Deutschland im Sinn haben ODER Ich rede mir mal was von der Seele…

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„Aber die Abende sind mild und mein,
von meinem Schauen sind sie still beschienen;
in meinem Armen schlafen Wälder ein, –
und ich bin selbst das Klingen über ihnen…“

So schreibt Rilke in Nenn ich dich Aufgang und Untergang in 1898. Eines meiner Lieblingsgedichte und ein einwandfreier Beweis, falls man den braucht, für die folgende Aussage: Die deutsche Sprache ist schön.

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute kommt der Blog ungewohnt patriotisch daher, was daran liegt, dass gestern meine Muttersprache kritisiert wurde und das bei mir einen Nerv getroffen hat. Außerdem stelle ich mir zum ersten Mal in unseren zehn Jahren im Ausland die Frage, ob ich bei der nächsten Bundestagswahl meine Stimme abgebe oder nicht. Und schließlich gehen meine Gedanken an alle Opfer und Helfer des schrecklichen Hochwassers und auch an die merkwürdigen Blüten, die solche Katastrophen in den Köpfen mancher Menschen treiben.

Norwegen spielt heute also mal überhaupt keine Rolle!

Ätsch!

Seit über einem Jahr geht es hier IMMMER nur um Norwegen, da können wir auch ein Mal aussetzen.

Oder?

Selbst wenn Ihr jetzt alle im Chor „Nein!“ rufen würdet…Pech! Mein Blog, meine Entscheidung! 😉

Wie es heute beispielsweise meine Entscheidung war, aus einem bestimmten Forum bei Facebook auszutreten, um gegen ein wirklich geschmackloses Cartoon zu demonstrieren (ja, ich weiß, heldenhaft!!!), das dort gestern gepostet wurde und, wie bereits erwähnt, die deutsche Sprache denunziert.  In der Zeichnung werden bestimmte Wörter in verschiedenen, überwiegend romanischen, Sprachen genannt. Der deutsche Begriff steht als Abschluss und ist begleitet von einer verzerrten Grimasse, die das Wort auszuspucken scheint. In einem der letzten ist es eine Hitlerfigur, die das Wort „Unterscheidungsvermögen“ brüllt. Dem Cartoon zufolge sehen Ausländer Deutsche als kleine Hitlerfigur, wenn diese nur den Mund aufmachen.

Brüller.

Schenkelklopfer.

Ich mach mich nass.

„Was bist du humorlos!“ musste ich mir gestern anhören. Ja, bin ich, gab ich zurück. In der Beziehung bin ich völlig humorlos. Hitlerreferenzen sind dumm und unnötig, obsolet und geschmacklos und ich bin sie einfach leid! Da gibt es mit mir nichts zu diskutieren, das ist kein schwarzer Humor, ich gewinne nicht mehr Abstand zu dieser Zeit durch Humor und nein, ich will nicht besser verarbeiten können durch Gelächter.

Man macht darüber keine Witze.

So einfach ist das.

Die deutsche Sprache schlägt merkwürdige Blüten und entwickelt sich in ungeahnte Dimensionen und ja, das französische papillon fühlt sich vielleicht schöner an im Mund als der deutsche Begriff Schmetterling. Aber ein einziges Rilke-Gedicht führt alle Behauptungen, Deutsch wäre nur eine harte und krächzende Sprache, ad absurdum.  (Für weitere Beispiele steht Euch der Kommentarbereich offen!) Hier ein Zitat vom deutschen Schriftsteller und Politiker Heinrich Laube, der im 19. Jahrhundert schrieb:  „Die Sprache einer Nation angreifen, heißt ihr Herz angreifen.“ – Vor allem, wenn dieses Herz im Ausland lebt und dort die eigene Sprache noch wertvoller erscheint als in der Heimat.

Heimat, mit dem Begriff habe ich mich in dieser Woche noch aus einem anderen Grund beschäftigt. Wie allseits bekannt und durch Frau Merkel in Gummistiefeln auch unverkennbar klar, ist dieses Jahr Bundestagswahl. Für mich die dritte Wahl, die ich im Ausland erlebe.  Die erste Wahl allerdings bei der ich überlege, ob ich wirklich teilnehmen soll.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht politikmüde oder ähnliches. Wählen zu dürfen ist für mich eine wichtige, fast heilige Angelegenheit, für die Frauen wie Olympe de Gouges seit dem 18. Jahrhundert gekämpft haben und ich fühle mich genug mit ihnen verbunden, um nicht einfach so auf mein gegebenes Recht zu verzichten!!

Andererseits lebe ich seit mittlerweile zehn Jahren nicht mehr in Deutschland und unsere Rückkehr ist zwar nicht völlig ausgeschlossen aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Ich stimme also ab über die Politik in einem Land, die mich nur sehr wenig tangiert. Nicht an der Wahl teilzunehmen, würde für mich aber noch etwas anderes bedeuten: Ein weiteres Verbindungsseil zur alten Heimat wäre durchgetrennt. Und das ist eine Entwicklung, die ich hier in Norwegen immer mehr an mir beobachte…

(Himmel hilf, soll ich mal schnell einen Witz erzählen, oder seid Ihr eh alle schon weg? Wen interessiert dieses Gababbel auch wirklich…Ist ja fürchterlich heute…ÖDE!!!! Schnell ein Witz! Also: Gehen zwei Zahnstocher im Wald spazieren. Plötzlich läuft ein Igel an ihnen vorbei. Da sagt der eine Zahnstocher zum anderen: „Sag mal, wusstest du, dass hier ein Bus fährt?“…besser?? 🙂 …)

Ja, solche Gedanken mache ich mir also und vielleicht sind die ja völlig überflüssig und einer der alten Auslandshasen schreibt nachher: „Stell dich nicht so an, geh wählen, jede Stimme zählt!“ oder ähnliches. Ich glaube, dass ich mich ganz tief drinnen schon entschieden habe. Warten wir es ab.

Abwarten und zusehen, wie ihr Hab und Gut, Erinnerungen und Schätze vom Wasser zerstört wurde, mussten in dieser Woche schrecklicherweise Hundertausende von Menschen in Europa. Freunde in Sachsen und Bayern berichten von Angst und Hoffnung, Unglauben und Vertrauen,  um dann doch aufgeben zu müssen, als sich das Wasser seinen Weg bahnt. Gleichzeitig aber steigt die Hilfsbereitschaft und das Miteinander, in fremden Kellern wird der Schlamm weggeräumt und Unbekannte werden mit Brötchen und Kaffee versorgt.

Und dann? Dann kommen irgendwelche Stammtischexperten und haben nichts besseres zu tun, als in diese Flut von Menschlichkeit und Gemeinschaft zu rufen:

„Verpflichtet die Hartz IV-Empfänger zum Schlammschieben! Die haben doch eh nix Besseres zu tun!“

Und

„Wo sind die Spendengelder aus dem Ausland für uns, häh???? Seid Ihr alles nur Schmarotzer im Ausland?? Wer sich traut, das auch zu posten, der zeigt Solidarität!!!“

Was sage ich denn dazu?

Oh, ganz einfach.

Moment, ich geh mal auf das Niveau runter….kletter, kletter, kletter…igitt, hier stinkt es aber…muffiges altes Gedankengut…so, jetzt:

RUHE!!!!

Meine lieben Leser, das alles hat mich diese Woche beschäftigt und der Blog wirkt ganz ungewohnt. Vielleicht liegt es auch an den Drogen, die ich seit Montag gegen meine dusselige Sommererkältung nehme. Das Gute an einer Sommererkältung ist, dass der Sommer da ist und das ist er: Schönster Sonnenschein lässt Oslo strahlen, lockt uns in die Parks und an den Fjord und ich hoffe, dass das Wetter auch nächste Woche hält, wenn Freundin Sabine aus Berlin zu Besuch kommt.

Das war es schon für diese Woche, ich wünsche Euch allen viel Sonnenschein, sowohl draußen als auch ganz besonders in der eigenen Seele. Kämpft für das, was Euch wichtig ist und macht den Mund auf, wenn Euch was nicht gefällt (aber bitte vorher nachdenken!). Meine Grüße und besten Wünsche gehen an dieser Woche an Hagen und seine Familie, stellvertretend für alle, die vom Hochwasser betroffen sind und an alle Helfer, die sich ebenso dem Schlamm stellen. Ihr macht mir Mut!

Ha det,

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Ulrike

„Sie baden gerade Ihre Hände drin…“ ODER Wie mich mein norwegischer Vermieter überraschte

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Ich bin eine Sklavin der Technik. Vielleicht liegt es an den Ingenieurgenen meines Vaters, vielleicht auch an Norwegen, in dem jeder Nicht-Smartphonebesitzer misstrauisch beäugt wird. Ganz egal. Fakt ist: Mein Geschirrspüler war kaputt und das hat mir gestunken. Sollte ich jetzt etwa PER HAND abwaschen??????

Hallo meine lieben Leser, wie schön, uns hier zu treffen. Die Kastanienbäume in der Sorgenfrigata blühen…,

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…Rafa Nadal fegt über den Ascheplatz in Paris und ich sitze im Top am Schreibtisch mit einem Glas gekühlter Limonade neben mir. Noch gestern hätte ich dieses Glas nur unter einem einzigen Aspekt angesehen: Mist, muss ich das nachher wieder abwaschen? Aber, meine lieben Leser, es kommt immer anders als man denkt.

Starten wir am Anfang: Vor vierzehn Tagen, kurz nachdem wir aus Deutschland zurückgekehrt waren, beschloss der Geschirrspüler in unserer Wohnung sein Arbeitsfeld zu erweitern. Nicht nur Geschirr wolle er spülen, nein, auch der Küchenfußboden sollte gereinigt werden. Weshalb er ungefähr die Hälfte seines Wassers dem Boden widmete, ohne uns vorher in irgendeiner Form davon zu informieren. Nachdem Martin das neuangelegte Kneipp-Bad in unserer Küche entdeckt hatte, taten wir das einzig Sinnvolle und setzten den Spüler außer Betrieb. Und wischten den Küchenfußboden, der nun wirklich viel sauberer war.

Das Geschirr allerdings nicht, das mussten wir ab jetzt mit der Hand abwaschen. Ich weiß, ich weiß: Seit Erfindung des Geschirrs haben Menschen für Jahrtausende mit der Hand abgewaschen. Und sind nicht daran zugrunde gegangen. Aber ich wette, niemand hat es wirklich gern gemacht! „Weißt du, was wir jetzt machen???? –  Wir waschen ab!!!! – Juchhuu!!!!!“

Nein, glaube ich nicht.

Rettung nahte aus den USA: Josephine Cochrane hatte Ende des 19. Jahrhunderts auch die Nase voll von schrumpeligen Fingern und entwickelte die erste funktionierende Geschirrspülmaschine. 1929 schaffte es der Geschirrspüler auch in europäische Küchen. Und deshalb….

(Moment, Matchball für Rafa Nadal….gegen Aufschlaf von Martin Klizan….OOOOOOH! Nadals Ball im Netz. Vorteil Klizan. Spiel Klizan. Rafa schlägt zum Match auf. 15:0. Klizans Ball geht ins Netz. 30:0. Noch zwei Punkte vom Matchgewinn entfernt. Ball im Aus. 30:15. Onkel Toni Nadal zieht eine Grimasse. HA! Wunderbar ausgespielt. Nadals Ball kommt direkt am Netz runter, unerreichbar für Klizan. 40:15. Zwei Matchbälle für Rafa. Langer Ballwechsel. Na, los jetzt. JAWOLL! Klizans Ball im Aus. 4:6, 6:3, 6:3, 6:3 gewinnt der Spanier. Großer Applaus in Paris. – Ich bin besorgt. Es ist erst die zweite Runde bei den French Open und Nadal hat schon jeweils vier Sätze zum Sieg gebraucht. Warten wir ab. Ich sehe ihn nicht im diesjährigen Finale. Aber ich lasse mich nur zu gern vom Gegenteil überzeugen.)

Ob Rafa mit der Hand abwaschen muss? Er lebt im Haus seiner Eltern, trotzdem bezweifele ich, dass Mama Nadal ihren berühmten Sohn an die Spüle diktiert. Außerdem wird Geschirr in der Maschine einfach sauberer. So tiefenrein irgendwie. Kein Wunder, denn niemand wird Geschirr im 65°-heißen Abwaschwasser per Hand spülen. Um nun endlich zu meiner Geschichte zurückzukommen:

Unser Geschirrspüler war also außer Betrieb. Kaputt. Tot. In das Verhältnis Vermieter – Mieter vertrauend, schrieb ich also eine email an PECULIA, unserer Vermieterfirma und klagte mein Leid. Das sei bedauerlich, las ich in der Antwort, ich solle doch einen Techniker bestellen, der sich das Problem angucken würde. Ich solle aber bitte beachten, dass wir die Reparatur selber bezahlen müssten, PECULIA würde nur im Fall einer Neuanschaffung die Kosten übernehmen.

Ach?

Ja, das hätten wir im Mietvertrag unterschrieben.

Ach?

Oh. Stimmt, hatten wir. Tja, ich wollte die Wohnung unbedingt, da wurden solche Kleinigkeiten sorgenlos beiseite gewischt.

Ok, ok, schrieb ich also an Whirlpool Norge und bat um Hilfe.

Ja, sie würden gerne jemanden schicken, ich solle doch nur bitte VORHER die Schläuche hinter der Maschine kontrollieren, nicht, dass der Techniker für so eine Kleinigkeit wie einen eingeklemmten Schlauch kommen muss. Kontrolle, ok…äh. Die Maschine ist eingebaut, kann ich die einfach so rausziehen, nicht dass ich es noch schlimmer mache? Ich nahm also Kontakt zu unserem Hausmeister auf. Nein, schrieb der zurück, er könne auch nicht helfen. Ich solle den Techniker bestellen.

Langsam hatte ich keine Lust mehr und außerdem meine Handabwaschtechnik ausgefeilt. Ich ließ die Sache zwei Tage ruhen und hörte weder von Vermieter, Hausmeister noch Werkstatt.

Gestern Vormittag klingelte es dann plötzlich an der Tür.

Als ich neugierig öffnete, standen vor der Tür: Hausmeister Roger, ein mir unbekannter Peculia-Techniker und eine Geschirrspülmaschine. Ich blickte alle drei verwirrt an. Es ergab sich folgender Dialog (auf Norwegisch, hier also in Übersetzung):

I

Ich verwirrt:                                       Hei!

Hausmeister Roger:                      Hei!

Techniker:                                        Hei!

Geschirrspüler:                                  —

Ich:                                                     Kann ich Ihnen helfen?

Hausmeister Roger:                      Äh, ja sicher. Bei Ihnen ist doch der Geschirrspüler kaputt, oder nicht?

