Flieg, Severin, flieg ODER Ein Sonntag am Holmenkollen

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Ich hasse es, wenn ich verliere. Wer verliert schon gern? Sicher, es gibt diese charakterlichen Überflieger, die aufgrund jahrelanger Sonnenmeditationsgrüße und vierfarbiger Mandelas behaupten, es mache ihnen nichts aus zu verlieren.

Zu denen gehöre ich nicht.

Aber so überhaupt nicht.

Als Kind wurde ich wegen exzessiven Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett-Werfens von selbigem Spiel ausgeschlossen und ereiferte mich in lautstarken Streits aufgrund verlorener Kartenspiele. Beim Minigolf laufe ich Gefahr, wegen Sachbeschädigung der Bahn vom Platz verwiesen zu werden und eine Partie Schach mit mir treibt den charakterstärksten Pfeifenraucher in schiere Verzweiflung. Noch schlimmer als das eigene Verlieren ist aber das Mit-Verlieren, das Co-Verlieren, das „Mein-Gott-wie schwierig-kann-es-sein-gib-den-Ball-ab!“-Verlieren, das gerne im Wohnzimmer, auf einem Barstuhl oder auch live im Stadion passieren kann. Wie beispielsweise letzten Sonntag. Am Holmenkollen. Beim Hopp, wie das Skispringen hier genannt wird. Hopp! schrie ich den deutschen Springern entgegen. Stop! müssen sie verstanden haben.

„Dabei sein ist alles!“ lautet das sportliche Motto von Pierre de Coubertin, Vater der Olympischen Spiele der Moderne.

Bullshit.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedertreffen. Die Sonne scheint, die Ostertage stehen vor der Tür und die Laune ist gut. Bei mir wenigstens und ich hoffe, dass es Euch auch gut geht. Wie ich gehört habe, läutet mein Blog für manche von Euch das Wochenende ein. Das ist eine Ehre für den Blog und mich und wir starten sofort und nehmen Euch mit auf eine Zeitreise zum letzten Wochenende. Zieht Euch warm an!

Es ist Sonntag, 17. März 2013. Ich stehe ratlos vor einem Berg Anziehsachen und versuche ein vernünftiges Zwiebelsystem zu organisieren. Wollunterhose, Laufhose, Socken, Jeans? Oder lieber Laufhose, Wollunterhose, Socken, Jeans? Merinounterhemd oder nur langärmeliges Laufshirt? Sind die Wollsocken zu dick für die Stiefel? Wo ist meine Mütze eigentlich und warum, warum, WARUM laufen immer alle Wollsachen ein? Ich gebe mir den Titel „schlechteste Wollwäscherin der Welt“ und ziehe mich an. Wollunterhose zuerst. Was für ein Unterfangen und das alles, um zum Skispringen zu gehen. Ich versuche, kurz ärgerlich zu werden, aber ohne Erfolg.

WIR GEHEN ZUM SKISPRUNG! !! Hipphipphurrah!

Cool, wollte ich schon immer mal.

Mit klaren Daumendrück – Anweisungen aus mütterlicher Hand, machen wir uns auf den Weg zur T-Bane, die uns fast direkt zum Holmenkollen im Norden von Oslo bringen wird, dessen angrenzender Sportpark schon das ganze Wochenende Ziel von Sportfans verschiedenster Nationalitäten ist. Auf dem Bahnsteig in Majorstuen flattern an Rucksäcken oder in Händen norwegische, polnische, italienische und österreichische Flaggen. Wir sind bi-national mit deutscher und norwegischer Fahne ausgestattet. Kurze Zeit hatten wir überlegt, unsere komplette Fahnensammlung mitzunehmen, uns aber dann dagegen entschieden.

Nächstes Mal machen wir das, denn dann wären wir auf jeden Fall ins Fernsehen gekommen!

Aber das nur nebenbei.

Nicht, dass das irgendwie wichtig wäre.

Wer will schon ins Fernsehen? Oder sich selber auf dem riesigen Bildschirm im Stadion sehen?

Pff, also WIR nicht!

Wir haben auch nur so enthusiastisch in Richtung der Kameras gewunken, um uns gegen die Horden der polnischen Fans durchzusetzen.

Aus patriotischen Gründen sozusagen. Für Deutschland!

SCHLAND!!!

Wo war ich?

Ruter, der Nahverkehrsbetrieb hier in Oslo, hat Extrazüge eingesetzt, die ohne Halt von Majorstuen zum Holmenkollen fahren. Oben angekommen, begrüßt uns das Läuten von großen und kleinen Kuhglocken, die an einem neuaufgebauten Souvenirkiosk für Aufmerksamkeit sorgen.

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Schals, Flaggen in allen Größen, Kuhglocken mit norwegischer Flagge, Narrenkappen und warme Würstchen werden angeboten und das Geschäft boomt. Die Traube von gutgelaunten Skispringfans stoppt kurz, versorgt sich mit dem Nötigsten und weiter geht der Weg entlang der abgesperrten Straße hinauf zur Schanze. Es ist 12 Uhr, das Langlaufrennen der Frauen ist in vollem Gang, dementsprechend leer sind die Tribünen um die Holmenkollenschanze.

Gut für uns.

Die wichtige Frage lautet: Wo wollen wir hin? Nahe zum Auslauf, das heißt weiter unten auf den Stehplätzen mit der eventuellen Gefahr den Absprung nicht zu sehen? Oder weiter entfernt vom Auslaufbereich der Springer, dafür aber mit vollem Blick auf das Geschehen? Rechts von der Schanze oder links? In der Nähe der Toiletten oder lieber in der Nähe des Kiosks?

