Taco Olé! ODER Ein gewöhnlicher Freitagabend in Norwegen….

@unspokenpictures

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An diesem Freitagabend werden wir etwas typisch Norwegisches machen. Angeln, sagt Ihr? Um 23 Uhr im See baden, wenn es noch hell ist, vermutet Ihr? Kransekake backen?

Nein, nein und nein.

Wir essen Taco!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Am Samstag gibt es Süßigkeiten, am Freitag gibt es Tacos – die norwegische Woche hat so ihre Eigenheiten. Als ich das erste Mal zum taco kveld eingeladen war, dachte ich, meine damaligen Gastgeber hätten einfach Lust auf mexikanisches Essen. Aber ich lernte gleich zwei Dinge an diesem Abend:

  1. Es gibt Kinder, die halten gefüllte Tacos für ein echtes norwegisches Essen.
  2. Tacos sind DAS Freitagabend-Gericht.
@dagbladet

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Warum gerade der Freitag „be-tacoed“ wird, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht weil es so eine gemütliche Sache ist, gemeinsam am Tisch zu sitzen und stundenlang weiche oder harte Maisfladen zu füllen. Man kann lange aufbleiben, da der Samstag ja für gewöhnlich ein freier Tag ist und der Freitagabend eine herrliche Gelegenheit, das Wochenende einzuläuten.

Tacos sind also gesellschaftsfördernd.

Außerdem darf jeder/jede am Tisch kreativ sein. In den verschiedenen Schüsseln auf dem Tisch finden sich Mett, Hühnchenstücke, Rindfleisch, Mais, rote Bohnen, Zwiebeln, Käse, rømme,  Taco Sauce, Salat, Paprikastücke und und und. Jeder Taco wird anders und schmeckt anders. Das Ganze dann noch mit den Händen essen zu können, gibt einen besonderen Kick.

Tacos fördern die Kreativität.

Es soll Taco-Anfänger geben, die ihren Maisfladen sehr ehrgeizig füllen (oder dazu von Profis angestiftet werden!). Das Resultat: Ein Anblick, der jede Comedyshow langweilig wirken lässt. Mit anfänglicher Lässigkeit wird die Taco-Fuhre vom Teller gehoben – es folgt die Erkenntnis, dass sie zu voll ist – diese wiederum wird gefolgt von aufflackerndem Ehrgeiz. Und dann wackelt der Fladen Richtung Mund – das Publikum hält den Atem an – der Mund öffnet sich und schiebt sich der wackelnden Fuhre entgegen, als……ZACK….der ganze Kladeradatsch mit einem Aufstöhnen der Zuschauer auf den Tisch fällt.

Tacos sind tolle Unterhaltungsmittel.

Da dass einer mir sehr nahestehenden Person passiert ist – *räusper* – hier nun ein brillianter Tipp, den ich….ähhh, die mir nahestehende Person…erst NACH dem Desaster bekommen hat. Statt den Maisfladen zu füllen und „Tacos“ zu machen, heißt die einfachste Art es zu essen:

Taco-Salat!

Einfach Fladen in eine Schüssel zerbröseln, alles andere hinterher werfen und essen. Schmeckt genauso und ist soviel einfacher!

Manche sehen in Tacos eine akzeptable Mischung aus gesunder Ernährung und Junk Food. Die scheinen einen anderen Einkaufszettel zu haben als ich. Das Einzige in meinem Kühlschrank, dass, bei großzügiger Betrachtung als „gesund“ durchgehen könnte, ist der etwas traurig blickende Eisbergsalat. Naja, immerhin machen wir es selber und könnten ja mehr gesunde Dinge hinein tun.

Tacos als gesunde Junk Food-Mahlzeit.

Ihr seht also (oder wisst es schon selber), dass taco kveld am Freitagabend eine echte Unterhaltung sein kann, bei der man hinterher auch noch satt ist. Ob Mexikaner ihre Tacos hier im Norden wiedererkennen würden ist zweifelhaft – ähnlich wie Chinesen, die in Deutschland ratlos vor Chop suey mit viel Sauce sitzen oder Italiener, die irritiert bei Peppes Pizza sitzen. Warum es gerade die Norweger sind, die sich zu Taco-Extrem-Liebhabern entwickelt haben, ist mir immer noch unklar. Aber es ist wie es ist.

Und es ist lecker 🙂

***

Das war es für heute, meine lieben hungrigen Leser. Im norwegischen Supermarkt finden sich ganze Reihen voller „Wir-machen-Taco“-Fertigpackungen und für die Feinschmecker ist das Internet voll mit Gourmet-Taco-Rezepten. Selbst der norwegische Starkoch Eyvind Hellstrøm hat sich dem mexikanisch- US-amerikanisch-norwegischen Kulturmix angenommen. Schaut selber mal nach!

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche mit leckerem Essen, viel Sommerspaß und guten Freunden.

Und zum Schluss gibt es noch spannende Neuigkeiten:

Der Blog goes live!

Im Herbst werde ich im Goethe-Institut Oslo eine Theater-Musik-Kuchen-Gute-Laune-Lesung mit alten und neuen Texten aus diesem Blog machen, begleitet am Klavier von Erik Gøthesen.

Super, oder???? Also ich freue mich total und schicke meine wöchentlichen Grüße an Jeanette Danzer mit riesigem Dank für die Einladung!

Sobald der Termin feststeht, sage ich Euch Bescheid. Momentan bin ich dabei, Texte auszusuchen und freue mich über Hilfe: Welche würdet Ihr gern mal live hören und sehen?

Es freut sich auf Kommentare und sagt

Ha det godt,

20150703_203514

Ulrike 🙂

(Na, posiert IHR mal irgendwie originell mit einer Taco-Packung!!!)

Eröffnung des Færder Nationalparkzentrums ODER Königin Sonja und ich am Ende der Welt!

„Na, dein Blog muss aber populär sein, wenn du hier mit uns Fotografen sein darfst.“ – „Ja, klar, der wird in über 30 Ländern gelesen!“, sollte ich sagen. Aber ich nicke nur, ohne aufzublicken.  Ich muss Prioritäten setzen. Und meine Priorität ist im Moment mit möglichst heilen Knochen am Aussichtspunkt anzukommen. In wenigen Minuten soll ich dort schließlich auf Königin Sonja treffen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. God fottøy, festes Schuhwerk, sollte ich zum Pressetermin in Verdens Ende mitbringen und das war ein guter Tipp.

Pressetermin hört sich gut an, oder? Ich hatte tatsächlich eine Akkreditierung für die Eröffnung des Nationalparkzentrums in Verdens Ende, dem Ende der Welt, bekommen und war darüber ähnlich erstaunt wie der oben zitierte Fotograf, mit dem ich gerade über die Felsenberge kletterte. Mit einem großen Juchzer hatte ich auf die entsprechende Email reagiert, sofort Martin informiert, der begeistert: „Roadtrip!“ jubelte, ein Auto organisierte und sich mit mir freute.

