600…614…637…642! Bløtkake, Sukkerbrød, Marengkake….hm, hier steht nichts von Verdens Beste.

Wir mochten den Namen nicht. Verdens Beste…das klang so…überheblich. Deshalb heißt er bei uns Marengkake med Mango. Ganz köstlich. Warte ich lese dir die Zutaten vor: 100g Butter, 5 Eiweiß…

Hm. Das ist nicht dasselbe.

Bitte?

Na, ich wollte Verdens Beste backen und nicht Marengkake med Mango.

Es ist fast das Gleiche.

Aber es STEHT hier nicht. Ich möchte ein Rezept, über dem Verdens Beste steht.

Aber das hier ist das Gleiche!!

Aber es HEISST NICHT SO!!!

ABER ES IST DAS GLEICHE!!!

ABER ES H E I S S T NICHT SO!!!!!!

Stille.

Du bist ein bisschen merkwürdig.

Ach ja?

Naja, du schreist ein Kochbuch an. Das ist merkwürdig  – und nicht sehr nett.

Ich glaube es nicht!!!

Ich habe schließlich auch Gefühle.

Und ich habe Lust auf Verdens Beste. Gibt es auf deinen Seiten ein Rezept, das diesen Namen trägt?

Nun?

Nein.— Was machst du?

Ich gucke im Internet nach einem Rezept. Ah, hier auf der Seite von TINE. Na bitte, da steht es: „Oppskrift Verdens beste – Kvæfjordkake.“

Im Internet.

Ja, super, oder?!!

Du weißt schon, wer ich bin???

Ja, das weiß ich. Vor allem bist du für heute fertig und hast Feierabend.

***

Ich klappe das rot-weiß-karierte Kochbuch zu und schüttele den Kopf. Sachen gibt es. So, nun aber los hier – es ist schon fast 21 Uhr und ich habe jetzt echt Lust auf Kuchen. Das Foto auf der TINE-Seite sieht köstlich aus. Ich bin ja wirklich keine begabte Bäckerin, aber das Rezept wirkt einfach genug – selbst für mich.

Wart’s ab.

Bitte? – Oh prima, ich höre schön Stimmen. – So also, her mit den Zutaten. Zucker, Butter, Mehl, Milch, Eier, Back… Wo ist denn das Backpulver? Ich gucke mich verwirrt um. Gerade stand die runde, rote Dose noch auf dem Tisch. Das ist komisch. Ohne Backpulver geht es nicht, lache ich und frage mich, was ich damit gemacht habe. Ist sie runtergefallen? Ich gucke unter den Tisch.

Kalt.

Nichts. Ich gucke in den Hängeschrank.

Kalt.

Nichts. Ich gucke auf den Kühlschrank

Wärmer.

Nichts. Ich öffne den Kühlschrank. Bei mir weiß man ja nie.

Heiss.

Huch! Was macht denn das Backpulver IM Kühlschrank?

Also wiiiiiirklich, wie komisch!!!

Ich kontrolliere die restlichen Zutaten- alles ist da. Prima, los geht es! Butter und Zucker zu verrühren geht einfach genug, auch wenn mich das Mengenverhältnis etwas erstaunt.

Hihihihihhihihhiihi….

Aber es wird schon stimmen. Als nächstes soll ich 5 Eier trennen. Irgendwie habe ich plötzlich vier linke Hände oder die Zutaten haben ein Eigenleben entwickelt. Das erste Ei fällt auf den Boden. Beim zweiten geht das Eigelb kaputt. Als ich Mehl abwiege, schütte ich die Hälfte daneben und das Backpulver ist zwar da, dafür klemmt aber die Schublade zum Besteckkasten und es dauert ewig, bis ich einen Teelöffel in der Hand habe.

Uihuihui….

Ich reiße mich zusammen, so schwierig hatte ich mir das Backen heute nicht vorgestellt. Immerhin lässt sich der Eischnee ohne Probleme schlagen, auch wenn ich die doppelte Menge an Zucker brauche, damit der Schnee steif wird. So, nun den Teig in der Form verteilen, oben drauf die Eischneemasse und ab in den Ofen. Irgendwie wirkt das alles nicht richtig. Naja, wird schon.

Bestiiiimmmmmt.

Ich schiebe die Form in den Ofen und gucke mich in der Küche um. Also, so viel Chaos habe ich ja selten beim Backen veranstaltet. Das ist wirklich nicht mein Tag heute. Egal, jetzt muss ich Sahne schlagen für die Füllung. Im Kühlschrank suche ich die Schlagsahne (kremfløte) und blicke verwirrt auf die grüne Packung mit matfløte. Aber ich hatte doch ganz bestimmt Schlagsahne eingekauft. – Ob das mit der anderen Sahne wohl auch geht?

Klar.

Klar, wird schon. – Nach fünf Minuten ist sicher: Es geht nicht. Was ist hier bloß heute los? Egal, dann fülle ich den Kuchen eben nur mit Vanillecreme und lasse die Sahne weg. Im Ofen hebt sich der Eischnee zu einem schönen Meringue-Deckel und wird leicht braun. Köstlich.

Tja, aber darunter….

Oh nein, aber was ist darunter los?

Ja, was denn bloß????

Der Teig ist kein Teig, sondern eine merkwürdig geschmolzene Substanz auf der der Eischnee klebt!!! Och nee!!! Ich öffne die Ofentür und hole das Blech raus. Eine Art Butter-Mehl-Schaum verteilt sich auf dem Boden der Form, gefolgt von einer Schicht rohem Eischnee und einem Deckel fester Meringue. Das ist ja ein Desaster!!

Kann man laut sagen. Und es riecht komisch.

Und was riecht denn bloß so komisch???? Ich lese erneut das Rezept von TINE. Ich habe doch alles gemacht, was da steht: 150g Butter und 125g Zucker und dann 150g Mehl und überhaupt…das habe ich doch….oder vielleicht auch nicht….wer weiß, ich habe ja auch das Backpulver in den Kühlschrank gestellt…und das Ei auf den Boden geworfen…die falsche Sahne benutzt…und irgendwie…dabei wollte ich Euch einen leckeren Kuchen zeigen! Und wollte das Rezept von TINE hier im Blog aufschreiben, damit Ihr das alle nachbackt. Aber irgendwie…also irgendwie…..

