Falkenjagd in Oslo ODER Warum habe ich in Bio nie aufgepasst?

@MarionEhrlich

@MarionEhrlich

Biologie war nie eines meiner stärksten Fächer. Zellaufbau oder gekreuzte Erbsensorten haben mich eher zum Gähnen gebracht und während der Jahre auf dem Fachgymnasium stand Bio nicht mal mehr auf dem Lehrplan. Hätte es aber. Statt mir erfolglos chemische Formeln einzuhämmern, hätte lieber das Verhalten von Zugvögeln auf dem Lehrplan stehen sollen.

Dann hätte ich heute bei -10° nicht Ausschau nach Wanderfalken gehalten.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Die Temperaturen in Oslo sinken weiter und lange Spaziergänge mit Gesa fallen momentan aus. Aber den ganzen Tag drinnen hocken wollen wir auch nicht. Da kam vorgestern eine Nachricht der deutschen Krabbelgruppe wie gerufen: Im Literaturhaus fände Donnerstag ein offener Kindertreff statt. Ob wir Lust hätten mitzugehen? Das Literaturhaus ist zu Fuß nicht mehr als 15 Minuten entfernt, eine gute Spazierzeit bei diesen frostigen Temperaturen.

Am Donnerstag morgen blieb Gesa noch genug Zeit zum Spielen und auf den Bauch rollen und mir Zeit für einen Kaffee und Zeitung lesen, bevor wir los mussten. Auf Seite 10 von Aftenposten las ich, dass ein Wanderfalke das Osloer Rathaus bewohnt. Harald Nissen von den Grünen hat nun beantragt, den Westturm des Rathauses als Nistplatz für den Falken zu sichern.

Aftenposten, 5.2.15

Aftenposten, 5.2.15

Interessant, dachte ich und blätterte weiter.

Bald machten Gesa und ich uns auf den Weg, beide dick eingemummelt. Ich jubelte mal wieder über die Heizkabel unter den eisfreien Bürgersteigen des Bogstadveien. Obwohl es gar nicht ihre Schlafzeit war, schlummerte Gesa mir auf der halben Strecke ein. Na toll! Sollte ich sie einfach die 30 Minuten schlafen lassen und DANN ins Literaturhaus gehen? Sollte ich gleich zum Literaturhaus fahren und sie dann eben aufwecken und mit einem knörigen Baby leben müssen? Fragen über Fragen. (Über die erfahrene Eltern wahrscheinlich die Augen rollen….)

Aber das Schicksal nahm mir die Entscheidung ab. Kurz vor dem Literaturhaus wurde ich auf Deutsch angesprochen: „Bist du Ulrike?“ Mein Blick war bestimmt mal wieder sehr intelligent. Immerhin brachte ich ein Nicken zustande. Stellte sich heraus, die beiden Frauen mit Kinderwagen gehörten zur Krabbelgruppe und kehrten gerade aus dem Literaturhaus zurück, das an diesem Donnerstag nur Programm für ältere Kinder anbot.

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Prima, konnte Gesa also weiter schlafen. Und jetzt kam auch noch die Sonne raus! Was für ein Bilderbuch-Wintertag. Statt zurück nach Hause, schob ich ab in den Schlosspark. Gesa war dick eingepackt, es wehte kein Wind – ich entschied, noch länger draußen zu bleiben. Hm. Aber wohin könnten wir gehen?

Da fiel mir der Artikel über den Wanderfalken ein.

Und mein Gehirn fiel anscheinend aus.

Denn bei glitzernden Minusgraden beschloss ich, ihn zu besuchen.

Japp.

Ich gebe Euch jetzt ausreichend Zeit für brüllendes Gelächter.

Genug ? Ansonsten bitte wiederholen.

„Wanderfalke, wir kommen!“ Wir schoben also durch den glitzernden Schlosspark Richtung Aker Brygge, die Promenade in Oslo, an dessen rechter Seite das Rathaus steht. Doch, welch Überraschung, kein Falke war zu sehen.

Und dann wurde ich skeptisch. MIR war schon kalt, wie kalt musste es da so einem gefiederten Tier gehen. Allerdings schossen gutgelaunte Möwen schreiend um mich herum.

Hm.

Ich suchte weiter. Aber irgendwann war mir kalt und so schoben Gesa und ich zu unserem nächsten Termin.

Später im Espressohaus bestätigte Freund Christian mit einem kurzen „Wanderfalken – im Winter????“ meine Zweifel. Naja, immerhin hatten Gesa und ich einen netten Spaziergang bei bestem Winterwetter. Und dem Falken schicken wir Grüße nach Spanien oder Portugal, denn laut dem Großen Norwegischen Lexikon „ziehen norwegische Wanderfalken ins südwestliche Europa.“

Ja, logisch. Sollen die etwa im Winter hier im frostigen Oslo bleiben? Wer glaubt denn sowas? 😉

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Warten wir ab, ob die Falken bald offiziell im Westturm wohnen dürfen und wir sie dabei beobachten können. Wer jetzt schon Vögel beobachten möchte, wird hier vielleicht fündig.  Ich werde mir jetzt mal ein „Biologie für Anfänger“- Buch besorgen oder mich mit einem ornithologisch begabten Menschen unterhalten. Euch allen wünsche ich ein tolles Wochenende und eine schöne Woche, in der Ihr auch mal über Euch selbst lachen könnt. Wir freuen uns hier auf den Besuch meiner Mutter nächste Woche und hoffentlich ein paar Sonnentage.

Ha det,

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(Das falkenlose Osloer Rathaus)

Ulrike

Gesas Bibliothek ODER Auf der Suche nach norwegischen Kinderbüchern…..

Gesa liebt Bücher. Jeden Morgen kuscheln wir uns auf den Korbsessel in ihrem Zimmer und begrüßen ihre neuen Freunde:  Findus, Mamma Muh, König Elch oder die glücklichen Fische von Mies van Hout. Wir gucken die bunten Bilder an und folgen den Geschichten. Nachmittags liest Martin Winnie Puuh vor, während wir zu dritt auf dem Sofa liegen. Und bei jeder Lesestunde freue ich mich auf die riesige Geschichtenwelt, die Gesa noch entdecken wird. Aus dieser Freude heraus entstand die Idee zu Gesas Bibliothek. Und dafür brauche ich Eure Hilfe.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Gesas Bibliothek also. Eine Sammlung von Büchern, ohne die es nicht geht. Die man kennen MUSS. Weil sie dazu gehören, weil wir damit aufgewachsen sind und weil man ohne sie einfach ärmer wäre. Glücklicherweise gibt es aber nicht die EINE Liste von solchen Büchern – jeder und jede hat eine eigene Liste. Letzte Woche habe ich bei Facebook nach den beliebtesten Büchern gefragt und schon eine ganze Menge toller Vorschläge bekommen. Aus Deutschland. Nun wollte ich aber auch wissen, mit welchen Büchern und Figuren norwegische Kinder aufwachsen (oder aufgewachsen sind). Welches Buch kennt hier also wirklich „jedes Kind“?

In manchen Punkten unterschieden sich die Antworten nicht von denen aus Deutschland: Astrid Lindgren war dabei, die Abenteuer von Petterson und Findus und die Märchen der Gebrüder Grimm. Dann aber kamen die norwegischen Autoren und damit Neuland für uns. Mit der Liste in der Hand sind Gesa und ich zur Bücherei unseres Vertrauens gegangen und kamen mit folgenden Büchern zurück:

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Hakkebakkeskogen og andre fortellinger (Der Hackebackewald und andere Geschichten)

Thorbjørn Egner ist der anscheinend bekannteste und beliebteste norwegische Kinderautor und die Geschichten Folk og røvere i kardemomme by (Die Räuber von Kardemomme) haben Kultstatus in Norwegen. Viele Textstellen, sowie die Moral hinter Kardemomme sind in das norwegische Bewusstsein eingedrungen und von dort nicht mehr wegzudenken. Schreibt Anders Heger, norwegischer Schriftsteller, im Vorwort zu der Egner-Sammlung, die wir ausgeliehen haben. Polizeimeister Bastian und Tante Sofie aus Kardemomme kennen wir schon und freuen uns jetzt auf Karius und Baktus, Klaus Klettermaus und die Abenteuer von Per, der eines Tages zur Kuh wurde.

Den store boken med eventyr (Das große Märchenbuch)

Was den Deutschen die Gebrüder Grimm sind, sind den Norwegen Asbjørnsen und Moe. Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe reisten Mitte des 19. Jahrhunderts durch ihr Heimatland Norwegen und sammelten Geschichten, die ihnen in allen Ecken des Landes erzählt wurden. Wir sind gespannt auf die Abenteuer vom Askeladden, einer der Hauptfiguren. Trolle sollen auch vorkommen, dazu Eisbärkönige, Haus –und Bergmäuse. Hört sich gut an!