Ich (etwas unsicher):                       Ja…?

H. Roger (erleichtert):                     Na, dann ist ja gut. Wir bringen nämlich den neuen Geschirrspüler.

Ich:                                                    Den … neuen??

H. Roger (langsam):                       Der alte ist kaputt, richtig???

Ich:                                                    Ja.

H.Roger (ganz sanft):                     Wir bringen einen, der NICHT kaputt ist.

Ich:                                                   Das ist überraschend.

Techniker:                                      Haha! Surprise!

H. Roger:                                        Tja. – Können wir dann jetzt?

 

Worauf alle drei die Wohnung betraten. In den kommenden 20 Minuten wird der alte Spüler abgebaut und nach draußen geschoben, der niegelnagelneue Spüler installiert, ich bekomme eine kurze Einweisung und dann sind sie so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind. Martin und ich sitzen lachend im Wohnzimmer und verstehen die Welt nicht mehr. „Wie können die völlig ohne Anmeldung hier auftauchen?“ frage ich mich immer wieder. Ist das jetzt typisch norwegisch, dass man tonnenschwere Küchengeräte auf gut Glück durch die Gegend chauffiert und hofft, dass jemand zuhause ist?

Und jetzt kommt ein guter Tipp von mir an Euch, meine lieben Leser, also Obacht!!!

Kontrolliert nicht nur Eure emails im Postfach täglich.

Kontrolliert auch Euer Spam-Fach!

Ich mache das so alle …pfff….zwei bis drei Tage und entdeckte daher erst am späten Nachmittag nach der Geschirrspüler-Lieferung folgende email:

„Hei, vi bytter oppvaskmaskinen, dette blir gjort på torsdag. Er dere ikke hjemme vil vi låse oss inn i leiligheten. Mvh Roger“

Am Mittwoch bereits hatte Roger Hausmeister mir also geschrieben: „Wir tauschen den Geschirrspüler aus, das wird am Donnerstag gemacht. Falls Ihr nicht zuhause seid, lassen wir uns selbst in die Wohnung. Mit freundlichen Grüßen Roger“. Nun stelle ich mir vor, ich wäre nicht daheim gewesen und wäre zurück gekommen, so gegen 16 Uhr. In der Küche hätte ein neuer Geschirrspüler auf mich gewartet. Ohne Erklärung. Ich zweifele regelmäßig an meinem Verstand, oft grundlos, aber diesmal hätte ich allen Grund gehabt.

Jetzt verstand ich auch, warum Roger Hausmeister meine Überraschung ob seines Auftauchens so irritierend fand. Aber nun mal ganz im Ernst: Einfach so eine email zu schreiben, ohne Terminvereinbarung, ohne Nachfrage ist ja auch ein bisschen naiv. Oder sorglos. Oder…typisch norwegisch??

Wie dem auch sein, Ende gut, alles gut: Der neue Spüler und ich sind schon gute Freunde geworden, das dreckige Geschirr verschwindet ab nun wieder in den Tiefen des wunderbaren Elektrogeräts und die Abwaschbürste geht in Urlaub. Ich kontrolliere mein Spam-Postfach nun jeden Tag und freue mich, dass ich es vor ein paar Tagen nicht getan habe, sonst hätte ich heute keine Geschichte erzählen können. Auf die Frage, warum die alte Spülmaschine nicht kontrolliert wurde, ob sie vielleicht hätte gerettet werden können, ob es eventuell nur ein verdreckter Filter war, der nach kurzer Reinigung wieder neues Leben in die alte Maschine gepumpt hätte – alle diese Fragen beantwortet mir niemand, aber vielleicht ist das auch etwas typisch Norwegisches:

Einfach schnell was Neues kaufen.

Aber ich will nicht kritisieren.

Ich freue mich einfach! Und lache noch eine Runde……

Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser. Eigentlich wollte ich noch von unserem gestrigen Theaterbesuch erzählen, aber das verschieben wir auf nächste Woche. Nur so viel: Wir waren in der Onkel Vanja – Inszenierung von Liv Ullmann am Nationaltheater und haben kaum ein Wort verstanden. Schön war es trotzdem. Ich habe außerdem spannende Theaterpläne für nächstes Jahr und  bereits Kontakt mit einem Theaterverlag in Berlin aufgenommen, um mir drei Stücke näher anzugucken. Mein Favorit: Faust – von zwei Personen gespielt.  Drückt mir die Daumen, dass ich alles so schaffe, wie ich es mir wünsche.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche mit SONNE!! Ich höre nur von Regen, Regen und Regen. Ärgert Euch nicht zu sehr darüber sondern tanzt in Gummistiefeln durch die Pfützen! Nehmt das Wetter mit Humor, ich puste Euch auf jeden Fall etwas von unserer Sonne in den Süden. Meine Grüße gehen diese Woche an Helga, Leonie, Ingmar, Louis und Ajax Hensel, Ihr habt mir eine Woche lang gezeigt, wie schön Niedersachsen wirklich ist! Danke dafür und viel Spaß auf Euren nächsten Deutschlandreisen!

Ha det bra,

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Ulrike & Herr Siemens, der neue Küchenheld.

Ein Souvenir aus Norwegen ODER Von Waschbärmützen, Strickpullovern und Käsehobeln

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Schon wieder der 24. Mai. Wahnsinn…..

24.???

DER VIERUNDZWANZIGSTE???

Das heißt…lass mich kurz rechnen…Mai, Juni, Juli….

In sieben Monaten ist Heiligabend!!! – Ich habe noch gar keine Geschenke!

Hallo aus Oslo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns endlich wieder treffen! Fast vier Wochen liegt der letzte Blog zurück, so eine lange Pause hatten wir ja noch nie. Unverzeihlich! Ich hoffe, es ist überhaupt jemand da, der diesen Blog jetzt liest!

Hallo?

HALLOO?????

SEID IHR DA?????????

Ich war in Deutschland und ich sage Euch: Schön war es mal wieder. Angefangen mit einer gemütlichen Fährfahrt, die uns aus dem eisigen Griff Norwegens in die fast subtropischen Temperaturen Kiels gebracht hat; weiter mit dem Wiedersehen von lieben Zwei – und Vierbeinern; dann ein kräftezehrender und mutlosmachender 10km-Lauf in Hannover mit fantastischem Unterstützungsteam; selbstgemachten Geschenken für den nächsten Winter in Norwegen; köstlichem Spargel und Sherlock Holmes; Tierparkbesuch und lukullischem Zeltabenteuer mit Lagerfeuer und super Laune und schließlich die gemütliche Fährfahrt zurück ins mittlerweile grünblühende Oslo. Danke Euch allen für eine tolle Zeit!

Nun aber zurück zur Arbeit!

Wir sind doch nicht zum Spaß hier heute, oben habe ich ein aktuell bestehendes Problem beschrieben:

Nur noch sieben Monate bis Weihnachten, was soll ich schenken?

Wenn man wie wir in einem fernen, fernen, fernen Land wohnt, bietet es sich immer an, landestypische Produkte zu verschenken. Weniger an die Freunde vor Ort, das wäre wohl ein bisschen überflüssig: „Oh, toll, ein Tasche mit norwegischer Flagge. Tu‘ ich mal zu den anderen.“, als natürlich mehr für Freunde und Familie in den heimatlichen Gefilden.

(Gefilden ist ein lustiges Wort, oder? So schön alt. Ich lese gerade zum x-ten Mal „Die unendliche Geschichte“ und das Buch ist voll von schönen, gutschmeckenden, alten Wörtern und Beschreibungen. Ich rate dringend allen, die das Buch noch nie gelesen haben, das umgehend nachzuholen. Dringend! – STOP! – Also natürlich erst hier den Blog zu Ende lesen, ja? … also mal ehrlich… Der Begriff Gefilde stammt übrigens vom althochdeutschen gifildi und bedeutet: Die Gesamtheit der Felder. Toll, oder? Und hat sich bis heute irgendwie erhalten.)

Souvenirs aus Norwegen ist also das Thema des Blogs und da stellt sich natürlich die Frage: Was schenkt man wem und warum? Ich bin gestern in Oslo unterwegs gewesen und habe eine kleine Auswahl möglicher und unmöglicher Landesgeschenke zusammengestellt. Diese lassen sich thematisch untergliedern – jawoll – und zwar wie folgt:

  1. Souvenir mit norwegischer Flagge
  2. Souvenir mit dem Schriftzug „Norge“, „Norway“, „Norwegen“, oder „Norvège“, gern auch in Chinesisch oder Arabisch.
  3. Souvenir mit Flagge UND Schriftzug für liebe beschenkte Mitmenschen, die die Flagge nicht erkennen.
  4. Souvenir mit Schriftzug „Oslo“ uni-lingual (ist das ein Wort? …moment…google…google…AHA! Naja, ok. Passt schon irgendwie)
  5. Souvenir mit Schriftzug „Oslo“ und der norwegischen Flagge. Dies zur Sicherheit für die geografisch unsicheren Mitmenschen, denen man ersparen möchte bei Empfang des Geschenks zu sagen: „Oslo, toll! Nach Schweden wollte ich schon immer mal…“
  6. Königliche Souvenirs
  7. Souvenir mit norwegischen Sehenswürdigkeiten.
  8. Souvenir mit Elch.
  9. Souvenir mit Troll.
  10. Souvenir mit zwei Elchen.
  11. Souvenir mit zwei Trollen.
  12. Souvenir mit drei…….

(Das könnte jetzt endlos so weitergehen, aber mir wird schon ganz schwummerig vom vielen „Souvenir“-tippen, also kürze ich das, Euer Einverständnis vorausgesetzt, mal ab.)

In diesen zwölf…meine Güte…ZWÖLF! Kategorien gibt es dann eine massige Auswahl an Produkten. Dem unentschlossenen Geschenkesucher bieten sich: Tassen und Teller, Becher und Gläser, Mützen, T-Shirts, Sweatshirts, Unterhosen und Socken, Taschen und Beutel, Gabel, Messer, Licht, Tischsets und Kerzenleuchter, Fingerhüte und Handytaschen, Kugelschreiber, Frisbeescheiben, Angelruten, Mondraketen, Düsenflugzeuge…

Gut, ich übertreibe. Zusammengefasst:

Eine Menge Schrott.

Schrott im positivsten aller Sinne. Schrott zärtlich gemeint. Doch, ehrlich, ich habe auch schon vieles davon gekauft, einfach weil es lustig ist. Okay, Schrott ist etwas harsch. Sagen wir: Unnützer Unsinn. Der aber lustig ist.

Die nächste Kategorie von Geschenken verzichtet darauf lauthals zu zeigen: „Hier ist Norwegen!“ und hat weder Flaggen noch Schriftzeichen. Trotzdem wissen alle: „Norwegen!“ oder wenigstens: „Skandinavien!“ Hierzu gehören: Felle, Wikingerhelme, angebliche oder tatsächliche Handarbeiten aus Norwegen wie Strickmützen, Handschuhe, Filzhausschuhe, Strickpullover, Strickjacken, Strickumhänge und eigentlich alles, was man mit Wolle und zwei oder fünf Nadeln zaubern kann. Außerdem auch komplette Babyeinkleidungen mit norwegischem Muster sowie Küchentextilien und T-Shirts. Für Hartgesottene bietet sich Fellbekleidung an. Mal ehrlich: So schneidig mit einer hellbraunen Waschbärmütze samt Ohrklappen auf dem Kopf durch die heimatliche Fußgängerzone von Pirmasens oder Buxtehude zu bummeln, das hat doch was!

Nun gibt es gerade bei dieser Kategorie immense Qualitätsunterschiede. Manche Sachen haben Qualität und manche…manche eben nicht. Aber da machen es uns die Verkäufer in Oslos zahlreichen Souvenirshops wunderbar leicht und das was teuer ist, ist es meistens auch wert. Hier mal ein Tipp am Rande: Die besten Souvenirshops in Oslo sind meiner Meinung nach am Holmenkollen und „Audhild Viken“ hinter dem Rathaus. Audhild Viken hat im Untergeschoss auch eine ganzjährige Weihnachtsausstellung, die das Weihnachtshaus in Drobak nach Luft schnappen lässt.

Wer mir mal etwas Gutes tun möchte, schenkt mir eine der wunderbar gewebten norwegischen Wolldecken, die es in zahlreichen Farben und Mustern gibt. Überhaupt ist die Mustervielfalt in norwegischem Strickgut einfach nur toll. An dieser Stelle verweise ich gern wieder auf meine Liebe zu Arne&Carlos, den beiden schrägen, norwegischen Strickkünstlern, die übrigens in Deutschland sehr erfolgreich sind.

Die letzte Kategorie ist „Norwegen lukullisch“ und besteht aus Produkten wie geräuchertem Lachs, Freia-Schokolade „Et lytt stykk Norge“, Trockenfisch, Elchsalami (nein, die gibt es nicht in vegetarischer Form, sorry), getrockeneten Elchherzen oder natürlich…stööööööhnnnn….GEITOST!

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Hier ein Tipp für alle Souvenirsuchenden (obwohl, das ist Euch bestimmt schon viel eher eingefallen als mir): Kauft norwegische Lebensmittel im Supermarkt und bringt sie mit nach Deutschland oder Österreich oder in die Schweiz oder wo immer auch Euer Zuhause ist. Erstens ist das so richtig ORIGINAL und außerdem…viel preisgünstiger. Und lustiger. Irgendwie. Und wenn nicht im Supermarkt, dann kauft es im duty-free-shop am Flughafen (in den kann man in Norwegen nämlich auch VOR der Abreise, nicht erst bei der Rückkehr) oder auf der Fähre.

Wer seine Familie und Freunde gern mit norwegischem Alkohol beschenken möchte, scheint wohlhabend zu sein und kann nur eines kaufen: Linjeakvavit. Der Kümmelbranntwein wird in Sherryfässern gelagert und reift 19 Wochen lang auf Schiffen, die den Äquator überqueren. Deshalb „linje“…er hat die Linie überquert. Linjeakvavit hat rund 40% und ist so typisch norwegisch wie…Geitost.

Und, meiner Meinung nach, genauso lecker…

Meine lieben Leser, hier endet unser kurzer Gang durch die norwegischen Souvenirläden. Falls jetzt Wünsche aufgekommen sind, schickt mir eine email und ich gucke, was ich machen kann. Versprochen. Doch, klar, für Euch mache ich doch fast alles.

FAST! Geitost kaufe ich nicht!