Ich sollte mich mal setzen.

***

Das ist eine gute Idee. Setz‘ du dich mal. Erhole dich ein bisschen. In der Zwischenzeit zeige ich deinen Lesern das beste Rezept für Verdens Beste – ob es nun so heißt oder nicht.

Und beim nächsten Mal, da überlegst du vorher mit wem du dich anlegst….nicht wahr, Ulrike???

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Meine Seiten 642 und 643. Hier das Rezept:

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Und selbstverständlich kommt mein Rezept für Euch auch auf Deutsch:

Für den Teig

100g Butter oder Margarine (Raumtemperatur)

1,5 dl Zucker

5 Eigelb

4 Esslöffel Milch

2 dl Mehl

2 Teelöffel Backpulver (das mit dem Kühlschrank war brillant!!! Oder?? Los, Ihr habt auch gelacht. Ihr Blick…Ihr hättet ihren Blick sehen sollen…..hahahaha!!!)

FÜR DIE MERINGUE

5 Eiweiß

2,5 dl Zucker

1 dl gehackte Pinienkerne

FÜR DIE FÜLLUNG

1 Beutel (250g) tiefgefrorene Mango in Stücken

3 dl Schlagsahne

1dl gekaufte Vanillekrem

TEIG: Butter und Zucker verrühren. Eigelb dazugeben. Milch dazu. Mehl und Backpulver vermischen. In die Butterzuckermasse geben. 

MERINGUE: Eiweiß mit Hälfte des Zuckers steif schlagen. Behutsam den Rest des Zuckers unterheben.

Eine Backform 30x40cm mit Backpapier auslegen. Teig verteilen. Darauf die Meringue / Eiweißmasse. Zum Schluss die Pinienkerne verstreuen. 

In der unteren Schiene des Backofens für ca. 30 Minuten bei 150° Grad backen. Kuchen abkühlen lassen.

Mango antauen lassen. Kuchenteig teilen. Sahne schlagen und Vanillecreme unterheben. 

Kuchenteile mit Sahnemischung und Mangostücken zusammensetzen.

SO macht man das!

Ha det, 

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Euer kariertes Kochbuch, Ausgabe 2014

 

Vorfreude ist die schönste Freude….

…und deswegen kommt der Blog jetzt doch erst wieder am Freitag! – Tut mir leid, liebe Leser, aber Gesa und ich sind beide nicht so richtig fit dieses Wochenende. Meine wöchentlichen Grüße an alle, die auch mit Tee und Zwieback auf dem Sofa liegen – wir sehen uns am Freitag. Dann aber mit KUCHEN!

Ha det,

Ulrike

„Mehr Licht!“ ODER Blog wird verschoben wegen Sonnenfinsternis!

@Druckmüller/Aniol

@Druckmüller/Aniol

Hallo, liebe Leser, ab 9.46 Uhr heute Vormittag tut der Mond, unser treuer Trabant, seinem Ego etwas Gutes und beginnt damit die Sonne zu verdecken. Go, moon, go!!

Mir ist es dann zu dunkel zum…..

Ok, ok…die Ausrede zieht WIRKLICH nicht….

Ehrlich?

Na gut!

Martin ist das Wochenende weg, hat heute aber spontan frei und deshalb machen wir einen Familientag (erst ich noch zum Impfen…zitter) und der Blog folgt am Sonntag.

MIT KUUUUUCHEN!!!

Ich backe endlich Verdens Beste UND nutze dafür ein tolles Geburtstagsgeschenk: „Das karierte Kochbuch“ von Ingrid Espelid Hovig – DAS Kochbuch Norwegens. Danke an Claudia und Magnus dafür!!

Euch allen also einen schönen Freitag – viel Spaß mit dem mutigen Mond und für alle in Norwegen hier die Zeiten des himmlischen Phänomens:

OSLO: BEGINN 9.46 Maximum 9.51 Ende 12.04

TRONDHEIM plus 5 Minuten

TROMSØ plus 18 Minuten

SVALBARD komplette Sonnenfinsternis um 11.11 Uhr – Alaaf!! 😉

Mehr Infos finden sich hier –  http://www.himmelkalenderen.com/2015/01/solformorkelse2015/

GUTES GUCKEN!!

Ha det,

Ulrike

Norwegische Kinderlieder – Gesas Hitparade ODER Wo man singt, da lass‘ dich gerne nieder…

Gesa liebt Musik. Schon im Bauch wurde sie besungen, bebrummt und von CDs beschallt. In den letzten Monaten habe ich so viel gesungen wie noch nie in meinem Leben. Und wann immer wir Lust haben, lernen wir ein neues, norwegisches Lied dazu. In sechs Monaten ist schon ein stattliches Repertoire entstanden. Und die Top Five wollen wir mit Euch teilen!

Hallo, meine Leser, schön, dass wir uns zu diesem musikalischen Blog treffen. Während Gesa rückwärts durch die Wohnung robbt und gleich wieder unter den blauen Wippsessel rutscht, blättere ich in Mari Maurstads „De gode, gamle barnesangene“ – eine Sammlung norwegischer Kinderlieder. Seit Oktober begleitet uns dieses Buch und ich habe festgestellt, wie gut Kinderlieder dabei helfen können, eine Sprache zu lernen.

Die Wahl der Lieder fiel mir aber schwer: Ich habe nämlich keine Ahnung, welches Lied hier wirklich jedes Kind kennt. Was ist das „Alle meine Entchen“ Norwegens? Ich googelte norske barnesanger – norwegische Kinderlieder. Die Suchmaschine meines Vertrauens schickte mich beim ersten Mal sofort zu Youtube. Neben ambitionierten, aber leider schiefstimmigen norwegischen Müttern, fand ich eine CD mit dem vielversprechenden Titel: „Favoritt barnesanger“. Und hier entdeckten wir auch den Rolf Zuckowski Norwegens, den norwegischen Musiker, Stimmenimitator und viel zu früh verstorbenen Schauspieler Rolf Just Nilsen. Wir begaben uns also auf musikalische Entdeckungsreise. Manche Lieder gefielen nur mir und lösten bei Gesa höfliches Desinteresse aus, bei manchen quietschte unser Baby in den höchsten Tönen mit und bei „Mikkel Rev“ donnerte sie einen gewaltigen Pups in die Hose.