Aurora i blokk Z/ Knerten Detektiv og handelsreisende Lillebror (Aurora aus Block Z)/ (Lillebror und der Knorzel)

Beide Bücher sind erst für ältere Kinder, aber ihre Autorin, Anne Cath. Vestly wurde mir ans Herz gelegt. Die Kabarettistin und Schauspielerin begann in den 1950ern Hörspiele für den NRK zu schreiben, die dann zu beliebten Kinderbüchern wurden. Das Familienbild in der Auroraserie war für die damalige Zeit sehr modern: Auroras Vater bleibt zuhause und kümmert sich um die Familie, während die Mutter arbeiten geht. Lillebror und Knorzel beschreibt die Abenteuer von Lillebror, der mit der Familie aufs Land zieht. Dort gibt es für ihn aber keine anderen Kinder zum Spielen. Bis eines Tages Knorzel, ein sprechender Ast, auftaucht.

Heksene (Hexen hexen)

Als auf meine Frage nach norwegischen Autoren der Name Roald Dahl auftauchte, guckte ich verwirrt. Roald Dahl? Der Autor von Charlie und die Schokoladenfabrik und Matilda war doch Brite. Stimmt, geboren ist der Meister des schwarzen Humors in Cardiff, Wales – aber seine Eltern waren Norweger. Dahl erhielt seinen Vornamen nach Roald Amundsen und wuchs zweisprachig auf. Das gilt ja irgendwie schon und dementsprechend viele seiner Bücher finden Gesa und ich in der Bibliothek. Auf unserer Liste steht: Hexen hexen. Es erzählt die Geschichte eines Jungen, der bei seiner Großmutter in Norwegen lebt und von ihr alles über „echte“ Hexen erfährt. So der Klappentext. Wir sind gespannt!!! Die ersten Sätze klingen vielversprechend (wohl eher für mich als für Gesa): „Dieses Buch handelt von echten Hexen. Echte Hexen tragen ganz normale Kleidung und sehen aus wie die meisten Frauen. Sie wohnen in normalen Häusern und haben normale Jobs. Deswegen ist es so schwierig sie zu erwischen.“ Uih!

Auf unserer Liste stand noch ein Name: Alf Prøysen. Seine bekanntesten Bücher handeln von Frau Pepperpot, einer kleinen Frau, die nie genau weiß, WANN sie auf die Größe eines Teelöffels schrumpfen wird. Aber irgendwie habe ich das Buch in der Bibliothek vergessen. Naja, nächstes Mal. Für den Moment sind wir ja gut ausgelastet.

Und Ihr? Welches war oder ist Euer Lieblingskinderbuch? Welches Buch muss unbedingt auch in Gesas Bibliothek? Ich freue mich auf Eure Kommentare und darauf, viele neue Geschichten zu entdecken. Oder alte wiederzuentdecken. Das ist genauso schön!

***

Das war es schon für heute, meine lieben Leser! Wir werden uns jetzt auf unsere Bücher stürzen, das Wetter lädt direkt dazu ein. Ich wünsche Euch allen eine ganz tolle Woche mit Abenteuern, Lachen, neuen Freunden und – viel Schokolade.

Ha det,

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Ulrike

Fußball Olé! ODER Ein 16-jähriger Norweger in Spanien…

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Über Fußball als strategische Sportart weiß ich absolut nichts. Spielzüge, Aufstellungen und Positionen sind mir fremd und ich verlasse mich voll auf Martins Kommentare, wenn wir samstags Bundesliga gucken. Ich weiß aber: Deutschland ist amtierender Weltmeister, der BVB erlebt den Bundesliga-Horror und Cristiano Ronaldo ist wieder Weltfußballer. Außerdem kann ich die Abseitsregel erklären und kenne die meisten Spieler von Bayern München. Das ist doch nicht schlecht! Auf jeden Fall gut genug, um heute über Fußball zu schreiben. – Und über DEN Senkrechtstarter aus Norwegen: Martin Ødegaard.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Gestern um 14.45 öffnet sich die graue Tür im Pressezentrum und der Star des Tages kommt: Martin Ødegaard, Norweger, Mittelfeldspieler. Verein: Real Madrid. Alter: 16. Die Fotografen springen wie aufgeregte Hühner vor den Pressetisch und verewigen diesen unglaublichen Moment einer jungen Fußballerkarriere.

ran.de

ran.de

„Stop, Moment, was?“ höre ich die meine fußballgehemmten Leser fragen, während die Fußballexperten unter Euch wahrscheinlich schon Ødegaards Wahl zum mehrfachen spanischen Meister analysieren.

Fangen wir also vorne an: Am 17.12.1998 begrüßen Lene und Hans-Erik Ødegaard in Drammen, 40km südwestlich von Oslo, ihren Sohn Martin. Vater Hans-Erik ist Fußballer und spielt seit 1993 für Strømsgodset, der es 1998 auf Platz 10 der norwegischen Tippeligaen, der höchsten Spielklasse des Landes, geschafft hat. Schon früh zeigt Ødegaard jr. Talent, wird von Vater Hans-Erik entsprechend gefördert und bekommt 2014, mit 15 Jahren, einen Amateur-Vertrag bei der U-19-Mannschaft von Strømsgodset.

Das ist ja schon nicht schlecht, vermute ich, aber es wird noch besser.

Kurze Zeit später wird er in die norwegische Nationalmannschaft berufen. Als jüngster Spieler aller Zeiten in Norwegen. Und ab da wird es irgendwie wild. Vereine in ganz Europa werden auf den jungen Spieler aufmerksam und bald kursieren Begriffe wie „Neuer Superstar“ oder „Der neue Messi“ durch die Presse. Talent-Coaches von großen europäischen Vereinen finden sich plötzlich im Marienlyst Stadion von Drammen wieder.

Es kommen Anfragen und Angebote von mehreren dieser Vereine, unter anderem vom FC Bayern München und von Real Madrid. Vater und Sohn fliegen von Oslo aus zu mehreren Testtrainings. Die ersten Gerüchte kursieren, doch erst am 22. Januar kurz nach Mitternacht ist es offiziell: Martin Ødegaard wechselt zu Real Madrid. Der erste Norweger beim spanischen Verein.

„Ich hatte Spanisch in der Schule, spreche es aber nicht gut.“, antwortet der blonde Neuzugang gestern auf eine entsprechende Frage eines spanischen Journalisten. Nett wirkt er, wie er da so in Jeans und schwarz-weiß gestreiftem Shirt sitzt. Irgendwie auch gelassen. Martin Ødegaard lächelt viel, besonders als er bekannte Gesichter im Publikum sieht. Die Fragen sind 08/15: Warum er sich für Madrid entschieden habe? – „Sie haben hier die besten Möglichkeiten für mich.“ – Wer sei sein Lieblingsfußballer? – „Cristiano Ronaldo. Zur Zeit.“

Der junge Norweger wird zuerst in der zweiten Mannschaft von Real Madrid spielen, trainiert von niemand Geringerem als Zinedine Zidane, dem französischen Weltstar, dessen Abschied von der Fußballbühne unschön war. Nun trainiert er die Jugend von Real Madrid. Und damit auch Martin Ødegaard. Der soll aber auch mit der ersten Mannschaft trainieren, in der sein Idol Cristiano Ronaldo ebenfalls spielt. „Es fühlt sich unwirklich an. Ein Traum wird wahr, “ antwortet Ødegaard auf die Frage, wie er sich fühle. In der ersten Reihe sitzen seine Eltern. Vater Hans-Erik wird als Jugendtrainer bei Real Madrid arbeiten, der Rest der sechsköpfigen Familie bleibt, glaubt man den norwegischen Zeitungen, anscheinend in Norwegen.

Noch nie ist ein Spieler der zweiten Real-Mannschaft offiziell präsentiert worden, lese ich und Sportjournalisten fragen sich, wie ein so junger Spieler diesem Druck gewachsen sein soll. DASS er aber präsentiert wurde ist ja irgendwie ein Zeichen. (Ja, soviel verstehe sogar ich! :)….) 4 Millionen Euro war die Ablösesumme, die Real an Stromgodset gezahlt hat und das jährliche Gehalt von Martin Ødegaard soll, laut spiegel.de, bei zwei Millionen Euro liegen.

Wow.

Tja, da sitzt er also. Der 16-jährige, wegen dessen Fußballtalent sich Journalisten auf der ganzen Welt den Buchstaben „Ø“ auf ihre Tastatur wünschen. Ein 16jähriger, der vielleicht bald in der ersten Mannschaft von Real Madrid, wo er dann neben Christian Ronaldo, Sergio Ramos und Toni Kroos auflaufen würde. Dessen Talent auf Youtube zu bewundern ist.

Nicht, dass ich das beurteilen könnte.

Wollen wir es mal nicht übertreiben – ich habe mich hier schon mit dem Thema weeeit aus dem Fenster gelehnt – seid Ihr überhaupt noch da???