Mich hingegen plagten typisch weibliche (?) Gedanken. Praktischerweise am Freitagabend um 23 Uhr:

Was ziehe ich an???

Unten herum fiel die Entscheidung nicht schwer: „Festes Schuhwerk“ hatte ich. Aber alles darüber war ein großes Fragezeichen. Elegant? Leger? Sportlich chic? Gab es für die Presse überhaupt eine Art Dresscode? Ich meine, immerhin traf man auf die Königin und ich wollte ja nicht sofort aus dem Rahmen fallen. Ich grübelte und grübelte. Und nicht nur das: Ich googelte. Fand Bilder von anderen Gelegenheiten, bei denen die Königin auftrat wie aus dem Ei gepellt und von zahlreichen Presseleuten umgeben war, die in Schlips und Kleid ihrer Arbeit nachgingen.

Kleid und Wanderschuhe?

Nee, komm, jetzt mal ehrlich.

Am nächsten Morgen fiel die Entscheidung für schwarze Hose und blusiges Oberteil. Bei den Jacken konnte ich mich nicht entscheiden und nahm alle drei mit.

Wofür hat man ein Auto?

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Gedanken hätte ich mir, NATÜRLICH, sparen können, denn die versammelte Presse erschien in allen möglichen Kleidervariationen: Anzug und Krawatte plus Turnschuhe, Hemdblusenkleid mit Sandalen, Caprihose mit T-Shirt und Birkenstock.

Anzug und Krawatte war eine edle, aber schlechte Wahl für das wunderbare Sommerwetter, das am Samstag in Tjøme herrschte. Strahlender Sonnenschein begrüßte uns, als wir nach knapp zweistündiger Fahrt über die Parkplatzwiese am Ende der Welt hoppelten. Nervlich bereits etwas angeschlagen, denn Gesa fand Autofahren blöd und hatte dies sehr deutlich gemacht. Kaum raus aus dem Auto war ihre – und damit unsere – Laune wieder hervorragend und wir spazierten einen kleinen Pfad entlang Richtung Nationalpark. Und waren bei unserer Ankunft wieder begeistert.

DSCN4551

Der Færder Nationalpark (Broschüre in norw.) ist ein wunderschöner Schärengarten an der Südküste des Landes. Ich verbinde mit Schären, diesen kleinen und größeren felsigen Inseln, vor allem Sommer und Ferien – nicht, weil wir dort immer Urlaub gemacht hätten, sondern weil Ferien auf Saltkrokan meine jährliche Sommerbeginn-Rituallektüre ist. Und Pelle und seine Familie, Tjorven und ihr Hund Bootsmann leben inmitten des schwedischen Schärengartens. Und ähnlich wie beim Lesen des Buches strahle ich beim Anblick der norwegischen Schären mit der Sonne um die Wette.

Was für ein königlicher Tag.

Das gläserne Panoramarondell des neu zu eröffnenden Nationalparkzentrums liegt auf einer kleinen Anhöhe. Direkt davor eine kleine Bühne mit dem typischen roten Band, das später von Königin Sonja durchschnitten werden soll. Hier soll das pressemøte, das Pressetreffen, in wenigen Minuten stattfinden. Mit Kamera und Block bewaffnet mache ich mich auf den Weg.

Und werde plötzlich ganz nervös.

Na, also, sowas Blödes. Was soll das denn jetzt?

Ich drehe mich um, sehe Martin und Gesa winken und gleich geht es besser und die letzten Meter bis zur Terrasse erledige ich mit schwungvollem Selbstbewusstsein.

Die Presseeinführung ist kurz, nett und informativ. Mir wird erklärt, wie die Königin ankommt (mit dem Boot), wo die Presse dann sein wird (auf einem kleinen Felsvorsprung direkt über dem Hafen). Dann macht sich die Pressegruppe auf den Rückweg zur Terrasse (schnell), die die Königin dann wenige Minuten später erreichen wird. Dann folgt eine Rede des Bürgermeisters und die Königin schneidet das rote Band durch. Es folgen Gesang und Gedicht von Hanne Krogh. Während des Liedes verschwindet die Presse im Inneren des neuen Zentrums und klettert die Treppe hinauf zum Panoramaraum. Hier wird die Königin kurz darauf (im Gegenlicht) mit Bürgermeister und Architekt erscheinen. Während der (wahrscheinlich) interessanten Ausführungen des Architekten schleicht die Pressegruppe hinunter in die Empfangs-/Ausstellungshalle. Hier wird die Königin einige Minuten später das Künstlerduo Prestgaard/Andersen begrüßen, die für die Eröffnungsausstellung verantwortlich sind. Danach macht sich die Presse auf den Weg zum etwas entfernt gelegenen Aussichtspunkt („dort hinten der Felsen mit der Treppe“ – Äh, welcher Felsen? Hier sind doch nur….Egal, ich werde es später sehen.“). Die Königin wird dort kurze Zeit später auf zwei Kinder mit selbstgebastelten Drachen treffen. Um 14.10 verlässt die Königin Verdens Ende wieder mit dem Boot.

Ja, und so ist es dann passiert. Und alles lief gut: Ich schloss mich einfach „den Kollegen“, unter Führung des königlichen Hoffotografen, an, der ein untrügliches Gespür für das richtige Timing hatte und uns immer früh genug entweder irgendwo weg oder irgendwo hin lotste.

@UlrikeNiemann

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Und die Königin? Perfekt. Freundlich. Interessiert. Professionell. Und irgendwie doch ganz normal. Eine sommerlich gestimmte Menschenmasse aus Einheimischen und Touristen hatte sich an Verdens Ende versammelt, manche kamen per Boot, andere mit dem Klappstuhl unter dem Arm. Hier sang ein Chor, dort wurden Drachen gebastelt, ein Wikingerboot mit entsprechend gekleideter Besatzung lag am Kai. Als die Königin ankam, gab es ein großes Hallo und die Freude schien auf beiden Seiten gleich groß zu sein.

(Jaja, ich weiß schon, für die eine war es wahrscheinlich nur ein weiterer Termin, für die anderen eine willkommene Abwechslung des Alltags – aber die Königin wirkte, als gefalle es ihr gerade jetzt, gerade hier zu sein.)

Während wir den Berg Richtung Presseterrasse hinaufhechteten, spazierte die Königin, im Gespräch mit Bürgermeister John Martinussen, an den winkenden Besuchern vorbei.

Und kam immer näher.

Und immer näher.

Und dann war sie fast genau vor meiner Linse.

Coooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooool!