Klare Ablehnung, oder?

Hier sind nun Gesas Top Five der norwegischen Kinderlieder im März 2015:

  1. Jeg gikk en tur på stien

Bei diesem Kanon ist gute Laune vorprogrammiert, was unter Garantie an dem Laut des Kuckucks liegt, den der Wanderer plötzlich im Wald hört. Ko-ko! (Ja, hier wird das „o“ als „u“ gesprochen….wäre ja sonst ein komischer Kuckuck!) – Ich sehe uns schon durch die Natur wandern und laut diesen Kanon schmettern!

Armer Wald….!

Jeg gikk en tur på stien og søkte skogens ro.

Da hørte jeg fra lien en gjøk som gol ko-ko.

Ko-ko, ko-ko, ko-ko, ko-ro, ko-ko

Ko-ko, ko-ko, ko-ko, ko-ro, ko-ko.

  1. Bjørnen sover

Ohne den schlafenden Bären wird das auch nichts mit Gesas Mittagsschlaf. Zu Alpträumen kann es aber nicht kommen, denn solange man vorsichtig ist, tut der Bär nichts. Ursprünglich stammt das Kinderlied aus Schweden und ist ein Ringspiel: Ein Kind liegt als schlafender Bär in der Mitte, die anderen gehen um ihn herum, während sie das Lied singen. Ist die Musik vorbei, „erwacht“ der Bär und die wilde Jagd beginnt.

Bjørnen sover, bjørnen sover, i sitt varme hi.

Han er ikke farlig, bare man er varlig,

men man kan jo, men man kan jo,

aldri på ham tro! (Es gibt bei fast allen Liedern unterschiedliche Textfassungen. Wie hier. Macht ja nichts ;)…)

  1. Bæ, bæ, lille lam

Vor ein paar Monaten war das Gesas absoluter Favorit. Ihre erste Impfung und manche Träne überstanden wir dank diesem international bekannten Lämmer-Lied. Sogar der Weihnachtsmann hat ihr das Lied auf dem Osloer Weihnachtsmarkt vorgesungen. Im Glühweinzelt. Das prägt. Im Lied wird ein Lamm gefragt, ob es genug Wolle hat und es will fürsorglich gleich die ganze Familie einkleiden. Ein norwegischer und englischer Klassiker, und, glaube ich, das „Alle meine Entchen“ Norwegens.

Bæ bæ lille lam, har du noe ull?

Ja, ja, kjære barn, jeg har kroppen full.

Søndagsklær til far, og søndagsklær til mor,

og to par strømper til bitte lille bror.

  1. Lille Petter Edderkopp

Der Stoff, aus dem Horrorfilme sind: Eine Spinne klettert jemandem auf den Kopf!! Doch mit einem sonnigen C-Dur und im 2/4-Takt wirkt alles nur noch halb so schlimm.

Lille Petter Edderkopp han klatret på min hatt.

Så begynte det å regne og Petter ned han datt.

Så kom solen og skinte på min hatt.

Da ble det liv i Petterkopp som klatret på min hatt.

  1. Jeg satte brillene på mine nese

Die skandinavischen Länder scheinen sich einen Kinderliedschatz zu teilen, was bei der gemeinsamen Geschichte und Sprachähnlichkeit nicht verwundert. Die Melodie zum folgenden Lied wurde auf einer dänischen Elternseite gepostet und ich wette, dass unsere Freunde Catharina und Steffen damit genauso aufgewachsen sind wie viele norwegische und schwedische Kinder. Im Walzertakt fordert ein Brillenträger zum Spiel auf.

Jeg satte brillene på min nese for desto bedre å kunne lese

Jeg leste sånn at det var umulig å leve lykkelig foruten deg.

Å nei, å nei, å nei, å jasså! Å nei, å nei, å nei, å jasså!

Jeg leste sånn at det var umulig, å leve lykkelig foruten deg.

Av alle dem som går her i ringen jeg velger deg, eller altså ingen

For jeg har lært at det er umulig å leve lykkelig foruten deg.

Å nei, å nei, å nei, å jasså! Å nei, å nei, å nei, å jasså!

For jeg har lært at det er umulig å leve lykkelig foruten deg.

***

Das waren sie, unsere Top Five der norwegischen Kinderlieder! Mal sehen, welche Lieder wir nächsten Mittwoch in der Uranienborgkirche beim barnesang, einer Eltern-Kind-Singgruppe, kennenlernen!

Und Ihr? Was sind Eure Lieblingskinderlieder? Mit welchen Liedern seid Ihr aufgewachsen und welche singt Ihr Euren Kindern/Enkeln/Nichten/Neffen/oä. vor? Ich wünsche Euch allen ein musikalisches Wochenende, singt doch mal wieder aus voller Kehle – das tut gut!

Ha det,

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Ulrike    

Eine Übernachtung mit Panoramablick… ODER Was macht schon so ein bisschen Höhenangst?

Om-Holmenkollen

Holmenkollenschanze Foto: Marco Boella

Wir haben ja alle die eine oder andere Phobie. Ich, beispielsweise, leide an Akrophobie. Höhenangst. Aber nur manchmal. Das ist kompliziert, denn es bedeutet, dass ich an einem Tag voller Begeisterung auf dem Eiffelturm stehe – und an einem anderen bäuchlings auf einem spanischen Felsplateau kauere und mich rückwärts in Sicherheit robben muss. Woran das genau liegt – ich habe keine Ahnung. Trotz meiner Höhenangst werde ich mich aber an einem Wettbewerb beteiligen, der mit einem fantastischen Preis lockt: Einer Übernachtung auf der Holmenkollenschanze.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit einigen Wochen bekomme ich täglich Aftenposten ins Haus – eine der größten norwegischen Tageszeitungen. Und die berichtete gestern über einen Wettbewerb, ausgerichtet vom norwegischen Skiverband und dem Onlineübernachtungsdienst Airbnb. Wer noch nie davon gehört hat: Airbnb (Airbed and breakfast, also Luftbett und Frühstück) ist ein Internetdienst, bei dem Menschen auf der ganzen Welt ein Gästezimmer, ein Schlafsofa oder auch ihre ganze Wohnung zum Übernachten zur Verfügung stellen. Gerade in einer so teuren Stadt wie Oslo ist das eine kostengünstige Alternative zum Hotel.