Es gibt wirklich schöne Souvenirs, die man sich aus Norwegen mitbringen kann, aber nichts ist schöner, als selber herzukommen und einfach zu gucken und das Land zu erleben. Vielleicht nicht gerade heute: der Schnee schmilzt in Rekordgeschwindigkeit und wir brauchen bald Boote, um einkaufen zu gehen. Einige Orte sind evakuiert, unzählige Straßen und andere Transportwege sind gesperrt und zur Schneeschmelze kommen nun auch noch gewaltige Regenfälle.

Super.

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Produktausflug: schreibt mir gerne, welche Souvenis Euch einfallen und die in meiner Liste fehlen. Ich mache mich jetzt auf zu einer weiteren Theaterprobe, die Stücke fürs Hausfest am 15.6. nehmen Gestalt an! Meine Grüße gehen in dieser Woche an meine Lauf-Freundin, Teestuben-Verbündete und Theatergruppen-Begeisterte Ines, die nach drei Jahren Oslo verlässt und nach Hamburg zurückkehrt. Alles Liebe für dich, du wirst mir fehlen! Sarah Jessica rocks!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, guckt doch mal, was in Eurer Stadt typische Souvenirs sind und schickt mir ein Foto! Ansonsten habt Spaß, lockt den Sommer und für das morgige Champions-League-Finale schreibe ich etwas, dass ich fast selbst nicht glauben kann: Go FC Bayern!

Ha det bra,

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Ulrike

Fotosafari Oslo Teil 3: Frogner ODER Wir sprengen uns eine Tiefgarage

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Nein…das stimmt nicht…Moment mal…das kann doch nicht…ja, doch da steht es…ich drehe ab…da denkt man die ganze Zeit…und dann plötzlich…wie soll denn das gehen…es war doch mein „Hood“…hm, auf dieser Karte sieht es wieder anders aus…aber hier steht es eindeutig…Sorgenfrigata 10 A…Stadtteil: Frogner.

FROGNER?!

Guten Morgen, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es ist Freitagmorgen, der Frühling ist da, die Sonne strahlt, doch über meinem Kopf schwebt eine kleine dunkle Wolke. Da töne ich seit Wochen, wie gut uns unsere Nachbarschaft gefällt, und wie wir UNBEDINGT in Majorstuen bleiben wollten. Einen ganzen Artikel habe ich diesem Ortteil gewidmet. Und was muss ich vorgestern feststellen? Beim Checken im Internet?

(Warum mache ich das auch? Internet, völlig überbewertet, ich lebe ab sofort „Motto Mittelalter“ und lese nur noch Bücher. Jawoll. Ist doch wahr. Ist genauso wie mit der Internetsuche für Krankheiten. Da startet man „leichte Bauchschmerzen“ zu googlen und legt sich hinterher sterbebereit aufs Sofa. Internet. Überbewertet. Ihr bekommt jetzt meine Artikel jeden Monat per Post. Ging doch früher auch!!! Blödes Internet. Dumm nur: Ich bin ein Internetjunkie. Mini-Junkie. Auf eine einsame Insel würde ich nur gehen, wenn sie da Wlan hätten. Teufelskreis. Wo war ich?)

Also, was lese ich im Internet?

„Sorgenfrigata 10A, Bydel: Frogner.“

Natürlich habe ich sofort weiter recherchiert und fand zwei unterschiedliche Informationen: Manche beschreiben den Stadtteil („bydel“) Frogner als Frogner eingegrenzt von Madserut Allee im Westen, Frognerstranda im Süden, Parkveien im Osten und GANZ ENTSCHEIDEND: Frognerveien und Gyldenløves gate im Norden, MEILENWEIT entfernt von unserer Straße. Nach anderen Informationen allerdings ist Frogner eine Art Stadtbezirk, bestehend aus Teilen von Majorstuen (pah!), Briskeby, Uranienborg, Skøyen und Bygdøy und dem eigentlichen Frogner. Nun ist diese Informationsquelle leider nicht irgendein verwirrter Stadthistoriker, der die Grenzen von 1487 zugrunde legt. Es ist die hochoffizielle Seite der Stadt Oslo.

Frogner also.

Nicht, dass wir etwas gegen Frogner haben. Wir wollten da eben nur nie wohnen, weil uns das tiefste Frogner eben viel zu versnobt, reich und elitär erscheint. Ok, nun wollen wir mal nicht so tun, als sei Majorstuen der Stolz der Arbeiterklasse, aber irgendwie ist es hier ein bisschen „edgy“, gemischter, weniger konform. Dafür besitzt Frogner einige der wohl schönsten Straßenzüge in ganz Oslo.

Nun frage ich mich, ob Euch das alles eigentlich interessiert. Da werfe ich mit Begriffen und Straßennamen um mich und Ihr denkt wahrscheinlich: „Häh?“ oder „Bitte?“ (außer meine Leser in Oslo natürlich!) Ich bin also losgezogen, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt von Frogner. Dem eigentlichen Frogner. Dem exklusivsten Stadtteil Oslos. Without further ado folgt nun also eine weitere Fotosafari:

Willkommen in Frogner!

Begonnen habe ich meine Fototour auf der Grenze zwischen Briskeby, Uranienborg und Frogner. An der deutschsprachigen Gemeinde in Oslo, die ich schon so oft erwähnt, aber noch nie gezeigt habe. (Idee: Blog über Gemeinde!) Nach einem kurzen Morgenplausch mit meiner Freundin Daria, die auch gleichzeitig Gemeindesekretärin ist, ging die Safari los.

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Voila: Die evangelische Gemeinde deutscher Sprache in der Eilert Sundts gate.

In derselben Straße, einige Häuser weiter, hat sich vor einiger Zeit einer der wohlhabensten Männer Norwegens niedergelassen, der Familie gehört unter anderem der REMA1000-Konzern, die norwegischen Albrechts sozusagen. Nun ist das Parkangebot in Frogner nicht überwältigend gut und was macht man, wenn die Parkplätze nicht ausreichen und auch die Garagen schon voll sind?

Man sprengt sich eine Tiefgarage.

Klar, mache ich auch immer so.

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Der Verkauf dieser Villa ging 2009 durch die Medien, denn Ole Robert Reidan, Sohn des Konzernchefs, hatte einen wahren Deal errungen: Für die Hälfte des ursprünglich gefragten Preises erstand der Multimilliardär seinen neuen Familienbesitz! 50% gespart hat er und nur 39, 5 Millionen Norwegische Kronen bezahlt. Schnäppchenalarm!!!! Nur 5 Millionen Euro! (Quelle: http://www.dn.no/privatokonomi/article2539253.ece). Aus den eigentlich fünf Wohnungen entstand eine durchgehende Wohnfläche, außer der Tiefgarage wurde auch ein Fahrstuhl eingebaut. Im Januar 2013 gab es allerdings Radau: Sie warteten immer noch auf Rechnungsbegleichung der 8 Millionen Kronen, schrieb die ausführende Elektrofirma, dank derer Herr Reidan nun nicht zu Fuß die Treppen erklimmen muss, sondern den Lift benutzen kann. 8 Millionen NOK seien vielleicht für Herrn Reidan eine Kleinigkeit, für eine mittelständische Elektrofirma aber wesentlich! Die Parteien treffen sich in Kürze vor Gericht.

Nun erwartet bitte nicht zu jedem Haus in Frogner eine Geschichte, im Gegenteil, die folgenden Bilder kommen fast ohne Kommentar!

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Nach der Jagd auf wunderschöne Jugendstil-Architektur brauchte ich einen Kaffee. Ich wollte schon immer mal die Kaffeebrenneriet am Elisenberg ausprobieren, also nichts wie hin da!

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Kurze Zeit später saß ich mit einem Café Latte im Sonnenschein auf der Terrasse und beobachtete Leute. Frogner-Leute. Irgendwann fiel mir ein Muster auf. Ich begann Dinge zu notieren und kann Euch nach eingehender Studie von ungefähr 30 bis 40 Studienobjekten mitteilen, wie man sich kleiden muss, um in Frogner nicht aufzufallen.

Frognerstil

Bei Damen ist die Kombination Parka-Laufhose-Turnschuhe der Favorit, während sich die Männer in Barbour-Jacken hüllen, den Hals mit einem zerknautschten, aber teueren Halstuch umschlingen und die Füße in Chucks werfen. Die Pilotenbrille darf nicht fehlen, natürlich.

Nach dieser interessanten anthropologischen Exkursion, die ich so allerdings auch in Majorstuen hätte machen können, ging es zurück zum eigentlichen Plan: Frogner. Hier weitere Impressionen:

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Die Bjørknes-Privatschule neben der Kaffeebrenneriet…

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…nette Restaurants und Geschäfte…

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…ein Geschäft bietet Designer-Türen für IKEA-Küchen….

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…Jürgen????…..

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Café Fedora, das amerikanische Café in Oslo…

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…das Gimle Kino, ein Programmkino mit tollen Filmen. Hier waren wir zur Premiere von „Gnade“ und trafen auf Jürgen Vogel.

Auch die Nationalbibliothek und das Nobel-Institut liegen in Frogner, ebenso wie fast alle Botschaften oder Botschaftsresidenzen…

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…hier „meine“ Botschaft in der Oscars gate, auf der Grenze Uranienborg/Frogner…

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…und die Residenz des US-Botschafters.

Hier übrigens einer meiner Lieblingsplätze in Frogner, das Foto poste ich mit „lieben Grüßen übern Park!“:

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Mein Spaziergang neigt sich langsam seinem Ende entgegen. Fast zwei Stunden bin ich durch den oberen Teil von Frogner gewandert, den unteren Teil machen wir beim nächsten Mal :). Schön ist es hier, ohne Frage und edel auch. Manchmal ein bisschen zu konform für meinen Geschmack, die häufig homogenen Häuser scheinen sich in den teilweise homogenen Bewohnern wiederzuspiegeln. Aber das ist vielleicht auch nur ein Vorurteil. Zum Schluss noch ein paar gemischte Impressionen, bevor ich mich für heute von Euch verabschiede!

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Himmel über Frogner

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Frogner – wo die Götter wohnen?

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Fürs Personal: „Kücheneingang 3a und 3b“

Das war es für heute, meine lieben Leser, ich hoffe, Ihr hattet ebensoviel Spaß an diesem Frühlingsspaziergang wie ich! Überall fängt es an zu blühen und zu knospen, vor meinem Fenster baut sich eine Taubenfamilie ein gemütliches Nest und die Tage werden endlich wärmer. Das perfekte Wetter um noch weitere Stadtteile zu erkundschaften! Das aber erst ab Mitte Mai, denn erstmal fahren wir nach Deutschland. Wer am Sonntag, dem 5.5. noch nichts vor hat: Kommt nach Hannover und jubelt mich beim 10km-Lauf an. Bei meinem momentanen Trainingsstand sind auch Träger sehr willkommen! Wie immer werden wir nicht alle besuchen können, das ist eben so, nehmt es bitte nicht persönlich! Der Blog hat ebenso Urlaub wie ich und wir freuen uns, Euch am 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, erneut zu sehen!

Bis dahin: Habt eine schöne Zeit, genießt den Frühling und lasst es Euch gut gehen! Meine besonderen Grüße gehen diese Woche an Daria, einfach nur mal so 🙂

Ha det,

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Ulrike

Justin Bieber is in town!!! ODER Warum in Oslo der Bus nicht fuhr.

thelocal.no

thelocal.no

Oslo ist auf dem Weg der Besserung. Der Busverkehr läuft normal, die Polizei widmet sich Taschendieben und Mördern, die kreischenden Mädchen sind zurück in der Schule und an Tjuvholmen können Touristen und Einwohner in Ruhe Kaffee trinken. Die Stadt hat den größten Schock des Jahres überwunden. Justin Bieber ist abgereist.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Lange habe ich überlegt, ob ich mich diesem Thema widmen soll, aber da die Nachrichten über „das Konzertereignis 2013 in Europa“, drei Justin-Bieber-Konzerte in Oslo, schon bis nach Deutschland gedrungen sind, konnte ich nicht widerstehen.

Justin Bieber also.

Gibt es irgendwen, der von dem kanadischen Jungenwunder noch nicht gehört hat? Dann hier eine Kurzbeschreibung: Justin Bieber, 19 Jahre alt, kanadischer Sänger, bekannt geworden übers Internet.

@Universal Music Norway

@Universal Music Norway

Das Problem ist: Ich kann mir so gar kein Urteil über ihn erlauben, da ich außer seinem Gesicht auf Kissen oder Unterhosen nichts von ihm weiß. ABER: Ich kann mich ja bilden. Und zwar live, jetzt hier mit Euch. Es folgt also live aus Oslo, um 12.42 Uhr Ortszeit: Ulrike hört den ersten Song von Justin Bieber. Als erstes: Youtube aufrufen…J u s …ok Youtube weiß sofort, was ich will. Ich klicke auf „Justin Bieber“. – Oh Gott, ob ich jetzt für immer und ewig im Internet gespeichert bin als Bieber-Sucher?? Hilfe! Kann man hier irgendwo eine extra Bemerkung eingeben wie: „Ich suche das aus professionellen Gründen?“ oder „Haha, nur ein Scherz!“, bitte? Nee, geht nicht. OK. Egal.

Welchen Song nehmen wir denn? „As long as you love me“ steht zur Auswahl, „Boyfriend“ oder „Beauty and a beat“. Diese Poetik. Doll. Aber ich will ja ganz offen rangehen. Der Junge sieht nach nichts aus, da muss doch wenigstens die Musik gut sein, oder? Also ich nehme……„As long as you love me“…los geht’s!

Okay.

Oh.

Ohweh.

Ohwehohwehohwehautsch.

Ich bin mir nicht sicher: Ist er vor oder nach dem Stimmbruch? Warte, 19 Jahre alt, nee das sollte erledigt sein, ok, gut, manche Männer haben eben hohe Stimmen.

Männer…kicher.

Also, mein erster Eindruck: Zähne zu weiß, Lächeln zu nett, Bescheidenheit zu gespielt, aber alles in allem – es gibt Schlimmeres. Das Video ist von den Teen Awards in Großbritannien und Justin singt unplugged und live, nur von einer Gitarre begleitet. „As long as you lo-lo-lo-lo-love me…“ und ab geht’s in die hohen Töne wie ein Affe auf die Palme. Immerhin kommt er oben an. Wo sind meine Sängerfreundinnen, wenn ich sie brauche? Für mich hört sich das ganz okay an, Pavarotti wird er nicht, aber naja wie gesagt – es gibt Schlimmeres. Lied ist sterbensöde, wechseln wir mal zum nächsten Lied auf der Liste.

„Boyfriend“.

Hm.

Oha.

Ohahahaha.

Nun rappt er.

Oho.

Oh…der TEEEEEEEXTTTTTT!!!!