Versteht mich nicht falsch: Ich bin ganz professionell geblieben. Habe weder gewunken noch „Hipp hipp hurrah!“ geschrieen. Bin stehen geblieben, solange die Königin stand (obwohl die Gartenmöbel auf der Terrasse sehr gemütlich aussahen und die Rede des Bürgermeisters durch einen technischen Defekt für längere Zeit unterbrochen war), bin aus dem Weg gegangen, wenn die Profis Fotos gemacht haben und wirkte bestimmt total lässig.

Aber innendrin.

Innendrin ging es immer nur: „ Coool, da ist die Königin, die Königin, die Königin. Die KÖNIGIN!!!! Cooooooooooooooooooooooooooool!“

Ja. Ich bin so. Peinlich. Ein hoffnungsloser Fall. Ich sollte Tabletten nehmen.

DIE KÖNIGIN!!!!!!!!

Aber das eben nur innendrin.

Das Programm spulte sich weiterhin so ab, wie oben berichtet. Und die in Weiß-Pink gekleidete Monarchin zeigte sich interessiert und ignorierte die Presse. Auch das gehört wohl dazu. Nach dem Besuch des Zentrums machte sich die Pressegruppe auf dem Weg zum Aussichtspunkt.

Oh weh.

Dass Norweger ein anderes Verhältnis zum Wandern und dem Leben in der Natur hatten, war mir bereits bewusst. Aber wie anders es tatsächlich war, wird mir erst klar, als sich der gesamte Pressetrupp ohne zu zögern über Felsen und Findlinge und durch Gebüsche und Pfützen kämpfte, um zum vereinbarten Aussichtspunkt zu kommen. „Kämpfen“ trifft hier allerdings mehr auf mich zu, die stumm beobachtete, wie sich die Kommunikationschefin der Vestfold Kommune ohne zu zögern ihre Sandalen auszog und barfuß über die Felsen kletterte. Selbst der korpulente Hoffotograf schwitzte und kletterte ohne Kommentar.

Was die können, kann ich auch, nehme ich mir vor und schweige zu unserer Kletterpartie. Kein Wort wird dazu über meine Lippen kommen, beschließe ich, als ich keuchend, aber mit heilen Knochen, auf einer Riesenschäre ankomme.

Dann drehe ich mich um.

Und erblicke die Königin, die sich gerade auf den selben Weg macht.

In Ballerinas.

Da ist es mit meiner Beherrschung vorbei: „Die Königin geht den Weg, den WIR gerade gegangen sind??????? Das glaube ich nicht!!!!!“

(Jetzt mal im Ernst, sie ist 78 und in Ballerinas. – Da ist die Frage jawohl erlaubt.)

Oh. Oh.

Ich treffe auf peinlich berührte Ignoranz.

Nee, nichts da, Kollegen.

Ich wiederhole meine Frage.

Endlich erbarmt sich die Dame neben mir und sagt freundlich, dass, nun ja, die Königin eben eine sehr sportliche Frau sei, begeisterte Orientierungsläuferin und bekannt für ihre Mobilität.

78!

BALLERINAS!

Niemand versteht meine Irritation. Aber manche Blicke sind eindeutig: Spricht Englisch, schreibt für einen deutschen Blog und hat eine Kinderkamera. Sowas musste ja von ihr kommen.

HEY!

Ohne einen Schweißtropfen auf der Stirn kommt Königin Sonja samt Assistentin (heißen die Hofdamen oder Zofen oder….???), politischem Begleitgefolge und Parkführer auf dem Felsen an. Sie scherzt mit den beiden blumenkranzgeschmückten Mädchen, lauscht interessiert den Ausführungen über die Geologie der Schären und wendet sich schließlich für einige Minuten uns, dem Presseteam, zu.

Während die anderen schlaue Fragen stelle, konzentriere ich mich auf das Wesentliche: Ein halb-echtes Selfie mit der Königin zu ergattern.

HA!!

Tja und dann ist alles vorbei. Gemeinsam klettern wir alle den Weg zurück Richtung Nationalparkzentrum. Die Königin erhält ein Abschiedsgeschenk, lässt sich Blumen und Handtasche zurückgeben und begibt sich Richtung Hafen. Um 14.30 (20 Minuten zu spät!) verlässt das königliche Boot den Hafen von Verdens Ende.

Was für ein Tag!

Kurze Zeit später öffnet das Færder Nationalparkzentrum seine Türen für die Öffentlichkeit. Ich werfe einen letzten Blick über diesen wunderbaren Flecken Natur und nehme mir vor, bald wieder zu kommen.  – Auch ganz ohne königlichen Besuch.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Egal, ob Ihr auf Urlaub in Norwegen seid oder hier lebt: Lasst Euch den Nationalpark und die wunderschöne Schärenlandschaft am Ende der Welt nicht entgehen. Ich bin froh und dankbar, dass mir dieser tolle Samstag nicht entgangen ist und dass ich so nah am Geschehen sein konnte.

Wie soll ich das bloß toppen???

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, genießt den Sommer und falls der sich gerade versteckt: Eis schmeckt immer! Wir lesen uns wieder am Freitag, bis dahin,

ha det godt,

2015-06-28 22.00.07

Ulrike

Morgen werde ich….

…einen kurzen Spaziergang unternehmen.

Mit Königin Sonja von Norwegen.

HA!!!!!!!!

Tatsächlich habe ich die Presseerlaubnis erhalten, fahre morgen früh mit Martin und Gesa ans Ende der Welt und treffe (naja, beobachte aus der Nähe) die Königin beim Banddurchschneiden des neuen Nationalparkzentrums in Tjøme.

In der Kürze liegt die Würze, hier das Programm (Übersetzung folgt am Sonntag ;)…)

„Presseprogram

Åpning av Færder nasjonalparksenter
lørdag 27. juni på Verdens ende, Tjøme

Kl. 12.30 Frammøte
Akkreditert presse møter på framsiden av restauranten for orientering.

Kl. 13.00 Ankomst
Hennes Majestet Dronning Sonja ankommer i båthavna.

Dronningen blir ønsket velkommen av kommunalsjef/havneansvarlig Gunnar Rougnø, fylkesmann Erling Lae, ordfører John Marthiniussen og politimester Christine Fossen.
Blomsterbarn: Henrik Norheim Wrige (6 år) og Johanne Nordheim Wrige (4 år).
Følget spaserer opp til nasjonalparksenteret.

Pressen er tilstede i båthavna ved ankomsten og spaserer etter dronningen m/følge.

Kl. 13.10 Åpning av Færder nasjonalparksenter (ute foran restauranten)
Ordfører John Marthiniussen ønsker velkommen
Rådmann Christine Norum informerer om nasjonalparksenteret.
Åpningsseremoni
Fanfare v/ Kurt Evje
Dronningen gir sin signatur til bautasteinen
Hanne Krogh synger

Kl. 13.20 Omvisning i nasjonalparksenteret
Dronningen vises rundt i senteret av ordføreren, arkitektene Ola Roald og Guilio Torracchi.
I senteret vises utstillingen «Melankoli – et hav av plast». Kunstnerne Kari Prestgaard og Astor Andersen orientert om utstillingen.