Fragen über Fragen. Macht ja nichts. Wir haben ja Zeit.

Nach mehreren unbefriedigenden Versuchen einigen wir uns auf einen Platz rechts von der Schanze mit Blick auf Auslauf und Absprung und beginnen Schnee und Eis von der Tribüne zu entfernen. Hier ist nichts geräumt. Eigentlich sieht die ganze Stehtribüne aus, als hätte sie keine Lust auf Zuschauer, als wollte sie uns sagen: „Tja, das habt Ihr davon, wenn Ihr günstige Tickets kauft!“

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Wir kratzen also Eis und bauen uns einen Sitz. Installieren unsere Flaggen, holen die Thermosflasche aus dem Rucksack und gucken uns um.

Meine Güte, ist das hoch.

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Mal ehrlich, wie verrückt muss man sein, von einer steilen Schanze abzuspringen, um dann so spät wie möglich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben? Irre. Aber wie gut, dass es Verrückte gibt, sonst hätten wir ja heute niemanden zum Anjubeln. Ich rekapituliere die Namen, die Skisprungfan Nr. 1 in unserer Familie, aka „Mutta“, per sms durchgegeben hat: Severin Freund, Andreas Wank, Michael Neumayer und Richard Freitag. Check. Die haben in Lahti das Teamspringen gewonnen und werden sich nun hoffentlich hier nicht gerade ausruhen. Obwohl der Gesamtsieger schon klar steht: Schlierenzauer ist Nr.1. Gut für ihn.

Ok, soweit all mein gesammeltes Wissen über Skispringen. Meine folgende Verwirrung wäre auch um einiges geringer gewesen, hätte ich mehr nützliches Skispringwissen gehabt. Ich sah mich nämlich auf der Tribüne um und stellte erstaunt fest, dass wir anscheinend nicht mehr in Norwegen waren. Sondern in Polen. Rotweiße Fahnen überall, „Polska“, „Krakow“, „Gdaǹsk“ in großen Buchstaben, neben mir rauchende polnische Männer mit ihren blondgefärbten Frauen in Feiertagsstimmung.

Hallo? Ist ja komisch.

Stellt sich heraus: Polen geht mit den erfolgreichen Skispringer, Kamil Stoch und Piotr Zyla, an den Start. UND: es leben viele Polen in Oslo. Ergo: Rotweißes Fahnenmeer.

Wieder was gelernt.

Langsam füllen sich die Ränge. Die pølser werden ausgepackt und auch die Sonne kommt langsam raus. Der Stadionsprecher übt schon mal das Anfeuern und begrüßt die internationalen Zuschauer in fünf verschiedenen Sprachen. Die Polen jubeln am lautesten; wir geben, was wir können.

Wo sind die anderen Deutschen? Verstreut ein paar Flaggen, aber verschwindend im Vergleich.

Nun wird es ernst. Die Kapelle der Königlichen Garde marschiert auf.

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Über die riesige Leinwand sehen wir die Ankunft von König Harald und Königin Sonja, die in der königlichen Kabine Platz nehmen. Der Kongsangen, das Königslied, ertönt, das dieselbe Melodie wie die englische Nationalhymne hat – irritierend. Die Köpfe der Zuschauer schnellen in den Himmel, wo Fallschirmspringer mit norwegischen Flaggen langsam gen Boden gleiten. Ein tolles Schauspiel. Der Stadionsprecher kündigt die norwegische Nationalhymne an, und angeführt vom Gardekorps, verfällt das ganze Stadion in  Ja, vi elsker dette landet.

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Naja, sagen wir das halbe Stadion.

Die internationalen Fans halten sich zurück und ich bin auch nicht textsicher.

Nun ist der Stadionsprecher wieder am Zug und kündigt die teilnehmenden Nationen an. Junge Skifahrer, ausgestattet mit den Fahnen der jeweiligen Nation, schießen, zum Jubel der Zuschauer, den Abhang hinunter. Krönender Höhepunkt: Eine junge Norwegerin in Tracht, die stolz die rotweißblaue Fahne schwingt und samt Bunad und Skiern am Ziel ankommt.

Und dann startet der Wettbewerb!

Davon brauche ich Euch nicht viel zu erzählen, denn den habt Ihr vielleicht live gesehen oder davon gelesen. Die weiblichen Skispringer haben uns am meisten begeistert, es war ihr erstes Springen auf der großen Schanze – ein historischer Augenblick und ein wahres Vergnügen. Wir jubelten uns für Melanie und Katharina die Seele aus dem Leib, aber es war die US-Springerin Sarah Hendrickson, die schließlich gewann.

Dann kamen die Männer und der Jubel stieg. Die deutschen Springer wurden von uns frenetisch angefeuert aber irgendwie sollte es nicht sein.

„FLIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEG SEVERIN (oder Richard, Michael, Andreas, Karl) , FLIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEG!

Nix.

Macht ja nichts.

Nicht schlimm.

Nee, ehrlich, verlieren ist ja nicht so schlimm.

*räusper*

WOZU WEDELE UND SCHREI ICH EIGENTLICH, WENN IHR KEINEN BOCK HABT ZU SPRINGEN?

WIE SCHWIERIG KANN ES DENN SEIN????

LOSFAHREN – ABSPRINGEN – FLIIIIIIIEGEN – SIEG!

Mal ehrlich.