„Swag, swag, swag on you/Chillin‘ by the fire while we’re eatin’ fondue”. Als Rap. Ich liege lachend auf dem Schreibtisch. Wunderbar. Wer textet das um Himmels Willen? Aber ich gebe nicht auf, aller guten Dinge sind ja drei und ich wähle nun ein letztes Lied aus, nämlich „Beauty and a beat“, einfach weil der Titel so unterhaltsam ist.

Ok, ich begreife langsam ein Muster. JB (so nennen ihn seine Fans, jahaaa, ich kenn mich aus!) startet immer mit etwas Gestöhne, was verständlich ist bei dem Text, den er gleich singen muss. Dann folgt ein bisschen „oh-ho-oh-youhou“, ein weiterer Versuch, dem Text zu entgehen. Dieser Song ist von seinem Akustikalbum und ja, ist doch ganz nett. Oder um einen Fan zu zitieren: „I am a guy (straight) and (…) his acoustic album is very good“. Jungen müssen sich also als heterosexuell deklarieren, wenn sie Justin Bieber hören. Was ein nicht ganz dummer strategischer Zug ist, denn wie kann man das Herz eines Mädchens schneller gewinnen, als die Musik ihres Idols zu kennen? Vielleicht sogar zu singen? Wie romantisch. Aber ganz ehrlich: Es gibt schlimmere Musik. Diese hier schwingt harmlos durch die Gehörgänge, manches bringt den Fuß zum Wippen,  nichts beleidigt, nichts begeistert, es ist wunderbar nichtssagend. Finde ich. Auf jeden Fall scheint es den Nerv und das Herz vieler Teenager zu treffen. Das kann Bach nicht von sich behaupten. Immerhin.

Beschäftigen wir uns kurz mit den weiblichen Fans, die in der letzten Woche die norwegische Hauptstadt übernommen haben. Viele kamen mit ihren Müttern, was zwar irgendwie uncool ist, aber in der Altersgruppe gesetzlich vorgeschrieben. Um ihrem Idol so nahe wie möglich zu sein, haben sich Mädchen in allen drei großen Hotels in Oslo ein Zimmer gebucht und dafür ihre Ersparnisse oder ihr Konfirmationsgeld aufgebraucht. Bereits um 7.30 Uhr morgens standen sie im strömenden Regen vor der Telenor –Arena in Fornebu, um die besten Plätze in der Halle zu bekommen. Mein Außenkorrespondent Martin berichtete live jeden Morgen davon auf seinem Weg ins nahe gelegene Statoil – Büro. Polizei und Rotes Kreuz waren in Alarmbereitschaft und kreischende Mädchen gehörten für drei Tage zum Stadtbild. Sie kamen mit Shuttlebussen aus ganz Norwegen angereist, und fürchteten sich nur vor einem: Dass das Konzert und ihre Begegnung mit JB vorüber ist.

Ohje.

Ich bin definitiv zu alt für sowas. Wie mit der Hoffnung der Mädchen, ihr Idol wirklich zu treffen, gespielt wird; wie diese Hoffnung in jedem Song, in jedem Fan-Artikel vermarktet wird; das finde ich unglaublich. Unverantwortlich. Unverschämt. Warum es funktioniert? Ich habe nicht die geringste Ahnung. (An dieser Stelle freue ich mich über Kommentare von Bieber-Fans, die mir das mal erklären!) Aber ich bin ja auch nicht 13. Wahrscheinlich steckt dahinter viel mehr, ein soziales Dilemma, ein Bedürfnis nach Nähe und Liebe und so.

Naja, oder auch nicht.

Vielleicht besitzt Justin eine magische Ausstrahlung, die Mädchen einfach in seinen Bann zieht. Ich suche mal ein Interview. Moment. Ah, da ein ganz langes Interview aus Chicago. Talkshow-Königin Oprah Winfrey interviewt Justin Bieber. Dann mal los.

Nein, geht nicht, ich muss ausschalten. Ein Interview mit Justin Bieber geführt von Oprah Winfrey ist einfach zuviel für mich. Ich lerne allerdings: JB ist der am meisten gesuchte Begriff bei Google, er hat 30 Millionen „followers“ bei twitter, verdient über 100 Millionen Dollar jährlich und all das, weil seine Mutter ein Video ihres 12jährigen Sohnes auf youtube gepostet hat. Scooter Braun, Musikagent, entdeckt die Videos, reist nach Kanada und der Rest ist Geschichte. Oprah Winfrey nennt Bieber in einem Atemzug mit Elvis, den Beatles und Michael Jackson. Der Superstar seiner Generation. Das Ausmaß seines Erfolgs ist unglaublich und so sehr ich auch versuche, mich darüber lustig zu machen: Er ist ein globales Phänomen. Mit einem verdammt intelligenten Marketingteam. Ich frage mich, wann er Zeit und Ruhe hat, die ganzen Dinge zu erleben, von denen er in höchsten Tönen singt. Fans, Medien, Manager ziehen und zerren an ihm, wollen ihn als Sexsymbol, Popstar und Verkaufsschlager. Lächeln soll er, sexy sein und immer schön die Haare schwingen und dann Texte wie „As long as you love me, we could be starving“ singen.

„You know girl, we know it’s a cruel world.“

Wohl wahr. Die Welt ist brutal im Show-Business.

Ganz tief in meinem Innern regt sich so etwas wie Mitleid. Für einen Jungen, der momentan nicht raus kann aus dieser Welt, die ihn produziert hat und nun verfolgt und googelt, kritisiert und verhöhnt, bewundert und verlacht für etwas, das er vielleicht gar nicht ist. Für einen ganz kurzen Moment…

Schon vorbei!!!

Mal ehrlich, ist doch albern, worüber will sich ein 19jähriger beschweren, den Millionen von Mädchen sexy finden, der Tonnen von Geld verdient und die ganze Welt bereist? „I am really only a normal guy, who tries to fit in“, erklärt er Oprah, die anerkennend nickt. Oh biiiiiiitte! Einfach mal wieder in Ruhe essen gehen wünscht er sich.

Na, dann komm nicht nach Oslo, Justin! Hier klappt das unter Garantie nicht. Hier stoppt sogar eine ganze Buslinie, wenn du kommst. Bleib‘ lieber in den USA, okay? Or in Canada, eh?

Mit diesen weisen Worten will ich für heute enden, meine lieben Leser. Der Versuch, Euch und mich in Popkultur zu bilden, hat Spaß gemacht. Oder? Hallo? Ist überhaupt noch wer von Euch da, oder habe ich Euch alle verjagt? Ich bin jetzt wenigstens auf dem neuesten Stand und vielleicht sollte ich mir wirklich mal ein JB-Konzert angucken, was denkt Ihr? Darüber ließe sich bestimmt wunderbar bloggen!! Vielleicht nächstes Jahr!

Euch allen wünsche ich ein tolles Wochenende und eine schöne Woche. Wir gehen morgen zur Mathalle (Essenshalle, so eine Art Markt) in Grünerlokka und freuen uns auf dänische Delikatessen. Der Rest der Woche wird ruhig, ich übersetze weiterhin die spannende Krimistadtführung von Freund Benjamin in Berlin – ein echter Spaß! Meine Grüße gehen diese Woche an meine Freundin Silvi, die sich nach ihrer Handoperation auskuriert. Halt durch!!!

Lass es Euch gut gehen bis nächsten Freitag, erforscht mal ganz neue Dinge, bleibt immer offen und begrüßt den Frühling.

Ha det bra,

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Ulrike (und Justin)

Gratulerer med dagen, Blog ODER Ein Jahr Neues aus Norwegen!

Hurra for deg som fyller ditt år

http://www.youtube.com/watch?v=nOW45XodiuE

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Meine lieben Leser, der Blog hat seinen ersten Geburtstag!

Es war am 13. 4. 2012, als in der Deichmanske Bibliothek, Filiale Majorstuen, runder Tisch neben der Reiseliteratur, der erste Artikel geschrieben wurde. Ich versprach in diesem Artikel:

«…ich will ihn (den Blog) ja füllen über die nächsten Monate, Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte! Erlebnisse, Gedanken, amüsante Anekdoten, überwältigende Einsichten, nobelpreisverdächtige Beobachtungen werden diese Seite füllen. Jawohl, das ist der Plan.»

Was habe ich Euch seitdem nicht alles erzählt: Fødselnummern, Grillen im Regen, Heimweh, 17. Mai.,  die norwegische Königsfamilie, erste Versuche im Skilanglauf, Wandern über Bygdøy, Grand Prix d’Eurovision, Erlebnisse im Heimatmuseum, Tücken von Baustellen, norwegischer Sprache oder Winter, und und und. Ich habe mich zur Wahl gestellt und Ihr habt mich auf den Berg geschickt, Ihr habt gedichtet und wir haben alle viel über Norwegen gelernt.  Die am meisten geteilte und angeklickte Geschichte und auch eines meiner Lieblingserlebnisse war übrigens das „Grünerlokka-Disaster“ mit dem teuflischen Käseproduzenten.

Aber was wären diese ganzen Geschichten, Erlebnisse, chaotischen Gedanken ohne Euch, meine wunderbaren Leser! Im allerersten Text habe ich Euch noch meine „Glorreichen Sieben“ genannt, da angeblich nicht mehr als sieben Leser einen Blog über längere Zeit begleiten. Aber Ihr seid viel mehr geworden und ich danke Euch allen von ganzem Herzen, ganz ohne Quatsch und Wortwitz, fürs Lesen, Kommentieren und Spaß haben! Ihr seid super! Danke an das Goethe-Institut in Oslo, das meinen Blog auf seiner Internetseite verlinkt hat und an alle fellow bloggers, die den Blog erwähnen! Danke auch für die „heimlichen“ Emails oder Nachrichten bei Facebook, wenn der Fehlerteufel sich mal wieder eingeschlichen hatte und an dieser Stelle ein superdickes DANKE an meine Mutter, die dem Blog über so manche Rechtschreibklippe geholfen hat (und immer noch hilft).

Es gab und gibt viel zu lernen. Aber wir sind ja auch erst ein Jahr alt.

Nur mal zum Vergleich: Ein Baby lernt beispielsweise im ersten Jahr Bewegungen mit den Augen zu folgen, mit den Händen zielgerichtet nach Gegenständen zu greifen, zu schreien, sich auf den Bauch zu rollen und – ein paar Wochen später – sich auch wieder zurückzurollen, auf allen Vieren zu kriechen. Und dann bekommt es die ersten Zähne, lernt, aufrecht zu sitzen, zu stehen, zu laufen, indem es sich zunächst z.B. am Tisch festhält; und schließlich lernt es auch, frei zu laufen. Das Baby ist mit all dem schwer beschäftigt. Und selbst beim Schlafen entwickelt es sich weiter: Die wichtigsten Wachstumshormone werden nachts im Schlaf freigesetzt. (Quelle: http://www.alles-ueber-kinder.net/baby.htm)

Ha! Das ist doch ein Ding! Das gilt für Blogschreiber auch!!! Passt auf:

Bewegungen mit den Augen folgen: Ich kann mittlerweile Blog schreiben und nebenbei beobachten, was so auf Facebook passiert oder parallel Fernsehen schauen. Dem Cursor folge ich mit den Augen über den Bildschirm, ohne noch groß beim Tippen azf dke Tadzen zu acjten. – Naja, ich übe noch!

Mit den Händen zielgerichtet nach Gegenständen greifen: Ohja! Tippen, Griff nach rechts zum Kaffee, tippen, Griff nach links zum Wörterbuch, tippen…Internet spinnt und alles stürzt ab…Griff nach vorne zum Hammer, um dem Computer zu drohen.

Schreien: Ja. Laut. Siehe Hammer im letzten Absatz.

Auf den Bauch rollen: Ja, manchmal vor Lachen, wenn mir meine Texte gut gefallen.

Auf allen Vieren kriechen: Nach stundenlangem Starren auf einen leeren Bildschirm manchmal der einzige Weg, sich fortzubewegen. Ansonsten vielleicht beim Versuch, sturzbetrunken einen Blog zu verfassen. Was wohl nie klappen würde. Ich finde dann den Computer bestimmt erst gar nicht. Oder das Büro.

Erste Zähne: Musste ich zeigen, als manche Kommentare ausuferten.

Aufrecht sitzen, laufen, stehen: Genau in dieser Reihenfolge. Erst sitze ich, nach 30 Minuten muss ich dann mal rumlaufen und im schlimmsten Fall den Text im Stehen zu Ende tippen. Ich muss mich allerdings nur selten am Tisch festhalten. Ab 40 kommen die ersten Macken. Was soll ich machen?

Frei laufen: Das macht der Blog manchmal. Ich setze mich mit einer ganz bestimmten Idee an den Schreibtisch und während ich schreibe, entsteht etwas völlig anderes. Dann übernimmt der Blog das Kommando und ich tippe einfach. Manchmal, wenn mir so gar nichts einfällt, nutze ich eine alte Übung aus dem Schreibworkshop: Für fünf Minuten schreibe ich ohne großes Nachdenken einfach alles, was mir in den Kopf kommt. Lasse meine Gedanken frei laufen. Ihr findet meine Artikel chaotisch? Dann solltet Ihr diese Ergüsse mal sehen!

Die wichtigsten Wachstumshormone werden nachts im Schlaf freigesetzt: Ohja! Seit ich diesen Blog schreibe, habe ich schon manche Nacht mit dem Schreibblock auf dem Sofa verbracht. Denn nachts kommen immer die besten Ideen. Ob ich nun über Kinderbibeltage nachdenke, das nächste Treffen der Theatergruppe plane oder Ideen für den Blog suche: mitten in der Nacht klappt das am besten. Da wächst eine Idee heran, da wächst manchmal ein ganzer Blog. Genau aus diesem Grund brauchen wir jetzt endlich ein bequemeres Sofa!

Der Blog und ich sind also erfolgreich im zweiten Lebensjahr angekommen und schon sehr gespannt, was nun auf uns zu kommt. Da wir heute Geburtstag haben, dürfen wir uns auch etwas wünschen: Immer gute (oder auch mal doofe, aber dann wenigstens lustige) Ideen für die nächsten 52 Freitage und immer viele gutgelaunte Leser , die sich darüber, im Idealfall, amüsieren! Weiter wünschen wir uns nichts und wollen auch keine Geschenke. Besonders auf das Senden von Geitost oder Brunost oder jeder anderen Art von Karamellkäse könnt Ihr gerne verzichten!!!!

Für die kommenden Monate kann ich Euch jetzt schon einen Artikel über die Bergbezwingung versprechen, denn bald geht die Wandersaison hier wieder los. Ich bin gespannt! Und ich werde mir noch weitere interaktive Dinge ausdenken, seid also bereit. Kommentiert weiterhin und falls Euch ein bestimmtes Thema interessiert, dann immer her damit, ich sehe, was ich tun kann.