Pressen er tilstede ved den første delen av omvisningen.

13.40 Spasertur i nasjonalparken
Dronningen og følget går en kort spasertur ut til et utsiktspunkt.

(Pressen går på forhånd, og er på plass når Dronningen ankommer utsiktspunktet. NB – ulendt terreng, gode sko er en fordel)

På utsiktspunktet møter Dronningen Anna Almquist og Neele Putz, begge er elever ved 5. trinn på Lindhøy skole.

Kl. 14.10 Avreise fra båthavna“

Sonntag berichte ich hier darüber.

Bis dahin, lasst es Euch gut gehen, ich übe mal knicksen.

Ha det,

Ulrike

Emails vom Königshaus ODER Ich weiß jetzt Bescheid!

@https://redders.files.wordpress.com

@https://redders.files.wordpress.com

So, wo bekomme ich denn jetzt einen Presseausweis her? Das kann doch nicht so schwierig sein: Immerhin ist mein Blog eine wöchentliche Berichterstattung aus Norwegen – da darf ich mich doch wohl mit ein paar journalistischen Federn schmücken. BRAUCHE ich überhaupt einen Presseausweis? Hm. Ich schreibe einfach mal ans Schloss.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit kurzem werde ich wöchentlich darüber informiert, was die norwegische Königsfamilie so unternimmt. Normalerweise hat das meine Mutter erledigt, die im fernen Deutschland erstaunlicherweise besser über Mette Marits Indienreise oder das Osterglocke-goes-wild-Kleid der Königin auf der Hochzeit von Carl Philip von Schweden informiert war. Nun hat mir aber Freundin Susanne erzählt, dass man sich direkt vom norwegischen Königshaus informieren lassen kann.

ECHT?

Toll, das wollte ich auch – nichts für ungut, Mama. Nach ein paar Klicks auf der Website des Königshaus war ich registriert. Und wartete.

Nachts träumte ich von einem uniformierten Herald, der auf einem Schimmel den Bogstadveien hinaufgaloppiert, das edle Tier dann vor der Sorgenfrigata 10a zum Stehen bringt, und mir – sich auf den Balkon schwingend selbstverständlich – eine Pergamentrolle mit königlichem Siegel überreicht, während das Ross unten auf der Straße das norwegische Königslied wiehert.

Stattdessen bekam ich eine email.

Auch schön.

Und eine unpersönliche noch dazu. Seufz. Unter der originellen Unterschrift „Neuigkeiten“ erfuhr ich also folgendes:

– In Schweden heiratet Carl Philip seine Sofia Hellquist in der Schlosskirche des Königlichen Schlosses in Stockholm (…wusste ich schon dank Mama.)

– Königin Sonja und Dänemarks Königin Margrethe eröffnen in Hardanger ihre erste gemeinsame Kunstausstellung. (Aha!)

– Kronprinz Haakon nimmt an der Verleihung des Europa Nostra Preises teil, da zwei Preise an norwegische Projekte gehen. (Ok.)

– und damit dem Kronprinz nicht langweilig wird, nimmt er am selben Tag an der Wiedereröffnung des Oslo Governance Centers teil. (Ok.)

Dann folgten die Termine für die Presse:

– am 17.6. eröffnet Kronprinz Haakon eine neue Ausstellung im Bergmuseum in Lom. (Da bin ich mit Gesa beim Kindersingen – das passt also nicht. Die könnten ihre Termine ja auch mal mit mir absprechen. Aber das kennen wir ja schon.)

– am Samstag, den 27. Juni, eröffnet die Königin um 13 Uhr offiziell das Færder Nationalparkzentrum in Tjøme.

Oha!

Das passt! Nachmittags habe ich Zeit!

Und dann auch noch in Tjøme am „Ende der Welt“ – dort ist es so schön. Die Presse ist aufgefordert, sich bis zum 24. Juni um 15 Uhr unter einer bestimmten Emailadresse zu akkreditieren.

Das mach ich! Da will ich hin! Das wäre doch mal ein Blog!

Ich klicke auf einen weiterführenden Link und erfahre, dass die Königin gegen 13 Uhr am Nationalparkzentrum ankommen wird, einen Spaziergang über das Gelände unternimmt und dabei, unter anderem, ein paar Kinder trifft, die vormittags Drachen gebastelt haben.

Das Königshaus empfiehlt der teilnehmenden Presse „godt fottøy“, also gutes Schuhwerk, wenn sie die Königin auf dem Spaziergang begleiten wollen.

Hm. Ob meine Wanderschuhe gut genug für einen Termin mit der Königin sind? Vielleicht sollte ich besser neue kaufen.

Ein Termin mit der Königin UND neue Schuhe kaufen??

Super!!!

Bis um 12.30 soll die teilnehmende Presse vor Ort sein und sich dafür vorher beim fylkesmann (Google übersetzt: Bezirksgouverneur) im Vesthold anmelden.

Das mache ich doch glatt, da melde ich mich als internationale Presse an, das wird doch super! Ich werde Euch nächste Woche informieren, ob es geklappt hat, oder ob Bezirksgouverneur Reidun Mangrud vor Lachen vom Stuhl gefallen ist.

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Genug vom Königshaus, rufen die einen. MEHR vom Königshaus, fordern die anderen. Na, mal sehen, nächste Woche berichte ich entweder über den norwegischen Fußball oder koche mal wieder etwas typisch Norwegisches.

Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal an alle Au pairs hier in Oslo (besonders an Jana, Maria und Nora) , die sich langsam auf den gedanklichen und bald auch realen Rückweg nach Deutschland machen. Genießt die letzten Tage!!

Mit königlichen Grüßen verabschiede ich mich ins Wochenende, wünsche uns allen ein paar schöne Tage mit Sonne, netter Gesellschaft, gutem Essen und viel Lachen.

Ha det,

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(…ich schicke einfach Gesa vor, dann fragen die nicht mehr nach einem Presseausweis ;)….)

Ulrike

Konsumentennähe ist wichtig ODER Meine Kuh heißt Beyoncé!

mit-der-kuh-kuscheln

Ein Liter Vollmilch, ein Liter Leichtmilch, ein Liter extraleichte Milch, ein halber Liter Vollmilch und ein halber Liter leichte Milch. Der Kassierer im Supermarkt blickt etwas irritiert auf meinen laktosehaltigen Einkauf, wirft dann einen Blick in den Kinderwagen und zieht seine eigenen Schlüsse. Dabei kaufe ich die Milch nicht wegen der Milch. Ich kaufe sie wegen der Bilder!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich bin jemand, für den es sich lohnt, Produktpackungsschreiber zu sein – falls es diesen Beruf gibt. Ihr wisst schon, diese werbeähnlichen Texte, die auf die Verpackungen gedruckt werden. Ich lese die, jawohl! Beispielsweise auf dem Klo. Dort kann einem manchmal langweilig sein. In diesen Fällen schnappe ich mir die erste verfügbare Verpackung und beginne, mich zu informieren. Ob Kontaktlinsenmittel, Zahnpasta oder Bodylotion – ich lese alles.