Nächstes Mal, das sage ich Euch, da komme ich da hoch und dann feuer ich Euch da mal an und dann wollen wir doch mal sehen.

Ich bin erschöpft.

Am Ende gibt es einen Doppelsieg: Punktgleich teilten sich Schlierenzauer und Zyla den ersten Platz, bester Deutscher wurde Michael Neumayer auf Platz 10.

Noch vor der Siegerehrung machen wir uns auf den Rückweg, denn so toll die Livestimmung auch ist: In der eigenen Wohnung hat man weder kalte Füße noch stehen Schlangen vor der Toilette an. Also hinunter zur T-Bane und ab nach Hause.

Oder auch nicht.

Noch gefühlte 10.000 andere Zuschauer haben denselben Wunsch nach Hause zu kommen. Die Straße ist gerammelt voll, wir drängeln uns Richtung T-Bane-Station, die aber gar nicht zu erreichen ist. Nicht ums Verrecken stelle ich mich hier an oder steige mit all diesen Menschen in eine Bahn.

Never, ever.

Laufen wir also weiter die Straße hinunter. Und wir sind nicht allein dabei. Einziger Nachteil: Wir wissen nicht so ganz genau, wo wir hinlaufen und meine Blase spricht leise, aber energische Warnungen aus. Aber die anderen Leute gehen ganz zielstrebig, gehen wir also hinterher.

Ich erkenne plötzlich ein Schild wieder, das zum Zeltplatz Bogstad führt. Hier waren wir doch schon mal. Zum Skilaufen! Hier verkehrt ein Bus nach Majorstuen!! Freude!Und tatsächlich taucht vor uns die Bushaltestelle auf und die Wartezeit für den Bus sind schlappe 10 Minuten. Eine halbe Stunde später landen wir in Majorstuen und joggen Richtung Wohnung. Ich pelle mich aus meinem Zwiebellook und werfe mich durch die rettende Badezimmertür.

Was für ein Tag!

Das machen wir nächstes Jahr wieder.

Habt Ihr gehört, Severin, Richard, Karl, Michael, und wie Ihr alle heißt: Ich komme wieder. Und ich werde auch dann nicht gut verlieren können. Also….ÜBT!!!!!

Wie schwierig kann es denn sein?????

HOPP!

Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser! Gerade rief Martin an und, juchhee, wir fahren Anfang April für zwei Tage nach Trondheim. Mal gucken, was dort Spannendes auf mich wartet! Ansonsten freuen wir uns auf die Osterwoche und ein paar frei Tage. Die Kälte hat Oslo immer noch in ihren Krallen, aber die Sonne arbeitet dagegen und ich hoffe, der Frühling macht sich endlich auf den Weg! Nächste Woche haben wir einjähriges Jubiläum hier in Oslo, freut Euch also auf den 1-Jahres-Blog am kommenden Donnerstag!

Habt bis dahin eine schöne Zeit, macht Sachen, die Euch gut tun, setzt auch mal Zeichen und Grenzen und bekennt Euch zu Euren Schwächen!

Ha det bra

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Ulrike

Fotosafari Oslo Teil 2: Ein Spaziergang auf Bygdøy ODER Ich bin reif für die Insel

Plötzlich ist es ruhig um mich herum. Der Lärm, der von der vierspurigen Autobahn kam, ist kaum noch zu hören. Stattdessen lautes Vogelgezwitscher. Ich klettere die vereiste Anhöhe hinauf, biege um die letzte Kurve und da liegt sie vor mir: Bygdøy. Sommerresidenz der Königsfamilie, vielbesuchte Museumsinsel und ländlicher Zufluchtsort mit Badestränden. Vor mir auf der Wiese wälzt sich ein Hund wohlig im Sonnenschein und ich kann mich gerade noch stoppen, es nicht auch zu tun. Ein Nachmittag auf Bygdøy ist wie ein Tag Urlaub.

@Kontik-Museum

@Kontiki-Museum

Guten Morgen, meine lieben Leser, schön, dass Ihr da seid. Und nein, verschwindet jetzt bitte nicht sofort ins Wochenende, weil Ihr denkt: BLOG! 14.30! Und tschüß!!

STOP!

Es ist 9 Uhr! Noch nicht Wochenende! Außer, Ihr gehört zu den glücklichen Menschen, die nicht mehr arbeiten müssen oder gerade Urlaub haben. Alle anderen: Weitermachen!

Ich entschuldige mich für die zeitliche Verwirrung, die daran liegt, dass ich heute nachmittag verabredet bin. Mit einem Pferd. Jawohl, ich werde heute mal das Glück der Erde suchen und hoffe, dass ich es wirklich auf und nicht unter dem noch ahnungslosen Tier finde. Oder neben ihm. Oder wo mich die Erdanziehung so landen lässt. Bevor ich aber zur Kavallerie wechsele, kehren wir zum eigentlichen Thema zurück.

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Bygdøy ist die Halbinsel im Süden Oslos. Neben schicken Villen mit schönen Gärten finden sich hier die bekanntesten Museen der Stadt:

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Am schönsten ist Bygdøy von Mitte März bis Mitte Oktober zu erreichen, wenn Fähren von Aker Brygge aus übersetzen. Den Rest des Jahres kann man den Bus Linie 30 benutzen, der vom Stadtzentrum knapp 30 Minuten benötigt.

Oder man geht zu Fuß. So wie ich.

