—aus sozialen und wetterbedingten Gründen verschiebt sich der heute fällige Blog auf….später….—-
Euch allen einen trotz allem schönen Freitag!
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Euch allen einen trotz allem schönen Freitag!
Das hat es in diesem Blog auch noch nicht gegeben: Ich habe einen Artikel auf der Hälfte gestoppt, alles markiert und gelöscht. Geplant hatte ich einen Text über den klirrenden Winter hier in Oslo. Da momentan jedes Gespräch in der norwegischen Hauptstadt mit „Herregud, det er veldig kaldt!“ beginnt ist das ein legitimes Thema, dachte ich. Doch dann sah ich den Wetterbericht für Deutschland, der von -17° Nachttemperatur im Erzgebirge berichtete und für weite Teile der Republik weiteren Schneefall ankündigt. WEITEREN Schneefall.
Schnee?
Haben wir nicht.
-17°?
Haben wir nicht.
Wovon also genau wollte ich erzählen???
Das kann doch aber nicht sein!!! Wir leben in NORWEGEN!!! Gut, ja, wir hatten in den letzten Tagen regelmäßig -16°. Ok, ich trage ein Doppelpaar Socken und noch weitere wollene, wärmende Schichten beim Rausgehen. Ja, ich muss aufgrund der zusätzlichen Kleidungsschicht immer 20 Minuten früher aufstehen, um pünktlich zu sein.
Aber wem erzähl ich das?
BEI EUCH LIEGT SCHNEE!
Hier ist der Frognerpark mit einer weißen Pseudoschicht überzogen. Irgendwo weiter oben in Oslo soll zwar mehr Schnee liegen, aber ich muss ganz ehrlich zugeben: Ich bin enttäuscht bisher! Schickt mir also Eure Schneebilder und Wintererlebnisse aus Deutschland ins fast schneefreie Majorstuen.
Lächerlich. Mal ehrlich.
Da haben es Blogger viel einfacher, die aus Südamerika stammen, aus Afrika oder Mexiko. DIE haben jetzt trotzallem etwas zu erzählen. DIE können Familie und Freunde mit haarsträubenden Geschichten über den Winter ( „¿Qué es WINTER?“) aus dem fernen Land am Rand der Arktik begeistern. Ich stelle wieder einmal fest: Norwegen und Deutschland sind sich einfach zu ähnlich. Nein, das ist falsch gesagt. OSLO und Deutschland sind sich ähnlich. Für die anderen Landesteile kann und will ich das nicht sagen, vermute aber, dass es zwischen Nord-Norwegen und Deutschland gravierende Unterschiede gibt.
Die haben da oben mehr Schnee!
Und kälter ist es auch!
Die tiefste, jemals gemessene Temperatur in Norwegen stammt aus der Finnmark. Im Januar 1886 wurden in Karasjok – 51,4° Grad gemessen. HA! Take that Erzgebirge! Nicht, dass ich irgendeine Form von Wettstreit starten will. Neeeeinnnnn. Aber ich hatte schon vor, Euch mit Geschichten aus dem klirrenden Winter Norwegens zu überraschen.
WIE SOLL DAS GEHEN, WENN IHR NICHT MITMACHT???
Ehrlich. Nun haltet Euch mal zurück.
Besonders Ihr da im Erzgebirge.
Wo war ich?
Ähnlichkeiten, genau.
Hier ein paar aktuelle Dinge, die ähnlich sind zwischen Norwegen und Deutschland (um weitere wird in den Kommentaren gebeten!):
Es sind nur Kleinigkeiten, aber sie wecken in mir das Gefühl von Heimat, das ich noch in keinem anderen Land so schnell verspürt habe. Und doch finden sich überall kleine, feine Unterschiede:
So findet sich überall in der Stadt Bekanntes und Vertrautes, Neues und Ungewohntes. Aber das macht das Leben im Ausland jeden Tag spannend.
So, wo ist jetzt der SCHNEE?????
Nachdem seit Wochen die satirische Hilfsaktion der norwegischen Studentengruppe SAIH „Radiatoren für Norwegen“ das Internet amüsiert,
http://www.youtube.com/watch?v=oJLqyuxm96k
bitte ICH nun um Schneespenden. Schnee für Norwegen klingt wie Eulen nach Athen tragen. Seltsame Welt.
Das war es schon für heute, meine lieben glorreichen Sieben im Schnee! Das Wochenende lockt mit einer „Extravaganza Weihnachtsfeier“, einer Keller-Entrümpelungsaktion (unglaublich, was sich in 8 Monaten ansammelt), einer langen (und hoffentlich erfolgreichen) Schreibsitzung für die ersten Szenen zum Theaterabend „Grimm Reloaded“ oder „Grimm 2013“ und einem hoffentlich sonnigen Spaziergang! Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an meinen wunderbaren „partner in crime and love“ Martin, der letzte Woche befördert wurde, was mich ganz stolz macht. Well done, you!
Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Woche mit Tannenduft und Lebkuchen, Schlitten fahren und Schneeballschlacht, warmen Füßen und Kaminfeuer. Genießt die Zeit, kommt mal zur Ruhe und lasst Euch das Marzipanbrot schmecken.
Ha det bra,

(Nikolauspaket meiner wunderbaren „Mutta“, noch ein Stück Heimat, das in die Fremde kam)
Ulrike
Das Leben ist eine Baustelle. Da ist was Wahres dran. Irgendwo im Leben gibt es immer was zu verbessern, zu verändern, manchmal wird angebaut oder irgendwo stürzen Mauern ein. Auch in Oslo ist das Leben eine Baustelle.
Im wahrsten Sinn des Wortes.
Hier wird gebaggert, geteert, aufgerissen und zugeschmissen, verlegt, gebohrt, gemixt.
Und das noch bis 2014. Mindestens.
Hallo, meine lieben Bauarbeiter, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Kalt ist es geworden und glatt ist es geworden. In den höher gelegenen Wohngebieten Oslos stapfen die Anwohner durch knöchelhohen Schnee, während wir hier im Zentrum sehnsüchtig jeder Schneeflocke hinterher blicken. Zu lange darf der Blick allerdings nicht dauern, denn in Majorstuen oder in Oslo Zentrum muss der Blick vor allem in eine Richtung gehen: Nach unten. Wer will schon gern in ein Bauloch fallen?
Irgendjemand in der Oslo Kommune muss Langeweile haben. Oder die Bauarbeiter haben Arbeitsdrang. Oder der Oil Fund, den die norwegische Regierung für schlechte Zeiten angelegt hat, läuft über und wird teilweise in die Straßenwirtschaft gesteckt. Auch die 200-Jahrfeier Norwegens 2014 wirft ihre königlichen Schatten voraus. Ihr verdanken wir die Megabaustelle neben der Oper, auf der ein gläsernes Designhochhaus nach dem anderen entsteht.
Woran es auch immer liegt, es wird gebaut in Oslo. Und zwar immens.
Die uns am stärksten betreffende Baustelle zieht sich langsam aber stetig den Bogstadtveien hinauf. Das Shoppen an dieser beliebten und exklusiven Einkaufsmeile erinnert momentan mehr an ein Hindernisrennen und verlangt vom tütenbeladenen Fussgänger ein Hochmass an Konzentration, Sportlichkeit und Orientierungsvermögen. Nicht selten passiert ist, dass neongrün-rote Absperrungen den Weg vorgeben, dann aber mitten auf der Baustelle enden. In einer Sackgasse. Anscheinend komplette Fußwege brechen unerwartet auf und zwingen zum Vollkörperstopp. Mannshohe Bürgersteige versperren hüftgeschädigten Senioren den Weg zum Supermarkt und Mütter mit Kinderkarren wurden schon seit Monaten nicht mehr gesichtet.

Noch bis November 2013 soll der Spaß dauern und dann, ja dann, soll alles besser sein: Breitere Straßen, neue Bäume und weniger Vibrationen durch vorbeiratternde Straßenbahnen. Aber das Tollste wisst Ihr noch nicht: Der Bogstadveien bekommt Fußbodenheizung!
Doch, doch sowas gibt’s in Oslo!
EHRLICH!
Ich wollte es auch erst nicht glauben, aber nachdem ich vom vereisten Majorstuveien in die Innenstadt fuhr und auf der völlig eisfreien Karl Johans Gate ankam, bin ich ein absoluter Fan von Bürgersteigheizungen. (Es gibt unter Garantie einen Fachbegriff dafür, aber was bin: Das interaktive Baulexikon?) Und so sehen die Bürgersteige unter dem Asphalt dann aus:

Toll, oder? Und so soll es aussehen, wenn alles fertig ist:
Sehr schön.
Und so ökologisch.
Besonders die beheizten Bürgersteige. Ganz prima.
Man spart das menschliche Kraftpotential, das zum Sand streuen oder Eis hacken nötig gewesen wäre, und nutzt dafür den ja so überwältigend zur Verfügung stehenden Strom. In Reykjavik wird dafür kochendes Wasser benutzt, das die Natur dank Erdwärme den Isländern gratis zur Verfügung stellt. In Oslo bestimmt nicht. Wer sich im Bauleben auskennt und weiß, wie die Fernwärme erzeugt wird, wird gebeten, einen Kommentar zu hinterlassen!
Billig ist es bestimmt nicht.