Haaaalllllooooo???

Fußball ist jetzt vorbei, mehr habe ich nicht! Versprochen!! Obwohl: Ganz so schlimm war es nicht, ich bin ein bisschen stolz auf mich!

Und schließlich will ich Euch ja Neues aus Norwegen erzählen und Martin Ødegaards Wechsel zu Real Madrid war dem NRK gestern eine Liveschaltung zur Pressekonferenz wert, von der Berichterstattung in den Zeitungen und im Internet mal ganz zu schweigen. Und solltet Ihr irgendwann in die Verlegenheit kommen, über Fußball reden zu müssen, beeindruckt Ihr mit Wissen über einen jungen Norweger bestimmt!

Hm, also ich hatte Spaß beim Schreiben. Vielleicht sollte ich eine regelmäßige Sportartikelreihe einführen. Es gibt doch zahlreiche Sportarten. Was denkt Ihr: Soll ich????

***

Das war es schon für diese Woche. Der Winter bestimmt hier in Oslo momentan das Leben, im Frognerpark kann ich täglich juchzende Kinder (und Erwachsene) beim Rodeln beobachten, während Gesa und ich über die verschneiten Wege schieben. Seit letzter Woche sind die brodder meine wertvollen Begleiter geworden! Danke für alle Eure Tipps, was ich tun soll, um sie NICHT immer auf dem Schuhschrank zu vergessen. Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, unternehmt etwas Schönes und lacht viel!

Ha det,

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Ulrike

Praktische Tipps für den Winter in Oslo – Teil 1 ODER Walk like a penguin!

achimkirchmeier.de

achimkirchmeier.de

Der eine will stark sein wie ein Bär. Die andere gern listig wie ein Fuchs. Mancher wünscht sich Adleraugen. Mir sind Bär, Fuchs und Adler gerade völlig schnurz. Ich möchte ein Pinguin sein.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Winter hat Oslo voll im Griff, aber es ist ein launischer Winter, den wir bisher erleben: Schneefall, Tauen, Schneefall, Tauen, Schneefall, RICHTIG KALT, Tauen….so geht das bereits seit ein paar Wochen. Ist ja nicht schlimm.

Wenn man plant, bis Mai im Haus zu bleiben.

Das will ich nicht und darum ärgere ich mich jeden Tag über das größte Winterproblem in Oslo: Eis. Kaum ein Bürgersteig, der nicht mit einer dicken Eisschicht überzogen ist. Obwohl die städtischen Streufahrzeuge unermüdlich im Einsatz sind, rutschen wir Osloaner täglich von A nach B. Die kleinen schwarzen Kiesel, mit der die Kommune versucht, dem Eis Herr zu werden, sind vor allem eines: Echt niedlich. Aber fast komplett wirkungslos. Warum nicht alle Hausbesitzer und Geschäftsleute verpflichtet sind, den Bürgersteig vor ihrem Haus/Geschäft eisfrei zu halten ist eine Frage, die mir hier niemand beantworten will. Ich vermute, dass sich einfach alle ans Rutschen und Fallen gewöhnt haben.

ICH MICH ABER NICHT!

Mir fehlt das norwegische Gleichgewicht-halten-oder-Lachen-trotz-Fallen-Gen und deshalb tue ich, was die meisten Nicht-Norweger auf Eis tun werden: Ich rutsche. Ich falle. Ich drehe Pirouetten, die mir beim Eiskunstlauf Punktabzug einbrächten. Und – ich fluche. Auf Englisch. Warum, das weiß ich selber nicht so genau, aber ein gut platziertes „F..k!“ schlägt ein deutsches „S…..e“ um Längen. Probiert es aus!

Nach zwei Wintern Fluchen und Rutschen suchte ich im Winter 2014 endlich nach Hilfsmitteln. Die erste Waffe gegen rutschigen Untergrund: Brodder. Das klingt doch gut, fand ich. Irgendwie stabil, sicher und verlässlich. Im Deutschen werden daraus neudeutsch Spikes, also kleine Spitzen, die unter den Schuhsohlen für Halt im Eis sorgen. Brodder gibt es in vielen Formen, meine sind aus elastischem Material und werden einfach über die Schuhsohle gezogen. Das Problem: Ich vergesse sie ständig mitzunehmen. Meistens geht das so: Nach zwei Gängen aus dem dritten Stock sind Baby, Wickeltasche, Windelmülltüte, Arbeitstasche, Handtasche und ich endlich alle zusammen am Kinderwagen – bereit loszugehen. Und dann: „Mist, die brodder sind noch oben! – Och nöööööö! – Wird schon nicht soo glatt sein!“

Also schieben wir los.

NaTÜRlich ist es glatt.

Wusste ich vorher.

NaTÜRlich nehme ich mir vor, die brodder beim nächsten Mal UNBEDINGT mitzunehmen. Am besten lege ich sie nach der Rückkehr SOFORT in den Kinderwagen. Jawoll, so mache ich das!

Klar. Klappt super.

Außerdem sind brodder uncool, habe ich gelernt. Die würden doch nur alte Leute überziehen, lachen mich gleichaltrige Freunde aus. Das geht doch auch ohne. Stell dich nicht so an!

Aber wie soll es denn ohne gehen, frage ich mich beim Rutschen über den Bürgersteig? Gibt es etwa eine Anleitung zum „Gehen auf Eis“?

Nein, natürlich nicht. – Es gibt ZAHLREICHE Anleitungen. Ich stoße im Internet auf Artikel verschiedenster Webseiten. Von senioryears.com über zeit.de bis hin zur US-Universität von Illinios bekomme ich praktische Tipps geliefert:

„Geben Sie sich ausreichend Zeit, um an Ihr Ziel zu gelangen.“

„Gehen Sie langsam.“

„Strecken Sie Ihre Arme aus, um das Gleichgewicht zu behalten.“

„Blicken Sie nach unten beim Gehen.“

Hm. Ich neige dazu, die Hände in die Manteltaschen zu stecken, während ich, himmelwärtsblickend, über vereiste Wege galoppiere. Danke für die guten Tipps. Als ich noch vor mich hin meckere, lese ich den Satz: „Gehen Sie wie ein Pinguin.“

Wie bitte?

Um mir das Leben einfacher zu machen, fügt die Autorin von today.com die folgende Zeichnung hinzu:

Das leuchtet mir irgendwie ein: Pinguine können sich schließlich perfekt auf Eis fortbewegen. Im Internet finde ich Webseiten und Videos (Ich lache immer noch!) zum Pinguin-Stil und gebe hier gerne das In-sechs-Stufen-zum-Pinguin-Programm weiter, mit dem ich mich zur Zeit auf meinen ersten Auftritt vorbereite:

  1. Aufrecht und entspannt stehen.
  2. Arme eng an die Seiten pressen.
  3. Handflächen hochklappen, bis sie parallel zum Boden sind.
  4. Brust raus, Schultern zurück.
  5. Gleichgewicht auf das vordere Bein legen.
  6. Loswatscheln.

Normalerweise, so die Autorin von today.com, läge das Gleichgewichtszentrum in der Mitte unseres Körpers. Die Beine seien so gezwungen, das Körpergewicht in einem bestimmten Winkel zu unterstützen, der für eisige Böden nicht geeignet ist. Man fällt. Legt man das Gleichgewicht nun immer auf das vordere Bein, fällt man nicht. Ganz einfach!

Um die kommenden Spaziergänge hier in Oslo mit heilen Knochen zu überleben, möchte ich also ein Pinguin sein. Aber nur bis zum Frühling. Dann träume ich wieder vom Fliegen.

***

Das war es schon wieder für heute, meine lieben rutschfesten Leser! Ich wünsche uns allen eine schöne Woche. Habt Spaß, genießt jeden Tag und sagt den Menschen und Pinguinen in Eurem Leben, wie wichtig sie Euch sind. Man weiß nie, wie lange wir alle zusammen sein werden.

Ich watschele also ab jetzt pinguingleich über die Bürgersteige und hoffe nur, dass mich niemand dabei sieht! Falls doch habe ich aber einen Weg gefunden, von meinem Gang abzulenken.