Bygdoy

Eine Wanderung über Bygdøy dauert für mich ungefähr 2 Stunden und ich nehme Euch jetzt mit, schweige und lasse die Bilder sprechen. Viel Spaß!

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Der erste Blick, wenn man die Autobahn hinter sich gelassen und die erste Anhöhe überwunden hat. Ich war ganz überrascht, gezogene Loipen zu finden. Endlich mal eine Langlaufstrecke, auf der es keine fiesen Abhänge gibt. Hier muss ich nochmal mit Skiern hin. Schnell allerdings, denn es wird von Tag zu Tag wärmer.Weiter geht der Weg übers Feld, außer mir sind nur noch wenige Menschen unterwegs. Toll! (Ach so, ich wollte ja eigentlich schweigen….pscht!)

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So lässt es sich wohnen, oder?

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1880 wurde das Seebad auf Bygdøy eröffnet und bis heute findet sich hier einer der beliebtesten Strände auf der Halbinsel.

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Gerade vielleicht etwas zu kalt zum Baden. Obwohl Eisbaden in Norwegen beliebt ist. Heute wollte aber anscheinend niemand.

Vorbei an dicken Eisschollen geht der Weg hinein in die Wälder von Bygdøy.

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Kleine Lichtungen mit Bänken sind wunderbare Rastplätze.

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Endlich! Mein absoluter Lieblingsplatz auf Bygdøy: Paradiesbukta, die Paradiesbucht.

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Einfach wunderschön. Und auch überraschend:

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Weiter geht der Weg rund um die Insel und bald kehren wir zurück in die Zivilisation: Willkommen in Huk.

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Auf der anderen Seite dieser wunderschönen Villa liegt das Wikingermuseum, ein Höhepunkt, den man nicht verpassen sollte! Hier sind die am besten bewahrten Wikingerschiffe weltweit zu sehen. Sie stammen aus dem 9. Jahrhundert und beeindrucken mich bei jedem Besuch.

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Oh oh meine lieben Leser, die Zeit rast. Ich muss loooooos. Was machen wir denn nun? Aufhören und später weiter? Oder kommentarlos Fotos posten? Meine Zeitplanung ist nicht gut.

Ok, Fotos ohne Kommentar. Stummfilm.

Weiter: Eindrücke Bygdøy!

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Das kennt Ihr schon, richtig?? Das Norske Folkemuseum! Erinnert Ihr Euch? Ich wollte Bäuerin werden nach meinem ersten Besuch!

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Wir nähern uns der königlichen Sommerresidenz! Übt den Knicks und die Verbeugung!

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Huch, keiner da.

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Seit 2007 nutzt die Königsfamilie die Sommerresidenz erst wieder regelmäßig. Davor? Tja, irgendwie wollte nach König Olavs Tod 1991 dort niemand Zeit verbringen. Aber nun wieder. Sieht ja auch sehr schön aus, oder?

Ein Blick auf die königlichen Stallungen, samt königlichem Wappen. Natüüürlich!

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Unser Rundgang neigt sich seinem Ende zu. Hier die Wiese vom ersten Foto nun von der anderen Seite. Im Hintergrund Blick auf Skoyen und Majorstuen. Da muss ich wieder hin. Puuh. Bus? NEIN! Weiter marsch, marsch!

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Für dieses Mal verabschiede ich mich von Bygdøy, kehre dem edlen Landleben den Rücken zu und werfe mich wieder in den Rachen der Großstadt!

Ich hoffe, die Fototour hat Euch gefallen!

Für mich ist es Zeit, die Stiefel anzuziehen, den Mut einzupacken und mich auf den Weg zu meiner speziellen Verabredung zu machen.

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, geht raus und entdeckt Unentdecktes, zieht die eigenen Füße alle anderen Transportmitteln vor und genießt den kommenden Frühling!

Ha det bra, stor klem,

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Ulrike

Geschichten aus Majorstuen Teil 1 oder Immer schön nach unten gucken!

Das Leben ist eine Baustelle. Da ist was Wahres dran. Irgendwo im Leben gibt es immer was zu verbessern, zu verändern, manchmal wird angebaut oder irgendwo stürzen Mauern ein. Auch in Oslo ist das Leben eine Baustelle.

Im wahrsten Sinn des Wortes.

Hier wird gebaggert, geteert, aufgerissen und zugeschmissen, verlegt, gebohrt, gemixt.

Und das noch bis 2014. Mindestens.

Hallo, meine lieben Bauarbeiter, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Kalt ist es geworden und glatt ist es geworden. In den höher gelegenen Wohngebieten Oslos stapfen die Anwohner durch knöchelhohen Schnee, während wir hier im Zentrum sehnsüchtig jeder Schneeflocke hinterher blicken. Zu lange darf der Blick allerdings nicht dauern, denn in Majorstuen oder in Oslo Zentrum muss der Blick vor allem in eine Richtung gehen: Nach unten. Wer will schon gern in ein Bauloch fallen?

Irgendjemand in der Oslo Kommune muss Langeweile haben. Oder die Bauarbeiter haben Arbeitsdrang. Oder der Oil Fund, den die norwegische Regierung für schlechte Zeiten angelegt hat, läuft über und wird teilweise in die Straßenwirtschaft gesteckt. Auch die 200-Jahrfeier Norwegens 2014 wirft ihre königlichen Schatten voraus. Ihr verdanken wir die Megabaustelle neben der Oper, auf der ein gläsernes Designhochhaus nach dem anderen entsteht.

Woran es auch immer liegt, es wird gebaut in Oslo. Und zwar immens.