Ab Ende November gilt in Majorstuen erstmal: Das Leben ist eine Baustelle ….to be continued. Natürlich. Im Weihnachtsrausch soll die Konsumlust der Bürger nicht durch störende Bauarbeiten behindert werden. Außerdem wird es kalt. Und zwar ordentlich! Wer will da noch baggern? Im April 2013 soll es dann weitergehen. Ich freue mich jetzt schon. Die bauarbeitsfreien Monate werde ich nutzen, um meine Kletterstrategie zu verbessern und mir ein profundes Wissen über geeignete Ausweichstraßen anzueignen. Doch wer weiß: Vielleicht wird da dann auch gebaut.
Das war es von mir für heute, meine lieben Leser. Der Dezember steht vor der Tür und mit ihm die für mich schönste Zeit im Jahr. Ich wünsche uns allen eine friedliche, stressfreie, tannenduftende, kerzenleuchtende und fröhliche Weihnachtszeit. Bleibt ruhig und besinnt Euch. Ihr könnt das, wenn Ihr wollt!! Doch, doch!
Habt eine schöne Woche, arbeitet auf Euren Baustellen und haltet die Füße warm!
Ha det bra,

Ulrike
Eine neue Sprache an der Volkshochschule zu lernen ist schön und gut. Effektiver aber lernt man im alltäglichen Leben, auf der Straße, in der U-Bahn oder im Supermarkt. Gerne auch: Beim Blog lesen!
Guten Morgen, meine lieben Leser, wie schön, dass Ihr da seid. Seid Ihr da? Es ist ja noch relativ früh und Ihr mental weder auf mich noch den neuen Blog vorbereitet. Ja, große Ereignisse werfen ihre weihnachtlichen Lebkuchenschatten voraus: In der deutschen Gemeinde ist am Wochenende Christkindelsmarkt. Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an. (Entschuldigung, ich konnte nicht widerstehen. Vorhersehbare Formulierungen oder stereotype Ausdrücke sollen in literarischen Werken ja unter allen Umständen vermieden werden. Einzigartig soll der Text sein. Überraschend. Atemberaubend. Tut mir also leid. Es war stärker als ich. Mist, schon wieder eine Floskel.)
In Eurem Lieblingsblog geht es heute um die norwegische Sprache.
Schooon wieder?
(An dieser Stelle können sich alle Leser, die meinen englischen Blog gelesen haben, verabschieden. Ihr kennt den kommenden Text in weiten Teilen schon. Ja, SICHER benutze ich dieselbe Idee zweimal. Was bin ich? Eine kreative Ideenweitwurfmaschine???)
Keine Angst, dieser Blog verwandelt sich nicht plötzlich in das norwegische Zentralorgan des Langenscheidt-Verlags. Aber ich möchte Euch einige Ausdrücke, Sprachwendungen und Formulierungen vorstellen, die mich im alltäglichen Leben hier in Oslo begleiten.
1. „Vil du ha pose?“
Jedes Mal wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe, kommt dieser Satz daher. Als er und ich uns das erste Mal begegneten, befand ich mich im Sprachverweigerungsmodus. Bedeutet: Ich verstand nicht ein einziges norwegisches Wort, wollte das aber nicht zugeben und antwortete daher auf alle an mich gerichteten Fragen mit einem entschiedenen „No.“ Sicher ist sicher.
Die freundliche Kassiererin im Centra Supermarkt fragte also: „Vil du ha pose?“, ich antwortete, meiner Sprachtheorie folgend, mit: „No“ und wollte meinen Einkauf einpacken. Wo waren denn die Einkaufstüten? Mist. Als ich die freundliche Verkäuferin auf Englisch nach einer Tüte bat, verrutschte ihr Lächeln etwas. Es dauerte noch zwei weitere Einkäufe bis ich gelernt hatte, dass „Vil du ha pose?“ bedeutet: „Möchtest du eine Tüte?“.
Immer noch irritiert mich diese Frage. Weniger mich persönlich. Ich, als ökologisch einwandfreie Deutsche, bringe ja meistens einen eigenen Einkaufsbeutel mit. Die Frage, ob ich eine Tüte brauche, ist also berechtigt. Norweger haben allerdings das Selberbringprinzip von Einkaufsbeuteln noch nicht entdeckt. Sie wollen IMMER eine Tüte. Zwischen einem Norweger, der mit einem vollbeladenen Einkaufswagen an der Kasse steht und der hilfreichen landsmännischen Verkäuferin, könnte sich der Dialog also so anhören: Verkäuferin: „Möchtest du eine Tüte?“ – Norweger (mit Blick auf den überquellenden Einkaufswagen): „TÜTE???? NEIN!!!! Ich dachte, ich klau den Einkaufswagen und rolle die Sachen nach Hause.“ Sagt niemand. Würden sie aber gern.
2. „Enkel eller dobbel?“
Eine alltägliche Frage, die mir in jedem Coffee Shop gestellt wird. Oslo ist die Kaffeehauptstadt und an fast jeder Ecke der Stadt findet sich eine Koffeinauffüllstation. Obwohl die Norweger hauptsächlich schwarzen, regulären Bohnenkaffee trinken, haben sich in vielen Städten auch solche exotischen Getränke wie Café Latte oder Cappuchino etabliert. Bei Bestellung derselben fragt die Bedienung jedes Mal: „Enkel eller dobbel?“
Beim ersten Mal war mein Hirn eindeutig im Sprachverweigerungs – und Deutschmodus, denn ich konnte nur denken: Enkel? Enkel??? Was will die blonde Kuh bei „Wayne’s Coffee“ denn damit andeuten? Meint sie etwa, dass das brüllende Balg hinter mir mein Enkel ist? Hallo? Ich bin 40 geworden dieses Jahr, zugegeben, aber wir wollen es ja mal nicht übertreiben!!!
„Dobbel“, schleuderte ich ihr also entgegen.
Junge, Junge, war ich wach für den Rest des Tages.
Für eine Frau, die eigentlich nur koffeinfreien Kaffee trinkt, ist ein doppelter Schuss Espresso lebensverändernd.
Seitdem bestelle ich meinen Café Latte „enkel“, mit nur einem Schuss, vielen Dank.
3. „Hei hei!“
Einfach zu verstehen und keine Formulierung im eigentlichen Sinn. Aber es handelt sich dabei um eine absolute norwegische Spezialität. Sie begegnet harmlosen Kunden in allen Geschäften, Restaurants, Supermärkten der Stadt. „Hei Hei!“ Mir begegnet sie meistens im lokalen Coffee Shop.
Doch Obacht: Wir sprechen hier nicht von einem regulären „Hi!“ oder „Hallo!“. Oh nein. Die Stimme springt mehrere Oktaven nach oben und fünf unsichtbare Ausrufezeichen werden wie Pfeile mit der Begrüßung verschossen. Du bist kein ordinärer Kunde! NEIN! Du bist der verlorene Sohn, der endlich nach Hause kommt! Der Stolz der Familie! Die Heldin der Arbeiterklasse! Du bist die personifizierte Lösung für Weltfrieden! Du bist John Lennon und Yoko Ono in einer Person! Der Gandhi des Coffee Shops! „Hei Hei!“
Beim ersten Mal war ich derartig irritiert, dass ich mich umdrehen musste, um zu gucken, ob Angelina Jolie oder die norwegische Lottofee hinter mir standen. Doch da war niemand.
Versteht mich nicht falsch: Ich finde es toll, derartig überschwänglich begrüßt zu werden. Ich habe aber immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich dann nur einen Kaffee bestelle. Ich würde diese überschwängliche Begrüßung so gern mit einer ebenso überschwänglichen Bestellung beantworten, aber habt Ihr eine Ahnung, was ein einzelner Kaffee in Oslo kostet?
Irgendwann, wenn ich reich und berühmt bin, bestelle ich die gesamte Kaffeekarte rauf und runter und bitte alle Angestellten mit mir zu feiern. Einfach nur, weil sie sich jedes Mal so freuen, mich zu sehen.
4. „Dørene lukkes!“
Hierbei handelt es sich um eine automatisierte Ansage in der T-Bane, der U-Bahn in Oslo. Sie hört sich etwa so an: „Döörenne lükes!“. Ich kann mich bei dieser Ansage nicht beherrschen. Ähnlich wie bei den Sicherheitsvorführungen auf einem KLM-Flug (die für mich jede Hollywood-Komödie in den Schatten stellen), liege ich bei „Döörenne lukkes“ vor Lachen unterm Sitz. Anfangs lachte ich nur aufgrund der witzigen Vokalabfolge. Dann kam mir eine andere Idee, die von einigen Jahren im Berliner Wedding zeugen: „Döörenne lukkes“ – Döner für Lukas?
Der Witz hat mich von Majorstuen bis zum Holmenkollen amüsiert. Und zurück. Und tut es immer noch. Jetzt gerade.
Meine Mutter träumt davon, die Formulierung als Schimpfwort zu benutzen. Sie möchte einem Umwissenden ein „Döörenne lukkes“ ins Gesicht schleudern. Und dann gucken was passiert. Ich hoffe, ich erlebe es mit.
Wir sind eine seltsame Familie.
Wir hatten viel Spaß in der U-Bahn.
Was der Satz bedeutet? Was kann der Satz bedeuten, der so viel Lachen ins Leben bringt?