Ha det bra,

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Ulrike

Ich bin eine Trantüte! ODER Norwegische Ernährung der besonderen Art…

nrk.no September 2014: Ich will das nicht schlucken. Wirklich nicht. Noch nicht einmal warmer Milchreis mit Zimt und Zucker löst einen derartigen Widerwillen in mir aus. Und das will was heißen, denn ich HASSE warmen Milchreis. Vor mir sitzt Gesa und guckt mich interessiert an. In Ordnung, here goes nothing. Mein erster Löffel Tran. Hallo, meine lieben Leser und ein Frohes neues Jahr! Schön, dass wir uns auch in 2015 hier wieder treffen. Tran also. Ja. Was tun wir nicht alles für unser Kind. Bei ihrem ersten Besuch betonte die helsesøster der kommunalen Gesundheitsstation wie wichtig es sei, dass Kinder Tran zu sich nähmen. TRAN? Nicht im Ernst, oder? Für mich gehörte diese ölige Nahrungsergänzung wenn nicht ins tiefste Mittelalter, dann doch wenigstens in die Kindheit meiner Eltern. „Vielleicht ist das in Deutschland so“, antwortete die Kinderkrankenschwester auf Hausbesuch. „Hier in Norwegen gehört Tran zum alltäglichen Leben.“ Ich fragte herum. Ungläubig. Klar hatte ich im Supermarkt die Regale voller Tranflaschen gesehen, aber meiner Meinung nach staubten die da trantütig vor sich hin – ignoriert von den modernen Großstadtnorwegern. Weit gefehlt. Sowohl in meinem norwegischen als auch deutschen Umfeld fanden sich viele, die die Omega-3-Quelle Tran täglich zu sich nahmen. „Aber nimm es bloß als Kapsel, das Originalzeug schmeckt widerlich.“ – „Nimm es bloß nicht als Kapsel!“ Äh ja, danke. Nun sollte es aber nicht vorsätzlich MEINER Gesundheit dienen sondern Gesas und damit schieden Kapseln schon mal aus. Also ab in den Supermarkt und eine Flasche Möller’s Tran gekauft. Ich fühlte mich unglaublich norwegisch! Vitamin A, E und D (Mangelware in den dunklen norwegischen Wintern) versprach mir der Tran. Ein Esslöffel für mich und 2,5 ml für Gesa sollte unseren täglichen Bedarf decken. Hm. Ich stelle fest, dass Mengenangaben identisch sein können, aber absolut nicht identisch empfunden werden müssen. Ein Löffel Apfelmus – ganz köstlich. Ebenso wie ein Löffel voll französischer Zwiebelsuppe. Und ganz wunderbar: Ein Löffel mit Nutella. Aber ein Löffel mit Tran? Jeder zehnte Norweger nimmt angeblich täglich Tran zu sich. Viele davon in der flüssigen Form, die Herr Möller mir nun auch anbietet. Was 500.000 Norweger können, das kann ich jawohl auch. Ist ja schließlich für Gesa. Unsere Idee ist: Wenn WIR es schlucken und dabei Spaß machen, findet sie es auch ganz klasse. „Ich bin Christ, Leiden ist mein Los“, zitiere ich La Cage aux Folles und führe den Löffel zum Mund. Nun bin ich nicht nur Christin sondern auch begeisterte Schauspielerin mit Clown-Ausbildung. Das mit dem Lachen bekomme ich schon hin, selbst wenn der Tran jetzt nicht so toll…. Oh Hilfe. Igitt. Die ölige Höllenflüssigkeit mit Fischgeschmack macht sich in meiner hilflosen Mundhöhle breit und wandert Richtung Hals. Ich rieche, schmecke, denke nur eines: FISCH. Bääääääääh. Würg. Lächel, lächel. Hilfe, es ist im Hals gelandet, automatisch schlucke ich. Igitt. Das wird immer schlimmer. „Oh Gesa, Tran schmeckt so prima!“ Darf eine Mutter schon so früh ihr Kind anlügen? Ruhe, keine Zeit für moralische Selbstdiskussion, weil…. Der Nachgeschmack kommt!!!! Ich schließe erschüttert die Augen und fühle mich wie Jona, der im Walbauch sitzt und dessen Magenwände ableckt. Gesa gluckst. Martin feixt. Ich öffne die Augen, reibe mir mit der Hand den Bauch und behaupte strahlend: „Geeesa, soooo lecker!“ Sie guckt zweifelnd auf mich und den kleinen Löffel, der sich nun ihrem Mund nähert. Man wird ja nicht gerne ausgespielt von jüngeren Konkurrenten, aber Gesas Minenspiel schlägt meines um Längen. Im Gegensatz zu mir, die tapfer geschluckt hat, schiebt das schlaue Baby die ölige Masse in die entgegengesetzte Richtung. Ein kleiner Löffel Tran fließt also an ihrem Kinn herunter und sorgt dafür, dass unsere wunderbare Tochter noch stundenlang wie ein französischer Fischhändler riecht. Später erfahre ich, dass es in der Apotheke Vitamin-D-Ersatz-Tran-Tropfen gibt, die, völlig geruchs- und geschmacklos in die Babymilch gegeben werden können. Ist ja mal wieder typisch, dass ich das HINTERHER erfahre. Naja, aber ansonsten hätte ich keine Geschichte erzählen können. So hat immer alles seine zwei Seiten. Die norwegische Gesundheitspropaganda ist aber nicht spurlos an uns vorübergegangen: Martin und ich nehmen jetzt täglich zwei Fischtran-Kapseln Möller’s Dobbel. Und Gesa bekommt täglich 5 Tropfen D-vitamin dråper. Die Flasche Tran steht seitdem unberührt in unserem Kühlschrank. In einem Monat muss sie weg. Falls also jemand sie will, einfach melden! Wirklich lecker!!!!! Und falls mir jemand die für deutsche Augen falsche Schreibweise von Möller’s erklären könnte, wäre ich auch dankbar. *** Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Angeblich soll in Deutschland der Tran ein Comeback gefeiert haben, stimmt das? Und Ihr hier in Norwegen, seid Ihr auch Trantüten oder Totalverweigerer? Was immer Ihr seid, ich wünsche Euch und uns allen eine tolle Woche mit lauter köstlichen Dingen. Mir wünsche ich im Moment ein starkes Paar Ohrenschützer – Gesa hat gestern die hohen Stimmoktaven entdeckt und quietscht sich begeistert und lautstark durch den Tag. Ob ich etwas Tran……..? Ha det bra, 20150109_130249 (Ein Hoch auf die Kapseln!) Ulrike

Weihnachten im Supermarkt ODER God jul, wünscht mein Klopapier…

Jul

In einer Woche ist der ganze Weihnachtszauber schon wieder vorbei. „Schade!“, sagen die einen. „Endlich!“ rufen die anderen. Und meinen damit, dass es im Supermarkt bereits seit Anfang September Lebkuchen gibt. Oder hier in Norwegen: Pepperkake. Mir sind im Supermarkt aber noch ganz andere Sachen aufgefallen. Und denen musste ich auf den Grund gehen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Das norwegische Wort für Weihnachten ist…naaaaaaa???????….genau: jul. Mit God jul wünschen sich die Norweger Frohe Weihnachten, Kinder warten auf den julenisse mit seinen Geschenken und am Ende tanzen alle um den juletre. Jul/jule-. Buchstaben, die alles verändern, die alles spannender machen – aber auch besser?

Ich stehe im KIWI-Supermarkt in der bescheidenen Getränkeabteilung und kann mich nicht zwischen Cola und Solo entscheiden, als mein Blick auf ein paar Bierdosen fällt. Juleøl lese ich. Weihnachtsbier. Daneben: Julebrus. Weihnachtsbrause. (Brause ist ja so ein Wort, das wir leider nicht mehr benutzen. Dabei ist es so lustig.) Nun ist mein Forschergeist geweckt. Gibt es noch mehr jule-Produkte in meinem Supermarkt? Und was unterscheidet sie von ihren regulären, nichtweihnachtlichen Kollegen?  Eine Flasche julebrus und die rote Dose juleøl wandern in meinen Einkaufskorb. (Direkt neben die Babynahrung, was hinterher auf dem Warenband an der Kasse irgendwie komisch aussehen wird.)

Ich beginne den Supermarkt systematisch zu durchkämmen. Die Regeln sind einfach: Norwegische Weihnachtsprodukte ohne den Zusatz jule- dürfen nicht mitspielen. Außerdem habe ich das Klopapier mit Weihnachtsmuster bereits Zuhause und weiß, dass es keinen qualitativen Unterschied zu den nicht-weihnachtlichen Rollen gibt. Obwohl ich mich bei jeder Sitzung freue, dass es mir in blauen Buchstaben God jul wünscht.

Aber das nur nebenbei.

Jule-…jule-…jule-……ich suche und suche. Und werde in der Wurstabteilung fündig. Julesylte und julepostei kommen zum juleøl in den Korb. Sylte, das können wir ja fast eins zu eins übersetzen ist …genau: Sülze und postei? Eine Art Leberpastete oder Leberwurst. In der Süßigkeitenabteilung habe ich dann die Qual der Wahl und entscheide mich für eine Tüte julebiter. Weihnachtsstücke. Mit viiiiel Schokolade und Marzipanfüllung.

Yummy!!!

Hm, denke ich beim Blick in den Einkaufskorb.

Das war ja eine magere Ausbeute. Ich bin ein bisschen enttäuscht. Und nehme mir vor, der Produktindustrie meine Vorschläge zu unterbreiten: Zum Beispiel Julepizza mit Rotkohl und brauner Sauce, juleyoghurt mit Lebkuchen, juletannkrem mit grünen und roten Streifen – für gute Laune schon beim Zähneputzen – und, mein persönlicher Favorit, julebleier, die Weihnachtslieder spielen, wenn die Windel voll ist. Super, oder?