Und nun bietet die Seite eine ganz besondere Übernachtungsmöglichkeit in Oslo: Eine Nacht ganz oben auf der Holmenkollenschanze. In dem Bereich, wo sonst die Skispringer warten und wo Glasboden und Glaswände einen fantastischen (und manchmal furchteinflößenden) Ausblick über Oslo bieten.

Cool!!!!

Das will ich!!!

Höhenangst hin oder her!!!!

Schluck.

Naja, wird schon gut gehen. Also, dachte ich, wo buche ich?

Aber nein, ich muss Euch enttäuschen, wenn Euch ähnliche Gedanken angesprungen haben. So einfach ist es nicht.

Um eine ungewöhnliche UND kostenlose Nacht im Sprungturm zu verbringen, müsst Ihr Euch was einfallen lassen. Der Skiverband und Airbnb haben einen Wettbewerb (für die englische Erklärung einfach auf der Seite weiter nach unten scrollen) ausgerufen: Die kreativste Begründung, warum jemand unbedingt auf dem Sprungturm übernachten will, gewinnt. Ist dieser jemand dann noch ein Skisprungfan – noch besser. Na, das hat ja meinen Ehrgeiz geweckt! Und meine Höhenangst in die Ecke gestellt. Wie cool wäre es, HIER zu übernachten:

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Ok, dann brauche ich also nur noch eine kreative Begründung. Vorbereitung ist alles, also lese ich erstmal die Teilnahmebedingungen. Aha. Gut, dass ich nicht in Nord-Korea, Kuba, dem Iran oder Indonesien lebe. Die dürfen nicht teilnehmen.

Weiterlesen.

Es gibt EINE Übernachtung für Teilnehmer aus Norwegen zu gewinnen und EINE für Teilnehmer aus dem Ausland. Gästen aus dem Ausland wird der Flug nach Oslo gezahlt. Norwegische Gäste haben Pech gehabt und müssen die Anreise selber bezahlen. Der Zeitpunkt ist vorgegeben: Am 26. und 27. März wird die Holmenkollenschanze zum Hotel.  Der Wettbewerb läuft seit vorgestern und noch bis zum 16. März um 23.59 Uhr. Von ausländischen Teilnehmern wird also eine gewisse Spontanität erwartet. 🙂

Weiterlesen. Aha! Hier! Meine Siegformel! Ich darf maximal 100 Wörter in Englisch einreichen. Das ist nicht viel. Hundert getippte Wörter sind ungefähr sieben Zeilen bei einer normalen DIN-A4-Formatierung und Schriftgröße 11. Sieben Zeilen?? Uih. Mein Beitrag, so die Teilnahmebedingungen bei Airbnb, wird dann nach zwei Kriterien bewertet:

  1. Wie originell und kreativ ist der eingereichte Beitrag? (70%)
  2. Wie bezieht sich der Beitrag auf die Holmenkollenschanze? (30%)

Ich lese jetzt schon im Geiste die unzähligen „Meine Freundin und ich haben uns das erste Mal auf dem Holmenkollen getroffen/geküsst/gestritten. Ich will ihr auf dem Sprungturm einen Heiratsantrag machen.“ Oder so ähnlich.

Hm, damit kann ich nicht dienen. Erster Kuss, Heiratsantrag und ähnliches liegen erfolgreich und schön hinter mir. Und ich wette, die kontrollieren, ob die Geschichte stimmt. Also, lieber bei der Wahrheit bleiben. Oder, sagen wir, der kontrollierbaren Wahrheit.

Oh Hilfe, mir fällt gar nichts ein. Nichts. Ich will dort oben übernachten, weil ich das eben will. Reicht das nicht? Das ist wenigstens keine tränenrührende (und vielleicht erstunken und erlogene) Liebesgeschichte, sondern die pure Wahrheit: Ich will!

Ja, blöd, ich gebe es zu.

Fällt Euch vielleicht etwas Besseres ein???

Na gut, ich habe noch etwas Zeit. Heute ist ja erst der 6. März. Dann setze ich jetzt meine Denkerkappe auf und warte auf eine Eingebung. Falls Ihr Lust habt, Euch zu beteiligen, ist hier nochmal der Link. Um teilnehmen zu können, müsst Ihr Euch bei Airbnb einloggen, aber das ist es, denke ich, wert. Solltet Ihr gewinnen, treffen wir uns natürlich auf einen Kaffee in Oslo!

Oder…..

…Ihr nehmt MICH mit hoch auf den Sprungturm!!!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich bin sehr gespannt, wie der Wettbewerb ausgehen wird, Aftenposten wird unter Garantie weiter davon berichten. Spätestens am 17. März, hoffe ich. Bis dahin passiert aber auch noch einiges. Beispielsweise ist am 8. März nicht nur Internationaler Frauentag, sondern auch ein großer Tag in unserer Kirche: In der Deutschen Gemeinde wird am Sonntag der neue Pastor gewählt – das ist aufregend und gleichzeitig bedrückend. Meine wöchentlichen Grüße gehen deshalb heute nur ein paar Straßen weiter in die Eilert Sundts gate an Pastor Friedbert Baur: Du wirst uns sehr fehlen! Schön, dass Gesa noch von dir getauft wird!

Allen Leserinnen schicke ich zum Frauentag in Gedanken eine rote Nelke – schön, dass Ihr da seid!

Euch allen wünsche ich ein tolles Wochenende, greift nach den Sternen und seid kreativ!

Ha det,

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Ulrike

Bolle, Flatbrød & Co. ODER Ein Abschiedsblog für Baker Hansen

Meine Lieblingsbäckerei schließt für zwei Jahre. Zwei Jahre!!!! Ich habe keine Ahnung, welche Art von Umbauten Baker Hansen im Bogstadveien 54 geplant hat, aber sie scheinen massiv zu sein. Nicht, dass es uns hier in der Nähe an Bäckereien und Cafés mangeln würde – sechs in unmittelbarer Nähe nenne ich gute Versorgung – aber bei dieser Filiale von Baker Hansen habe ich immer besonders gut gesessen und geschlemmt. Hier habe ich meine erste bolle gegessen und mein erstes skolebrød. Bevor ich jetzt noch anfange „Memory“ zu singen, wähle ich einfach ein passendes Blogthema: Norwegische Backwaren!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Skolebrød? Bolle? „Ich kenne nur: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel!“, sang mir ein deutscher Freund einmal vor, als ich von den norwegischen Backheiligtümern erzählte.