Er bedeutet……Trommelwirbel…..
„Die Türen schließen sich.“
Manchmal sind es die einfachen Dinge im Leben.
5. Takk for sist!
Eine weitere norwegische Besonderheit. Wörtlich übersetzt bedeutet es soviel wie „Danke für das letzte Mal, als wir uns trafen.“ Oder „Danke für das letzte gemeinsame Essen.“ Oder „Danke für den letzten Sex.“
NEIN! ICH MACHE SPASS!
Dafür gibt es eine eigene Formulierung.
„Takk for sist“ ist eine absolut normale und erwartete Begrüßung, trifft man auf eine Person, mit der man irgendwann Zeit verbracht hat. Die Betonung liegt auf „irgendwann“. Selbst wenn das Treffen bereits vor drei Jahren stattfand und man sich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, was man mit der Bekannten, dem fast Fremden, der Nachbarin von gegenüber oder dem Kerl mit der komischen Frisur eigentlich unternommen hat: es wird sich bedankt. Jawohl. Höflichkeit siegt. Ich lebe erst acht Monate hier und meine Erinnerung schafft es gerade noch, sich an die vergangenen Monate zu erinnern, aber ich empfinde diesen Brauch als völlig irritierend. Aber ich werde ihn weiterhin benutzen. Auch wenn ich mich irgendwann nicht mehr genau erinnern kann. Egal. Wird schon keiner merken.
„Vil du ha pose?“ – „Enkel eller dobbel?“ – „Hei hei !!!!!“ – „Dørene lukkes!“ – „Takk for sist!“: Kommt nach Norwegen, hört und sprecht und fühlt Euch ein bisschen einheimisch!
Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser. Ich werde mich nun zum Supermarkt begeben („ Vil du……“) und dann eine köstliche Karottensuppe kochen. Auf dem Weg dorthin werde ich an unserem neuen Haus vorbei gehen, denn für alle, die es noch nicht wissen: Wir haben eine Wohnung gefunden. JA! Nicht in einem alten Stadthaus, aber dafür in der „Sorgenfrigata“ in Majorstuen. Der Sorgenfrei-Straße. Ich freu mich darauf. Martin kommt heute erst aus Aberdeen zurück, hat quasi über Handy einer ihm fremden Wohnung zugestimmt und ich hoffe, sie wird ihm gefallen.
Meine Grüße gehen diese Woche an meine wunderbare Freundin Barbro, die gestern ihre Prüfung im Verwaltungslehrgang II bestanden hat! (Ich hoffe, das ist die richtige Bezeichnung.) Ganz herzlichen Glückwunsch, ich bin stolz auf dich!! BRAVO! Hoch die Tassen!
Euch allen wünsche ich eine schöne Woche, lacht dem tristen November ins hässliche Gesicht, wärmt Euch auf mit guter Suppe und freut Euch auf die Adventszeit!
Ha det bra,
Ulrike
Hastverk er lastverk, sagen die Norweger. Gut Ding will Weile haben. Dem weisen Sprichwort folgend, suchen wir schon seit längerem eine Wohnung oder ein Haus hier in Oslo und sind hin- und hergerissen zwischen Stadt und Vorstadt. Eines wird aber immer deutlicher: Wir fühlen uns wohl in unserem Viertel. Und das stelle ich Euch heute mal vor. Majorstuen.
Hallo, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, schön, dass Ihr wieder hier seid! Heute begeben wir uns gemeinsam auf Fotosafari und ich zeige Euch „our ʹhood“, unser Wohnviertel hier in Oslo. Ein grauer Novembertag ist nicht die ideale Ausgangssituation für eine Fototour, und beim Herumstreunern habe ich auch viele hässliche Ecken gefunden, aber glaubt mir: Es ist toll, hier zu wohnen. Seid Ihr bereit? Auf geht’s.
Velkommen til Majorstuen!
Oslo ist durchzogen von einer unsichtbaren Grenze entlang einer sehr sichtbaren Grenze. Die Akerselva oder Akerselven fließt von Norden zum Oslofjord und teilt die Stadt in einen östlichen und einen westlichen Teil. Das ist die rein geografische Trennung. Ähnlich wie in Paris das Rive Gauche und Rive Droite trennt den Osten und den Westen der Stadt aber mehr: Traditionen, Kultur und nicht zuletzt Geld. In Oslo spricht man von Ǿstkanten und Vestkanten, der Ost- und Westseite.
Der Westen hat traditionell etwas mehr Geld, der Osten dafür mehr Stimmung. Im östlichen Bezirk Grünerløkka tobt die Künstlerszene, in Grønland das Multikultileben. Zu den westlichen Stadtteilen gehören Frogner oder Briskeby mit herrschaftlichen Stadthäusern, exklusiven Designerboutiquen, Künstlergalerien, Frognerpark und Gourmetrestaurants. Ein anderer westlicher Stadtteil ist seit Jahren bekannt für Nachtleben und Shopping. Majorstuen.
Ja, aber man kann hier trotzdem gut leben! *lach*
Die Lebensader des Viertels ist der Bogstadveien, die längste Einkaufsstraße Norwegens. Hier findet jeder was er sucht. Oder sie. Mehr sie, als er. Obwohl Männer auch furchtbar gern shoppen. Schauen wir uns hier also mal um.
(ich entschuldige mich schon mal bei allen Fotokennern….Manche Fotos sind wirklich gruselig)
Hier also der quasi der Beginn des Bogstadveien, gleich kommt….
…unsere Lieblingsbäckerei samt Café. Kein Wunder, dass Starbucks bisher nur eine Filiale in Oslo hat. Die norwegische Hauptstadt boomt mit anderen Kaffeeläden, von großen Ketten wie Wayne’s Coffee oder Kaffeebrenneriet über Bäckereien wie Baker Hansen oder United Bakeries. Die Kaffeerösterei von Tim Wendelboe in Grünerløkka schaffte es gerade unter die Top Ten Kaffeeplätze weltweit auf der Liste der NY Times. (Auch wenn das Ambiente etwas zu wünschen übrig lässt. Katrin und ich waren diese Woche auf Recherchetour.) Starbucks, eh? Duh. Wir mögen Baker Hansen, unser ständiger Kaffeezulieferer ist aber…
…Deli de Luca, dort gibt es auch fantastischen Orange-Rooisbos-Tee! „Minibank“ heißen hier übrigens die Geldautomaten, die großzügig verteilt sind. Kein Wunder. Gibt ja auch schöne Geschäfte hier. Für mich gaaaanz gefährlich ist…
…Norli, mein Lieblingsbuchladen. Auf dem Foto seht Ihr auch eines der ersten Wörter, die ich im Norwegischen gelernt habe. „Tilbud“ – Angebot. Gleich gegenüber mein Lieblingsladen auf Bogstadveien. Zara? H&M? Nein, nein, die….
…Eisenwarenhandlung Hegdehaugens. Ein wunderbarer Laden, in dem man von Schulheften über Mausefallen bis zu Porzellantassen alles kaufen kann. An alle Moritzberger Freunde: Ich fühl mich immer irgendwie an „Schubi“ erinnert. Toller Laden!
Das gelbe bzw. rote Ding ist übrigens ein Auto, nur falls da irgendeine Unsicherheit bestand. Hinter dem gelben Auto ist, bei ganz genauem Hinsehen, ein blauer Punkt auf einer silberner Stange zu erkennen. Das ist eine Elektrotankstelle, die hier sehr verbreitet sind. So wie die Elektroautos. So umstritten wie ihr wirklicher Nutzen ist für mich auch das Design. Nicht mal George Clooney würde in einer derartigen Blechkiste sexy aussehen. Auf der Cool-Wall bei „Top Gear“ würde das Elektroauto noch nicht mal bei „extremely uncool“ landen. Aber weiter im Text.
Beim Bummeln fällt mir erstmals auf, wie wieviele Friseursalons hier am Bogstadveien um ihre Kunden kämpfen. Manche haben da, vermute ich, weniger gute Chancen. Ich grüße an dieser Stelle Daria, die mich auf diese wunderbaren Namen aufmerksam gemacht hat! Man hätte also am Bogstadveien die Wahl beispielsweise zwischen…
Nun ja. Es soll ja mutige Menschen geben.
In den Seitenstraßen liegt der wahre Reiz Majorstuens für mich. Für eine Wohnung in einem dieser wunderschönen, alten Häuser würde ich morden…
Naja, ihr versteht schon.
Natürlich nicht wirklich.
Macht man doch nicht.
Wegen einer so profanen Sache wie einer Wohnung.
Ehrlich.
Albern.
Obwohl…..
Guckt doch selbst, ist Majorstuen schön oder schön oder schön???? (Huch, ich stelle gerade fest, dass ich die schönen Häuser nicht fotografiert habe. Naja. Doof jetzt. Müsst Ihr Euch den Rest vorstellen!)
Majorstuen oder Majorstua, hier scheiden sich immer noch die Geister. –stuen zeugt mehr vom dänischen Erbe, -stua beinhaltet die rein norwegische Endung auf –a. Ich habe tolle dänische Freunde und bleibe bei Majorstuen. Zentral liegt der Bezirk auf jeden Fall und das ist ein unschätzbarer Vorteil. Bis auf die kleinen Fähren sind alle Verkehrsmittel Oslos vorhanden. Wir haben die Trikk, die Oslo-Variante der Straßenbahn, und…
….die T-Bane, kurz für Tunnelbane. Alle U-Bahnlinien bedienen das Verkehrskreuz Majorstuen. Super!