Für heute war es das schon, meine lieben Leser, ich wünsche Euch eine tolle neue Woche, lasst es Euch gut gehen! Meine Grüße gehen an Catharina und Steffen, die morgen einen ganz wichtigen Termin im Rathaus haben und wir uns sehr freuen, dabei sein zu dürfen!

Ha det bra,

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Ulrike

Mein Reisetagebuch aus Trondheim oder Ich glaube, ich hab mich verliebt…

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Dreierbeziehungen sind zum Scheitern verurteilt. Jaja, angeblich hatten Psychoanalyst Carl Jung und seine junge Patientin den halbherzigen Segen von Jungs Ehefrau Emma und angeblich lebte Autor Aldous Huxley fröhlich mit Ehefrau und Mätresse, aber diese rebellischen Ausnahmen von der bürgerlichen Norm bestätigen mich nur darin: Drei sind einer zu viel – und das stellt mich vor die entscheidende Frage: Oslo oder Trondheim?

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen und entschuldigt, dass ich mich Freitag,  an unserem Tag, nicht gemeldet habe. Ich saß laptoplos in Trondheim und habe meinen Tag mit Kaffee trinken, Museumsbesuch und Kino in meiner neuen Liebe verbracht.

Ja, denn ich muss gestehen: Ich habe mich verliebt.

In Trondheim.

Das ist besonders unangenehm, da ich ja Oslo im letzten Blog eine Liebeserklärung gemacht habe. Bin ich nun einfach eine verdammt untreue Seele? NEIN! Vielleicht lässt es sich so erklären: Oslo kenne ich viel besser und die Stadt ist mir natürlich viel näher als die Neueroberung, der Two-Nights-Stand, Trondheim. Ich muss mich auch nicht entscheiden zwischen den beiden, denn es sieht nicht danach aus, als würden wir nach Trondheim ziehen. Alles also gar nicht so schlimm. Nun habe ich meine moralischen Urban-Sünden gebeichtet, mir Luft gemacht und nun kann es losgehen mit meiner Beschreibung der letzten drei Tage!

Dienstag, 2. 4. 2013, 22 Uhr, Oslo

Es gibt schönere Orte als den Osloer Hauptbahnhof um 22 Uhr, aber mit Cheesebites und Kaffee lässt sich das Treiben entspannt beobachten. Der Nachtzug Richtung Trondheim steht schon eine Stunde vor Abfahrt bereit, Hallelujah, und hinein da. Mir steht eine schlaflose Nacht bevor, aber nur halb so schlimm, es hat einen besonderen Reiz in frisch gestärkter Bettwäsche auf einem gemütlichen Etagenbett durch die Nacht zu ruckeln.  Und die Gedanken ruckeln gleich mit…

Ich reise gern. Nur  für ein paar Tage an einem Ort zu sein und ihn dann auf meine Art und Weise zu entdecken. Niemanden zu kennen, aber sich Orte zu schaffen, die langsam bekannt werden. Überall etwas Besonderes zu suchen und zu finden. Ganz viel will ich in die kommenden Tage stecken und bin jetzt schon hibbelig mir einen Stadtplan mit den Highlights bei der Touristeninformation zu holen. Abends werden dann die besichtigten Höhepunkte der Stadt abgehakt. Doch, wirklich, ich mache das. Da gibt es nicht zu rütteln. Es ist stärker als ich.

Ruckel, ruckel…Ich liebe es, unterwegs zu sein. Diese Stimmung auf der Fahrt, weg vom Alltag und seinen alltäglichen Problemen und Gedanken, aber noch nicht ganz da am neuen Ort. Irgendwie dazwischen. Und nirgends. Ruckel ruckel ruckel….Norwegen zieht an mir vorbei. Noch vier Stunden Fahrt. An Schlaf ist leider wirklich nicht zu denken, also lese ich, passend im Titel, Hape Kerkelings  „Ich bin dann mal weg“.

Mittwoch, 3. 4. 2013, 6.50 Uhr, Trondheim

Ich muss mir endlich wieder eine Brille anschaffen! Meine Augen taten heute Morgen, als wären ihnen Kontaktlinsen völlig unbekannt und so stehe ich mit knallroten Heulaugen auf dem Bahnsteig. Mein Elend wird von gutgelaunten Bauarbeitern gelindert, die, mit Körben voller Süßigkeiten bewaffnet, uns Neuankömmlinge begrüßen. Das ist ein Empfangskomitee nach meinem Geschmack.

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Noch habe ich keinen Blick für die Stadt, das Meer oder die schneebedeckten Hügel. Ich will ins Hotel und schlafen. Das Clariton Bakeriet ist unser temporäres Zuhause. In der umgebauten Bäckerei werden wir freundlich begrüßt und zu meinem großen Jubel ist tatsächlich schon ein Zimmer bereit. Ich sah mich schon bis um 12h heimatlos in Trondheim sitzen, aber nein, Zimmer 500…here we come! Nach einem erholsamen Schlaf bin ich bereit, die Stadt zu entdecken. Noch planlos ziehe ich in den sonnigen Vormittag, vorbei an flachdachigen, bunten Holzhäusern auf der Suche nach einem Café, denn ohne Kaffee läuft nichts. Meine Füße schon gar nicht. An einer Straßenkreuzung finde ich, was ich suche: Das Café Dromedar. Das über die nächsten Tage mein zweites Zuhause wird. Mein Fensterplatz erlaubt freie Sicht auf das Treiben der Stadt und ich frage mich, warum ich das hier jetzt schon so nett finde. Ich meine, mal ehrlich:  Ich gucke auf ein Rema 1000, den norwegischen Aldimarkt, eine Bushaltestelle und das imposante Gebäude der Danske Bank. Gaaanz toll, Ulrike, wirklich! Manchmal habe ich sie irgendwie nicht alle. Ich bestelle lieber noch einen Kaffee bei der Angestellten mit dem Dromedar-Tattoo am rechten Handgelenk. Ob die Angestellten hier gebrandmarkt werden nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrages? Ich gebe mal vorsichtshalber ein großzügiges Trinkgeld und hoffe, die Ausbeutung der Arbeitskräfte zu stoppen. Obwohl sie eigentlich ganz fröhlich wirken.

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Jetzt aber, los! Wo ist die Touristeninformation? Ein Schild führt mich Richtung Torget, zum Markt. Hört sich vielversprechend an. Wie ein Trüffelschwein auf heißer Spur wandere ich los. Der Marktplatz ist unspektakulär, eingerahmt von Einkaufszentren, gelben Holzhäusern und….AHA, dort an der Ecke in einem orangen Haus…die Touristeninformation. 1:0 fürs Trüffelschwein! Beim Fotografieren der imposanten Statue auf dem Platz werfe ich einen ersten Blick auf die Kathedrale. Wie die genau heißt und wer das auf der Statue ist, weiß ich noch nicht, aber gleich bin ich schlauer. Voller Wissensdurst stürme ich die Touristeninformation.

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Das auf der Statue ist Olav Tryggvason, Wikingerkönig und Gründer Trondheims 997 n. Chr.  Lese ich kurze Zeit später und hake Nummer 18 in meiner neuen Broschüre ab.  Die Nidaros-Kathedrale verschiebe ich wegen der kurzen Winteröffnungszeiten auf den nächsten Tag. Bei einem zweiten Kaffee in einer charmanten Außenstelle des Dromedars in der Nordre Gate plane ich den heutigen Tag. Trondheim ist die ehemalige norwegische Hauptstadt, lese ich im Stadtführer, und bietet mehr als 1000 Jahre Geschichte. Sie ist die drittgrößte Stadt Norwegens mit knapp 180.000 Einwohnern und liegt im Bezirk Sør-Trøndelag an der Mündung des Nidelven, des Nid-Flusses. Trondheim ist Universitätsstadt und der Großteil der 30000 Studenten ist an der Technischen Universität Trondheim, der NTNU, eingeschrieben. Die umgebenden Wälder, der Trondheimfjord und der Nidelven, der die Stadt umfließt, geben der Stadt „a unique flavour of metropolitan life and undisturbed nature.“

Metropole und Wildernis  vereint? Ich bin gespannt.

Auf meinen Plan für heute kommt die Altstadt oder Bakklandet und Svartlamon, eine Ökostadt im Aufbau. Keine Ahnung was das bedeutet, hört sich aber irgendwie spannend an. Los geht es! Zu Fuß, das Wetter ist gut und ich laufe gern. Ein Blick auf meinen noch jungfräulichen Stadtplan weist mich nach Osten und ich wandere los. Nun bin ich nicht gerade für meinen Orientierungssinn berühmt. Nach 30 Minuten bemerke ich also erst, dass ich seit etwa 20 davon in die falsche Richtung wandere. Unter einer ökologischen Teststadt konnte ich mir zwar nichts vorstellen, aber ich bezweifele, dass Dönerbuden und Expressreinigungen, Videoshops und Sonnenstudios dazugehören.

AHA! Fehler gefunden, ich hätte an dieser Kreuzung hier…nee hier… nee Quatsch hier…also irgendwie bin ich falsch. Egal, wenigstens habe ich so den Stadtteil Buran auch kennengelernt, weiß, wo der Bus zum Flughafen abfährt, mache ein Foto von der Lademoen Kirche und gehe zurück. Bald stehe ich vor einer gigantischen Baustelle. Auf der anderen Seite soll die ökologische Siedlung auf mich warten, die mir langsam auf die Nerven geht.  Ökologisch hin oder her, ich habe jetzt keinen Bock mehr und überhaupt, wie doof ist das, meinen ersten Tag auf Baustellen und in unspektukalären Vororten zu verbringen. Ökostadt ade! Altstadt, ich komme.

Weise Entscheidung, denke ich wenige Kilometer weiter, als ich von gemütlichen Holzhäusern umrahmt einen ersten Blick auf die Kathedrale werfe.Im dritten „Dromedar“-Kaffee in Nedre Bakklandet  spendiere ich mir zur Belohnung wenigstens die Altstadt gefunden zu haben, einen weiteren Kaffee.

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Dann begebe ich mich auf die Suche nach einem DER Highlights der Stadt: Sykkelheis.

Nun lasse ich Euch einen Moment rätseln.

Allen Hildesheimern sage ich: Den sollten sie am Krehlaberg bauen!!

Hier noch ein Tipp:

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Ein Fahrradfahrstuhl, ja!

Genau habe ich das System nicht verstanden und leider konnte ich auch keinen Radfahrer auftreiben, der unbedingt diesen Berg hochwollte. Eine Schiene scheint Reifen und Fahrer den Berg hochzuschieben, wie man dabei allerdings die Balance halten soll, ist mir schleierhaft.  Lustig ist es auf alle Fälle. Der guten Aussicht wegen wanderte ich den Berg hinauf und sah, völlig aus der Puste, die Festung von Trondheim zum Greifen nah. Die stand zwar für heute gar nicht auf meinem Programm, aber wenn sie sich so aufdrängt…

Kurze Zeit später stehe ich bis zu den Knöcheln im Schlamm. Authentizität ist wichtig, scheint das Motto der Festung zu sein und vor 1000 Jahren gab’s ja schließlich auch keine Asphaltwege, oder?? Also, durch da und nicht gemeckert. Meine linke Socke ist schon mal nass. Das winterliche Tauwetter tut dem steilen Weg nicht wirklich gut und ich wandere über faulendes Gras und Schlamm dem Eingang entgegen. Immerhin ist die Besichtigung kostenlos. Will ich auch hoffen, ich habe immerhin schon ein Paar Socken geopfert. Die Aussicht von hier oben ist wunderbar und ich beschließe auf jeden Fall im Sommer wieder zu kommen, die Menge von Bäumen und Parks muss aus Trondheim ein grünes Meer machen.

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In der Nähe bewundert eine Familie den weißen Festungsbau. Deutsche, das erkenne ich sofort, von Kopf bis Fuss in Jack Wolfskin gekleidet. Die Deutschen und ihre Liebe zur Wolfs-Tatze ist ein in Europa einmaliges Phänomen. (Update vom 3. 10. 2013: Und fällt auch in Schweden auf. Seht hier!) Gut, die Franzosen mögen Quechua und die Skandinavier Fjällräven. Aber wie sich selbst die wanderfaulsten Deutschen von Kopf bis Fuß in Outdoor-Kleidung stürzen, sobald sie einen Sonntagsspaziergang im Stadtpark unternehmen, das ist einmalig. Und wiedererkennbar. Als ich noch leise in mich hineinlache, höre ich auf plötzlich auf Deutsch: „Entschuldigung, wissen Sie, ob das Kaffee heute noch öffnet?“ Erstaunt blicke ich den Jack-Wolfskin-Vater an und sage: „Nein, das weiß ich leider nicht.“ Als er sich dankend verabschieden will, frage ich: „Wie kommen Sie darauf, dass ich Deutsch spreche?“ Lächelnd antwortet er: „Wegen Ihrer Handtasche. Jack Wolfskin tragen irgendwie nur Deutsche.“

Zack!

Zurück im Hotel versorge ich mich mit trockenen Socken. Den Abend habe ich für mich und beschließe ins Kino zu gehen. „Les Misèrables“ läuft im Nova-Kino, den wollte ich schon seit Ewigkeiten sehen. Ich liebe die Musik, habe das Musical in London gesehen und halte das Duo Boublil/Schönberg für so viel besser als Webber/Rice. Hugh Jackman und Anne Hathaway sehe ich beide gerne, wer sonst mitspielt, weiß ich gar nicht so genau, ich lasse mich überraschen. Das wird schön! Nach 10 Minuten Film muss ich sagen: Nein, das wird es nicht. Hugh Jackman spielt sich die Seele aus dem Leib, singt dabei aber noch ganz verständlich, auch wenn das Rotzen teilweise etwas stört. Mit dieser Darstellung erinnert er mich eher an Wolverine, dessen Adamantium langsam und schmerzhaft schmilzt, als an Jean Valjean. Anne Hatheway treibt mich zu Tränen und bekam ihren Oscar anscheinend auch für ihren Mut derartig roh in die Kamera zu singen. Mir standen die Haare zu Berge, wow. Und dann kam die Überraschung des Abends, der Schreck aus down under, der Gladiator der Nicht-Sänger: Russell Crowe als Javert. Ich muss das nochmal schreiben: Russell Crowe als Javert. Er tut mir fast leid.

Ich kämpfe mich durch den Film, heule am Ende dann doch und nur die urplötzlich reinknallende Saalbeleuchtung erlöst mich aus diesem Alptraum. Ich wackele zurück ins Hotel und Martin und ich lassen den Tag gemeinsam ausklingen. Gute Nacht, Trondheim!