@http://delideluca.no/

@http://delideluca.no/

Boller finden sich an jeder Straßenecke und sie besitzen zwei ungewöhnliche Eigenschaften:

– Sie sind (oft) günstig.

– Sie werden mit Kardamom gebacken.

Das Ingwergewächs Kardamom und ich haben eine schwierige Beziehung, die in einem Wort gipfelt: Igittigittigitt. Und ich weiß auch nicht, was es in der norwegischen Teigware soll, die dadurch schmeckt wie ein deutsches Milchbrötchen auf Asien-Urlaub. Aber jeder, der in Norwegen ist, MUSS einmal bolle gegessen haben. Es gibt sie in verschiedenen Varianten: Mit oder ohne Rosinen, manchmal mit Vanillepuddingfüllung und Kokosraspeln (dann ist es skolebrød) mit Schokolade, Karamell und die besten boller in Oslo gibt es, laut Aftenposten, nein, nicht bei Baker Hansen sondern im Kaffehuset Steam in der Østbanehalle am Osloer Bahnhof.

Bei mir stehen boller zwar nicht regelmäßig auf dem Speiseplan, aber hin oder wieder finden sie den Weg in meine Küche – besonders, wenn meine Mutter da ist. Sie ist den blanken Hefebrötchen verfallen und reist nie ohne eine große Tüte boller ab. Ich sollte mir stattdessen beim nächsten Besuch echte, deutsche Brötchen mitbringen lassen – denn die sind hier in Norwegen nicht zu finden.

Ich habe aber noch zwei andere norwegische Backwaren zu bieten: Flatbrød und lefse. Lässt sich das erste Wort noch relativ problemlos mit „flachem Brot“ übersetzen, wird es beim zweiten Begriff schon schwieriger. Lefse?

Wie in Hundelippe?

Japp. Genau. Nur in Teigform.

Und mit Kardamom.

Neeeeeeeein, natürlich nicht.

Lefse sind traditionelle, norwegische Fladen aus Kartoffelmehl. Ähnlich wie ihre französischen Cousins crêpes und galettes können sie mit so ziemlich allem bestrichen werden, was das Herz begehrt. Im Supermarkt kann man fertig gebutterte, mit Zimt gefüllte und dann origamiartig gefaltete lefsen bekommen, die köstlich zum Frühstück schmecken.

In einem der alten Bauernhäuser des Norske Folkemuseum gibt es im Sommer lefse-Backvorführungen, bei denen in weiße Schürzen und altertümliche Kleider gewickelte Darstellerinnen vor Publikum backen. Da bekommt man sofort Lust, selber zu backen. Leider fehlt mir sowohl ein altes Bauernhaus, als auch Schürze und riesiger Steinofen – also kaufe ich meine lefsen weiterhin im Supermarkt. Die Euch schon bekannten lomper, ohne die hier kaum ein Würstchen verspeist wird, sind übrigens sehr ähnlich.

Flatbrød hat eine lange Tradition in Skandinavien – angeblich haben es bereits die Wikinger auf ihren langen Reisen gegessen. Heute wird es in ländlichen Gegenden noch selber gebacken und über die richtigen Zutaten scheint es verschiedene Meinungen zu geben: Die einen benutzen Kartoffeln im Teig, die anderen finden das absurd und nehmen selber nur Mehl, Salz und Wasser. Um das flatbrød auch flat zu bekommen, muss der Teig gerollt werden und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und…..

Das getrocknete Brot passt gut zu Suppen, Fisch oder rømmegrøt!  Es eignet sich nicht zum Belegen, mir sind die hauchdünnen Scheiben auf jeden Fall immer durchbrochen, sobald ich sie mit Butter beschmieren wollte. Wahrscheinlich ein typischer Anfängerfehler!

Über bløtkake und kransekake habe ich hier im Blog schon geschrieben, fehlen noch fyrstekake und kvæfjordkake, besser bekannt als „Verdens beste“, also weltbester Kuchen. Ich habe beide noch nicht probiert, aber sie sehen köööstlich aus! Guckt selbst:

Verdens beste

Verdens beste

vgc.no

Fyrstekake @vgc.no

Nächste Woche ist mein Geburtstag, vielleicht sollte ich mir selber einen Kuchen backen und darüber berichten? Verdens beste wird mit Meringue gemacht und da ich Pavlovas liebe, wäre das vielleicht der ideale Kuchen für mich! Na, gucken wir mal.

Bolle, lefse, flatbrød, bløtkake, kransekake, fyrstekake und verdens beste – typische norwegische/skandinavische Backwaren, die das Leben hier in Norwegen lecker machen. Bestimmt habe ich andere Backspezialitäten vergessen und freue mich auf Eure Kommentare! Gesa und ich gehen jetzt für einen letzten Café latte und eine bolle zu „unserem“ Baker Hansen.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser, was für ein glutenhaltiger Blogartikel :). Deutschland ist für mich immer noch Brotmeister und ich vermisse eine echte deutsche Bäckerei hier in Oslo mit deutschen Brötchen, Zuckerkuchen, blankem Brot und und und. Darum mein Aufruf an alle deutschen Bäcker: Kommt nach Oslo und macht mich glücklich!!!

Hm, das liest sich komisch.

Na, Ihr versteht mich schon 🙂

Euch allen wünsche ich ein leckeres, kalorienhaltiges Wochenende – esst ein großes Stück Torte auf mein Wohl! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an Verdens beste Theatergruppe – wir haben in 7 Wochen Premiere mit unserem Krimistück „Das Böse, nein, es ruht und rastet nicht & andere Kriminalitäten“ und ich bin sehr gespannt auf unsere Premiere am 18.4.!

Ha det bra,

Vor meiner Baker Hansen Filiale am Bogstadveien.

Vor meiner Baker Hansen Filiale am Bogstadveien.