Das blaue T im weißen Kreis steht für T-Bane. Vorne links eine Werbung für Norwegens größte Tageszeitung „Aftenposten“, hinten rechts ein „Narvesen“, die große Kioskkette des Landes.
Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs wird ergänzt durch zahlreiche Busse…
…und wer sportlich sein will, nimmt das Oslo Sykkel:
Abgesehen vom Fahrrad ist man mit allen anderen Verkehrsmitteln in wenigen Minuten ostwärts im Stadtzentrum und in nur 15 Minuten mit Skien bepackt mitten im schönsten Waldgebiet. Daran kann man sich gewöhnen.
Auch für das literarische Wohl ist in Majorstuen gesorgt: Direkt hinter der T-Bane-Station liegt die Filiale der Deichmanske Bibliothek.
Wer nach Erlösung sucht, ist auch in Majorstuen an der richtigen Stelle. Das Hauptquartier der Heilsarmee-Korps Majorstua liegt am Kirkeveien.
Von der T-Bane-Station Richtung Heilsarmee und dann noch ein paar Schritt weiter und der Frognerpark und damit die Grenze von Majorstuen ist erreicht. Frogner beginnt. Die Häuser werden zu Villen, Botschaften tauchen auf und die Kaffeeketten weichen exklusiveren Designermöbelläden. Ich biege in den Frognerpark ab und mache mich auf den Weg nach Hause. Wo es heute abend laut werden wird, denn „Twilight“ hat Premiere im Colosseum-Kino.
(Wie funktioniert Product Placement eigentlich genau? Ich müsste mit diesem Bericht einiges verdient haben….)
Das war also eine ganz oberflächliche Führung durch einen Teil von Majorstuen. Seid Ihr noch da???? Ich hoffe, unsere kleine Tour hat Euch so gut gefallen wie mir. Es gibt immer etwas zu entdecken, wenn man genau hinschaut und damit bleibt alles immer neu. Und das ist gut so.
Ich bin gespannt, wann unsere Suche nach einer neuen Bleibe erfolgreich sein wird, wie oft ich zwischenzeitlich noch meine Meinung zwischen Stadt und Vorstadt ändere und wo wir schließlich ankommen werden. Spannend bleibt es auf jeden Fall. Falls jemand jemanden kennt, der eine 3-Zimmer-Wohnung in einem schönen alten Stadthaus in Majorstuen vermietet, MELDET EUCH!!!! Ganz zum Schluss noch ein Foto, das mich seit unserem Einzug hier zum Lachen bringt. Wo wir Deutschsprachler mit unserem Hund Gassi gehen, machen die Norweger etwas anderes:
Ich wünsche Euch eine schöne Woche, lüftet mal wieder Euren Hund, guckt Euch genau um und überlegt, was Eure Nachbarschaft so besonders macht! Besondere Grüße gehen diese Woche an Katrin und Maik, die nächste Woche ans Ende der Welt reisen, statt mit uns Feuerzangenbowle zu trinken! Kommt heile an und, Dudes, viel Spaß!
Ha det bra,
Ulrike
Eine neue Sportart wird bei den kommenden Olympischen Spielen im russischen Sotchi alle Rekorde brechen: FGS. Fußgängerslalom. Im Schatten von Skilanglauf und Eisskaten entwickelte sich diese urbane Hate-Sportart im Herzen von Oslo. Auf der Karl Johans Gate. Ich bin Anwärterin auf die Goldmedaille.
Hallo Ihr lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute sollte es eigentlich um die Inhalte der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ gehen, doch aktuelle Ereignisse fordern ihren Tribut.
Ich habe eine neue Sportart erfunden. JAWOHL! Eine derartig bahnbrechende Neuigkeit muss natürlich gewürdigt werden und die Aftenposten läuft uns ja nicht weg. Nächsten Freitag gibt es bestimmt auch Nachrichten und dann kümmern wir uns darum. Nun aber zu meiner Erfindung oder vielleicht „Verbesserung“. Irgendwo hat irgendwer bestimmt die gleiche Idee gehabt. Seid Ihr bereit? Los geht’s!
FGS: Fußgängerslalom!!
Fußgängerslalom erfordert mentale Fitness, Reaktionsschnelle und die Schauspielkunst einer Meryl Streep. (Das allerdings nur im Anfangsstadium). Sie ist aus einem alltäglichen Bedürfnis heraus entstanden:
ICH MÖCHTE IN DER STADT BUMMELN UND ZWAR IN RUHE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Aber der Reihe nach:
Wie viele von Euch wissen, zieht sich die Prachtstraße der norwegischen Hauptstadt, die Karl Johans Gate, auf gut zwei Kilometern vom königlichen Schloss bis zum Hauptbahnhof Oslo S. Vom Schloss herab führt sie vorbei am Nationaltheater, Grand Hotel, Stortinget, H&M, Cubus, Domkirche, Subway bis sie an der Tigerfigur kurz vor der Bahnhofshalle endet. Im oberen Teil ist sie mit Bäumen gesäumt, im unteren mit…..
LAUTER LEUTEN, DIE WERBUNG MACHEN ODER BETTELN ODER SINGEN ODER SCHLIMMERES!!!!!
Entschuldigung.
Contenance.
ARRRRRRRRRRRRRGHHHHHHHHHHHHHHHH!
Es nimmt mich ein bisschen mit.
Einatmen.
Ausatmen.
Einatmen.
Ausatmen.
Ich bin ein Baum.
Besser.
Es ist nun seit einiger Zeit so, dass es unmöglich geworden ist, die Prachtstraße ungehindert entlang zu flanieren. Artgenossen in verschiedenen Alters- und Geschlechtsklassen haben es sich zum Ziel gemacht, mich über ihre Weltanschauung, ihre Fähigkeiten, ihre Zeitschrift zu informieren. Ein ehrenvoller Gedanke, der nur ein winziges Problem mit sich bringt:
ES KÜMMERT MICH NICHT! NICHT DIE BOHNE!! NADA! NIX! NOTHING!
Ich will weder Greenpeace beitreten, noch UNICEF-Unterstützer werden. Eine Mitgliedschaft bei Elixia-Sport ist genauso uninteressant für mich wie nepalesisches Yoga. Die Zeitschrift Folk er folk der folkloristischen Nomaden aus Rumänien kümmert mich nicht und, NEIN DANKE, ich will auch keine Aftenposten abonnieren. Operations Dagværk ist eine tolle Sache, aber ich spende NICHT 10 MAL!!!! Schön, dass der Bokhandel 50% Ermäßigung bietet und endlich, endlich, ENDLICH ein neuer Kaffeeladen in Oslo eröffnet. Alles toll, wirklich. LASST MICH IN RUHE!
Ich musste eine Lösung finden.
Erst habe ich versucht, die Karl Johans Gate zu umgehen. Dann dachte ich mir: PAH! Warum soll ich Platz machen?
Also habe ich begonnen, die aufdringlichen Artgenossen zu ignorieren. Das brachte Spannung ins Spiel. Ich ging hocherhobenen Kopfes in der Mitte der Fußgängerzone. Aus den Augenwinkeln nahm ich die feindlichen Stellungen wahr: Ein Zeitungsstand von Aftenposten. Ich legte ein mit Weltproblemen beschäftigtes Denkergesicht auf und setzte alle Zeichen auf Ignoranz. Niemand würde mich ansprechen. Ich kam den feindlichen Lagern immer näher. Würde die Maske halten? Der Wall brechen? Meryl Streep, steh mir bei……
„Hei hei, willst du eine Zeitung haben? Umsonst!“
NEIN!
Ich versuchte Ignoranz mit gesenktem Kopf, intensiv das Straßenpflaster studierend. Kurz danach kroch ich auf dem Boden herum und half der sichtlich geschockten UNICEF-Mitarbeiterin, in die ich frontal gerannt war, ihre Unterlagen vom Boden aufzusammeln.
UNNSKYLD!
Angriff ist die beste Verteidigung, beschloss ich. Mit offenem Lächeln flanierte ich die Straße entlang und wartete auf den ersten Artgenossen. AHA! GREENPEACE kam. Noch während der einführenden Worten nickte ich ihn begeistert an und erklärte, ich sei bereits Mitglied und dankbar für seine Arbeit. Das zog! Ich behauptete in den folgenenden Tagen auch Mitglied von AMNESTY, Abonnentin von K&K und Aftenposten und Unterstützerin der französischen Kultur in Norwegen zu sein. Wirkte immer und brachte mir ein strahlendes Lächeln ein. Auf die Dauer ist diese Tour aber sehr zeitaufwändig. Von der sündigen Verlogenheit und meinem schlechten Gewissen mal ganz abgesehen.
ARGH!
Und dann entwickelte ich einen Weg, die störenden Artgenossen mit Spaß und Spannung zu umgehen: Der Fußgängerslalom war geboren!
Die Idee dahinter ist simpel, aber wie so oft: Die simplen Dinge im Leben machen am meisten Spaß!