Jeder hat seine Abgründe.

Gestern Morgen war mir beim Frühstück langweilig. Die Zeitung hatte ich gelesen, mit dem Essen war ich fertig – nur Gesa kaute noch voller Hingabe an ihrem Brot. Ich beschloss noch einen Kaffee zu trinken, griff zur Milchpackung und erblickte Beyoncé.

Nein, nicht die:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/11/Beyonce_-_Montreal_2013_(3)_crop.jpg

Die:

20150605_113647

Also, eine Kuh namens Beyoncé MUSS man interessant finden, deshalb las ich weiter: „Das ist Beyoncé – einer der vierbeinigen Superstars auf dem Øvre Stengelsen Bauernhof. Hier können die Milchkühe im Sommer und Winter nach draußen gehen und die beste Nahrung genießen, die die Natur zu bieten hat. Das Resultat ist berühmt: Frische Milch direkt aus Alta.“

Meine Langeweile war wie weggemuht. Ich suchte nach weiteren Infos über meine Kuh, fand auf der anderen Seite des Literpacks aber stattdessen ein Bild der Bauernfamilie. Noch besser! Die Milchbauern Sigurd und Ingrid, so lernte ich, betreiben den Øvre Stengelsen Bauernhof mit ihren Töchtern. Wie schön! Da scheint Beyoncé in guten Händen zu sein. Sogar Besuch bekämen die Kühe, lese ich, von Schul- und Kindergartenkindern.

Ich will auch!

Am Mittag im Supermarkt entdeckte ich, dass die große norwegische Milchfirma (die ich jetzt nicht nenne, weil alle sonst denken, ich bekäme Werbegelder) – diese Milchfirma also bietet verschiedene Milchsorten an.  Vollmilch, Leichtmilch, extra leichte Milch…

(Mir fällt ums Verrecken der richtige deutsche Begriff nicht ein. „Leichtmilch“?? Hört sich falsch an. Im Norwegischen heißt es zwar auch lettmelk, aber wie heißt es im Deutschen???….Tja….es fällt mir nicht ein und Google lässt mich im Stich…es bleibt also bei Leichtmilch…albern….LEICHTMILCH…dusselig….pff….weiter im Text…)

Leichtmilch, Vollmilch, extra leichte Milch werden also in Literpackungen angeboten; lettmelk und Vollmilch auch in Halbliterpackungen.

Ob wohl auf allen Packungen Beyoncé zu finden ist?

Oh nein!

Zu meiner großen Freude entdeckte ich, dass jede Milchart andere Bilder und Texte hat!

Super!!!!

(An diesem Punkt stockte ich und nahm mir vor, mehr raus zu gehen. Ich brauche anscheinend Abwechslung. Und zwar schnell!)

Ich packte also von jeder Milchart eine Packung in den Korb, verwirrte den Kassierer und lernte Zuhause kennen:

– Jakob und seinen Großvater Per Arne vom Opsahl-Hof in Roa, den die Kühe besonders gern mögen (fast so gerne wie den Klee und die Wiesengräser),

– Kari Sofie vom Hof in Tingelstad, die gern mit Kühen schmust,

– den von Holunderbüschen umrahmten Hof in Nordre Bjørge, auf dem die braune Kuh Lotta aufwächst,

– und Bjørg Irene, die sich beim Sommerjob in Alsetaunet nicht nur in die Natur sondern auch in den Bauern verliebte – und blieb.

20150605_113523

Begeistert saß vor meinen vier Litern Milch. Und fragte mich dann:

Was mache ich bloß damit?

Leider gibt es in Norwegen keine H-Milch.

Egal, es hat sich gelohnt, um einige der hochsubventionierten norwegischen Milchbauernhöfe kennenzulernen. Ich danke Beyoncé, Hjertros, Lotta, Stina, Svartlin und allen anderen Kühen für die Milch – und Euch, meine lieben Leser, naja… für’s Lesen eben!

***

Das war es schon für heute. In einem Land, wo Kühe auf Matratzen schlafen, beschmust werden und auf unendlich wirkenden Weiden grasen können, muss die Milch ja gleich viel besser schmecken! Meine veganen Leser bitte ich das Thema übrigens zu entschuldigen – ja, ich weiß, warum Kühe immer Milch geben und nein, das finde ich bei näherem Nachdenken nicht in Ordnung. Aber die Verpackungen waren trotzdem ein Spaß zu lesen!

Ich wünsche uns allen eine tolle Woche – der Sommer hat es nach Oslo geschafft, mal sehen, wie lange er bleibt. Hier sind alle in sommer avsluttning-Stimmung, eine Abschieds- und Abschlussparty jagt die nächste. Kein Wunder, dass alles etwas größer gefeiert wird: Die Sommerpause geht von Ende Juni bis Ende August.

Ob die Kühe wohl auch Sommerferien bekommen?

Hier in Norwegen würde es mich nicht wundern.

Ha det bra,

2015-06-11 21.05.58

Ulrike

Heute wird sich mal Luft gemacht ODER Jeder bitte nur ein Kreuz!

Manchmal, da muss man sich Luft machen. Das tut gut, reinigt Körper und Seele und hinterher lässt man sich mit einem erleichterten Seufzer auf’s Sofa fallen. Oder einen Stuhl. Naja, was Ihr eben so habt. Oder man. Oder ich. Also, los geht’s:

*Räusper*

*Luft holen*

*Brüllen*:

WEM ES HIER IN NORWEGEN NICHT GEFÄLLT, DER SOLL DOCH EINFACH GEHEN!!!!!

Herregud!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Wir Deutschen sind ein Volk von Meckerern und Besserwissern, das ist nun einmal so, da können wir nichts zu, das ist genetisch und Schluss. Es bedeutet aber nicht,  dass ich es auch gern um mich habe.

WER hat schon gern Gemecker um sich herum?