Die uns am stärksten betreffende Baustelle zieht sich langsam aber stetig den Bogstadtveien hinauf. Das Shoppen an dieser beliebten und exklusiven Einkaufsmeile erinnert momentan mehr an ein Hindernisrennen und verlangt vom tütenbeladenen Fussgänger ein Hochmass an Konzentration, Sportlichkeit und Orientierungsvermögen. Nicht selten passiert ist, dass neongrün-rote Absperrungen den Weg vorgeben, dann aber mitten auf der Baustelle enden. In einer Sackgasse. Anscheinend komplette Fußwege brechen unerwartet auf und zwingen zum Vollkörperstopp. Mannshohe Bürgersteige versperren hüftgeschädigten Senioren den Weg zum Supermarkt und Mütter mit Kinderkarren wurden schon seit Monaten nicht mehr gesichtet.

Blog

Noch bis November 2013 soll der Spaß dauern und dann, ja dann, soll alles besser sein: Breitere Straßen, neue Bäume und weniger Vibrationen durch vorbeiratternde Straßenbahnen. Aber das Tollste wisst Ihr noch nicht: Der Bogstadveien bekommt Fußbodenheizung!

Doch, doch sowas gibt’s in Oslo!

EHRLICH!

Ich wollte es auch erst nicht glauben, aber nachdem ich vom vereisten Majorstuveien in die Innenstadt fuhr und auf der völlig eisfreien Karl Johans Gate ankam, bin ich ein absoluter Fan von  Bürgersteigheizungen. (Es gibt unter Garantie einen Fachbegriff dafür, aber was bin: Das interaktive Baulexikon?) Und so sehen die Bürgersteige unter dem Asphalt dann aus:

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Toll, oder? Und so soll es aussehen, wenn alles fertig ist:

http://www.bogstadveien.no/

Sehr schön.

Und so ökologisch.

Besonders die beheizten Bürgersteige. Ganz prima.

Man spart das menschliche Kraftpotential, das zum Sand streuen oder Eis hacken nötig gewesen wäre, und nutzt dafür den ja so überwältigend zur Verfügung stehenden Strom. In Reykjavik wird dafür kochendes Wasser benutzt, das die Natur dank Erdwärme den Isländern gratis zur Verfügung stellt. In Oslo bestimmt nicht. Wer sich im Bauleben auskennt und weiß, wie die Fernwärme erzeugt wird, wird gebeten, einen Kommentar zu hinterlassen!

Billig ist es bestimmt nicht.

Ab Ende November gilt in Majorstuen erstmal: Das Leben ist eine Baustelle ….to be continued. Natürlich. Im Weihnachtsrausch soll die Konsumlust der Bürger nicht durch störende Bauarbeiten behindert werden. Außerdem wird es kalt. Und zwar ordentlich! Wer will da noch baggern? Im April 2013 soll es dann weitergehen. Ich freue mich jetzt schon. Die bauarbeitsfreien Monate werde ich nutzen, um meine Kletterstrategie zu verbessern und mir ein profundes Wissen über geeignete Ausweichstraßen anzueignen. Doch wer weiß: Vielleicht wird da dann auch gebaut.

Das war es von mir für heute, meine lieben Leser. Der Dezember steht vor der Tür und mit ihm die für mich schönste Zeit im Jahr. Ich wünsche uns allen eine friedliche, stressfreie, tannenduftende, kerzenleuchtende und fröhliche Weihnachtszeit. Bleibt ruhig und besinnt Euch. Ihr könnt das, wenn Ihr wollt!! Doch, doch!

Habt eine schöne Woche, arbeitet auf Euren Baustellen und haltet die Füße warm!

Ha det bra,

2012-11-30 10.24.45

Ulrike

Fotosafari Oslo Teil 1: Majorstuen – Wo man seinen Hund nicht lüften darf

Hastverk er lastverk, sagen die Norweger. Gut Ding will Weile haben. Dem weisen Sprichwort folgend, suchen wir schon seit längerem eine Wohnung oder ein Haus hier in Oslo und sind hin- und hergerissen zwischen Stadt und Vorstadt. Eines wird aber immer deutlicher: Wir fühlen uns wohl in unserem Viertel. Und das stelle ich Euch heute mal vor. Majorstuen.

Hallo, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, schön, dass Ihr wieder hier seid! Heute begeben wir uns gemeinsam auf Fotosafari und ich zeige Euch „our ʹhood“, unser Wohnviertel hier in Oslo. Ein grauer Novembertag ist nicht die ideale Ausgangssituation für eine Fototour, und beim Herumstreunern habe ich auch viele hässliche Ecken gefunden, aber glaubt mir: Es ist toll, hier zu wohnen. Seid Ihr bereit? Auf geht’s.

Velkommen til Majorstuen!

Oslo ist durchzogen von einer unsichtbaren Grenze entlang einer sehr sichtbaren Grenze. Die Akerselva oder Akerselven fließt von Norden zum Oslofjord und teilt die Stadt in einen östlichen und einen westlichen Teil. Das ist die rein geografische Trennung. Ähnlich wie in Paris das Rive Gauche und Rive Droite trennt den Osten und den Westen der Stadt aber mehr: Traditionen, Kultur und nicht zuletzt Geld. In Oslo spricht man von Ǿstkanten und Vestkanten, der Ost- und Westseite.