Ich stellte mich also an den Beginn der Karl Johans Gate, auf Höhe des Nationaltheaters und scannte die Strecke: Operations Dagvaerk vorne rechts auf Höhe des Brunnens, Roma links vor Buchhandlung Tanum, Unicef-Leute zwischen dem Grand Hotel und Magazin Dressmann, Aftenposten-Stand links vor der BOK- Buchhandlung. Mein Ziel: Ungehindert von der Karl Johan links in die Akersgata einzubiegen. Ich ließ die Schultern und den Kopf kreisen, atmete tief ein und ging los. Meinen Blick immer auf die Hindernisse gerichtet. Gerade, gerade, gerade, links vorbei, gerade, gerade, gerade, scharf rechts vorbei, Schussabfahrt, knallhart rechts, leichter Streifzug („Hei, hei, vil du….“), gerade, gerade, Ziel vor Augen, links einordnen, gerade, scharf links und…..ZIIIIIIIEEEEELLLLL!!!!!!!!!!!!!
Ja und so mache ich das seitdem. Ich plane Jacques Rogge von meiner Erfindung zu informieren und bin sicher, dass Fußgängerslalom eine olympische Zukunft hat. Spaß macht es auf alle Fälle, ist sowohl im Sommer als auch im Winter spielbar und eignet sich für jede Fußgängerzone weltweit. Manchmal kann man eben Dinge nicht ändern, aber die eigene Einstellung dazu.
Probiert es aus!
Das war es schon wieder meine lieben Leser, ich hoffe, Euch angesteckt zu haben und bald im ständig wachsenden FGS-Club begrüßen zu können! Ein turbulenter Monat steht bevor mit Christkindlsmarkt, Wohnungssuche, Theatergruppe, Kinderkirche und vielem mehr. Ich freu mich darauf, wünsche uns allen eine schöne Woche, lasst Euch vom November nicht unterkriegen und trainiert FGS – es ist den Spaß wert!
Die wöchentlichen Grüße gehen heute an meine Freundin Sabine, die heute Geburtstag hat! Hipp Hipp Hurrah Bine!!!
Ha det bra,
(Tatsächliches Mitglied bei NOAH und SOS Kinderdorf)
Ulrike
Wann ist man wirklich in einem fremden Land angekommen? Sobald man die Sprache spricht, sagen einige. In dem Moment, wo man Freunde findet, behaupten andere. Wenn man Traditionen, Feiertage und landestypische Sitten miterlebt hat, meinen die nächsten. Ich sage: Man ist auch in einem Land angekommen, wenn man den Fernseher anmacht oder die Zeitung aufschlägt und weiß, wer wer ist.
Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Letzte Woche waren wir gemütlich zusammen shoppen (Ich habe übrigens Samstag einen wunderbaren, frostgeprüften Wintermantel gekauft!) und diese Woche…
(An dieser Stelle bitte ich alle Klatsch-und-Tratsch-Gegner um Verzeihung und wünsche Euch noch eine schöne Woche, aber Ihr solltet jetzt besser gehen. Wirklich. Zu Eurer eigenen Sicherheit.)
…diese Woche also…
(Ich meine es ernst. Macht Euch vom Acker. Bevor es zu spät ist.)
…diese Woche also…
…lesen wir zusammen…
KLATSCHZEITUNG!!!!!!!!
JUBEL!!!!
Meiner Meinung ein sehr unterhaltsamer Weg, um zu lernen, wie ein Land tickt.
Solltet Ihr nun zu den Lesern gehören, die mehr über die politische Lage in Norwegen wissen wollen – schade. Das kommt erst nächste Woche. Vielleicht.
Für alle anderen gilt: Macht Euch einen Kaffee, holt die Schokolade aus dem Schrank, hockt Euch aufs Sofa und schaltet das Handy ab…
…wir lesen Se og Hør, DAS Klatschmagazin Norwegens (wahlweise auch in dänischer oder schwedischer Ausgabe erhältlich)!
Alles bereit? Auf geht’s!
Die Titelseite ist vielversprechend: Die schwedische Prinzessin Madeleine lächelt mich glücklich an. Ihr diamantberingter Finger ruht auf der Schulter eines milde lächelnden Mannes. Exklusive Bilder versprechen mehr Informationen. „So gewann Chris mein Herz“, sagt das Foto. Wir sind gespannt. Außerdem Bilder zur James-Bond-Premiere im Colosseum Kino in Oslo und das neue Leben von Jakten-Anders, der 28 Kilo verlor und ganz glücklich aussieht. Schließlich noch ein älterer Herr, der eine gewaltige Ähnlichkeit mit Alfred Biolek aufweist und ein offenherziges Interview gegeben haben soll. Nun denn.
Fangen wir an!
Auf der ersten Seite blickt mir Barbie entgegen und ich lerne: Dancing with the Stars gibt es auch in Norwegen, hier heißt es Skal vi danse? und Barbie war anscheinend Kandidatin. Wer nun aber an norwegischen Klapptanz in Sticktracht denkt, liegt völlig falsch. Dies beweist ein sehr akrobatisches Foto von Barbie, auf dem sie sich wie eine bayerische Brezel im hautengen Abendkleid verbiegt und ihrem Tanzpartner Calle Sterner (23) schwungvoll ihren Knöchel ans Kinn wirft. Nun ist Barbie, Entschuldigung, Linni (26), aber ausgeschieden und kümmert sich stattdessen wieder um ihr Kind Dennis Michael (3). Zuerst sei sie NATÜRLICH ein wenig enttäuscht gewesen ob des überraschenden Rauswurfs bei der Show, aber nun sei alles wieder gut. Schön. Ich frage mich, wie man mit 26 schon so gebotoxt aussehen kann. Und warum ist Standardtanzen auf einmal so fernsehwürdig? Fragen über Fragen.
Jennifer Aniston!!! Ich erkenne ein Gesicht! Und nicht nur eines: Nein, alle vier Personen auf der folgenden Seite sind mir bekannt. Das Foto an sich aber auch. Für jemanden, der People Magazine als Favoritenseite im Internet gekennzeichnet hat, kommt jetzt nichts Neues. Jennifer Aniston und Verlobter Justin bewundern Fotos von Drew Barrymores neugeborener Tochter Olive, die der stolze Vater auf seinem Handy präsentiert.
Hm, been there, done that. Blätter, blätter.
Oho, ein neues Paar hat sich gefunden. Nun sind mir die beiden glücklich lächelnden Menschen völlig unbekannt, aber dafür sind wir ja hier. Zum Lernen. Also. Aha. ER ist bekannt, SIE ist die Otto-Normalverbraucher-Freundin dazu. ER ist anscheinend Sänger und war früher Teil der unglaublich erfolgreichen Band A1. Waren das die Nachfolger von A-ha? Nicht sehr einfallsreich die Norweger. Ich google nach dem Popstar und werde bei youtube fündig. „Learn to fly“ läuft nur wenige Sekunden, als sich meine Ohren verbiegen und meine Zähne von einer schrecklichen Zuckerschicht überzogen werden. Bei 1:24 und einem ehrgeizigen Ton beende ich die Musikwiedergabe zur eigenen Sicherheit. Auf jeden Fall sind nun Christian Ingebrigtsen (35) und Martine (21) ein Paar. In ihrer Kindheit habe sie die Musik von A1 geliebt, schwärmt Martine. Aua. Viel Glück Euch beiden!
Viel Glück auch an Ellen Arnstadt, der neuen Chefredakteurin von Se og Hør. Ein Traumjobb sei es, verrät die glückliche Journalistin auf Seite …huch, keine Seitenzahlen….also Seite 7. Das von einer Frau, die in vollem Make-up und mit riesigen Plastikohrringen vor Mutter Teresa sitzt und einen Segeltrip mit dem damaligen Kronprinzen Harald zu ihren journalistischen Highlights zählt. Immerhin ist sie gut frisiert, was man von dem Mann auf der nächsten Seite nicht behaupten kann. Der ist dafür gerade zum dritten Mal Vater geworden. Ein Komiker.
Nein, ehrlich.
Der Mann ist hier in Norwegen Komiker und läutet die allseits beliebte Baby- und Hochzeitssparte der Zeitschrift ein. Und da endlich kommt sie: Madde! Unsere Madeleine, plötzlich braunhaarig und verlobt. Mit…ähh….wie hieß der Gute nochmal? Pedder? Nils? Jonas? Nee, das war ihr letzter Verlobter, der dann mit einer norwegischen Sportlerin eine heiße Nacht hatte, was Se og Hør aufgedeckt hat und sich seitdem damit brüstet, Madeleine vor einem großen Unglück bewahrt zu haben. Jawohl. Chris? Chris O’Neill heißt er. Geschäftsmann ist er und styrtrike – steinreich. Deshalb trägt Madde nun einen millionenteuren Ring am Finger und lächelt glücklich, während Chris, der wirkt wie ein republikanischer Oststaatensenator auf Valium, milde guckt. Ihr Seelenfreund sei er und sie wollen weiter in New York leben nach der Hochzeit, die höchstwahrscheinlich im Mai 2013 stattfinden werde. Falls Se og Hør nicht wieder dazwischen funkt. Alle drei schwedischen Königskinder haben somit unadelige Partner. Mein Favorit ist die Freundin von ehemals-Kronprinz Carl Philip: Sofia Hellqvist heißt sie, ist ein früheres Topmodel und war Miss Slitz 2004.