Ulrike

Nachtrag 28.2.: Heute finde ich diesen Artikel in Aftenposten…

@Aftenposten 28.2.15

@Aftenposten 28.2.15

Darin lese ich, dass Baker Hansen den Bogstadvei verlässt (das wussten wir ja schon) ABER es nicht sicher sei, ob sie die Filiale im dann umgebauten Stadthaus wieder eröffnen!!! Gemeinheit! Bei der Ausweichfiliale, nur einige hundert Meter weiter hieß es, meine Filiale schließe für 2 Jahre. Nicht für immer! Na, warten wir mal ab. – Außerdem war ich heute noch Byens beste boller probieren – super leckere Rosinenboller in der Østbanehalle am Bahnhof. Alle hin da!

Jetzt aber wirklich:  Ha det!

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„Adjø, Kneippbad und Dampfsauna!“ ODER Wie mich (diesmal) der Hausmeister überraschte

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Es gibt vieles, was ich am norwegischen Mietwohnungsmarkt ätzend finde: Die Preise (aktuelles Angebot: 41m² in Frogner für knapp 1700,- Euro), der teilweise marode Zustand der Wohnungen (Badezimmer aus den 30er Jahren), die Verfügbarkeit (freie Wohnung ab sofort, aber Kündigungsfrist 3 Monate). Eines finde ich aber ganz prima: Dass die Wohnungen samt Elektrogeräten vermietet werden. Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner gehören in den meisten Wohnungen dazu. Geht dann mal etwas kaputt, ersetzt es der Vermieter.- Und manchmal erwartet er dabei von seinen Mietern telepathische Fähigkeiten.

In meinem Fall war das wenigstens so.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Erinnert Ihr Euch an die Geschichte von Herrn Siemens, dem Geschirrspüler? Nun, diesmal streikten nicht die Geräte in der Küche sondern im Badezimmer. Die Waschmaschine plante eine neue Karriere als Fliesenwäscher und der Wäschetrockner bildete sich als Saunaofen weiter. Nach jeder Ladung Wäsche hatten wir, kurz gesagt, einen nassen Boden und Nebel im Bad.

Meine entsprechende Nachricht an die Hausverwaltung brachte die übliche Antwort: „Bitte den Kundenservice von Bosch und AEG anrufen.“ Sollte der dann feststellen, dass es sich nicht mehr lohnt, das Gerät zu reparieren, gäbe es Ersatz. Gesagt, getan. Am kommenden Montag klingelte pünktlich um 9 Uhr der Bosch-Mann an der Tür. Als erstes zog der sympathische Techniker seine Schuhe im Flur aus – eine echt norwegische Sitte. In unserer Anfangszeit in Norwegen guckte ich immer irritiert, wenn unser norwegischer Besuch sich im Flur aus den Schuhen puhlte. HEUTE bin ich irritiert, wenn unser deutscher Besuch das nicht sofort tut.

Auf Socken stiefelte Herr Boschtechniker also ins Badezimmer und hatte nach wenigen Minuten das Problem gefunden: Ein riesengroßes Loch im Gummiteil der Trommel war Schuld am nassen Badezimmer. Eine Reparatur lohne sich bei einer derartig alten Maschine nicht mehr, so seine Aussage. Obwohl der Trockner von der Konkurrenz war, warf er einen kurzen Blick aufs Gerät und kam nach meiner Beschreibung der Sauna-Zustände zum gleichen Resultat wie bei der Waschmaschine.

Ich zahlte 800,- NOK an den besockten Techniker, der seine Schuhe wieder anzog und mir einen Bericht per Email am späten Nachmittag versprach. Die Email kam, wurde weitergeschickt an die Hausverwaltung (plus, die, wenn auch firmenfremde, Aussage zum AEG-Trockner) und am nächsten Tag erhielt ich die Antwort: Jawohl, so die Hausverwaltung ungefähr, das höre sich nicht gut an, beide Geräte werden durch ein Kombigerät ersetzt.

Außerdem bräuchten sie noch meine Kontonummer, um die 800,- NOK zurückzuerstatten.

Na, das waren doch mal gute Nachrichten!

WANN der Austausch der Geräte stattfinden würde, wüssten sie noch nicht, es würde sich aber jemand vorher bei mir melden. Prima! Ich hatte von meinem letzten Geräte-Austausch-Abenteuer gelernt und blickte die kommenden Tage IMMER in mein Spamfach – nur für den Fall, dass sich die entsprechende Email dort versteckt hielt.

Nichts passierte. Fünf Tage lang kontrollierte ich Email- und Spamfach, aber nichts. Fünf Tage lang verwandelte sich das Badezimmer weiter zu Kneippbad und Dampfsauna. Ich wurde langsam etwas ungeduldig und erwartete außerdem jeden Tag meinen Nachbarn aus der Wohnung unter uns vor unserer Tür – in Gummistiefeln und mit Regenschirm, weil Wasser durch seine Decke kam. Aber nichts passierte.Tag 6, Tag 7, Tag 8….. Das Leben nahm so seinen Gang, mittlerweile war meine Mutter zu Besuch gekommen und als wir an Tag 9 nach einem Spaziergang zurückkamen, bot sich uns folgendes Bild:

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Da stand ein kombinierter Waschtrockner vor meiner Wohnungstür.

Und wollte anscheinend hinein.

Ok, beschloss ich, es gab drei Möglichkeiten:

  1. Ich besitze ein weiteres Spampostfach, vom dem ich bisher nichts wusste.
  2. Ich habe die Email mit dem Termin gesehen und SOFORT wieder vergessen.
  3. Dr. Who hatte meine Mutter, Gesa und mich während des Spaziergangs in seine Tardis gelockt und in die Zukunft gebracht – dabei DEN Tag übersprungen, an dem ich die Email gefunden hätte.

Ok, ok, Möglichkeit 3 war nicht sehr wahrscheinlich. – Aber es war definitiv meine Lieblingsmöglichkeit!

Auf der Kombimaschine lag eine Nachricht für mich: „Können Sie mich bitte anrufen? Tel.: 12345678. Gruß, Stina.“ Stina ist unser neuer Hausmeister und sobald ich Kind und Schuhe abgelegt hatte, tippte ich entschlossen und gleichzeitig schuldbewusst Stinas Nummer. Da quält sich der arme Mann in die dritte Etage, um dann unverrichteter Dinge wieder gehen zu müssen. War mir das peinlich!!! Es klingelte. Folgender Dialog ergab sich:

Ulrike: „Hallo Stina, hier ist Ulrike aus der Sorgenfrigata.“

Stina: „Ah, ja! Hei!“

Ulrike: „Ich komme gerade nach Hause und finde einen Waschtrockner vor meiner Tür.“

Stina: „Ja, den habe ich dort hingestellt.“

Ach nee….