Wie schon oben gesagt, tut es gut, sich Luft zu machen. Nur im Roman gibt es perfekte Orte voller Glück. Hier, in der Realität, müssen wir uns eben arrangieren. Selbstverständlich hat jeder das Recht auf Kritik. Ohne Kritik gäbe es keine Veränderung. Aber zwischen konstruktiver Kritik und partypupsendem Rummeckern liegen Welten. Und wenn ich dann in Norwegen, wo uns (fast) allen die Sonne aus dem Hintern scheint, mit Gemecker über eben dieses Land konfrontiert werde – da bin ich irritiert. Und zwar sowohl im deutschen als auch im (etwas anders geschriebenen) norwegischen Sinn, wo irritert „gereizt“ bedeutet. Gereizt und irritiert lausche oder lese ich also von Nicht-Norwegern. Die hat anscheinend eine böse Fee in dieses schreckliche Land hier im Norden getrieben. Und da sitzen sie nun, unglücklich, meckern an allem herum und verpesten die Luft.

Zu teuer sei es hier, die Norweger zu unfreundlich, die Sprache zu schwierig, das Wetter zu schlecht. Das Essen ungenießbar, die Supermärkte leer, unter 21 gibt es keinen Alkohol und Hallo, was ist los mit diesen bekloppten Abiturienten? Überall schreien Kinder, die werden übrigens auch nicht richtig erzogen und was wollen überhaupt die ganzen Schweden und Polen hier? Im Fernsehen läuft nur Schrott, im Theater ist alles langweilig, Oslo ist nicht zu vergleichen mit anderen Hauptstädten und wieso gibt es hier so viele Deutsche? In den USA/Frankreich/Deutschland/Spanien/(bei Bedarf weitere Länder einfügen) war und ist alles besser, dort sind alle freundlich und das Leben lebenswert. Die Norweger diskutieren nicht und sind unhöflich, Männer lernt man hier nur kennen, wenn sie betrunken sind, außerdem halten Norweger sich für was Besseres. Die Müllsortierung ist ein Witz, Oslo hat nur ein Freibad und das Essen besteht aus Salz. Die Politik ist arrogant, die Monarchie überflüssig, die Steuern sind zu hoch, die Berge zu niedrig und wo – bitte schön – ist eigentlich der Strand?

IHR seid erschöpft vom Lesen?

Na, fragt mich mal. Die Sätze habe ich teilweise in sozialen Medien gefunden, in Kommentarfeldern verschiedener Zeitungen oder ich habe sie live gehört (manches war für meine Ohren, anderes habe ich erlauscht. Macht ja nichts.)

So, nun überlege ich:

1. Hat Norwegen alle Flughäfen, Bahnhöfe oder Häfen geschlossen?

Nein.

2. Hat die norwegische Regierung Ausländern die Ausreise verboten?

Nein.

– Streiken die Bahn, der Flughafen oder die Fähranbieter?

Nein, im Moment nicht.

Na, das sind doch gute Neuigkeiten für alle Mammut-Marathon-Meckerer!! Denn jetzt kommt mein unglaublich toller Vorschlag:

HA DET!!

TSCHÜÜÜSS!!

Reisende soll man nicht aufhalten!

***

So, jetzt habe ich mir Luft gemacht. Hach, das war prima. Versucht es doch auch mal.

Ich wünsche Euch allen ein tolles Wochenende, betrachtet das Leben mal wieder aus einer anderen Perspektive, versucht zu ändern, was Ihr nicht mögt und schätzt, was Ihr habt.

Ha det,

Neue Perspektive...

Neue Perspektive…

Ulrike

Von Frühstücksbuffets, sitzenden Königen und warnendem Gewissen ODER Es ist Nationalfeiertag!

dagbladet.no

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Ich esse nie wieder etwas. NIE WIEDER. Mein Hosenbund ächzt, mein Magen schließt wegen Überfüllung und mein Gewissen nervt: „Und ich sage noch, dass du das Stück Kuchen nicht essen sollst – nach all den Würstchen!“ – Alle Jahre wieder. Willkommen zum 17. Mai!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Mai hat es feiertagstechnisch in sich, aber da wir am 1. Mai nicht demonstrieren und am 14.5. nicht betrunken unterm Bollerwagen lagen, konnten wir am norwegischen Nationalfeiertag alle Kräfte nutzen. Der „syttende Mai“, wie er hier heißt, ist ein riesiges Volksfest mit Parade und wir haben ihn dieses Jahr ganz traditionell gefeiert. Oder sagen wir, wir haben uns bemüht, ihn ganz traditionell zu feiern. Langjährigen Norwegenbewohner oder riktige nordmenn erlaube ich hiermit die offizielle Kritik im Kommentarfeld!

Es begann mit einem köstlichen Frühstück um 10 Uhr – pünktlich zum Start der Parade live auf NRK 1, dem größten norwegischen Fernsehsender. Während auf der Karl Johans gate die Königliche Garde exerzierte und Waffen schwang, schwangen wir Besteck und Weingläser. Auf einer – selbstverständlich mit den norwegischen Farben – geschmückten Tafel warteten Rührei, Lachs, Roastbeef, Kartoffelsalat, Brötchen, Käse, Erdbeeren, Blaubeeren, Himbeermarmelade und ein gut gekühlter Weißwein. Ich liiiiebe Brunch/Frühstück/17. Mai-Buffet, vor allem, wenn am Ende der Kransekake aufgetischt wird.

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Glücklich mummelnd verfolgten wir den Auftritt der Königsfamilie auf dem königlichen Balkon. Der Osloer Himmel war grau, die Temperaturen kühl und statt in bunad, der norwegischen Tracht, präsentierten sich Königin Sonja und Kronprinzessin Mette-Marit in Trenchcoat und Hut. Erstmalig standen den königlichen Vielwinkern dieses Jahr Stühle zur Vefügung – naja, ok, das Königspaar ist nicht mehr jung und das Kronprinzenpaar anscheinend schon vom frühmorgendlichen Kinderumzug in der Heimatgemeinde geschwächt. (Unter uns: Elizabeth II. hätte gestanden. Da ist die knallhart. Aber gut. Schwamm drüber.)

Die Kinder jubelten immer noch der, mittlerweile sitzenden, royalen Gruppe zu, als wir unser Frühstücksgelage beendeten und beschlossen, ebenfalls zum Schloss zu wandern. Von uns aus geht man nur eine Viertelstunde, die Parade hatte gerade mal 31 von 106 Schulen hinter sich, da hatten wir noch genug Zeit. Zur Feier des Tages trug Martin Krawatte, ich Jackett und Gesa ihr rotweißgepunktetes Taufkleid – außerdem schmückte die norwegische Flagge den Kinderwagen und zwei rot-weiß-blaue Rosetten unsere Jacken. Am 17. Mai durch die Stadt zu gehen ist auch ein Sehen und Gesehen werden. Hübsche Norwegerinnen in wunderschönen Trachten spazierten an uns vorbei und auch mancher Mann hatte sich in die Tracht seiner Heimatregion geworfen. Obwohl, laut norwegischem Freund Magnus, sollte man das mit den Trachten nicht so ernst nehmen.