Donnerstag, 4. April 2013, Trondheim

Das Frühstück ist köstlich. In der alten Backstube ist der Speisesaal des Hotels untergebracht, alles ist lichtdurchflutet und freundlich. Trondheim zeigt sich auch in bester Laune, die Sonne strahlt. Ich habe mich von Les Misèrables erholt und freue mich auf die Kathedrale. Martin ist begeistert von seinem Workshop und beschreibt den wunderbaren Ausblick vom Statoil-Büro direkt auf den Trondheim-Fjord. Er schlägt mir vor, das Rockheim-Museum zu besuchen, aber mir ist heute eher nach Geschichte. Wir verabreden uns für abends im Hotel. Gestern habe ich überlegt, ob ich immerzu unterwegs sein könnte. Ja, unter einer Bedingung: Martin wäre dabei.

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Speisesaal im Clariton Bakeriet /nordicchoicehotels.no

An der Wetterfront gab es eine Überraschung – aus dem strahlenden Sonnenschein ist dicker Schneefall geworden. Ich gehe zurück aufs Zimmer, um doch die Winterstiefel anzuziehen. Kurze Zeit später stehe ich im strahlenden Sonnenschein, ohne Schnee, auf der Straße. Es ist April, aber so richtig. Egal, lasse ich die dicken Botten eben an. Mein erster Weg führt mich direkt ins Dromedar und als ich an meinem Stammplatz am Fenster sitze, passiert etwas Merkwürdiges: Ich habe das Gefühl, ich wäre schon ewig hier in Trondheim. Alles wirkt vertraut und, ja , ein bisschen wie Zuhause. Verrückt, ich bin doch erst einen Tag hier. Die Stadt erinnert mich in ihrem Aufbau und ihrer Größe, der Lage am Wasser mit den schneebedeckten Hügeln dahinter ein bisschen an Victoria in Kanada. Vielleicht deshalb das heimelige Gefühl.  Trondheim hat definitiv etwas, das mich anspricht. Mehr als Oslo, mehr als Stavanger. Hier passe ich irgendwie hin.

Nun aber Kultur. Auf zur Kathedrale!

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Die Kathedrale und ihre Winteröffnungszeiten warten auf mich. Ambitioniert kaufe ich gleich ein Kombiticket, um die Kathedrale, den Erzbischofspalast und die Kronjuwelen in einem Rutsch abzuarbeiten. Die Kathedrale liegt auf dem Südteil der Midtbyen-Halbinsel, gegenüber der Altstadt. Im Mittelalter und von 1818 bis 1906 war sie die Krönungsstätte norwegischer Könige. Danach wurde die Krönung als veraltet abgetan und der entsprechende Paragraph aus dem norwegischen Grundgesetz gestrichen. König Olav V., Vater des jetzigen Königs Harald, nahm die Tradition der Segnung in der Kathedrale von Trondheim 1958 wieder auf. Auch König Harald und Königin Sonja ließen sich auf eigenen Wunsch 1993 in Trondheim segnen. Die Kathedrale ist beeindruckend, aber anscheinend bin ich heute nicht in Stimmung für dunkle Gebäude und graue Steinwände. Nach einer Runde bin ich wieder draußen. Es schneit dicke Flocken und ich rette mich in das Museum des Erzbischofspalastes. Hier sind Originalteile der Kathedrale zu bewundern und der Ausbau der Kathedrale wird anschaulich dargestellt. Nächster Stop: Kronjuwelen.

Ich weiß ja nicht, ob Ihr es schon wusstet, aber ich liiiiiiebe Königshäuser und den damit verbundenen Pomp und Klatsch. Nun also vor den norwegischen Regalien zu stehen, ist aufregend für mich.

Ja, ja, ich weiß, ich hake ja auch Sehenswürdigkeiten in Stadtführern ab.

Die Herrschaftszeichen Norwegens bestehen aus drei Kronen (für König, Königin und Kronprinz), zwei Zeptern und Reichsäpfeln, dem Reichsschwert und dem Salbungshorn. Fotos darf ich nicht machen, aber die wären in der schummerig beleuchteten Museumshöhle wohl eh nichts geworden. Die Kronen sind wunderschön, die Königskrone mit Amethysten, einem Topas und vielen Perlen verziert. Die Krone der Königin ist kleiner und mit 1578 Perlen verziert.

Ich habe nachgezählt, na klar!

Mein Abschied vom Museum fällt schwer – draußen tobt ein mittlerer Schneesturm.

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Aber das Museum schließt in 30 Minuten, also raus in den Schnee. Nach wenigen Minuten kehrt die Sonne zurück und ich wandere beschwingt weiter durch die Stadt. Richtig erkunden kann man einen neuen Ort wirklich nur zu Fuß. Nur so ist man richtig spontan. Ich wandere am Rathaus vorbei, das eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Schloss in Oslo hat und stoppe kurz bei der Go’dagen-Statue am Marktplatz. Meinem Stadtführer zufolge stand eine Frau Modell, die nach Trondheim kam, um als Dienstmädchen zu arbeiten. Nachdem sie in Ruhestand war, verbrachte sie ihre Tage gern am Marktplatz und begrüßte alle, die an ihr vorbei kamen, mit einem freundlichen „God dag!“ Den Namen der Frau konnte mir niemand sagen. Ich nenne sie also Fru Ella, weil mir das gut gefällt. Trondheim hat sich mittlerweile in einen schneebedeckten Traum verwandelt und ich beschließe ein bisschen wandern zu gehen. Es soll einen wunderschönen Spazierweg im Stadtteil Ila geben, also springe ich spontan in einen Bus und lasse mich überraschen.

In Ila schneit es so dicke Flocken, dass ich den Fluß, an dem der Wanderweg entlangläuft, gar nicht erkennen kann. Aber ich höre ihn neben mir gluckern und stapfe durch die Winterpracht. Die Leute müssen denken, ich habe einen an der Waffel. Aber ich hatte ein Bild mit einer Holzbrücke in einem Park gesehen und die will ich jetzt finden.

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Ein wirklich toller Weg, der im Sommer eine wahre Freude sein muss, ebenso wie der Park in Ila. Eine Gruppe von Vorschülern und ich haben auf jeden Fall viel Spaß am Schnee und beim Rutschen auf der eisglatten Treppe. Oben angekommen habe ich, vermutlich, einen tollen Ausblick auf den Fjord, leider sehe ich außer tanzenden Schneeflocken gar nichts. Ich rutsche vorsichtig die bergige Straße herunter und werde von einem Jogger überholt, der sich sicher auf dem rutschigen Untergrund bewegt.

Angeber!

Für heute ist es genug. Zurück geht es ins Hotel, wo erst selbstgemachte Waffeln und dann ein leckeres Abendbüffet warten. Alles im Preis inbegriffen. Tolles Hotel, ich sag es ja. Morgen plane ich das Trondheim Museum, die Hurtigruten und einen kleinen Shoppingtrip mit Martin ein. Abends gehen wir ins Kino und essen. Um 23 Uhr geht unser Zug nach Oslo. Für heute: Gute Nacht, Trondheim!

Freitag, 5.4. 2013, immer noch Trondheim

Happy Birthday Britta!! Ich schicke schon mal telepathische Geburtstagsgrüße an meine liebe Freundin nach Hildesheim. Geburtstagswetter herrscht auch: Sonne pur!! Fast verwerfe ich den Museumsplan, denn das Wetter lockt mehr zum Wandern. Nach einem obligatorischen Kaffee im Dromedar, führt mich der Weg aber zum Hafen. Die Hurtigrute, das kultige Postschiff, das die norwegische Küste entlangfährt, legt um 12 Uhr von Trondheim ab. Da muss ich doch ein Foto machen. Die Hafengegend um Brattøra ist eine große Baustelle, die Ausschilderungen kompliziert, aber irgendwann stehe ich vor dem rotweißen Postschiff mit dem Namen Kong Harald. Seit 1893 verbindet die traditionelle Postschifflinie auf über 2700 Kilometern die Orte an der norwegischen Westküste. Längst sind die alten Postschiffe zur Touristenattraktion geworden und befördern nun neben Post und Waren auch Passagiere. Ich sitze im strahlenden Sonnenschein auf dicken Felsen am Strand und genieße die Aussicht und winke der Kong Harald bei der Abfahrt zu.

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Ein älterer Herr steht samt Fahrrad am Kai und winkt ebenfalls dem Schiff nach, als es gemächlich den Hafen verlässt. Jeden Tag tue er das schon, erzählt er mir. Man brauche eben Rituale und das hier wäre seins. Einmal hätte er die Reise gemacht auf der Hurtigrute gen Norden und wüsste, wie viel Schönes die Passagiere sehen werden. Damit radelt er davon und lässt mich mit meinem Fernweh allein. Ich will auch sofort auf das Schiff!!!

Stattdessen wandere ich ins Trondheim Kunstmuseum. Der untere Teil des wird gerade für eine neue Ausstellung vorbereitet, für den halben Preis komme ich also in den Genuss der zweiten Etage, wo gerade Werke der deutschen Künstlerin Mariele Neudecker ausgestellt werden. Der Ausstellungsraum begrüßt mich mit einem Lichterspiel, das den ganzen Raum erstrahlen lässt. Die Kunstwerke sprechen mich an, sind teilweise amüsant, anrührend, verwirrend. Das Konzept der Ausstellung ist klar und verständlich,  besonders gefällt mir das Nebeneinander von Alter und Moderner Kunst. Um das Finden von Gemeinsamkeiten gehe es dem Museum, informieren mich die Schilder zu den Themen „Macht“, „Landschaft“ und „Auge“.

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Mariele Neudecker 400 Thousand Generations

Ich treffe den Kurator Pontus Kyander im Treppenhaus und er entschuldigt sich für die Umbauten. Ich erkenne ihn wieder aus meiner Touristen-Abhak‘-Broschüre, er ist wie ich ein großer Dromedar-Kaffeehaus- Fan. Das erwähne ich natürlich nicht, sondern bedanke mich für die interessante Ausstellung und verspreche wieder zu kommen.

Dass ich nach Trondheim zurückkomme, steht außer Frage. Ich will diese Stadt, die mir so ungewöhnlich vertraut ist, unbedingt im Sommer erleben.  Ich will die Mönchsinsel besuchen und das St.Olafs-Festival, will die Kathedrale inmitten blühender Bäume sehen und in der Altstadt einen Kaffee vor dem Dromedar trinken. Martin teilt meine Meinung glücklicherweise und wir planen abends beim Inder unseren Sommerbesuch. Vielleicht auch einen Frühlingsbesuch. Und einen Herbstbesuch natürlich. Für jetzt aber heißt es nach drei Tagen aber leider: Tschüß, Trondheim! Bis ganz bald!

Als ich einige Stunden später im Schlafwagen schlaflos durch die Nacht ruckele, mag ich mein Leben mal wieder so richtig: Viel unterwegs sein, immer neue Dinge entdecken, das Ganze mit Martin zu teilen und hinterher darüber schreiben und es mit Euch teilen zu können. Und Oslo erklären, dass sie nun eine Nebenbuhlerin hat, das schaffe ich auch noch. Vielleicht haben Dreierbeziehungen ja doch einen guten Ausgang.

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Das war es für heute, meine lieben Leser. Ein langer Blog ist es geworden, ich hoffe, Ihr habt es bis hierhin geschafft! Solltet Ihr nach Norwegen kommen, besucht Trondheim auf alle Fälle! Ich bleibe nun ein paar Wochen in Oslo, bevor wahrscheinlich im Mai die Fähre nach Deutschland für einen kurzen Trip ablegt. Euch allen wünsche ich eine schöne Woche, lass es Euch gut gehen und habt einfach mal Spaß!

Meine Grüße gehen in dieser Woche an Imke und Kai in Hannover, ich drücke Euch und hoffe, dass ich Euch ein wenig zum Lachen gebracht habe.

Ha det,

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Fru Ella und ich

Ulrike

Brief an meine neue Heimat ODER 365 Tage in Oslo – Ein Rückblick

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Liebes Oslo,

wir haben heute Jubiläum. Du und ich. 365 Tage leben wir schon zusammen.

Ein ganzes Jahr.

Wow, oder?

Weißt du noch, wie wir vor einem Jahr hier ankamen? Es schneite und ich konnte es nicht fassen, denn in Frankreich hatte der Schnee schon im Dezember seine Sachen gepackt und sich verpieselt. Wir schoben unsere Koffer um den Bahnhof herum, auf der Suche nach einem Taxi. Kurze Zeit später kamen wir an Middelthunsgate 25C an. Unserem neuen Zuhause.  In der völlig leeren Wohnung haben Martin und ich uns angegrinst, froh, endlich hier zu sein.

Und dann ging es los und ich kann nur sagen, Oslo, dass du es uns leicht gemacht hast. Oder immer noch machst. Sprache, Menschen, Orte – alles war so schnell zugänglich.

Gleich in den ersten Tagen haben wir gemerkt, dass Englisch ausreicht, um sich in jeder Situation zu verständigen – na, da fiel mir ein Stein vom Herzen, das kann ich dir sagen. Schon war alles viel problemloser. Aber ich habe mich auch mit deiner Sprache angefreundet und nach wenigen Wochen kristallisierten sich aus dem „snögeldags“-Misch erste verständliche Worte heraus. Jubel!

In der ersten Woche führte mich mein Weg auch gleich in die deutsche Gemeinde, und Oslo, ich sage dir, das war eine gute Entscheidung. Ich stand etwas verloren im Gemeindesaal, wurde aber von Friedbert Baur gleich so herzlich begrüßt, dass alles gut war. Als hätte ich geahnt, dass die Gemeinde der perfekte Anlaufpunkt war, haben wir in den kommenden Monaten tolle Menschen kennengelernt. Nicht nur Deutsche. Auch Norweger, Österreicher, Dänen.   In der Gemeinde, beim Kinderbibeltag, in der Theatergruppe und in der Teestube. Viele Deutschsprachige leben hier und über die Zeit hatten wir zu manchen Kontakt. Deutscher Stammtisch, Goethe-Institut, und und und…..manche habe ich sogar hier über diesen Blog kennengelernt.

Oslo, dich zu erkunden macht Spaß. Ich weiß noch, unsere erste Tour mit der T-Bane Richtung Frognerseteren. Blick auf den Fjord, Sonnenschein und von oben ein genialer Blick über die Stadt. Also dich. Wunderschön. Bygdoy ist einer meiner Lieblingsorte geworden und im Sommer mit der Fähre  zwischen den Inseln zu fahren, ist ein großer Spaß. Deine Museen sind klein, aber nach 5 Jahren Frankreich und regelmäßigen Besuchen im Louvre und Musee d’Orsay wäre es unfair, dich mit anderen Städten zu vergleichen. Du bist eben keine Kulturhochburg, aber dafür….