Der Westen hat traditionell etwas mehr Geld, der Osten dafür mehr Stimmung. Im östlichen Bezirk Grünerløkka tobt die Künstlerszene, in Grønland das Multikultileben. Zu den westlichen Stadtteilen gehören Frogner oder Briskeby mit herrschaftlichen Stadthäusern, exklusiven Designerboutiquen, Künstlergalerien, Frognerpark und Gourmetrestaurants.  Ein anderer westlicher Stadtteil ist seit Jahren bekannt für Nachtleben und Shopping. Majorstuen.

Ja, aber man kann hier trotzdem gut leben! *lach*

Die Lebensader des Viertels ist der Bogstadveien, die längste Einkaufsstraße Norwegens. Hier findet jeder was er sucht. Oder sie. Mehr sie, als er. Obwohl Männer auch furchtbar gern shoppen. Schauen wir uns hier also mal um.

(ich entschuldige mich schon mal bei allen Fotokennern….Manche Fotos sind wirklich gruselig)

Hier also der quasi der Beginn des Bogstadveien, gleich kommt….

…unsere Lieblingsbäckerei samt Café. Kein Wunder, dass Starbucks bisher nur eine Filiale in Oslo hat. Die norwegische Hauptstadt boomt mit anderen Kaffeeläden, von großen Ketten wie Wayne’s Coffee oder Kaffeebrenneriet über Bäckereien wie Baker Hansen oder United Bakeries. Die Kaffeerösterei von Tim Wendelboe in Grünerløkka schaffte es gerade unter die Top Ten Kaffeeplätze weltweit auf der Liste der NY Times. (Auch wenn das Ambiente etwas zu wünschen übrig lässt. Katrin und ich waren diese Woche auf Recherchetour.) Starbucks, eh? Duh. Wir mögen Baker Hansen, unser ständiger Kaffeezulieferer ist aber…

…Deli de Luca, dort gibt es auch fantastischen Orange-Rooisbos-Tee!  „Minibank“ heißen hier übrigens die Geldautomaten, die großzügig verteilt sind. Kein Wunder. Gibt ja auch schöne Geschäfte hier. Für mich gaaaanz gefährlich ist…

…Norli, mein Lieblingsbuchladen. Auf dem Foto seht Ihr auch eines der ersten Wörter, die ich im Norwegischen gelernt habe. „Tilbud“ – Angebot. Gleich gegenüber mein Lieblingsladen auf Bogstadveien. Zara? H&M? Nein, nein, die….

…Eisenwarenhandlung Hegdehaugens. Ein wunderbarer Laden, in dem man von Schulheften über Mausefallen bis zu Porzellantassen alles kaufen kann. An alle Moritzberger Freunde: Ich fühl mich immer irgendwie an „Schubi“ erinnert. Toller Laden!

Das gelbe bzw. rote Ding ist übrigens ein Auto, nur falls da irgendeine Unsicherheit bestand. Hinter dem gelben Auto ist, bei ganz genauem Hinsehen, ein blauer Punkt auf einer silberner Stange zu erkennen. Das ist eine Elektrotankstelle, die hier sehr verbreitet sind. So wie die Elektroautos. So umstritten wie ihr wirklicher Nutzen ist für mich auch das Design. Nicht mal George Clooney würde in einer derartigen Blechkiste sexy aussehen. Auf der Cool-Wall bei „Top Gear“ würde das Elektroauto noch nicht mal bei „extremely uncool“ landen. Aber weiter im Text.

Beim Bummeln fällt mir erstmals auf, wie wieviele Friseursalons hier am Bogstadveien um ihre Kunden kämpfen. Manche haben da, vermute ich, weniger gute Chancen. Ich grüße an dieser Stelle Daria, die mich auf diese wunderbaren Namen aufmerksam gemacht hat! Man hätte also am Bogstadveien die Wahl beispielsweise zwischen…


oder…

Nun ja. Es soll ja mutige Menschen geben.

In den Seitenstraßen liegt der wahre Reiz Majorstuens für mich. Für eine Wohnung in einem dieser wunderschönen, alten Häuser würde ich morden…

Naja, ihr versteht schon.

Natürlich nicht wirklich.

Macht man doch nicht.

Wegen einer so profanen Sache wie einer Wohnung.

Ehrlich.

Albern.

Obwohl…..

Guckt doch selbst, ist Majorstuen schön oder schön oder schön???? (Huch, ich stelle gerade fest, dass ich die schönen Häuser nicht fotografiert habe. Naja. Doof jetzt. Müsst Ihr Euch den Rest vorstellen!)

Majorstuen oder Majorstua, hier scheiden sich immer noch die Geister. –stuen zeugt mehr vom dänischen Erbe, -stua beinhaltet die rein norwegische Endung auf –a. Ich habe tolle dänische Freunde und bleibe bei Majorstuen. Zentral liegt der Bezirk auf jeden Fall und das ist ein unschätzbarer Vorteil. Bis auf die kleinen Fähren sind alle Verkehrsmittel Oslos vorhanden. Wir haben die Trikk, die Oslo-Variante der Straßenbahn, und…

….die T-Bane, kurz für Tunnelbane. Alle U-Bahnlinien bedienen das Verkehrskreuz Majorstuen. Super!

Das blaue T im weißen Kreis steht für T-Bane. Vorne links eine Werbung für Norwegens größte Tageszeitung „Aftenposten“, hinten rechts ein „Narvesen“, die große Kioskkette des Landes.

Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs wird ergänzt durch zahlreiche Busse…

…und wer sportlich sein will, nimmt das Oslo Sykkel:

Abgesehen vom Fahrrad ist man mit allen anderen Verkehrsmitteln in wenigen Minuten ostwärts im Stadtzentrum und in nur 15 Minuten mit Skien bepackt mitten im schönsten Waldgebiet. Daran kann man sich gewöhnen.

Auch für das literarische Wohl ist in Majorstuen gesorgt: Direkt hinter der T-Bane-Station liegt die Filiale der Deichmanske Bibliothek.

Wer nach Erlösung sucht, ist auch in Majorstuen an der richtigen Stelle. Das Hauptquartier der Heilsarmee-Korps Majorstua liegt am Kirkeveien.

Von der T-Bane-Station Richtung Heilsarmee und dann noch ein paar Schritt weiter und der Frognerpark und damit die Grenze von Majorstuen ist erreicht. Frogner beginnt. Die Häuser werden zu Villen, Botschaften tauchen auf und die Kaffeeketten weichen exklusiveren Designermöbelläden. Ich biege in den Frognerpark ab und mache mich auf den Weg nach Hause. Wo es heute abend laut werden wird, denn „Twilight“ hat Premiere im Colosseum-Kino.

(Wie funktioniert Product Placement eigentlich genau? Ich müsste mit diesem Bericht einiges verdient haben….)

Das war also eine ganz oberflächliche Führung durch einen Teil von Majorstuen. Seid Ihr noch da???? Ich hoffe, unsere kleine Tour hat Euch so gut gefallen wie mir. Es gibt immer etwas zu entdecken, wenn man genau hinschaut und damit bleibt alles immer neu. Und das ist gut so.

Ich bin gespannt, wann unsere Suche nach einer neuen Bleibe erfolgreich sein wird, wie oft ich zwischenzeitlich noch meine Meinung zwischen Stadt und Vorstadt ändere und wo wir schließlich ankommen werden. Spannend bleibt es auf jeden Fall. Falls jemand jemanden kennt, der eine 3-Zimmer-Wohnung in einem schönen alten Stadthaus in Majorstuen vermietet, MELDET EUCH!!!! Ganz zum Schluss noch ein Foto, das mich seit unserem Einzug hier zum Lachen bringt. Wo wir Deutschsprachler mit unserem Hund Gassi gehen, machen die Norweger etwas anderes:

Ich wünsche Euch eine schöne Woche, lüftet mal wieder Euren Hund, guckt Euch genau um und überlegt, was Eure Nachbarschaft so besonders macht! Besondere Grüße gehen diese Woche an Katrin und Maik, die nächste Woche ans Ende der Welt reisen, statt mit uns Feuerzangenbowle zu trinken! Kommt heile an und, Dudes, viel Spaß!

Ha det bra,

Ulrike

Von olympischen Neuheiten, norwegischen Straßenverhältnissen und der Macht des Slaloms

Eine neue Sportart wird bei den kommenden Olympischen Spielen im russischen Sotchi alle Rekorde brechen: FGS. Fußgängerslalom. Im Schatten von Skilanglauf und Eisskaten entwickelte sich diese urbane Hate-Sportart im Herzen von Oslo. Auf der Karl Johans Gate. Ich bin Anwärterin auf die Goldmedaille.

Hallo Ihr lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute sollte es eigentlich um die Inhalte der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ gehen, doch aktuelle Ereignisse fordern ihren Tribut.

Ich habe eine neue Sportart erfunden. JAWOHL! Eine derartig bahnbrechende Neuigkeit muss natürlich gewürdigt werden und die Aftenposten läuft uns ja nicht weg. Nächsten Freitag gibt es bestimmt auch Nachrichten und dann kümmern wir uns darum. Nun aber zu meiner Erfindung oder vielleicht „Verbesserung“. Irgendwo hat irgendwer bestimmt die gleiche Idee gehabt. Seid Ihr bereit? Los geht’s!

FGS: Fußgängerslalom!!

Fußgängerslalom erfordert mentale Fitness, Reaktionsschnelle und die Schauspielkunst einer Meryl Streep. (Das allerdings nur im Anfangsstadium). Sie ist aus einem alltäglichen Bedürfnis heraus entstanden:

ICH MÖCHTE IN DER STADT BUMMELN UND ZWAR IN RUHE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Aber der Reihe nach:

Wie viele von Euch wissen, zieht sich die Prachtstraße der norwegischen Hauptstadt, die Karl Johans Gate, auf gut zwei Kilometern vom königlichen Schloss bis zum Hauptbahnhof Oslo S. Vom Schloss herab führt sie vorbei am Nationaltheater, Grand Hotel, Stortinget, H&M, Cubus, Domkirche, Subway bis sie an der Tigerfigur kurz vor der Bahnhofshalle endet. Im oberen Teil ist sie mit Bäumen gesäumt, im unteren mit…..

LAUTER LEUTEN, DIE WERBUNG MACHEN ODER BETTELN ODER SINGEN ODER SCHLIMMERES!!!!!

Entschuldigung.

Contenance.

ARRRRRRRRRRRRRGHHHHHHHHHHHHHHHH!

Es nimmt mich ein bisschen mit.

Einatmen.

Ausatmen.

Einatmen.

Ausatmen.

Ich bin ein Baum.

Besser.

Es ist nun seit einiger Zeit so, dass es unmöglich geworden ist, die Prachtstraße ungehindert entlang zu flanieren. Artgenossen in verschiedenen Alters- und Geschlechtsklassen haben es sich zum Ziel gemacht, mich über ihre Weltanschauung, ihre Fähigkeiten, ihre Zeitschrift zu informieren. Ein ehrenvoller Gedanke, der nur ein winziges Problem mit sich bringt:

ES KÜMMERT MICH NICHT! NICHT DIE BOHNE!! NADA! NIX! NOTHING!