Ulrike: „Es tut mir leid, anscheinend habe ich die Email mit dem Termin nicht gesehen.“

Stina: „Es gab keinen Termin.“

Stille. Ich versuchte, diese unerwartete Information zu verarbeiten.

Ulrike: „…äh…“

Stina (lacht): „Und deswegen auch keine Email!“

Das hatte eine gewisse Logik.

Ulrike: „Ja, aber…wie…äh…was?“

Stina: „Ich dachte, ich komme einfach mal vorbei. Aber dann hatte ich keinen Schlüssel und konnte nicht rein. Und Sie waren ja nicht da.“

Wie jetzt, ich war nicht da? Wieso hätte ich denn auch….

Ulrike: „Ich konnte ja nicht ahnen, dass Sie und die Maschine kommen.“

Stina: „Hätte ja sein können.“

An diesem Punkt musste ich tief einatmen und überlegen, ob ich im Mietvertrag angegeben hatte, übersinnliche Fähigkeiten zu besitzen. Oder ob das vielleicht eine Anforderung war, um diese Wohnung zu mieten. Mist, und nun war ich aufgeflogen….Hoffentlich holte mich Dr. Who bald wieder ab!

Ulrike: „Ja, tut mir leid, ich habe das leider nicht geahnt.“

Stina: „Macht ja nichts.“

Stille.

Pause.

Waschtrockner: „Hallo? Ich steh hier immer noch.“

Ulrike: „Ja, und was passiert nun?“

Stina: „Ich komme morgen vorbei.“

Ulrike&Waschtrockner: „MORGEN?“

Stina: „Das Gerät ist so ein Schwergewicht, das nimmt schon keiner mit.“

Waschtrockner: zieht hörbar und empört Luft ein.

Stina: „Ich rufe vorher nochmal an, ja? Bis morgen!“

Wir beendeten dieses merkwürdige Gespräch. Ich berichtete dem Waschtrockner sein Schicksal. Dann schloss ich die Tür wieder und dachte: „Das ist so typisch norwegisch!“

Am nächsten Morgen kam Stina wie versprochen vorbei, ließ seine Schuhe an (es scheint besondere Schuhregeln für schwere körperliche Arbeit zu geben), tauschte die Geräte aus und nach knapp einer Stunde stand Herr Waschtrockner Bosch im Badezimmer. Ich verbringe seitdem viel Zeit mit ihm. Ich helfe ihm einerseits, das Flur-Trauma zu überstehen, andererseits versuche ich, meine telepathischen Fähigkeiten gegenüber Elektrogeräten auszubauen. Wer weiß, wann das mal wieder von mir verlangt wird.

Der Herd hustet seit kurzem auch so komisch.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen! Habt ein tolles Wochenende und eine noch tollere Woche, lasst Euch überraschen und vergesst nicht zu lachen! In der Deutschen Gemeinde zeigen wir morgen in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Oslo einen absoluten Filmklassiker: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Ab 13 Uhr – kommt zahlreich und habt Spaß! – Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an unsere Berliner Lieblings-nun-nicht-mehr-Studentin-Nichte Meli, die gerade ihre Masterthesis  erfolgreich verteidigt hat! Klasse! Hipphipphurrah!

Macht es gut, bis nächsten Freitag!

Ha det,

Herr Bosch

Ulrike

10 Dinge, die Auswanderer erleben ODER Es ändern sich nicht nur die Orte….

In-der-Fremde

heise.de

Letzte Woche hatten wir gerade wieder eines dieser Gespräche: „Meinst du, wir bleiben in Norwegen?“ – „Naja, es gefällt uns doch ganz gut.“ –„Ja, stimmt.“ – „Obwohl….“ – „Ja?“ – „England ist ja auch toll…“ – „Hm. Oder Irland.“ – „Australien!“ – „USA!“. Es ist nämlich so: Fängt man einmal an, in der Weltgeschichte herumzureisen, kann man nicht mehr damit aufhören. Und das ist nur eines der Dinge, die passieren, wenn man im Ausland lebt.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit 11 Jahren bin ich mittlerweile im Ausland und vieles im Denken und Tun hat sich in dieser Zeit verändert. Manches davon hatte ich erwartet, anderes hat mich überrascht. Heute also ein Versuch: Ich will die Dinge auflisten, die sich nach dem Umzug ins Ausland verändert haben. Für mich. Aber manche erkennen sich vielleicht wieder. Und da ich ein ehrlicher Mensch bin, bleibt auch nichts unerwähnt. „Brav!“, lobt mich mein Gewissen. Og nun, without further ado, voilà:

  1. Über den eigenen Schatten springen…

Es erfordert ein gewisses Selbstbewusstsein, immer neue Leute kennenzulernen. Oder das erste Mal die neue Sprache zu sprechen. In eine bestehende Gruppe „einzubrechen“. Sich mittags mit Kollegen an den Tisch zu setzen, obwohl sie dann automatisch die Sprache wechseln und man sich anfangs so doof vorkommt. Auch mal nachzufragen, wenn man sich unsicher ist. Das ist nicht immer einfach und auch wenn es Leute gibt, denen das nichts ausmacht – ich fand es sehr schwierig zu Beginn. Hatte ich mich aber überwunden und war über meinen Schatten gesprungen, fühlte ich mich stolz wie Bolle.

  1. Das Bekannte suchen…

In meiner Heimatstadt haben wir gerne die (falsch benannten) „Ausländerghettos“ kritisiert. „So integrieren die sich NIE!“ – „Immer für sich bleiben, was wollen sie dann überhaupt im Ausland?“ – Blablabla. Und da ist auch was dran. Ich wetze hier also nicht das Schwert zur Verteidigung von Ausländerzusammenrottungen. Aber ich verstehe sie jetzt besser. Ich kann noch so viele norwegische, kanadische oder franzözische Freunde haben, niemand ist mir in der Seele näher als eine andere Deutsche/ein anderer Deutscher. Sage ich „Herr Müller-Lüdenscheid!“ antwortet mir die Landsfrau: „Herr Dr. Klöbner!“ und wir enden im Chor: „Wenn Sie die Ente hereinlassen, lasse ich das Wasser heraus!“ Kollektive Kulturerinnerungen verbinden.