HAST DU DIE KÖNIGSFAMILIE!

Oslo, ich sage dir, das war ein Jubel, als ich König Harald und Königin Sonja das erste Mal live gesehen habe. Wahrscheinlich hast du kopfschüttelnd in deine Vororte gelacht, als du die Deutsche gesehen hast, die am 17. Mai ganz aufgeregt vor dem Schloss hin- und hergesprungen ist, als sich die Türen am königlichen Balkon geöffnet haben. Aber du musst schon entschuldigen, es ist das erste Mal für mich gewesen und ich bin eben eine Klatschtante.  Am selben Ort habe ich auch das norwegische Geburtstagslied „Hurrah for deg“ gelernt, dass im Juli aus vielen Kinderkehlen Richtung Balkon gesungen wurde, um König Harald zu gratulieren. Siehst du, Monarchie bildet.

Gebildet hast du mich auch in den letzten 12 Monaten.  Oder sagen wir, erzogen. Zu mehr Ruhe. Es muss eben nicht alles hopphopp gehen und wer bin ich, dass ich mich gegen eine ganze Stadt wehren will? Machen wir die Sachen eben ruhiger.  Neue Lebensmittel hast du mir gezeigt und ja, ich mag Lefzen und NEIN, ich esse immer noch keinen Geitost, da kannst du machen, was du willst. Eines der schönsten Dinge, die du mir gezeigt hast, heißt „Winternacht in Rondane“:

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@Kemedinger2011

Ein wahres Wunder ist es, dass du mich zum Joggen gebracht hast. MICH! Das hast du sehr geschickt angefangen. Erst hast du mir die unzähligen Jogger über den Weg geschickt, die den Frognerpark stürmen, sobald das Wetter besser ist. Irgendwann kam ich mir beim Spazierengehen echt albern vor. Dann hast du mich beim Zentrumslauf zuschauen und mitjubeln lassen. Und da auf einmal: ZACK. Wollte ich laufen. Und habe durchgehalten. Auch wenn du meine und Martins Nerven in den kommenden Monaten strapaziert hast, denn, was du nicht wissen konntest: Ich bin nicht lustig, wenn ich Sport mache. Aber es wurde besser. Der erste 10km-Lauf war eine Herausforderung und du hast Ines und mich ganz schön mit deinen teilweise holperigen Waldwegen und zu engen Fußwegen geärgert. Aber trotzdem hat es Spaß gemacht. Und nun fange ich wieder an. Well done, Oslo, du hast mich sportlich gemacht!!

Also, für meine Verhältnisse.

Immerhin!

Chapeau.

Das vermisse ich oft in dir. Das Französische. Die Lebensfreude. Das „savoir vivre“. Du bist keine Genießerstadt. Du bist praktisch, bodenständig, konsumorientiert, effektiv – aber nicht romantisch oder lebensfroh. In dir kann man arbeiten und wohnen, aber das warme Lebensbauchgefühl bekomme ich, wenn ich an Paris denke.  Ma belle.

Das ist aber auch ein unfairer Wettkampf und wo Paris an Stimmung, Kultur und Lebensfreude gewinnt, gewinnst du ganz klar in:  Natur – direkt vor der Haustür! Deine umgebenden Wälder sind wunderschön, der Fjord und die Seen laden zum Baden oder Eislaufen ein und wer die Natur mag, wird sich in dir niemals langweilen.  Wie freue ich mich darauf, wenn im Frognerpark wieder die Bäume blühen und der Songsvann wieder eisfrei ist. Deine Lage ist einfach perfekt und immer wieder eine Freude!

Ich bin froh, dass ich hier lebe. Bestimmt nicht für immer, denn es gibt noch so viele Plätze auf der Welt zu erkunden, aber für den Moment sind wir hier und mögen dich.  Ich bin gespannt, was die nächsten Monate bringen. Aber für heute sei gesagt:

Oslo, lass die Korken knallen und uns anstoßen auf unser einjähriges Jubiläum!

Tusen takk, Oslo. Vi liker deg.

OsloeinJahr

Flieg, Severin, flieg ODER Ein Sonntag am Holmenkollen

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Ich hasse es, wenn ich verliere. Wer verliert schon gern? Sicher, es gibt diese charakterlichen Überflieger, die aufgrund jahrelanger Sonnenmeditationsgrüße und vierfarbiger Mandelas behaupten, es mache ihnen nichts aus zu verlieren.

Zu denen gehöre ich nicht.

Aber so überhaupt nicht.

Als Kind wurde ich wegen exzessiven Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett-Werfens von selbigem Spiel ausgeschlossen und ereiferte mich in lautstarken Streits aufgrund verlorener Kartenspiele. Beim Minigolf laufe ich Gefahr, wegen Sachbeschädigung der Bahn vom Platz verwiesen zu werden und eine Partie Schach mit mir treibt den charakterstärksten Pfeifenraucher in schiere Verzweiflung. Noch schlimmer als das eigene Verlieren ist aber das Mit-Verlieren, das Co-Verlieren, das „Mein-Gott-wie schwierig-kann-es-sein-gib-den-Ball-ab!“-Verlieren, das gerne im Wohnzimmer, auf einem Barstuhl oder auch live im Stadion passieren kann. Wie beispielsweise letzten Sonntag. Am Holmenkollen. Beim Hopp, wie das Skispringen hier genannt wird. Hopp! schrie ich den deutschen Springern entgegen. Stop! müssen sie verstanden haben.

„Dabei sein ist alles!“ lautet das sportliche Motto von Pierre de Coubertin, Vater der Olympischen Spiele der Moderne.

Bullshit.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedertreffen. Die Sonne scheint, die Ostertage stehen vor der Tür und die Laune ist gut. Bei mir wenigstens und ich hoffe, dass es Euch auch gut geht. Wie ich gehört habe, läutet mein Blog für manche von Euch das Wochenende ein. Das ist eine Ehre für den Blog und mich und wir starten sofort und nehmen Euch mit auf eine Zeitreise zum letzten Wochenende. Zieht Euch warm an!

Es ist Sonntag, 17. März 2013. Ich stehe ratlos vor einem Berg Anziehsachen und versuche ein vernünftiges Zwiebelsystem zu organisieren. Wollunterhose, Laufhose, Socken, Jeans? Oder lieber Laufhose, Wollunterhose, Socken, Jeans? Merinounterhemd oder nur langärmeliges Laufshirt? Sind die Wollsocken zu dick für die Stiefel? Wo ist meine Mütze eigentlich und warum, warum, WARUM laufen immer alle Wollsachen ein? Ich gebe mir den Titel „schlechteste Wollwäscherin der Welt“ und ziehe mich an. Wollunterhose zuerst. Was für ein Unterfangen und das alles, um zum Skispringen zu gehen. Ich versuche, kurz ärgerlich zu werden, aber ohne Erfolg.

WIR GEHEN ZUM SKISPRUNG! !! Hipphipphurrah!

Cool, wollte ich schon immer mal.

Mit klaren Daumendrück – Anweisungen aus mütterlicher Hand, machen wir uns auf den Weg zur T-Bane, die uns fast direkt zum Holmenkollen im Norden von Oslo bringen wird, dessen angrenzender Sportpark schon das ganze Wochenende Ziel von Sportfans verschiedenster Nationalitäten ist. Auf dem Bahnsteig in Majorstuen flattern an Rucksäcken oder in Händen norwegische, polnische, italienische und österreichische Flaggen. Wir sind bi-national mit deutscher und norwegischer Fahne ausgestattet. Kurze Zeit hatten wir überlegt, unsere komplette Fahnensammlung mitzunehmen, uns aber dann dagegen entschieden.

Nächstes Mal machen wir das, denn dann wären wir auf jeden Fall ins Fernsehen gekommen!

Aber das nur nebenbei.

Nicht, dass das irgendwie wichtig wäre.

Wer will schon ins Fernsehen? Oder sich selber auf dem riesigen Bildschirm im Stadion sehen?

Pff, also WIR nicht!

Wir haben auch nur so enthusiastisch in Richtung der Kameras gewunken, um uns gegen die Horden der polnischen Fans durchzusetzen.

Aus patriotischen Gründen sozusagen. Für Deutschland!

SCHLAND!!!

Wo war ich?

Ruter, der Nahverkehrsbetrieb hier in Oslo, hat Extrazüge eingesetzt, die ohne Halt von Majorstuen zum Holmenkollen fahren. Oben angekommen, begrüßt uns das Läuten von großen und kleinen Kuhglocken, die an einem neuaufgebauten Souvenirkiosk für Aufmerksamkeit sorgen.

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Schals, Flaggen in allen Größen, Kuhglocken mit norwegischer Flagge, Narrenkappen und warme Würstchen werden angeboten und das Geschäft boomt. Die Traube von gutgelaunten Skispringfans stoppt kurz, versorgt sich mit dem Nötigsten und weiter geht der Weg entlang der abgesperrten Straße hinauf zur Schanze. Es ist 12 Uhr, das Langlaufrennen der Frauen ist in vollem Gang, dementsprechend leer sind die Tribünen um die Holmenkollenschanze.

Gut für uns.

Die wichtige Frage lautet: Wo wollen wir hin? Nahe zum Auslauf, das heißt weiter unten auf den Stehplätzen mit der eventuellen Gefahr den Absprung nicht zu sehen? Oder weiter entfernt vom Auslaufbereich der Springer, dafür aber mit vollem Blick auf das Geschehen? Rechts von der Schanze oder links? In der Nähe der Toiletten oder lieber in der Nähe des Kiosks?

Fragen über Fragen. Macht ja nichts. Wir haben ja Zeit.

Nach mehreren unbefriedigenden Versuchen einigen wir uns auf einen Platz rechts von der Schanze mit Blick auf Auslauf und Absprung und beginnen Schnee und Eis von der Tribüne zu entfernen. Hier ist nichts geräumt. Eigentlich sieht die ganze Stehtribüne aus, als hätte sie keine Lust auf Zuschauer, als wollte sie uns sagen: „Tja, das habt Ihr davon, wenn Ihr günstige Tickets kauft!“

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Wir kratzen also Eis und bauen uns einen Sitz. Installieren unsere Flaggen, holen die Thermosflasche aus dem Rucksack und gucken uns um.

Meine Güte, ist das hoch.

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Mal ehrlich, wie verrückt muss man sein, von einer steilen Schanze abzuspringen, um dann so spät wie möglich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben? Irre. Aber wie gut, dass es Verrückte gibt, sonst hätten wir ja heute niemanden zum Anjubeln. Ich rekapituliere die Namen, die Skisprungfan Nr. 1 in unserer Familie, aka „Mutta“, per sms durchgegeben hat: Severin Freund, Andreas Wank, Michael Neumayer und Richard Freitag. Check. Die haben in Lahti das Teamspringen gewonnen und werden sich nun hoffentlich hier nicht gerade ausruhen. Obwohl der Gesamtsieger schon klar steht: Schlierenzauer ist Nr.1. Gut für ihn.

Ok, soweit all mein gesammeltes Wissen über Skispringen. Meine folgende Verwirrung wäre auch um einiges geringer gewesen, hätte ich mehr nützliches Skispringwissen gehabt. Ich sah mich nämlich auf der Tribüne um und stellte erstaunt fest, dass wir anscheinend nicht mehr in Norwegen waren. Sondern in Polen. Rotweiße Fahnen überall, „Polska“, „Krakow“, „Gdaǹsk“ in großen Buchstaben, neben mir rauchende polnische Männer mit ihren blondgefärbten Frauen in Feiertagsstimmung.

Hallo? Ist ja komisch.

Stellt sich heraus: Polen geht mit den erfolgreichen Skispringer, Kamil Stoch und Piotr Zyla, an den Start. UND: es leben viele Polen in Oslo. Ergo: Rotweißes Fahnenmeer.

Wieder was gelernt.

Langsam füllen sich die Ränge. Die pølser werden ausgepackt und auch die Sonne kommt langsam raus. Der Stadionsprecher übt schon mal das Anfeuern und begrüßt die internationalen Zuschauer in fünf verschiedenen Sprachen. Die Polen jubeln am lautesten; wir geben, was wir können.

Wo sind die anderen Deutschen? Verstreut ein paar Flaggen, aber verschwindend im Vergleich.

Nun wird es ernst. Die Kapelle der Königlichen Garde marschiert auf.

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Über die riesige Leinwand sehen wir die Ankunft von König Harald und Königin Sonja, die in der königlichen Kabine Platz nehmen. Der Kongsangen, das Königslied, ertönt, das dieselbe Melodie wie die englische Nationalhymne hat – irritierend. Die Köpfe der Zuschauer schnellen in den Himmel, wo Fallschirmspringer mit norwegischen Flaggen langsam gen Boden gleiten. Ein tolles Schauspiel. Der Stadionsprecher kündigt die norwegische Nationalhymne an, und angeführt vom Gardekorps, verfällt das ganze Stadion in  Ja, vi elsker dette landet.

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Naja, sagen wir das halbe Stadion.

Die internationalen Fans halten sich zurück und ich bin auch nicht textsicher.

Nun ist der Stadionsprecher wieder am Zug und kündigt die teilnehmenden Nationen an. Junge Skifahrer, ausgestattet mit den Fahnen der jeweiligen Nation, schießen, zum Jubel der Zuschauer, den Abhang hinunter. Krönender Höhepunkt: Eine junge Norwegerin in Tracht, die stolz die rotweißblaue Fahne schwingt und samt Bunad und Skiern am Ziel ankommt.

Und dann startet der Wettbewerb!

Davon brauche ich Euch nicht viel zu erzählen, denn den habt Ihr vielleicht live gesehen oder davon gelesen. Die weiblichen Skispringer haben uns am meisten begeistert, es war ihr erstes Springen auf der großen Schanze – ein historischer Augenblick und ein wahres Vergnügen. Wir jubelten uns für Melanie und Katharina die Seele aus dem Leib, aber es war die US-Springerin Sarah Hendrickson, die schließlich gewann.

Dann kamen die Männer und der Jubel stieg. Die deutschen Springer wurden von uns frenetisch angefeuert aber irgendwie sollte es nicht sein.

„FLIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEG SEVERIN (oder Richard, Michael, Andreas, Karl) , FLIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEG!

Nix.

Macht ja nichts.

Nicht schlimm.

Nee, ehrlich, verlieren ist ja nicht so schlimm.

*räusper*

WOZU WEDELE UND SCHREI ICH EIGENTLICH, WENN IHR KEINEN BOCK HABT ZU SPRINGEN?

WIE SCHWIERIG KANN ES DENN SEIN????