Bis es aber soweit ist, gehe ich mit meinen fünf gefundenen jule-Produkten nach Hause. Ich muss Martin nicht lange überzeugen, beim Geschmackstest mitzumachen. Aber wir wollen nicht nur den Geschmack testen, oh nein! Wir gestalten einen regelrechten Testbogen mit folgenden Fragen:

  1. Wirkt/Schmeckt das Produkt weihnachtlich? Wenn ja, warum?
  2. Schmeckt es oder schmeckt es nicht? In Kurzform: Hui oder Pfui?
  3. Steigt durch den Verzehr die Weihnachtsstimmung?
  4. Empfiehlst du das Produkt einem Freund oder einem Feind?
  5. Welches Weihnachtslied passt zum Produkt?

Zufrieden blicken wir auf unseren Testbogen. Wirkt ja fast professionell. Das bekommen die bei Stiftung Warentest auch nicht besser hin, da bin ich mir ziemlich sicher. Nun legen wir noch die Testabfolge fest: Sülze, Brause, Wurst, Bier, Schokolade.

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Schnell noch die Kerzen anzünden und schon geht es los. Hier unsere Ergebnisse in unzensierter Form:

A) Julesylte

  1. Wirkt/Schmeckt das Produkt weihnachtlich? Wenn ja, warum?

Martin: Ja, schmeckt irgendwie nach Nelke. Eindeutig Weihnachten.

Ulrike: Ja. Wirkt weihnachtlich wegen der Verpackung. Und dem Namen.

  1. Schmeckt es oder schmeckt es nicht? In Kurzform: Hui oder Pfui?

M: Hui! Schmeckt und sieht lecker aus.

U: Hm. Weder noch, irgendwie geschmacklos.

  1. Steigt durch den Verzehr die Weihnachtsstimmung?

M: Äh…nö…

U: Nope.

  1. Empfiehlst du das Produkt einem Freund oder einem Feind?

M: Freund.

U: Beiden.

  1. Welches Weihnachtslied passt zum Produkt?

M: ??

U: Rudolph, the rednosed reindeer.

B) Julebrus (Bryggeri Aass)

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  1. Wirkt/Schmeckt das Produkt weihnachtlich? Wenn ja, warum?

M: *schüttelt sich*

U:  Also, die Flasche ist super! Ja, weihnachtlich!!

  1. Schmeckt es oder schmeckt es nicht? In Kurzform: Hui oder Pfui?

M: *schüttelt sich*

U: …wenn man geschmolzene Himbeerbonbons in Kohlensäure mag, dann ja. Nach ein paar Schlucken eindeutig Hui!

  1. Steigt durch den Verzehr die Weihnachtsstimmung?

M: *schüttelt sich und seinen Kopf entschieden*

U: Nicht wirklich.

  1. Empfiehlst du das Produkt einem Freund oder einem Feind?

M: *schüttelt sich immer noch* (Ich werte das als: Feind.)

U:  Dem Feind würde ich eine 12er-Packung kaufen, mit dem Freund eine Flasche teilen und lachen.

  1. Welches Weihnachtslied passt zum Produkt?

M: *schüttelt sich* (Kennt jemand ein Weihnachtslied mit den Worten „ihhhhh“?)

U:  Rockin‘ around the christmas tree.

C) Julepostei

  1. Wirkt/Schmeckt das Produkt weihnachtlich? Wenn ja, warum?

M: Hahaha.

U: Siehe julesylte.

  1. Schmeckt es oder schmeckt es nicht? In Kurzform: Hui oder Pfui?

M: Hui! (…schmeckt halt wie Leberwurst)

U: Pfui! (…schmeckt halt wie Leberwurst)

  1. Steigt durch den Verzehr die Weihnachtsstimmung?

M: Nö.

U: Jetzt nicht wirklich.

  1. Empfiehlst du das Produkt einem Freund oder einem Feind?

M: Allen Freunden, die Leberwurst mögen.

U: Habe ich etwa Freunde, die Leberwurst mögen??

  1. Welches Weihnachtslied passt zum Produkt?

M: Do they know it’s Christmas?

U: ?? (Wer hat sich diese Kategorie ausgedacht, die ist schwierig…)

D) Juleøl

  1. Wirkt/Schmeckt das Produkt weihnachtlich? Wenn ja, warum?

M: Naja, die Dose halt.

U: Ja, die Dose. Sogar mit Gedicht: Åååå, julenisse – send meg en regnfrakk uten huller i! Send meg en enkrones kulepenn full av blekk og et skrujern jeg kann reparere litt på verden med! (Oh Weihnachtsmann, schick mir einen Regenmantel ohne Löcher! Schick mir einen Kugelschreiber voller Tinte und einen Schraubenzieher, mit dem ich die Welt ein bisschen reparieren kann!)(Arild Nyquist)

  1. Schmeckt es oder schmeckt es nicht? In Kurzform: Hui oder Pfui?

M: Hui!

U: Definitiv hui! Schmeckt nämlich wie Altbier und ich muss sofort an die Altbierbowle mit Erdbeeren im „Treppchen“ in Hildesheim denken… und bekomme Sommer-Feeling. Hm.

  1. Steigt durch den Verzehr die Weihnachtsstimmung?

M: …nach der dritten Dose bestimmt.

U: *träumt vom Sommerpicknick*

  1. Empfiehlst du das Produkt einem Freund oder einem Feind?

M: Freund.

U: Allen Freunden, besonders Britta, Babs und Alex, in Erinnerung an schöne „Treppchen“-Zeiten!

  1. Welches Weihnachtslied passt zum Produkt?

M&U: We wish you a merry christmas, we mish you a cerry mistmas, ye mush du en harry christmaaaaaaaaas…..

E) Julebiter

  1. Wirkt das Produkt weihnachtlich? Wenn ja, warum?

M: Hm. Nicht so gut wie Lebkuchen.

U: Marzipanbrot in klein! Weihnachten, absolut!

  1. Schmeckt es oder schmeckt es nicht? In Kurzform: Hui oder Pfui?

M: Weder noch.

U: HUI! HUI!

  1. Steigt durch den Verzehr die Weihnachtsstimmung?

M: Nee, nur das Gewicht.

U: JA!!!

  1. Empfiehlst du das Produkt einem Freund oder einem Feind?

M: Weder noch.

U: Empfehlen? Ich sollte es allen Freunden kaufen und allen Feinden wegnehmen.

  1. Welches Weihnachtslied passt zum Produkt?

M: ??

U: It’s beginning to …taste… a lot like Christmas.

So unterschiedlich sind eben die Geschmäcker. Während Martin sich noch vom julebrus-Schock erholen muss, kratze ich die letzten Schokokrümel aus der Tüte mit julebiter. Tja und dann sind wir auch schon fertig. Und vollgefuttert und ein ganz klein bisschen angeschickert. Martin. Ich nicht!! Fazit unserer Testaktion: Lustig war es und teilweise auch ganz lecker…nächstes Jahr probieren wir dann die julepizza!!

***

So, das war es für heute. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Test und seid ein bisschen mehr in Weihnachtsstimmung gekommen, falls das überhaupt noch geht. Martin hat ab heute bis Anfang des Jahres Urlaub – das hebt unsere Weihnachtsstimmung sehr!! Und wir freuen uns sehr auf unser erstes Weihnachten als kleine Familie.

Ich wünsche Euch allen ein friedliches, lustiges, leckeres, entspanntes und schönes Weihnachtsfest, an dem wir für ein paar Tage den Alltag mit all seinen Sorgen und Problemen in den Hintergrund schieben dürfen.

God jul,

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Ulrike

 

 

 

 

 

 

 

Slow TV im norwegischen Fernsehen Teil 2 ODER …und sie singen und singen und singen

Jon Olav Ørsal

Jon Olav Ørsal

Das letzte Wochenende im November war ungewöhnlich. Statt wie üblich länger zu schlafen, dann ein bisschen durch die Stadt/Natur/Welt zu bummeln und abends einen netten Film zu gucken, saß ich fast 36 Stunden lang vor dem Fernseher. Slow-TV hatte mich im Hypnosegriff!

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Am Donnerstag vor besagtem Wochenende erreichte mich eine SMS von Freundin Claudia, in der es ungefähr hieß: „NRK zeigt 36 Stunden Chorgesang. Das wär doch was für dich!“

Nun möchte ich an dieser Stelle mal allen Freunden des Blogs danken, die mich mit neuen Themen versorgen. Mal per email, mal per SMS, manches ergibt sich im Gespräch. Das finde ich super, macht weiter so!