  1. Sich neu erfinden…

An einem fremden Ort kann man von vorne anfangen. Vielleicht nicht im Beruf, denn viele kommen ja aufgrund einer neuen Arbeitsstelle ins Ausland. Aber den Rest kann man eigentlich neu erfinden. Gerade für mich als „Mitreisende“ war und ist das immer eine Herausforderung. Aber auch eine wunderbare Chance.  Neue Länder bieten neue Möglichkeiten und geben neue Ideen. Dieser Blog entstand erst hier in Norwegen, dabei hätte ich ihn auch schon in Frankreich schreiben können. Aber da kam mir die Idee irgendwie nicht.

  1. Nostalgie

Distanz schafft manchmal verzerrte Bilder und Heimweh kann dazu führen, dass „in der Heimat doch alles besser war.“ Plötzlich vermisst man die Dinge, die früher selbstverständlich waren. Da wird ein „Hanuta“ im Café Liebling in Oslo wie ein lang verlorener Freund begrüßt, so groß ist die Freude, ein Stück Heimat zu sehen. Kehrt man aber zurück an den Heimatort, rückt sich das Bild zurecht.

  1. Überheblichkeit

„Toll, wo du schon überall gelebt hast!“ – „Wow, wie du das schaffst!“ – manchmal zollt man diesen Worten zu viel Aufmerksamkeit, zieht sie sich an wie ein paillettengeschmücktes Abendkleid und fühlt sich wie die Königin von Saba.  Mit kopfschüttelndem Bedauern blickt man auf die, die in der Heimat geblieben sind. Das ist eine ganz, ganz, ganz böse Seite der Weltbummlerei (und meines Charakters) und wird daher wie ein gefährliches Tier an der kurzen Kette gehalten. Raus darf die Bestie nur in Extremfällen. Denn seien wir mal ehrlich: Weggehen kann jeder, der Mut liegt im Bleiben.

  1. Nicht hier, nicht dort….

Egal, wie lange ich noch in Norwegen bleiben werde, ich werde immer die Ausländerin mit dem Akzent sein. Das kann anstrengend sein und weh tun. Komme ich dann zu Besuch nach Deutschland, wird es nicht besser: Hier gehöre ich auch nicht mehr hin. Auch wenn wir vermisst werden, geht das Leben in Deutschland seit 11 Jahren doch prima ohne uns weiter. Man hängt in der Luft. Ich gebe meinen Status gern als Europäerin an, andere sagen sie sind Weltbürger. Das hilft :).

  1. Sprachenwirrwarr

Ich, I, jeg, moi…vier Sprachen kämpfen um Aufmerksamkeit in meinem Kopf und führen zu Verwirrung. Deutsch und Englisch sind stark, Französisch und Norwegisch kämpfen um Platz 3. Für jedes neue norwegische Wort scheint ein französisches zu verschwinden. Ich bin schon zum Flohmarkt der französischen Schule gegangen, um mal wieder die Sprache der Grande Nation reden zu können und zu hören. Jede Sprache trägt mit sich so viele Erinnerungen und Bilder von verschiedenen Orten – ein bunter, mehrsprachiger Zirkus, der manchmal ausbricht. Ich mag die kurze Witzigkeit des Englischen, den Charme des Französischen, die geordnete Gedankenwelt und Sicherheit im Deutschen und die abenteuerliche Neuheit des Norwegischen.

  1. Überall Konten, Renten, Freunde

Mittlerweile besitzen wir Konten in Kanada, Schottland, Frankreich, Deutschland und Norwegen. (Nein, keines in der Schweiz.) Wir haben in allen diesen Ländern Rentenansprüche und –gelder gesammelt und das Beantragen von Rente wird wahrscheinlich einen Jahresurlaub in Anspruch nehmen. Außerdem haben wir aber auch Freunde und Bekannte in den vier Ländern, sogar noch in mehr als vier, denn manche unserer Freunde haben auch wieder das Land gewechselt. Das ist spannend. Leider sind sie (genauso wie unsere Familien) aber dadurch auch so weit weg und man sieht sich nicht (oder nicht oft). Das ist weniger spannend. Um den Kontakt nicht zu verlieren, sind unter anderem soziale Medien ideal und ich stimme ein erneutes „Hurra!“ auf Facebook an: „HURRAH!“

  1. Heute hier, morgen dort…

Immer neue Orte kennenzulernen, nicht nur im Urlaub, sondern dort richtig zu leben, finde ich klasse. So sehr ich meine Freunde, meine Aktivitäten und viele Plätze hier in Oslo gerade schätze, so sehr reizt es mich eben auch, wieder irgendwo neu anzufangen. Ein neues Land zu erforschen mit allen seinen Vor- und Nachteilen ist ein großer Luxus und Spaß. Und man wird besser, je häufiger man es tut. Allerdings freue ich mich auch auf den Moment, wo ich plötzlich an einem Ort stehe (gern auch sitze) und weiß: „Hier will ich bleiben.“

  1. Zuhause

„Aber willst du nicht seßhaft werden? Ein Zuhause aufbauen?“ Im Ausland zu leben, bedeutet auch häufig, in der Luft zu schweben. Nicht ganz da zu sein, nicht ganz dazugehören. Ein Zuhause habe ich aber nie vermisst, denn das ist dort, wo Martin ist. Und seit August: Wo Martin und Gesa sind.  Egal, wo uns der Weg noch hinführt, mein Zuhause ist immer dabei. *** So, meine lieben Leser, das war es schon für heute. Eine kleine, ganz persönliche Analyse, die in vielen Punkten bestimmt von der Geschichte anderer Auswanderer abweicht. In manchen aber auch zutreffen kann. Schildert doch Eure Erfahrungen – und für alle, die nicht auswandern wollen: Was würde Euch abhalten? Ich bin gespannt und freue mich auf Eure Kommentare. Uns allen wünsche ich eine tolle, lustige, leckere und sonnige Woche. Habt Spaß, wo immer auf der Welt Ihr auch seid. Ha det bra, 20150213_125213 Ulrike