Biologie war nie eines meiner stärksten Fächer. Zellaufbau oder gekreuzte Erbsensorten haben mich eher zum Gähnen gebracht und während der Jahre auf dem Fachgymnasium stand Bio nicht mal mehr auf dem Lehrplan. Hätte es aber. Statt mir erfolglos chemische Formeln einzuhämmern, hätte lieber das Verhalten von Zugvögeln auf dem Lehrplan stehen sollen.
Dann hätte ich heute bei -10° nicht Ausschau nach Wanderfalken gehalten.
Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Die Temperaturen in Oslo sinken weiter und lange Spaziergänge mit Gesa fallen momentan aus. Aber den ganzen Tag drinnen hocken wollen wir auch nicht. Da kam vorgestern eine Nachricht der deutschen Krabbelgruppe wie gerufen: Im Literaturhaus fände Donnerstag ein offener Kindertreff statt. Ob wir Lust hätten mitzugehen? Das Literaturhaus ist zu Fuß nicht mehr als 15 Minuten entfernt, eine gute Spazierzeit bei diesen frostigen Temperaturen.
Am Donnerstag morgen blieb Gesa noch genug Zeit zum Spielen und auf den Bauch rollen und mir Zeit für einen Kaffee und Zeitung lesen, bevor wir los mussten. Auf Seite 10 von Aftenposten las ich, dass ein Wanderfalke das Osloer Rathaus bewohnt. Harald Nissen von den Grünen hat nun beantragt, den Westturm des Rathauses als Nistplatz für den Falken zu sichern.
Interessant, dachte ich und blätterte weiter.
Bald machten Gesa und ich uns auf den Weg, beide dick eingemummelt. Ich jubelte mal wieder über die Heizkabel unter den eisfreien Bürgersteigen des Bogstadveien. Obwohl es gar nicht ihre Schlafzeit war, schlummerte Gesa mir auf der halben Strecke ein. Na toll! Sollte ich sie einfach die 30 Minuten schlafen lassen und DANN ins Literaturhaus gehen? Sollte ich gleich zum Literaturhaus fahren und sie dann eben aufwecken und mit einem knörigen Baby leben müssen? Fragen über Fragen. (Über die erfahrene Eltern wahrscheinlich die Augen rollen….)
Aber das Schicksal nahm mir die Entscheidung ab. Kurz vor dem Literaturhaus wurde ich auf Deutsch angesprochen: „Bist du Ulrike?“ Mein Blick war bestimmt mal wieder sehr intelligent. Immerhin brachte ich ein Nicken zustande. Stellte sich heraus, die beiden Frauen mit Kinderwagen gehörten zur Krabbelgruppe und kehrten gerade aus dem Literaturhaus zurück, das an diesem Donnerstag nur Programm für ältere Kinder anbot.
Prima, konnte Gesa also weiter schlafen. Und jetzt kam auch noch die Sonne raus! Was für ein Bilderbuch-Wintertag. Statt zurück nach Hause, schob ich ab in den Schlosspark. Gesa war dick eingepackt, es wehte kein Wind – ich entschied, noch länger draußen zu bleiben. Hm. Aber wohin könnten wir gehen?
Da fiel mir der Artikel über den Wanderfalken ein.
Und mein Gehirn fiel anscheinend aus.
Denn bei glitzernden Minusgraden beschloss ich, ihn zu besuchen.
Japp.
Ich gebe Euch jetzt ausreichend Zeit für brüllendes Gelächter.
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Genug ? Ansonsten bitte wiederholen.
„Wanderfalke, wir kommen!“ Wir schoben also durch den glitzernden Schlosspark Richtung Aker Brygge, die Promenade in Oslo, an dessen rechter Seite das Rathaus steht. Doch, welch Überraschung, kein Falke war zu sehen.
Und dann wurde ich skeptisch. MIR war schon kalt, wie kalt musste es da so einem gefiederten Tier gehen. Allerdings schossen gutgelaunte Möwen schreiend um mich herum.
Hm.
Ich suchte weiter. Aber irgendwann war mir kalt und so schoben Gesa und ich zu unserem nächsten Termin.
Später im Espressohaus bestätigte Freund Christian mit einem kurzen „Wanderfalken – im Winter????“ meine Zweifel. Naja, immerhin hatten Gesa und ich einen netten Spaziergang bei bestem Winterwetter. Und dem Falken schicken wir Grüße nach Spanien oder Portugal, denn laut dem Großen Norwegischen Lexikon „ziehen norwegische Wanderfalken ins südwestliche Europa.“
Ja, logisch. Sollen die etwa im Winter hier im frostigen Oslo bleiben? Wer glaubt denn sowas? 😉
***
Das war es für heute, meine lieben Leser. Warten wir ab, ob die Falken bald offiziell im Westturm wohnen dürfen und wir sie dabei beobachten können. Wer jetzt schon Vögel beobachten möchte, wird hier vielleicht fündig. Ich werde mir jetzt mal ein „Biologie für Anfänger“- Buch besorgen oder mich mit einem ornithologisch begabten Menschen unterhalten. Euch allen wünsche ich ein tolles Wochenende und eine schöne Woche, in der Ihr auch mal über Euch selbst lachen könnt. Wir freuen uns hier auf den Besuch meiner Mutter nächste Woche und hoffentlich ein paar Sonnentage.
Ha det,
(Das falkenlose Osloer Rathaus)
Ulrike













September 2014: Ich will das nicht schlucken. Wirklich nicht. Noch nicht einmal warmer Milchreis mit Zimt und Zucker löst einen derartigen Widerwillen in mir aus. Und das will was heißen, denn ich HASSE warmen Milchreis. Vor mir sitzt Gesa und guckt mich interessiert an. In Ordnung, here goes nothing. Mein erster Löffel Tran. Hallo, meine lieben Leser und ein Frohes neues Jahr! Schön, dass wir uns auch in 2015 hier wieder treffen. Tran also. Ja. Was tun wir nicht alles für unser Kind. Bei ihrem ersten Besuch betonte die helsesøster der kommunalen Gesundheitsstation wie wichtig es sei, dass Kinder Tran zu sich nähmen. TRAN? Nicht im Ernst, oder? Für mich gehörte diese ölige Nahrungsergänzung wenn nicht ins tiefste Mittelalter, dann doch wenigstens in die Kindheit meiner Eltern. „Vielleicht ist das in Deutschland so“, antwortete die Kinderkrankenschwester auf Hausbesuch. „Hier in Norwegen gehört Tran zum alltäglichen Leben.“ Ich fragte herum. Ungläubig. Klar hatte ich im Supermarkt die Regale voller Tranflaschen gesehen, aber meiner Meinung nach staubten die da trantütig vor sich hin – ignoriert von den modernen Großstadtnorwegern. Weit gefehlt. Sowohl in meinem norwegischen als auch deutschen Umfeld fanden sich viele, die die Omega-3-Quelle Tran täglich zu sich nahmen. „Aber nimm es bloß als Kapsel, das Originalzeug schmeckt widerlich.“ – „Nimm es bloß nicht als
(Ein Hoch auf die Kapseln!) Ulrike