Nun saß ich also mit Claudias SMS auf dem Sofa und dachte: NRK macht WAS???? Aber warum war ich erstaunt? Ein Fernsehsender, der bereits die 5-tägige Schiffsreise der Hurtigruten live verfolgt hatte, verantwortlich war für „Die norwegische Stricknacht“ und acht Stunden nichts weiter gezeigt hat als knisterndes Kaminfeuer – für den sind 36 Stunden Chorgesang ja fast eine Actionshow. Aber was soll denn 36 Stunden lang gesungen werden, fragte ich mich? Ich öffnete die Webseite des NRK und suchte nach den Programmankündigungen des Wochenendes. Ganz oben: Minutt for minuttSalmeboka. Minutt for Minutt, also Minute für Minute, ist der Konzepttitel des norwegischen Slow-TVs und Salmeboka anscheinend das neueste Projekt. Salmeboka? Boka, also Buch. Aber was sind Salme? Etwa…Psalme? Heißt das etwa, dass….?

Jawoll.

NRK2 lässt in 36 Stunden das komplette Gesangbuch der norwegischen Kirche singen.

Alle 899 Lieder.

Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

In der Deutschen Gemeinde haben wir im Februar ein ähnlich ambitioniertes Projekt gestartet: Bibel24. Wir lesen 24 Stunden lang die Bibel, stoppen und lesen ein paar Monate später an der Stelle weiter  – so lange, bis wir die Bibel durch haben. Nach drei Marathonlesungen haben wir letzten Monat das Alte Testament beendet. Immer, wenn wir eine neue Bibel24-Lesung ankündigen, werden wir gefragt: Warum macht Ihr das? Ich wette, unsere Antwort und die des NRK Minutt for minutt Salmeboka – Teams sind identisch: Warum nicht?

Das nur als Anekdote am Rande. Zurück zum Chorgesang.

Am Freitag, 28.11. um 11.45 öffnete Kulturministerin (!!!) Thorhild Widvey die Pforten der Vår Frue Kirche im Zentrum von Trondheim – dem Hauptaustragungsort des Gesangsmarathons. Zwei schlichte Chorbühnen, Schienen für die fahrbare Kamera und ein paar Scheinwerfer waren im Inneren aufgebaut. Mehr brauchte es nicht. Die Technik hinter den Kulissen lernten wir Zuschauer erst später kennen.

Ich war der ganzen Show mehr als kritisch gegenüber eingestellt. Mal ehrlich….36 Stunden Singen? 36 Stunden Kirchenlieder? 899 Stück?

Aber dann begann der Organist die erste Note zu spielen, oben am Bildschirm erschien ein dreiteiliges Zahlenfeld, das langsam von „000“ auf „001“ drehte und es passierte etwas Unerwartetes: Ich fühlte mich als Teil des Projekts.

Das hört sich jetzt völlig gaga an und ich sehe direkt, wie Ihr vor dem Bildschirm mit den Augen rollt. Aber rollt nur, liebe Leser, es war, wie es war: Ich stand mit den 200 Chören, sechs Organisten, mehreren Solisten und Musikern, dem NRK-Team und allen anderen Beteiligten am Startblock und war bereit 36 Stunden lang durchzuhalten. Ich wollte sehen, wie aus der „000“ eine „899“ wurde. Das sollte so ungefähr am Sonntagabend um kurz vor Mitternacht passieren.

Her mit Popcorn, norwegischem Wörterbuch, Kerze und Decke und los geht es! Projekt Salmeboka lief.

Gleich zu Anfang hatten wir hier im Wohnzimmer gewisse Schwierigkeiten zu überwinden. Gesa, eigentlich ein großer Musikfan, begann bei den ersten Tönen von Herre Gud ditt dyre navn og ære herzzerreißend zu weinen. Ich war verwirrt: Hatte sie Hunger? Nein. Windel voll? Nein. Kuscheln wollte sie auch nicht. Nur weiter weinen. Ratlos drückte ich den Ton vom Fernseher weg – das Weinen stoppte. Probeweise stellte ich den Ton wieder an – Gesa weinte. Ich konnte mir die Abneigung gegen Herre Gud ditt dyre navn og ære zwar nicht erklären, ließ es aber stumm ausklingen. Auch das zweite Lied führte zu dicken Kullertränen. Nun tue ich ja viel für unser wunderbares Kind, aber ich wollte auch das Projekt Salmeboka miterleben, und zwar idealerweise mit Ton. Während der Mädchenchor des Nidarosdoms also Folkefrelsar til oss kom sang (ohne Ton), sang ich für Gesa Bæ, bæ lille lam (mit Ton). Das bringt sie immer zum Lachen und kurze Zeit später verfolgten wir beide den Gesangsmarathon tränenfrei und mit Ton. Ob sie nun das geringere Übel gewählt hat oder nicht, wer weiß das schon. Auf jeden Fall liefen keine Tränen mehr. (Und wer von Euch Lesern jetzt schon empört in die Tastatur tippen will: Gesa hat nicht VOR dem Fernseher gesessen. Sie war einfach im selben Raum und hat zugehört.)

Während Lied 009 rief Martin an und fragte nach ein paar Augenblicken Gespräch verwirrt, was ich denn da für Musik hören würde. Meine Antwort, ich hätte unsere Wochenendpläne etwas verändert und wir würden 36 Stunden lang Kirchenlieder hören, löste fast dieselbe Reaktion wie bei Gesa aus. Nach einer Schrecksekunde versprach Martin aber tapfer, dem Projekt eine Chance zu geben. Was er dann auch tat. Am frühen Abend war die ganze Familie im Boot. Und da blieben wir, ausgenommen von Schlafpausen, einem Kaffeebesuch und einem Spaziergang, auch. Als am Sonntagabend/Montagmorgen um 00.15 die letzten Töne von Lied 899 verklungen waren, fühlten wir uns wie Sieger. „Geschafft!“ jubelten wir mit den Beteiligten.

Viel haben wir während der 36 Stunden und auch hinterher darüber diskutiert, was den Reiz dieser Sendung ausgemacht hat, dem übrigens nicht nur wir erlegen sind: NRK meldete 2,2 Millionen Zuschauer. Bei 5 Millionen Einwohnern im Land schon eine beachtliche Zahl. Und die Begeisterung blieb nicht nur innerhalb der norwegischen Grenzen. Das ARD-Studio Stockholm drehte einen Beitrag für den Weltspiegel, aus Südkorea kam ein Fernsehteam angereist und neben Chören u.a. aus Trondheim, Bergen, Oslo und Tromsø gab es auch eine Direktschaltung nach Iowa/USA, wo sich der Chor der First Lutheran Church am Gesangsmarathon beteiligte.

Woher kam die Faszination? Eine berechtigte Frage, denn eigentlich sprach alles für Langeweile: Ein kaum wechselnder Raum, unterschiedliche, aber doch ähnliche Musik, ein paar Moderationen und Interviews – fertig. Aber so einfach war es eben doch nicht. Zuerst die „sportliche“ Perspektive: Da nehmen sich ein paar Fernsehleute vor, das komplette Gesangbuch singen zu lassen – tolle Idee – das schaffen wir. Kollektiver Ehrgeiz sozusagen. Dann die kulturelle Perspektive: Ich habe wirklich viel über Norwegen gelernt an diesem Wochenende. Es waren nicht nur die 899 Lieder, viele von ihnen norwegisches Traditionsgut, andere aus dem Ausland importiert und integriert. Es waren nicht nur die unzähligen Sänger und Dirigenten der insgesamt 200 Chöre, die mit Leidenschaft und Spaß sangen. Es waren nicht nur die Bilder aus verschiedenen Ecken Norwegens oder die Begeisterung, als ich Samstagmorgen plötzlich ein bekanntes Gesicht in einem der Chöre entdeckte.

Es war, als sei man Teil einer Aktion gewesen, die für ein Wochenende einen großen Teil der Bevölkerung in ihren Bann gezogen hatte. Wenn auch völlig unerwartet. Außerdem hatte ich das Gefühl, als sei die Beteiligung VOR dem Fernseher genauso wichtig zum Gelingen wie das Singen der Chöre im Fernsehen. Und wie die Menschen sich beteiligten: Über Twitter und per Email konnten sich Zuschauer mit Fotos oder Nachrichten melden. Da saßen dann Freitagabend Studenten mit Taco und Kerze vor dem Fernseher, ein älteres Ehepaar sang immer im Wechsel vorm Fernseher mit, Samstagmorgen schickten Familien Fotos vom Frühstückstisch während Amazing Grace im Hintergrund erklang, Oystein schickte per Twitter Grüße an seinen Onkel Asbjørn, der gerade seinen großen Auftritt mit dem Chor hatte. Simon lernte für Matheexamen und fand, dass Kirchenlieder dazu prima passten. Andere waren kurz davor Amok zu laufen, sollten sie noch ein einziges Chorlied hören.

Ein landesweites Phänomen.