Ich wünschte, diese Angabe wäre meinem Komikerhirn entsprungen. Aber nein.
Ich blättere weiter durch die Eskapaden und Wiederversöhnungen von Kristen Stewart und Vampire Robbie, streife kurz (Wortwitz) die Brustvergrößerung von Miley Cyrus (mit 19??????) und lande bei einer Werbung für Möller Lebertran. 155 Jahre Erfahrung mit Omega-3. Woohoo.
Und dann: Die James-Bond-Premiere im Colosseum in Oslo. UNSEREM Kino gegenüber! Wir waren auch da!!! Aber von uns…nicht ein einziges Foto! Dickbäuchige Geschäftsleute mit Schreckschusspistolen, schon wieder die Barbie-Linni vom Anfang, noch eine Skal vi danse?- Teilnehmerin, eine TV-Köchin mit neuem Lover. Also ich finde, wir hätten uns auch ein Foto verdient. Blöde Zeitschrift, jetzt mal ehrlich.
Ab jetzt wird nur noch quergeblättert: Frau in lila Mini, Werbung für Makrelen aus der Dose, TV-Koch Wenche hat neuen Mann an ihrem Herd, Spülmittelwerbung, Roter Teppich mit noch mehr Skal vi danse? –Teilnehmern (ist Se og Hør Sponsor?), Adrien Brody mit Liam Neeson beim Nudel-Essen in Rom, zwei ältere Menschen und ein zottiger Hundedarsteller feiern Geburtstag, das Selbstmordgeständnis der Moderatorin von „Spaß im Land“. Ich verschlucke mich fast am Schokohörnchen.
Als wäre das noch nicht genug, folgen noch einige Seiten mit königlichem Klatsch, Fotos von einem Festdinner im königlichen Schloss, an dem Kronprinz Haakon mit Prinzessin Astrid, seiner Tante, teilnahm, da Mette-Marit verhindert war. Mit der gefühlten 10. Pizzawerbung schließt sich das Magazin.
WOW! Ich bin erschöpft.
Es ist 3 Tassen Kaffee und zwei Schokoladenhörnchen später und ich fühle mich unglaublich…gebildet. Jetzt weiß ich doch, was los ist im Land! Und Ihr auch!! War das nicht gemütlich?
Und so…aufschlussreich. Ganz unter uns: Ich wünsche Madeleine ja alles Glück der Welt, aber der Typ hat irgendwas an sich, das mich stört. Seine Ex war Unterwäsche-Modell. Und überhaupt…Was meint Ihr?
Seid Ihr überhaupt noch da?
Ich stelle es mir bildlich vor, wie Ihr da sitzt…entweder ganz begeistert und fachfrauisch nickend oder völlig fassungslos und überfordert.
Nächste Woche, ich verspreche es, machen wir dasselbe mit der Aftenposten, der seriösen Tageszeitung Norwegens.
Meine lieben in 7er-Gruppen klatschenden Leser, was haben wir denn nun über Norwegen gelernt? Es gibt dieselben TV-Shows hier mit denselben B-Stars wie im Rest der Welt. Es gibt Promis, die sich gern fotografieren lassen und andere, die es bestreiten. Es wird genauso gern im Norden geklatscht und gelästert wie überall sonst und die Fantasie der norwegischen Presse ist nicht weniger hochfliegend als die anderer Klatschjournalisten.
Neben diesem wahnsinnigen Lerneffekt hatten wir auch noch Spaß! Herrlich!
Das war es schon wieder für heute!
Ich wünsche Euch eine erholsame Woche, lest mal was Anständiges, bekämpft den tristen November mit lautem Lachen und lasst es Euch gut gehen!
Ha det bra,
Ulrike (40)
Oslo in Aufregung: Die ersten Flocken sind gefallen! „SCHNEE!“ schrie es gestern auf Norwegisch, Englisch, Deutsch, Polnisch und Litauisch auf facebook und meine internationale Freundesschar übertraf sich beim Posten von Live-Videos, Parkbildern und frühzeitlichen Winterliedern. Da wurde jede Flocke begrüßt wie ein langvermisster Freund und auch wenn das Spektakel nach wenigen Minuten endete, war allen klar: Der Winter kommt.
Hallo meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Winterfreunde, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Wir gehen heute gemeinsam auf Schaufensterbummel und ich kann nur sagen: Zieht Euch warm an!
Lachend saß ich also gestern vor dem Computer, summte „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, als mir plötzlich ein Gedanke kam: Winter in Norwegen – und was zieh ich an? Natürlich bin ich auf den mitteleuropäischen Winter eingestellt, aber Norwegen? Wo es bis zu gefühlten – 500 Grad werden soll, mit kniehohen Schneebergen und Frostbrandgefahr? Wie schützt man sich? Was zieht man an?
Es blieb nichts anderes übrig: Ich musste mich informieren.
Das hieß ab in die Geschäfte.
Mist.
Ja, da könnt Ihr jetzt lachen, aber ich gehe wirklich nicht soooo gerne shoppen. Meistens wandere ich ratlos durch die Geschäfte und denke: Wow, wer zieht DAS denn an? Wo sind denn die Sachen für mich? Mittlerweile gibt es in vielen Ländern den „personal shopper“, eine dem einzelnen Kunden persönlich zugeteilte Verkäuferin namens Larissa oder so, die mit einem Blick die Situation erfasst und mit drei Griffen eine komplett neue Garderobe zusammengestellt hat.
Was für ein Horror.
Ich stelle mir vor, wie ich taxiert werde und Larissa dann mit Grabesstimme erklärt: „Wir haben viel zu tun.“
Doch desperate times call for desperate measures. Ich machte mich also auf den Weg in die Stadt, entschlossen, am Ende des Tages eine komplette Winterausrüstung zusammengestellt zu haben. (Martin, falls du jetzt panisch wirst: Ich wollte noch nichts KAUFEN – nur informieren!) Die Sonne strahlte vom Himmel und führte mich gutgelaunt in die Innenstadt, wo mehrere Einkaufszentren und die Karl-Johans-Gate vielversprechende Anlaufstellen boten. Wir hatten bereits von Freunden und Kollegen gute Ratschläge für unsere erste Winterausrüstung bekommen, wobei die Norweger nur ein Wort sagten: „Wolle!“, während die Nicht-Norweger Tipps gaben, die von „Zara, H&M haben warme Sachen!“ bis „North Face Thermomantel“ reichten.
Ich versprach, offen für alle Vorschläge zu sein und betrat das erste Geschäft auf dem Weg. „Gina Tricot“ heißt die, nehme ich mal an, in ganz Europa bekannte Kette (Larissa rollt verzweifelt mit den Augen und nickt dann). Hinein da! Bewundernd sah ich mich um. Gina Tricot vermittelte ihren Kundinnen eine klare Botschaft zum Thema Winter: Wir lachen ihm höhnisch ins Gesicht! Eisglatte Bürgersteige? – HA! Frostige Minusgrade? – HA! HA! – Hautzerfetzender Eiswind? HA! HA! und nochmals HA!
Wir kontern mit blauen Satinstilettos, ärmellosen Seidentops und Miniröcken aus Tweed! Winterjacken? Nur für Schwächlinge!
Ich zog meine Fleecemütze tiefer ins Gesicht und begab mich aus dem Tropenparadies zurück auf die Osloer Geschäftsstraße. Das war wohl nichts. Mein Auge wanderte auf die andere Straßenseite und:
OHO!
Cubus lockte seine Kunden mit Ständern voller Winterjacken, die auf dem Bürgersteig standen. Frohgemut ließ ich mich locken, um nur wenig später mitleidig neben den offensichtlich frierenden Jacken zu stehen. „Hallo!“, wollte ich rufen. „Holt doch mal Eure Jacken rein, denen ist kalt.“ Ob ich sie alle kaufen und zu Hause aufwärmen sollte? Merke: Es ist nicht alles warm, was dick und kuschelig aussieht. Ich rubbelte jeder Jacke noch einmal aufmunternd über die Ärmel und ging weiter. Was hätte ich tun sollen? Schon tauchte der nächste Laden auf und diesmal hatte ich ein gutes Gefühl! Die Outdoormarke Norrønna ist in Norwegen sehr beliebt und wenn es in Outdoorgeschäften keine warme Winterkleidung gibt, wo denn bitte sonst?
Norrønna schien allerdings neben der Wärme auch noch eine andere Sorge zu haben: Lawinen. Nebel. Dunkelheit. Anders konnte ich mir die grellschreiende Farbenpracht nicht erklären, die mir im Geschäft entgegenschlug. Pinke Hosen, neongelbe Shirts, leuchtend blaue Jacken lieferten sich einen erbitterten Wettstreit und schrien mir entgegen: Wo immer du bist, mit uns gehst du nie verloren! Mir wässerten die Augen, als eine Mitkundin sich in gelber Skijacke schwungvoll vor dem Spiegel drehte und mutig nach einer pinkgrünen Hose griff. Nein, es gibt Farbe und es gibt Farbe und das hier war einfach zuviel.