Ich dachte immer, es wäre ungeschriebenes, aber nicht weniger harsches, Gesetz, dass man nur die Tracht seiner „Heimat“ tragen dürfte. Was aber, so die berechtigte Frage, wenn die Tracht aus der Heimatregion eher nicht so attraktiv ist? Nun kann man ja niemandem eine hässliche Tracht aufzwingen. Die Lösung sieht so aus: Entweder man hat dann eben keine Tracht oder man schafft sich eine mehr oder weniger schwammige Verbindung zu einer Region mit akzeptabler Bekleidung: „Die Mutter des Onkel meines Schwippschwagers kommt vom Nordfjordklar, dass ich auch diese Tracht trage!“

Auch meine wohlüberlegte Vorsicht, ob und welche Tracht Ausländer am 17. Mai tragen dürften, wurde als zu ernsthaft bewertet. Auf jeden Fall, da bin ich sicher, darf Gesa mit gutem Gewissen die Tracht der norwegischen Hauptstadt tragen – schließlich ist sie hier geboren.

Am Schloss angekommen, warfen wir einen ersten Live-Blick auf den königlichen Balkon, Gesa schäkerte in der Zeit mit der NRK-Moderatorin, die in einem abgesperrten TV-Bereich nahe der Parade saß. Mit lautem Getöse und einem sehr motivierten Musikzug wanderten die Schüler der…äh….was soll das hier heißen?….ich kann meine Notizen nicht lesen. Mal wieder! Also Schüler einer norwegischen Schule zogen winkend und „Hipp hipp hurra“-rufend im Paradezug an uns vorbei. Der jährliche Umzug ist schön und bunt und fröhlich – aber nach ca. 15 Minuten etwas langweilig. Es sind dann eben doch immer nur Kinder in diversen Outfits und die sie begleitenden Erwachsenen. Aber für diese 15 Minuten finde ich es immer wieder toll und jubele begeistert mit!

Um uns herum knipsten Touristen unzählige Bilder (einfach zu erkennen an der so gar nicht festlichen Kleidung), in Trachten gehüllte 20jährige Norwegerinnen schwenkten Bierdosen und Kinder schleckten glücklich am obligatorischen Festtags-Eis. Die Stimmung war am Kochen! Trotz der Menschenmenge trafen wir gleich zweimal auf bekannte Gesichter – das ist dann wieder typisch Oslo, dachten wir, und einer der Gründe, warum uns die Stadt gefällt.

Der Weg zurück nach Hause war bereits mit einigen Bierleichen gepflastert. Ich kann ja so richtig fies gucken – und mein Mörderblick galt vor allem den jungen, besoffenen Mädchen, die mir entgegengetorkelt kamen.

Nicht, dass die das in irgendeiner Weise interessiert oder gestört hätte.

Macht nichts, mir hat es gut getan.

Genauso gut, wie das Krone-Is, Schokoeiswaffel mit Vanilleeis, das wir uns natürlich holen mussten, um den Feiertag stilgerecht zu begehen.

Da wir ja so lange nichts gegessen hatten, wurden zurück am heimatlichen Tisch erstmal pølser og lompe serviert. Was wäre ein 17. Mai ohne das norwegische Nationalgericht? Mittlerweile war unsere Tischrunde gewachsen, von unseren Bäuchen ganz zu schweigen und bis auf Gesa zeigten alle langsam Ermüdungserscheinungen. Also wieder raus – diesmal eine Runde in den Frognerpark.

Wie herrlich ruhig war es hier! Was für eine nette Abwechslung zum Getöse am Schloss!

Zurück am Tisch im heimatlichen Wohnzimmer taten wir was?

Essen – na, sicher! Diesmal Claudias 17. Mai – Pavlova, superschön anzusehen und noch besser zu essen.

Foto: Magnus Andersen

Foto: Magnus Andersen

Nach dem zweiten Stück schaltete mein Körper den Alarm an. Aber es ist doch so lecker, argumentierte ich! Genug für heute, rief mein Körper. Widerwillig gab ich mich geschlagen, verabschiedete müde den lieben Besuch, die letzten Kräfte reichten gerade noch zum Aufräumen, dann fielen wir aufs Sofa und ich dachte nur noch:

Ich esse nie wieder etwas. NIE WIEDER!

Same procedure as every year!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Für alle in der Ferne: Kommt doch auch mal zum Nationalfeiertag nach Norwegen! Oder habt Ihr in der Ferne gefeiert? Und für alle im Lande: Wie sah Euer syttende mai aus? Erzählt doch mal!

Ich wünsche Euch allen ein schönes Pfingstfest, eine tolle Woche und immer einen Grund zum Feiern.

Ha det godt,

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Ulrike

Das Norwegische Maritimmuseum auf Bygdøy ODER Chill out unter Wasser…..

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Eine riesige Qualle schwimmt links an mir vorbei und erinnert mich an eine Braut im weißen Kleid unter Wasser. Rechts wächst eine Seeanemone in rasender Geschwindigkeit, während über mir ein Buckelwal singt. Entspannung pur. Hier bleibe ich – für immer. Genau hier auf diesem unglaublich gemütlichen Liegesack mitten im Norwegischen Maritimmuseum.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen als Freund Kai vorschlug, das ehemalige Seefahrtsmuseum, das heutige Norwegische Maritimmuseum, auf Bygdøy zu besuchen. Ich bin ja ein Freund von Museen – aber eines voller Schiffe?? Na, guuuuuuut……

Boy, was I wrong! Statt Langeweile bot mir das Museum multimediale Unterhaltung, interessante Architektur (die das Draußen auch nach Drinnen holte), spannende Geschichten und sogar einen Topf voller Gold! Von dem elektrischen Aquarium mit Liegeplätzen ganz zu schweigen. Ich kuschele mich noch tiefer in den Liegesack und lasse unseren Besuch im Museum Revue passieren.

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Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn man sich nicht so sehr für Schifffahrt interessiert. Die verschiedenen Ausstellungen über Oslo als Hafenstadt, Geschichte der Kreuzfahrt, Tätowierungen norwegischer Matrosen, Norwegen als Seehandelsmacht, Tiere auf Schiffen und die Entwicklung der Seefahrt sind wirklich spannend. In manchen Räumen kann angefasst und mitgespielt werden – auch wenn wir nicht alle interaktiven Spiele wirklich verstanden haben.

Zu empfehlen ist auch der Panoramafilm, der seine Zuschauer im schwindelerregenden Flug die norwegische Küste entlang führt.

Und wer sich selber im Museum erleben will: Die 24-Stunden-Webcam in der ersten Etage kann zurückgespult werden. Also, am Tag vor dem Besuch mit der Fornebufähre am Museum vorbeifahren, am nächsten Tag ab ins Museum und sich selbst winkend auf der Fähre beobachten!!!