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Klar ging es vor allem auch darum, zu sehen und gesehen zu werden. Deswegen zeigten die Kameras alle Sänger, Musiker und Dirigenten in Großaufnahme, deswegen saßen Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen vor dem Fernseher, deswegen war die Trondheimer Kirche so gut besucht, deswegen schickten Zuschauer Fotos und Kommentare. 15 minutes of fame. Ja, vielleicht. Vielleicht aber wirklich nur der Wunsch, an etwas Besonderem beteiligt zu sein. Und darum zu singen. Und zu singen und zu singen. Musik verbindet.

Was wird sich nun ändern? WIRD sich etwas ändern? An Tag 1 nach dem Marathon hörte ich zwei Frauen im Buchladen nach Gesangbüchern fragen. Bei Twitter suchten Zuschauer nach den Kontaktadressen bestimmter Chöre und auf Facebook wurde überlegt, mal wieder häufiger in die Kirche zu gehen. Alles wegen NRK Minutt for Minutt Salmeboka. Ob die Verantwortlichen überhaupt etwas verändern wollen, weiß ich natürlich nicht. Und ob das norwegische Fernsehen Interesse daran hat, die norwegischen Kirchen oder Chöre zu füllen, weiß ich auch nicht. (Obwohl mich gerade die Zusammenarbeit zwischen NRK und Kirche ein bisschen irritiert hat.)

Ich hatte auf jeden Fall ein ungewöhnliches, musikalisches, kulturelles und irgendwie patriotisches Wochenende. So verrückt es auch klingt, aber 36 Stunden Chorgesang waren ein echtes Erlebnis!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, genießt den dritten Advent und macht es Euch gemütlich. Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an alle Omas und Opas da draußen: Was wären wir alle ohne Euch!!! Ich kann zum Beispiel heute mal wieder vormittags meinen Blog schreiben, weil meine Mutter mit Gesa durch den Park schiebt. Und das ist klasse 🙂 Macht es gut, liebe Leser, bis nächsten Freitag…

Ha det bra,

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Ulrike

Hallo, Tante Pose! ODER Von Plastiktüten und dem norwegischen Staatshaushalt

filmbasen,no

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Bevor ich nach Norwegen kam, habe ich diese hübschen Stoffeinkaufsbeutel benutzt. Ihr wisst schon, die, die man so zusammenknüddeln kann, um sie dann in eine kleine Tasche zu stecken. Fand ich super! In Schottland war ich ganz wild auf die TESCO-Jute-Einkaufstasche mit Marienkäfern und trug sie auch noch in Frankreich begeistert mit mir herum. Hier in Norwegen? Da bin ich ein Tütenmonster geworden. Wirklich wahr. Aber damit ist bald Schluss. Denn die norwegische Regierung hat zugeschlagen und will Plastiktüten versteuern. Aber nicht aus ökologischen Gründen.

Der Staat braucht Geld.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. In Oslo diskutierten die Regierungsparteien in den letzten Wochen den Staatshaushalt 2015. Budgetverhandlungen sind nicht einfach. Das kennen wir ja von uns. Im Gegensatz zu uns stritten die vier Parteien aber tagelang über Steuern, Ökoabgaben oder die Nutzung des Öl-Fonds. Am Ende stand fest: Es fehlt Geld. So ganz habe ich das Problem nicht begriffen, aber das Loch im Staatshaushalt scheint mit der Senkung der Vermögenssteuer zusammenzuhängen. Finanzministerin Siv Jensen (Fortschrittspartei) stand also vor der Frage: Woher bekommen wir die fehlenden Milliarden? Und dann muss irgendwer im Supermarkt eine Erleuchtung gehabt haben:

PLASTIKTÜTENSTEUER!

Wart Ihr schon einmal in einem norwegischen Supermarkt einkaufen? An der Kasse fragt die Kassiererin: „Vil du ha pose?“, ob Ihr also eine Tüte möchtet. Ein „Ja, bitte!“ belastet das Portemonnaie mit 1 norwegischen Krone. Deutsch wie ich bin, dachte ich immer, diese eine Krone soll mich davon abhalten die Tüte zu kaufen, ergo zu umweltbewussterem Handeln verleiten. Folge ich dieser Logik, müsste die Regierung mit ihrer Plastiktütensteuer wollen, dass ich keine Tüte kaufe.

Falsch.

Erinnert Euch: Die Regierung braucht Geld.

Statt also auf eine Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs zu hoffen, zählen die Politiker offensichtlich darauf, dass Norweger und Ausländer weiterhin kaufen. Jede Tüte soll 1,50 Krone kosten. Im Supermarkt, der ja bereits 1 Krone verlangt, steigt der Preis also auf 2,50 Kronen. Dem Staatssäckel soll das 1 Milliarde norwegische Kronen zusätzlich bringen.

1 Milliarde….das muss man sich mal vorstellen.

Seit die Tütenabgabe (Poseavgift) letzte Woche beschlossen wurde, schlagen die Wellen hoch. Kritiker werfen der Regierung vor, überhaupt eine neue Abgabe einzuführen und auf der anderen Seite die Vermögenssteuer so zu senken, dass die Reichsten den größten Vorteil haben. Supermarktketten schreien auf und fragen, wie diese Abgabe denn praktisch durchgeführt werden soll. Und die Renovasjonsetater, die kommunen Abteilungen für Abfallwirtschaft, befürchten umweltschädigende Folgen durch die Tütenabgabe.

Das musste ich dann mehrfach lesen, um es zu verstehen.

Die Abteilung für Abfallwirtschaft, die hier in Oslo seit knapp drei Jahren die Mülltrennung durchführt und damit, in meinen Augen, ökologische Ziele verfolgt, spricht sich gegen die Tütensteuer und damit, finde ich, gegen eine eventuelle Reduzierung von Plastiktüten aus. (Denn, seien wir ehrlich, es könnte auch sein, dass das mit der Milliarde nichts wird und die Leute einfach weniger Plastiktüten kaufen. Könnte sein.) Die Abfallbeauftragten fürchten folgendes Szenario: Die meisten Norweger benutzen die Plastiktüten aus dem Supermarkt als Mülltüten für ihren Restabfall (in Oslo) oder ihren Bioabfall (im Rest des Landes). Beraubt man die Menschen nun ihrer „Mülltüten“, werfen sie ihren Müll vielleicht tütenlos in die Mülltonne. Besonders bei Bioabfall keine gute Idee, so die einheitliche Abfallexpertenmeinung von Oslo bis Bergen. Die Tonnen würden anfangen zu stinken. Plastiktüten seien dagegen hygienischer. In Oslo bestehe auch die Gefahr, dass die Bevölkerung ihre Müllsortierbeutel, die es kostenlos im Supermarkt gibt, für den Restmüll benutze. Das wiederum wäre ein großes Problem für die automatisierte Mülltrennung und würde zusätzliche Kosten verursachen. Außerdem sei das Recycling gefährdet, da sich eventuell nicht recyclefähiges Material in den Recycleprozess mischen könnte.

Hm.

Ich bin kein Müll- oder Umweltexperte, aber wenn ich quasi zum Gebrauch von Plastiktüten aufgefordert werde, finde ich das seltsam. Schließlich wird man in vielen anderen Ländern davon abgehalten. Gerade letzte Woche haben sich beispielsweise die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten auf eine Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs bis 2025 geeinigt. Aus ökologischen Gründen. In Irland werden Plastiktüten bereits mit 22 Cents pro Stück besteuert (aus Ökogründen), in Italien sind Tüten aus nicht abbaubarem Material verboten. Der Trend geht also weg von der Tüte. In Norwegen hingegen scheint man auf das weiterhin tütenbejahende Verhalten der Bevölkerung zu hoffen.

Ab März 2015 soll die poseavgift offiziell erhoben werden und bis dahin müssen noch viele Fragen geklärt sein. Zum Beispiel, ob eine kleine Tüte aus der Apotheke genauso viel Abgabe kostet wie die große Tüte im Supermarkt? Wie wird die Abgabe in Geschäften erhoben, deren Tüten bisher kostenlos waren? Muss der Kunde an der Supermarktkasse pro Tüte 2,50 Kronen bezahlen oder wird die Abgabe auf Produkte umgelegt? Und die im Moment am meisten diskutierte Frage: Wessen Idee war die Tütensteuer überhaupt???

Es gibt eine norwegische Filmkomödie mit dem Titel Tante Pose, also Tante Tüte. Darin stört, laut Wikipedia, eine schlechtgelaunte Tante durch ihren Besuch das ansonsten harmonische Weihnachtsfest einer norwegischen Familie. Wer, fragen die norwegischen Medien, ist die Tante Pose 2014? Welche Tütentante ist schuld an der Tütensteuer?