Auf der Straße beruhigte ich meine Augen im Schaufenster eines Herrenausstatters, der mit Tweedsakkos und dunkelgrünen Kaschmirpullovern warb. Eine Wohltat. Leider ohne Frauenabteilung. Überhaupt schien es für die Männer einfacher zu sein, sich der Temperatur entsprechend zu kleiden. Wo Frauen den frostigen Temperaturen anscheinend mit innerem Feuer trotzen sollen, hüllen Männer sich in Wolle, Tweed und Kaschmir. Red‘ mir einer von Gleichberechtigung, dachte ich grummelnd und betrachtete die gemütliche Winterdekoration im Schaufenster: In einen Lehnstuhl platziert, die Beine lässig überschlagen, frönte eine warm angezogene Schaufensterpuppe einer guten Pfeife. Auf dem Beistelltisch neben ihr lag ein Paar wollene Unterhosen. Hm. Und dann: Das ist die Lösung!
HA!
Sollte ich auch in der Oberbekleidungswelt als Frau diskriminiert sein, die wollene Unterwäsche wird es jawohl für beide Geschlechter geben!
Warum war ich darauf nicht früher gekommen? Natürlich, wollene Unterhosen, Hemden und Socken sollten meine Rettung im nahenden Winter werden.
Ich betrat H&M. Warum gerade H&M? Och, mir war nach ein bisschen Spaß. Denn nun habe ich einen Tipp für Euch: Falls Ihr an einem trüben Novembernachmittag ein wenig Unterhaltung braucht, geht zu H&M in die Unterwäsche-Abteilung und fragt die Verkäuferin dort: „Haben Sie Wollunterwäsche?“
Meine wurde blaß und schwankte gefährlich. Um den Spaß auf die Spitze zu treiben, beschrieb ich die gerade im anderen Schaufenster gesehenen, langen wollenen Unterhosen. „In Kanada“, fügte ich harmlos hinzu, „werden die, glaube ich, Long Johns genannt. – Nein? –Schade.“
Im Weggehen sah ich wie das arme Mädchen behutsam von einer Kollegin weggeführt wurde. (Larissa schüttelte ob meiner Unverschämtheit den Kopf und nannte mich „dumme Pute“. Falls eine fiktive personal shopperin das überhaupt darf.)
Ich sehe natürlich das Problem: Kundinnen von H&M sind offensichtlich weniger mit ihrer drohenden Unterkühlung beschäftigt, als damit, die bestehende oder neuaufzugabelnde Männerwelt zu beeindrucken. Was mit wollenen Long Johns schwierig wird. Nicht unmöglich, wohlbemerkt, aber schwierig. Aber meine Mission war die Komplettierung meiner Wintergarderobe und ich konnte dem drohenden Frost nicht mit paillettenbenähten Tangas begegnen. Also ab in den nächsten Laden.
Das grüne Zeichen von XXL, eine der großen Sportgeschäftketten, leuchtete mir entgegen. Hier führte meine Frage nach Merinowäsche zu keinen größeren Problemen: Nonchalant führte mich der junge Verkäufer zu einem Regal mit wollenen Hosen, Shirts und Hemden. Erschwinglich, nicht zu häßlich und ein „Muss im norwegischen Winter!“ wie mein Verkäufer betonte. (HA!, rief ich Larissa zu, die die Augen verdrehte.) Im Weitergehen las ich noch eine wichtige Botschaft von XXL: Schichten seien das A und O, um im Winter warm zu bleiben. Schicht 1, das sei wichtig, sei dabei die Unterwäsche.
Gut, dass sie das geschrieben haben.
Ich hätte die Merinounterhose ansonsten außen getragen. Wer weiß!
Die Frage nach der wärmenden Unterschicht befriedigend gelöst, begab ich mich auf die Suche nach einer möglichen Oberschicht. Ich betrat eines der großen Shoppingcenter am Hauptbahnhof und wurde von einem Bodyshop –Schild mit der frohen Botschaft: Happy Halloween! begrüßt. Irgendwie irritierte mich das. Soll ich das auf dem Schild beworbene Gesichtspeeling benutzen, damit ich NICHT nach Halloween aussehe oder gerade doch? Und warum sah der Wollpullover im Laden nebenan aus, als hätte ein verfilzter Langhaardackel dafür sein Leben lassen müssen? Und wieso kann ich jetzt gerade meine Notizen hier am Schreibtisch nicht mehr erkennen und bringe mich damit um einen weiteren, genialen Witz? „..krikelkrikel…empfehlen es an die Wena“, was soll das bedeuten? Wer ist Wena?
Hoffnungslos.
Ich war erschöpft. Etwas halbherzig streifte ich durch die Läden, ließ mein Auge wandern und fand shoppen einmal mehr sehr anstrengend.
Immerhin hatte ich die Unterschichtfrage gelöst, nicht wahr? Ach, und die Schuhfrage auch: Es werden Sorel-Stiefel für Martin und mich, das hatten wir nach einem Geheimtip am Abend vorher entschieden. Und genau die Sorel-Stiefel, die wir uns im Internet ausgesucht hatten, sprangen mir in einem Schuhgeschäft im Shoppingcenter entgegen. WOOHOO!
Ich beschloss, dass ich für einen Vormittag genug Recherchen betrieben hatte, entließ die fiktive und unnütze Larissa und begab mich nach Hause. Die Frage nach dem richtigen Wintermantel/-parka muss auf später verschoben werden. Immerhin hatte ich für einen warmen Po und warme Füße gesorgt.
Wenn das nichts ist! Der Winter kann kommen.
Das war es schon, meine lieben Leser! Ich hoffe, Ihr hattet Spaß auf unserem gemeinsamen Bummel und fürchtet Euch jetzt nicht mehr vor dem Winter. Für mich wird es jetzt Zeit, den Smoking aus dem Schrank zu holen und das Martiniglas zu polieren, denn heute hat der neue James-Bond-Film Premiere und wir sind dabei. Ich wünsche Euch eine tolle Woche, zieht Euch warm an, schockt mal wieder eine Verkäuferin und freut Euch am Leben.
Ich schicke an dieser Stelle ganz liebe Grüße an meinen Lieblingswikinger Volker, der gerade seine Zeit in Bad Kreuznach absitzt. Lass es dir gut gehen!
Falls bei Euch etwas Wichtiges ansteht und Ihr Grüße braucht, dann schreibt mir einfach unter ulrisco@yahoo.co.uk und schon beim nächsten Blog werdet Ihr erwähnt!
Lass es Euch gut gehen,
ha det bra,
Ulrike
Welch wunderschöner Herbsttag! Ich wandere im Wald unter goldgefärbten Blättern, bleibe hie und da stehen, um mein Auge über die sonnengetränkte Landschaft wandern zu lassen, lausche dem Klang der noch nicht nach Süden gezogenen Vögel und….
RAWUUSCH!!!!!!!!! Wild stoben die Blätter auseinander, der Sog reißt mich einmal um die eigene Achse und ich frage mich: Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein!!!
Es ist ein norwegisches Rentnerpaar beim Wandern!
Hallo meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen!
Heute beschäftigen wir uns mit der Frage: Warum wandern Norweger, als wären drei ausgehungerte Bergtrolle hinter ihnen her? Ich will nicht alle Norweger über einen Bergkamm ziehen: Natürlich gibt es auch ein paar, die entweder überhaupt nicht wandern oder es gemütlicher angehen lassen. Ich habe aber bereits drei Speed-Wandererlebnisse hinter mir, genug um stutzig zu werden und der Sache auf den Grund zu gehen.
Mein erstes Erlebnis liegt bereits einige Jahre zurück. Wir verbrachten unseren Urlaub in Südnorwegen und beschlossen einen Tagesausflug zum Preikestolen, der gewaltigen Felskanzel am Lysefjord. Der Weg vom Parkplatz auf die Aussichtskanzel ist nicht weit, aber für die 3km lange Strecke sollten wir, laut Reiseführer, 2 Stunden einplanen. Frohgemut wanderten wir über Stock und Stein. Ein norwegisch sprechendes Paar überholte uns im Stechschritt und wir fragten uns hämisch, an welchen Stein gelehnt wir sie weiter oben atemlos vorfinden würden. Nach einiger Zeit wurde der Weg immer weniger stockig und immer mehr steinig. Es galt große Felsbrocken zu überwinden, der Weg wurde steil. Ich wurde atemlos und beschloss mich mal an einen Felsen zu lehnen, um die Aussicht zu genießen. Mitten in meine Atempause brach das norwegische Stechschritt-Paar. Na, da mussten sie wohl doch umdrehen, was?, dachte ich. War ja auch ein Mördertempo. Ich lächelte die beiden an. Der Mann drehte sich zu mir und sagte auf Englisch: „Bald sind Sie oben! Die Aussicht ist heute wundervoll!“ Und stechschrittete davon, Richtung Parkplatz. Ich sank an meinem Felsen herunter und fühlte mich, nun ja, …. gedemütigt.
(Für alle Interessierten: Ja, ich war oben und ja, es ist toll!)
Mein zweites Erlebnis nenne ich auch „Die verschwundenen Norweger“ und es fand in der Nordmarka oberhalb von Oslo statt: Während einer Wanderung vom wunderschönen See Songsvann zur Hütte bei Ullevålseteren überholten mich drei Norweger, erkennbar an ihrer kurzen, knappen und norwegischen Begrüßung. Der Weg führte zickzack durch den Wald, doch es gab kaum Möglichkeiten ihn zu verlassen. Die erste Wanderin überholte mich kurz vor einem Anstieg. Ich ließ ihr den Vortritt, stapfte dann selber hinauf und: Sie war weg. Der Weg lag einsam vor mir, rechts und links Bäume. Wo war sie?