Ich will weder Greenpeace beitreten, noch UNICEF-Unterstützer werden. Eine Mitgliedschaft bei Elixia-Sport ist genauso uninteressant für mich wie nepalesisches Yoga. Die Zeitschrift Folk er folk der folkloristischen Nomaden aus Rumänien kümmert mich nicht und, NEIN DANKE, ich will auch keine Aftenposten abonnieren. Operations Dagværk ist eine tolle Sache, aber ich spende NICHT 10 MAL!!!! Schön, dass der Bokhandel 50% Ermäßigung bietet und endlich, endlich, ENDLICH ein neuer Kaffeeladen in Oslo eröffnet. Alles toll, wirklich. LASST MICH IN RUHE!

Ich musste eine Lösung finden.

Erst habe ich versucht, die Karl Johans Gate zu umgehen. Dann dachte ich mir: PAH! Warum soll ich Platz machen?

Also habe ich begonnen, die aufdringlichen Artgenossen zu ignorieren. Das brachte Spannung ins Spiel. Ich ging hocherhobenen Kopfes in der Mitte der Fußgängerzone. Aus den Augenwinkeln nahm ich die feindlichen Stellungen wahr: Ein Zeitungsstand von Aftenposten. Ich legte ein mit Weltproblemen beschäftigtes Denkergesicht auf und setzte alle Zeichen auf Ignoranz. Niemand würde mich ansprechen. Ich kam den feindlichen Lagern immer näher. Würde die Maske halten? Der Wall brechen? Meryl Streep, steh mir bei……

„Hei hei, willst du eine Zeitung haben? Umsonst!“

NEIN!

Ich versuchte Ignoranz mit gesenktem Kopf, intensiv das Straßenpflaster studierend. Kurz danach kroch ich auf dem Boden herum und half der sichtlich geschockten UNICEF-Mitarbeiterin, in die ich frontal gerannt war, ihre Unterlagen vom Boden aufzusammeln.

UNNSKYLD!

Angriff ist die beste Verteidigung, beschloss ich. Mit offenem Lächeln flanierte ich die Straße entlang und wartete auf den ersten Artgenossen. AHA! GREENPEACE kam. Noch während der einführenden Worten nickte ich ihn begeistert an und erklärte, ich sei bereits Mitglied und dankbar für seine Arbeit. Das zog! Ich behauptete in den folgenenden Tagen auch Mitglied von AMNESTY, Abonnentin von K&K und Aftenposten und Unterstützerin der französischen Kultur in Norwegen zu sein.  Wirkte immer und brachte mir ein strahlendes Lächeln ein. Auf die Dauer ist diese Tour aber sehr zeitaufwändig. Von der sündigen Verlogenheit und meinem schlechten Gewissen mal ganz abgesehen.

ARGH!

Und dann entwickelte ich einen Weg, die störenden Artgenossen mit Spaß und Spannung zu umgehen: Der Fußgängerslalom war geboren!

Die Idee dahinter ist simpel, aber wie so oft: Die simplen Dinge im Leben machen am meisten Spaß!

Ich stellte mich also an den Beginn der Karl Johans Gate, auf Höhe des Nationaltheaters und scannte die Strecke: Operations Dagvaerk vorne rechts auf Höhe des Brunnens, Roma links vor Buchhandlung Tanum, Unicef-Leute zwischen dem Grand Hotel und Magazin Dressmann, Aftenposten-Stand links vor der BOK- Buchhandlung. Mein Ziel: Ungehindert von der Karl Johan links in die Akersgata einzubiegen. Ich ließ die Schultern und den Kopf kreisen, atmete tief ein und ging los. Meinen Blick immer auf die Hindernisse gerichtet. Gerade, gerade, gerade, links vorbei, gerade, gerade, gerade, scharf rechts vorbei, Schussabfahrt, knallhart rechts, leichter Streifzug („Hei, hei, vil du….“), gerade, gerade, Ziel vor Augen, links einordnen, gerade, scharf links und…..ZIIIIIIIEEEEELLLLL!!!!!!!!!!!!!

Ja und so mache ich das seitdem. Ich plane Jacques Rogge von meiner Erfindung zu informieren und bin sicher, dass Fußgängerslalom eine olympische Zukunft hat. Spaß macht es auf alle Fälle, ist sowohl im Sommer als auch im Winter spielbar und eignet sich für jede Fußgängerzone weltweit. Manchmal kann man eben Dinge nicht ändern, aber die eigene Einstellung dazu.

Probiert es aus!

Das war es schon wieder meine lieben Leser, ich hoffe, Euch angesteckt zu haben und bald im ständig wachsenden FGS-Club begrüßen zu können! Ein turbulenter Monat steht bevor mit Christkindlsmarkt, Wohnungssuche, Theatergruppe, Kinderkirche und vielem mehr. Ich freu mich darauf, wünsche uns allen eine schöne Woche, lasst Euch vom November nicht unterkriegen und trainiert FGS – es ist den Spaß wert!

Die wöchentlichen Grüße gehen heute an meine Freundin Sabine, die heute Geburtstag hat! Hipp Hipp Hurrah Bine!!!

Ha det bra,

(Tatsächliches Mitglied bei NOAH und SOS Kinderdorf)

Ulrike