Finanzministerin Siv Jensen will es nicht sein, eben sowenig wie Trine Skei Grande von der Venstre-Partei. Die behauptet aber, es sei die Idee von Jensens Fortschrittspartei gewesen, was ihr von der Seite den Vorwurf einbrachte, sie sei eine Lügnerin. Und so streiten sie sich hin und her und am Ende kann ich nur dem Kommentator von Dagens Næringslivs, Kjetil B Alstadheim, zustimmen, der meinte, es sei ein gutes Zeichen, dass am Ende von schwierigen Budgetverhandlungen der Streit über Plastiktüten ausbreche. Größere Probleme habe das Land anscheinend nicht.

Mich hat die ganze Tüten-Diskussion dazu gebracht, endlich meine bunten Stoffbeutel zu reaktivieren und Müllbeutel von der Rolle zu benutzen. Das ist zwar anscheinend nicht im Sinne der Regierung, aber hoffentlich besser für die Umwelt.

***

Das war es schon für heute, meine lieben tütenlosen Leser. Danke an Christine, die mir das Tütenthema vorgeschlagen hat (ich werde sie deswegen aber nicht Tante Pose nennen! :)….). Es schneit in Oslo und die Adventszeit steht vor der Tür. Meine Lieblingszeit! Ich wünsche uns allen Tannenduft, leckere Kekse, Schneeballschlachten, heiße Schokolade, Kerzenschein und vor allem genug Ruhe, die Zeit zu genießen. Ehrlich! Fahrt Euren Weihnachtsstress runter, legt die Weihnachtsliste beiseite, schnappt Euch Partner, Kinder, Eltern, andere Familienmitglieder, Freunde oder Haustiere und habt einfach Spaß zusammen! Allen in Norwegen empfehle ich für dieses Wochenende einen Blick zu NRK 2: Minutt for Minutt, das norwegische Slow-TV-Format ist diesmal musikalisch. 200 norwegische Chöre singen das neue norwegische Gesangsbuch – alle 899 Lieder in 60 Stunden. Außerdem startet am 1. Dezember der Aufmunternde Adventskalender und ich freue mich zu lesen, ob und wie Ihr Euch daran beteiligt!

Ha det bra,

2014-11-07 11.19.07

(meine Lieblings“tüte“ samt Lieblingsinhalt)

Ulrike

 

Wer ist Marius? ODER Stricken wie die Norweger…

„Du glaubst nie, was ich von meinen Kollegen als norwegisches Abschiedsgeschenk bekommen habe!“ fordert mich letztes Jahr meine Freundin Ines zum Raten heraus. Ich schwanke zwischen Brunost-Hobel und Langlaufskiern. „Einen Mariusgenser!“ – „Wow!“ sage ich, um ihre Begeisterung nicht zu dämpfen. „Häh???“ denke ich ganz im Stillen. Einen Marius…was?

Hallo, meine lieben Leser und schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich wollte die Wissenslücke nicht lange offen lassen und googlete „Mariusgenser“. Ach soooo, rief ich kurz danach! Da denkt man, man kennt etwas nicht, aber in Wirklichkeit ist nur der Begriff unbekannt. Dabei hatte ich Mariusgenser schon oft gesehen und bewundert. Jeder Norweger scheint einen zu besitzen. Ihr kennt die auch:

Dieser Pullover schreit geradezu „Nooooorwegen!“ und das typische Muster findet sich heute nicht nur auf Pullovern sondern auf Kaffeebechern, Autos, Handyhüllen, Radiergummis, Kuchentellern, Souveniren, selbst mein Klopapier schmückt sich zur Weihnachtszeit mit Mariusmuster. Hier ist die Anleitung:

Quelle: Marius strikkebok

Quelle: Marius strikkebok

Aber wer ist nun dieser Marius, nachdem dieses Muster benannt wurde?  Als ich diesmal nur „Marius“  in das Google-Suchfenster eingebe, erscheinen:

  • Marius Müller-Westernhagen (sofort singe ich „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz…“)
  • Marius Schneider, ein deutscher Musikforscher
  • Mariusz Pudzianowski, ein polnischer Strongman. (Was das wohl ist? Kennt Ihr das? Man sucht nach EINEM Begriff und stößt dabei auf immer neue Begriffe, die man eigentlich auch googlen sollte. In diesem Fall bleibe ich aber eisern. Ich werde später herausfinden, was genau ein Strongman ist.)

Es stellt sich heraus, dass MEIN Marius nicht, wie ich dachte, der kreative Großvater meiner beider Strickgurus Arne und Carlos ist. Marius hatte mit Stricken gar nichts am Hut. Steht jedenfalls nirgendwo. Marius hieß mit Nachnamen Eriksen, war Skifahrer, Kriegsheld, Model und spielte in einer norwegischen Filmkomödie der 50er Jahre namens Troll i ord einen Skilehrer. Das war so ein cineastischer Vorfahr der Willi Bogner Filme und Marius‘ Auftrittsszene sah so aus:

http://www.youtube.com/watch?v=s6DVmqGHJ_0

Das Muster seines schicken Wollpullovers wurde 1953 für diesen Film von Unn Søiland kreiert (später hieß sie Unn Søiland Dale). Sie war die erste sogenannte „Karrierefrau“ Norwegens und ich bin mir nicht sicher, ob die Herren den Begriff damals als Kompliment meinten. Geboren 1926 in Haugesund wuchs Unn in einer Familie von Strickern auf und bekam das Stricken von ihrem Großvater beigebracht.  Eigentlich wollte sie Architektin werden, der Vater war aber dagegen und es folgte eine Ausbildung als Lehrerin. Der abenteuerlustigen Norwegerin war das aber nicht spannend genug, Unn begann als Stewardess zu arbeiten und später als Mannequin in Paris. Wenn sie gerade nicht über den Laufsteg lief, strickte sie. Und zwar mit Erfolg. Nachdem Boutiquen in Paris Interesse an ihren Kreationen gezeigt hatte, kehrte sie zurück nach Norwegen und startete ihre eigene Firma Lillunn.

Nachdem ihre Strickmuster Eskimo

und Slalom

…erfolgreich in ganz Norwegen nachgestrickt wurden, bekam Lillunn 1953 den Auftrag, alle Darsteller des neuen Films Troll i ord mit ihren Wollpullovern auszustatten. Ergebnis war das Marius-Muster, inspiriert von Mustern aus dem Setesdal. Statt aber die natürlichen Farbtöne weiß, schwarz, braun und weiß zu nehmen, entstand ein kräftiges  Muster in den norwegischen Nationalfarben blau, weiß, rot. Und dieses nationalstolze Muster, dessen Rechte noch heute die Wollfirma Sandnes besitzt, sollte möglichst gut vermarktet werden. Marius Eriksen wurde als Werbeträger ausgewählt.

Schwupps, der Mariusgenser und das Muster Marius sind geboren.

Seit 1953 hat Sandnes die Strickanleitung zum Mariusmuster millionenfach verkauft. Das Muster wird in den verschiedensten Farben und Farbkombinationen gestrickt und gerne parodiert: 2008 kreierten Arne und Carlos für die Molkerei TINE den Cheese Attack – Pullover, bei dem sich Außerirdische im klassischen Strickmuster tummeln.

Im November 2014 startet die norwegische Zeitung VG einen Wettbewerb: Gesucht wird der Magnusgenseren, ein Muster gewidmet dem norwegischen Schachstar Magnus Carlsen. Moods of Norway, DIE norwegische Modefirma, wird den Pullover produzieren.

Und nun ist es passiert: Ich will auch einen Mariusgenser. ALLE haben einen und ich tendiere dazu, Sachen haben zu wollen, die alle haben. Blöd, was? Aber ich werde mir Marius nicht kaufen, ich werde ihn stricken. Jawohl! Aber zuerst muss ich mich mit dem Muster besser anfreunden. Darum beginne ich klein: Mit Topflappen. Im neu erstandenen Buch und Quelle für diesen Artikel Marius strikkebok habe ich die Auswahl zwischen Handytaschen, Babystramplern, Skistrümpfen und eben Topflappen. Und die werden es jetzt erstmal.

Ich werde Euch das Resultat später vorführen. An die Nadeln, fertig, los!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Strickt Ihr auch? „Stricken konzentriert die Gedanken!“ soll Unn Søiland Dahl gesagt haben. Außerdem macht es Spaß, sage ich. Und wenn alles nach Plan verläuft, hat man am Ende einen wunderbar warmen Pullover, dicke Socken oder…naja, eben Topflappen. Interessanterweise haben früher (nur hier in Norwegen?) Männer genauso selbstverständlich gestrickt wie Frauen. Alle männlichen Leser seien also aufgefordert, auch mal zu den Nadeln zu greifen!

Ich wünsche uns allen eine tolle, gemütliche, warme und wollige Woche. Das Wetter lädt zum Stricken, Lesen, Backen und Tee trinken geradezu ein! Lasst es Euch gut gehen, lernt etwas Neues oder beschäftigt Euch mit Traditionen.

Ha det bra,

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Ulrike