An einer Weggabelung überholte mich kurz darauf ein weiterer Wanderer. Ich wusch mir kurz die Hände im Bach, stand auf und blickte den Weg hinunter, der vor mir lag. Leer. Menschenleer. Wandererleer. Wo war er?
Schließlich traf ich noch auf zwei Frauen, die sich gerne bereit erklärten Fotos zu machen, aber kurz darauf wie vom Erdboden verschwunden waren. Wo waren sie?
Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!!? Haben sie sich alle in die Büsche geschlagen, um Beeren oder Trolle zu finden? Sind sie durch einen schrecklichen Zufall des Universums alle in Erdlöcher gefallen und haben ihr Ziel nie erreicht? Wanderten wirklich alle vier, als wären sie auf der Flucht? Oder ist die Wahrheit ganz einfach: Wandere ich zu langsam?
Ich weise alle Schuld von mir und belege das extrem hohe Wandertempo der Norweger mit Fakten:
„40 trivelige turer i Oslo“ heißt ein Wanderbuch, übersetzt so viel wie „40 gemütliche Touren in (und um) Oslo“. Eine dieser gemütlichen Touren geht über 10 -12 km. Nun könnte man da schon sehr über den Begriff „gemütliche Tour“ diskutieren. Interessant wird es aber bei der Zeitangabe: Für die 10 Kilometer wurden in einer älteren Ausgabe des Buches 2 Stunden angesetzt. ZWEI! Durch die Nordmarka, über Stock und Stein. Mit 5km/h! Nun geht Ihr mal alle raus und versucht das. Und erzählt mir dann, ob das gemütlich war!
Nun wimmelt es natürlich in norwegischen Wäldern nicht nur von Speedwanderern. Und Nachfragen bei Einheimischen haben ergeben, dass die Norweger in drei Gruppen zu teilen sind: „There are three types of people using nature. 1. Those who hike….with camera,rucksack, bread and brown cheese in paper, picking mushrooms, listening to birds etc 2. Those who use the nature as their training studio either running or cycling 3. Us who do both……and…..we are always in conflict.” Das ist doch eine Aussage. Obwohl ich die Beschreibung des Speedhikers immer noch vermisse.
Solltet Ihr also mal wieder wandern und euch plötzlich ein Luftzug von den Hikingschuhen fegt, denkt Euch nur: War es ein Vogel? War es ein Flugzeug? NEIN, es war ein Norweger beim gemütlichen Wandern!
(Kleines Trivial-Quiz: Wer kennt die richtige Antwort auf „War es ein Vogel? War es ein Flugzeug?“)
Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser. Wir gehen morgen in der deutschen Gemeinde unter Wasser: Im Kinderbibeltag dreht sich alles um Jona und den Wal. Ich bin gespannt!
Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, geht mal wieder wandern, lasst es ruhig angehen und freut Euch am Herbst!
Ha det bra,
Ulrike
Na zdrave! Skål! Cheers! Terviseks! Kippis! Santé! Jámas! Proost! Sláinte! Salute! Uz veselibu! I sueikata! Aviva! Na zdrowie! Saúde! Noroc! Salud! Na zdravi! Egészségére! Na zdravje! Prost!
Die EU erhält den Friedensnobelpreis 2012!
Ein friedliches Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns wieder treffen! Aus dem EU-kritischen Norwegen gratuliere ich uns allen, denn wie twitterte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kurz nach der Entscheidung: Der Preis gelte „der ganzen EU, allen 500 Millionen Bürgern.“
Super! Her mit dem Preisgeld! 930.000 Euro geteilt durch 500 Millionen Einwohner…
0, 18 Cents!!!!!!!!
Wow.
Ein Feiertag also, dieser 12. Oktober 2012.
Punkt 11 Uhr öffneten sich die Türen im noblen Nobelinstitut in Oslo und der Vorsitzende des Komitees, Thorbjørn Jagland, verkündete die, seit gestern Abend vermutete, Entscheidung. Bei mir und allen anderen NRK-Zuschauern hielt sich die Überraschung in Grenzen: Die Besserwisser und Spannungsverderber des norwegischen Staatsfernsehens tönten schon ab 10.45, dass der Preis an die EU ginge. Als wäre der Auftritt von Jagland pure Makulatur, diskutierten Journalisten und Politiker bereits über Auswirkungen, Begründungen und mögliche Reaktionen.
Ist doch blöd irgendwie.
Tut mir leid, aber ob nun ehrwürdiger Friedensnobelpreis oder neuer deutscher Superstar: Ich hasse es, wenn mir die Spannung genommen wird. Hätte ja gleich einer im Nobelinstitut bei Jaglands Auftritt rufen können: „Jaja, EU, wir wissen schon!“
Macht natürlich niemand.
Da hoffen ja dann noch alle, dass es im letzten Moment eine Änderung gibt.
So wie bei der Oscar-Verleihung 2006, als nicht der haushohe Favorit „Brokeback Mountain“ sondern „L.A. Crash“ den Preis als bester Film abräumte.
Ich schweife ab.
Die EU also.
Der Preis würdige vor allem den historischen Aspekt der EU, betonte Jagland. Aus früheren Kriegsfeinden wie Deutschland und Frankreich seien seit 1945 Partner geworden, ein Krieg zwischen beiden wäre heute undenkbar. Die Aufnahme ehemaliger Diktaturen wie Portugal oder Spanien habe zum weiteren Demokratisierungsprozess in Europa beigetragen. Dass Länder wie Serbien, Montenegro und Kroatien zu den Kandidatenstaaten gehöre, beweise, dass auch die Ost-West-Demokratisierung in Europa vorangehe. Aus einem Kriegskontinent sei dank der EU ein Friedenskontinent geworden.
So, erstmal Atem holen.
Weiter geht’s.
Ein Signal wolle das Komitee setzen: Gegen Extremismus und aufkommenden Nationalismus und als Erinnerung an alle EU-Bürger, was man im Falle eines Zusammenbruchs der EU verlieren würde. Es solle gesichert werden, was man erreicht hätte, sagte Jagland, las das ganze noch einmal auf Norwegisch vor und beendete seinen Vortrag.
Und dann ging es los.
Fragen, Fragen, Fragen. Reaktionen, Reaktionen, Reaktionen. Im Europahaus in Oslo knallten die Sektkorken, im Parlament schoben sich wichtig aussehende Jungpolitiker mit Grabesmiene vor die Kamera und beweinten den Untergang der Welt und im NRK-Studio wurde einfach weiter diskutiert, man wusste ja schließlich schon Bescheid. Einige Minuten später stellte sich Staatsminister Jens Stoltenberg, sichtlich frierend, vor dem Osloer Schloss in Position und wiederholte in groben Zügen, was wir von Herrn Jagland bereits wussten. Und nein, die EU-nicht-zum-Thema-machende- Regierung habe selbstverständlich keinen Einfluss genommen auf die Entscheidung des Komitees.
Nach einer Stunde Programm ging die Welt dann zum Alltag über. NRK beglückte uns mit „Extremfischen“ , mein Nachbar setzte lautstark seine Renovierungsarbeiten fort und ich geriet bei facebook in einen merkwürdigen Cyber-Streit. Facebook wird den Friedensnobelpreis niemals bekommen, soviel steht fest!
(Huch, seit wann spielt denn Magnum-Tom Selleck bei „Friends“ mit??? Läuft hier gerade….ist ja süß!)
Aber weg von den weltpolitischen Ereignissen des Tages und hin zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Ich war feiern in Deutschland! Jawohl!
Meine Freundin Britta und ich haben den 80. Geburtstag gefeiert, mit einem 70er-Jahre-Mitbringbuffet und 35 lieben Menschen, die uns alle zum 40. gratuliert haben. Aus dieser ungewöhnlichen Formel ergab sich eine leckere, lustige, luftschlangenbehängte Party. An dieser Stelle ein dickes Danke an unsere Eltern und die gutgeplante Entscheidung, Britta und mich im Jahr 1972 zur Welt zu bringen, so dass wir 2012 gemeinsam feiern konnten; an Alex, der nicht nur den kultigen Raum zum Feiern gefunden hat, sondern uns auch dazu gebracht hat, wirklich zu feiern; an Lisa und Jan-Niklas fürs Helfen: Ihr seid meine Helden!; an Martin, den besten Barkeeper überhaupt; an alle tollen Gästen und Eure leckeren Mitbringsel und natürlich an meine Partyschwester Britta mit Vorfreude auf den 160. Geburtstag – unsere Rollatorparty!
(Das war doch mal eine Dankesrede, was? Diese ganze Preisverleiherei ist mir zu Kopf gestiegen….)
Es war wie immer eine tolle Zeit in good old Hildesheim, nun bin ich wieder im hohen Norden und das ist auch schön!
Für heute soll es das gewesen sein meine lieben, in 7er-Gruppen friedlich lesenden Leser. Ich wünsche Euch eine tolle Woche, freut Euch über die 0,18 Cents Preisgeld, seid dankbar in Frieden leben zu können und gönnt Euch mal wieder eine leckere Party!
Ha det bra,
Ulrike