Ich ziehe also meine Bedenken zurück und bekenne mich als neugewonnener, großer Fan des Norwegischen Maritimmuseums!

***

So, das war es für heute! Wir genießen jetzt die wunderbare Frühlingssonne mit Gesas Patenteam. Die Taufe war ein großes Erlebnis und eine große Freude – nun wird es wieder ruhig in Oslo und morgen sind dann alle lieben Gäste aus Deutschland abgereist. Toll, dass Ihr da wart! Und toll, dass unsere Freunde hier in Oslo noch da sind – dank Euch allen war die Taufe einfach super!

Euch allen wünsche ich ein tolles Wochenende – hier ist am Sonntag Nationalfeiertag und wir werden „Hippp hipp hurra“-rufend die Parade vorm Schloss beobachten. Wenn Ihr auch hier in Oslo seid, schickt mir doch Eure besten Fotos vom 17. Mai und wir machen nächste Woche eine Collage 🙂

Ha det bra,

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Ulrike

Der Mai ist gekommen – und der Blog macht Pause…

Kurze-Pause

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und treffen in diesem Fall den Blog. Ein Kurztrip nach Hildesheim, um die Konfirmation von Lisa zu feiern wird gefolgt von unserer ersten großen Feier als Familie hier in Norwegen: Gesas Taufe. Der Blog und ich verabschieden uns darum bis zum 15.5.! Habt eine tolle Zeit, genießt den Frühling, feiert mal wieder mit Euren Familien und habt einfach Spaß!

Ha det,

Ulrike

Fotosafari Oslo Teil 5: Aker Brygge und Tjuvholmen ODER Wo Touristen und Yuppies sich treffen…

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Als Justin Bieber bei seinem letzten Besuch in Oslo im „The Thief“ übernachtete, musste die Polizei das Viertel absperren – zu viele kreischende Teenager waren auf der Jagd nach ihrem Idol. Ansonsten geht es gesittet zu in Tjuvholmen. Der neueste Stadtbezirk Oslos ist bekannt für moderne Architektur, moderne Kunst und moderne Menschen, die ihre gutgefüllten Brieftaschen in den zahlreichen Restaurants und Bars zücken. – Gucken und flanieren ist aber selbst auf Aker Brygge und in Tjuvholmen umsonst: Auf geht’s!!!

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Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Der Frühling ist mit wunderbarer Sonne und fast sommerlichen Temperaturen in Oslo angekommen. Im Frognerpark beginnen die Bäume zu blühen, die Terrassen der Bars und Restaurants werden entstaubt und hinter unserem Haus baut sich ein Elsterpaar ein Nest. Das schöne Wetter muss man nutzen, dachte ich, und wanderte mit Gesa und Freund Christian auf Fotosafari durch Tjuvholmen und über Aker Brygge.

Früher Teil eines Werftgeländes ist Aker Brygge heute DIE Flanierpromenade der Stadt. Am Rathaus und dem Nobelzentrum vorbei und schon ist man da. Und da beginnen die schweren Entscheidungen: Eiswaffel und auf die Bänke am Wasser setzen? Ins Astrup Fearnley Museum und moderne Kunst gucken? Schuhe ausziehen und mit den Füßen im Fjordwasser planschen? Bei Lekter’n einen Cocktail trinken und Segelschiffe beobachten oder versnobte Yachtbesitzer? Obwohl die Aker Brygge nicht sehr lang ist, kann ich hier locker einen Tag verbringen, ohne mich zu langweilen.

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Lekter’n mit Blick auf die Festung und das erste Kreuzfahrtschiff der Saison 2015!

Aker Brygge

Aker Brygge

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Im Sommer beginnt der Kampf um die beliebten Holzbänke an Aker brygge!

Erster Blick auf's Astrup Fearnley Museum

Erster Blick auf’s Astrup Fearnley Museum

Astrup Fearnley  Museum

Astrup Fearnley Museum

Astrup Fearnley Museum

Astrup Fearnley Museum

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Für Fotofans bieten sowohl Aker Brygge als auch das moderne Büro- und Wohngebiet Tjuvholmen tolle Motive. Und wer noch eine Wohnung sucht: Für knapp 90.000 Norwegische Kronen ist die fünfte Etage eines der modernen Gebäude direkt am Wasser zu vermieten! Aber das ist ja noch gar nichts: Der Color-Line-Reeder Olav Nils Sunde hat für unglaubliche 240 Millionen Kronen eine Wohnung in Tjuvholmen gekauft. 1187 m² groß und mit Blick auf seine eigenen Schiffe und den Fjord, sah der Geschäftsmann darin nicht eine unglaubliche Absurdität (wie ich beispielsweise) sondern meinte: „Andere investieren in Kunst, ich in Immobilien.“

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Aber auch wenn das Viertel vom Geld seiner Bewohner oder Geschäftsleute geprägt ist, genutzt wird es von allen. Familien baden am Kieselstrand beim Astrup Fearnley Museum, Touristen sitzen mit Eiswaffeln am Ufer und machen Fotos, Manager treffen sich auf einen Espresso und mittendrin wandern Gesa, Christian und ich und genießen die Sonne.

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Der Sommer ist natürlich Hochsaison an Aker Brygge, wo unzählige Restaurants und Bars draußen Plätze anbieten. Mein Lieblingsort ist Lekter’n mit einer Terrasse AUF dem Wasser und supergemütlichen Liegewiesen (oder wie immer man diese riesigen Stühlen mit meterdicken Kissen nennen will). Es macht auch Spaß auf der kleinen Brücke Richtung Astrup Fearnley zu stehen und sich eine Yacht auszusuchen. Unglaublich große „Boote“ legen an Aker Brygge an, getreu dem Motto: Sehen und gesehen werden! Klappt bei mir, ich gucke gerne hin. Was da allerdings manchmal für Schnösel an Land kommen – DAS ist fast noch unterhaltsamer!

Ihr seht also: Dieser verhältnismäßig kleine Teil Oslos bietet viel Unterhaltung! Wer hat Lust, sich mit mir auf einen Cocktail zu treffen?

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So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserer kleinen Fotosafari. Wir wandern in ungefähr einer Stunde wieder nach Aker Brygge, um Martin abzuholen. Der fährt nämlich jetzt jeden Tag mit dem Linien-Boot zur Arbeit. Funktioniert wie der Stadtbus oder die U-Bahn, nur auf Wasser. Eine tolle Art, den Tag zu beginnen und zu beenden!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, mit viel Sonne, viel Lachen, gutem Essen, netten Leuten und allem, was Ihr Euch so wünscht. Nehmt die Kamera in die Hand und guckt Euch mal wieder in Eurer Stadt um – ich wette, es gibt viel zu entdecken!

Ha det,

Moderne Kunst und ich :)

Moderne Kunst und ich 🙂

Ulrike