LOSFAHREN – ABSPRINGEN – FLIIIIIIIEGEN – SIEG!

Mal ehrlich.

Nächstes Mal, das sage ich Euch, da komme ich da hoch und dann feuer ich Euch da mal an und dann wollen wir doch mal sehen.

Ich bin erschöpft.

Am Ende gibt es einen Doppelsieg: Punktgleich teilten sich Schlierenzauer und Zyla den ersten Platz, bester Deutscher wurde Michael Neumayer auf Platz 10.

Noch vor der Siegerehrung machen wir uns auf den Rückweg, denn so toll die Livestimmung auch ist: In der eigenen Wohnung hat man weder kalte Füße noch stehen Schlangen vor der Toilette an. Also hinunter zur T-Bane und ab nach Hause.

Oder auch nicht.

Noch gefühlte 10.000 andere Zuschauer haben denselben Wunsch nach Hause zu kommen. Die Straße ist gerammelt voll, wir drängeln uns Richtung T-Bane-Station, die aber gar nicht zu erreichen ist. Nicht ums Verrecken stelle ich mich hier an oder steige mit all diesen Menschen in eine Bahn.

Never, ever.

Laufen wir also weiter die Straße hinunter. Und wir sind nicht allein dabei. Einziger Nachteil: Wir wissen nicht so ganz genau, wo wir hinlaufen und meine Blase spricht leise, aber energische Warnungen aus. Aber die anderen Leute gehen ganz zielstrebig, gehen wir also hinterher.

Ich erkenne plötzlich ein Schild wieder, das zum Zeltplatz Bogstad führt. Hier waren wir doch schon mal. Zum Skilaufen! Hier verkehrt ein Bus nach Majorstuen!! Freude!Und tatsächlich taucht vor uns die Bushaltestelle auf und die Wartezeit für den Bus sind schlappe 10 Minuten. Eine halbe Stunde später landen wir in Majorstuen und joggen Richtung Wohnung. Ich pelle mich aus meinem Zwiebellook und werfe mich durch die rettende Badezimmertür.

Was für ein Tag!

Das machen wir nächstes Jahr wieder.

Habt Ihr gehört, Severin, Richard, Karl, Michael, und wie Ihr alle heißt: Ich komme wieder. Und ich werde auch dann nicht gut verlieren können. Also….ÜBT!!!!!

Wie schwierig kann es denn sein?????

HOPP!

Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser! Gerade rief Martin an und, juchhee, wir fahren Anfang April für zwei Tage nach Trondheim. Mal gucken, was dort Spannendes auf mich wartet! Ansonsten freuen wir uns auf die Osterwoche und ein paar frei Tage. Die Kälte hat Oslo immer noch in ihren Krallen, aber die Sonne arbeitet dagegen und ich hoffe, der Frühling macht sich endlich auf den Weg! Nächste Woche haben wir einjähriges Jubiläum hier in Oslo, freut Euch also auf den 1-Jahres-Blog am kommenden Donnerstag!

Habt bis dahin eine schöne Zeit, macht Sachen, die Euch gut tun, setzt auch mal Zeichen und Grenzen und bekennt Euch zu Euren Schwächen!

Ha det bra

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Ulrike

Fünfzehn Freunde müsst Ihr sein! ODER Ausflüge in die norwegische Fjordwelt

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Schneeflocken, schon wieder. Ich kann sie nicht mehr sehen. Heißt es nicht immer aus Muttermund: Genieße in Maßen? Und richtet man sich als gehorsame Tochter nicht danach? Ich habe den Schnee in Maßen genossen. Nun ist genug.

Hallo???

Himmel???

ES REIIIIIIIIIIICHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Diese Woche war prall gefüllt mit neuen Erlebnissen und ich schlage vor, Ihr macht Euch einen Kaffee oder Tee,  holt die Kekse und macht es Euch gemütlich. Das kann dauern heute.

Ich warte so lange.

*aus dem Fenster guck*

*Schneeflocken die Zunge rausstreck*

Lasst Euch ruhig Zeit.

*pfeif*

*Nachrichten les*

(Sind sie wohl bald soweit? HALLO????? Ich hab auch noch andere Dinge zu tun!! Wie lange braucht man denn, um einen Kaffee und einen Keks zu holen? In der Zeit hätte ich eine ganze Wohnung renovieren können!)

Ah, da seid Ihr wieder.

Huch, ja, schön.

Ging ja richtig fix.

Willkommen also zu diesem Freitagsblog, der ein zentrales Thema hat: Fjorde.

Auf dem einen bin ich gewandert und durch den anderen bin ich per Boot gefahren.

Aber eines nach dem anderen.

Da der Winter ja irgendwie nicht enden will, sind auch noch Teile des Oslofjords und seiner Seitenarme gefroren. Zu einem echten norwegischen Winter hier in Oslo scheint zu gehören, dass man auf dem Fjord wandert. Nun bin ich von Natur aus eher, sagen wir, vorsichtig und hätte mich nie im Leben allein aufs Eis gewagt: hinterher verstehe ich die Schilder falsch und statt einer Wanderung fröne ich unfreiwillig dem Eisbaden. Rettung nahte in Gestalt von Christine, die nicht nur seit über 25 Jahren in Norwegen lebt, sondern auch das Fjordeis und alle Informationen darüber im Auge behielt und am Samstag verkündete, wir könnten eine Wanderung wagen.

Nun kann ich nicht genau beschreiben, was ich erwartet hatte, aber eins ist sicher: DAS nicht.

Das Ende des Eises war vom Ufer aus nicht zu sehen und zahlreiche Spaziergänger bevölkerten das Eis mit Skiern, Hunden oder Angeln. Kleine Tannenbäume wiesen den sichersten Weg und so wanderten wir los, dort wo im Sommer nur Boote oder Schwimmer zu finden sind. Ein fieser Wind blies,  sobald wir die schützende Uferzone verlassen hatten. Der Boden fühlte sich erstaunlich fest an, und ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass ja nun nicht gerade genau unter mir das Eis brechen würde. Ich meine, mal ehrlich, wie hoch sind die Chancen? Ich bin mathematisch nicht wirklich auf der Höhe, aber die Chancen fühlten sich verschwindend gering an.

Mitten in meine mathematischen Überlegungen zog der Duft von Waffeln.

Und Kaffee.

Es war Sonntagnachmittag, ich hatte weder Alkohol getrunken noch halluzinationsfördende Schmerzmittel genommen, trotzdem blieb es dabei: Waffelgeruch.

Mitten auf dem Fjordeis, geschätzte 500 Meter vom Ufer entfernt, stand ein Verkaufstisch samt rotweißgestreiftem Sonnenschirm. An diesem verkaufte eine junge Norwegerin Waffeln.

Ich war so froh, nicht verrückt zu sein!

Bald standen wir fröhlich kauend mitten auf dem Eis und bewunderten die Aussicht. Wir wanderten weiter über Bojen und Inseln, die nur im Winter zu Fuß erreicht werden können, grüßten Norweger beim Picknick und Sonnenbaden, erkundigten uns bei den Eisfischern nach ihren Fangerfolgen und versuchten uns warm zu halten. Nach zwei Stunden war die Fjordtour vorbei und ich kann nur jedem empfehlen: Macht das unbedingt auch mal!

Hier nun ein paar Fotos, eine Art Bildergeschichte sozusagen mit einem dicken Dank an Christine für die Bilder und die Idee.

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alle Fotos: @ChristineHöffgen

Oslofjord bei Sandvika

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„Ich rieche Waffeln!“

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Boje erobert! Nächstes Mal im Sommer!

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Zum Eisangeln unerlässlich!

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Petri Heil!

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Fjordtour Teil 2 – Lysefjord bei Stavanger

Am Montagabend ging es dann mit dem Nachtzug von Oslo nach Stavanger. Für mich das erste Mal, sowohl Nachtzug mit Bett als auch Besuch in Stavanger. Die Ölmetropole im Südwesten begrüßte uns am nächsten Morgen um 7.30 mit strahlendem Sonnenschein, was mich nach einer schlaflosen Nacht etwas milder stimmte. Mein Körper fand die Verbindung von Liegen und trotzdem in Bewegung sein derartig spannend, dass er sich die ganze Nacht darüber nicht beruhigen konnte und ich offenen Auges durch das nächtliche Norwegen ruckelte. Ich war müde.  Doch Stavanger rief und nach einem Besuch im Ölmuseum stand um 12 Uhr eine ganz besondere Tour auf dem Programm: Eine Bootsfahrt in den Lysefjord. Drei Stunden sollte die Fahrt dauern und 15 Menschen mussten sich mindestens finden, damit die Tour stattfinden würde.

Es war kurz vor zwölf.

Wir waren 11.

Linda und Scott aus Houston und ich überlegten, ob wir vier Norweger kidnappen und aufs Boot schleifen sollten, während eine andere Gruppe überlegte, einfach noch vier zusätzliche Tickets zu kaufen. Beide Pläne fielen durch. Um Punkt 12 erklärte der Kapitän die Tour für gecancelt, schwarzer Rauch steig sozusagen aus dem Ruderhaus und enttäuscht trollten wir elf Traurigen uns davon. Linda und Scott verabschiedeten sich Richtung Reedereibüro, um sich ihre Tickets erstatten zu lassen, ich beschloss,  eine tröstende warme Schokolade zu trinken. So ein Mist. Ich hatte mich so gefreut. Enttäuscht ließ ich mich auf eine der Bänke am Hafen fallen und tat mir mal kurz leid.

Plötzlich kam Bewegung auf den ruhigen Hafenplatz. Eine Gruppe von vier Frauen sprintete Richtung Wasser an mir vorbei und winkte aufgeregt dem Ausflugsschiff, das sich gerade vom Pier verabschieden wollte. „Stop! Stop! We wanna go to the Fjord too!“ Vier Frauen…..die zum Fjord wollten….

VIER!!!!!!

Wo waren die anderen? Ich blickte mich hektisch nach dem Rest der ehemals elf Freunde um. Waren sie etwa alle schon verschwunden?

Nein, da kamen sie angelaufen: Die drei Holländer mit den gewaltigen Fotoapparaten, die kleine Asiatin, die nicht gut Englisch sprach und gar nicht verstanden hatte, warum wir nicht aufs Schiff durften, die vier älteren Engländer und ich. Alle hatten noch Hoffnung gehabt und als dann die vier Frauen kamen….Der norwegische Kapitän hatte bereits wieder angelegt und den kleinen Steg ausgefahren.

Nun waren wir 13.

Wo waren Linda und Scott aus Houston?

„They went to the office, to get their money back!“ erinnerte ich mich und schon wollte sich ein gut gelaunter und sportlicher Holländer im Dauerlauf auf den Weg machen.

„Stop!“ rief der Kapitän. „I call the office.“

Das tat er auch. Kurze Zeit später kamen die beiden Texaner angejoggt und um zehn nach 12 saßen wir alle überglücklich an Bord und ließen die vier Amerikaner hochleben, deren spätes Erscheinen die Fahrt noch ermöglicht hatte.

Und dann ging es los. Griegs Peer Gynt begleitete uns auf der Fahrt und diese wunderschöne Musik vor der atemberaubenden Kulisse des Lysefjords zu hören – das war ein ganz besonderes Erlebnis. Die Sonne schien am wolkenlosen Himmel, die Kälte an Deck verschlug uns die Sprache und an manchen Stellen am Fjord schaukelte das Schiff so sehr, dass Fotoaufnahmen unmöglich waren. Auch hier lasse ich wieder Bilder sprechen, viel Spaß auf der Reise.

(Peer Gynt Morgenstimmung: http://www.youtube.com/watch?v=5SubzKYtNGE)

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Fjord1

Fjord3

Fjord4

Hengjane-Wasserfall

fjord5

Fjord6

Fjord7a

Preikestolen (hätte ich nicht erkannt, von oben sieht er ganz anders aus)

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Wow, oder? Ich war und bin zutiefst beeindruckt und verbunden mit der hübschen Stadt Stavanger wäre das eine Ecke in Norwegen, in der ich auch leben könnte!

Das war es schon wieder für heute, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser. Es war eine spannende Woche, die gestern  noch in der Premiere von Freund und Regisseur Uwe Cramer am Norske Teatret in Oslo endete. Für alle norwegischen Leser: Guckt Euch noch bis Ende nächster Woche „Over open avgrunn“ an mit einem großartigen Ensemble, angeführt von der wunderbaren Ane Dahl Torp.

Ich verabschiede mich für diese Woche für Euch natürlich nicht, ohne das Gewinnspiel von letzter Woche aufzulösen. Zwei Gedichte zum Thema Süßigkeiten tauchten in den Kommentaren zum letzten Blog auf. Hier sind sie nochmal zum Nachlesen:

Schon immer, wie zu allen Zeiten,
naschen Norweger Süßigkeiten.
Für Marzipan und Zuckerstangen,
besteht ein ständiges Verlangen.

Auch bei Ulli sind Mandeln sehr begehrt,
die sie mit Wonne sofort verzehrt.
Doch Schokolade tut es auch,
wenn nach Süßem schreit ihr Bauch.

Falls Ulli mit Süßem sich verwöhnt,
ist die Nougatcreme nicht verpönt.
Das Zeug trägt oft bei zum Glücklich sein,
und lindert Langeweil und klebt wie Leim.

@VolkerErnst

Wenn’s abends kurz nach Achte is’
und ich auf meinem Sofa sitz,
meldet sich mein gieriger Magen
um mir klar und deutlich zu sagen,
dass es jetzt Zeit für Schokolade sei
oder anderem süßen Allerlei.

Mit dem Hinweis auf meine Waage
sage ich ihm: “Kommt nicht in Frage”!!!

“Ja-nein-ja-nein” – der Kampf geht in die nächste Runde,
mir läuft schon das Wasser zusammen im Munde!!!!!!

Ich weiß, ich komme nicht dagegen an
und HOLE MIR SCHOKOLADE MIT MARZIPAN (hmmmmmmmmm……..) 🙂

@JuttaHimstedt

BRAVO!!!! Beide Gedichte haben mir so gut gefallen, dass sich Montag gleich zwei Pakete mit norwegischen Süßigkeiten auf den Weg machen!

Nun wünsche ich Euch allen ein tolles Wochenende, wir werden am Sonntag zum Skispringen an der Holmenkollenschanze gehen. Drückt die Daumen, dass das Wetter hält. Nächsten Freitag erzähle ich Euch davon.

Bis dahin lasst es Euch gut gehen, freut Euch am Unerwarteten, verliert nie die Hoffnung, erforscht die Sehenswürdigkeiten um Euch herum und tanzt endlich den Frühlingstanz!

Ha det bra og stor klem,

Fjord7

Ulrike